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Zur Stütze der Hausfrau

Hedwig Dorn: Zur Stütze der Hausfrau - Kapitel 16
Quellenangabe
authorHedwig Dorn
titleZur Stütze der Hausfrau
publisherVerlagsbuchhandlung Paul Parey
printrunFünfte, neubearbeitete Auflage
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161209
projectid16c98dc9
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V. Die Federviehzucht

155. Welche Hauptregeln sind zu beobachten, wenn die Federviehzucht Gewinn bringen soll?

Man weise einer jeden Gattung Geflügel einen besonderen, genügend großen und passenden Raum an. – Man befleißige sich der größten Reinlichkeit und Sauberkeit in den Ställen und der pünktlichsten Abwartung und Pflege. – Man halte nicht mehr Federvieh, als das zur Verfügung stehende Futter und die räumlichen Verhältnisse gestatten, und sorge alljährlich für kräftige Nachzucht, bei den männlichen Tieren für fremdes Blut. – Man beweise vor allen Dingen Lust, Liebe, Geduld und Ausdauer bei der Federviehaufzucht.

156. Welchen Nutzen gewährt die Federviehzucht?

I. Durch die Eierproduktion. Das Ei ist wegen seines vortrefflichen Nährwertes ein sehr begehrter Konsumartikel. Durch die bedeutende Bevölkerungszunahme wird eine vermehrte Eierproduktion eine große, ja dringliche Notwendigkeit. Nicht allein, daß die tägliche Nahrung des Menschen die Eier nicht entbehren kann, daß schwächliche und magenkranke Personen oft nur von Eiern leben, sondern das Ei wird auch zu industriellen Zwecken gebraucht, z. B. zur Kattundruckerei, zur Herstellung von Albuminpapier in der Photographie, zu medizinischen Zwecken etc. Wäre es da nicht durchaus geboten, daß die Hühnerzucht in Deutschland mehr gehoben wird, daß Deutschland sich selbst das Geld verdient, welches es in das Ausland schickt?

II. Durch das Fleisch des Federviehs. Auf dem Lande ist das Fleisch oft schwer zu erreichen, da heißt es sich mit den eigenen Erträgen zu behelfen und dabei ist das Federvieh unentbehrlich.

III. Durch die Geflügelmast. Gemästetes Geflügel ist begehrte Ware und wird dementsprechend auch gut bezahlt. Darum ein Stück Rindfleisch in den Topf und die lohnende Ware verkauft.

IV. Durch Verkauf von jungem Zuchtgeflügel bei reiner Rasse.

V. Durch die Federn. Über die Verwertung derselben ist bereits im ersten Teil des Buches gesprochen worden. Die buntschillernden, glänzenden Federn der Pfauen, Fasanen und Enten finden in den Schmuckfeder-Fabriken lohnenden Absatz. Die Hühnerfederspulen werden zur Herstellung von Zahnstochern gebraucht. Die prächtigen Schwanzfedern der Hähne und Kapaunen geben stattliche Federbüsche.

VI. Durch den Dünger des Federviehs. Derselbe ist, besonders von Mastgeflügel, der kräftigste und vorzüglichste Guano. Blut und Eingeweide sind bei der Federviehzucht mit großem Betrieb auch zu rechnen.

157. Der Federviehstall. »Die beste Lage eines Hühnerhofes«, sagt Huperz, »ist eine durch Mauern oder Baulichkeiten gegen Nordwest geschützte, nach Südost zu dagegen freie. Jedoch ist auch in jeder anderen Lage eine einträgliche Zucht nicht ausgeschlossen, wenn nur der Boden trocken, durchlässig und teilweise mit Gras bewachsen ist. Steht nur ein schwerer, kalter, undurchlässiger Boden zur Verfügung, so muß dieser einige Zoll hoch mit Sand, Kies oder Mergel überschüttet werden, denn der größte Feind einer ergiebigen Zucht ist eine kalte, nasse und schmutzige Beschaffenheit des Bodens, auf welchen das Geflügel angewiesen ist.«

Das Federviehhaus liege möglichst in der Nähe der Wirtschaftsräume, damit man allzeit dort rasch bei der Hand sein kann. Vorteilhafter, weil wärmender, ist es allerdings, wenn die Giebelwand des Kuhstalls zur Anlehne eines Hühnerhauses benützt und durch Kanäle oder Drahtgitter die in dem Stalle herrschende Wärme hineingeleitet wird. Lemoine, ein berühmter Federviehzüchter Frankreichs, baut sein Federviehhäuschen (Fig. 73) in zwei Etagen; die untere ist eigentlich nur ein bedeckter Lauf-, Futter- oder Schutzplatz zu nennen, während in der zweiten Etage sich die Ställe befinden, die auf 4-6 Pfeilern, je nach der Größe des Häuschens, ruhen.

Fig. 73. Freistehendes Hühnerhaus.

Ein guter Federviehstall muß eine Höhe von 1,80-2 m haben, so daß ein Mensch bequem darin stehen kann. Für 12 Hühner ist eine Bodenfläche von 4 qm erforderlich, für 100 Hühner genügen schon 18 bis 20 qm. Der Federviehstall muß vor allen Dingen wasserdicht sein und gute Ventilation haben, welche am praktischsten unter der Decke an zwei gegenüberliegenden Wänden angebracht und mit Drahtgittern und Schiebern versehen wird. Fenster und Türen sollen möglichst nach Süden liegen; das Tier liebt Sonne und Wärme. Die Türen müssen eng anschließen und erst einige Zentimeter vom Fußboden beginnen. Die Fenster werden mit Drahtgaze versehen, um in warmen Nächten geöffnet zu bleiben. Die Bretter der Decke werden eng zusammengefügt gehalten, die Wände sauber gekalkt und der Fußboden von Zement oder Backsteinen recht regelmäßig, aber so fest hergestellt, daß nirgends eine Ratte, ein Wiesel etc. sich durcharbeiten kann. Sobald die Wände Risse, abgestoßene Flecke, Schmutz etc. zeigen, müssen sie ausgebessert und mit Hinzufügung von Alaun, Petroleum, Schwefelkalk oder Karbollösung neu gestrichen werden, oft 3 bis 4 mal im Jahre, damit das Ungeziefer wie Läuse, Flöhe und Milben nicht erst Eingang finde und das Federvieh quäle.

Das Innere des Stalles wird in möglichst viele Räume abgeteilt, damit jede Geflügelgattung ihr eigenes Wohnplätzchen habe. Die Hennen bedürfen eines besonderen Schlaf- und Legeraums. Ersterer wird mit Sitzstangen versehen, die man stiegenartig in der Weise anbringt, daß die Tiere einander nicht beschmutzen können. Noch empfehlenswerter sind Sitzstangen von rauhem Holze, woran sich die Hühner festklammern können, auf niedrigen Böcken in einem Abstande von 40-50 cm liegend, die der Reinigung wegen leicht abgenommen werden können. Ein Teeranstrich dient zu ihrer Sauberkeit und größeren Dauerhaftigkeit. Der Legeraum muß ziemlich dunkel und abgeschlossen sein. Die Legenester (Fig. 74) können aus Körben, Kisten oder an der Wand angebrachten Kästen bestehen, denen man zum Teil Deckel gibt, um besonders gute Legehennen absperren und ihre Eier sorgfältig sammeln zu können. Zu einer genauen Kontrolle der Legerinnen, die besonders bei Leistungszucht von hoher Bedeutung ist, eignen sich die neuerdings immer mehr in Gebrauch kommenden Fallennester (Fig. 75). Sie bestehen aus Kästen aus Brettern oder Latten mit einer vorderen, nach innen schlagenden oder fallenden Verschlußklappe, die sich, nachdem die Henne den Kasten betreten hat, von selbst schließt und die Legerin so lange fest hält, bis die Kontrollperson sie notiert hat und frei läßt. Es müssen genügend Nester vorhanden sein, auf 5-6 Hennen 1 Nest. Um Ungeziefer möglichst fern zu halten, erneuere man im Legeraum das Stroh oder Heu zum öfteren. Für die Nachzucht muß noch ein abgelegener heizbarer Stall eingerichtet werden, in dessen verschiedenen Abteilungen die Glucken mit ihren Küchlein, getrennt von den anderen Hühnern, untergebracht werden. Kommen dazu noch eine Brüt- und eine Krankenstube, ein oder zwei Mastställe, ein Raum zum Zurechtmachen und Aufbewahren des Futters und schließlich ein verdeckter Futterplatz als Schutz für das Geflügel gegen Wind und Wetter, so ist ein wohleingerichtetes Federviehhaus hergestellt. Immer wieder werde Sand und Kies gestreut und für Abfluß des Regenwassers gesorgt. Im Hühnerhof darf es nicht an Schatten und Sonne, Aschen- und Sandbädern, Grünfutter (junger Klee im Sommer, Kleeheu im Winter) fehlen. Türen und Fenster werden in der kalten Jahreszeit wohl verwahrt durch Stroh und Moos, falls ein Anlehnen am Kuhstall nicht stattfinden kann.

Fig. 74. Legenest.

Fig. 75. Fallennest, doppelt. Die linke Seitenwand behufs Veranschaulichung des Innern weggenommen.

1. Die Hühner

158. Der Hahn zeichne sich durch einen kleinen Kopf mit rotem Kamme und ebensolchen Bartlappen aus. Seinen stattlichen, schön gebogenen Schwanz trage er aufrecht und stolz. Das zeugt von dem erwünschten lebhaften Temperamente. Im zweiten Jahre ist er zur Zucht am brauchbarsten, älter als 3 Jahre lasse man ihn nicht werden; neues Blut muß in die Herde kommen. Inzucht ist Rückgang. Ein Hahn genügt für 10-12 Hennen.

159. Eine gute Legehenne besitzt einen niedrigen Kamm auf ihrem Kopfe, hat einen bedeutend kürzeren Hals als der Hahn, ihre Flügel sind kurz und gefaltet, an der Kloake hat sie eine Quaste von Federn. Je röter der Kamm und die Kehllappen, desto besser legt sie. Im zweiten und dritten Jahre ist sie im Legen am fleißigsten und brütet auch gut aus.

Die Form des Eies mit einem spitzen und einem breiten Ende ist allgemein bekannt und doch gleicht kaum ein Ei dem andern an Gestalt, Farbe und Struktur der Schale, wenn sie nicht von einer Henne sind. Die Eierschale besteht hauptsächlich aus kohlensaurem Kalk. Ihre Oberfläche ist verschieden, nicht allein in der Farbe, sondern auch in Rauheit und Glätte. Die Schale ist aber auch porös, da das sich im Ei bildende Hühnchen Luft haben muß. Der Inhalt des Eies besteht aus Eiweiß, dem kugelförmigen Eidotter, das je nach Fütterung von dunklerer oder hellerer Farbe ist, und dem Embryo. Zwischen Eiweiß und Schale befinden sich zwei Schalenhäute zur Bildung der Luftkammer, sobald das Ei gelegt worden ist und mit atmosphärischer Luft in Berührung kommt. Bei längerer Aufbewahrung vergrößert sich dieselbe. Fehlt es den Hühnern an Kalkstein, Mörtel oder Sand, so bleibt das Ei dünnschalig oder flößt. Die Eier sind an Gewicht und Größe sehr verschieden, von 50-80 g.

Ein Ei enthält 32-35 % Dotter, 50-55 % Eiweiß und 10 bis 13 % Schale. Von mittelgroßen Eiern gehen auf 1 kg 20-24 Stück. Weiße, kalkartige Exkremente deuten schlechte Legehennen an; der Kalk, der zur Bildung der Eierschalen nötig ist, darf nicht ausgeschieden werden. Der traubenförmige Eierstock liegt unter der Leber vor der linken Niere und enthält beim jungen Huhne 500-600 kleine Zellen, in welchen sich das Eidotter von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zur Reife entwickelt.

Günstiges Klima, vorteilhafte Bodenbeschaffenheit, aufmerksame Behandlung und richtige Ernährung tragen viel dazu bei, die Eierproduktion zu heben, dem Ei eine erhöhte Gewichtszunahme zu geben und größere Eier zu erzielen. Im zweiten Jahre muß die Henne 200 Eier legen und im vierten Jahre noch als gutes Suppenhuhn geschlachtet werden können, soll die Federviehzucht lohnend sein. Der Geflügelzüchter wird darum gleichzeitig für einen Stamm guter Legehühner sorgen und findet diese in den Italienern, dem Hamburger Silberlack, dem Minorka und dem andalusischen Huhn. Die Hennen legen unermüdlich fast jeden Tag, zumal wenn sie etwas hitziges Futter erhalten, wie Hanf oder eine kleine Beigabe von pulverisiertem spanischem Pfeffer, auf 12 bis 15 Hennen alle 2-3 Tage eine Messerspitze davon gründlich unter das Weichfutter gemischt. Noch wirksamer ist die Fütterung von Fleisch, auch Fleischfuttermehl und besonders von getrockneten Garnelen. Zu viel davon gefüttert, macht aber hitziges Blut, außerdem zeigt sich an den Kämmen der Hühner eine Art Ausschlag, der die Tiere sehr mitnimmt.

