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Nicolas Edmonde Rétif de la Bretonne: Zeitgenössinnen - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorRetif de la Bretonne
titleZeitgenössinnen
subtitleAbenteuer hübscher Frauen
publisherGeorg Müller
volumeBand 1 + 2
yearvor 1916
translatorHeinrich Conrad
correctorhille@abc.de
senderreuters@abc.de
created20060228
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Johannistrieb oder Das erste und letzte Abenteuer einer Frau von vierzig Jahren.

Früher oder später muß ein jeder der Liebe seinen Tribut zahlen. Glücklich, wer es in einem Alter tut, wo man noch gefällt, und wer auf einen Gegenstand trifft, der sein Herz für immer fesselt! Was für Kummer und Leid erspart sich ein solcher, wie vielen törichten und verächtlichen Streichen geht er aus dem Wege! Ja, die Moralisten haben recht! Man muß die Liebe fliehen; sie vergiftet das Leben der Unglücklichen, für die es keine Gegenliebe mehr gibt!


Cydippe-Felicité C-let, entstammte einer ehrenwerten Familie. Sie war in ihrem achtzehnten Jahre mit einem noch jungen Witwer verheiratet worden, für den sie weder Liebe noch Abneigung empfand. Er bekleidete eine hohe Stellung, war viel reicher als sie, stand auch gesellschaftlich über ihr, aber ihre Schönheit hatte es ihm angetan. Cydippe heiratete Herrn de F** aus geschmeichelter Eitelkeit, denn sie wollte fortan die erste Rolle in einer bedeutenden Stadt, einer Provinzialstadt, spielen. Sie glaubte sogar ihren Mann zu lieben, und wäre zweifellos ihr Leben lang glücklich gewesen, da sie niemals in Paris gewohnt hatte. Die Stadt A** hatte weder ein Theater noch schöne Promenaden oder Tanzgelegenheiten, alles war dort noch einfach und zur Aufrechterhaltung der guten Sitten geeignet. Das war vor zehn Jahren, heute sieht es dort auch anders aus. Cydippe genoß die Zerstreuungen, die es gab; sie empfing bei sich Gesellschaft, man machte ihr den Hof, aber alles das war nicht sehr verführerisch, und sie brauchte bei den Grundsätzen, die man ihr, einer Tochter guter Bürger, beigebracht hatte, keine große Anstrengung zu machen, um ihrem Manne treu zu bleiben. Nicht, daß sich unter der Zahl der von der Schönheit der Frau de F** angezogenen nicht liebenswerte Männer befunden hätten! – Da war besonders ein dem Ritterstande angehöriger dreißigjähriger Junggeselle aus Hang für das weibliche Geschlecht, und der schönste Mann der Stadt, der sich ernstlich vor ihren Wagen spannte. Er reichte ihr den Arm auf der Promenade, führte sie bei offiziellen Festen in die Kirche, auf den Schützenplatz oder in die großen Häuser, die gelegentlich Einladungen ergehen ließen, aber dieser galante Provinziale, der weder Crébillon noch Dorat noch irgendeinen der Modernen gelesen hatte, war innerhalb zwei Jahren bei ihr nicht weitergekommen, als daß er ihr einmal die behandschuhte Hand geküßt hatte. Er besaß dazu noch die Ungeschicklichkeit, sich dabei von dem Manne erwischen zu lassen, der bei diesem Anblick sofort eine hoheitsvolle Miene annahm, daß er darüber wohl erschrocken sein durfte. Cydippe war gleichfalls über diese Tat aufgebracht und nahm gegen den Junggesellen einen so spröden, eisigen Ton an, daß er für immer von dem Gedanken geheilt wurde, der Liebhaber der Frau seines Vorgesetzten sein zu wollen.

Von diesem Zeitpunkt an bis zum Alter von ungefähr sechsunddreißig Jahren hatte Cydippe sich über keine Zudringlichkeit mehr zu beklagen, im Gegenteil, jedermann war von ihrer Tugend so überzeugt, daß man ihr nur mit ehrfurchtsvollem Schauer nahte. Und nichtsdestoweniger war sie entzückend; nichts fehlte ihr, sie befaß Anmut in ihren Bewegungen und Geschmack in ihren Toiletten, die herausfordernd und sinnereizend waren, auch fehlte es ihr nicht an Gefallsucht, aber sie hatte noch nicht das Bedürfnis zu lieben verspürt. Mit zweiunddreißig Jahren, schön und begehrenswert, hatte sie einem fünfzehnjährigen Jüngling Liebe eingeflößt. Es war ein entfernter Verwandter ihres Mannes, der aus einem großen Marktflecken mitten in der Heide stammte, und den seine, übrigens sehr reichen Eltern nach A*** geschickt hatten, damit er dort Manieren lerne. Der junge Mann war voller Geist, aber eine grobe Rinde verhüllte den Glanz dieses Geistes und verkleidete seine Feinfühligkeit. Vor allem hatte er ein empfindsames Herz und konnte Cydippe nicht sehen, ohne sich sterblich in sie zu verlieben. Da er jedoch in den Grundsätzen einer strengen Moral erzogen war, hielt er es für ein Verbrechen, nach einer verheirateten Frau Gelüste zu tragen, und es erschien ihm als ein der höchsten Strafe werter Verstoß gegen die guten Sitte, der Frau seine Gefühle zu gestehen, die ihn entflammt hatte. Ein langsames, verdecktes Feuer verzehrte ihn, aber von Zeit zu Zeit sprühten Funken auf, die ihn verrieten. Cydippe bemerkte in der Tat, was er für sie empfand. Aber der junge R** befaß noch nicht die nötigen Eigenschaften, um eine so kalte, stolze Frau gefangenzunehmen. Wie konnte sich eine solche um die Gefühle eines Schuljungen kümmern und zu ihm herabsteigen?

