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Zur Stütze der Hausfrau

Hedwig Dorn: Zur Stütze der Hausfrau - Kapitel 20
Quellenangabe
authorHedwig Dorn
titleZur Stütze der Hausfrau
publisherVerlagsbuchhandlung Paul Parey
printrunFünfte, neubearbeitete Auflage
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161209
projectid16c98dc9
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II. Das Kochgeschirr

Im allgemeinen ist es schwer zu bestimmen, welches Kochgeschirr den Vorzug verdient. Oftmals ist nur die unvorsichtige und ungeschickte Behandlung daran schuld, daß das Gefäß nicht dauerhaft bleibt. Ein Haupterfordernis ist gründliche und sorgfältige Reinhaltung des Geschirrs.

261.

1. Das gußeiserne Gefäß wird gegen früher billiger, aber auch weniger haltbar ausgeführt. Die Emaille im Topf springt leicht ab, selbst wenn man die Gefäße mit Salz und Essig auskocht. Außerdem ist Gußeisen dem Zerschlagen ausgesetzt, wenn es herabfällt. Trotzdem werden die Töpfe und Kasserollen noch viel gekauft, weil die Speisen rasch darin kochen und dämpfen.

2. Das gestanzte, innen und außen emaillierte Eisenblechgefäß kommt in den verschiedensten Farben und Fabrikaten in den Handel. Es ist sehr angenehm in der Reinigung, bringt die Speisen leicht zum Kochen und spart Feuerung. Länger als 5 Jahre reichen die Gefäße aber nicht aus, besonders wenn sie viel gebraucht werden. Der Boden erhält Löcher und muß durch verzinntes Eisenblech ersetzt werden. Auch die Emaille springt nach und nach ab.

3. Das Kupfer- und Messinggefäß ist, blank geputzt, die schönste Zierde der Küche. (Behandlung siehe S. 24.) Kupfer muß stark und stets gut verzinnt sein, damit sich nicht Grünspan ansetzen kann und die Speisen zum Verderben bringt.

4. Das Nickelgefäß zeichnet sich durch seinen Glanz und seine Haltbarkeit aus, ist aber sehr teuer. Durch Abwaschen mit heißem Sodawasser und darauffolgendes festes Abreiben mit einem weichen Lappen bekommt es wieder Ansehen. Auch ist zum Scheuern der angeschwärzten Böden und des Innern der Gefäße Putz-Schmirgel zu empfehlen; zu beziehen durch sämtliche Verkaufsstellen der Berndorfer Metallwaren-Fabrik.

5. Aluminium-Geschirr wird neuerdings stärker und dadurch haltbarer hergestellt. Es ist seiner Leichtigkeit wegen angenehm im Gebrauch und bedarf nur des einfachen Abwaschens mit Sodawasser.

6. Das feuerfeste Porzellan genießt den Vorzug, mit den Speisen auf die Tafel zu kommen, springt nicht und verliert wenig das Ansehen, ist aber sehr teuer. Wird besonders zu kleinen Portionen verwandt.

7. Das irdene Gefäß, innen und außen glasiert, behauptet trotz geringer Haltbarkeit immer seinen Platz in der Küche. Alle Mehlpräparate entwickeln sich langsam und gut darin, ohne anzubrennen. Um den Gefäßen mehr Haltbarkeit zu geben, erhalten sie einen Blechboden und werden umstrickt. Zum Aufbewahren der Speisereste, Milch etc. sind sie unentbehrlich.

8. Porzellan ist für den Gebrauch in der Küche zu teuer; man halte nur so viel, als das Dienstpersonal unbedingt nötig hat.

9. Steingut ist schlechteres Porzellan. Es hat weniger Festigkeit, weil schlechteres Material dazu verwendet wird. Die Glasur erhält Sprünge und verliert dadurch ihr Ansehen.

10. Gefäße aus Holzstoff sind selbst gegen kochendes Wasser widerstandsfähig, dabei leicht im Gebrauch, sauber und haltbar.

Sämtliches Kochgeschirr darf niemals ohne Inhalt auf dem Feuer stehen. Milch-, Obst- und Fleisch- sowie Backgefäße halte man möglichst voneinander getrennt. Eiweißschnee und Schlagsahne werden nur in sehr sauberen Gefäßen steif. Ein gefüllter Wasserkessel stehe während des Kochens auf dem Herde, damit stets heißes, sauberes Wasser bereit sei.

262. Was gehört zu einer Kücheneinrichtung für einen großen Haushalt resp. Landhaushalt?

1. Geräte aus Holz: Einige Bretter zur Backware in verschiedener Größe, ebenso zu Fleisch; ferner ein Zwiebel-, Herings-, Aufschnitt-, Butterbrotbrett, ein Fleischklotz, ein Satz Mulden zum Kartoffelschälen, Gemüseaufbewahren etc., ein Quirlbrett mit Holzkellen und Quirlen, eine Reibekeule, außerdem Mehlschaufeln, Nudelholz, Fleischklopfer, Gewürzschränkchen, Eierbrett etc.; sämtliche letztgenannten Artikel sind aus Ahornholz gefertigt am saubersten.

2. Geräte von Eisen, Messing, Kupfer, Nickel oder emailliertem Eisenblech: Ein Satz Töpfe in sich abstufender Größe zu verschiedenartigem Gebrauch, ein Milchkocher (Fig. 184), 2-3 Schmor- oder Dampfkasserollen mit Deckel (Fig. 185), ein Satz Bratpfannen, mehrere Stiel- oder Henkelkasserollen (Fig. 186), Schinken- und Fischkessel, Eierkuchenpfanne, Mörser mit Keule, 1 Einmachekessel, eine Anzahl Kuchenbleche zum Backen, ein Dreifuß oder Rost, um Speisen erhöht zu stellen, Feuerhaken, Kohlenkasten etc., je nachdem der Haushalt größer oder kleiner ist.

