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Zwei Menschen

Richard Dehmel: Zwei Menschen - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
booktitleZwei Menschen
authorRichard Dehmel
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleZwei Menschen
created20050325
sendergerd.bouillon
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16.

Zwischen zwei Rappen jachtert ein Schimmel.
Sonne glitzert auf Schneestaubgewimmel:
ein Schlitten stiebt mit zwei Menschen dahin.
Schwarz funkeln die Schellen der silbernen Bügel.
Ein Weib schwingt die Peitsche, der Mann führt die Zügel.
Jetzt reckt er das Kinn:

Lea! seit meinen Jugendjahren
bin ich nicht so im Fluge gefahren,
so rasend noch nie.
Aber noch rasender war's gestern Morgen,
als ich im Sturm deinen Namen schrie
und, als wäre mein Gott drin verborgen,
mit ihm rang um dich, Knie an Knie:
schleife mich, Sturmgott, um die Erde,
sei sie unrein, sei sie rein!
gönne mir nur kein Glück am Herde,
hingerissen will ich sein!
Sage mir – Du! ich frage dich: schreit
Dein Gott auch so Meinen Namen?
Peitscht dich der Schnee auch wie Frühlingssamen?
Kennst du den Wahnsinn dieser Seligkeit?!

Er reißt ihr die Peitsche weg; die Rappen schäumen schon.
Die Zügel schlackern; die Bügel bäumen schon.
Das Weib umschlingt ihn fallbereit:

Nenn's nicht Wahnsinn, nenn's lieber Ahnsinn!
Lukas: ich hab in manchen furchtbaren Wochen
dagelegen wie zerbrochen
und wußte doch: ich will, muß, willmuß fliegen!
Ja, Lux: rase! laß brechen, laß biegen!
Mir wiegt ein Gefühl der Erleuchtung die Brüste,
als ob es die Sonne blindmachen müßte!
Und wenn mir der Schneestaub die Augen zerstäche,
und wenn mir dein Sturmgott den Atem bräche,
ich lasse mich wiegen, du – wiegen – wiegen –

Sie starrt verzückt in das wilde Gewimmel.
Zwei Menschen glauben sich im Himmel.

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