160. Welche Hühnerrassen soll man züchten? Das richtet sich ganz nach den klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnissen und dann auch nach den Zwecken der Hühnerhaltung. In Norddeutschland muß man mit der Einführung ausländischer Rassen, die der Kälte gegenüber nicht widerstandsfähig genug sind, vorsichtig sein. Im Westen, am Rhein, erzielt man von den feineren französischen Hühnerrassen schon bessere Resultate. Für Norddeutschland sind folgende Rassen sehr zu empfehlen:

Die Kochinchina-Hühner (Fig. 76 u. 77) zeichnen sich durch große, starke Schultern mit kurzem Rücken, sehr breite Brust, stark entwickelte Schenkel und breit gestellte, nicht zu hohe Beine, welche bis zu den Zehen befiedert sind, aus. Der Schwanz ist im Verhältnis zur Größe des Körpers klein, der Kamm aufrechtstehend und einfach, mit starken Zacken. Das Gefieder ist vorherrschend gelb, jedoch mehrfach ganz weiß und auch grau. Die Küchlein befiedern sich langsam, sie wachsen aber rasch und sind trefflich zum Kapaunisieren geeignet. Die Rasse fängt zeitig mit dem Legen an und brütet nach einem Gelege von 12-15 Eiern. Die Henne führt die Jungen nur kurze Zeit, legt währenddessen schon wieder und brütet gern zum zweitenmal. Man benutzt sie deshalb meist zum Ausbrüten fremder Eier und setzt sie auch zweimal hintereinander.

Fig. 76. Kochinchina-Hahn.

Fig. 77. Kochinchina-Henne.

Die Brahma-Putras überragen die vorhergehenden hinsichtlich ihrer Größe; ihre Brust ist noch entwickelter und fleischiger, wodurch sie mastfähiger sind. Man findet bei Ausstellungen nicht selten Hühner von 5-6 kg Gewicht. Charakteristisch ist der Erbsenkamm, aus kleinen ineinandergefügten Kämmen bestehend, deren mittelster am meisten hervorragt. Im übrigen gilt das Vorhergesagte auch von ihnen.

Die Italiener (Fig. 78 und 79) werden seit einer Reihe von Jahren mit Vorliebe in Deutschland gezüchtet; sie bewähren sich durch fleißiges Eierlegen, durch ihre Abhärtung und Genügsamkeit als ausgezeichnetes Wirtschaftshuhn. Als Tafelhühner sind sie weniger geeignet. Auch die Kücken ziehen sich leicht auf und legen bei guter Fütterung schon nach 7 Monaten. Ihre Brütlust ist gering und muß durch Brahma- oder Kochinchina-Hennen nachgeholfen werden. Der Gestalt nach gleichen sie dem Landhuhn, nur sind sie kräftiger und stattlicher, mit hellweißen Ohrscheiben, goldig-gelbem Schnabel und ebensolchen Füßen und mit einem zinnoberroten Kamm, den der Hahn hochaufgerichtet trägt, während er sich bei der Henne neigt, besonders wenn sie mit dem Legen beginnt.

Fig. 78. Italiener Hahn.

Fig. 79. Italiener Henne.

Die hellgefiederten Italiener sind empfindlicher als die gesperberten und schwarzen, die man auch vielfach mit einem barettartig aufliegenden, breiten und reich geperlten Rosenkamm, der in eine Spitze ausläuft, findet. Derselbe steht den Tieren bedeutend besser als der Schlotterkamm, der sie nicht allein im Trinken hindert, sondern der im Winter, wenn er in das Wasser taucht, auch abfriert. Veredelung und Durchzüchtung erhielt das italienische Huhn erst in Amerika, wo es »Leghorn« getauft wurde. Die echte Leghornrasse mit gelbem Gefieder und schwarzem Schwanze ist in Deutschland kaum bekannt. Italiener Hahn mit unserem Landhuhn gepaart, liefert ein sehr gutes, empfehlenswertes Kreuzungsprodukt.

Das Rammelsloher Huhn, welches in den Elbgegenden Lüneburgs zu Hause ist, ist weithin bekannt durch sein Produkt, die Hamburger Kücken.

Auch die Langshanhühner sind mit ihrem schwarzen Gefieder, ihrem wohlgeformten Körperbau, den hellleuchtenden Ohrscheiben und dem roten Schlotterkamm sehr zu empfehlen. Die Hennen werden als Brüterinnen sehr gepriesen; wenngleich sie nicht rechtzeitig zum Brüten schreiten, so hat doch die Erfahrung gelehrt, daß Kreuzungen, die von Langshanhahn mit Landhuhn-, Italiener, Minorka- und französischen Hennen abstammen, ganz vorzügliche Brüterinnen und Führerinnen abgeben.

Die Minorkas (Fig. 80 und 81) sind spanischer Abkunft und haben sich ebenfalls leicht akklimatisiert. Das Minorkahuhn eignet sich – und das wird in neuester Zeit auch fast allgemein anerkannt – für die wirtschaftliche Zucht viel besser als das italienische; es übertrifft letzteres noch in der Eierproduktion.

Fig. 80. Minorka-Hahn.

Fig. 81. Minorka-Henne.

Die Dorkings, Spanier, La Flêche, Crêve-coeur, Houdans etc. sind ausgezeichnete Hühnerrassen für mildere Witterungsverhältnisse, als sie in Norddeutschland herrschen; besonders die Haubenhühner sind nicht zu empfehlen. Die herunterhängenden Federn belästigen die Tiere und tragen vielfach zum Erblinden bei.

Die Hamburger Hühner(Fig. 82 und 83) dagegen sollen hier noch Erwähnung finden. Sie erinnern in Gestalt, Gefieder (gesperbert) und durch ihren Rosenkamm an die Italiener. Sie legen sehr fleißig, oft 200-220 Eier im Jahr, brüten aber ungern und eignen sich also für Geflügelhöfe, die auf Eierproduktion basiert sind. Die Küchlein wachsen rasch und legen zeitig. Kochinchinahennen werden zum Ausbrüten genommen.

Fig. 82. Hamburger Hahn.

Fig. 83 Hamburger Henne.

161. Die Fütterung der Hühner. Das Huhn ist ein »Allesfresser«, es holt sich seine Nahrung sowohl aus der Tier- als aus der Pflanzenwelt. Kann es sich nach seinem freien Willen bewegen, so eilt es am Morgen zuerst nach einer Grasfläche, sucht dann nach Würmchen oder Insekten und pickt schließlich an Mauerputz oder sonstigen kalkhaltigen Sachen. Nach diesen Bedürfnissen haben sich die Geflügelzüchter bei der Fütterung zu richten, besonders wenn den Tieren keine Bewegung in der freien Natur gestattet ist. Bei den ausgewachsenen Hühnern gilt die Regel: Gib ihnen so viel, wie sie begierig fressen, aber nicht mehr. Kommen sie nicht gerannt, wenn man sie ruft, und picken sie mit Gleichgültigkeit, so zertreten sie nur das Futter auf dem Futtertisch und verderben dasselbe. Eine Henne kann täglich mit 100 g Gerste bestehen; soll sie aber ein Ei von 60-70 g legen, so bedarf sie mehr Nahrungsmittel. Im Sommer genügt ein zweimaliges Füttern, wenn Düngerstätten und Scheunenplätze vorhanden sind. Im Winter wird dreimal gefüttert, abwechselnd Körner und weiches Futter. Gekochte Kartoffeln werden dazu mit Küchenabfällen, etwas Salz, Kleie, Futtermehl oder Schrot, gestoßenen Eierschalen, Mauerkalk oder Gips recht trocken und heiß zusammengestampft und im Sommer kalt, im Winter angewärmt dem Federvieh vorgeworfen. Angesäuertes Futter darf niemals verabreicht werden; abgesehen davon, daß die Tiere es ungern fressen, ist es ihnen auch nicht zuträglich. Schmale Futtertröge, so daß das Federvieh nicht hineintreten und das Futter verunreinigen kann, sind sehr empfehlenswert. Fleischfuttermehl und Hundekuchen ersetzen im Winter die Würmer. Körnerfütterung steht immer obenan, besonders Gerste, Weizen und Buchweizen, auch Mais. Im Winter wird dem Federvieh der Tag kurz gemacht. Man füttere am Morgen später und am Abend zeitiger. Die Gesundheit des Federviehs hängt vielfach vom Wasser und Lüftung des Stalles ab. Die Gefäße müssen sehr sauber gehalten, das Wasser muß täglich dreimal erneuert werden. Als Präservativmittel gegen Krankheiten wird Hammerschlag oder Holzkohle in das Wasser gegeben, im Sommer dann und wann einige Tropfen Karbol- oder Salizylsäure. Die Wassergefäße dürfen nicht einfrieren. Trinkapparate nach Fig. 84 und 86 lassen das Tier nur mit dem Schnabel in das Wasser tauchen. Vor jeder Fütterung werden die Futterplätze rein gefegt, die Trinkgefäße gereinigt. Um das Federviehhaus selbst sorge man durch Fegen und Harken für größte Sauberkeit. Die Ställe und Sitzstangen sind täglich zu reinigen und erstere mit Sand auszustreuen.

Fig. 84. Automatisches Trinkgefäß von Sartorius.

Fig. 85. Automatisches Futtergefäß von Sartorius.

Fig. 86. Trinkgefäß für Geflügel.

162. Das Betasten (Befühlen) der Hühner. Ehe die Henne zu legen anfängt, werden Kamm und Bartlappen purpurrot, sie selbst nimmt an Gewicht zu, zeigt ein besonders lebhaftes Wesen und fängt an zu singen. Sie liebt es, ihr Ei im Freien in einen versteckten Winkel zu legen, und manches Ei geht dadurch verloren. Um dem vorzubeugen, werden die Hennen vor dem Herauslassen betastet und, wenn das Ei zu fühlen ist, in den Legeraum gesetzt. Vom Betasten kommt man jetzt mehr und mehr ab, nachdem sich die Fallennester (siehe Nr. 157) immer weiter einbürgern. Im Legeraum darf es an Wasser und Futter nicht fehlen. Je eher die Henne wieder in Freiheit kommt, desto rascher legt sie ein neues Ei; die Eier werden täglich aus dem Nest genommen, um das Bebrüten zu verhüten.

163. Das Ei zum Brüten. Jeder Vogel legt ziemlich gleichgestaltete Eier. Bei genauer Beobachtung läßt sich dies sehr leicht erkennen. Dagegen unterscheiden sich die Eier einer Henne an Gestalt, Größe, Farbe und Gewicht meist von denen einer anderen. Ein Ei von 50 g Gewicht enthält ungefähr 5,30 g Eiweiß, 4,30 g Fett, 3 g Salz, 32,40 g Wasser und 5 g Schale. Außerdem birgt das Ei noch den Keim, den Embryo, aus welchem sich bei einem befruchteten Ei das Küchlein entwickelt. Am breiteren Ende des Eies befindet sich eine kleine Luftblase, die sich durch das Brüten nicht allein mehr und mehr vergrößert, sondern auch durch längeres Aufbewahren des Eies zunimmt. Um zu erkennen, ob die Eier alt oder frisch sind, macht man folgenden Versuch: Man löst 22 dkg Kochsalz in 1 Liter warmen Wassers auf und legt die zu prüfenden Eier hinein. Ein frisch gelegtes Ei sinkt unter, ein mehrere Tage altes schwimmt in der Mitte der Flüssigkeit; ist es aber älter als eine Woche, so bleibt es an der Oberfläche und ragt um so weiter über dieselbe heraus, je älter es wird. Das hat lediglich seinen Grund in der sich vergrößernden Luftblase. Zum Brüten werden nur frisch gelegte Eier, wenigstens nicht älter als höchstens 10-12 Tage, genommen. Zweijährige Hennen legen die kräftigsten Eier; sind diese ungewöhnlich groß, so darf man annehmen, daß 2 Dotter darin sind; diese eignen sich nicht zum Brüten. Je älter das Ei ist, desto mehr verliert es an Wassergehalt. Die Haut unter der Schale büßt ihre Spannkraft ein, und dem Kücken wird es schwer, die Schale zu durchbrechen. Nur frische und möglichst große, von einem tadellosen Hahn befruchtete Eier können beim Brüten gute Erfolge liefern, da das ausschlüpfende Küchlein ? von dem Gewicht des Eies haben soll. Deshalb werden die Eier guter Lege- und Rassehühner sorgfältig verwahrt und mit dem Datum versehen, um sie zum Brüten zu benutzen.

