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Zur Stütze der Hausfrau

Hedwig Dorn: Zur Stütze der Hausfrau - Kapitel 5
Quellenangabe
authorHedwig Dorn
titleZur Stütze der Hausfrau
publisherVerlagsbuchhandlung Paul Parey
printrunFünfte, neubearbeitete Auflage
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161209
projectid16c98dc9
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III. Die Reinigung

1. Die Hausreinigung

Die ersten Stunden des Tages werden im Hause durch das Aufräumen in Anspruch genommen, eine Arbeit, welche die Hausfrau den verschiedenen Dienstboten, deren Ämtern entsprechend, möglichst gleichmäßig zuteilen muß.

40. Das Reinigen der Treppen, des Hausflurs, der Vorplätze sei am Morgen die erste Arbeit, die meistens dem Küchenmädchen übertragen wird. Das Haus und seine Umgebung muß schon am frühen Morgen einen gepflegten Eindruck machen. Die Läufer der Treppen bürste man täglich und klopfe sie dann und wann im Freien. Strohteller, Matten, Abkratzbretter und Fußeisen müssen immer sauber und Treppengeländer und Pfeiler staubfrei sein.

41. Was gehört zum Aufräumen eines Zimmers? Bürste, Klopfer und Decken für die Polstermöbel; Reisbesen für Teppiche, bezw. fahrbare Teppichbürste (Fig. 5) oder Vakuum-Apparat (über letzteren s. S. 27); Kehrbesen, zwei Handfeger (mit langem und kurzem Stiel) und Müllschüppe zum Fegen; Schrubber, Feuchtlappen und Eimer zum Aufwischen; Staubtuch, Staubwedel und Pinsel für Möbel und Nippes.

Kehrbesen aus Roßhaar sind der Dauerhaftigkeit wegen sehr zu empfehlen. Sie dürfen aber niemals auf die Borsten gestellt werden, damit letztere nicht weich werden und sich zusammendrücken. Scheuereimer und Lappen müssen täglich, Besen etc. wöchentlich einmal gründlich gereinigt werden.

Fig. 2. Besenspind.

42. Wie räumt man die Wohnzimmer auf? Vorerst die Fenster auf und frische, reine Luft hinein, gleichviel, ob Winter oder Sommer, und ob im Ofen das Feuer brennt; je mehr Sauerstoff, desto freier atmet die Lunge. Dann beginnt das Aufräumen: Man stäubt die Decken, Fenstervorhänge etc. aus und legt sie zusammen, bürstet und bedeckt die Polstermöbel, stellt die Möbel zusammen oder trägt, um Platz zu gewinnen, Stühle etc. in den Nebenraum. Der Teppich wird abgebürstet und zusammengeschlagen. Die Gardinen werden hoch genommen. Dann wird gefegt, zunächst mit dem Vorkehrbesen unter Spinden, Kommoden etc., dann mit dem langen Besen das ganze Zimmer, Strich für Strich, immer nach der Tür zu, vor welcher man den Kehricht auf einer Schaufel aufnimmt. Die gestrichenen Dielen werden wöchentlich 2-3 mal mit Schrubber und Feuchtlappen aufgewischt, die gebohnerten Dielen, Parkett- oder mit Linoleum belegten Fußböden nach dem Fegen mit einem weichen Bohnertuch und der Bohnerbürste überrieben. Dann und wann muß neues Bohnerwachs aufgetragen werden. (Über Reinigung von Parkettfußböden und gebohnerten Dielen siehe S. 26 u. 27.) Nach der Reinigung des Fußbodens stellt man alle Möbel wieder an ihren gewohnten Platz, darauf achtend, daß die Stühle nicht die Wand berühren, die Tischdecken nicht schief liegen und nichts vergessen wird. Das Abstäuben wird erst nach etwa einer halben Stunde, wenn sich der Staub gründlich gesetzt hat, mit weichen Tüchern und Wedeln sorgfältig vorgenommen. Weder Fensterleisten, Türen, Bilder, die nicht schief hängen dürfen, noch der Sims des Ofens, die Lichtmanschetten, die Kronen oder das Schreibzeug dürfen unbeachtet bleiben. Unabgestäubte Gegenstände stören die Harmonie des ganzen Zimmers.

