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Zur Stütze der Hausfrau

Hedwig Dorn: Zur Stütze der Hausfrau - Kapitel 13
Quellenangabe
authorHedwig Dorn
titleZur Stütze der Hausfrau
publisherVerlagsbuchhandlung Paul Parey
printrunFünfte, neubearbeitete Auflage
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161209
projectid16c98dc9
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II. Die Schweinezucht

147. Allgemeines. Im landwirtschaftlichen Betriebe rechnet man, daß eine gute Zuchtsau im Geldertrage pro Jahr einer besseren Kuh gleichstehe, wobei jedoch das Futter für die letztere höher zu veranschlagen ist. Daraus geht hervor, daß die Schweinezucht in kleineren oder größeren Verhältnissen bei der stets zunehmenden Nachfrage sich immer lohnt, besonders wenn man größere Mengen billigen Futters zur Verfügung hat, wie Spülicht, Brauerei- und Brennereirückstände, Küchenabfälle, billiges Getreide, sodann auch guten Weidegang und vor allen Dingen Rückstände der Milchwirtschaft. Ohne letztere ist Ferkelaufzucht und Mast kaum mit Erfolg zu betreiben; sie schließen die anderen Futtermittel erst in ihrem vollen Werte auf. Nirgends ist Hungerfütterung schlechter angebracht als bei der Aufzucht von Schweinen, zumal wenn Stallfütterung ohne Weidegang eingeführt ist. Es wächst und vermehrt sich kein Haustier so rasch wie das Schwein, besonders die besseren Rassen. Keine Tierzucht bringt darum so schnell und so viel Geld ein, wie eine richtig geleitete Schweinezucht, vorausgesetzt, daß Absatz für Ferkel oder Mastschweine nicht fehlt. Das Hauptziel der Schweinezüchter muß darum sein, mit verhältnismäßig billigen Mitteln sehr viel Fleisch und Fett zu erzeugen. Es dürfen nur Schweine gehalten werden, welche 1. schnell wachsen; 2. gute Zuchttiere sind, d. h. ihre Jungen gut säugen, damit diese im Alter von 6-7 Wochen verkauft werden können; 3. bei Mästung ihr Gewicht nicht nur schnell erreichen, sondern auch festes Fleisch und Fett liefern; endlich 4. große Freßlust, gesunde Verdauungskraft, ruhiges, gutmütiges Temperament zeigen und nicht zu Krankheiten neigen. Deshalb ist es die Aufgabe jedes Schweinezüchters, sich genau nach der Rasse, die für seine Verhältnisse, sein Klima, seine Bodenbeschaffenheit paßt, umzusehen. Wer züchtet, darf nicht gleichzeitig Mäster, Hochzüchter und Vermehrer, der Pölkenaufzüchter nicht seinerseits auch Züchter oder Mäster und der Mäster nicht Züchter oder Pölkenaufzüchter sein wollen. Nur die Spezialität erscheint befähigt, höchst Erreichbares zu erzielen. Der Betriebsleiter aber kann am besten herausfinden, welche Spezialität nach obliegenden Verhältnissen für ihn am meisten zum Vorteil gereicht.

