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Zlatorog

Rudolf Baumbach: Zlatorog - Kapitel 15
Quellenangabe
typeepos
booktitleZlatorog
authorRudolf Baumbach
year1882
publisherVerlag von A. G. Liebeskind
addressLeipzig
titleZlatorog
pages1-3
created20040526
sendergerd.bouillon
firstpub1877
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              Horch, wie der Föhn durchbraust die Nacht,
Horch, wie im Wald die Tanne kracht!
Wehe, wehe dem Unglücksmann,
Trifft ihn der Sturm in den Bergen an.
    Betet ihr Frauen, betet!

Jerica ringt sich die Hände wund,
Jerica betet mit bleichem Mund,
Betet und schluchzt: »Vergieb, vergieb!
»Hab' dich so lieb, unendlich lieb;
    »Kehre zurück, mein Trauter!«

Zweimal kam und schwand die Nacht;
Sturmwind schweigt, die Sonne lacht.
Gaffendes Volk auf der Brücke steht.
Hoch die schäumende Soča geht,
    Jerica starrt in die Wogen.

Gurgelnde Wirbel das Wasser zieht,
Rauscht ein schauerlich Trauerlied,
Und es trägt einen todten Mann
Mit zerschmetterter Stirn heran.
    Jerica, kennst du den Todten?

»Kennst du den Todten?« so ruft voll Hohn
Špela, die Senn'rin mit wildem Ton;
»Dich hatt' er lieb, mir war er versagt,
»Und in den Tod hast du ihn gejagt.
    »Wehe dir, Mörderin, wehe!

»Aber war er im Leben dein,
»Soll er mein eigen im Tode sein.
»Berge ade und du blumige Au',
»Sonne so hell und die Himmel so blau!
    »Bitt' für mich heilige Jungfrau!«

Und von der Brücke hochragendem Rand
Springt sie mit fliegendem Haar und Gewand.
Schäumende Kreise die Soča zieht,
Brauset und rauschet ein Hochzeitslied.
    Schlaft und träumt in Frieden!

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