Fig. 3. Möbelbürste mit Stiel.

Fig. 4. Teppichbesen.

Fig. 5. Teppichkehrmaschine.

Nur in einem wohlgeordneten Raum schmecken die Mahlzeiten, darum sei das Eßzimmer schon von der Frühstückszeit an untadelhaft.

43. Was ist beim Ordnen der Schlafzimmer zu beachten? Ehe man das Schlafzimmer verläßt, öffne man die Fenster und schlage die Betten resp. Decken zurück, damit sie von der Luft berührt werden und ausdünsten. Erst nach dem Frühstück ordne man sie. Die Federbetten müssen gründlich aufgeschüttelt, Matratzen wöchentlich einmal umgedreht, Steppdecken ausgeschüttelt und Bettvorleger geklopft werden. Besondere Sorgfalt erfordert das Reinigen der Waschtische und des Waschgeschirrs; man bedarf dazu verschiedener Tücher und eines Pinsels, des letzteren für die Nachtgeschirre. Auch die Eimer sind täglich gründlich auszuspülen und auszutrocknen; Porzellaneimer sind den emaillierten vorzuziehen. Gläser und Karaffen müssen blitzblank sein. (Über Reinigung der letzteren siehe S. 22).

44. Worin besteht die wöchentlich einmal in Wohn- und Schlafzimmern vorzunehmende Reinigungsarbeit des Hausmädchens? Polstermöbel werden, soweit sie nicht zu schwer sind, von der Wand abgerückt, geklopft, in allen Falten gebürstet und bedeckt; Türeinfassungen, Gardinenstangen, hochhängende Bilder etc. mit einem langen Besen, (sogenannter »Eule«) abgefegt, etwaige Spinnweben entfernt, der Fußboden besonders sorgsam bis in alle Ecken gesäubert, Türen, Öfen, Spinde, letztere aber nur oberhalb, feucht gewischt, Teppiche, falls sie nicht zu groß, im Freien geklopft und etwaige schmutzige Fenster geputzt. Das Waschgeschirr, besonders Eimer und Nachtgeschirr, unterziehe man einer gründlichen Reinigung durch Ausseifen und Waschen mit warmem Wasser.

45. Wie putzt man Fenster? Man bediene sich dazu einer Stehleiter; Fensterbretter dürfen nicht betreten werden. Die Rahmen werden vom Staube befreit, wenn nötig, abgewaschen, ehe das Putzen beginnt. Durch Vorreiben mit weichem, feuchtem Zeitungspapier und Nachreiben mit trockenem werden Glasscheiben gut rein. Auch lauwarmes Spirituswasser, mit einem Schwämmchen auf das Glas gebracht, mit einem Putzleder oder leinenen Tuch nachpoliert, gibt sehr klares, blankes Glas. Man putze die Scheiben nie, wenn sie die Sonne bestrahlt; sie werden alsdann blind. Auch bei Regenwetter hat das Putzen natürlicherweise keinen Zweck.

46. Spiegel und Bilderglas putze man vorsichtig mit einem gut ausgedrückten Schwamm, um das Eindringen der Feuchtigkeit am Rahmenansatz zu verhindern; man reibe mit weichem Leder nach.

47. Karaffen reinigt man mit einer Mischung von Eierschalen, rohen Kartoffelstückchen, Salz und etwas warmem Wasser; man schüttelt sie tüchtig damit, spült mit klarem Wasser nach und stülpt sie zum Ablaufen in einem geeigneten Behälter um.

48. Wie reinigt man Bürsten? Die Borsten werden in Sodawasser oder in einer Mischung von 1 Teil Salmiakspiritus und 8 Teilen Wasser gereinigt und nachgespült.