148. Der Schweinestall wird in der Regel in Gewölben auf Eisenkonstruktion massiv gebaut; an den beiden Längsseiten sind die Buchten und in der Mitte der Futtergang; an dem einen der Giebel befindet sich der Schweinehof. Der Stall muß eine geschützte Lage haben, hoch und geräumig sein. Die Tiere fühlen sich am wohlsten bei einer Stalltemperatur von 13-15° C. Im Winter hilft man sich mit einem irischen Ofen, im Sommer durch Leinwandvorhänge, fleißiges Lüften und Spülen des Stalles mit kaltem Wasser. Bei der starken Ausdünstung der Tiere muß der Stall mit genügender Ventilation versehen werden. Man schafft diese durch Dunstkanäle, welche durch die Decke und das Dach gehen. Die Fenster des Stalles bringe man hoch an, damit die Zugluft die Schweine nicht berühre. Die verschiedenen Buchten sind durch in Zement gemauerte Wände zu trennen. Der Fußboden besteht zweckmäßig fast nur aus doppellagigem Flachziegelpflaster von Klinker in Zement oder aus Zementbeton. Das Betonmaterial wird am besten aus Kies, der dem Sande noch vorzuziehen ist, mit groben und feinen Beimischungen hergestellt. Undurchlässigkeit für Flüssigkeiten ist Hauptbedingung für den Stallboden. Das Gefälle, 1:10 bis 1:15, muß nach dem Stallgang gehen und die Jauche in offenen, flachen, oberirdischen und daher leicht zu reinigenden Rinnen, die ebenfalls gutes Gefälle haben, abfließen können. Ställe mit Bohlen sind wärmer, befördern aber die Unreinlichkeit; das Holz saugt viel Schmutz auf und verpestet die Luft. Die Schweineküche mit Wasserreservoir bringe man an dem anderen Giebel des Stalles an. Die Tröge setze man mit ? ihrer Breite in den Stall und ? in den Futtergang. Man verhindert dadurch das Hineintreten der Ferkel, und es gewährt ein leichteres Füttern und Reinigen. Die Tröge werden aus Holz, Eisen, Sandstein oder emaillierten Kacheln hergestellt, und vielfach befindet sich ein Drahtgitter darüber, damit man die Tiere besser übersehen kann. Man bringt auch häufig lange gußeiserne Futtertröge (Fig. 65), die für jedes Tier ihre besondere Abteilung zum Fressen haben, in Anwendung. Sie gewähren den Vorteil, daß die schwächeren Tiere nicht zurückgedrängt werden. Tummelplätze und Badeeinrichtungen sind für Schweinezucht vorzüglich, aber die Weidegänge werden dadurch doch nicht ersetzt.

Fig. 65. Langer Futtertrog für Schweine.

Das Schwein ist keineswegs ein unreinliches Tier, es liebt ebenfalls ein trocknes, gutes Lager. Damit die Tiere trocken liegen, bringt man oft an den höchsten Stellen der Buchten hölzerne Pritschen auf Unterlagsbohlen an. Durch schmutzige Ställe, schlechte Streu etc. erhält das Tier rauhe Borsten, unreine, sich verdickende Haut, Schuppen und Borken, da die Hautausdünstung fehlt, und es geht im Wachstum zurück, während das tägliche Baden im Sommer das Tier vor mancher Krankheit schützt. Darum ist es auch Hauptbedingung, daß der Schweinestall so reinlich als möglich gehalten werde und sämtliche Utensilien, die zur Schweinehaltung gehören, mit. Wöchentlich einmal muß große Reinigung dort vor sich gehen, und alle Geräte müssen mit Sodalauge ausgescheuert werden, zum Gedeihen der Tiere. Zweimal im Jahre, im Frühjahr und im Herbst, soll man den Stall ausweißen. Alte Reste dürfen in den Trögen nicht zurückbleiben. Alle Futtermittel müssen in vollständig unverdorbenem Zustande gereicht werden. Das Lager der Tiere werde so trocken als möglich gehalten. Bei einer ruhigen und gütlichen Pflege wird das Tier auch gutmütig und anhänglich. Bei seinem geringen Geschmackssinn frißt es alles, was man ihm zur Ernährung gibt.

149. Das Füttern der Schweine. Man verabfolgt das Futter täglich 3-4 mal. Das Schwein kennt genau die Zeit der Fütterung, wird dann unruhig und grunzt. Man füttere zuerst die Muttertiere, sie sollen besonders ruhig gehalten werden. Da das Schwein wenig kaut, sondern gierig frißt, ja sich leicht überfrißt, und kurze Därme zur Verdauung hat, so muß ihm das Futter in möglichst aufgeschlossenem Zustand und in zwei Rationen zu einer Fütterung gereicht werden. Gedeiht das Tier, so leert es stets den Trog und ruht nach dem Fressen behaglich auf seinem Lager aus oder bewegt sich auf dem Schweinehof. Dorthin möge man ihm zum Zeitvertreib allerhand Grünzeug, z. B. Unkraut aus dem Garten, kleine Stückchen Holz- oder Steinkohle etc., woran es gern knappert, und frisches Wasser bringen lassen. Das Futter muß lauwarm verabfolgt, die Grünfuttermittel müssen geschnitten werden. Rüben, Kartoffeln, Topinamburs etc. werden vorher gedämpft oder gekocht und mit einem Stampfer oder einer Quetschmühle zerkleinert, wobei Scheunenabfälle, Kleien etc. daruntergemengt werden. Das Futter soll breiartig sein, Bindung haben und nicht in einer haltlosen Brühe schwimmen. Das Kartoffelwasser gieße man als untauglich fort, während das Wasser der Rüben gelöste Nährstoffe enthält. Die Kartoffelkeime sind vor dem Kochen zu entfernen, sie enthalten das giftige Solanin. Leicht angesäuertes Futter ist den Schweinen zuträglich, aber bei abgestandenem, alt gewordenem treten sie vom Troge zurück, nicht minder, wenn dieser unrein geblieben ist. Jungen Klee, Buchweizen, Salat, Runkelblätter und angebrühte Disteln fressen sie mit Vorliebe. Gegen Salz, Gewürze und andere scharfe Sachen sind Schweine sehr empfindlich, deshalb sind Herings- oder Pökellake und Seifenwasser zu vermeiden. Etwas Soda, noch besser Spießglanz unter das Futter gemischt, beseitigt übermäßige Magensäure. Kartoffelschlempe wird den Schweinen mit gutem Erfolg verabreicht. Am wirksamsten sind alle Abfälle der Milchwirtschaft, ebenso saure, wie abgerahmte Milch, Molken und Käseabschabsel; sie geben den anderen Futtermitteln einen höheren Wert. Überbrühtes Kaff oder Spreu sind für Faselschweine ausreichend, überbrühtes Gerstenschrot aber das beste Mastfutter.

