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Zwei Erzählungen: Ein Tag - Ivar Bye

Bjørnstjerne Bjørnson: Zwei Erzählungen: Ein Tag - Ivar Bye - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
authorBjörnstjerne Björnson
titleZwei Erzählungen: Ein Tag - Ivar Bye
publisherAlbert Langen
addressMünchen
seriesKleine Bibliothek Langen
volumeBand 58
year1903
firstpub1903
translatorMaria von Borch und G. J. Klett
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20060523
modified20180124
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II

Zwei Jahre später, im Winter, kam Ella mit ihren Schlittschuhen in der Hand hurtig vom Eise herauf. Sie hatte zum erstenmal die neue anschließende Jacke an; es war wirklich hauptsächlich diese, die sie hinaus getrieben hatte. Der Zopf kam munter unter der grauen Mütze hervor, er war dicker und länger denn je; es ging ihm vortrefflich.

Sie machte wie immer einen Umweg bei »Andresens an der Ecke« vorbei; das Haus zu sehen genügte ihr.

Und gerade, als ihr Auge auf das Haus fiel, stand Axel Aarö in der Tür. Er kam langsam die Treppe herunter; er war wieder zu Hause! Der blonde Bart fiel zierlich auf das schwarze Pelzwerk, die Pelzmütze bedeckte die kurze Stirn ganz und gar, so daß sie die Augen einrahmte, die großen anziehenden Augen.

Sie sahen sich an, sie mußten aufeinander zu, an einander vorübergehen; er lächelte, indem er an die schwarze Pelzmütze griff, und sie – blieb stehen und knixte wie ein Schulmädchen im kurzen Kleidchen!

Seit zwei Jahren war sie nicht stehen geblieben, hatte nicht anders, als mit dem Kopfe gegrüßt, ja, wie jede erwachsene Dame; wer klein ist, hält mehr als andere auf dieses Vorrecht. Aber vor ihm, vor dem sie am liebsten erwachsen sein wollte, vor ihm blieb sie stehen und knixte, wie damals, als er sie zuletzt gesehen! Noch von diesem Unglück verwirrt, stürzte sie in ein zweites hinein. Sie sagte sich: »Sieh dich nicht um! Halt dich stramm, sieh dich nicht um, hörst du! – Aber an der Ecke, als sie gerade umbiegen mußte, kehrte sie sich doch um – und sah ihn dasselbe tun! Von diesem Augenblick an gab es keine Menschen, keine Häuser, nicht Zeit, nicht Ort mehr. Sie wußte nicht, wie sie sich nach Hause fand, oder weshalb sie auf ihrem Bette lag, das Gesicht ins Kissen vergrub und weinte.

Vierzehn Tage darauf große Jugend-Gesellschaft im Klub. Axel Aarö zu Ehren. Alle wollten dabei sein, alle wollten ihren beliebten Kameraden zu Hause willkommen heißen. Von Hull hatten sie auch gehört, wie unentbehrlich er nach und nach dort drüben in der Gesellschaft geworden war. Wenn seine Stimme größeren Umfang gehabt hätte, – sie umfaßte nämlich nicht viele Töne – so wäre er jetzt an » Her Majesty's Theatre.« So wurde erzählt. Auf dem Balle sollte der Gesangverein – sein alter Gesangverein wieder mit ihm zusammen singen.

