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Zünd Lichter an

Hilda Bergmann: Zünd Lichter an - Kapitel 24
Quellenangabe
authorHilda Bergmann
titleZünd Lichter an
publisherKrystall-Verlag
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderAdolf Weishäupl
created20180525
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Der Böhmerwald

Singe, o Seele, die Bläue der langhingestreckten,
dämmernden Höhen! Singe die Höhen der Heimat!
Wie sie sich heben über den saftgrünen Talgrund,
über die Fläche des Hochmoors, so selig wie keine
stolzere Kette mit Kronen aus ewigem Eise.
Singe, o Seele, den heimlichen Sang ihrer Wässer,
nachtschwarz und einsam, verborgen im Mantel der Fichten,
scheue Kleinode. Es blauen wohl andre zum Himmel
mit lachendem Antlitz. Die unsern, gleich lidlosen Augen,
erfassen voll Ernst die Bilder unendlichen Raumes.
Hebt sich ein Wind und lockert den Glanz ihrer Fluten,
ist es, als schauert die Seele der düstern Gewässer
in urgründigem Leid. Dann wieder ziehn Wolken,
weiße, zärtlich gefangen, durch all die Schwärze;
über dem Spiegel aus Onyx zittert die Luft.
An den Ufern ein Friedhof von wettergefällten,
blitzzerschmetterten Resten einst ragender Tannen
bleichend wie Knochen und halb überspült von den Wellen.
Aber die Sonne spinnt glücklich das Spiel der Verklärung
um diese Schwermut. Und unsere sehnenden Herzen
wünschen den Stolz nicht der Gipfel mit Kronen von Eis,
wünschen das Blau nicht der Seen mit lachendem Antlitz;
nein, sie verlangen in nie gestillter Entbehrung
bläuliche Ketten, aufragend über dem Moorgrund,
Traum, Vision und Verheißung aus Tagen der Kindheit,
und sie verlangen die Wälder hochragender Fichten
und die dunkle, selten lächelnde Schwermut
der verborgenen Wässer im Mantel der Heimat.

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