150. Die Zuchtschweine.

1. Der Eber. Auf die Auswahl des Ebers werde besonders Gewicht gelegt. Er muß vor allen Dingen vollkommen gesund, sein Blick lebhaft und frisch, seine Haut etwas behaart sein und dabei in richtigem Verhältnis zu den Sauen stehen. Blutsverwandtschaft hat die schlimmsten Folgen, darum muß das Zuchttier aus einer anderen bekannten und berühmten Herde und fruchtbaren Familie stammen.

Raschwüchsige, gesunde Tiere können bei guter Fütterung mit 8 bis 9 Monaten, zunächst in schonender Weise, 1-2 mal in der Woche, zur Paarung zugelassen werden; bei größeren Rassen wartet man damit 12, auch 15 Monate. Bis zum Alter von 8 Jahren bleiben die Eber sprungfähig; das Fleisch ist dann aber völlig ungenießbar, deshalb wird das Tier schon nach 4-5 Jahren ersetzt und nach dem Kastrieren gemästet. Ein Eber genügt bei Körnerfütterung für 15-20 Sauen.

2. Die Sau (Fig. 66). So wie der Eber muß auch die Zuchtsau vollkommen gesund sein, denn nur von gesunden Elterntieren sind gesunde und leistungsfähige Nachkommen zu erwarten. Der Gesamteindruck des Muttertieres muß ein weiblicher sein, von feinen Körperformen und besonders langem Leib mit breitem Becken. Ihr Gesäuge muß wenigstens 12 Zitzen aufweisen. Junge Sauen von kleineren Stämmen werden bei gutem Futterzustande mit 9-10 Monaten zum Eber gelassen, größere Rassen dementsprechend später. Wenn das Tier rauscht, so zeigt es sich unruhig, frißt schlecht, seine Borsten stehen aufrecht, es sucht aus dem Stalle zu kommen, beißt die mit ihm zusammengesperrten Tiere und schreit und grunzt viel. Das englische Schwein zeigt es weniger als das Landschwein, es läßt nur ein eigentümliches Grunzen hören. Die Brunstzeit tritt regelmäßig mit 7-9 Wochen nach dem Werfen ein und dauert 3 Tage. Wo sie sich wenig bemerkbar macht, sperre man während dieser Zeit Eber und Sau zusammen und beobachte sie. Sie brauchen Zeit zur Paarung; man lasse sie 2-3 mal beieinander, um der Trächtigkeit sicher zu sein. Der Tag der Paarung muß notiert werden. Nach 109-124, im Durchschnitt 116 Tagen wirft die Sau. Eine gute Zuchtsau muß zweimal im Jahre Ferkel bringen, womöglich im März oder April und August oder September. Zu diesen Zeiten ziehen sich die Ferkel am leichtesten auf, werden mit Vorliebe gekauft und verhältnismäßig gut bezahlt.

Fig. 66. Zuchtsau.

3. Das später reife, nicht so mastfähige Speckschwein, welches in seiner Jugend oft lange Märsche nach entfernt gelegenen Weiden macht, muß lange Beine haben, um nicht zu ermüden und um scharren zu können.