Ella war mit dabei! Sie kam zu früh, – vor ihr waren nur vier da. Sie fror vor Erwartung in den leeren Zimmern und halb offenen Gängen, meist aber im Saal, in dem sie sich einst »bloßgestellt« hatte! Sie trug ein rotes Ballkleid ohne irgend welchen Schmuck, ohne Blume; die Mutter wünschte es so. Sie fürchtete, sich verraten zu haben, indem sie so früh kam; sie hielt sich allein in einem Nebenzimmer auf und kroch nicht eher hervor, als bis mehr Licht angezündet war und Duft und Geplauder und das Stimmen der Instrumente dazu einlud. Mit den Bällen jetzt und früher ist es der Unterschied, daß es jetzt sofort lebhaft zugeht; das hat der Sport bewirkt; er hat größere Vertraulichkeit zwischen den Geschlechtern geschaffen. Klein, wie Ella war, verschwand sie in der Menge und sah Axel Aarö nicht eher, als bis sie mehrere flüstern hörte: »Da ist er!« und jemand hinzufügte: »Er kommt hierher zu uns!« Frau Holmbo war es, die er suchte und begrüßte; aber dicht hinter dieser stand Ella. Als sie sich entdeckt sah, wurde die Knospe noch roter als die Deckblätter. Sofort verließ er Frau Holmbo. »Guten Abend!« sagte er ganz leise und streckte die Hand aus, die sie annahm ohne aufzusehen. »Guten Abend!« sagte er noch einmal, noch leiser und noch näher. Sie spürte einen leichten Druck und mußte aufblicken; es geschah mit einer schüchternen Botschaft von Treuherzigkeit und Angst, die hastete an allen vorüber, erklärte nichts und gab niemandem Ärgernis. Er sah auf sie hinab und strich sich den Bart dabei; aber ob er nun nichts zu sagen hatte (er war ja wortkarg) oder ob er nicht sagen konnte, was er wollte, – alle schwiegen mit ihm. Mit der ihm eigenen milden Art wandte er sich und ging, wurde von Kameraden aufgefangen, und später sah sie ihn nur dann und wann in der Ferne; er tanzte nicht.

Sie aber tanzte; alle waren sich einig darüber, daß sie »süß« sei (das wurde mit Respekt gesagt), und dann lag an diesem Abend ein lieblicher Hauch von Freude auf ihr. Wo Axel Aarö auch im Saal stand, sie fühlte ihn und empfand einen stillen Jubel, an ihm vorüber schweben zu können. Seine Augen begegneten den ihren und folgten ihr; seine Nähe machte, daß sie alle und alles strahlend fand.

An den Türrahmen gelehnt, sah man einen großen, starken Mann »Aufsichtskomitee« bilden. Er mochte zwischen dreißig und vierzig Jahren sein, letzterem näher; ein sturmfestes Gesicht, breitgeschnitten, aber kühn; schwarzes Haar, braungrüne Augen, die Gestalt eines Riesen. Jedermann im Saal kannte ihn, Hjalmar Olsen, den mutigen Führer des größten Dampfschiffes im Lande. Er musterte alle, die vorbeitanzten, fand aber, daß der Kleinen im roten Kleide der Preis gebühre; sie anzusehen bereitete am meisten Vergnügen. Einesteils war sie außerordentlich hübsch und dann sprang ihre unbefangene Glückseligkeit auf ihn selbst über. Als Axel Aarö ihm näher kam, bekam Hjalmar Olsen jedesmal auch ein klein wenig von der Verliebtheit ab, die ihr aus den Augen strahlte. Sie tanzte jeden einzigen Tanz. Hjalmar Olsen war groß genug, um durch den ganzen Saal einen Schimmer von ihr zu erhaschen. Auch sie bemerkte ihn; bald wurde er zum Leuchtturm in ihrem Fahrwasser. Aber ein Leuchtturm, der Herz für die Schiffe hatte, – so fühlte er beispielsweise jetzt, daß sie dort an Peter Klaussons Weste in Gefahr sei. Er kannte Peter Klausson.

Ihre winzig kleinen Füße trippelten Walzer, ihr Zopf hüpfte Polka, die Füße dreiviertel Takt, der Zopf vierviertel. Aber Peter Klausson drückte sie zu fest an die Weste!

Darum suchte er sie gleich auf, als der Walzer zu Ende war; aber es war nicht so leicht, sich einen Tanz zu erhandeln; erst der nächste Walzer war frei, und den bekam er. Im selben Augenblick, als dies abgemacht war, strömten alle nach der Tribüne; der Gesangverein zeigte sich da oben. Sie war hilflos klein, die Ella, wenn alle drauf los stürmten und sich zusammen packten; Hjalmar Olsen, der ihre unglücklichen Versuche, ein Guckloch zu erhaschen, sah, erbot sich, sie auf die Bank zu heben, die an der Wand entlang lief, an der sie standen. Sie wagte es nicht; aber im selben Augenblick sah er andere hinauf klettern, und eh sie's noch hindern konnte, war sie selbst oben. Gerade da trat Axel Aarö zwischen seine Kameraden und wurde mit dem lebhaftesten Händeklatschen von allen anwesenden Freunden, Männern und Frauen begrüßt. Er verbeugte sich ehrerbietig und zurückhaltend; aber die Willkommgrüße wollten kein Ende nehmen, bevor die Kameraden sich nicht ein wenig zurückzogen und er ganz vortrat. Zuerst stimmte der Verein eins von den ältesten Liedern an; Aarö sang seine Stimme zwischen all den andern, was allgemein gefiel. Darauf trat der Dirigent an das Klavier, um ein Lied zu begleiten, das Aarö allein singen wollte. Das Lied war von Selmer und in der Hauptstadt schon in der Mode; es wurde von Männern wie von Frauen gesungen, das »sie« der letzten Strophe wurde nur in »er« umgeändert. Hier war es noch nie gehört worden.

