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Zur Stütze der Hausfrau

Hedwig Dorn: Zur Stütze der Hausfrau - Kapitel 8
Quellenangabe
authorHedwig Dorn
titleZur Stütze der Hausfrau
publisherVerlagsbuchhandlung Paul Parey
printrunFünfte, neubearbeitete Auflage
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161209
projectid16c98dc9
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VI. Die Kleidung

80. Wie soll man sich bekleiden? Dr. Franz Höber schreibt in seinem Buche: »Gesundheitslehre für das Volk« unter anderm folgendes: Die Wirkung der Kleider besteht darin, daß sie die Wärme, die ihnen der Körper fortwährend zuführt, nur sehr langsam wieder an die Luft abgeben; während sie von außen kalt werden, bleibt die innere Seite ziemlich gleichmäßig warm und zeigt bei einem gut gekleideten Menschen selbst bei strenger Kälte immer noch 25-30° C. Die Kleider frieren, wie sich ein berühmter Forscher drastisch ausdrückt, für uns; sie müssen also, sollen sie ihren Zweck erfüllen, schlechte Wärmeleiter sein. Die Stoffe, die dieser Forderung entsprechen und sich zur Bekleidung unseres Körpers eignen, sind nicht sehr zahlreich und – mit Ausnahme der Baumwolle – seit den ältesten Zeiten dieselben geblieben. Sie haben ein sehr verschiedenes Wärmeleitungsvermögen; der eine hält mehr, der andere weniger warm. Worin liegt diese Verschiedenheit? Nicht in der Stärke des Stoffes; jede Hausfrau weiß, daß unter Umständen ein fingerdickes Zeug weniger warm hält, als ein ganz leichtes. Die Beobachtung der Tiere wird uns den Schlüssel dazu liefern. Der natürliche Pelz der in der kalten Zone lebenden Vierfüßler, das Gefieder der Vögel, sie alle bilden nicht eine glatte Decke, sondern bestehen aus einer Anzahl wärmerer Schichten, seien es Haare oder Federn, die alle eine Menge Luft zwischen sich fassen. Wenn es sehr kalt ist, sträuben die Vögel ihr Gefieder, um die Luftschicht zwischen ihren Federn noch zu vermehren.

Ein Kleiderstoff ist ein um so schlechterer Wärmeleiter, je mehr Luft er zwischen seinen Poren faßt. Die Kleider haben also nicht etwa den Zweck, die Luft von unserem Körper abzuhalten, sonst müßten diejenigen Stoffe, welche für die Luft undurchlässig sind, die wärmsten sein. Hier ist das Gegenteil der Fall; wir wissen sehr wohl, daß wir im Winter mit Glacéhandschuhen an den Händen frieren, während wollene Handschuhe, welche die Luft durchlassen, warm halten. Ein Kleidungsstück, welches mit frischer Watte, die große Mengen Luft zwischen sich faßt, gefüttert ist, hält außerordentlich warm; ist diese Watte aber durch langen Gebrauch zusammen gedrückt und dadurch ihr Luftgehalt sehr vermindert worden, so hat sie jene schätzbare Eigenschaft zum größten Teil eingebüßt. Die Durchlässigkeit der Kleider für Luft aber hört bei einem gewissen Punkte auf ein Vorteil zu sein, nämlich dann, wenn die Poren der Kleiderstoffe sich in dem Maße erweitern, daß sie der Luft ohne Schwierigkeit den Durchgang gestatten (abgetragene und zerrissene Kleidungsstücke).

