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Gutenberg > Martin Opitz >

Zlatna

Martin Opitz: Zlatna - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorMartin Opitz
year1970
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000361-X
titleZlatna
pages75-85
created19981216
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1623
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MARTINI OPITII

ZLATNA
Oder
GETICHTE
Von Ruhe deß Gemüthes.

An Den Wol-Edlen Herrn / Herrn Heinrichen von Stange vnd Stonßdorff / auff Sasterhausen / Schwenckfeld / Raben / Piltzen vnd Halberdorff / etc. Röm. Käyserl. Majest. so wol J. D. Ertz-Hertzogs Carols / auch Fürstl. Lign. vnd Briegischen Raht.

WOl-Edler Herr: Daß keines Menschen Zustand so widerwärtig vnd böse sey / daß er nicht bißweilen sich vmb etwas erholen vnd ergetzen könne / habe ich selbst erfahren. Dann ob mir wol verwiechenes Jahr / als ich in Siebenbürgen wohnete / Lufft / Wasser vnnd alles / wessen vnsere Dürfftigkeit nicht entbehren kan zuwider seyn schienen / ja auch deß Volckes daselbsten Sitten Sprachen / Reden vnd Gedancken meiner Natur gantz entgegen waren; habe ich doch auch in jenen Oertern gefunden / was wir zu Zeiten in diesen vergebens suchen. Dann daß ich der Bücher / die mächtig genung sind einen jeglichen der sie anfleucht / nechst Gott / auffzurichten geschweige: So hat mir sonderlich das berühmbte Bergwerck Zlatna / welches ich dem Verdrusse der Zeit zu entgehen etlich mal besuchte / so wol gefallen / daß ich mir auch / diese Lust gleichfals andern / so dahin nicht gelangen / mitzutheilen / Anlaß genommen. Von deß Ortes bequemen Gelegenheit da der schöne Apulus Fische / die Berge Gold / die Büsche Wild / die Bäume mit jhrem Schatten vnd anmütigem Rauschen der Blätter Anlaß zum Studiren vollauff geben / wirdt mein Herr hier nach der Länge lesen: Aber das behagen / welches ich auß deß Verwalters (auff den diß Getichte gerichtet ist) trewen Liebe gegen mir / vnd der andern Leute / so mehrentheils Teutsche / Freundlicher Dienstwilligkeit schöpffte / war grösser / als daß ich es in meine Reimen zu bringen vermöchte. Die Gedancken / so mir bey solcher meiner Erlustierung eingefallen / habe ich auch dieses Orts nicht verschweigen sollen. Sonderlich stellete ich mir die jenigen für Augen / welche durch den Schein der Eytelkeit / als durch ein Jrrliecht verführet / den rechten Zweck deß zeitlichen Lebens allzeit suchen / vnd niemals erlangen. Wie der so nicht schlaffen kan / sich von einer Seiten zu der andern wendet / vnd den Leib bald so / bald anders verkehret / biß er endlich durch die Müdigkeit selbst zu Ruhe gebracht wird: So wollen sie auch nimmer eines / vnd begehren auß Eckel deß gegenwertigen allzeit ein zukünfftiges; welches sie nachmahls mit gleicher Vnbeständigkeit widerumb verwerffen. Die Vrsach aber solchen Wanckelmuths ist vornemblich / daß keiner sich selber in seinem rechten Werthe zu schätzen weiß / vnd ein jeder jm fast mehr oder weniger zutrawet / als er eygentlich im Vermögen hat. Einer sehnet sich nach Hofe; vnd ist doch blöder als der Orth / da Furchtsamkeit nichts nütze / vortragen kan: Ein anderer stecket sich in ein verächtlich Emptlein; Der aber grösserer Sinnen ist / als daß er mit der Niedrigkeit seines Zustandes nachmals könne zu frieden seyn. Die meisten trachten nach dem / welches zwar Ehr / Reichthumb / Wollust vnd dergleichen genennet wird; aber in Warheit so nichtig ist / daß keiner mit Versicherung der Beständigkeit im minsten darauff fussen kan. Darumb hab ich das Gemüthe / welches mit sich selber zu frieden ist / vnd in seine Tugend sich einzuhüllen weiß / für allen Dingen hier gepriesen. Daß ich aber von dem Lauffe gemeinen Wesens etlicher massen deutlich geschrieben / ist geschehen auß der Freyheit / welcher sich die Poeten jederzeit gebraucht haben / vnd auß der Alten Versen zu sehen ist: die / wann sie jetzige vnsere Vnwissenheit / Verachtung der Künste / leichtfertige Sitten vnd Thorheit gesehen hätten / würden sie nicht gelinde / vnd in gemeine / wie hier von mir geschehen / sondern mit jhrem gewöhnlichen Eyfer wider einen jeglichen insonderheit verfahren seyn. Welches weder die Secte vnserer Zeit zuläßt / noch auch ich zu thun begehre. Dann mein Vorsatz einig der gewesen / mich selber in der Einsamkeit / darinnen ich damahls stackte / durch die Betrachtung der vergänglichen Dinge zu etwas höhers auffzumuntern. Ich mache mir dennoch keinen Zweiffel (wiewol diese grausame vnablässige Kriege auff einen allgemeinen Vntergang vnd Verwüstung der Studien deuten) es werde doch noch die Zeit kommen / da es gelehrten Leuten / zu Spotte derselben die nichts können / vnd alles verachten / an billichem Ruhme vnnd Dancke nicht mangeln wird. Dann wir gleichwol sehen / daß sich auch bey wehrendem zweiffelhafftigen Zustande noch vornehme Leute finden lassen / die sich deß Studierens vnnd derselben Liebhaber trewlich annehmen. Vnter denen mein geehrter Herr billich zum ersten soll gerechnet werden / als welcher an Gunst vnd Zuneigung gegen die Gelehrten alle andere jhres Standes / an Wissenschafft aber vnd Geschicklichkeit die Gelehrten selber vberwindet. Dann wer ist von denen / die jhr lebenlang an den Büchern kleben / der nicht / wann er mit meinem Herren solte vergliechen werden / erröthen vnnd verstummen würde? So daß die Hoheit vnd Ehren / welche von Politischen Leuten für das meiste gehalten werden / an jhm fast das geringste sind. Vnnd muß ein jeder / der Jhn recht kennet / drey Ding vornemblich loben. Daß er nemblich bey Hofe solche grosse Liebe zu der Weißheit / bey so wichtigen Geschäfften eines müssigen Menschens Wissenschafft / vnnd bey solchen Würden einer Privat Person Leutseligkeit behalten kan. Durch welche Heroische Tugend mein Herr sich bey vielen gelehrten Leuten hat berühmbt gemacht / vnd läßt noch jetzt nicht nach jhr dardurch gute ingenia zuverbinden. Was mich belangt / so weiß ich wol / daß Er genung ist meinem Studieren (welches bißher durch Reysen vnnd Vnbeständigkeit der Jugend mercklichen Schiffbruch gelitten) Vorschub zuthun: Ich zweiffele aber / ob ich der jenige sey / an dem er eben die Gunst / so er zu vnsers Standes Leuten trägt / erweisen solle. Dann mein Herr sich dermassen gegen mir außlaßt / als ob er mich allein ersehen / an dem er die Kräfften jhrer Freundlichkeit versuchen wolte. Welches ich dann nicht für ein geringes Theil meiner Glückseligkeit achte / vnd wündsche mir einig von GOtt / daß er mir dermal eins so viel verleyhen wolle / damit ich mein danckbares Gemüthe möge zu erkennen geben. Vnderdessen wirdt meinem Hochgeehrten Herren auch dieses Getichte nicht vnangenehm seyn / weil es vornemblich von der wahren Ruhe deß Lebens handelt / welche Er / wann es die hohen Geschäffte deß gemeinen Wesens zuliessen / ohne Zweiffel begehrete / vnnd seine sonderliche Tugend vorlängst verdienet hätte.