164. Etwas über das Brüten. Man unterscheidet natürliche (Nester) und künstliche Ausbrütung (Brutöfen). Beide Arten haben den Zweck, durch Wärme ein lebendes Wesen hervorzurufen aus dem scheinbar leblosen Ei. Hier ist es die animalische Wärme des Vogels, dort muß durch künstliche Mittel die nötige Wärme ersetzt werden. Die Erfolge sind mehr oder weniger gleich. 37-40° C. sind nötig, um im Ei ein Lebewesen hervorzubringen und dieses bis zum ausgebildeten Vögelchen zu entwickeln. Wenn Hennen mitunter nicht brüten wollen, liegt es nicht selten an den Witterungsverhältnissen, auch an unrichtiger Behandlung. Man verfahre:

1. recht ruhig mit denselben;

2. sperre sie in einzelne kleine, halbdunkle, mäßig warme (14-16° C.) Legeräume ein, wo sie sich nach Belieben dem Brutgeschäfte hingeben können;

3. störe sie nicht, wenn sie längere Zeit auf dem Ei verweilen wollen;

4. lasse sie viele Eier sehen, um Brutlust zu erwecken;

5. rupfe der Henne, welche die letztere zeigt, einige Brustfedern aus, damit sie die Eier unter sich fühlt.

Fängt nun die Henne zu glucken an, verblaßt ihr Kamm, wird sie leicht, sträubt sie sich, wenn der Hahn ihr naht, wehrt sie sich, von den Eiern herunter zu gehen, dann mache man ein Nest zurecht in einem recht geschützten, abgeschlossenen Raum, wenn möglich mit einem Ofen versehen, und bringe sie am Abend nach dort, damit sie sich im Dunkeln daran gewöhne. In dem Raume selbst werden längst der Wand Brutkästen (Fig. 87) angebracht, die nach vorn offen und mit einem Schieber versehen sind. Die offene Seite sei an ihrem unteren Ende mit einer 12 cm breiten Leiste versehen, um dem Nest richtigen Halt zu geben. Oder es werden in einer längeren Kiste Abteilungen gemacht und diese mit einem Deckel geschlossen, der Löcher zum Zutritt frischer Luft hat. Die Fenster werden durch graue Leinwand verdunkelt, der Fußboden wird mit Sand bestreut. Asche und Sandbäder müssen den Tieren zur Verfügung stehen. An Futter und Wasser darf es nicht fehlen. Über jedem Nest wird ein Täfelchen angebracht, worauf die Zahl der Eier und der Tag des Setzens notiert wird.

Fig. 87. Brutkasten.

Das Nest muß als Untergrund eine Mischung von Sand, Holzasche und Glanzruß zur Verhütung des Ungeziefers haben; darauf lege man in die muldenartige Vertiefung kurzes, weiches Stroh oder Heu und stopfe dies an den Seiten recht fest. Die Zahl der Eier richte sich ganz nach der Größe der Henne (13-19 Stück), welche dieselben reichlich bedecken muß. Eine gute Brüthenne wendet ihre Eier instinktmäßig täglich um, verunreinigt ihr Nest nie, sie verläßt dasselbe 1-2 mal des Tages, um sich zu stärken und auszuleeren, und kehrt von selbst zu ihren Pflichten zurück. Geduldig wartet sie, bis man sie vom Neste hebt, und gewöhnt sich bald an die bestimmte Stunde der Fütterung. Während sie frißt, wird das Nest recht vorsichtig untersucht, werden gesprungene oder eingedrückte Eier entfernt, etwaige schmutzige Eier lauwarm abgewaschen. Die feuchte Wärme tut den Eiern und der Henne wohl. Eine ins Freie gelassene Brüthenne streift mit Vorliebe durch feuchtes Gras, um sich abzukühlen.

Nach Verlauf von 8-10 Tagen prüft man die Eier, ob sie befruchtet sind, vermittels eines Eierprüfers mit Scheinwerfer (Fig. 88), welche sehr genau arbeiten. Sind die Eier noch hell, so sind sie unbefruchtet und können zu Küchenzwecken noch benutzt werden. Befruchtete Eier sind dunkel mit abgegrenzter Luftblase (Fig. 89). Sind mehrere Hennen zu gleicher Zeit gesetzt worden, und gibt es bei der Prüfung viel unbefruchtete Eier, die entfernt werden müssen, so lassen sich die befruchteten Eier zusammenlegen, wodurch eine Glucke erübrigt wird, die ihr Brütgeschäft von neuem beginnen kann. Gleichzeitiges Brüten der Hennen spart Führerinnen, erleichtert die Aufzucht und verringert die Arbeit, wenn die junge Brut zusammengenommen werden kann. Frühbruten werden in der Regel die kräftigsten Tiere; sie haben den ganzen Sommer vor sich, liefern zeitige Legehühner, die auch im Winter nicht lange aussetzen und große Kapaunen geben. Glucken die Hennen bereits im Februar, so werde nicht verabsäumt, dieselben sofort an einen möglichst warmen Ort zu setzen und gleichzeitig ein bis zwei Puthennen mit, selbst wenn diese ihr Gelege noch nicht begonnen haben. Hört die Brutlust bei den Hennen nicht auf, so werden sie mit dem Hahn einige Tage zusammengesteckt, unter das Futter werden Eierschalen gegeben und schließlich wird die Henne einmal rasch in kaltes Wasser zur Abkühlung getaucht. Die geeignetste Brütezeit ist von Ende Februar bis Ende Mai. Eine alte Bauernregel lautet: »Zwischen Sichel und Sense gedeiht kein Huhn«, d. h. nach der Heu- und vor der Roggenernte. Die Nachzucht kommt spärlich und schwach zutage, woran die Wärme und Insekten die Schuld tragen. Sicherer ist die Herbstbrut, wenn die Glucke im August gesetzt wird.

Fig. 88. Sartoriusscher Eierprüfer mit Scheinwerfer.

Fig. 89. Inneres eines befruchteten Eies: a am 5. Tage, b am 7. Tage, c am 5.-7. Tage, d mit 2 Dottern (c und d zur Ausbrütung untauglich).

Die Henne brütet 19-21 Tage, je nachdem sie größere oder geringere Bruthitze besitzt, frischere oder ältere Eier ihr untergelegt werden. Schon nach Verlauf von 24 Stunden läßt sich der Anfang des Brutprozesses, das Herz mit seinen Adern, mikroskopisch erkennen; dann wächst das Tierchen mit enormer Geschwindigkeit weiter, bis bereits am 18. Tage das Piepen des Küchleins zu vernehmen ist. Vermöge der hornartigen Spitze des Schnabels fängt es zu klopfen an, um die mürbe Kalkhülle zu spänen, nachdem es das Häutchen derselben durchfressen hat. Endlich entsteht ein sternförmiger Sprung, der dem arbeitsmüden Tierchen Luft zuführt, und die Eierschale teilt sich mehr und mehr durch Umdrehung des Körpers und Anstemmen der Beinchen, bis sie in zwei ungleiche Hälften zerspringt. Während dieses Vorganges tritt der Dottersack gänzlich in den Leib ein. Noch ganz feucht schlüpft das Küchelchen unter das warme Hinterteil der Mutter und wird dort nestreif. Die ersten 24-36 Stunden bedürfen die Tierchen keiner Nahrung, da sie während der Entwickelung von dem Dottersack leben und den letzten Rest noch vor dem Ausschlüpfen eingesogen haben. Je ruhiger und ungestörter dieser Prozeß vor sich geht, desto rascher wird er beendet. Das Eingreifen des Züchters, namentlich seine Neugierde in den letzten Tagen, hat selten guten Erfolg. Die Glucke bemüht sich, die kleine Schar beim Ausschlüpfen soviel als möglich zu unterstützen, indem sie sich etwas auf die Beine hebt. Die bei dem Ausschlüpfen leer gewordenen Eierschalen schiebt die Brüterin selbst ineinander, um Platz zu gewinnen, und wartet geduldig, bis die Küchlein nestreif sind.

165. Die Aufzucht der jungen Hühner. Die Glucke mit ihren Kücken ist so mannigfachen Gefahren ausgesetzt, daß man von der ausgebrüteten Schar nicht selten ein Drittel einbüßt. Ein Stall, ein Schuppen, eine unbenutzte Stube oder auch der Holzstall, recht weit von dem eigentlichen Hühnerstalle entfernt, in der Nähe eines Grasplatzes, sind am geeignetsten, die kleine Schar aufzunehmen. In dem bestimmten Raume werden je nach der Größe kleine 1-1½ m hohe Buchten gemacht, mit Schiebern versehen und diese den verschiedenen Glucken mit ihren Kücken angewiesen. Nach Verlauf einer Woche wird die Glucke bei warmem Sonnenschein auf einen Grasplatz gebracht, vor Nässe, Regen und Wind aber geschützt. Häuschen auf ebener Erde und für zwei Glucken (je eine Abteilung) eingerichtet, sind ebenso praktisch als vorzüglich zur Aufzucht des Federviehs. An der einen Giebelwand befinden sich die Schlupflöcher, die ihren Auslauf in einen mit Draht überdachten und umgebenen Hof haben, der auch in der Mitte geteilt ist. An den beiden Seitenwänden des Häuschens sind Türen, um die Ställe reinigen zu können. Dort bleibt die Glucke auch des Nachts ungefährdet, da ein Schieber das Schlupfloch schließt. Im Laufraum selbst werden gegen Regen geschützte Unterkunfts-Gelegenheiten angebracht. Der Hofstellmacher kann solches Häuschen, das viele Jahre hindurch dient, billig und gut herstellen.

Dort werden sie die ersten Tage ihres Lebens recht ruhig gehalten und alle halbe Stunden mit frischer Nahrung versehen. Da der Kropf des Tierchens noch sehr klein und die Verdauung eine ziemlich rasche ist, so ist nach Sartorius das sog. »Kückenfutter«, Hirse in warmer Milch halb weich gequollen, für die ersten 5 Tage besonders zu empfehlen. Bis zum 8. Tage behält man dasselbe Futter mit einer Beigabe von altbackenem, geriebenem Brot, das man den Tierchen auf einem sauberen Brett reicht, bei. In der 2. Woche wird gemischte Kost, abwechselnd zerkleinerte Körner, Graupen, Reis, Grieß, Fleischnahrung, Regenwürmer, Maikäfer, auch Fleischfuttermehl und hauptsächlich Grünes verabfolgt. Nach 3-4 Wochen reicht man ihnen gekochte Salzkartoffeln mit pulverisierten Eierschalen und Kleie als Weichfutter, aber nie mehr, als sie fressen können. Nach frischem Käse und süßer Milch wachsen sie rasch. Gutes Trinkwasser muß immer vorhanden sein; wenn es hart ist, koche man es ab. Man benütze die oben bereits angegebenen Trinkapparate oder einfache Blumenuntersätze dazu. Nässe, Regen und saures Futter sind die größten Feinde der Kücken. Bei warmem Sonnenschein werden die Tierchen mit der Henne ins Freie gelassen und am Abend in das oben beschriebene Häuschen gebracht. Nach Verlauf von 6-8 Wochen werden die Kücken wie die ausgewachsenen Hühner behandelt.

Fig. 90. Futterkasten für Kücken nach Öttel.

Hat die Henne die Kücken verlassen, um ihrem Legegeschäft wieder nachzugehen, dann weise man diesen einen besonderen Schlafraum an, in dem gleichmäßig erhöhte Sitzstangen angebracht sind und der recht trocken und luftig, aber nicht zugig und kalt und vor Ratten geschützt sein muß. Junge Hühner und alte Hennen dürfen nicht einen Stall teilen.

Wo reine Rasse gezüchtet werden soll, darf keine andere Sorte Hühner gehalten werden, falls nicht für jede Art völlig abgeschlossene Räumlichkeiten vorhanden sind.