49. Wie reinigt man Schwämme? Neue Schwämme werden in Milch geweicht und wiederholt gedrückt, damit die kleinen Steinchen und der Sand sich lösen. Schwämme, die durch Seife und Fett die Fähigkeit verloren haben, Wasser aufzusaugen, werden einen halben Tag in verdünnte Salzsäure oder Essigwasser gelegt, wiederholt gedrückt und in klarem, kaltem Wasser nachgewaschen.

50. Das Reinhalten der Küche bedarf, wie schon an anderer Stelle erwähnt, besonders auf dem Lande, bei dem oft starken Verkehr und Begehr der Leute, vieler Arbeit und eines tüchtigen, die Sauberkeit liebenden Mädchens. Wenn dasselbe zu Bett geht, muß die Küche den Eindruck der Ordnung machen und alles beiseite geräumt sein. Am Morgen aber muß gefegt und abgestäubt werden, ehe die Hausfrau dies Reich betritt. Schmutziges Geschirr darf sich nicht anhäufen. Nach jeder Mahlzeit muß aufgewaschen werden. Alle Utensilien in der Küche müssen sauber und blank sein und wöchentlich einmal gründlich gescheuert werden. Der Kochherd werde täglich geschwärzt.

51. Wie wird Geschirr aufgewaschen? Vor dem Aufwaschen wird sämtliches Geschirr sortiert, von etwaigen Resten befreit und zusammengestellt. Silber, Messer und Gabeln sowie Gläser werden jedes besonders gereinigt. Die Messer in einem Spüler, so daß in die Hefte der Messer kein Wasser dringt. Gläser spüle man in klarem, möglichst heißem Wasser und poliere sie sofort; sie werden, so lange sie noch warm sind, leicht klar und hell. Das Geschirr wird in heißem Soda- und Seifenwasser, das alle Fettteile gut löst, gewaschen und in klarem Wasser nachgespült. Steingut und Porzellan werden zuerst gereinigt; man stelle die Aufwaschwanne nicht zu voll, um Lücken und Sprünge zu vermeiden. Emailliertes Kochgeschirr reinige man mit weichem Scheuerrohr, niemals mit Sand, am allerwenigsten mit einem Messer, um das Abspringen der Emaille zu vermeiden. Haben sich Speisereste an dem Boden der Gefäße angesetzt, so löse man sie durch Erweichen mit Sodawasser auf dem Herde. Blech- und Eisengefäße sind zunächst mit feingesiebtem Sand und Scheuerrohr zu behandeln, dann trocknet man sie mit einem kräftigen Lappen ab und läßt sie noch eine Weile auf dem warmen Herd stehen. Küchenmesser und Holzkellen werden, damit sie nicht stumpf und grau werden, nach dem Reinigen sofort aus dem Wasser genommen. Ist der Aufwasch beendigt, wird der Aufwaschtisch oder die Wanne rein ausgerieben und ausgetrocknet. Endlich werden Ausguß, Tische, Bänke etc. gescheuert, alles in Ordnung gesetzt, der Herd geputzt, die Wasserblase und der Kessel gefüllt und die Küche gefegt. Eine fleißige, saubere Köchin wäscht sich auch ihre Handtücher und Wischlappen aus, um sie für den nächsten Tag wieder sauber zu haben.

Fig. 6. Aufwaschtisch.

52. Das Aufwaschen des Kaffeegeschirrs muß gleich nach eingenommenem Frühstück geschehen, sonst bleibt die Arbeit nicht selten bis Mittag unausgeführt. Hat das Mädchen keine Zeit, dann rasch selbst ans Werk, liebe Hausfrau! Zucker und Kaffee setzen sich durch längeres Stehen fest an die Gefäße an. Je heißer das Wasser, desto blanker das Geschirr. Ein Läppchen zum Waschen, eine Bürste für die Henkel, eine kleine Zylinderbürste für die Ausgießer der Kannen und dann und wann etwas Seife für die äußeren Böden des Geschirrs sind zu gründlicher Ausführung dieser Arbeit erforderlich. Löffel und etwaige Gläser werden zuerst gespült, dann sofort abgetrocknet und poliert.