Aber der Schuljunge, dessen Leidenschaft Jahre überdauerte, wurde zu einem recht gut gewachsenen jungen Mann. Er war achtzehn Jahre alt, als er, verliebter den je in Frau de F**, ihr einen sehr starken Beweis von der Heftigkeit seiner Leidenschaft für sie gab.

Eines Tages hatte sie mit ihrem Manne, einem Fräulein de Bourgoin, ihrer unzertrennlichen Freundin, den Eltern dieser Dame und noch einigen anderen Personen einen Ausflug gemacht. Die Gesellschaft hatte ein Boot genommen, um nach einer bewaldeten Insel überzufahren, wo das Essen eingenommen werden sollte. Lauschige Plätzchen unter schattenspendenden Bäumen auf grünender Wiese boten beim Gezwitscher der Vögel und dem Duft der Maiglöckchen einen köstlichen Aufenthalt. Zwischen den Wurzeln der Bäume befanden sich kleine natürliche Hohlräume, worin man den Wein kühlen konnte, und unter den Steinen nahe am Ufer des Flusses fand man Krebse, die ein Kellner des Restaurants fing und gleich zubereitete. Der junge R* war auch von der Partie. Man belustigte sich, und Heiterkeit erfüllte alle Herzen. Cydippe vor allen anderen war köstlicher Laune. Ihr Herz war frei, und dieser Zustand eignet sich besser für die Vergnügungen der Tafel und der Gesellschaft, als wenn man Herzensgeschichten hat. Nur R** lächelte bloß mit den Mundwinkeln. Ihn verbrannten tausend Feuer: Cydippe erschien ihm herrlicher denn je, und er litt furchtbar unter den Qualen der Eifersucht, er war der Verzweiflung nahe. Indessen langweilte er sich nicht, er sah sogar mit Schrecken das Ende des Aufenthaltes auf der Insel herannahen, wo er doch wenigstens frei mit seinem Abgott sprechen, ihm dienen, seine Launen befriedigen konnte, er war sogar so glücklich, ihr ein Nest mit kleinen Vögeln vom Baume herunterholen zu können, das sie entdeckt hatte und gern haben wollte. Aber schließlich ging der Tag zu Ende, und die Dämmerung verjagte die lustige Gesellschaft von dem paradiesischen Fleckchen Erde. Man bestieg mehrere kleine Boote zur Überfahrt. Man erreichte das andere Ufer und alle sprangen aus den Booten, Cydippe schickte sich auch dazu an als die letzte. Doch im Augenblick, als sie den Fuß auf den Rand des Bootes setzte, löste sich die kleine Kette, die es am Ufer festhielt, das Boot fing an zu treiben und Cydippe wurde allein und ohne Ruder von dem sehr starken Strom davon getrieben. R** zögerte keine Sekunde, er sprang ins Wasser, während alle anderen sich damit begnügten, Schreie auszustoßen, und die beiden Bootsleute ratlos dastanden, er schwamm dem Boote nach, erreichte es, brachte es in weniger tiefes Wasser am Ufer und zog es dann, im Wasser watend, hinter sich her bis zu einer Stelle, wo Cydippe herausspringen konnte, ohne sich auch nur den Fuß naß zu machen. Sodann führte er sie auf einem Fußpfad, der dem Ufer folgte, zur Gesellschaft zurück, als diese bereits anfing, zu verzweifeln, und im Hause eines Anwohners ein Pferd nehmen wollte, um Cydippe nachzureiten und ihr zu helfen. Denn niemand hatte in der Aufregung und bei der Dunkelheit R**s Tat bemerkt.

Während man noch hin und her sprach und ein Diener des Herrn de F** fortgeeilt war, um das Pferd zu holen, trat Cydippe, nachdem sie sich einen Augenblick damit vergnügt hatte, dem Gespräch der Gesellschaft zu lauschen, plötzlich lachenden Mundes mitten unter sie. Man umringte und fragte sie nach ihrer Rettung.

»Dort steht mein Retter,« erwiderte sie, auf R* deutend, »ohne ihn wäre ich verloren gewesen.«

Alle bewunderten den Mut des jungen Mannes. Fräulein de Bourgoin, die zärtliche Freundin Cydippes, die ihn vorher gar nicht beachtet hatte, warf sich ihm sogar in die Arme und küßte ihn dreimal. Cydippe drang auf schnelle Rückkehr R**s wegen, dessen Kleider ganz durchnäßt waren, und der jetzt unter der Abendkühle zu leiden anfing. Sie selbst ging eiligst voraus, um ein gutes Beispiel zu geben, und als man zu Hause angelangt war, befahl sie sofort, das Bett R**s zu wärmen, der sich inzwischen in der Küche vor einem großen Feuer entkleidete. Als er im Bett lag, besuchte sie ihn mit ihrer Freundin und gab ihm eigenhändig einen großen Becher warmen Glühwein zu trinken, um ihn in Schweiß zu versetzen. Als sie Miene machte, sich zurückzuziehen, da ergriff er ihre Hand und drückte einen Kuß darauf, ohne daß sie sich bemühte, ihre Hand zurückzuziehen.