Schon während der Verein sang, hatte Aarö im Saal umhergespäht, und von dem Augenblick an, wo er dort hin geblickt, wo Ella stand, hatte er kein Auge von da verwandt. Jetzt stellte er sich an jene Seite des Klaviers und während des Singens blickte er unverwandt dorthin. Je nachdem er hineinkam, wurden seine schwermütigen Augen durchleuchtet, seine Gestalt wurde plastisch.

Ich sing' nur für die einzige,
Wenn And're auch mein Lied erfreut,
So ist es doch die einzige,
Der ich es hab' geweiht.
Ihr, die Ihr lauschet, stärkt den Klang;
Denn wär' nicht jene einzige,
Die machte, daß mein Lied gelang, –
Ihr hörtet keinen Sang.

Jeg synger for een eneste,
om ogsaa alle hörer paa,
og bare denne eneste
kan Sanden helt forstaa.
Men I, som höhrer, styrk deus Klang;
for var ej denne eneste,
som vakte nu min Tonetrang,
da fick I ingen Sang.

Der Weg ist nicht der kürzeste,
Er schlinget sich durch Alle hier,
Jedoch er ist der einzige,
Der führet hin zu ihr!
Ihr Guten, höret, stärkt das Wort,
Damit es werd das einzige,
Das in der Brust ihr tönet fort,
Ein lieblicher Akkord!

Er Vejen ej den beneste,
forgrenet gjennem alle her,
so er den dog den eneste,
som kommer ganske naer.
Aa, gode Hjerter, styrk hvert Ord;
so de maa bli de eneste
I hele Kjaerlighedens Kor,
som hun af Hjaertet tror.

Seine Stimme war berückend; eine solche Liebesbotschaft hatte noch keiner je gehört. Jetzt waren außer Ella noch andere da, die Tränen in den Augen hatten.

Sie standen eine Weile, als warteten sie auf einen weiteren Vers, – daher Stille; aber dann brach ein Beifall los, desgleichen niemand je gehört hatte. Sie wollten das Lied noch einmal hören. Aber noch hatte keiner je erlebt, daß Axel Aarö etwas zweimal hintereinander gesungen hatte. Sie mußten es also aufgeben.

Ella hatte das Lied nie gehört, weder die Worte noch die Töne. Als er anfing, den Blick auf sie gerichtet, glaubte sie umfallen zu müssen; etwas so unerhört Kühnes hatte sie nicht geahnt. Er, sonst so wortkarg, rücksichtsvoll und zurückhaltend, ihr dies entgegenzusingen, so daß alle es hörten! Weiß wie die Wand, an die sie sich stützte, bekam sie eine solche Atemnot, daß sie sich nach Hilfe umsehen mußte. Gleich hinter ihr, ebenfalls auf der Bank, stand Frau Holmbo, magnetisiert, schön wie eine Statue.

Sie sah nicht mehr von Ellas Not als von der Uhr auf dem Marktplatz. Diese absolute Teilnahmlosigkeit kühlte sie ab; sie kam wieder zu sich. Die Gegenwart der andern, die ihr so entsetzlich gewesen, hatte ja nichts zu bedeuten, solange keiner was begriff. Schließlich hörte sie ohne Angst zu. Den zweiten Vers ganz und gar. Heimlicher, reizender konnte es ihr nicht gesagt werden, obgleich alle zuhörten. Wenn er sie nur nicht angesehen hätte! Wenn sie sich nur hätte verstecken können! –