Fig. 184. Milchkocher.

Fig. 185. Schmortopf.

Fig. 186. Stielkasserolle.

Fig. 187. Wasserkessel.

3. Geräte von Weißblech und verzinntem Eisenblech: 1-2 Puddingformen (Fig. 188), 1 hohe und zwei flache Tortenformen, 1 Mehlspeisenform, doch ist eine aus Porzellan mehr zu empfehlen, Geleeformen (Fig. 190), Ausstecher zu kleinem Backwerk, Kuchenspritze, Suppen- und Saucensieb, 2 bis 3 Durchschläge, fein und grob, Salatsieb, ein großes Reibeisen, zwei kleine Reibeisen für Zitrone und Zwiebel, Püreepresse (Fig. 191), Reibemaschine (Fig. 192), verschiedene Tabletts, Trichter, Teesieb, Litermaße in verschiedenen Größen, Kaffee-, Zucker- und Teebüchse, Kaffeetrichter, Rahm-, Braten-, Milch-, Eier- (Fig. 193), Schöpf- und Blechlöffel, ein großer und ein kleiner Schneebesen (Fig. 194), Fischheber (Fig. 195), Schüsseln in verschiedener Größe, Wassereimer, Wassermaß und Trinkwasserkanne, Kehrichtschaufel, Küchenlampe und Hauslaterne, Brot- und Backwerkkasten, Regal mit Deckeln in allen Größen etc.

Fig. 188. Puddingform.

Fig. 189. Spring-Kuchenform.

Fig. 190. Geleeform.

Fig. 191. Püreepresse.

Fig. 192. Reibemaschine.

Fig. 193. Amerikanischer Kloß- oder Eierlöffel.

Fig. 194. Schneebesen.

Fig. 195. Fischheber.

Fig. 196. Fleischschaber und Fischschupper.

4. Stahlwaren: Wiegemesser, Küchenbeil, Hackmesser, Messerschärfer, Tranchier-, Aufschnitt- und Brotmesser, Fischschupper, der zugleich als Fleischschaber dienen kann (Fig. 196), kleine Gemüse- und Abhäutemesser, Fleischgabel, Korkzieher, Gurken- und Krauthobel, Drahtglocken, zum Schutz gegen die Fliegen über Speisen zu decken. Messer und Gabeln, für jeden der Dienstboten ein Besteck, wofür dieselben verantwortlich sind, Spicknadeln (Fig. 198), Kuchenrädchen, Apfelausstecher (Fig. 199).

Fig. 197. Fleischklopfer.

Fig. 198. Spicknadeln.

Fig. 199. Apfelausstecher.

Fig. 200. Papinscher Kochtopf.

5. Irdene Gefäße: Mehrere Reibsatten, Näpfe und Schüsseln, Napfkuchenformen, kleinere Töpfe und Teller zum Aufbewahren von Resten, einige Kasserollen und größere Töpfe zum Kochen bestimmter Speisen, Kaffeekanne und Milchtöpfe.

6. Porzellan oder Steingut und Glas: Salz- und Mehlmeste, 2 Auflaufformen, einige weiße Töpfe zu Milch, Sahne, Saft und dergl., 1 Porzellanbrett, Flammri- und Geleeformen, Zitronenpresse.

7. Bürsten: Fußkratzbürste, Kehrbesen, Handfeger, Flaschen- und Tassenbürste, Backpinsel und Reibeisenbürste für Mandeln und Zitronen etc.

263. Welche Kochgeschirre sind der Hausfrau noch besonders zu empfehlen?

Der Papinsche Dampftopf (Fig. 200). In demselben kochen, infolge des hermetischen Verschlusses, die Fleischstücke nicht allein rascher gar, sondern sie bleiben auch aromatischer und kräftiger, da durch den Dampf nichts verdunstet. Der Verbrauch an Brennmaterial ist geringer und die Speisen bleiben länger heiß. Solch ein Topf muß aber wirklich festen, hermetischen Verschluß haben und darum aus reeller Quelle sein.

Die Universal-Hackmaschine (Fig. 201) ist neben dem »Entreprise« warm zu empfehlen. Die erstere nimmt es nicht allein auf sich, Fleisch zu zerkleinern, sondern auch Zwiebeln, Hering, Brot, Spinat etc., und bewährt sich in vielen Dingen, trotz ihrer Kleinheit.

Fig. 201. Universal-Hackmaschine.

Fig. 202. Brotschneidemaschine.

Die Brotschneidemaschine (Fig. 202) ist warm zu empfehlen. (Näheres siehe S. 9 unter »Speisekammer«.)

Die Pflaumen- und Kirschenentkernungsmaschine fördert die Arbeit bei einiger Übung ungemein.

Die Messerputzmaschine (Fig. 203) erleichtert die zeitraubende Arbeit des Messerputzens außerordentlich. (Über Putzen der Messer siehe S. 24.)

Fig. 203. Messerputzmaschine.

264. Der Eisschrank (Fig. 204) ist für den Sommer in jedem besseren und größeren Haushalt bereits unentbehrlich geworden. Reinlichkeit darin ist die Hauptsache. Die Speisen müssen erkaltet sein, ehe sie hineinkommen. Scharfriechende Sachen vermeide man, darin unterzubringen. Butter und Milch trenne man vom Fleisch. Vor allen Dingen halte man die Türen geschlossen und gebe dem Eisschrank selbst einen kühlen Standort. Eisschränke sind in allen Größen und Preislagen bei Raddatz & Co. in Berlin, Leipzigerstraße, zu haben.

Fig. 204. Eisschrank.

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