R** schöpfte neue Hoffnung, und da er sterblich verliebt war, fühlte er sich selig. Tausend abenteuerliche Gedanken schwebten seiner Phantasie im Delirium vor, die aber beim Erwachen am anderen Morgen wie Träume in nichts zerflossen. Als Frau de F** ihn am anderen Tage zum ersten Male sah, da lächelte sie ihm anmutig zu. Er war glücklich darüber und näherte sich ihr mit der schüchternen und unruhigen Haltung, die die Leidenschaft gibt, aber Cydippe sah nur die Schüchternheit und ermutigte nur diese. Sie bat R**, neben ihr Platz zu nehmen, behandelte ihn als Freund, als einen Mann, dem sie das Leben verdankte, legte aber nichts in ihren Dank hinein, woraus er hätte auf Liebe schließen können. Das merkte auch der junge Mann, er war aber für den Augenblick trotzdem glücklich. Seine Augen glänzten, er wurde beredt und drückte sich in Worten voller Kraft und Energie aus, aber er verdeckte seine Gefühle, indem er seine Freude aussprach, eine so liebenswürdige Dame gerettet zu haben, und schien nur davon freudig berührt zu sein. Alles das war wohl geeignet, in einem Frauenherzen Liebe zu erwecken, aber Cydippes Herz war noch weit davon entfernt, der erzürnte Amor wollte offenbar nicht, daß sie zu einer Zeit Liebe empfände, da sie mit zärtlichster Gegenliebe beglückt worden wäre, mit der Gegenliebe eines Mannes, der am meisten fähig gewesen wäre, sie ewig zu lieben, und der ihrer Liebe würdig gewesen wäre.

Einige Jahre verflossen, ohne daß der junge R** es hätte über sich bringen können, seine Schüchternheit zu überwinden und sich mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg zu erklären. Er war daher auch nicht weitergekommen als am ersten Tage. Cydippe zeichnete ihn aus, behandelte ihn freundlich, fühlte aber keine Liebe für ihn. Der charaktervolle junge Mann sagte sich endlich – ohne Zweifel, weil seine Leidenschaft schon nachzulassen begann, – daß es unsinnig sei, sich darauf zu versteifen, eine verheiratete Frau ihren Pflichten abspenstig machen zu wollen, und suchte Heilung in der Liebe zu einer anderen, was ihm nicht schwer wurde. In der Nachbarschaft wohnte ein großgewachsenes, schlankes junges Mädchen von siebzehn Jahren, weiß wie eine Lilie, mit schwarzen Augen, einer tadellosen Taille, schönen Armen, reizenden Händen, üppigem Busen und sonst allen möglichen begehrenswerten Reizen. Auf diese appetitliche Schöne fielen die Augen des jungen R**. Er machte ihr den Hof und wurde nicht abgewiesen; allmählich wurde ihr Verhältnis inniger, schließlich vergötterte er sie und wurde von ihr wiedergeliebt. Seine Leidenschaft für die reizende Rosa L*** war bald ebenso feurig, wie die für Cydippe gewesen war, mit anderen Worten, letztere war ihm nunmehr vollkommen gleichgültig.

Der Ehrbarkeit seiner neuen Geliebten vertrauend und fast sicher, ihre Hand zu erhalten, sobald er eine Stellung haben würde, riß R** sich von ihr los, um daran zu arbeiten, sie sich zu gewinnen. Er war vier Jahre abwesend, die er in der Hauptstadt zubrachte.

Inzwischen vollendete Cydippe ihr vierzigstes Lebensjahr. Sie war noch schön, hatte aber an Frische verloren und war viel weniger anziehend. Da lernte sie einen Freund ihres Gatten kennen, einen großen, stattlichen Mann, der mit Auszeichnung in der Marine gedient hatte und nun einen hohen Posten in der Admiralität bekleidete. Er war ledig und hieß de Caulette. Er hatte sich an Herrn de F** angeschlossen in der ausgesprochenen Absicht, Cydippe kennen zu lernen, von der er schon vor seiner Ankunft hatte sagen hören, sie sei eine reizende, aber unnahbare Frau. Er machte sich übertriebene Vorstellungen von ihr. Als er sie dann zum ersten Male sah, fand er, daß sie seinen Ideen entsprach, und er seinerseits gefiel der Frau de F** vom ersten Augenblick an. Sie wollte liebenswürdig erscheinen und war, von einem für sie neuen Gefühle belebt, in ihrer Ausdrucksweise, ihren Manieren, – kurz, ihrer ganze Haltung sanfter und anziehender als sonst. Sie bezauberte de Caulette, aber weit weniger, als sie selbst von ihm bezaubert war.

Es ist klar, daß bei den Gefühlen, die sie einander entgegenbrachten, schnell ein Verhältnis zwischen ihnen entstehen mußte. Cydippe, der ihr Gemahl zu mißfallen gefürchtet hatte, indem er ihr einen neuen Bekannten zuführte, war die erste, de Caulette aufzufordern, recht oft zu ihnen zu kommen, Herr de F** drückte darüber seinem neuen Freunde seine angenehme Überraschung aus, als er ihn hinausbegleitete, und sagte zu ihm:

»Meiner Treu, Sie können sich geschmeichelt fühlen! Sie sind der erste Mann, dem meine Frau in dieser Weise entgegenkommt. Benutzen wir also die Situation, um uns alle Tage zu sehen, Wenn sie dann später ihre Laune ändert, nachdem Sie einmal bei uns ein und aus gehen, dann lassen wir sie reden, und sie kann sich abfinden, wie sie will.«

De Caulette versprach, daß er gegen alle ihre Launen fest bleiben würde, wozu nicht viel Mut gehörte.

Cydippes Zuvorkommen wurde immer ausgesprochener, aber sie selbst war sich der Ursache davon noch nicht bewußt. Sie glaubte, ihre beginnende Zuneigung für de Caulette sei nur Freude darüber, daß seine Freundschaft ihr eine Quelle neuer Vergnügungen sein würde, und gab sich ihrer Neigung rückhaltlos hin. Sie glaubte sich durch ihre Ehrbarkeit gepanzert gegen alle Verfehlungen irgendwelcher Art.