Eine hochtragende Sau darf nur in normalem Futterzustande erhalten werden; wird sie fett, so wirft sie kleine oder nur wenige Ferkel, die sich schlecht ernähren. Schweres Futter, Schrot von Hülsenfrüchten, Schlempe aus der Brennerei, Molken, sowie Fleischabfälle, überhaupt zu stickstoffreiche Nahrung ist zu vermeiden. Man verabreiche dagegen sämtliche Grünfutterstoffe, Kartoffeln gedämpft mit Magermilch, Gerstenschrot, Kleie, Rüben, Küchenabfälle, alles in frischem, gesundem Zustande. Die englische Rasse neigt dazu, mit 3-4 Jahren zu fett zu werden, und muß dann durch andere Zuchttiere ersetzt werden, sonst geht die Nachkommenschaft zurück. Ein gutes Muttertier muß regelmäßig 10-12 Ferkel, auch mehr bringen, den ersten und zweiten Wurf ausgenommen. Tritt die Zeit des Werfens heran, so schwellen die Zitzen an und die Milch sondert sich ab. Man bringe die Sau einige Zeit vorher allein in einen warmen Stall und bringe an 3 Seiten des Kobens, 20 cm hoch und 15 cm von der Wand entfernt, alte Gasrohre (womöglich keine hölzernen Stangen) an, hinter die die Ferkel sich zurückziehen können, wenn die Sau sich legt. Auch sorge man für kurzgehackte Streu, um einem Verwickeln der jungen Tiere im Langstroh vorzubeugen. In der Regel geht die Geburt ohne Hilfe von statten und die Sau ruft bald durch eigentümliche Locktöne ihre kleine Schar zum Saugen. Empfehlenswert ist es aber immer, wenn während des Wurfes eine Person im Stall bleibt. Die Sau hat viel Schmerzen dabei, springt oft auf und erdrückt gar leicht eines der eben geborenen Ferkel. Deshalb werden sie in manchen Wirtschaften der Sau fortgenommen und in einen warmen, mit Heu gefüllten Korb gepackt. Erst wenn die Nachgeburt entfernt worden ist, gibt man die Tiere der Sau zurück. Zeigen die Sauen Neigung, ihre Jungen zu fressen, so hilft mitunter ein Brechmittel oder ein Stück Speck, sie davon abzubringen. Solche Tiere sind abzuschaffen.

Nach der Geburt gebe man der Sau nur wenig und breiiges Futter. Der Magen und der Darmkanal sind durch den vollen Fruchthälter gedrückt und dadurch geschwächt worden. Werden diese nun überfüllt, so tritt Verstopfung und dadurch Milchfieber ein, das allerdings auch durch Erkältung entstehen kann. Sorgsame Züchter geben der Sau nach der Geburt nicht eher zu fressen, als bis sie gemistet hat. Während der Säugezeit darf das Muttertier nur leicht verdauliches Futter erhalten; es darf auch nicht fett werden, sondern muß sein Fleisch für seine Jungen opfern.

151. Die Aufzucht der Ferkel. Sobald die kleinen Ferkel ihrem Eisack entschlüpft sind, streben sie nach vorn, um an das Gesäuge zu gelangen und eine Zitze von der Mutter zu erfassen. Die kräftigeren Ferkel drängen die schwächeren zurück und nehmen die mittleren und vorderen Späne oder Zitzen, die am milchergiebigsten sind, in Beschlag, ohne wieder davon abzugehen. Daher gibt es fast immer zurückgebliebene Ferkel. Man ziehe nicht mehr Ferkel groß, als die Sau Zitzen hat. Das künstliche Ernähren mit der Flasche kostet viel Zeit und Mühe und ist teuer.

Je ruhiger, wärmer und trockener der Stall, wo die Sau mit ihren Ferkeln liegt, desto besser gedeihen die letzteren. Erhält die Sau angesäuertes Futter, so tritt bei den saugenden Ferkeln Durchfall ein, während sehr stickstoffhaltige Nährstoffe Lähme erzeugen. Deshalb sind Kartoffeln, Rüben, Grünfutter, Gerstenmehl und abgerahmte Milch die besten Futtermittel für säugende Tiere. Nach 2-3 Wochen lasse man die Ferkel durch ein Schlupfloch auf den Futtergang hinaus, damit sie sich dort ungestört tummeln können und fressen lernen. Getrocknete Gerste und gekochte, zerdrückte Kartoffeln seien ihr erstes Futter. Im Alter von 5-6 Wochen werden die männlichen Tiere geschnitten und, wenn die erhaltene Wunde verheilt ist, entwöhnt. Man lasse das Muttertier mit den Jungen recht viel ins Freie. Verlangt die Sau zum Eber, so setze man die Ferkel ab.