53. Das Scheuern der Blechgefäße. Von Zeit zu Zeit muß sämtliches Blechgeschirr mit einer scharfen Lauge von Soda, Scheuerseife und gesiebtem, weißem Sand gereinigt, mit heißem Wasser nachgespült und einem wollenen Lappen nachgerieben werden. Man scheuere Stück für Stück, je nach der Form rund oder strichweise, sich wohl hütend, das Geschirr durch zu starkes Ausdrücken aus der Form zu bringen, oder gar den Henkel abzubrechen. Dann wird es weiter wie beim täglichen Gebrauch behandelt und trocken in einen Korb gelegt. Soll das Blechgeschirr rechten Glanz erhalten, so putze man es noch mit Putzstein und Essig, oder geschabter Kreide und Spiritus. Auch für Eisengefäße sind Laugenbäder vorzüglich. Sie nehmen sämtliche Fettigkeit fort. Bei dergleichen Scheuerfesten werden die verschiedenen Küchenschränke ebenfalls gesäubert und mit neuem Papier ausgelegt.

54. Wie erhält man Kupfer- und Messinggefäße blank? Die Molke ist ein vortreffliches Scheuermittel, zumal wenn die Gefäße einige Stunden darin gelegen haben. Auch durch Essig und Salz erhalten sie einen guten Glanz. Ebenso ist Oleum, in gebrühte Kleie gegossen, ein vorzügliches Putzmittel für Messing und Kupfer, muß aber, da es ein starkes Gift ist, vorsichtig angewandt und an einem sicheren Ort verwahrt werden. Man reibt die Sachen damit ab, spült und trocknet nach.

55. Wie behandelt man die Holzgefäße? Man scheuert sie am besten mit Scheuerrohr und feinem, gesiebtem Sande im Freien, am fließenden Wasser und bei hellem Sonnenschein, damit sie bleichen können. Soda macht das Holz grau, dagegen nehmen Schlämmkreide und gelöschter Kalk sämtliche Fettigkeit fort und befördern das Reinigen. Die Hände leiden aber unter der Schärfe des Kalkes.

Fig. 7. Messerkörbchen.

56. Das Putzen der Messer. Die Messerputzmaschinen, wie im dritten Teil abgebildet, sind sehr zu empfehlen und erleichtern das Putzen ungemein (in jedem größeren Küchengeschäft, z. B. bei Raddatz & Co. in Berlin W., Leipzigerstraße, zu haben); doch achte man darauf, daß die Messer mit der Schneide nach oben zwischen die mit Gummiringen bezogenen Walzen gesteckt werden, um ein Schartigwerden zu vermeiden. Größere Maschinen sind den kleinen ihrer Standhaftigkeit wegen vorzuziehen. Die Gabeln putzt man mit einem Lederlappen und Putzpulver. Ein sorgfältiges Nachwischen der Griffe, Klingen bezw. Zinken mit sauberem Tuch ist selbstverständlich. Rostflecken auf den Klingen werden durch Abreiben mit Schmirgelpapier und Nachputzen mit einem weichen Lederlappen, andere dunkle Flecke, die durch das Putzen nicht weichen, durch Steinkohlenasche, die mit einem in Spiritus getauchten Pfropfen aufgerieben wird, entfernt. Messerkörbchen mit Henkel (Fig. 7), beim Bedienen an den Arm zu hängen, sind sehr praktisch.