166. Das Kappen der Hähne. Mit 10-12 Wochen regt sich der Begattungstrieb der jungen Hähne, und bei großer Anzahl schaden sie den Hennen. Stehen keine geeigneten Absonderungsräume zur Verfügung und will man besonders zartes Fleisch erzielen, so beschneidet man die Hähne. Das Beschneiden hat allerdings sehr häufig den Tod der Tiere zur Folge, und es mag deshalb dahin gestellt bleiben, ob infolgedessen immer der Vorteil des Züchters gewahrt bleibt. Die Anleitung zum Verschneiden ist folgende: Zwei Personen setzen sich in gleichmäßiger Höhe einander gegenüber. Die erste hält das Hähnchen horizontal, so daß der Rücken durch die Hände gestützt wird und nur der Daumen die Schenkel herunterdrückt. Der Schwanz ist der zweiten Person zugekehrt. Diese befreit nun die Bauchhöhle von den Federn, nimmt mit einer Nadel die Haut in der Mitte derselben auf, macht mit einer scharfen Schere einen kleinen Einschnitt, den man rechts und links erweitert, vorsichtig den Finger darunter schiebend, damit die Eingeweide nicht berührt werden. Nun taucht man den Zeigefinger in warmes Wasser und fährt sanft mit demselben bis in die Mitte des Rückens unterhalb der Därme entlang, wo die Testikeln liegen, drückt erst den einen an der rechten Seite ab (nicht kratzen, das verwundet) und führt ihn sicher zur Bauchhöhle heraus, wobei derselbe allerdings nicht selten unter die Eingeweide schlüpft und dann vorsichtig gesucht werden muß. Darauf wird der Finger abermals mit lauem Wasser befeuchtet und zu demselben Zweck links hineingesteckt, was immer ein wenig schwieriger ist. Jetzt reinigt man die Wunde von etwaigen Häutchen und näht Stich für Stich gleichmäßig zu, Anfang und Ende wohl verstechend, dabei recht darauf achtend, daß man nur Haut und nicht Eingeweide mit faßt, was Entzündung und Tod herbeiführen könnte. Die Wunde wird mit etwas Fett bestrichen und mit Asche bestreut, ebenso der abgeschnittene Kamm und die Bartlappen. Dem Tier gibt man ein wenig Fett in den Schnabel. Ist alles nach Vorschrift verlaufen, so erholt sich der junge Kapaun sehr rasch. Man halte die Tiere einige Tage in einem kühlen Raum eingesperrt und füttere sie mit saurer Milch und leichtverdaulichen Sachen. Die beste Kappzeit ist von Mitte Juni bis Anfang September. Besorgt die Landwirtsfrau das Kappen nicht selbst, so werde die betreffende Person nicht ohne Aufsicht gelassen, damit die Operation regelrecht geschieht.

Wie man heute immer mehr davon abkommt, junge Hähne zu Kapaunen zu machen, so ist es auch eine irrige Ansicht, daß die Poularde eine verschnittene, gemästete Henne sein müsse. Dies war wohl früher der Fall, aber die geringen Erfolge und die großen Verluste haben die Züchter davon abgebracht, den Tieren die Eierstöcke zu entfernen. Der Erfolg liegt heute einzig und allein im richtigen Mästungsverfahren.

167. Die Eierversendung. Durch die im Handel befindlichen Eierversendungsschachteln (Fig. 91) aus Holzpappe für 60 Eier mit 3 Einsätzen ist die Versendung der Eier eine bedeutend leichtere und sichere geworden. Jeder Einsatz hat seine Fächer, in welche das Ei mit einem Umhüllungsblatt gesteckt wird, die Spitze nach unten. Die Einsätze werden durch Zwischendeckel voneinander getrennt. Die Kisten können auch für Bruteier verwendet werden und sind bei Fritz Zerred in Neustrelitz (Mecklenburg) käuflich.

Fig. 91. Eierversendungsschachtel aus Holzpappe für 60 Eier. 1. Einsatz. 2. Einhüllungsblatt. 3. Zwischendeckel. 4. Deckel.

168. Alterserkennungszeichen bei Hühnern. Bei jährlichem Zuwachs von 20-30 Stück Hühnern ist es dem Züchter kaum möglich, sich das Alter derselben zu merken, und er muß zu irgend einem Hilfsmittel greifen. Er findet dasselbe durch Anlegung von sogen. Fußringen aus Zelluloid (Fig. 92). Diese Ringe, die den jungen Hühnern je nach dem Jahrgang in verschiedenen Farben angelegt werden, lassen das Alter jedes einzelnen Huhnes auf den ersten Blick erkennen. Legt man z. B. dem Jahrgang 1906 blaue, 1907 rote, 1908 grüne Fußringe an, so weiß man genau, daß am Schluß des Jahres 1909 die mit blauen Fußringen versehenen Hennen ausgedient haben, d. h. durch junge Hennen ersetzt werden müssen.

Fig. 92. Zelluloidring: 1. geschlossen, 2. geöffnet.

169. Die künstliche Ausbrütung oder der Brutofen. Um die Federviehzucht zu einem rentablen und wirklich gewinnbringenden Erwerbszweig zu machen, hat man schon von alters her versucht, künstliche Brutapparate zu konstruieren, ohne rechte Resultate zu erzielen. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch in dieser Beziehung bessere Fortschritte gemacht worden, so daß wir jetzt vor Konstruktionen stehen, die bei aller Einfachheit im Betriebe Vorzügliches leisten.

Man unterscheidet drei verschiedene Systeme von Brutapparaten: Wasserbrüter, Heißluftbrüter und elektrische Apparate. Einen unter allen Umständen besten Apparat gibt es auch hier nicht. Von allen drei Arten gibt es recht brauchbare und sicher arbeitende Konstruktionen, wenn brauchbares Eiermaterial angewendet wird und der Züchter sich eingearbeitet hat. Die Konstruktion des in Fig. 93 dargestellten Brutofens ist die der sogenannten Wasserbrüter, d. h. die Eier werden mittelst warmen Wassers, welches sich über denselben befindet, ausgebrütet. Es gibt deren zwei verschiedene Arten, und zwar wird bei der einen die Temperatur durch öfteres Nachfüllen von heißem Wasser, bei der anderen durch eine fortwährend brennende Lampe erzeugt. Erstere Methode ist sowohl umständlich wie zeitraubend, und die Temperaturschwankungen sind sehr bedeutend. Die letztere ist dagegen sehr einfach und bedarf gar keiner Aufwartung, wenn zugleich eine gute Temperaturregulierung vorhanden ist. In dieser Beziehung steht der Sartoriussche Brutofen wohl an der Spitze, da kaum eine andere Regulierung annähernd so einfach zu behandeln und sicher ist.

Fig. 93. Brutofen nach Sartorius. (Durchschnitt.)

Der Brutofen besteht aus einem viereckigen Holzkasten, auf vier Füßen ruhend. Im Innern befindet sich über dem Brutraum b der Wasserkessel w, welcher die Wärme an die in der Brutschublade a aus einem mit Seihtuch überzogenen Sieb ruhenden Eier abgibt. Der Wasserkessel hat drei kleine Rohre, und zwar das Rohr r, in welchem das Wasserthermometer t2 steht, zum Einfüllen des heißen Wassers; die Rohre r1 und r2 dienen zum Ablassen resp. zum Kontrollieren des Wassers. Die Lampe steht auf dem Untersatz u. Der Zylinder derselben reicht in den Vorbau m, durch welchen die warmen Gase entweder in das durch den Wasserraum führende Rohr o oder den Schornstein s geleitet werden.

Der Wasserkessel ist innen so präpariert, daß er von Kalk etc. nicht angegriffen werden kann, und außen zum Zusammenhalten der Wärme mit der Isoliermasse c umgeben. In der Brutschublade befindet sich eine Öffnung zur Aufnahme des Thermometers t1. Alle in den Brutraum tretende Luft muß durch die Ventilationslöcher des Holzbodens f1 und des Zinkbodens f, dann durch die Zinkschublade z, in welcher sich ein mit Leinwand bezogenes Sieb befindet, welches, wenn die Zinkschublade durch den Trichter n mit warmem Wasser von 30°C. bis zu dem Rohre r4 gefüllt ist, dieses aufsaugt und der durchströmenden Luft die nötige Feuchtigkeit abgibt. Nachdem die jungen Kücken ausgeschlüpft sind, werden sie noch 48 Stunden im Brutofen belassen und kommen dann unter die künstliche Glucke (Fig. 94). Diese besteht aus einem viereckigen Raum mit schrägem Dach, dessen eine Hälfte als Fenster dient, welches zugleich geöffnet werden kann.

Fig. 94. Künstliche Glucke nach Sartorius.

Nachdem die an der rechten Seite befindliche Lampe einige Zeit vor dem Einsetzen der Kücken angezündet und in die Mitte des Gluckenraumes ein Flanelltuch gezogen ist, welches den Raum in einen etwas wärmeren und einen etwas kühleren teilt, werden die Kücken hinter das Flanelltuch gesetzt. Die beiden in dem Raum befindlichen Rohre, welche durch die Wärme der Lampe erhitzt werden, geben dem ganzen Raume eine für die Kücken behagliche Wärme, und die Tiere laufen je nach Bedarf in den Raum vor oder hinter den Flanellstreifen. Ist die Luft im Freien für die Tiere günstig, so gestatte man ihnen einen größeren Auslauf dadurch, daß man die vordere Klappe öffnet, so daß ein brückenartiger Ausgang entsteht, über welchen die Kücken ein- und auslaufen können.

Fig. 95. Kückenheim mit Warmwasserheizung. (Längsschnitt.)

Die Beschäftigung mit den Kücken ist eine ebenso lohnende, als Vergnügen bereitende Arbeit, daß ich den Landwirtsfrauen zurufen möchte: schafft Euch einen Brutofen an, Ihr werdet es nicht bereuen. Wenigstens laßt Euch den Prospekt etc. einmal kommen, er wird Euch Lust zu dieser Tätigkeit machen, und ich bin sicher, Ihr arbeitet in kurzer Zeit mit ihm. Wäre es nicht auch ein angenehmer Beruf für die Landwirtstöchter?

170. Das Mästen. Man unterscheidet eine natürliche und eine künstliche Mast. Bei ersterer werden die zu mästenden Tiere, seien es Kapaune oder Hähne, in einen abgesonderten, nicht zu hellen, noch zu dunklen, aber reinlichen und ziemlich beschränkten Raum gesteckt und durch gutes, abwechselndes Futter zum stärkeren Fressen gereizt. Es werde oft und nicht viel auf einmal gefüttert: entweder Körner (Weizen, Gerste) oder Weichfutter (frisch gekochte Salzkartoffeln mit Schrot und Fleischfuttermehl oder künstliches Geflügelfutter, recht trocken gestampft) oder eingequellter und gekochter Mais, in Bier oder Milch geweichtes Brot, in Milch ausgequollener Bruchreis, gekochte Gerstengrütze, auch Hirse, Buchweizen, kleingehackte Därme, Grünes etc., immer die Freßlust anregend, dazwischen Kalk und Sand zur schnelleren Verdauung. Neben dem Trinkwasser gebe man saure oder Buttermilch, auch süße Milch. Auf diese Weise wird binnen 4-6 Wochen ein feines, wohlschmeckendes Fleisch erzielt. Durch und durch fettes Mastgeflügel erlangt man eher durch vollständig abgegrenzte Ställe, in welchen ein Tier das andere nicht sieht. Der Boden ist durchlöchert, damit der Dünger durchfallen kann. Man füttert die Tiere täglich dreimal und verhängt die Käfige darauf mit einem Tuche, deckt sie aber nach 2 Stunden wieder auf, damit sich der Appetit vermehre. Zum Futter werden mehlartige Substanzen, Teig aus Buchweizen, Gersten- und Maismehl mit süßer Milch angemacht. Ist ein Tier fett, was hier innerhalb 3 Wochen geschehen muß, so sieht seine Haut weiß aus, Rücken und Brustbein sind vollständig ausgefüllt und die Fettstreifen zwischen Hals und Schulter besonders angeschwollen. Das Fleisch erhält ein ganz eigenartiges Aroma, wenn in den letzten Tagen gewürzte Sachen, wie pulverisierter Koriander, Anis, Fenchel, Muskat etc., dem Futter zugesetzt werden. Im Mastraum muß eine gleichmäßige Wärme von 19 °C. herrschen. Der höchste Grad der Mästung wird durch Nudeln und Eintrichtern erreicht.

Fig. 96. Sartorius' Aufzuchtkäfig, aus 3 Kückenheimen mit gemeinschaftlicher Heizung und 3 Ausläufen bestehend.

171. Das Eierfressen der Hennen rührt meistens von dem Flößen oder Fließen der Eier her. Diese entbehren mitunter der kalkartigen Schale, platzen infolgedessen beim Legen und werden von den Hennen selbst gefressen. Die Tiere haben zu fettreiche Nahrung, die kalkige Substanz fehlt. Ende Mai und Anfang Juni finden die Hühner an taufrischen Morgen auf Wiesen und Feldern sehr viel Insekten und Würmer, welche dies Übel befördern. Die Hennen werden deshalb erst, nachdem der Tau vorüber, in das Freie gelassen und mit stickstoffhaltigen und kalkartigen Futtermitteln, wie zerdrückten Eierschalen, phosphorsaurem Kalk im Weichfutter und Sand und Mauerschutt unter den Körnern versorgt. Auch lege man nach Steuert den Hühnern Porzellaneier oder ausgeblasene Eier, die mit Pfeffer, Teer, Senf, Wagenschmiere angefüllt sind, ins Nest.

