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Zwanzig Jahre nachher. Erster Band

Alexandre Dumas (der Ältere): Zwanzig Jahre nachher. Erster Band - Kapitel 18
Quellenangabe
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typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleZwanzig Jahre nachher. Erster Band
publisherFranck'sche Verlagshandlung
printrun12. Auflage
translatorZoller
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Herzog von Beaufort im Kerker

Der Gefangene, der dem Herrn Kardinal so bange machte, und dessen geweissagte Entweichung die Ruhe des ganzen Hofes störten, hatte schwerlich eine Ahnung von der Angst, die man seinetwegen im Palais Royal empfand. Er sah sich so bewundernswürdig bewacht, daß er die Fruchtlosigkeit seiner Versuche erkannte; seine ganze Rache bestand darin, daß er zahllose Verwünschungen und Schmähworte gegen Mazarin ausstieß.

Der Herzog war der Enkel Heinrichs IV. und Gabrieles d'Estrées, ebensogut, ebenso brav und besonders ebensosehr Gascogner, wie sein Großvater, aber bedeutend weniger in den Wissenschaften bewandert. Nachdem er eine Zeitlang nach dem Tode König Ludwigs XIII. der Erste am Hofe gewesen war, mußte er eines Tages seinen Platz an Mazarin abtreten und wurde der Zweite. Und am folgenden Tag, da er so wahnsinnig war, seinen Ärger über diese Herabsetzung laut zu äußern, ließ ihn die Königin verhaften, durch Guitaut nach Vincennes führen und dort fünf Jahre in einem nichts weniger als königlichen Turmzimmer festhalten. In dieser langen Zeit befestigte sich in seinem stolzen Herzen der Trotz gegen den verachteten Kardinal nur noch mehr.

Nachdem er sich vergeblich in Epigrammen an Mazarin zu rächen versucht hatte, griff er zur Malerei, und da ihm seine ziemlich mittelmäßigen Talente in dieser Kunst nicht gestatteten, eine große Ähnlichkeit zu erreichen, so schrieb er, um keinen Zweifel über das Original des Porträts zu lassen, darunter: » Ritratto dell' illustrissimo Facchino Mazarini.« Bildnis des erlauchten Lumpenhundes Mazarini. Als Herr von Chavigny dies erfuhr, machte er dem Herzog einen Besuch und bat ihn, sich einen andern Zeitvertreib zu wählen oder wenigstens Porträte ohne Kommentar zu malen. Am andern Tag war das Zimmer voll von Bildern mit Erklärungen. Herr von Beaufort glich, wie alle Gefangenen, den Kindern, die das am liebsten tun, was man ihnen verbietet.

Herrn von Chavigny wurde von dieser Profilsammlung – an Bildnisse en face wagte sich des Herzogs junge Kunst noch nicht – Mitteilung gemacht, worauf er, als Herr von Beaufort draußen Ball spielte, alle Zeichnungen abwaschen und das Zimmer übermalen ließ.

Herr von Beaufort dankte Herrn von Chavigny, teilte diesmal seine Wände in Felder und widmete jedes einem Zuge aus dem Leben des berühmten Kardinals von Mazarin.

Das erste Feld sollte den hochwürdigsten Schurken Mazarin darstellen, wie er eine Tracht Prügel von dem Kardinal Bentivoglio empfing, dessen Bedienter er gewesen war.

Das zweite den hochwürdigsten Schurken Mazarini, wie er die Rolle des Ignaz von Loyola in der Tragödie dieses Namens spielte.

Das dritte den hochwürdigsten Schurken Mazarini, wie er das Portefeuille des ersten Ministers Herrn von Chavigny stahl, der es bereits in den Händen zu haben glaubte.

Das vierte endlich den hochwürdigsten Schurken Mazarini, wie er La Porte, dem Kammerdiener Ludwigs XIV., Leintücher verweigert und behauptet, es sei für einen König von Frankreich hinreichend, alle Vierteljahre die Leintücher zu wechseln.

Es waren dies großartige Entwürfe, die offenbar den Umfang des Talents des Gefangenen überstiegen, und so begnügte er sich, die Rahmen zu zeichnen und die Inschriften hineinzusetzen.