Sobald der letzte Ton verhallte, sprang sie herunter. Unten zwischen all den Schultern fand sie ihre Schamhaftigkeit wieder, ihren wonneerfüllten Traum, ihr Geheimnis in bräutlicher Kleidung. Was war doch geschehen, und was würde nun das nächste sein? Rund umher funkelnde Augen, jubelnde Stimmen, klatschende Hände, – war das nicht wie Fackeln und Huldigungsrufe, war das nicht auch für sie mit? Drinnen nur er und sie, – all die andern draußen! –

Der Tanz begann sofort, – und sie hinein! Hinein, als sei alles ihr zu Ehren, oder als sei sie die einzige! Ihre Kavaliere versuchten einer nach dem andern mit ihr zu plaudern, aber es nützte nichts. Sie lachte, – lachte ihnen in die Augen, als wären sie verrückt, und sie allein die verständige. Sie tanzte, strahlte, lachte aus den Armen des einen hinüber in die Arme des andern. So daß Hjalmar Olsen, als er seinen Walzer bekam, gleichsam achtzehn frische Bouquets und ein »Hjalmar Olsen soll leben!« entgegennahm. Er fühlte sich mehr als geschmeichelt. Als sie ihren Arm wie harmlos fröhliches Kindergeplauder auf seinen schwarzen Frack legte, fühlte er, daß er eigentlich ebenso unwürdig sei wie Peter Klausson. Er wollte sie wahrlich nicht entweihen; er hielt sie tadellos weit von sich, und als ihm war, als lache sie, und er das Gesicht der kleinen Person irgendwo unten an seiner Weste erspähen wollte und auf dieser Expedition mehr zu sehen bekam, als er sehen durfte (denn er hob ihre Arme so schrecklich hoch hinauf), da schämte Hjalmar Olsen sich und starrte beim Weitertanzen wie ein Nachtwandler geradeaus in den Saal. Tanzte in Selbstgefühl und Entzücken fort über Stock und Stein. Ella versuchte dann und wann den Boden zu berühren; sie wünschte ein mehr sicheres Einhalten des Takts. Unmöglich. Das besorgte er alles selbst, sowohl ihr Tanzen wie sein eigenes, sowohl ihren wie seinen Takt; den Tanzboden erreichte sie nicht anders als zum Besuch; im übrigen war es eine Luftreise. Er hörte sie von unten her lachen; es freute ihn, daß sie sich wohlbefand. Aber er sah sie nicht. Die, mit denen er Zusammenstöße hatte, freuten sich weniger; das war ihre Sache. Er war vollständig verblüfft, als die Musik aufhörte; jetzt wollten sie ja erst allen Ernstes anfangen. Aber er mußte sie an der unfreiwilligen Haltestelle absetzen.

Gleich darauf wieder Gesang. Zuerst vom Verein allein; dann von ihm und Aarö zusammen Griegs »Landkjending«. Schließlich sang Aarö zum Klavier. Diesmal hatte Ella sich hinter die allerletzten verkrochen. Da diese aber beständig vorwärts drängten, blieb sie allein stehen. Dabei befand sie sich wohl; sie sah ihn, aber er sah sie nicht; er blickte auch nicht dorthin, wo sie stand.

Sie kannte das Lied nicht, wußte nicht einmal, daß es existierte, obgleich sie bei den ersten Worten und Tönen hörte, daß andere es kannten. Natürlich wußte sie, daß weder Worte noch Musik von ihm seien; aber gleichwie er das vorige Mal gewählt hatte, was zu jener dringen konnte, für die er singen wollte, zweifelte sie nicht daran, daß er jetzt dasselbe tat. Schon die ersten Worte: »Mein junges Lieb' den Schleier trägt« – heimliche Liebe kann ja kein wahreres Bild finden! Es war wiederum an sie! Daß der Schleier nur für ihn gehoben wurde, daß er fällt, sobald ein anderer hinsieht, – war das nicht so, wie es zwischen ihnen werden mußte? Daß das Geheimnis der Liebe einem Heiligtum gleicht, daß es das höchste Glück auf Erden birgt – sie erbebte beim Wiedererkennen! Die Töne schütteten die Worte wie kalte Wogen über sie; dieses Verständnis bis zum Verrat machte sie zu Eis erstarren. Sie bebte vor Angst und Wonne zugleich. Niemand sah sie, das war ihre Rettung. Sie fürchtete jedes neue Wort, bevor es kam, und jedes brachte neues Erbeben. Die Arme an den Busen gedrückt, den Kopf über die Hände gebeugt, stand sie da und zitterte wie in Wasserfluten. Und als der zweite Vers mit seiner letzten Zeile kam, und besonders als sie wiederholt wurde, wollten die großen Tränen aufsteigen – wie schon einmal früher im selben Saal. Sie stemmte sich mit aller Kraft dagegen; aber die Erinnerung daran, wie schlecht es damals gegangen, schwächte die Widerstandskraft; sie war nahe daran zu schluchzen, als das Lied auch dieses Wort brachte! Das Zusammentreffen war zu großartig, es schob alle Erregung beiseite, sie hätte jetzt laut auflachen mögen. Nun war sie ganz, ganz sicher! So kam es, daß die letzte Zeile des Liedes in ihrem klaren Sinne, in ihrem jubelnden Zusammenempfinden sie traf – wie ein Blitzstrahl, wie ein Messerstich bis ans Heft.

