Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexandre Dumas (der Ältere) >

Zwanzig Jahre nachher. Erster Band

Alexandre Dumas (der Ältere): Zwanzig Jahre nachher. Erster Band - Kapitel 6
Quellenangabe
pfad/dumasalt/musk20-1/musk20-1xml
typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleZwanzig Jahre nachher. Erster Band
publisherFranck'sche Verlagshandlung
printrun12. Auflage
translatorZoller
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20121008
projectidbd17cf8b
Schließen

Navigation:

Gascogner und Italiener

Inzwischen war der Kardinal in sein Zimmer zurückgekehrt. Er fragte Bernouin, ob nichts Neues vorgefallen und ob keine Meldung gekommen sei, und hieß ihn auf seine verneinende Antwort abtreten. Sodann öffnete er die Türe des Korridors und hierauf die des Vorzimmers und sagte zu dem auf der Bank sitzenden und mühsam den Schlaf bekämpfenden Leutnant:

Folgt mir, mein Herr!

Vortrefflich, murmelte d'Artagnan, Rochefort hat mir Wort gehalten; das Gute kommt mir, scheint's, im Schlaf.

Herr d'Artagnan, sagte Mazarin, nachdem er sich gesetzt und eine bequeme Stellung eingenommen hatte, Ihr seid mir immer als ein braver, mutiger Mann vorgekommen.

Das ist möglich, dachte d'Artagnan, aber er hat sich Zeit gelassen, es mir zu sagen. Dessenungeachtet bückte er sich vor Mazarin bis auf den Boden, um sein Kompliment zu erwidern.

Nun wohl, fuhr Mazarin fort, der Augenblick ist gekommen, um aus Eurem Talent und aus Eurem Mut Nutzen zu ziehen.

Die Augen des Offiziers schleuderten gleichsam einen Freudenblitz, der sogleich wieder erlosch, denn er wußte nicht, wo Mazarin hinaus wollte.

Befehlt, Monseigneur, ich bin bereit, Eurer Eminenz zu gehorchen.

Herr d'Artagnan, fuhr Mazarin fort, Ihr habt unter der letzten Regierung gewisse Taten vollbracht ...

Eure Eminenz ist zu gut, daß sie sich dessen erinnert ... Es ist wahr, ich habe den Krieg mit ziemlich günstigem Erfolg mitgemacht ...

Ich spreche nicht von Euren Kriegstaten, entgegnete Mazarin, denn obgleich sie einiges Aussehen machten, so sind sie doch von andern übertroffen worden.

D'Artagnan spielte den Erstaunten.

Wie? sprach Mazarin, Ihr antwortet nicht? – Ich warte darauf, versetzte d'Artagnan, daß Monseigneur mir sage, von welchen Taten er zu sprechen die Gnade hat. – Ich spreche von den Abenteuern in ... Ihr wißt wohl, was ich sagen will? – Ach nein, Monseigneur, antwortete d'Artagnan ganz erstaunt. – Ihr seid verschwiegen? Desto besser! Ich spreche von jenem Abenteuer der Königin, von den Nestelstiften, von der Reise, die Ihr mit drei von Euren Freunden gemacht habt. – He, he! dachte der Gascogner, ist das eine Falle? Da müssen wir fest halten.

Und seine Züge drückten ein Erstaunen aus, um das ihn Mondori und Bellerose, die besten Schauspieler jener Zeit, beneidet hätten.

Sehr gut! rief Mazarin lachend. Bravo! man hat mir mit Recht gesagt, Ihr seiet der Mann, dessen ich bedürfe. Aber sprecht immerhin, denn die Königin selbst entbindet Euch Eures Schwures. – Die Königin! sagte d'Artagnan mit einem Erstaunen, das diesmal nicht gespielt war. – Ja, die Königin. Und zum Beweise, daß ich in ihrem Namen mit Euch spreche, hat sie mich beauftragt, Euch diesen Diamanten zu zeigen, von dem sie behauptet, Ihr kennt ihn, und den sie von Herrn des Essarts wieder erkauft hat.

Mazarin streckte die Hand nach dem Offizier aus, und dieser seufzte, als er den Ring wiedererkannte, den ihm die Königin an jenem Ballabend im Stadthause geschenkt hatte.