Aber diese Rahmen und die Inschriften genügten, um die Empfindlichkeit des Herrn von Chavigny zu erregen, der ihm, als er eines Tages im Gefängnisgarten spazieren ging, sein Feuer, mit dem Feuer seine Kohle, mit der Kohle seine Asche wegnahm, so daß er nicht das geringste mehr fand, woraus er einen Zeichenstift hätte machen können.

Herr von Beaufort fluchte, tobte, heulte und sagte, man wolle ihn vor Kälte und Feuchtigkeit sterben lassen, worauf Herr von Chavigny antwortete, er habe nur sein Wort zu geben, daß er auf das Zeichnen Verzicht leiste. Herr von Beaufort gab sein Wort nicht und blieb die übrige Zeit des Winters ohne Feuer.

Herr von Beaufort kaufte nun einem seiner Wächter einen Hund, namens Pistache, ab; da es den Gefangenen nicht verboten war, Hunde zu besitzen, so gab Herr von Chavigny Erlaubnis, daß das vierfüßige Tier seinen Herrn wechsle. Herr von Beaufort blieb oft stundenlang mit seinem Hunde eingeschlossen. Als Pistache hinreichend abgerichtet war, lud sein Herr eines Tages Herrn von Chavigny und die Offiziere von Vincennes zu einer großen Vorstellung ein, die er in seinem Zimmer gab. Die Eingeladenen erschienen, das Zimmer war mit so vielen Kerzen beleuchtet, als Herr von Beaufort sich hatte verschaffen können. Die Übungen begannen.

Der Gefangene hatte mit einem von der Mauer abgelösten Stück Gips mitten durch das Zimmer eine lange Linie gezogen, die einen Strick darstellte. Pistache setzte sich auf den ersten Befehl seines Herrn auf diese Linie, stellte sich sodann auf seine Hinterpfoten und fing an, einen Kleiderausklopfstock zwischen seinen Vorderpfoten haltend, der Linie mit allen Windungen zu folgen, die ein Seiltänzer macht. Nachdem er die Länge der Linie zwei- oder dreimal vor- und rückwärts durchlaufen hatte, gab er den Stock Herrn von Beaufort zurück und machte dieselben Bewegungen ohne Balancierstange.

Das gescheite Tier wurde mit Beifallsbezeigungen überhäuft.

Hierauf zeigte Herr von Chavigny Pistache seine Uhr. Es war halb sieben Uhr.

Pistache hob und senkte die Pfote sechsmal, und bei dem siebenten Mal blieb dieselbe in der Luft. Man konnte unmöglich deutlicher sein. Eine Sonnenuhr hätte nicht besser geantwortet.

Dann handelte es sich darum, zu erkennen, wer der beste Kerkermeister aller Gefängnisse von Frankreich sei.

Der Hund machte dreimal die Runde und legte sich auf die ehrfurchtvollste Weise Herrn Chavigny zu Füßen.

Herr von Chavigny stellte sich, als fände er den Scherz vortrefflich, und lachte aus vollem Halse. Als er genug gelacht hatte, biß er sich auf die Lippen und fing an die Stirne zu runzeln.

Endlich legte Herr von Beaufort Pistache die so schwer zu lösende Frage vor, wer der größte Dieb in der Welt sei?

Pistache machte die Runde im Zimmer, hielt aber vor niemand stille, sondern ging an die Türe und fing an zu kratzen und zu winseln.

Seht, meine Herren, sprach der Prinz, da dieses interessante Tier hier nicht findet, was es will, so beabsichtigt es außen zu suchen. Aber seid unbesorgt, seine Antwort soll Euch deshalb nicht entzogen sein. Pistache, mein Freund, fuhr Her Herzog fort, kommt hierher. Der Hund gehorchte. Ist der größte Dieb der bekannten Welt, sprach der Prinz, der Herr Sekretär des Königs, Le Camus, der mit zwanzig Livres nach Paris gekommen ist und jetzt sechs Millionen besitzt?

Der Hund schüttelte den Kopf zum Zeichen der Verneinung.