172. Die Mauserzeit der Hühner, d. h. die Erneuerung des Federkleides im Herbst, entzieht den Tieren viel Kräfte; sie legen darum nicht und müssen kräftig gefüttert werden, besonders bei schlechter Witterung, damit sie die Periode rasch überwinden.

173. Das Schlachten des Federviehes muß so geschehen, daß ihm so wenig Blut wie möglich entzogen wird, damit das Fleisch nicht an Zartheit verliere. Man öffne an der linken Seite unter dem Kopfe des Huhnes durch einen kleinen Schnitt mit einem scharfen Messer die Pulsader, schneide aber die Halswirbel nicht mitten durch. Oder man stoße mit einem langen, spitzen Messer durch den oberen Teil des Schnabelgewölbes in das Gehirn und durchsteche die Drosselader. Noch warm, rupft sich das Tier besser als kalt, doch wird das Fleisch zarter, wenn es einige Tage im Federkleid hängen kann. Damit das Fleisch besser heraustritt, wird dem Tier das Brustbein eingedrückt. Zum Versand werden die Federn am Kopf und zum Teil von den Flügeln und dem Schwanz nicht gerupft, um den Tieren ein besseres Ansehen zu geben. Außerdem wird der Körper mit Pudermehl eingerieben, damit das Fleisch recht weiß aussieht. Durch Verschnüren gibt man dem Tier eine geschickte Form. Die Beine werden durch einen Einschnitt am Knie auf die Schenkel zurückgebogen, der Kopf wird über die Brust gezogen und dann an den Beinen befestigt. Körbe sind zum Verpacken luftiger als Kisten.

174. Hühner lebend zu versenden. Nicht zu dicht geflochtene Körbe in runder oder eckiger Form (Fig. 97) werden in graue Leinwand eingenäht, um die Tiere vor Zugluft zu schützen. Die Hühner werden vorher recht satt gefüttert, damit sie eine Zeitlang aushalten. Ein Futternäpfchen darf aber nicht fehlen, ebenso Heu oder Stroh als Unterlage, sowie ein frischer Salatkopf und ein nasser Schwamm zur Erfrischung. Postsendungen sind der rascheren Beförderung wegen vorzuziehen. Angekommene Tiere füttere man zunächst nur wenig, sonst überfressen sie sich.

Fig. 97. Versandkorb.

175. Lohnt es sich, Federvieh zu mästen? Wenn ½ kg Kapaun und Pute 80-90 Pf. und ½ kg Gans und Ente 60-70 Pf. bringt, macht sich die Mast bezahlt, selbst wenn man mageres Vieh zur Mast kauft. Bei Gans und Ente kommen die Federn noch mit in Anrechnung.

2. Das Put- oder Truthuhn

176. Seine Abstammung, Farbe und guten Eigenschaften. Die Pute, auch Welschhuhn genannt, ist aus wärmeren Ländern in Europa eingeführt worden, deshalb ist auch die Aufzucht in rauheren Gegenden immer mit Mühe und Schwierigkeit verknüpft. Die Farbe der Puthühner ist sehr verschieden; es gibt ganz schwarze, weiße, bronzefarbige und graumelierte Tiere. Die seidenartigen Federn zwischen Schenkel und Bauch der weißen Truthühner werden in den Schmuckfederfabriken sehr gesucht; es gibt Orte, wo die Tiere zu dem Zwecke jährlich zweimal gerupft werden.

Die Puthenne (Fig. 98) ist bis zum 7. Jahre eine ausgezeichnete Brüterin, auch wenn sie mit ihrem Gelege noch nicht begonnen hat. Zwei- bis vierjährige Puten eignen sich am besten zum Brüten. Man rupft ihnen einige Brustfedern aus, damit sie die Eier leichter fühlen, setzt sie auf ein Nest mit 2-3 Hühnereiern in einem geräumigen Brutkasten und überdeckt sie mit einem Korbe, damit sie sich gezwungen sehen, auf den Eiern sitzen zu bleiben. Bereits am zweiten Tage haben sie sich in ihr Schicksal gefunden und brüten. In Geflügelzüchtereien ist dies von großem Wert; eine Pute bedeckt 20-25 Hühnereier, die aber recht hartschalig sein müssen. Fangen die Eier an zu spänen, so werden dieselben der Puthenne fortgenommen und Haushennen untergelegt, die gleichzeitig gesetzt wurden, damit die Kücken durch die Ungeschicklichkeit der Pute nicht zu Schaden kommen. Die Pute ist mit ihren Beinen sehr ungeschickt und zerdrückt leicht das eine oder andere Kücken. Sie brütet sogar, wenn sie nicht zu führen braucht, zweimal hintereinander, aber das zweite Mal mit weniger günstigen Resultaten.

Fig. 98. Puthenne.

Das Fleisch der Puten gilt als ein feiner Braten und wird gut bezahlt. Die rot getupften Eier sind von zartem Geschmack und nahrhaft, dabei vermöge ihrer harten Schale ausdauernd; man muß sie nur gegen Frost schützen. Die Pute macht zwei Gelege: im Frühjahr, wo die Eier zum Brüten benutzt und auch gut bezahlt werden, und im Herbst; doch sind die Herbsteier meist unbefruchtet.

Die Zuchtputen teilen; wenn die Herde nicht groß ist, mit den Hühnern einen Stall und suchen sich in diesem die höchsten Sitzstangen als Ruheplatz aus. Hahn und Henne sind erst im zweiten Jahre zuchtfähig. Nur normale und durchaus kräftige Tiere können eine gute Nachzucht geben. Alle zwei Jahre werde durch den Wechsel des Hahnes neues Blut in die Herde gebracht. 4-6 Hennen kann ein Hahn begatten.

177. Das Eierlegen und Brüten der Puthennen. Die Tiere fangen meist im März mit Legen an und fahren darin ein um den andern Tag fort, bis sie 15-25 Eier gelegt haben, um dann zu brüten. Auch die Puthenne wird am Morgen befühlt und zum Legen eingesperrt, sonst trägt sie die Eier in das tiefste Dickicht. Dieselben sind bedeutend größer als die der Hühner, spitz zulaufend, mit dunkelroten kleinen Tupfen. Man zeichnet sie mit fortlaufender Nummer und legt sie in einen Korb, der an einem gleichmäßig temperierten, nicht zu warmen Orte steht. Die Eier der kräftigen zweijährigen Hennen sind zum Ausbrüten besonders geeignet. Man mache der Brüterin das Nest so zurecht, daß sie ihre Nachbarin nicht sieht; sie verdrängen sonst einander. Leer gewordene Gänsebrutkästen eignen sich vortrefflich hierzu. Man legt je nach der Größe des Tieres 15-20 Eier unter und sorgt dafür, daß die Puten täglich zum Fressen kommen. In ihrem Bruteifer vergessen sie es leicht und sterben vor Hunger, selbst wenn das Futter vor ihnen steht. Oftmals muß man ihnen die Nahrung (Gerste und Brot am geeignetsten) einstopfen. Man setze die Puthennen möglichst gleichzeitig zum Brüten ein. Die gleichaltrigen Tiere ziehen sich leichter groß, es läßt sich eine Puthenne als Führerin sparen, und die Pute selbst verliert die Brütlust nicht gleich, wenn sie auch wartet; Puten brüten 28 Tage. Nach Verlauf von 14 Tagen werden die Eier geprüft und die unbefruchteten, noch klaren fortgenommen. Wird dabei eine Pute als Brüterin frei, so setze man sie auf Enteneier, aber eine Haushenne gleichzeitig mit. Sabel empfiehlt, jedem Gelege am 6. oder 7. Tage der Bebrütung einige frische Hühnereier beizufügen, damit die dann zugleich ausschlüpfenden Hühnchen den unbehilflichen Putchen mit gutem Beispiele im Fressen vorangehen.

178. Die Aufzucht der Puthühnchen. Während die Hühnchen ausschlüpfen, störe man die Henne so wenig wie möglich, da sie infolge ihrer Ungeschicklichkeit leicht ein Tierchen tot tritt. Nur die Eierschalen müssen vorsichtig entfernt werden. Je kräftiger die Tiere unter der Mutter erstarken, desto lebensfähiger werden sie. Sie können 24-48 Stunden ohne Nahrung bleiben. Die zarten Tierchen dürfen so wenig wie möglich berührt werden, damit die hervorsprießenden Federkiele sich nicht in den zarten Körper eindrücken. Man sorge aber für einen guten Aufenthaltsort, wo sie genügend Raum, Wärme (20 °C.), Licht und vor allen Dingen größte Sauberkeit und gesunde Luft haben. Die oben beschriebenen Hühnerhäuschen sind in größerem Maßstabe auch für die Puten vorzüglich geeignet. 3 Puthennen können eine Herde von 70-80 Küchlein führen. Je weniger alte Tiere, desto besser. Ihre Gefräßigkeit ist sehr groß; sie nehmen nicht, wie die Haushenne, Rücksicht auf die junge Brut, sind aber sonst vortreffliche Mütter, die, selbst wenn sie bereits wieder legen, noch weiter die Kleinen beschützen.

Die erste Nahrung der Putchen besteht aus Insektenlarven, Ameisenpuppen, Mehl- und Regenwürmern, ferner klein gewiegten, hart gekochten Eiern, wozu sich Enteneier vortrefflich eignen. Ein anderes gutes Futter, welches wegen der zweckmäßigeren Ausnutzung der dazu verwendeten Stoffe auch billiger ist, bereitet man sich, indem man die Eier aufschlägt, das Eiweiß vom Dotter scheidet und letzteres in heißes Wasser fallen läßt, damit es erhärtet. Das Eiweiß wird gar nicht gekocht, sondern mit Grieß oder Hirse vermengt, so daß eine ziemlich trockene Masse entsteht, die von den Kücken sehr gern genommen wird. Man menge fein gewiegte Brennessel, auch Löwenzahn darunter und gebe dreimal des Tages lauwarme Milch aus dem Kuhstalle. Nach einigen Tagen setzt man dem Futter frischen, trocknen Käsequark, auch gewiegte Schafgarbe zu und mengt nach 14 Tagen gequellte Hirse darunter. Dabei fängt man an, Eierfutter abzuziehen und hört je nach ihrem Gedeihen in der 4. Woche damit auf. Grünes lieben die Putchen ungemein, besonders aromatische Kräuter, Schnittlauch und Zwiebeln. Neben der süßen Milch verabfolge man auch Pfefferminztee, der zur Verdauung beiträgt. Auch Ei in Wasser gequirlt kräftigt sie. Man füttere anfangs stündlich, dann zweistündlich auf reinem Futterplatz mit stets frisch angemachtem Futter und gebe nicht mehr, als sie eben fressen mögen. Ein einziges saures Fressen bringt die Brut um Wochen zurück oder vernichtet sie ganz.

Sind die Puthühnchen 2-3 Wochen alt, so werden sie bei warmem Sonnenschein ins Freie auf einen Rasenplatz gebracht, wo sie Weide, Würmchen und Insekten aller Art finden. Man lasse sie aber nicht ohne Aufsicht; die Alten führen ihre Jungen oft so weit fort, daß sie sich verlaufen. In manchen Gegenden wird der Henne deshalb eine Schelle umgebunden. Vor Tau und Nässe sind die Tierchen ihrer zarten Beine wegen zu schützen, ebenso vor Brennesseln, die ihnen Blasen verursachen. Da Sonnenhitze die Putchen matt macht, werde für einen schattigen Platz gesorgt, in dessen Nähe sich gleichzeitig eine Bude zum Unterschlupf bei Regen befindet. Nach der Ernte wird die Putenherde auf die Stoppelfelder getrieben und nur des Morgens und abends mit Kartoffeln, geschrotenem Getreide und einer Schüssel saurer Milch, in welche Haselnußblätter geschnitten werden, gefüttert. Bei richtiger Pflege und Abwartung wachsen sie rasch, so daß sich das Futter der ersten Wochen bezahlt macht. Nach 6-8 Wochen treten bei den jungen Tieren die roten Halsdrüsen heraus, in welcher Zeit sie besonders vor Erkältung gehütet werden müssen. Kein Vogel baumt so hoch auf wie die Pute, die trotzdem doch so ungeschickt ist, daß sie sich dabei das zarte Brustbein sehr leicht eindrückt.