De Caulette dachte ganz anders. Er sah in der Frau seines neuen Freundes nur eine leicht zu stürmende Festung und nahm sich vor, aus einem Verhältnis mit dieser schon älteren Frau gewisse Vorteile für sich zu ziehen. Solche Absichten sprachen freilich weder für seine Selbstlosigkeit noch für Schönheit seiner Seele. Aber auf so etwas wird sich eine Frau, deren Leidenschaften zu spät einsetzen, stets gefaßt machen müssen. Man sieht über die tollen Streiche der Jugend hinweg, man hat aber nur Verachtung für die Seitensprünge des reiferen Alters, und gerade der Mann, der als Gegenstand solcher späten Liebe zuerst die tolle Leidenschaft teilt, wird früher oder später dahin gelangen, die von der Leidenschaft erfaßte Frau dafür zu bestrafen, indem er sie anführt.

Cydippe lieferte sich selbst den schlechten Absichten eines Mannes aus, den die Hauptstadt geschult oder vielmehr verdorben hatte, denn sie zeigte ihm zu offen, ein wie großes Vergnügen ihr seine Besuche bereiteten. Da sie niemals lebhaftere Gefühle für einen Mann empfunden hatte und sich in ihrem Alter eine gewisse Zurückhaltung nicht auferlegen zu müssen glaubte, so wurde diese vorher bescheidenste aller Frauen bald zur frechsten.

Caulette würde sicher über das Entgegenkommen, das sie ihm bezeigte, errötet sein, wenn der Ruf der Unnahbarkeit, den sie sich erworben hatte, diesem Entgegenkommen in seinen Augen nicht einen gewissen pikanten Reiz verliehen hätte. Es war ihm sehr angenehm, daß jedermann vermuten konnte, er habe endlich dieser Frau den Kopf verdreht, die noch niemals schwach geworden war. Cydippe hatte sich schon weit von allen Regeln des Wohlanstandes entfernt, bevor sie sich Rechenschaft darüber ablegte, daß sie Liebe empfand. Ihr Gatte konnte sie nicht darüber aufklären, denn er sah und merkte nichts, so sehr war er von seinem Vertrauen geblendet. Wie so häufig, geschah es auch in diesem Falle, daß die ganze Stadt die Aufführung seiner Frau kannte, bevor er selber nur den geringsten Verdacht hatte.

De Caulette hatte indessen von ihr noch nichts weiter erlangt als ihre Liebe. Die Umgebung der Frau de F** stand ihm im Wege, ihre Freundin de Bourgoin, die sich inzwischen verheiratet hatte, verließ sie fast niemals. Da beschloß er, sich krank zu stellen, um sie in seine Wohnung zu locken und sie dann zur letzten Unvorsichtigkeit zu verführen. Eines Tages kam er nicht. Cydippe war darüber beunruhigt und sandte am Abend ihre treue Zofe Toinette zu ihm, während Herr de F** seinen Diener Tourangeot zu gleicher Zeit ausschickte, um sich nach dem Grunde seines Ausbleibens zu erkundigen. Die beiden stießen vor Caulettes Tür aufeinander.

»Bei Gott?« sagte der Lakai, »man beunruhigt sich sehr wegen der kostbaren Gesundheit dieses Herrn!«

»Madame noch mehr als der Herr,« bemerkte Toinette, »denn ich habe sogar Tränen in ihren Augen gesehen, als er zum Diner nicht erschienen war.«

»Meiner Treu! Der Herr ist auch ganz aus dem Häuschen! Dieser Mann hat sie alle beide behext! ... Nun wollen wir einmal sehen, was ihm fehlt. Wollen wir zusammen eintreten?«

»Ich denke nicht.«

»Dann gehen Sie zuerst, Toinette, da unsere Herrin es sicher eiliger hat.«

»Ich glaub's. Da ich aber wahrscheinlich länger aufgehalten werde und du zu lange warten müßtest, mein armer Tourangeot, so geh' du zuerst hinein und kehre dann schnell zurück.«

Tourangeot verlangte nichts Besseres. Er wurde zu Herrn de Caulette geführt, der in einem Sessel saß, sehr gut aussah und durchaus nicht krank erschien.

»Ah! Freund Tourangeot!«

»Ich komme, gnädiger Herr, um mich im Auftrage meines Herrn nach Ihrer Gesundheit zu erkundigen.«

»Jetzt geht's mir etwas besser, aber vorher war ich ganz kaputt. Ich war sehr abgespannt, doch die Ruhe hat mir gut getan.«

»Das werde ich berichten.«

»Tun Sie das und fügen Sie meine besten Grüße hinzu. Wie geht's der gnädigen Frau?«

»Ich will nicht in anderer Rechte eingreifen, gnädiger Herr, Fräulein Toinette ist vor der Tür und wird Ihnen Nachricht von der gnädigen Frau bringen.«

»Gut. Du bist intelligent. Das verdient ein Trinkgeld, da nimm ... Es geht mir nicht so gut, als ich vor dir scheinen wollte, aber sage davon nichts zu meinem Freunde. Adieu, Tourangeot, du bist ein tüchtiger Diener, aber Herr de F** kennt auch deine Verdienste.«

Nachdem er auf diese Weise diesen Burschen auf seine Seite gebracht hatte – Geld und Lobsprüche tun stets ihre Schuldigkeit – , entließ er ihn voller Ungeduld, Toinette zu sprechen. Sobald sie eintrat, rief er ihr entgegen :

»Ach, meine gute Toinette! Welch einen schauderhaften Tag habe ich durchmachen müssen!«

»Sie waren aber sehr krank, gnädiger Herr?«

»Ja, ich habe sehr gelitten! Aber tausendmal weniger durch mein Übel, als durch die Entbehrungen, die es mir auferlegt hat ... Wenn es noch einige Tage andauert, dann sterbe ich daran, ... wofern deine Herrin nicht lindert, was mir am unerträglichsten ist: die Verzweiflung, sie nicht zu sehen.«