Ist es, fuhr der Prinz fort, Herr d'Emery, der seinem Sohne, Herrn Thoré, bei seiner Verheiratung 300,000 Livres Renten und einen Palast gegeben hat, neben dem die Tuilerien eine Baracke und der Louvre ein Rattennest sind?

Der Hund schüttelte abermals den Kopf.

Der ist es auch nicht, sprach der Prinz. Nun, wir wollen suchen. Sollte es zufällig der hochwürdigste Facchino Mazarini di Piscina sein?

Pistache machte die eifrigsten Zeichen der Bejahung, indem er den Kopf acht- bis neunmal hob und senkte.

Meine Herren, Ihr seht, sprach Herr von Beaufort zu den Anwesenden, die diesmal nicht zu lachen wagten, der hochwürdigste Facchino Mazarino di Piscina ist der größte Dieb der bekannten Welt. Pistache behauptet es wenigstens. Gehen wir zu einer andern Übung über.

Meine Herren, fuhr Herr von Beaufort fort, indem er das Stillschweigen seiner Gäste benutzte und das Programm der dritten Abteilung der Abendunterhaltung verkündigte, Ihr wißt, daß der Herzog von Guise alle Hunde von Paris für Fräulein de Pons, die er für die Schönste der Schönen erklärte, springen lehrte. Nun, meine Herren, das war nichts; denn diese Tiere gehorchten mechanisch und sprangen für jeden. Pistache wird Euch, sowie dem Herrn Gouverneur zeigen, daß er hoch über seinen Genossen steht. Herr von Chavigny, habt die Güte, mir Euern Stock zu leihen.

Herr von Chavigny reichte Herrn von Beaufort seinen Stock.

Herr von Beaufort hielt ihn wagrecht einen Fuß hoch.

Pistache, mein Freund, sagte er, mache mir das Vergnügen und springe für Frau von Montbazon.

Jedermann lachte. Man wußte, daß der Herzog von Beaufort im Augenblick seiner Verhaftung der erklärte Liebhaber der Frau von Montbazon gewesen war.

Pistache, mein Freund, fuhr Beaufort fort, springe für die Königin, und er hob den Stock sechs Zoll höher.

Der Hund sprang ehrfurchtsvoll über den Stock.

Pistache, mein Freund, sagte der Herzog und erhöhte den Stock abermals um sechs Zoll, springe für den König.

Der Hund nahm einen Ansatz und sprang trotz der Höhe leicht hinüber.

Und nun, aufgemerkt, sagte der Herzog und erniedrigte den Stock beinahe bis zum Boden. Pistache, mein Freund, springe für den hochwürdigsten Facchino Mazarini di Piscina.

Der Hund wandte dem Stock den Rücken zu.

Nun, was ist das? sagte Herr von Beaufort, indem er einen Halbkreis vom Schweif zum Kopfe des Tieres beschrieb und ihm abermals den Stock vorhielt. Spring doch, Pistache!

Aber Pistache machte abermals eine halbe Wendung und bot dem Stock den Rücken.

Herr von Beaufort wiederholte seine Bewegung und seine Worte. Doch diesmal war die Geduld des Tieres zu Ende. Er warf sich wütend auf den Stock, riß ihn dem Prinzen aus den Händen und zerbrach ihn zwischen seinen Zähnen.

Herr von Beaufort nahm ihm die zwei Stücke aus der Schnauze, überreichte sie Herrn von Chavigny unter tausend Entschuldigungen und sagte, die Abendunterhaltung sei nun geschlossen; wenn er aber in drei Monaten einer zweiten Vorstellung beiwohnen wolle, so würde Pistache neue Stücke gelernt haben.

Drei Tage nachher war Pistache vergiftet – niemals erfuhr man, von wem.

Herr von Beaufort ließ ihm ein Grabmal mit folgender Inschrift errichten: Hier ruht Pistache, einer der gescheitesten Hunde, welche je gelebt haben.