Die Stoffe müssen ferner so beschaffen sein, daß die daraus gefertigte Kleidung die Ausdünstung der Körperoberfläche nicht hindert. Jedermann weiß aus Erfahrung, wie lästig Kautschukregenmäntel und Gummischuhe beim Gehen sind. Können die feuchten Ausdünstungen und flüchtigen Ausscheidungsprodukte der Haut nicht nach außen entweichen, so schlagen sie sich zum Nachteil der Gesundheit auf unsern Körper nieder. Fast alle Stoffe nehmen Wasser auf, allerdings in sehr verschiedenem Grade; Wolle z. B. mehr als Leinwand, gibt aber, und darauf ist das Hauptgewicht zu legen, dasselbe auch sehr viel langsamer ab. Wir erkälten uns deshalb in wollenen Kleidern weit weniger leicht, als in solchen aus Leinwand, Battist oder Baumwolle. Jedermann kennt das unangenehme Gefühl, das ein nasses Leinwandhemd auf dem Körper verursacht. Freilich wird es schnell wieder trocken; aber durch die rasche Verdunstung, durch die schnelle Abgabe des aufgenommenen Wassers wird unserm Körper oft so viel Wärme entzogen, daß wir frösteln. Personen, die stark arbeiten, also leicht schwitzen, oder die sich hohen Temperaturen aussetzen müssen, sollten deshalb keine Leinwandunterkleidung tragen. – Nasse Kleider auf dem Leibe zu behalten ist unter allen Umständen schädlich. Ganz besonders gilt dies von nassen Strümpfen; dem Körper wird, bis diese wieder trocknen, eine übermäßige Wärmemenge entzogen.

Kein Kleidungsstück darf an irgend einer Stelle des Körpers so eng anliegen, daß es den Kreislauf des Blutes hemmt. Das starke Schnüren der Frauen rächt sich im Leben nur zu bald. Die eingeschnürte Leber drückt auf den Magen, der Kreislauf des Blutes wird gehemmt, die inneren Organe erkranken mehr oder weniger. Daher ist das Tragen von Reformleibchen, welche mit Knöpfen geschlossen werden und nur auf dem Rücken Fischbeinstangen enthalten, sehr zu empfehlen. Heutzutage ist in der Beziehung ein erfreulicher gesundheitlicher Fortschritt zu verzeichnen, indem die meisten jungen Mädchen entweder leichte, lose sitzende Korsetts oder obenerwähnte Reformleibchen mit angeknöpften Unterkleidern tragen. Auch die eng anliegenden hohen Stehkragen sind verwerflich. Sie verwöhnen nicht allein den Hals und machen ihn anfällig, sondern wirken auch leicht schädigend auf das Augenlicht, indem sie infolge des festen Anliegens Blutstockungen erzeugen. Das unpraktischste auf dem Gebiete der Frauenkleidung ist die Schleppe. Durch das Schleppen und Aufstoßen der Kleider schädigt die Frau nicht allein ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Mitmenschen, indem sie beim Gehen viel Staub und damit Bazillen aufwirbelt. Der fußfreie Rock, 10 cm vom Fußboden entfernt, gestattet, daß die Frau rasch dahin schreiten kann, ohne ihr Kleid zu heben und unsauber zu machen. Das Kleid selbst soll sich in allen seinen Teilen dem Körper anschmiegen, soll jeden Druck, jede Einengung vermeiden. Um diesen Ansprüchen zu genügen, haben die Reformkleider mit entsprechender Unterkleidung, bei welcher die Last der Hauptsache nach durch die Schultern getragen wird, jetzt vielfach Eingang gefunden. – Das Prinzip, unnütze Stoffülle zu vermeiden, führte zu einer Verengung der untersten Bekleidung. Das Beinkleid und Hemd werden durch eine Hemdhose aus porösem Stoff, teils mit langen, teils mit kurzen Ärmeln ersetzt. Der vollständig ausgeführte Anzug besteht demnach aus:

1. einer Hemdhose oder anschließendem Hemd und Beinkleid,

2. Korsettersatz mit daran geknöpftem Stoffbeinkleid,

3. fußfreiem Kleid.

Ein oder zwei Unterkleider können, je nach der Witterung, untergezogen werden. Diese Art der Kleidung würde jedenfalls die dem weiblichen Körper zuträglichste sein.

