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Zlatorog

Rudolf Baumbach: Zlatorog - Kapitel 8
Quellenangabe
typeepos
booktitleZlatorog
authorRudolf Baumbach
year1882
publisherVerlag von A. G. Liebeskind
addressLeipzig
titleZlatorog
pages1-3
created20040526
sendergerd.bouillon
firstpub1877
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        Wenn früh, am Sonntag
Die Glocken tönen,
Brechen sich Nelken
Des Dorfes Schönen.
Dunkele Nelken
An grünen Ranken
An jedem Hause
Aus Scherben schwanken.
Jericas Nelken
Schon seit Wochen
Hangen am Nelkenstock
Ungebrochen,
Duften und welken
Unberührt;
Edlere Blüthe
Ihr Goldhaar ziert,
Blüthe die droben
Geboren ist,
Da wo der Himmel
Die Felsen küsst.
Jerica spiegelt
Im Glas ihr Gesicht,
Während in's Haar sie
Edelweiss flicht;
Grüsst mit Lächeln
Ihr Spiegelbild,
Ueber die rothen
Lippen es quillt:

»Welcher Dirne
»Ausser mir
»Schmückt die Stirne
»So seltne Zier?
»Welcher Bursche
»Land aus, Land ein
»Mag meinem Jäger
»Vergleichbar sein?
»Wer im Thale
»Darf rühmen sich
»Ein Liebchen zu kosen
»So schön wie ich?
»Giebt's von den Bergen
»Bis an das Meer
»Noch zwei, glückselig
»Wie ich und er?«

Da klingen leise
Die Kirchenglocken;
Vom Spiegel sich wendet
Die Maid erschrocken,
Und vor dem Bild
Der Jungfrau Marie
Die schöne Jerica
Sinkt in die Knie.
Vom Haupt sie nimmt
Der Blumen Zier.
»Die Silberblüthen,
»Ich weihe sie Dir.
»Du Gottesmutter,
»Du makellose,
»Mich sündhaft Mägdlein
»Nicht verstosse.
»Von Deinem Himmel,
»Wo Sterne glüh'n,
»Blick gnädig nieder
»Auf mich und ihn.
»O heil'ge Jungfrau
»Voller Gnaden,
»Den Liebsten schirme
»Auf seinen Pfaden,
»Und mir verzeihe,
»Weltkönigin,
»Dass ich so thöricht
»Und glücklich bin.«

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