179. Putenmast. Das junge, 5 Monate alte Puthuhn wird ebenso gemästet wie der Kapaun, vor allen Dingen gewähre man ihm recht viel Abwechslung im Futter. Mit Vorliebe frißt die Pute gekochte Erbsen und Bohnen, auch Mais oder Kukuruz, wovon man ihr die ganzen Kolben zum Abpicken hinwerfen kann. Man stopft die Puthühner auch mit gequollenen Maiskörnern oder Nudeln von Gerstenmehl, vielfach mit welschen Nüssen, die sie mit der Schale unschwer und schnell verdauen. Man fängt mit einer Nuß, 3 mal täglich gegeben, an, steigt in 10 Tagen bis 10 Stück auf einmal und geht dann wieder zurück. Wenn die Nüsse schmackhaft sind, wird bei der Art Mast ein vorzügliches feines Fleisch erzielt. Man hat Puthähne bis zu 15 kg schwer, allerdings mehr in Frankreich als bei uns, wo die Witterungsverhältnisse günstiger sind. Zum Versand wird die Pute nach dem Schlachten nur mit Bindfaden fest verschnürt; den Kopf hülle man vorher in Papier ein. 8-18 Tage muß ein Puthuhn wenigstens hängen, um einen zarten Braten abzugeben.

3. Das Perlhuhn

Das Perlhuhn (Fig. 99) wird trotz seines hübschen, grauschwarzen, mit weißen Tüpfeln versehenen Gefieders in unseren Hühnerhöfen nur wenig heimisch. Es ist scheu, zänkisch, liebt bis spät in die Nacht umherzustreifen, sitzt gern auf hohen Bäumen und stört durch sein entsetzliches Geschrei. Die kleinen punktierten Eier gelten als Leckerbissen. Feinschmecker behaupten, daß das Perlhuhn nicht geschlachtet, sondern geschossen werden müsse, um wohlschmeckender und pikanter zu werden.

Fig. 99. Das Perlhuhn.

Sollen die Eier befruchtet und zu Brütezwecken verwendet werden, muß jede Henne ihren Hahn haben, doch kann man ihm sonst bis zu 10 Hennen zugesellen. Im späten Frühjahr beginnen die Hennen mit ihrem Gelege und sind darin sehr fleißig; oft legen sie 100 Eier hintereinander, welche von Hennen oder Puten ausgebrütet werden. Die junge Nachzucht braucht 26-27 Tage zum Ausschlüpfen, weil die Schale der Eier sehr hart ist. Die Aufzucht ist derjenigen der Puthühnchen gleich. Ameiseneier und Maden unter das Futter gemischt, befördern das Wachstum. Perlhühner bieten einen trefflichen Braten. Das Huhn muß aber geschlachtet in seinem Federkleide längere Zeit hängen, um schmackhaft zu werden.

4. Der Pfau

Stolz läßt der Pfau sein Rad in der Sonne spielen und gilt dadurch als Zierde des Hühnerhofes. In seiner Unliebenswürdigkeit hat er viel vom Perlhuhn und im Garten ist er der größte Störenfried. Erst im dritten Jahre erhält er sein schönes Gefieder, und in der Mauserzeit wirft er seine Schwanzfedern, die in den Schmuckfederfabriken gern gekauft werden, ab. Ein Hahn erreicht nicht selten ein Alter von 20 Jahren und genügt zur Zucht für 4 Hennen. Nach einem Gelege von 6-7 Eiern schreitet die Pfauhenne zum Brüten, am liebsten in der Freiheit, tief im Gestrüpp. Die junge Nachkommenschaft wird wie die Puten und Perlhühner groß gezogen. Kann der Pfau fliegen, dann übernachtet er am liebsten auf Dächern und ist abgehärtet. Er liefert jung einen köstlichen Braten.

5. Die Tauben

Ein auf einem Pfahl zierlich gebautes Taubenhaus (Fig. 100) verschönert den Wirtschaftshof, ist aber dem Winde sehr ausgesetzt und im Winter zugig und kalt. Ebensowenig sind Taubenhäuser über Hühnerställen und an Mauern angebrachte Taubenkästen zu empfehlen. Dagegen sind Taubenschläge unter dem Dache eines Gebäudes – Viehstall, Speicher etc. – sehr zweckmäßig. Sie müssen ihren Ausflug nach Morgen und Mittag haben und von der Wärme des Stalles Nutzen ziehen können. Die Bretter desselben müssen so eng aneinandergefügt werden, daß es weder der Ratte, noch dem Marder oder Wiesel möglich wird, einzudringen; im anderen Falle nisten die Tauben nicht mehr darin.

Fig. 100. Taubenhäuser.

Tauben gewöhnen sich schwer an einen neuen Schlag. Man nehme dazu nur junge Tiere aus anderer Gegend, halte sie so lange eingesperrt, bis sie Eier gelegt haben und brüten, und füttere sie gut. Man spritze den Stall mit einer Abkochung von Anissamen aus; der Geruch ist den Tauben sehr angenehm. Sie paaren sich von selbst und bleiben einander treu bis in den Tod. Jedem Paare müßten zwei Nester zur Verfügung stehen, denn ehe die Jungen reif sind, legt die Taube bereits wieder zwei Eier und brütet. Der Täuber hilft beim Brutgeschäft, ist aber nicht so ausdauernd wie die Taube selbst. Nach Verlauf von 16-18 Tagen schlüpfen die Jungen aus. Sie werden in der ersten Zeit mit einer milchartigen Flüssigkeit, welche sich in den letzten Tagen des Brutprozesses in dem Kropfe der Mutter bildet, geätzt. Später versorgt diese ihre Jungen mit Körnern, Samen aller Art etc.

Als beste Taubenart für den gewöhnlichen Gebrauch wird die Altenburger Trommeltaube empfohlen, weil sie wohl in das Feld fliegt, sich aber niemals sehr weit entfernt. Den Menschen sind sie außerordentlich zugetan und selbst die brütenden Vögel lassen sich nicht bei etwaiger Stallpflege von ihren Wärtern beunruhigen. Trotz dieser großen Zahmheit verteidigen die Altenburger ihren Brutplatz gegen fremde Eindringlinge höchst mutig und hartnäckig; mit Tauben anderer Art leben sie aber in einem dauernden Unfrieden, und deshalb muß man diese Tiere abgesondert von anderen auf dem Taubenboden halten. Außerdem ist die Fruchtbarkeit dieser Taubenrasse geradezu staunenswert. Das Brutgeschäft wird bei einem leidlich warmen Stall nur während der Mauserzeit unterbrochen.

Im zweiten und dritten Jahre liefern die Tauben nicht selten 7-8 Bruten, nach 4 Jahren aber wird der Ertrag geringer, und es ist Zeit, sie zu schlachten. Man halte nicht mehr Tauben, als der Raum bequem gestattet – sie stören einander im Brüten – und überhaupt nicht über 50 Paar, sonst fehlt die rechte Übersicht. Überzählige Tauben werden der Händel wegen fortgegeben oder geschlachtet. Junge Tauben werden vielfach vor dem Verkauf mit gequellten Erbsen oder gekochtem Mais gemästet, um mehr Fleisch zu erzielen. Sobald der Kropf leer ist, füllt man ihn wieder. Die Taube liebt große Reinlichkeit und badet sich gern in flachen Gefäßen; tiefes Wasser scheut sie. Gerste, Wicken und Erbsen sind besonders gutes Taubenfutter, andere Getreidearten nicht. Bleiben die Tauben eingesperrt, so sorge man für eisenhaltiges Trinkwasser und lasse es an Aschen-, Sand- und Wasserbädern, sowie Sitzstangen nicht fehlen.

6. Die Gans

Die Gans ist anspruchslos und verlangt als Schlafraum nur ein sehr trocknes Strohlager, da ihr Mist bedeutende Feuchtigkeit enthält. Durch ihre Gefräßigkeit schadet sie aber den Saaten, Gärten, Wiesen etc., außerdem wirkt ihr Dünger verbrennend. Dorfanger mit fließendem Wasser, Brachfelder und Sturzäcker sind geeignete Weiden. Die Gans ist leicht aufzuziehen und besonders große Tiere lohnen die geringe Mühe durch Federn, Fleisch und Fett.

180. Die verschiedenen Rassen der Gänse.

Die Toulouser Gans (Fig. 101) ist die größte ihres Stammes und erreicht ein Gewicht bis zu 15 kg. Sie ist mehr grau als weiß, der Schnabel hell-orangerot. Der kompakte Körper ruht auf kurzen, fleischfarbigen Beinen, der herabhängende Bauch berührt fast den Boden. In Deutschland gezüchtet, erreicht sie selten die Größe wie in ihrer Heimat und beginnt auch später mit dem Gelege.

Fig. 101. Toulouser Gans.

Fig. 102. Pommersche Gans.

Die Emdener Gans zeichnet sich durch ihr meist reinweißes Gefieder aus. Der Schnabel ist dunkelrot, die Beine sind dunkel-orangegelb. Auch sie erreicht bei der Mästung ein Gewicht von 10-15 kg.

Die pommersche oder mecklenburgische Gans (Fig. 102) gleicht mehr unserer gewöhnlichen Hausgans, nur daß sie größer und stärker ist und ebenfalls ein Gewicht bis zu 10 kg erreicht. Zur Ergänzung desselben bedarf sie zu viel des Nährstoffes.

181. Das Geschlecht der Gans zu erkennen. Bei jungen Gänsen macht sich der Geschlechtsunterschied nicht hervortretend bemerkbar und dadurch entstehen bei der Auswahl der Zuchtgänse oft Irrtümer. Der Gänserich zeichnet sich durch einen langen Hals aus, er ist schlanker gebaut, hat längere Beine als die Gans und seine Stimme ist durchdringender, kreischender. Auch hier ist öftere Blutauffrischung aus anderen Herden geboten. Die Gans erreicht ein Alter von 20 Jahren und kommt dabei ihren Pflichten noch nach.

182. Die Paarzeit der Gänse beginnt meist im Januar; die Zeit hängt von der Strenge des Winters, der Temperatur des Stalles und der Güte des Futters ab. Um kräftigen Nachwuchs zu erzielen, füttere man schon im Dezember Hafer. Durch schlechte Ernährung, Inzucht und zu junge Zuchtgänse geht die Herde zurück. Der Ganter kann 5-6 Gänse befruchten, er ist aber sehr wählerisch unter denselben.

183. Das Eierlegen der Gans. Sobald die Gans Stroh im Schnabel trägt und sich ein Nest baut, beginnt ihre Legezeit. Man befühlt sie am Morgen und bringt sie auf das Nest, wo sie später brüten soll. Sehr zu empfehlen sind auch hier die Brutkästen (Fig. 87), nur müssen sie verhältnismäßig größer und besonders am unteren Ende mit einem breiteren Brett geschlossen sein. Nachdem die Gans 12-15 Eier gelegt hat, zeigt sie meist Lust zum Brüten.

184. Das Brüten der Gans. Bleibt die Gans nach dem Legen längere Zeit auf ihrem Neste sitzen, füttert sie dasselbe mit ihren Federn aus und zischt sie, wenn man sich ihr naht, so darf man sicher annehmen, daß sie brüten will, und legt ihr 12-15 Eier unter. Auch hier empfiehlt es sich, mehrere Gänse zu gleicher Zeit zu setzen. Die Gans verläßt am Morgen ihr Nest, nachdem sie sorgfältig die Eier zugedeckt hat, leert sich aus, frißt, säuft und geht von selbst wieder zurück. Sie gewöhnt sich ebenso bald an Pünktlichkeit wie die Henne. Bei der in der letzten Brütezeit sich steigernden Hitze hat sie das Bedürfnis, ihr Nest öfter zu verlassen. Nach 28-30 Tagen schlüpfen die Jungen aus; man lasse ihnen Zeit und helfe nicht unnötig. Höchstens bade man die Eier vor dem Ausschlüpfen in warmem Wasser, um die Schale zu erweichen und zu erkennen, ob Leben im Ei ist. Infolge des erhöhten Wärmegrades bewegt sich das Tierchen und das Ei wackelt. Sobald das ausgeschlüpfte Gänschen nestreif ist, wird es von der Mutter fortgenommen, bis sämtliche Eier ausgebrütet sind.