»Oh! gnädiger Herr, in dieser Hinsicht ist meine Herrin ebenso übel daran wie Sie. Sie leidet in gleichem Maße darunter, denn ich sah sie sogar weinen, als Sie heute nicht zu Tisch kamen.«

»Und du glaubst, sie weinte meinetwegen?«

»Ganz gewiß, gnädiger Herr.«

»Wußte sie schon etwas von meiner Unpäßlichkeit?«

»Nein, nicht ein Sterbenswörtchen, sie weinte vor Kummer, weil Sie nicht da waren.«

»Ach, meine liebe Toinette, was gäbe ich nicht darum, daß es so wäre!«

»Sie wären Ihr eigener Feind, wenn Sie daran zweifelten, es ist so.«

»So will ich dir denn glauben und dich für die gute Nachricht belohnen. Da hast du etwas, beste Toinette, um dir zwei Morgenröcke machen zu lassen, – Baumwollenstoff mit Musselin garniert, ich hatte das Geschenk eigentlich für meine Schwester bestimmt, nimm noch dieses Stück Barchent dazu, das gibt ein Mieder und einen Unterrock.«

»Ah! gnädiger Herr! Sie sind zu gütig, wie soll ich Ihnen dafür meinen Dank bezeigen ... ?«

»Indem du mir bei deiner Herrin dienst. Ich werde auch den Macherlohn bezahlen, denn ich will dir kein Geschenk machen, das dich in Unkosten stürzt. Da hast du noch einen Louis.«

»Ich bin ganz verwirrt, gnädiger Herr ...«

»Bringe deine Herrin dahin, mich zu besuchen!«

»Ich werde mein möglichstes aufbieten, aber ich wage nicht zu versprechen, daß es mir gelingen werde.«

»Ich bin schon zufrieden, wenn du dich bemühen willst und mir recht oft Nachrichten von ihr bringst.«

»Oh! in dieser Hinsicht, gnädiger Herr, sollen Sie mit mir zufrieden sein.«

Toinette verließ ihn hocherfreut. Das Geschenk, das er ihr gemacht hatte, schmeichelte ihr in Anbetracht ihrer Stellung mehr als eine gefüllte Börse, wie man sie bisweilen unseren Theaterdamen schenkt. Sie schloß zuerst ihre kostbaren Stoffe ein und ging dann zu ihrer Herrin. Unterwegs begegnete ihr Tourangeot und sagte zu ihr:

»Ah! der brave Herr de Caulette, denke dir, er hat mir sechs Franken gegeben!«

»Ich glaub's. Ich denke, wir wollen uns zusammentun, um ihm gut zu dienen.«

»Gern, wofern er nur nicht beabsichtigt, unserem Herrn einen gewissen schlechten Streich zu spielen, denn darin verstehe ich keinen Spaß! Unsere Ehre steht dabei auf dem Spiel, und was würde man von uns sagen.«

»Darin hast du recht. Du könntest dich vor deinem Herrn nicht mehr sehen lassen.«

»Ich bin Diener des Herrn und Hüter der gnädigen Frau. Erinnerst du dich, wie ich mal betrunken war und den kleinen Laffen, den R**, packte, als er bei Madame saß, die er aus dem Wasser gezogen hatte, und ihr süße Blicke zuwarf? Verdammt! Ich bin eifersüchtig!«

»Ich weiß, ich weiß! Und ein anderes Mal, als du wieder betrunken warst und die Ecksteine des Rathauses küßtest und sie fragtest, wo Herr de F** wohne. Später zogst du dich dann aus und wolltest durchaus in das Schlafzimmer der Gnädigen gehen. Du schriest dabei, du wollest bei ihr schlafen, Herr de F** habe jetzt genug bei ihr geschlafen, und jetzt seist du an der Reihe. Geschah das, um ihre Ehre zu bewahren oder die deines Herrn? ... Weißt du denn, ob jetzt nicht die Reihe an Herrn de Caulette gekommen ist?«

»Oh! Das ist etwas anderes. Ich war damals betrunken und wußte nicht mehr, was ich sagte.«

»Sei still, mein guter Tourangeot, in vino veritas, wie der Domherr Disson öfters sagt, wenn er seine sechs Flaschen Wein bei Tisch getrunken hat. Kümmere dich also lieber um deine Sachen: unserer Gnädigen Ehre ist in meinen Händen besser aufgehoben, als in denen eines Tölpels wie du!«

»Auch nicht schlecht. Ich denke, Mamsell Toinette hat alle Mühe, die ihrige zu bewahren, wie will sie es da fertig bringen, auch noch die der Gnädigen zu verteidigen?«

»Mühe oder nicht, jedenfalls verteidige ich die meinige, und ich glaube nicht, daß es dir schon gelungen ist, sie anzutasten!«

»Mir nicht, aber anderen.«

»Unverschämter! Du verdientest ... Welchen anderen? Sprich! Nenne sie!«

»Mein Gott, ich weiß nicht. Der Fant, der R** nahm dich manchmal aus Wut, daß er Madame nicht haben konnte.«

»Armer Tropf! Und wenn dem so wäre! Dann würde es mir nur hoch anzurechnen sein, denn ich hätte damit meiner Herrin einen Dienst geleistet ... Aber es ist nicht wahr.«

»Und der Herr de Bourgoin? ... da oben, in der kleinen Kammer? Verdammt, ich habe es doch mit meinen eignen Augen gesehen!«

»Ich habe ihn geprügelt, wie er es verdiente!«

»Haha! Ja, so wie man den Stall zuschließt, wenn die Pferde gestohlen sind!« Sie gibt ihm eine Ohrfeige.