Das gedeihlichste Futter für die abgesetzten Ferkel ist warme Kuhmilch, welche man ? verdünnt und, sobald die Tiere saufen, mit feingesiebtem und überbrühtem Hafermehl vermischt. Man reiche diesen Trank 3 mal am Tage und 2 mal zerdrückte Kartoffelstückchen und Körner. 1 Liter Kuhmilch und ½-¾ kg Hafer- oder Maismehl genügt pro Kopf. Anfangs ist es sogar zuviel. Nach H. Eckert soll man folgendermaßen füttern:

1.-3. Woche Saugen an der Sau.
3.-6. Woche Saugen mit Gerste, Kartoffeln und Hafermehl.
6.-8. Woche süße Kuhmilch mit Hafer- und Roggenkleie.
8.-12. Woche abgerahmte Milch, Kartoffeln, Gerstenschrot, Roggenkleie.
12.-16. Woche Kartoffeln, Leinkuchen, Roggenkleie, Gerstenschrot.

Dann erst werden sie unter die Fasel- oder Läuferschweine eingereiht und dreimal am Tage gefüttert. Sauberkeit, Sorgsamkeit und pünktliche Pflege sind nötig, wenn kein Durchfall eintreten soll. Er ist der größte Feind für die Nachzucht und wird oft durch Unsauberkeit erzeugt. Die langen, schmalen, hölzernen Tröge müssen bei jeder Fütterung gereinigt und öfter ausgebrüht werden, um alle Gärungserzeuger zu zerstören. – Die Verkaufsferkel entwöhne man nicht, sondern gebe sie direkt von der Mutter ab.

Die Mästung der Schweine. Das Schwein wächst im jugendlichen Alter sehr rasch; wird es reichlich gefüttert, so dehnt sich der Magen aus und das Tier wird ein guter Fresser. Nach Kartels rechnet man bei großen englischen Rassen folgende Durchschnittszahlen für Lebendgewicht: bei der Geburt 2-3 kg, im Alter von 3 Monaten 20-22½ kg, von 5 Monaten 50 kg, von 6 Monaten 60-65 kg, von 7-8 Monaten 85-90 kg, von 9-10 Monaten 130-140 kg; dann folgt dreimonatliche Mästung, wenn nicht rascher Absatz noch vorteilhafter ist.

Bei großem Mastbetrieb finden jährlich zwei Mastperioden statt, die eine vor Weihnachten, die andere von Februar bis April oder Mai, so daß die Tiere, noch ehe sie ein Jahr alt sind, schon wieder verkauft werden können. Soll die Mast rasch fortschreiten, so sind nur gute Futtermittel zu verwenden. Man teilt die Mastzeit in 3 Perioden ein. Das erste Stadium dauert 4-6 Wochen. Bei Beginn der Mästung zeigen die Schweine meist große Freßlust und brauchen viel, um satt zu werden. Je besser sie fressen, desto mehr nehmen sie an körperlichem Gewicht zu. In dem zweiten Stadium der Vollmast tritt die Vermehrung des körperlichen Umfangs ein, die Fettgewebe füllen sich mit Fett. Die Tiere werden wählerischer in ihrem Geschmacke, der Magen kann nicht mehr so viel aufnehmen. Man gebe ihnen deshalb fünfmal am Tage weniger, aber besseres, festeres Futter, welches mehr Nährkraft enthält, und zuletzt spät abends vor der Nachtruhe. Zwischendurch verabfolge man saure Milch, Molken oder Wasser. In der dritten Periode, nachdem die Tiere bereits 8 bis 10 Wochen gefüttert worden sind, werden sie schon so bequem, daß sie sich nur mit den Vorderbeinen zum Fressen erheben, weil sie nicht imstande sind, mit den verfetteten und dadurch geschwächten Muskeln den Körper zu tragen. Sie müssen daher vorzügliches Mastfutter, das zum Fressen reizt, erhalten. Die Körperzunahme ist nunmehr nicht so erkennbar, aber durch vorzügliches Futter wird der Speck dicker und kerniger. Doch treibe man die Mast auf Gefahr des Tieres selbst nicht zu weit. Bei den echt englischen Rassen wird das Fleisch oft so mit Speck durchwachsen, daß es für den eigenen Gebrauch zu fett ist; bei dem Halbblut ist dies weniger zu befürchten und bei den Landschweinen gar nicht; diese werden auch viel älter zur Mast verwendet. Gut angemästete Tiere sind vorteilhafter zu verkaufen als Speckschweine, welche durch die geringe Körperzunahme während der letzten Periode der Mästung kaum die Unkosten decken. Die höchste Intensität der Mast läßt sich nur dann erreichen, wenn den Tieren hochverdauliche Futtermischungen gereicht werden. Die schlecht verdaulichen Futtermittel, wie getrocknete Biertreber, älteres Grünfutter, Spelzen und schalenreiche Abfälle der Körnerarten etc., sind nach Kellner zu vermeiden, dagegen sind geschrotene Getreide- und Leguminosenkörner, Mais, Buchweizen, Futtermehle, Kartoffeln, Fleisch- und Fischmehl, Molkereiabfälle zu den wirksamsten Mastfuttermitteln zu rechnen, weniger die Trockenschnitzel und Kleien. Nach Dr. May wird ein treffliches Mastfutter durch folgende Zusammensetzung gewonnen: 1½ kg Maisschrot, 3 kg Kartoffeln und 875 g Fleischfuttermehl mit Hinzufügung von Molkereirückständen. Das Tier soll bei dieser Fütterung täglich ¾-? kg an Lebendgewicht zunehmen. Selbstverständlich tragen Reinlichkeit, Ordnung und Regelmäßigkeit zum Gedeihen der Mast viel bei.