185. Die Aufzucht der jungen Gänse. Die junge Brut erhält als erste Nahrung ein wenig Salz in den Schnabel, worauf man sie mit gekrümeltem Brote, fein gehackten Nesseln und hart gekochten Eiern füttert. Später vermengt man das Futter mit gut ausgepreßtem Käsequark und klein geschnittenem Salat und streut auf solches Viehfutter etwas phosphorsauren Kalk. Alle 2 Stunden gibt man den Tieren zu fressen und gleichzeitig frisches Trinkwasser. Nach und nach geht man zu gröberer Nahrung über, wie geschälten und gekochten, zerdrückten Salzkartoffeln, mit Grünem, Kleie und Milch vermengt. Bei warmem Sonnenschein wird die kleine Schar auf gute Weide gelassen, wo sie mit Lust die Grasspitzen abrupft. Die junge Brut ist gegen Nässe und Regengüsse sehr empfindlich. Wird ihr Flaum durchnäßt, so erkälten sie sich und gehen ein. Ebenso schädlich sind den Tieren die jungen Körner des abgeblühten Roggens, die sie mit Vorliebe fressen. Wasser zum Schwimmen ist den Gänsen unbedingtes Bedürfnis, doch dürfen sie erst auf dasselbe, wenn sie Federn bekommen. Sobald sie die Flügel schließen, ist eine besondere Pflege nicht mehr nötig. Am Morgen und Abend müssen sie gefüttert werden. Nach guter Herbst- und Stoppelweide wird die Nachzucht entweder an den Händler pro Stück 3-3,50 M. verkauft, oder man mästet die Gänse selbst. Damit sich der Hirte lohnt, halte man wenigstens 50-60 Stück.

186. Die Mast der Gänse. Zu Anfang Oktober, auch etwas früher, setzt man die ersten gut angefütterten Gänse zur Mast ein, zieht ihnen die Fettfedern aus und wählt eine ziemlich dunkle, der Anzahl entsprechende Räumlichkeit. Die Futter- und Wassertröge werden außen angebracht. Der Stall muß stets trocken und rein gehalten und öfter ausgemistet werden. Man schüttet den Masttieren während der ersten Zeit, selbst für die Nacht, klein gehackte Mohrrüben vor, so viel, wie sie nur fressen wollen. Sind sie dadurch angefüttert, so werden sie nach 2 bis 3 Wochen mit Hafer gemästet. An Wasser darf es den Gänsen nicht fehlen; Holzkohlen, Salz und Sand darin hilft verdauen und reizt ihren Appetit. Man erzielt durch diese Art Fütterung eine saftig schmeckende Bratgans. Bei einer größeren Anzahl von Masttieren richte man zwei Ställe ein, einen zur Mohrrüben-, den anderen zur Haferfütterung. In Pommern, welches durch seine Gänsezucht berühmt ist, mästet man nur mit Hafer, in anderen Gegenden wieder mit gequelltem Mais, welcher kerniges Fett und zartes Fleisch liefert. Eine fette Gans hat dicke Fettpolster unter den Flügeln und eine vollständig ausgefüllte, runde Brust. Frisch berupfte Gänse werden erst zur Mast eingesetzt, wenn sich ihr Federkleid wieder ergänzt hat.

Um möglichst viel Fett zu erzielen, wird die Gans gestopft. Man bringt sie dazu in einen Käfig, in welchem sie sich nicht bewegen kann und der vorn eine Öffnung hat, durch welche die Gans den Kopf zum Saufen steckt (Fig. 103). Der Boden des Käfigs ist so eingerichtet, daß der Dünger durchfällt. Zweistündlich nimmt man die Gans zum Stopfen heraus und füllt den Kropf, aber niemals, wenn noch unverdautes Futter darin ist. Man läßt ihr einige Minuten Freiheit, bis sie mit den Flügeln geschlagen hat, und setzt sie dann wieder ein. In das Wasser legt man ihr Holzkohle, woran sie gern knappert. Entweder stopft man mit gequelltem Mais oder mit Nudeln, die aus Gerstenmehl, auch Hirse mit geriebenen Kartoffeln darunter, sowie zur Vergrößerung der Leber etc. mit Salz und etwas Kaffeegrund oder Pfeffer gemacht werden. Man forme die Nudeln etwas spitz, nicht zu dick, backe sie im Ofen und weiche sie vor dem Stopfen in Wasser ein. Länger als 3 Wochen stopfe man nicht und achte darauf, daß dies nicht unvernünftig geschieht und daß das Tier nicht erstickt. Bei einer Stopfgans sind 2-4 kg Fett keine Seltenheit. In Straßburg i. E. besteht das einzustopfende Futter nach Sabel in ausgequellten Maiskörnern, und zwar in 3 Wochen 30 Liter pro Gans. Täglich wird 3 mal gestopft. Den Maiskörnern fügt man täglich eine große Messerspitze voll Spießglanzpulver zu, was auf die Vergrößerung der Leber hinwirkt; die Leber wird 1-1½ kg schwer (Preis 10 M.).

Fig. 103. Mastkäfige.

187. Das Schlachten der Gänse. 12 Stunden vor dem Schlachten füttere man die Gans nicht mehr, lasse sie zum Ausbaden und Reinigen der Federn in das Wasser und in einem dick eingestreuten Stalle gut abtrocknen. Man schlachtet die Gänse durch einen Messerstich ins Genick, fängt ihr Blut auf und läßt sie ausbluten. Noch warm, werden sie gerupft und die verschiedenen Sorten Federn in einzelne Töpfe (an diese hängen sich die Federn am wenigsten an) gepackt. Das erste Glied der Flügel wird abgeschnitten, auseinandergespreizt, beschwert und getrocknet, um als Flederwisch zu dienen. Dann hängt man die geschlachtete Gans am Halse auf, damit sich die Eingeweide herunterziehen und sie ein volles Aussehen erhält.

188. Das Berupfen der Gänse. In verschiedenen Gegenden Deutschlands werden die Gänse im Jahre zweimal ihres Federkleides entledigt. Obwohl ein Teil der Federn von selbst ausfallen würde, so geschieht dies doch nur nach und nach; infolge der Berupfung aber kommen die Tiere im Körperbau immer zurück, indem der Prozeß der Ergänzung zu rasch vor sich gehen muß. Um Johanni, sobald die jungen Gänse die Flügel schließen und die Feder beim Herausziehen keinen Blutstropfen mehr zeigt, sondern trocken ist, rupft man das erste Mal, aber nur sehr wenig und vorsichtig. Man nehme die Federn nur von seitwärts, unter der Brust und unten am Bauch, schone aber die Schwungfedern, auf welchen die Flügel ruhen (sonst schleppen die Gänse dieselben nach), und füttere sie sehr kräftig. Die ersten Federn sind klein. Das zweite Mal, wobei die Gans durchschnittlich 125 g Federn gibt und man auch etwas Flaum gewinnt, sind sie bedeutend besser; das zweite Rupfen geschieht im September. Die Rauffedern haben einen bedeutend höheren Preis als die Schlachtfedern, aber immerhin verliert die Gans dadurch, daß sie durch das Rupfen im Körperwachstum zurückbleibt.

189. Das Zeichnen der Gänse und Enten. Um das Alter der Tiere zu erkennen, zeichne man die jährlich Hinzugekommenen durch einen Einschnitt in die erste Schwimmhaut der rechten Pfote; der Zutreterin des nächsten Jahres mache man denselben in die zweite Schwimmhaut der rechten Pfote, während im dritten Jahre die Zutreterin einen Einschnitt in die Schwimmhaut der linken Pfote erhält etc.

7. Die Ente

Das Element der Ente ist das Wasser. Sie gedeiht nur da, wo ihr dieses zu Gebote steht. Auf dem Wasser findet sie ihre beste Nahrung, Froschlaich, Insekten aller Art, Meerlinsen etc. In Brutteichen richten die Enten arge Schäden an, verschlingen kleine Fische, aber auch ihnen selbst wird in ihren ersten Wochen von Hechten gierig nachgestellt. Sie gehören noch mehr als das Huhn zu den Allesfressern und suchen sich überall ihre Nahrung. Den Garten befreien sie von manchem schädlichen Insekt und Wurm, ohne zu scharren.

190. Woran erkennt man das Geschlecht der Ente? Der Erpel zeichnet sich durch ein bedeutend glänzenderes Gefieder aus, ist stattlicher und größer als die Ente und hat am Ende des Schwanzes einige geringelte, aufrecht stehende Federn, die er in der Mauserzeit verliert, aber später wieder erhält. Alle zwei Jahre muß er aus anderer Zucht erneuert werden; im zweiten Jahre ist er am kräftigsten. Man teilt ihm nur 4-6 Enten zu, da er sich sonst seine Lieblinge auswählt und die anderen Enten unbefruchtete Eier legen. Die Begattung findet meist auf dem Wasser statt. Die Enten sind an sich reinlich, aber desto schmutziger im Stall; sie bedürfen besonders viel Streu und ihrer Ausdünstung wegen einen Raum für sich allein.

191. Die verschiedenen Rassen. Außer der allbekannten Hausente, die ohne Kreuzung mit besseren Rassen ziemlich klein bleibt, zeichnen sich durch hervorragende wirtschaftliche Bedeutung noch einige besondere Arten aus.

Die Rouen-Ente (Fig. 104). Ihr Gefieder ist vollständig bunt und gleicht im allgemeinen dem der Stockente (Wildente). Charakteristisch ist ein scharf abgesetzter Ring um den Hals, sowie ein langer Schnabel mit gelber Grundfarbe, über welche sich ein verwaschenes Grün verbreitet. Rouen-Enten wachsen sehr schnell, haben ausgezeichnetes Fleisch und sind fleißige Eierleger. Masttiere erreichen nicht selten ein Gewicht von 3-4 kg.

Fig. 104. Rouen-Enten.

Die Aylesbury-Ente (Fig. 105) steht in keiner Weise der ersteren nach und ist durch ihr reinweißes, glänzendes Gefieder noch wertvoller. Der breite Schnabel ist zart fleischfarben, die Beine sind dunkelgelb bis orange. Die Eier der Aylesbury-Ente sind sehr groß. Im östlichen Deutschland beginnt sie mit dem Legen etwas später als die gewöhnliche Hausente.

Fig.105. Aylesbury-Ente.

Die schwedische Ente ist ebenfalls beliebt wegen ihrer Größe, Fruchtbarkeit und leichten Mästung, besonders kommen aber noch als Zuchtente die Peking-Ente, als Eierlegerin die Indische Laufente in Betracht.

192. Die Legezeit der Enten beginnt im März. Sie sind darin sehr fleißig und bringen es bei guter Nahrung nicht selten auf ein Gelege von 100 Eiern. Im Juni hören sie nach und nach damit auf. Die Ente legt ihr Ei zur Nachtzeit mitten in den Stall. Man befühle sie deshalb am Abend und weise ihr einen besonderen Lege- und Schlafraum an. Bessere Exemplare sperre man noch besonders ab, um gute Zuchteier zu haben.

193. Die Aufzucht der Enten. Vielfach wird behauptet, daß die Ente eine schlechte Brüterin und Mutter sei, die zwar Eier legt, sich aber auf das Ausbrüten gar nicht einläßt. Es ist dies eine durchaus falsche Ansicht. Man nimmt auf ihre Eigenart nicht Rücksicht. Diese besteht darin, daß man durchaus nicht duldet, daß ihre Eier berührt oder mit den Händen betastet werden. Man lasse die Eier in den aus Strauchwerk hergestellten Nestern unberührt, dann findet sich auch bei ihr die Lust zum Brüten. Mehr als 12-15 Eier lege man ihr nicht unter. Puten und Hennen brüten Enteneier gut aus. Man setze auch hier soviel wie möglich mehrere Brütenten gleichzeitig. Die kleinen, lebhaften, nimmersatten Tiere machen in der Aufzucht keine Schwierigkeiten, wenn man nur berücksichtigt, daß Wasser ihr Lebenselement ist. Man füttere sie zuerst mit gekochten Eiern, gequollener Grütze, frischem Käse, Grünem und Salat und nach einigen Tagen mit geschälten und gestampften Kartoffeln, denen Hafermehl oder Kleie untermengt worden ist. Saures und grobes Futter sowie viel kaltes Wasser vertragen sie durchaus nicht. Bei gutem Futter wächst die Ente rasch und mit drei bis vier Wochen frißt sie alles, mit Vorliebe Teig aus Buchweizenspreu oder Weizenschalen mit süßen Molken angerührt. Man füttere reichlich, sonst steht die hungrige Schar alle Augenblicke schnatternd und lärmend auf dem Futterplatze. In stehenden Gewässern, Teichen und Tümpeln mit Entengrieß überzogen, lohnt Entenzucht. Das Futter kann in allem Eßbaren bestehen. In den ersten Tagen reicht man das für Gänse empfohlene Futter, später mehr animalische Nahrung: Regenwürmer, Schnecken, Maikäfer und Fleischabfälle. Sobald die Ente die Flügel schließt, ist sie ausgewachsen und kann geschlachtet werden. September und Oktober liefert sie den besten Braten.