»Da nimm das. So bezahle ich die Unverschämten.«

»Das werde ich Ihnen anstreichen, Mamsell Toinette! Sie haben mich geschlagen, daß ich Feuer gesehen habe! Ich werde mich beim Herrn beschweren, einen so zu ohrfeigen!«

»Jedesmal, wenn du frech wirst.«

In diesem Augenblick kam der Herr dazu und fragte seinen Diener, als er ihn in solcher Erregung sah, was er hätte?

»Mamsell da hat sich angemaßt, mich zu ohrfeigen.«

»Warum sagst du solche Unverschämtheiten?«

»Gnädiger Herr, ich will Ihnen alles erzählen,«

»Gib Frieden!« entschied da der Herr, »Toinette hat recht. Und du,« wandte er sich zu dieser, »warte auf mich, ich habe mit dir zu sprechen ...«

Als sie allein waren, fuhr er fort:

»Ich habe die Ohrfeige gesehen. Du hast eine rasche Hand. Aber, meine hübsche Toinette, ich will dir deine Lebhaftigkeit verzeihen, obwohl ich sehr viel auf den Burschen halte, wenn du schön artig sein willst ... Du bist wirklich allerliebst ... Was für ein schöner Arm, und wie weiß er ist! Und das nette Patschhändchen!«

»Madames Hände sind schöner und weißer, gnädiger Herr.«

»Ich vergleiche nicht, mein Engel. Du bist entzückend und ich habe dich von Herzen lieb.«

»Sie tun mir zu viel Ehre an, gnädiger Herr, ein Mädchen wie ich, kann glücklich darüber sein, daß ein Mann wie Sie, es bemerkt.«

»Liebe gleicht alles aus, mein schönes Kind.«

»Aber, gnädiger Herr, Sie haben eine so schöne, junge Frau!«

»Gott! Wir sind schon seit zwanzig Jahren verheiratet.«

»Nicht möglich. Da müssen Sie Madame ja schon in der Wiege geheiratet haben! ...«

Ich muß hier einschalten, daß Tourangeot, obwohl er der Liebling seines Herren war und diesem eifrig und treu diente, sich doch nicht vor Zorn gegen Toilette hatte halten können und eiligst zu Frau de F** gelaufen war, um sie herbeizurufen, als er gehört hatte, welche Wendung die Unterhaltung nahm. Sie kam mit ihm zurück, versteckte sich und fing den letzten Teil des Gesprächs noch auf.

»Ich sehe,« hörte sie ihren Mann sagen, »du willst meiner Frau schmeicheln. Sie ist zwar immerhin noch nicht zu verachten, aber, liebste Toinette, sie ist nicht so frisch wie du, sie ist eben schon an die vierzig!«

»Madame vierzig Jahre alt? Ich glaube, gnädiger Herr, Sie wollen Spaß mit mir treiben, alles, was Sie mir da sagen, ist zum Lachen.«

»Nein, nein, ich spreche im Ernst.«

»Es fällt einem Manne wie Sie nicht schwer, sich auf Kosten einer Einfalt, wie ich es bin, zu amüsieren.«

»Bei meiner Ehre, süße Toinette, ich liebe dich!«

Und er will sie küssen.

»Wie gut Sie Ihre Rolle spielen, gnädiger Herr! sollte man nicht meinen, es wäre Ihnen Ernst? Sie wollen mich auf die Probe stellen, aber ich werde diese mit Ehren bestehen, und Sie und die gnädige Frau werden sich dann überzeugt haben, daß Sie es mit einem anständigen Mädchen zu tun haben.«

»Ich weiß nur eins, meine teure Toinette, nämlich, daß ich dich anbete. Um dir einen Beweis dafür zu geben, da hast du zehn Louis, nimm sie, ich will es ...«

»Gut, gnädiger Herr, ich nehme sie, weil ich überzeugt bin, daß das ein Tugendpreis ist, den Sie als weiser Beamter zur Belohnung ausgesetzt haben, und keine Bezahlung für lasterhafte Willfährigkeit. Ich nehme sie an als Preis für den ehrerbietigen Widerstand, den ich Ihnen leiste.«

»Du bezauberst mich und stürzest mich zugleich in Verzweiflung, mein Püppchen. Aber höre mich doch an! Du bist so lieb, daß ich dir nicht widerstehen kann. Sei meine Freundin, meine liebe Freundin, und du wirst sehen, daß du nicht schlecht dabei fahren wirst!«

»Oh! Ihre ehrerbietige Freundin, gnädiger Herr, von Herzen gern, alle meine Sorgfalt soll darauf gerichtet sein, Ihrer würdigen Frau Gemahlin treu zu dienen und Ihnen auf diese Weise den Hof zu machen, denn ich bin überzeugt, es gibt kein besseres Mittel als dieses, um mir die zehn Louis zu verdienen, die ich mit Dank annehme.«

»Zum Teufel, so habe ich nicht gerechnet,« rief da Herr de F** aus, indem er sich sehr große Freiheiten erlaubte, »du wirst mich erhören oder ...«

»Langsam, mein Herr Gemahl,« hörte er da plötzlich seine Frau sagen, die sich endlich zeigte, »nur langsam! Was hat sie Ihnen denn getan, daß Sie sie so malträtieren ...? Gehen Sie, Toinette, wenn Sie sich tatsächlich schwer gegen meinen Mann vergangen haben, dann kann ich Sie nicht länger behalten ... Wollen Sie mir bitte sagen, worin sie sich verfehlt hat, lieber Freund?«

»Sie war unverschämt ..., aber im Grunde ist sie entschuldbar, und ich bitte Sie, ihr zu verzeihen.«

»Gern ... Seien Sie, Toinette, ein anderes Mal etwas vorsichtiger und vergessen Sie nicht wieder der Achtung, die Sie meinem Gemahl schuldig sind! ... Ich preise Ihr gutes Herz, lieber Freund, denn was hätte das arme Mädchen anfangen sollen, wenn ich gezwungen gewesen wäre, sie zu entlassen? Haben Sie Dank für Ihr menschliches Gefühl!« Damit ging Cydippe frohen Herzens in ihre Gemächer, sie brauchte sich nun keine Gewissensbisse mehr darum zu machen, daß sie ihren Verehrer liebte!