152. Die verschiedenen Schweinerassen.

Das westfälische Hausschwein (Fig. 67) eignet sich vorzüglich zur Kreuzung mit dem großen, langen, feinborstigen Yorkshireschwein. Die Sauen werfen 12-18 Ferkel und ihre Konstitution ist äußerst kräftig. Besonders bevorzugt wird von den Schweinezüchtern das Meißner Schwein (Fig. 68). In Sachsen haben sich Genossenschaften gebildet, die verschiedene Kreuzungsversuche von gutem Erfolge mit dem englischen und dem dortigen Landschwein, was Widerstandskraft und Mastfähigkeit anbelangt, gemacht haben, so daß diese Zuchtart weitere Verbreitung findet.

Fig. 67. Westfälisches Hausschwein.

Fig. 68. Meißner Schwein.

Das veredelte oder englische Schwein ist eine Kreuzung des besonders in England einheimischen schlappohrigen großen Marschschweines mit dem portugiesischen, chinesischen und neapolitanischen Schweine, wodurch raschwüchsige Tiere, die bei demselben Futter sich bedeutend besser halten, gezogen worden sind. Das englische Schwein hat einen kurzen, feinen Kopf mit eingesenktem Stirn- und Nasenbein, breite Stirn und fleischige Backen. Als besonders erfolgreich empfiehlt sich für deutsche Verhältnisse die große weiße und die mittlere schwarze oder schwarz-weiß gefleckte englische Zucht.

Zu ersterer Zucht gehören: 1. Das große Yorkshireschwein (Fig. 69). Dasselbe wird in Nord- und Mitteldeutschland viel zur Zucht verwendet, ist schnellwüchsig und mastfähig, bedarf aber der sorgsamsten Pflege, da es weichlich und fast haarlos ist. Die Sauen haben öfter ein schwaches Gesäuge und bleiben auch leicht unfruchtbar. 2. Das Suffolk-Schwein ist bedeutend härter, hat stärkere Behaarung und Knochen, längeren Kopf und längere Schnauze und besonders lange, bis zu dieser herabhängende Ohren. Es ist fruchtbar, säugt seine Ferkel gut und erreicht ein Mastgewicht von 5-6 Zentnern. 3. Das Lincolnschwein ist ebenfalls schnellwüchsig, dem Yorkshireschwein ähnlich und wegen seiner besseren Widerstandsfähigkeit für die rauheren Gegenden Deutschlands zur Kreuzung mit dem Landschweine angelegentlich zu empfehlen.

Fig. 69. Großes Yorkshireschwein.

Fig. 70. Berkshireschwein.

Von den mittleren englischen Zuchten hat für Deutschland das schwarze Berkshire-Schwein (Fig. 70) besonderen Wert. Entwickeln sich die Ferkel dieser Rasse im ganzen auch etwas langsamer als die der reinweißen Rassen, so besitzen sie dafür eine kräftigere Konstitution und größere Beweglichkeit. Seine frühe Reife, seine Mastfähigkeit, Abhärtung und treffliche Fruchtbarkeit haben es auf den Farmen Amerikas vollständig eingebürgert; dort findet man nur selten noch Weiße Tiere. Anerkannt gute Vollblutzuchtställe für diese Rasse sind die von Brauer-Tenever, Heydemann, Pustohl (Meck.-Schwerin) und Dr. de Gruyter, Tiefensee i. M. (Brandenburg). Die Berkshire-Rasse ist allen anderen bunten Stämmen, wie Hampshire-, Suffolk- und Essexschwein, vorzuziehen. Eine Spielart der schwarzen Tiere sind die Tamworthschweine (Fig. 71), deren Haut rötlich und Haare braun sind.