Parchwitz / den 9. Tag Augusti / deß 1623. Jahrs.

 
IN MARTINI OPITII,

Viri CL. et Amici vnici,

ZLATNAM,

siue De tranquillitate animi.

    DVM Zlatnae veteris quondam felicia culta,
    Quaeque metallifera Dacia seruat humo,
Illaque tranquillae dulcissima gaudia mentis,
    Nec non priuati commoda mille laris,
Et quae praeterea vitae sunt apta beatae,
    Teutonico condis, dulcis amice, metro;
Non potuit melius prodire in luminis auras,
    Ac dum Stangiadae nomina carmen habet.
Scilicet hic spretas hac tempestate Camoenas
    Æstimat, et numero nouit habere suo.
Et quamuis patriae totum respublica poscit,
    Non tamen in nostris est minus ille libris.
Cecropias olim quicquid clarauit Athenas,
    Romani quicquid nos docuere Sophi,
Et quodcunque tenent sinuosa volumina legum,
    Subdidit ingenio Stangius omne suo.
Abstrusos etiam gaudet penetrare recessûs,
    Quotquot magna suo viscere mater habet.
Idque vbi sollicitas laxauit Patria curas,
    Et sibi mens, positis omnibus, vna vacat.
Talem Zlatna mei memorat facunda sodalis,
    Zlatna vel aeterno tempore digna teri.
Nec falso genium victuris spondeo chartis,
    Vsque adeo punctum laudis vtrimque ferunt.
Non scribi poterant à nobiliore Poeta;
    Non à Patrono nobiliore legi.
                BERNHARDVS GVILIELMVS
NÜSSLERVS.