Das Lied lautete:

Mein junges Lieb den Schleier trägt,
Für mich nur hebt sie ihn empor,
Das Auge, das kein and'rer ahnet,
Das strahlet, schmelzet, lieblich mahnet
Soll niemand schaun – den Schleier vor!

Min unge Elskov baerer Slör,
for mig hun löfter den og ler
af Öjne, ingen anden aner,
de straaler, smelter, svaerger, maner; –
men Slöret for, straks nogen ser.

Wo Zwei vereint das Gute tun,
Wird's zwiefach auch gesegnet sein.
Wenn gleiches Sehnen, gleich Empfinden
In zweien Seelen sich verbinden,
Das größte Glück ist da allein.

Alt godt, som to er ene om,
har tvefold Ynde, Hellighed.
At Livets lange Laengsler mödes
i to, som Sjael i Sjael genfödes,
er störste Lykke, Jorden ved.

Doch weshalb sie den Schleier trägt
Und schluchzet in ihm ohne Laut,
Als bebte Jammer ihr im Herzen?
Weil er gewebt aus Gram und Schmerzen,
All uns're Lieb' auf Qual erbaut.

Men hvorfor baerer hun saa Slör
og hulker i det uden Lyd,
som skulde briste hendes Hjerte?
Fordi det aevet er af Smerte, –
i Savn og Angst er al vor Fryd.

Ein erschreckender, ohrenbetäubender Beifall. Sie wollten, sie mußten das Lied noch einmal haben; diesmal sollte Aarös vornehmer Widerstand sich für besiegt erklären.

Aber er leistete nicht Folge, und endlich gaben einige es auf, andere fuhren eigensinnig fort. In der Zwischenzeit trennten einige Damen sich von dem Haufen; sie kamen an Ella vorüber. »Hast du Frau Holmbo gesehen, wie sie sich versteckt und geweint hat?« – »Ja. Aber hast du sie während des ersten Liedes gesehen? Oben auf der Bank? Ihr hat er die ganze Zeit zugesungen.«

Kurz darauf – es mochte zwei Uhr nachts sein – schoß eine kleine, dicht verhüllte Dame pfeilschnell durch die Straßen. An der Kopfbedeckung und anderm sahen die Wächter, daß es eine von den Balldamen sein müsse. Sonst pflegten sie begleitet zu werden; aber der Ball war noch nicht zu Ende; da war gewiß irgend etwas nicht in Ordnung, sie ging auch so schnell.

Es war Ella. Sie eilte gerade an dem verlassenen Rathause vorüber, aus dem jetzt ein Speicher gemacht war. Die äußeren Mauern waren stehen geblieben, aber innen das schöne Holzwerk war verkauft und forttransportiert worden.

Das ist gerade wie mit mir, dachte Ella; sie eilte, so sehr sie konnte, Nächten ohne Schlaf und Tagen ohne Freude entgegen.

Gegen Morgen wurde Axel Aarö sinnlos betrunken von Kameraden nach Hause gebracht. Einige sagten, er habe ein Bierglas voll Whisky hinunter gegossen in dem Glauben, daß es Bier sei; andere sagten, er sei »Quartalssäufer« geworden, sei es lange gewesen, habe es jedoch verheimlicht. »Quartalssäufer« heißen Leute, die in längeren Zwischenräumen trinken müssen. Sein Vater war es vor ihm gewesen.

Ein paar Tage darauf ging Axel Aarö in aller Stille nach Amerika.

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