Herr von Chavigny, der ziemlich rachsüchtiger Natur war, fing jetzt an, Herrn von Beaufort seine Kränkungen zurückzugeben. Er nahm ihm die ihm bis jetzt gelassenen eisernen Messer und die silbernen Gabeln und ließ ihm dafür silberne Messer und hölzerne Gabeln geben. Herr von Beaufort beklagte sich, aber Herr von Chavigny ließ ihm antworten: er sei benachrichtigt worden, der Kardinal habe zu Frau von Vendome gesagt, ihr Sohn müsse sein ganzes Leben im Kerker von Vincennes bleiben, und er habe befürchtet, bei dieser unglücklichen Kunde könnte sein Gefangener sich zu einem Selbstmordsversuch verleiten lassen. Vierzehn Tage nachher fand Herr von Beaufort zwei Reihen Bäume, so dick wie ein kleiner Finger, an den Weg gepflanzt, der zum Ballspielplatz führte. Er fragte, was dies zu bedeuten habe, und man antwortete ihm, es sei, um ihm eines Tages Schatten zu geben. Eines Morgens endlich suchte ihn der Gärtner auf und meldete ihm, wie wenn er etwas Angenehmes zu berichten hätte, man lege Spargelbeete für ihn an. Es ist bekannt, daß diese Pflanzungen erst in vier bis fünf Jahren genießbares Gemüse liefern. Diese Höflichkeit versetzte Herrn von Beaufort in Wut.

Herr von Beaufort dachte nun zu einem seiner vierzig Mittel zu greifen und versuchte es zuerst mit dem einfachsten, nämlich La Ramée zu bestechen. Aber La Ramée, der seine Stelle um 1500 Taler gekauft hatte, hielt große Stücke auf sein Amt. Statt auf die Absicht des Gefangenen einzugehen, eilte er stehenden Fußes zu Herrn von Chavigny und machte ihm Meldung. Sogleich stellte Herr von Chavigny acht Mann in das Zimmer des Prinzen, verdoppelte die Wachen und verdreifachte die Posten. Von diesem Augenblick an ging der Prinz nur noch wie ein Theaterkönig einher, nämlich mit vier Mann vor sich und vier Mann hinter sich, die nicht zu rechnen, die in einem Hinterglied marschierten.

Herr von Beaufort lachte anfangs über diese Strenge, die ihm eine Zerstreuung bereitete. Er wiederholte so oft als möglich: Das belustigt mich, das ergötzt mich! Dann fügte er bei: Wenn ich mich übrigens Euern Ehrenbezeigungen entziehen wollte, so hätte ich noch neununddreißig andere Mittel.

Aber diese Zerstreuung wurde am Ende eine Langweile. Aus Prahlerei hielt es Herr von Beaufort sechs Monate aus. Als er aber nach Ablauf von sechs Monaten sah, daß die acht Mann sich setzten, wenn er sich setzte, aufstanden, wenn er aufstand, stehen blieben, wenn er stehen blieb, so fing er an, die Stirne zu runzeln und die Tage zu zählen.

Diese neue Verfolgung führte einen verdoppelten Haß gegen Mazarin herbei. Der Prinz fluchte vom Morgen bis zum Abend und sprach nur vom Zerhacken und Einmachen Mazarinischer Ohren. Es war schaudererregend. Der Kardinal, der alles erfuhr, was in Vincennes vorging, drückte unwillkürlich sein Barett bis zum Halse hinab.

Eines Tages versammelte Herr von Beaufort die Wächter und hielt, obwohl seine Unfähigkeit, sich fließend auszudrücken, sprichwörtlich war, folgende Rede, die er allerdings einstudiert hatte:

Meine Herren, werdet Ihr es dulden, daß ein Enkel des guten Heinrich IV. mit Beleidigungen und Schmach überhäuft wird? Ventre-saint-gris! wie mein Großvater sagte, ich habe in Paris beinahe geherrscht, wißt Ihr! Die Königin schmeichelte mir damals und nannte mich den rechtschaffensten Mann des Reiches. Meine Herren Bürger, bringt mich jetzt hinaus: ich gehe geradeswegs nach dem Louvre. Ich drehe Mazarin den Hals um. Ihr werdet meine Leibwache, ich mache Euch alle zu Offizieren, und zwar mit guten Pensionen. Ventre-saint-gris! vorwärts, marsch!

Aber so pathetisch auch die Beredsamkeit des Enkels von Heinrich IV. war, so rührte sie doch diese Steinherzen nicht; nicht einer bewegte sich von der Stelle. Als Herr von Beaufort dies sah, sagte er zu ihnen, sie seien insgesamt Lumpenkerle, und machte sie sich dadurch zu grausamen Feinden.