Sie hatte Toinette ein Zeichen gegeben, ihr zu folgen, und sagte zu ihr:

»Du siehst, wie mein Mann sich aufführt! Es ist nicht die erste Treulosigkeit, die er gegen mich begeht ...«

»Oh! Madame, wenn er nicht Schlimmere begangen hat als diese ...«

»Seine Schuld war es nicht, daß es nicht schlimmer wurde, und andere wären weniger zurückhaltend gewesen als du. Ich hatte Beweise gegen ihn in der Hand zu einer Zeit, wo mir seine Seitensprünge sehr gleichgültig waren, denn eine junge Frau ist wohl kaum eifersüchtig, wenn sie einen alten Mann hat. Heute aber denke ich anders darüber und will, daß er für sein Laster bestraft werde: Herr de F** war für einen Gatten, wie er einer ist, zu glücklich, und nun will ich meine Rache dafür nehmen!«

»Verteufelt! Dazu hat Madame gerade eine schöne Gelegenheit! Und ohne gerade gegen die Gebote Gottes zu handeln, könnte Madame Herrn de F** schön Angst machen! Herr de Caulette liebt Sie wie seinen Augapfel! Er hat mir ein hübsches Geschenk gemacht, nur um Sie zu veranlassen, ihn morgen in seiner Krankheit zu besuchen. Ich glaube, Madame, er ist nur vor Liebe krank, denn er sah nicht kränker aus als Sie und ich, obwohl er sich so stellte.«

»Nun gut, beste Toinette! Ich werde ihn besuchen. Geh' zu ihm und benachrichtige ihn, daß ich zwischen neun und zehn Uhr kommen werde, also gleich nach dem Aufstehen, er möge seine Anordnungen treffen, daß ich nicht gesehen werde. Ich will dir meine Gefühle für ihn nicht verhehlen, ich liebe ihn zärtlich, und er ist dessen würdig!«

»Wahrlich, das ist er, gnädige Frau! Er ist der liebenswürdigste, höflichste und edelste Mensch! Ich werde nicht verfehlen, ihn zu benachrichtigen.«

»Meinen Mann kannst du inzwischen amüsieren ... mit Hoffnungen ... ihn hinhalten. Verstehst du mich? Das wird ihn beschäftigen! Seine Geschenke nimm nur an, die werden eines Tages deiner kleinen Mitgift zugute kommen! ...«

»Ich werde nach Ihren Befehlen handeln, gnädige Frau. Wenn er indessen zu weit gehen sollte? ...«

»Bah, dazu ist er zu alt!«

»Meinen Sie, gnädige Frau? ...«

»Dessen bin ich gewiß.«

»Nun gut, dann bin ich beruhigt.«

Am anderen Morgen lief Toinette eilends zu Herrn de Caulette, um ihn zu benachrichtigen, daß Madame, um von niemanden gesehen zu werden, durch die Hintertür kommen werde, die nach der Ruelle Saintloup hinausgehe. De Caulette war außer sich vor Freude und machte der Zofe wieder ein Geschenk. Als diese gegangen war, schickte er eiligst seinen Diener zu seinen intimen Freunden und ließ diese bitten, zwischen neun und zehn Uhr spätestens zu ihm zu kommen. Da er tags zuvor unsichtbar gewesen war und alle ihn für krank hielten, so eilten sie schnell herbei. Es waren also etwa zehn Personen um sein Bett versammelt, als Toinette, die ihrer Herrin vorausgeeilt und durch das Haupttor eingetreten war, ihm ihre Ankunft meldete. Da sagte der hinterlistige Caulette zu seinen Besuchern:

»Meine lieben Freunde, geht in dieses Nebenzimmer. Eine Dame, die ich hochschätze, besucht mich. Sie will nicht dabei betroffen werden, daß sie einem Junggesellen einen Besuch macht. Vor euch habe ich keine Geheimnisse, aber Frau de F** ist nicht verpflichtet, zu euch dasselbe Vertrauen zu haben.«

»Frau de F**!« schrien alle auf einmal heraus.

»Sie selber, da kommt sie schon.«

Alle beeilten sich, in das Nebenzimmer zu treten. Sie waren neugierig darauf, in welchem Tone de Caulette mit der Frau verkehren würde, die man für die unnahbarste der Stadt, der Provinz, ja des ganzen Landes hielt.

Cydippe trat ein. Caulette, in seinem Bett ausgestreckt, reichte ihr die Hand und sagte:

»Ach, gnädige Frau, wie habe ich mich nach Ihrem Anblick gesehnt!«

Anstatt zu antworten, ließ die schwache Cydippe ihren Tränen freien Lauf, sie war bis ins Innerste ihrer Seele bewegt und fest überzeugt, daß nur die Liebe zu ihr ihren Verehrer aufs Krankenlager geworfen hatte. Ihr erstes Wort war daher:

»Mein teurer Caulette! Wie ist es möglich, daß Sie sich so ihrem Schmerze hingeben können?«

»Ich liebe Sie, Sie wissen es, aber die Umstände sind gegen mich, und mir bleibt nur die Verzweiflung ...«

»Die Verzweiflung! Oh, lieber Freund, wie wenig kennen Sie doch meine Gefühle! Sie haben die ganze zärtliche Empfindsamkeit meines Herzens erregt!«