Fig. 71. Tamworthschwein

153. Die Parasiten im Schweinefleische.

Die Finnen sind kleine Blasenwürmer von der Größe eines Hanfsamenkorns, die gewöhnlich erst beim Schlachten des Schweines aufgefunden werden. Kommen sie in rohem oder nicht hinreichend zubereitetem Schweinefleisch in den menschlichen Körper, so erzeugen sie den Bandwurm, aus dessen reifen Gliedern, wenn sie in den Tiermagen gelangen, wiederum die Finnen sich entwickeln. Dieselben haben ihren Hauptsitz in den Muskelteilen. Wieweit das Fleisch finniger Tiere als menschliches Nahrungsmittel verwertet werden kann, entscheidet die Fleischbeschau. Die Finnenkrankheit ist bei geschlachteten Tieren ein Gewährsfehler. Gewährszeit im Deutschen Reiche 14 Tage.

Die Trichinen sind kleine, fadenförmige Rundwürmer, die nur durch ein Mikroskop deutlich zu erkennen sind. In einem lebenden Schweine lassen sich diese Parasiten noch schwieriger als Finnen konstatieren, wenn sie nicht in so hohem Grade auftreten, daß das Tier krank wird. Ältere Tiere überwinden mitunter eine leichte Trichinose und genesen wieder, wenn die Trichinen sich eingekapselt haben.

Die Trichinen besitzen eine solche Widerstandsfähigkeit und Lebenszähigkeit, daß sie in eingekapseltem Zustande aus einem lebenden Körper in einen anderen gelangt, durch den auflösenden Magensaft von ihrer Verkapselung befreit, zu neuem Leben erwachen, sich tausendfach vermehren und durch den Körper verbreiten. In den Darmkanal der Mäuse, Wander- und Hausratten, Igel, Füchse, Iltisse und auch Katzen gelangen zuweilen Trichinen, die sich binnen 24-48 Stunden geschlechtsreif entwickeln. In den menschlichen Körper eingedrungen, verursacht die Trichine die größten Leiden, ja oftmals den Tod. Daher kann vor dem Genusse ununtersuchten Schweinefleisches nicht eindringlich genug gewarnt werden. Der Fleischbeschauer muß gründlich und umsichtig die Untersuchung vornehmen. Er ist verpflichtet, sich an Ort und Stelle, wo eine Untersuchung stattfinden soll, einzufinden und sich die Fleischteile, hauptsächlich Muskelfleisch von der Lende, dem Kreuze, den Schultern, den Ober- und Unterschenkeln selbst auszuwählen. In einem Gramm trichinösen Fleisches können 120 000 Trichinenkapseln enthalten sein, woraus sich leicht ersehen läßt, wie groß die Gefahr ist, die der unvorsichtige Genuß von rohem Schweinefleisch mit sich bringen kann!

Das ausgebratene Fett trichinöser Tiere darf noch zu wirtschaftlichen Zwecken benützt werden, da sich die Trichine nur im Muskelfleisch zeigt. Letzteres aber muß tief vergraben und mit ungelöschtem Kalk und Petroleum begossen werden, damit es vollständig ungenießbar wird.

154. Verschiedene Krankheiten der Schweine.

Arznei läßt sich dem Schwein sehr schlecht beibringen. Ein starker, kräftiger Mann stelle sich dazu über das liegende Tier, fasse es bei den Ohren und ziehe den Kopf in die Höhe. Dadurch wird das Maul des Tieres aufgesperrt, und man kann dann vermittelst einer Flasche die Arznei bis tief in die Rachenhöhlung bringen, besonders wenn man noch in das Maul ein Holzstück mit einem Loch zur Flasche steckt. Man gieße nur kleine Portionen in Absätzen ein; das Schwein ist störrisch und wild, verschluckt sich deshalb leicht und der Tod kann dadurch herbeigeführt werden.