Wenn ihn zuweilen Herr von Chavigny besuchte, was er regelmäßig zwei- bis dreimal in der Woche tat, so benutzte der Herzog diese Gelegenheit, ihm zu drohen.

Was werdet Ihr tun, mein Herr, sprach er zu ihm, wenn Ihr eines Tages ein Heer bis unter die Zähne bewaffneter Pariser erscheinen seht, um mich zu befreien?

Monseigneur, antwortete Herr von Chavigny, indem er sich tief vor dem Prinzen verbeugte, ich habe auf meinen Wällen zwanzig Feldstücke und in meinen Kasematten dreißigtausend Schüsse: ich werde sie nach Kräften mit meinen Kanonen bearbeiten.

Ja, aber wenn Ihr Eure dreißigtausend Schüsse abgefeuert habt, so werden sie den Turm nehmen, und wenn sie den Turm genommen haben, so bin ich genötigt, Euch von ihnen hängen zu lassen, was mir allerdings sehr leid tun wird.

Und der Prinz verbeugte sich ebenfalls mit der größten Höflichkeit vor Herrn von Chavigny.

Ich aber, Monseigneur, versetzte Herr von Chavigny, wäre, sobald der erste die Schwelle meiner Schloßpforten betreten oder den Fuß auf meinen Wall setzen würde, zu meinem größten Bedauern genötigt, Euch mit eigener Hand zu töten, da Ihr mir ganz besonders anvertraut seid und ich Euch tot oder lebendig zurückgeben muß.

Und er verbeugte sich abermals vor Sr. Hoheit.

Ja, fuhr der Herzog fort; da aber diese braven Leute sicherlich nicht hierherkommen würden, ohne vorher Herrn Giulio Mazarini gehenkt zu haben, so würdet Ihr Euch wohl hüten, Hand an mich zu legen, und ließet mich wohl leben, um nicht auf Befehl der Pariser von vier Pferden zerrissen zu werden, was noch viel unangenehmer ist, als das Hängen.

Diese süßsauren Scherze gingen so zehn Minuten, eine Viertelstunde, zwanzig Minuten höchstens fort und endigten stets auf folgende Weise.

Herr von Chavigny wandte sich nach der Türe um und rief:

Holla, La Ramée!

La Ramée trat ein.

La Ramée! fuhr Herr von Chavigny fort, ich empfehle Euch Herrn von Beaufort ganz besonders. Behandelt ihn mit aller seinem Namen und Range schuldigen Rücksicht und verliert ihn zu diesem Zwecke nicht einen Augenblick aus dem Gesicht.

Dann entfernte er sich, Herrn von Beaufort mit einer ironischen Höflichkeit grüßend, die diesen so zornig machte, daß er blau wurde.

La Ramée war also der unvermeidliche Tischgenosse des Prinzen, sein ewiger Wächter, der Schatten seines Leibes geworden. Man muß aber dabei gestehen, die Gesellschaft La Ramées, eines heitern Lebemannes, eines angenehmen Kumpans, eines trinkfesten Mannes, eines großen Ballspielers, kurz eines Burschen, der im Grund seines Herzens ein guter Kerl war und für Herrn von Beaufort keinen andern Fehler hatte, als daß er sich nicht bestechen ließ, war für den Prinzen mehr eine Zerstreuung, als eine Pein.

Mit dem Offizier stand es aber ganz anders. La Ramée war verheiratet und ein sehr zärtlicher Gatte und Vater. Er fand daher seine unaufhörliche Fesselung an den Gefangenen außerordentlich lästig und schließlich unerträglich und ergriff mit erklärlichem Eifer das Anerbieten seines Freundes, des Intendanten des Marschalls von Grammont, ihm einen Gehilfen zu verschaffen. Herr von Chavigny erklärte sich mit dem Plan einverstanden, wenn sich eine passende und zuverlässige Person finde, und als solche wurde eben der unsern Lesern aus den Drei Musketieren wohlbekannte Diener von Athos, der schweigend beredte Grimaud empfohlen.

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