 
MARTINI OPITII

ZLATNA,
Oder Von Ruhe deß Gemüths.

                  WIe wann die Nachtigal / vom Keficht außgerissen /
Hin in die Lüfften kömpt / vnd an den kalten Flüssen
Mit singen lustig ist / vmb daß sie loß vnd frey
Von jhrer Dienstbarkeit / vnd nun ihr selber sey:
So dünckt mich ist auch mir / im Fall ich vnterzeiten
Diß was mich sonsten hält kan werffen auff die Seiten
Vnd ausser dieser Statt / auch nur auff einen Tag /
Vnd einen noch darzu / mit Ruh erschnauffen mag.
Doch lachet sonderlich vor andern Oertern allen
Mich ewer Zlatna an / vnd pflegt mir zu gefallen /
Zum theil / Herr Lisabon / weil jhr da wonhafft seydt /
Vnd dann daß viel da ist so sonsten weit vnd breit
Nicht fast gefunden wird. Im fall wir nur es nennen /
So kan man schon sein Thun vnd Eygenschafft erkennen;
Dann Zlato das heißt Goldt auff Windisch / da die Statt
Zwar kleine / doch nicht arm / darvon den Vrsprung hat:
Die Römer wusten schon was hier sey zu erlangen:
Das abgeführte Volck hat wol das Land durchgangen
Eh' es sich niederließ / der besten Oerter Frucht
Vnd angenehmen Lust mit Fleisse nachgesucht.
Das lehrt vns Weissenburg / wo Apulum vor Zeiten
Der Sarmitz Schwester / stund
/ die gantz von allen Seiten
Gesund vnd trächtig liegt: vnd Thorda zeigt es an /
Das sein Cristallen-Saltz so reichlich geben kan.
Doch war das Ort auch lieb wo jetzund Zlatna lieget
Da diesen Völckern hat Trajanus angesieget /
Wie ich vermuthen kan / weil jetzt noch allermeist
Ein grünes Feld allda Trajanus Wiesen heißt.
Darneben ist Volcon der hohe Berg gelegen /
Auff dem das Volck vielleicht hat anzubetten pflegen
Der Götter lahmen Schmied. Es kamen da hinauff
Die Bawren vor der Zeit / da lag ein Stein darauff
In den fast dieses lauts Lateinisch war gegraben:
Hier liegt ein grosser Schatz; im Fall du jhn wilst haben
So kehre mich herumb. Sie greiffen frölich an
Ein jeder ist bemüht / vnd hebt so viel er kan:
Nach dem er vmbgeweltzt / stund gleichfalls auffgeschrieben:
Auff dieser Seiten hab' ich Zeit genung vertrieben
Vnd manchen Tag vollbracht; anjetzund lege sich
Der ander' auch zu Ruh: Habt Danck jhr / daß jhr mich
So trewlich vmbgewandt. Nun das heißt wol vexiret.
Nit weit von dar wird auch die Stelle noch gespüret /
Wo Zeugma / ist mir recht / vor dem stund auffgebawt /
Nicht eine schlechte Statt. Jetzt wird da kaum geschawt
Ein altes Mawerwerck / vnd vnder den Gebeinen /
Mit Hecken gantz verschrenckt / sehr schöne Schrifft auff Steinen /
Die so mir sehr geliebt. Hilff Gott der weisen List /
Mit der du grosses Volck begabt gewesen bist!
Du wustest wol den Lauff der Welt vnd jhrer Sachen /
Vnnd daß ein jeder Mensch jhm muste Rechnung machen /
Er selbst vnd was er hat das fliege nur dahin;
Was auffgeschrieben sey behalt' er zu Gewin.
Drumb können wir noch jetzt die Saturninos lesen
So der Colonien Verwalter sind gewesen /
Die Lupos / Statios / vnd den Gemelum auch
Der so ein Bad gebawt auff Römischen Gebrauch.
Die Scaurianen mehr / die Syrer / die Frontonen /
Vnd die Flamonier vnd die Senecionen /
Vnd Marcum Vlpium / sonst Hermiam genannt /
Der das Goldbergwerck hier hatt' vnter seiner Hand /
Deß Asche (zweiffels ohn zu Zlatna auff geladen)
Ward biß nach Rom geführt auß Keyserlicher Gnaden /
Vnd da erst eingescharrt. Vnnd so viel Schrifften sunst /
Die keine Macht der Zeit / kein Wetter / keine Brunst
Zu dempffen hat vermocht. Nun liegt jhr grossen Helden /
