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Zwanzig Jahre nachher

Alexandre Dumas (der Ältere): Zwanzig Jahre nachher - Kapitel 75
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleZwanzig Jahre nachher
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe
year1927
translatorGeorg Carl Lehmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060530
projectid9776de94
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Schluß

Als Porthos und Aramis nach Hause kamen, fanden sie einen Brief von Athos, worin er sie für den folgenden Morgen in das Gasthaus zu »Karl dem Großen« zu kommen bat. Beide begaben sich schon frühzeitig zu Bette, doch schlief weder der eine noch der andere. Man erreicht das Ziel all' seiner Wünsche nicht, ohne daß es nicht, wenn man dahin gelangt ist, diesen Einfluß hätte, daß es wenigstens den Schlaf der ersten Nacht verscheuchte. Am nächsten Morgen gingen beide zur festgesetzten Stunde zu Athos. Sie trafen den Grafen und auch Aramis im Reiseanzuge. »Ha!« rief Porthos, »reisen wir also ab? Auch ich habe diesen Morgen meine Sachen eingepackt.« »Ah, mein Gott, ja!« entgegnete Aramis; »in Paris ist nichts mehr zu tun, da es keine Fronde mehr gibt. Frau von Longueville hat mich eingeladen, einige Zeit in der Normandie zuzubringen und ihr in Rouen eine Wohnung einrichten zu lassen, indes ihr Sohn getauft wird. Ich gehe, um diesem Auftrage nachzukommen, und gibt es dann nichts Neues, so kehre ich zurück, um mich wieder in Noisy-le-Sec zu begraben.« »Und ich,« versetzte Athos, »ich kehre zurück nach Bragelonne. Ihr wißt es, lieber d'Artagnan, daß ich nur noch ein guter und braver Landwirt bin. Rudolf besitzt kein anderes Vermögen, als das meinige; das arme Kind! sonach muß ich darüber wachen, indem ich gewissermaßen nur ein Namenborger bin.« »Und was macht Ihr aus Rudolf?« »Freund, ich überlasse ihn Euch. Man wird in Flandern Krieg führen, nehmt ihn mit Euch. Ich bin besorgt, der Aufenthalt in Bois dürfte ihm den jungen Kopf verrücken. Nehmt ihn mit und lehrt ihn, tapfer und bieder sein, wie Ihr.« »Und ich,« versetze d'Artagnan, «da ich Euch nicht mehr haben werde, Athos, so werde ich doch wenigstens diesen lieben Blondkopf haben, und indem Türe ganze Seele wieder in ihm auflebt, Athos, so will ich, wiewohl er nur ein Kind ist, stets glauben, Ihr seid bei mir, mich begleitend und unterstützend.« Die vier Freunde umarmten sich mit Tränen im Auge. Hierauf schieden sie, ohne zu wissen, ob sie sich je wieder sehen würden.

D'Artagnan ging mit Porthos in die Gasse Tiquetonne zurück. »D'Artagnan, hört,« sprach Porthos, »legt das Schwert zur Seite und kommt mit mir nach Pierrefonds, nach Bracieux oder nach du Vallon; wir werden mitsammen altern und uns von unseren Gefährten unterhalten.« »O nein,« erwiderte d'Artagnan. »Pest, man wird den Feldzug eröffnen und ich will dabei sein, da ich etwas zu gewinnen hoffe.« »Was hofft Ihr denn zu werden?« »Bei Gott! Marschall von Frankreich.« »Ah, ah!« rief Porthos, d'Artagnan anstarrend, an dessen Gascognaden er sich nie ganz gewöhnen konnte. »Geht mit mir, Porthos, ich werde Euch zum Herzog machen.« »Nein,« antwortete Porthos, »Mouston will nicht mehr ins Feld rücken, überdies veranstaltet man mir auf meiner Herrschaft zum Ärger aller Nachbarn einen feierlichen Einzug.« «Darauf weiß ich nichts zu entgegnen,« sagte d'Artagnan, der die Eitelkeit des neuen Barons kannte. »Also auf Wiedersehen, Freund!« »Auf Wiedersehen, lieber Kapitän!« sprach Porthos. »Ihr wisset, daß Ihr stets willkommen seid, wenn Ihr mich auf meiner Baronie besuchen wollet.« »Ja, ich will nach meiner Zurückkunft aus dem Felde dahin kommen.« »Das Reisegepäck des Herrn Barons ist bereit!« rief Mousqueton. Die zwei Freunde drückten sich die Hand und schieden. D'Artagnan blieb an der Türe stehen und blickte Porthos, als er wegging, schwermütig nach. D'Artagnan blieb einen Moment regungslos und gedankenvoll, dann wandte er sich und sah die schone Magdalena, welche in Unruhe über d'Artagnans neue Beförderung an der Türschwelle stand. »Magdalena!« rief der Gascogner, »räumt mir die Wohnung im ersten Stockwerke ein; nun ich Kapitän der Musketiere bin, muß ich mich auch als das zeigen. Doch bewahrt mir stets mein Zimmer im fünften Stocke, da man nicht weiß, was sich ereignen kann.«

Ende
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