194. Das Mästen der Ente. Die Ente gewöhnt sich schwerer als die Gans an ihre Gefangenschaft. Man halte sie deshalb erst stundenweise bei gutem Futter eingesperrt, damit sie sich nach und nach daran gewöhnt. Man stelle ihr Kartoffeln mit Schrot gestampft und Wasser mit Hafer oder Gerste hin. Während sie in dem Wasser herumschnattert, verschluckt sie die Körner mit. Sobald sich der Schwanz fächerartig teilt, unter den Flügeln sich Fettpolster zeigen und die Brust ausgefüllt ist, hat sie gut zugenommen und liefert einen köstlichen Braten, der höher als der von der Gans geschätzt wird. Die Ente läßt sich auch stopfen. Man füllt ihr dreimal des Tages den Kropf mit nicht zu großen Nudeln und gibt ihr reichlich Wasser zum Saufen. In 14 Tagen ist sie sehr fett.

195. Das Schlachten der Enten geschieht auf dieselbe Weise wie das der Gänse. Man sortiere ebenso ihre Federn, vermische diese aber nicht mit denen der Gans, sie zerreiben die letzteren vermöge ihrer Schärfe. Der Geruch der Entenfedern ist eigentümlich, verliert sich aber durch Austrocknen, Lüften und Klopfen, am besten allerdings durch Waschen, wonach sie auch nicht mehr stäuben. Nach dem Gelege lassen sich die Zuchtenten, ohne Schaden zu leiden, ebenfalls berupfen. Die Federn haben nur den halben Wert der Gänsefedern, die Daunen werden mit denen der Gänse vermischt.

8. Der Schwan

Der Schwan darf mit seinem herrlichen weißen Gefieder, das sich beim Schwimmen in vollendeter Formenschönheit zeigt, auf dem Wasser eines großen Gutes kaum fehlen. Ein Schwanenpaar hängt mit unverbrüchlicher Treue aneinander und duldet, besonders in der Brütezeit, kein zweites in seiner Nähe, ist sogar sehr herrsch- und zanksüchtig. Die Schwänin legt Ende März und Anfang April 6-7 Eier und brütet dann tief im Schilf verborgen. Nach 35-40 Tagen schlüpfen die Jungen aus, welche von beiden Eltern sorgsam gehegt und mit süßen Wurzeln des Schilfes, Wasserpflanzen, Körnern, Insektenlarven etc. versorgt werden. Die jungen Tiere sind anfangs grau, erst im dritten Jahre wird ihr Federkleid reinweiß und ihr Schnabel färbt sich rot. Zu dieser Zeit stellt sich der Begattungstrieb bei ihnen ein. Sie fliegen mitunter weit fort, weshalb man ihnen die Flügel lähmt und den Finger derselben abschneidet, damit sie das Gleichgewicht beim Fliegen verlieren. Im Winter weise man den Schwänen einen warmen Stall an.

9. Federviehkrankheiten

Bei einer vorschriftsmäßigen Pflege des Federviehes kommen Krankheitserscheinungen wenig oder gar nicht vor, es sei denn durch Ansteckung oder besondere äußere Einflüsse. Ehe man mit einem kranken Tiere viele Kuren vornimmt, ist es immer geratener, dasselbe zu schlachten und zu verbrauchen. Man achte nur auf jedes Huhn; bleibt es vom Futtertisch zurück, steht es in der Ecke, hat es einen schwerfälligen Gang, pickt es, ohne zu fressen, hat es glanzloses, struppiges Gefieder, so gehört es in den stets gründlich zu desinfizierenden Krankenstall und muß 2-3 Tage besonders beobachtet werden.

Die hauptsächlichsten Krankheiten sind:

196. Der Pips oder Zips. Dem Pips geht zumeist Husten, Röcheln, Heiserkeit voran(Eingeben von Altheesaft, Lebertran, Bepinseln mit einer Glyzerinlösung, warm halten, keine Körner, Viehfutter). Derselbe ist ein fieberhafter, katarrhalicher Zustand, wobei sich die Nasenlöcher und die Zungendrüsen verstopfen, so daß die Tiere nach Luft schnappen und ihre Zunge sich trocken anfühlt. Es bildet sich an ihrer Spitze ein horniges Häutchen, welches unverständiger- und unnützerweise oft mittels eines Messers abgezogen wird.

Nasen-, Luftröhren- und Brustkatarrhe sind oft die Folgen von Erkältung. Man halte die Tiere sehr warm und gebe täglich 3 mal eine halbe Messerspitze voll Süßholzsaft mit einer Messerspitze voll Honig. Als Futter verabreiche man gekochte Kartoffeln mit gekochter Magermilch.

197. Durchfall zeigt sich bei den alten Hühnern häufig im Frühjahr. Man gebe recht trockenes Futter, gekochte Erbsen oder Reis mit Kalmus, Kümmel, Kreide oder gestoßenen Wacholderbeeren untermengt, auch gerösteten und gemahlenen Hafer und Heidelbeeren, in das Trinkwasser etwas Alaun oder Tannin. Auch bei der jungen Nachzucht tritt der Durchfall auf, besonders durch Fütterung von gekrümeltem Schwarzbrot, das kleisterartig im Magen liegt und säuert. Änderung des Futters, Abschneiden der Federn, die am After festkleben. Reinlichkeit, Wärme, Bestreichen der wunden Stellen mit Speiseöl oder Vaselin. Rotwein mit Semmelkrume stärkt den Unterleib. Bei jungen Gänsen zeigt sich die Krankheit nach Genuß von unreifem Roggen; man halte sie einige Tage eingesperrt und füttere sie mit Hirsespreu, Kleien und Haferschrot. Der Kot der Tiere ist täglich zu entfernen; die Ställe desinfiziere man. Verstopfung durch Übermast behandle man durch Eingeben von Leinöl oder gar Rizinusöl.

198. Gicht, Rheumatismus und Krampf wird durch sehr kalte und feuchte Ställe erzeugt. Die Läufe sowie die Zehen schwellen an, werden heiß und schmerzen beim Druck, der Gang der Tiere ist unsicher und steif. Die kranken Glieder sind warm zu baden, sorgfältig abzureiben und mit einer Lösung von Salz in Kampferspiritus oder Franzbranntwein einzureiben. Außerdem halte man die Tiere diät und setze dem Weichfutter phosphorsauren Kalk zu. Reiner, trockener Auslauf mit viel Sand ist Hauptbedingung.

199. Kalkbeine. Die Läufe und Zehen der Hühnerarten sind zuweilen mit einem bösartigen Schorf bedeckt, welcher von Milben herrührt. Diese beunruhigen hauptsächlich des Nachts die Tiere, legen ihre Eier unter die Schilder der Haut und dadurch schwillt letztere an. Dies Ungeziefer kriecht von einem Tier zum andern. In leichten Fällen hilft neben Absonderung ein 3-4 maliges tägliches Bespritzen der Beine mit Petroleum, sonst Anwendung einer Salbe von gleichen Teilen Vaselin und Schwefelblüte. Unreinlichkeit der Ställe trägt Schuld daran, darum desinfiziere man diese. Die Beine der Tiere werden mit Schmierseife wiederholt eingerieben und gewaschen, dann macht man eine Salbe von Schweinefett, Schwefelblüte und etwas Karbolsäure und reibt 8 Tage lang ein.

200. Wunden und Quetschungen lassen sich mit Arnikaspiritus (auf ½ Liter Wasser 1 Teelöffel) oder Kollodium wieder heilen, große Risse werden zugenäht und mit Fett bestrichen.

Brandwunden. Behandlung: 2 g Karbolsäure, 100 g Leinöl, 100 g Kalkwasser werden zusammengemischt; ein leinener Lappen wird damit befeuchtet und dieser stündlich auf die Brandwunden gelegt.

201. Entzündung der Augen, des Mundes und der Nasenschleimhaut. Schneller Temperaturwechsel, Zugluft, feuchte Ställe bringen diese Krankheit besonders bei Rassehühnern hervor. Sie zeigt sich durch einen wässrigen Ausfluß aus den Nasenlöchern, tränende Augen, auch Husten. Die Ausflüsse verwandeln sich schließlich in eine dicke, eitrige, übelriechende Masse, die sich über das ganze Gesicht verbreitet und festklebt. Der Kopf schwillt an, der Augenstern ist nicht mehr zu sehen. Der Atem ist beschleunigt, fortwährendes Aufsperren des Schnabels, Nachluftschnappen, Schnarchen; massenhafter Schleim geht von den Tieren ab und gelbe Belagmassen zeigen sich auf den Schleimhäuten, dem Schnabel etc. In diesem Stadium heißt die Krankheit Diphtheritis oder Rupp. Sie rührt vom Spaltpilz her und überträgt sich selbst auf Personen. In diesem Stadium ist Heilung kaum mehr möglich, darum töte und vergrabe man die Tiere; die Abzehrung würde doch eintreten. Wird zu rechter Zeit mit Heringslake Hals, Schnabel und Nase gepinselt, so sollen oft recht gute Erfolge erzielt werden können. Personen, die solche Tiere pflegen, müssen sich vor jeder Berührung des Gesichtes mit den schmutzigen Händen hüten.

202. Die Hühnercholera ist eine der gefährlichsten Krankheiten, weil sie in kürzester Zeit einen ganzen Federviehhof zugrunde richtet. Sie wird durch kleine Lebewesen (Bakterien) erzeugt, entwickelt sich ungemein rasch und führt meist zum Tode. Die Krankheit wird vielfach durch Import ausländischen Viehs eingeschleppt, darum ist Vorsicht bei Bezug ausländischer Rassen zu empfehlen. Die befallenen Tiere sind sofort zu töten und zu vergraben, Stall, Laufraum und Sitzstangen etc. sofort gründlich zu desinfizieren und frisch zu kalken mit Desinfektionsmitteln. Strengste Diät, Eisenvitriol oder Salzsäure im Trinkwasser sind Mittel, um der Seuche vorzubeugen. Die Tiere fangen an zu taumeln, verkriechen sich und liegen nach kurzer Zeit tot da. Mitunter tritt die Krankheit auch schleichend auf und wird als Hühnertyphus bezeichnet. Die Tiere sehen matt und traurig aus, sträuben das Gefieder, werden vom Durchfall geplagt und ein übelriechender Schleim fließt aus ihrem Schnabel. Es besteht Anzeigepflicht.

203. Die Windsucht ist eine Anhäufung von Luft in den Zellgeweben unter der Haut, wobei die Tiere nicht selten so aufgetrieben werden, daß sie kaum gehen können. Das Übel zeigt sich nach dem Genuß frischen Kornes. Man durchsticht die Haut an zwei Stellen und zieht durch beide Öffnungen unter derselben einen Seidenfaden hindurch, der einige Zeit darin verbleibt. Außerdem halte man das Tier diät.

204. Das Überfressen. Trinken die Hühner auf einen zu vollen Kropf, so quillt das Getreide darin und das Huhn ist nicht imstande, es zu verdauen. Wenn vorkommendenfalls einige Teelöffel Lein- oder Baumöl nichts helfen, so schneidet man die Haut am Halse und die Kropfhaut auf, nimmt das Futter heraus und näht die Wunde wieder zu, jede Haut für sich. Man bestreicht sie mit Fett und tut etwas Holzasche darauf, hält das Tier auch einige Tage eingesperrt.

Ungeziefer, wie Flöhe und Läuse, werden durch Mangel an Reinlichkeit erzeugt und sind für das Federvieh eine Qual. Gründliche Reinigung, Aufstellen einer flachen Kiste, welche ? mit Sand, Asche, Schwefelblüte etc. angefüllt ist, dienen zur Vertreibung desselben.

10. Das Federviehbuch

Will man die Resultate seiner Federviehzucht genau ermitteln, dann darf es nicht an geregelter Buchführung über Eierproduktion, Brüten, Ausschlüpfen der Jungen etc. fehlen. Zu diesem Zwecke praktisch eingerichtete Bücher sind in allen Buchhandlungen käuflich, es gehört nur einige Energie dazu, die Sache regelrecht durchzuführen.

Brütezeit des Nutzgeflügels: 1. Tauben 17-18 Tage, 2. Hühner 19-23 Tage, 3. Fasanen 20-21 Tage, 4. Perlhühner 26-27 Tage, 5. Truthühner 28-30 Tage, 6. Pfauen 29-32 Tage, 7. Enten 28-32 Tage, 8. Gänse 27-28 Tage, 9. Schwäne 35 bis 37 Tage.

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