Das Ferkelfieber tritt nach der Geburt durch Erkältung und Überfütterung ein. Das Tier liegt teilnahmlos da, meist auf dem Gesäuge, und kümmert sich nicht um die hungrigen Jungen. Meistens sind die Tiere auch verstopft. Man halte die Sau warm, reibe sie mit Haferstroh ab, schmiere die Euter, welche oft hart und entzündet sind, wiederholt mit feinem Öle ein. Nach Steuert gebe man den Schweinen, solange sie noch fressen, 2 g Kalomel im Futter und spüle den Fruchthälter täglich 2 mal mit einer Lysollösung (3-5 g Lysol und 1 Liter warmes Wasser) aus. Angebracht sind auch Seifenwasserklistiere in den Mastdarm.

Die Klauenseuche wird nicht selten durch Treiberschweine eingeschleppt, die selbst das Rindvieh anstecken. Man halte die von dieser Krankheit befallenen Tiere recht rein, kühle die wunden Klauenspalten mit frischem Wasser, welchem Essig oder etwas Karbol beigemischt worden, gebe leicht verdauliches Futter und desinfiziere.

Mittel gegen Verstopfung. Man löse 150-200 g Glaubersalz in Wasser auf, füge einen Eßlöffel pulverisierten Pfeffers und einen Eßlöffel feiner Holzasche hinzu und gebe dies dem Schweine ein. Dann stelle man ihm einen Eimer frisches Wasser zum Saufen hin. Der Pfeffer verursacht Durst und dadurch hilft sich die Natur. (Für ein Mittelschwein.)

Der Ferkelausschlag ist ein Zeichen von zu scharfer, hitziger Milch der Sau. Man ändere das Futter der letzteren, gebe Abführmittel und den Ferkeln Kreide, Kohle etc.

Die Pocken bringen die jungen Ferkel im Wachstum sehr zurück. Die anfangs kleinen roten Flecke, eigentlich Punkte, füllen sich mit einer wässerigen Flüssigkeit, die später jauchig wird, wenn die Pocken bösartig auftreten. Diese kleinen Geschwüre quälen die Tiere auch innerlich, namentlich reizen sie zum Husten. Man halte die Ferkel warm und gebe leichtes Futter; Leinsamen heilt am ehesten aus.

Der Durchfall der Ferkel hat mannigfache Ursachen (Inzucht, saures Futter, Unreinlichkeit etc.) und ist eine gefährliche Krankheit. Ferkel von 3 Wochen werden oft plötzlich davon ergriffen und magern rasch ab. Man ändere das Futter des Muttertieres, verabfolge weder Molken noch saure Milch und gebe den Jungen geschabte Kreide mit Ei, auch einige Tropfen Opium ein. Ferkel von älteren und allzu fetten englischen Sauen mit schlechter Nahrung neigen zum Durchfall und gehen nicht selten ein.

Bräune wird hauptsächlich durch Erkältungen hervorgerufen; die Halsdrüsen schwellen bis zum Ersticken an. Man reiche dem Tiere Brechweinsteinpulver, worauf es bricht und Luft erhält.

Kolik entsteht durch Überfressen; man gebe dem Tiere eine Tasse starken Kaffee oder ein Glas Weinessig und halte es warm und in strenger Diät.

Der Rotlauf der Schweine tritt in zwei Formen, als Nesselfieber und in der bösartigen Form, auf. In beiden Fällen wird die Infektionskrankheit durch einen spezifischen Erreger hervorgerufen. Die Tiere fressen schlecht, haben Fieber, verkriechen sich im Stroh, sind matt und abgespannt. Beim Nesselfieber ragen die roten, scharf umgrenzten Flecken, die sich auf der Haut zeigen, deutlich als leichte Anschwellungen über die Oberfläche der Haut hervor, beim Rotlauf nicht, auch sind sie ohne scharfe Grenzen. Bei Nesselfieber bringe man das Schwein in einen kühlen Raum, begieße es mit kaltem Wasser, reiche ihm nur dünne Nahrung und gebe ihm dreimal am Tage 2 Eßlöffel verdünnte Karbolsäure, 25 g Karbol zu 400 g Wasser. Auch Klistiere mit etwas Karbol sind zu empfehlen. Bei Rotlauf sind innerlich zu verabreichende Medikamente ohne Erfolg. Bewährt hat sich die Schutzimpfung (Tierarzt) nach Lorenz und mit Susserin. Durch Desinfektion und Absperren der Ställe beuge man der Krankheit vor und achte auf Erzielung guter Gesundheit im Schweinebestande.

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