57. Das Putzen des Silbers. Ehe das Putzen beginnt, werden sämtliche zu putzende Sachen zusammen getragen, der Tisch wird zur Schonung mit Wachstuch bedeckt und der Putzkasten, enthaltend: Putzlappen, Putzmittel und Bürstchen, bereit gestellt. Als Putzmittel sind Silberputzseife oder -Pulver, auch Geolin zu empfehlen. Man wähle kein zu scharfes Mittel, damit das Silber nicht angegriffen wird. Es wird mit wollenem Lappen aufgetragen und kräftig verrieben; ein zweites sauberes Tuch dient zum Nachreiben. Man achte darauf, das Silber, wie feine Löffel etc. beim Putzen nicht zu verbiegen; auch vor Hinwerfen, wodurch es leicht Beulen erhält, ist es zu hüten. Silber, welches täglich recht heiß gewaschen und beim Abtrocknen mit sauberem Tuch kräftig poliert wird, braucht nicht wöchentlich geputzt zu werden.

58. Das Putzen von Messingstangen, Hähnen, Lampen etc. geschieht ebenso wie das des Silbers. Putzmittel: Geolin.

59. Nickel wird mit heißem Sodawasser abgewaschen und mit einem Lederlappen nachpoliert; wenn nötig, mit Geolin geputzt. (Über Reinigen des Nickel-Kochgeschirrs siehe im dritten Teil.)

2. Die Generalreinigung

Frühjahr und Herbst bringen im Haushalt eine besondere Reinigung und ein Ausmerzen nicht mehr brauchbarer Gegenstände mit sich. Da werden nicht allein das Haus, sondern auch die Ställe und sonstigen Räume, die unter der Obhut der Hausfrau stehen, besonderer Besichtigung unterzogen; da werden kleine Schäden ausgebessert, eine Arbeit, die auf dem Lande meist der geschickten Hand des Stellmachers und Schmieds überwiesen wird, Verbesserungen vorgenommen, Sachen, die in der betreffenden Jahreszeit nicht gebraucht werden, verwahrt etc. Zu etwaigen Renovierungen stehen den Städterinnen Handwerker aller Art zu Gebote, eine Landwirtsfrau muß sich häufig nur mit einem sogenannten Faktotum, in Gestalt eines alten Maurers oder Zimmermannes, begnügen, welcher Gesinderäume, Küche, Kammern und Ställe weißt, Wohl auch Tapeten ausbessert, Fußboden streicht, kurz, mit seinem Handwerkskasten und Farbentöpfen zur Hilfe stets bereit ist. Ein kleiner Winkel im Erdgeschoß wird ihm für seine Utensilien gern bewilligt, und die Hausfrau weiß durch einen guten Trunk und schmackhafte Kost ihn immer in guter Stimmung zu erhalten.

60. Wie räumt man auf?

Die Bodenräume. Die obersten Räume werden zuerst in Angriff genommen. Der Trockenboden wird gründlich abgefegt und bis in die Dachsparren von Staub und Spinngewebe befreit, der Fußboden gescheuert, die Wäschestangen oder Leinen sauber abgerieben, die Fenster geputzt. Die Kisten und Kasten (besonders auf dem Lande häuft sich so viel an) werden einer Prüfung unterzogen, sowohl auf ihre Brauchbarkeit, wie auf ihren Inhalt hin. Unnützer Kram wird beseitigt. In der Vorratskammer bleibt kein Säckchen, keine Schublade unberücksichtigt. Leere Töpfe und Gläser werden zusammengestellt, alle eingemachten Früchte nachgesehen und, wenn nötig, neu verbunden, die noch vorhandenen Vorräte notiert.