Es ist wahr, sagte d'Artagnan, ich erkenne diesen Diamanten, der der Königin gehört hat. – Ihr seht also wohl, daß ich in ihrem Namen mit Euch spreche. Antwortet mir, ohne weiter Komödie zu spielen. Ich habe Euch schon gesagt und wiederhole, daß Euer Glück davon abhängt. – Meiner Treu, Monseigneur, ich habe es sehr nötig, mein Glück zu machen. Ew. Eminenz vergaß mich so lange. – Das läßt sich in acht Tagen gut machen. Ihr seid hier; aber wo sind Eure Freunde? – Ich weiß es nicht, Monseigneur. – Wie, Ihr wißt es nicht? Wo werdet Ihr sie da wiederfinden? – Überall, wo sie sich aufhalten; das ist meine Sache. – Gut ... Eure Bedingung? – Geld, Monseigneur, so viel, als unsere Unternehmungen fordern. Ich erinnere mich zuweilen nur zu gut, wie sehr uns Geldmangel hemmte, und ohne diesen Diamanten wären wir auf dem Wege liegen geblieben. – Teufel! Geld, und zwar viel, sprach Mazarin. Wie rasch Ihr darauf losgeht, Herr Offizier! Wißt Ihr, daß in den Kassen des Königs kein Geld ist? – Macht es wie ich, Monseigneur, verkauft die Diamanten der Krone. Glaubt mir, man führt große Dinge nur schlecht aus mit kleinen Mitteln. – Nun wohl, sprach Mazarin, wir werden Euch zu befriedigen suchen. Richelieu, dachte d'Artagnan, hätte mir bereits fünfhundert Pistolen Handgeld gegeben. – Ihr gehört also mir? – Ja, wenn meine Freunde wollen. – Aber falls sie sich weigern, kann ich auf Euch zählen? – Ich habe nie etwas Gutes ganz allein getan, antwortete d'Artagnan, den Kopf schüttelnd.– Sucht sie also auf. – Was soll ich ihnen sagen, um sie zu bestimmen, Eurer Eminenz zu dienen? – Ihr kennt sie besser als ich; nach ihren Charakteren versprecht ihnen. – Was soll ich ihnen versprechen? – Sie mögen mir dienen, wie sie der Königin gedient haben, und meine Dankbarkeit wird glänzend sein. – Was sollen wir tun? – Alles, denn es scheint, Ihr wißt alles zu tun. Fürs erste, sucht Eure Freunde. – Monseigneur, vielleicht sind sie nicht in Paris; ja dies ist sogar wahrscheinlich, ich werde reisen müssen. Ich bin nur ein sehr armer Musketierleutnant, und die Reisen sind teuer.

Mazarin blieb einen Augenblick nachdenklich, als ob sich ein gewaltiger Kampf in seinem Innern entspänne. Dann ging er auf einen dreifach geschlossenen Schrank zu und zog einen Sack hervor, den er wiederholt in der Hand wog, ehe er ihn d'Artagnan gab.

Nehmt dies, sprach er mit einem Seufzer, es ist für die Reise.

Wenn es spanische Dublonen oder Goldtaler sind, dachte d'Artagnan, so können wir noch ein Geschäft miteinander machen.

Er verbeugte sich vor dem Kardinal und schob den Sack in seine weite Tasche.

Nun, das ist abgemacht, versetzte der Kardinal, Ihr reist. – Ja, Monseigneur. – Schreibt mir alle Tage und gebt mir Nachricht von Euren Unterhandlungen. – Ich werde nicht ermangeln, Monseigneur. – Gut. Doch halt, der Name Eurer Freunde ...? – Nach kurzem Schweigen antwortete d'Artagnan entschlossen: Der Graf de la Fère, sonst Athos genannt, Herr du Ballon, sonst Porthos genannt, und der Chevalier d'Herblay, gegenwärtig Abbé d'Herblay, früher Aramis genannt.

Der Kardinal lächelte.

Junker, sprach er, die sich mit falschen Namen unter die Musketiere hatten aufnehmen lassen, um nicht ihre Familiennamen zu kompromittieren ... lange Stoßdegen, leichte Börsen. Man kennt das.

Wenn es Gottes Wille ist, daß diese Stoßdegen in den Dienst Eurer Eminenz treten, erwiderte d'Artagnan, so wage ich den Wunsch auszudrücken, die Börse Eurer Eminenz möge leicht und die ihrige dafür schwer werden; denn mit diesen drei Männern und mit mir kann Eure Eminenz ganz Frankreich und sogar ganz Europa in Bewegung setzen, wenn es Euch beliebt.

Diese Gascogner, sprach Mazarin lächelnd, kommen den Italienern in der Prahlerei gleich.

In jedem Fall, sagte d'Artagnan mit einem ähnlichen Lächeln, in jedem Fall stehen sie, wenn es sich um das Schwert handelt, über ihnen.

Und er trat ab, nachdem er um einen Urlaub gebeten hatte, der ihm sogleich bewilligt und von dem Kardinal selbst unterzeichnet wurde.

Sobald der Kardinal allein war, rieb er sich die Hände.

Hundert Pistolen! murmelte er, hundert Pistolen! Um hundert Pistolen habe ich ein Geheimnis erhandelt, wofür Herr Richelieu zwanzigtausend Taler bezahlt hätte. Diesen Diamanten nicht zu rechnen, fügte er bei und warf einen verliebten Blick auf den d'Artagnan vorenthaltenen Ring, der wenigstens zehntausend Livres wert ist.

D'Artagnan aber näherte sich, kaum daß er draußen war, der ersten Laterne und schaute rasch in den Sack.

Silbertaler! rief er verächtlich, ich vermutete es! Ach, Mazarin, Mazarin! Du hast kein Vertrauen zu mir. Desto schlimmer! Das wird dir Unglück bringen.

Dann ging er in die Rue Tiquetonne, wo er in der Herberge zur Rehziege wohnte.

Wir wollen kurz erzählen, wie d'Artagnan dazu gekommen war, diese Wohnung zu wählen.

 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.