Was das Schuhwerk anbelangt, so entspricht dasselbe oft noch wenig den hygienischen Anforderungen. Die Füße müssen sich dem Schuhwerk und dessen Mode anpassen, statt daß es umgekehrt ist. Bald werden die Schuhe spitz, bald breit gearbeitet, bald mit hohen, bald mit niedrigen Absätzen, wie es eben die Mode mit sich bringt. Wir müssen von einem zweckmäßigen Stiefel verlangen, daß der Fuß auf der Sohle bequem ruhen kann, daß die Zehen hinreichenden Spielraum haben, um sich frei zu bewegen, und daß der Absatz niedrig und breit ist. Fig. 22 zeigt uns in deutlicher Weise, wie sehr darin gefehlt wird, und wie wir in unverzeihlicher Weise nur der lieben Eitelkeit und Mode wegen gegen unsere Gliedmaßen, ja gegen den ganzen Körper sündigen.

Fig. 22. A. Fuß in natürlicher Form. B. Fuß mit den Linien eines Stiefels. C. Fuß im Stiefel.

81. Wie erhält man sich seine Sachen?

Die Kleider. Man vermeide es so viel wie möglich, mit gutem Anzuge in der Wirtschaft zu hantieren oder schütze sich wenigstens durch eine große Hausschürze. Für die Ärmel sind Schoner sehr praktisch. Auf der Reise oder Ausfahrt sind für den Sommer leichte Staubmäntel, Schleier über die Hüte, sowie Leinwanddecken die besten Schutzmittel gegen den Staub. Bei dem Einsteigen in den Wagen werde der Rock glatt gezogen, um Druckstellen zu vermeiden. Die sparsame Hausfrau zieht sich nach der Heimkehr um und sorgt dafür, daß ihre Sachen ausgestäubt und abgebürstet an Ort und Stelle kommen. Röcke und Taillen werden auf einem Bügel zusammengehängt; feine Sachen mit einem Tuch bedeckt oder in einen Sack von Schirting gesteckt.

Die heutige Mode ist so wechselnd, daß es zweckentsprechend ist, sich nicht unnötig viel Garderobe anzuschaffen; doch bestimmen hierbei natürlich die zu Gebote stehenden Mittel und der eigene Geschmack. Ein tadelloser Anzug, ohne Überladung, wird stets sein Recht in der Gesellschaft behaupten, er mag noch so einfach sein. Vor allen Dingen aber mache es sich die Hausfrau zur Aufgabe, im Hause als Vorbild der Sauberkeit zu gelten.

Hüte werden mit Sammetbürste und Wedel sorgfältig abgestaubt und in einer Hutschachtel gegen Staub abgeschlossen.

Sonn- und Regenschirme nehme man nie ohne Futteral mit und zeichne sie, um Verwechslungen vorzubeugen. Im nassen Zustande schüttle man sie auf und stelle sie in Schirmständer oder spanne sie zum Trocknen auf.

Das Schuhwerk. Jeder gut sitzende Schuh hält länger, als ein schlecht sitzender. Vor dem Putzen ist das Schuhwerk vom Schmutz zu reinigen. Glanzleder werde nur mit Öl abgerieben, dann und wann bedarf es des Lackierens. Ziegenleder, das sehr angenehm im Tragen ist, wird mit Schuhcreme eingerieben und nachgebürstet. Nur feste hohe Schuhe und Stiefel aus Kalbleder werden gewichst. Bei nassem Wetter bedarf der Stiefel mehr Fett, um das Wasser nicht durchzulassen. Der Stiefelputzer hat darauf zu achten, daß die Wichse nicht nach innen oder oben an den Rand geschmiert werde. Ein bestimmter Kasten nehme alle Putzutensilien auf. Gummi-Überschuhe werden feucht abgewischt; ein Abreiben mit Öl von Zeit zu Zeit frischt ihren Glanz wieder auf.

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