Die Zimmer. Mit dem entferntest gelegenen Zimmer wird die Reinigung begonnen. Sämtliche Nippes etc. werden gewaschen resp. abgestäubt, in Körbe gelegt und zugedeckt in den Nebenraum gebracht. Bilder und Spiegel werden von der Wand genommen und geputzt (siehe S. 22), Polstermöbel und Teppiche gründlich geklopft, (siehe weiter unten) schmutzige Gardinen und Vorhänge ausgestäubt und zur schmutzigen Wäsche gebracht und nach dem Aufräumen durch saubere ersetzt. Wollene Vorhänge werden von zwei Personen geklopft und gebürstet, die Gardinenstangen gereinigt. Die Doppelfenster werden (ist es die Frühjahrsreinigung) ausgehängt und deutlich numeriert, in die Bodenkammer gestellt. Alsdann wird bei weit geöffneten Fenstern gefegt, erst die Wände, wobei alle Möbel abzurücken sind, dann der Fußboden. Ersteres geschieht, indem man den Besen mit einem weichen Tuch oder einer gestrickten Besenhülle umwickelt und die Wände Strich für Strich von oben nach unten streichend, vorsichtig abreibt. Schadhafte Stellen werden ausgebessert, überhaupt alles, was irgend der Reparatur bedarf, wird wieder in stand gesetzt. Auch die Öfen sind nachzusehen. Dann wasche man Türen und Fenster mit Kartoffelwasser (siehe Reinigung von Ölanstrich S. 29), jedenfalls nicht mit scharfer Seifen- und Sodalauge. (Fensterbürste Fig. 8.) Nunmehr wendet die Hausfrau ihre Aufmerksamkeit den Möbeln zu. Mit einer Mischung von Wasser, Spiritus und Leinöl zu gleichen Teilen und einem wollenen Lappen wird in kreisförmiger Handbewegung die Politur eingerieben und mit einem weichen Tuche recht kräftig nachpoliert. Der Fußboden wird Strich für Strich mit Handbürste und Seifenwasser, das man öfter wechselt, gewaschen und gut nachgetrocknet.

Fig. 8. Fensterbürste.

Größere Teppiche, die nicht wöchentlich ausgenommen und geklopft werden können, reinigt man vielfach mit fahrbarer Teppichbürste (Fig. 5), die allen aufgenommenen Staub selbsttätig in einen daran angebrachten Kasten wirft. Dieses Verfahren ersetzt aber das Klopfen nicht und macht ein gründliches Reinigen, was bisher meist nur von den Teppichreinigungsanstalten ausgeführt werden konnte, notwendig. Die in neuerer Zeit in Aufnahme gekommenen Vakuum-Apparate (Fig. 9) (Absaugen des Staubes bis zu 90 % in einen luftleeren Raum) erfüllen diese Aufgabe vortrefflich. Es wird damit ein leichtes durchgreifendes Reinigen nicht nur der Teppiche, sondern auch aller Polstermöbel, Vorhänge, Gardinen etc. ermöglicht.

Fig. 9. Der Vakuum-Reiniger im Gebrauch.

Das Reinigen des Parkettfußbodens. Man reibt ihn mit Stahlspähnen ab, trägt, nachdem er sauber gefegt und trocken überwischt worden, neues Wachs auf und überbohnert mit schwerer Bohnerbürste in der Richtung der Holzfaser; letzteres wiederholt man nach 1-2 Stunden, um den Glanz zu erhöhen.

Gebohnerte, mit Ölfarbe gestrichene Fußböden reinigt man mit Terpentin oder Salmiakwasser, allerdings auf Kosten der Farbe, die etwas heller wird. Alsdann trägt man neues Bohnerwachs auf und verfährt wie bei Parkettfußböden.

Das Anstreichen des Fußbodens mit Farbe und Lack. Der zu streichende Fußboden werde 1-2 Tage vor dem Streichen gründlich gescheuert, damit er dazu ganz trocken sei. Dann streicht man die vom Maler fertig bezogene Farbe gleichmäßig und dünn in der Richtung der Holzfaser mit einem weichen Pinsel auf; besonders abgetretene Stellen streicht man am Tage zuvor mit derselben Farbe vor. Nachdem die Farbe vollständig getrocknet ist (wenigstens 36 Stunden dazu erforderlich), trägt man den Lack gleichfalls mit weichem Pinsel auf. (Den Lack beziehe man ebenfalls vom Maler, da er mit Farbe und Terpentin gemischt sein muß.) Verdickt er sich beim Streichen, so gieße man etwas Terpentin hinzu. Er trocknet innerhalb 12 Stunden. Ehe man den neugestrichenen Raum benutzt, wische man ihn einige Male mit kaltem Wasser auf. Den Pinsel reinige man sofort nach beendigter Arbeit mit Terpentin und wasche ihn mit schwarzer Schmierseife in warmem, nicht heißem Wasser gründlich aus, spüle nach und hänge ihn zum Trocknen auf. Der Rest der Farbe wird in einem engen Gefäß gut verschlossen verwahrt, um möglichst das Bilden einer Haut zu vermeiden.