Vnd laßt / seydt jhr gleich stumm / die Steine von euch melden.
Auß ewern Gräbern wächst jetzt manche Blume für /
Wie jhr euch dann gewündscht / vnd steht in voller Zier.
So offt ich hier bey euch mich pflege zu ergehen /
Vnd sehe da den Grund von einem Hause stehen
Hier einen Todtentopff mit Aschen vollgefüllt /
Wie nechst mir widerfuhr / so wird mir eingebildt
Die Eytelkeit der Welt / vnd pflege zubedencken /
Wie nichtig doch das sey warumb sich manche kräncken /
Vnd martern Tag vnd Nacht / dann kompt der bleiche Todt
Eh' als man sich versieht. Das Gold / der schöne Koth /
Vnd alles Gut vnd Geld fällt in die Hand der Erben /
Die offtmals trawrig sind daß wir nit eher sterben /
Was von vns jrrdisch war verschirrt man in den Sandt;
Das beste Theil verbleibt. Drumb seyd jhr noch bekandt /
Vnd werdet nicht vergehn. Verleyht mir Gott das Leben /
So bin auch ich geneigt euch künfftig das zu geben
Was Reichthumb nicht vermag. Die Namen so anjetzt
Auff blossen Steinen stehn / vnd sind fast abgenützt
Durch Rost der stillen Zeit / die will ich dahin schreiben /
Da sie kein Schnee / kein Plitz / kein Regen wird vertreiben /
Da euch der Gothen Schar / wie sie vor weilen pflag /
Mit jhrer Grimmigkeit zu schaden nicht vermag.
Es hat das wüste Volck gantz Asien bezwungen /
Die Griechen / Thracier / vnd Mysios verdrungen /
Auch ewer Dacien / der Römer bestes Land
Von langen Jahren her / verheert vnd außgebrand.
Mehr / hat nicht Attila mit seiner Scythen Hauffen /
Vnd dann die Wenden auch euch feindlich angelauffen?
Doch ewre Sprache bleibt noch hier auff diesen Tag /
Darob sich dann ein Mensch gar billich wundern mag.
Italien hat selbst nichts gantz von seinen Alten /
Ingleichen Spanien vnd Gallia behalten:
Wie etwan diß nun kan den Römern ehnlich seyn /
So nahe sind verwandt Walachisch vnd Latein.
Es steckt manchs edles Blut in kleinen Bawrenhütten /
Das noch den alten Brauch vnd Art der alten Sitten
Nit gäntzlich abgelegt. Wie dann jhr Tantz anzeigt /
In dem so wunderbahr gebückt wird vnd geneigt /
Gesprungen in die Höh / auff Art der Capreolen /
Die meine Teutschen sonst auß Franckreich müssen holen /
Bald wirdt ein Kreyß gemacht bald widerumb zertrannt /
Bald gehn die Menscher recht / bald auff der lincken Hand;
Die Menscher die noch jetzt fast Römisch Muster tragen /
Zwar schlecht / doch witzig sind / viel dencken / wenig sagen:
Vnd was ich weiter nicht mag bringen auff die Bahn /
Dadurch ich sonsten wol in Argwohn kommen kan.
Wo will ich aber hin? Ich soll von Zlatna schreiben /
Das den Verdruß der Zeit mir kan so wohl vertreiben
Mit seiner grossen Lust. Ich suche was ich will /
So find' ich da genung / vnd mehr noch als zu viel.
Geliebet dir ein Berg? Hier stehen sie mit Hauffen:
Ein Wasser? siehe da den schönen Ampul lauffen.
Ein schönes grünes Thal? Geh' auff Trajani Feld:
In Summa Zlatna ist wie eine kleine Welt.
Hier ist ein kühler Platz voll lieblicher Violen
Vnd Blumen vielerhand / da kan man Kräuter holen
Dergleichen Hybla selbst vnd Pelion nicht trägt /
Von denen man doch sonst so viel zusagen pflegt.
Die Farb' vnd der Geruch die scheinen fast zu streiten
Was mehr zu loben sey; so wird von allen Seiten
Gesicht' vnd Sinn erquickt. Es gibt die frische Bach /
Vor Zeiten Apulus / auch keinem Flusse nach.
Sie pflegt nicht faulen Schleim an jhren Rand zu führen /
Zeigt bald den klaren Grund. Es mag die Häusser zieren
Mit Marmor wer da will; Ich lobe solche Pracht