Ritze in den Fußböden werden vor dem Streichen mit Glaserkitt dicht gemacht.

Die Wirtschaftsräume. Küche, Keller und Speisenkammer ziehen durch frisches Weißen der Wände das reinste Kleid an. Ehe der Maurer seine Arbeit beginnt, werden die Gegenstände hinausgeschafft und die Fußböden dick mit Sand bestreut oder mit alten Teppichen belegt, um sie gegen Kalkflecke zu schützen. Sehr schmutzige, durch Rauch fettig gewordene Wände werden, nachdem alle schadhaften Stellen ausgebessert sind, mit Schmierseifenwasser abgewaschen, sonst hält die Kalktünche nicht daran fest. Gute Milch verleiht Weiße, Salz verhindert das Abfärben, und Alaun schützt gegen Ungeziefer, darum werden alle drei Ingredienzien dem zweiten Kalkwasser beigemischt. Durch Abbrennen von Wacholdergesträuch oder Schießpulver entfernt man den üblen Kalkgeruch. Der Kalkpinsel muß sauber ausgewaschen, getrocknet und verwahrt werden. Sämtliche etwaige Kalkflecken auf dem Fußboden reibt man vor dem Scheuern mit Holzspänen oder Stroh ab.

61. Einige Winke zur Erhaltung des Hausgeräts.

Holzgegenstände, die im Freien (Gartenmöbel) oder in feuchten Räumen (Waschgefäße) stehen, streicht man der Haltbarkeit wegen mit Ölfarbe an. Wäschepfähle, Gartenbänke etc. tauche man vor Aufstellung mit dem in die Erde zu senkenden Teil in Karbolineum.

Teppiche wieder frisch zu machen. Die Teppiche werden, nachdem man sie sorgfältig geklopft und gebürstet hat, mit Sauerkohl oder gebrauchten feuchten Teeblättern abgebürstet, oder man reibt sie mit einem in Salmiakwasser getauchten Lappen ab.

Echte orientalische Teppiche zu reinigen. Man bereite folgende Lösung: Ein Stück Gallseife für 10 Pf. verkoche man mit 2 l weichem Wasser und füge, wenn die Seife gelöst, vier Eßlöffel Salmiakgeist hinzu. Nachdem der Teppich sorgfältig geklopft und gebürstet ist, bürste man ihn mittels einer in die erkaltete Lösung getauchten Handbürste, die helleren Stellen zuerst, strichweise ab. Danach wird mit einem sauberen, in kaltes Wasser getauchten Schwamm der entstandene Seifenschaum abgetupft und der Teppich mit mehreren Leinentüchern trocken gerieben.

Wachstuch und Tischlinoleum werden mit Milch abgewischt, um ihren Glanz zu erhalten.

Neue Möbel werden leicht stumpf und zeigen kleine, staubige und ölige Flecken. Mit einem in Terpentinöl getränkten Lappen wird die Fläche gereinigt und gründlich nachpoliert. Neue Möbel sollen nach Ablauf von 2 Jahren eigentlich aufpoliert werden.

Weiße Flecke oder Ringe auf mit Ölfarbe gestrichenen Fußböden, welche meist dadurch entstehen, daß Wasser oder mit heißer Flüssigkeit gefüllte Gefäße längere Zeit darauf stehen bleiben, bestreiche man, falls sie nicht nach und nach von selbst verschwinden, mit Öl oder Petroleum. Sollte auch das nicht helfen, so muß der Fleck vorsichtig mit einer dem Fußbodenanstrich entsprechenden Ölfarbe nachgestrichen werden.

Tapeten und Decken werden, wenn sie staubig sind, mit Brot (vom Tage vorher) abgerieben. Glanztapeten reinigen sich leichter als stumpfe. Schadhafte Stellen bessere man sorgfältig durch genau dem Muster sich anpassende Stücke neuer Tapete aus. Vor dem Tapezieren bestreiche man die Wand mit dünnem Leim. Feuchte Stellen der Wand werden, ehe die Tapete darüber geklebt wird, mit Asphaltpapier, das man mittels darüber genagelten Leinewandstreifen befestigt, belegt.

Reinigung von Ölanstrich und Ölgemälden. Um den Ölanstrich zu schonen, reinige man ihn mit Kartoffelwasser, gewonnen aus rohen, geschälten und geriebenen Kartoffeln, auf welche man Wasser gegossen hat; der Brei wird gerührt und, nachdem er sich zu Boden gesetzt, das Wasser zum Gebrauch abgegossen. Auch Ölgemälde und Bilderrahmen reinige man damit und benutze dazu ein gut ausgedrücktes Schwämmchen.

Bronzesachen werden durch Abwaschen mit Kartoffelwasser (siehe Reinigung von Ölanstrich) gereinigt und nachgespült.

Blind gewordene Fensterscheiben werden wieder hell durch Einreiben des Glases mit Leinöl, das nach einigen Stunden abgewaschen wird.

Blind gewordene Spiegel reibe man mittels eines weichen, in eine Mischung von spanischem Pfeffer und Wasser oder Weingeist getauchten Läppchens ab und poliere mit Ledertuch nach.

Gipsfiguren wieder weiß zu machen. Etwas süße Milch wird mit Zinkweiß erwärmt (auf 250 g Zinkweiß ungefähr 1 l Milch), und die zuvor gut abgestäubte Figur ein- bis zweimal damit überstrichen.

Flecke aus Marmor entferne man durch Weichen mit Erd- oder Baumöl und reibe nach einiger Zeit trocken nach.

Ein haltbarer Kitt für Marmor ist Wasserglas, mit feingeschabter Kreide angerührt. Für grauen Marmor mischt man ganz fein gesiebte Holzasche darunter. Da Marmor einen rauhen Bruch hat, hält an demselben der Kitt eher fest, als an Glas und Porzellan.

Ausgezeichneter Kitt für Porzellan und Glas. Für 5 Pf. Gelatine wird in Essigsäure im Werte von 10 Pf. am warmen Ofen aufgelöst. Beide Bruchseiten des zerbrochenen Gegenstandes werden damit bestrichen und dann so fest als möglich gegeneinander gepreßt, bis die bindende Masse erhärtet ist. Viele Sachen lassen sich, falls sie nicht in zu viele kleine Stücke zerbrochen sind, auf diese Weise mit Erfolg kitten. In allen größeren Drogerien erhält man übrigens auch haltbaren Kitt.

Das Aufstecken der Gardinen. Man lege die gesäuberte Gardinenstange auf die Lehnen zweier voneinander abgewandter Stühle, nehme den Vorhang vor sich, lasse ihn auf den rein gefegten Fußboden gleiten, achte darauf, daß seine rechte Seite dem Fußboden zugewendet ist, und stecke erst den einen und dann den anderen Flügel von der Mitte aus an das auf der Rückseite der Stange genagelte Band fest. Je nach der Breite des Stoffes und der Fenster richten sich die Falten, die man bei beiden Schals nach entgegengesetzter Richtung steckt und so verteilt, daß sie nach der Mitte hin reichlicher fallen. Die ein wenig angefeuchteten Gardinen legt man mittels einer Stehleiter auf die Haken und ordnet sie in leichte, regelmäßige Falten, wobei man die Bogen nach vorn zieht. Stoffvorhänge näht man ihrer Schwere wegen an das auf der Stange befestigte Band an. – Die Hausfrau halte streng darauf, daß die Stehleiter stets in bester Ordnung sei und beim Gebrauch feststehe.

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