Die ausser Menschen-List natürlich ist gemacht.
Mehr sind auch Fische hier / die ich doch theils nicht kenne /
Der ich ein Fischer bin / theils lieber eß' als nenne.
Wo jergend Najades an einem Wasser sindt
So glaub' ich daß man sie bey diesem Flusse findt /
Daß hier die Satyri der Nymphen Gunst zuhaben /
Vnd der verbuhlte Pan vmbher am Vfer traben /
Vnd eylen jhnen nach. Wie schöne sieht es auß
Wann nun der Abendstern deß Himmels blawe Hauß
Mit seinem Liechte ziert / wirfft von der Berge Spitzen
Den Schatten in den Fluß / an dem die Vögel sitzen /
Vnd singen vberlaut? Es scheint der Wald folgt nach
Gleich wie das Wasser scheußt / vnd schwimmet in der Bach.
Der Wald / Herr Lisabon / auß dem jhr ohn Beschwerde
Habt Holtz so viel jhr wolt: Er wächst euch auff dem Herde
Vnd in der Küchen fast; bringt gar sehr schönes Wild /
Das nicht für's Armut ist / vnd reiche Heller gilt.
Jhr waget / ist mir recht / nicht viel auff Wildtpret fangen /
Es kompt schier von sich selbst biß in den Hoff gegangen;
Auß welcher Zunfft auch ist der kleine Ringelbeer /
Der Beer mein bestes Vieh / den ich von euch anher
Am nechsten mit mir nam. Es pflegt mir einzukommen
Die künstliche Natur die hab' jhr vorgenommen
An Zlatna sonderlich zuthun jhr Meisterrecht.
Der Wein wächst nur nicht hier / die Häuser sind auch schlecht.
Wie weit ist aber Sard? der beste Platz am Weine
Was dieses Land betrifft; der wol taug / wie ich meyne /
Für der Poeten Volck / das nit zu starcken Tranck
Hinunter giessen muß / im Fall jhm sein Gesang
Auch wol gerathen soll / vnd jmmerzu bekleiben;
Nicht wie zwar jene thun die etwas heute schreiben /
Das morgen kömpt dahin / wo es zukommen werth /
Da wo man auff die Wand den blossen Rücken kehrt.
Nun solcher Wein wächst hier / der nicht den Leib erhitzet /
Von dem nicht da ein Punct / hier wider einer sitzet
Vmb Nasen / Stirn vnd Maul / bald Berg bald wider Thal /
Mit roth vnd weiß vermengt wie ein Frantzosen-Mahl.
Nun solcher Wein wächst hier / den jhr in kurtzen Stunden
In ewern Keller bringt / vnd seydt der Last entbunden
Die man im pflantzen hat. Was auch den Baw belangt /
So ist es Eytelkeit daß man mit diesem prangt.
Wie noch die alte Welt mit Keylen Holtz gespalten
Vnd nur ein dürres Scheyd zum Fewer fürbehalten /
Von Balcken nicht gewußt / da keine Sege war /
Da lebten sie mit Ruh vnd ausser der Gefahr.
Es stunden ohngefehr vier Gabeln auffgerichtet /
Darüber her ward Stroh / das nunmehr wird vernichtet /
Auff Aesten vmbgestrewt / darunter lag ein Mann /
Die Freyheit neben jhm / so jetzt ist abgethan.
Wir sind durch vnsern Baw noch endlich dahin kommen /
Daß wir vns weit vnd breit viel Oerter eingenommen /
Die Laster aber vns. Hat mancher gleich ein Schloß
Das Stätten ehnlich sieht / an Tugend ist er bloß.
Rom war nie besser auff / als wie die hohen Sinnen
Ein nidrigs Dach bewohnt: so bald als sie beginnen
An schlechter Einfalt klein' vnd bawen groß zu seyn /
Reißt Schand' vnd Vppigkeit mit hellem Hauffen ein.
Viel haben jhre Lust an köstlichen Pallästen
Gantz Königlich gemacht / viel gründen starcke Festen
Darauff man mehrmahls doch an jetzt vergeblich trawt /
Weil Mars so grimmig ist: Bey euch hat GOtt gebawt.
Laß hier vnd da gleich Milch vnd süsses honig fliessen;
Hier fleußt pur klares Gold. Geringe Bawren wissen
Mit waschen gut Bescheyd / vnd lesen einen Sand /
Der auch mit seiner Stärck' erobert Leut' vnd Land.
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