»Gebe es der Himmel! Möge ich des gleichen Glücks teilhaftig werden wie R**!«

»Dann wäre Ihr Schicksal nicht zu beneiden. R** hat niemals dieses Herz besessen, das für Sie bestimmt ist, obwohl der junge Mann für eine Leidenschaft, die bis zur Raserei ging, mir die staunenswertesten Beweise gab! Aber niemals konnte er sich des geringsten Entgegenkommens von meiner Seite rühmen. Seine Leidenschaft für mich bot mir nichts, was zu meinem Herzen hätte sprechen können. Ich schuldete ihm Dank, aber obwohl ich eine gefühlvolle Seele besitze, wurde auch dieses Gefühl in mir beinahe ausgelöscht, als er es zum zweiten Male wagte, mir von Liebe zu sprechen.«

»Mir hat man anderes gesagt, schöne Cydippe, und ich werde von Eifersucht verzehrt.«

»Mit Unrecht, teurer Caulette, ich habe nur Sie geliebt!«

De Caulette küßte ihr die Hand, ohne ein Wort zu erwidern. Die leidenschaftliche Cydippe entzog sie ihm nicht, er bedeckte sie weiter mit Küssen und drückte sie schließlich an sein Herz. Die Freunde des Verräters wurden, als sie nichts mehr hörten, neugierig, zu sehen, was vorging. Sie öffneten ein wenig die Tür und sahen die gefühlvolle Cydippe, wie sie die Küsse ihres Geliebten erwiderte. Als Caulette der Ansicht war, daß seine Freunde genug gesehen hätten, bat er um die Erlaubnis, seinen Morgenrock anziehen zu dürfen, er stieg aus dem Bett und ging mit der zärtlichen Cydippe, die er fast in seinen Armen trug, in ein anderes Zimmer. Seinen Freunden ließ er sagen, sie möchten ihn entschuldigen, er wäre mit seiner Schönen beschäftigt und müßte sich des Vergnügens berauben, wieder zu ihnen zurückzukehren. Diese gingen sehr befriedigt von dem, was sie gesehen hatten, von dannen, obwohl die meisten von ihnen ein wenig eifersüchtig waren. Aber das Vergnügen, nun üble Nachrede führen zu können, entschädigte sie für ein süßeres, das ihnen entgangen war, worauf sie indessen nun erst recht für die Zukunft hofften.

Cydippe war jetzt allein mit Caulette und auf Gnade und Ungnade einem Manne ausgeliefert, der sie nur erniedrigen wollte, um sie nachher zu beherrschen und sie auf eine Stufe mit jenen verrückten alten Weibern zu stellen, die sich leidenschaftlich in junge Männer verlieben und von diesen ihrer Liebestrunkenheit entsprechend verachtet werden. Sie sollte keinen Anspruch mehr auf Mitleid haben, man sollte von ihr nicht sagen können: Schade um sie, die einst den kühnsten Verführern junger Mädchen standhielt. Caulette wollte sie nur so weit bringen, ihr den Mund zu stopfen, wenn sie in der Folge einmal wagen sollte, ihm etwas abzuschlagen. Indem er ihr heftige Gefühle heuchelte, nahm er ihr die Ehre und fügte seinem Verbrechen noch alle Niederträchtigkeiten hinzu, durch die sein Opfer in den Schmutz gezogen werden konnte. Cydippes Unerfahrenheit in Liebesabenteuern hatte zur Folge, daß sie nicht einmal merkte, zu welchen Ausschweifungen sie dienen mußte, und was für häßliche Dinge von ihrer Willfährigkeit verlangt wurden. Geschändet kehrte sie nach Hause zurück. Gewissensbisse plagten sie, und sie empfand einen heimlichen Schmerz über die Art, wie der Geliebte ihr seine Liebe bewiesen hatte. Aber ihre Leidenschaft zu ihm war so heftig, ,daß sie die Gewissensbisse erstickte und alle Gefühle beherrschte. Am anderen Morgen sah man Caulette freudestrahlend einherstolzieren. Seine Freunde fragten ihn lachend, welchem wirksamen Heilmittel er seine überraschende Heilung verdanke und machten Anspielungen auf Frau de F**. Caulette antwortete nur durch ein vielsagendes Stillschweigen, begleitet von einem befriedigten Lächeln, das mehr sagte als alle langen Reden. Darauf ging er zu Frau de F**, nach der er, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, zuerst fragte. Erst von ihr ging er dann zu ihrem Gemahl, eine vertrauliche Haltung zur Schau tragend, die jedermann überraschte, nur nicht Herrn de F**. Bei Tisch, wozu man ihn eingeladen hatte, schlug er den nachlässigsten Ton an. Die arme Cydippe wußte sich solches nicht zu erklären und schämte sich. Nach dem Essen blieb er sitzen, als ob er dort zu Hause wäre, und ließ Herrn de F**, den seine Geschäfte abriefen, ruhig hinausgehen. Dann wurde er wieder zärtlich gegen Cydippe, aber auf eine so unverschämte Weise, daß ihr Stolz sich zwanzigmal dagegen empörte und sie vielleicht vom gänzlichen Verderben gerettet hätte, wenn sie diesem Gefühl nachgegeben hätte, aber die unglückliche Leidenschaft, die ihr Herz mit der ganzen Gewalt einer ersten Liebe erfaßt hatte, brachte die Stimme der Vernunft zum Schweigen und stieß sie in den Abgrund hinab. Nur um noch den Anschein zu wahren, läutete sie ihrer Zofe. Toinette kam, aber Caulette, der im Begriff war, es sich bequem zu machen, legte sich vor ihr nicht den geringsten Zwang auf, so daß ihre Herrin es vorzog, sie wieder fortzuschicken. Cydippe machte ihrem Geliebten Vorwürfe darüber, wogegen er anführte, sie brauchten eine Vertraute, obwohl er im Grunde nur die Absicht hatte, seine Geliebte vor der Dienerin herabzusetzen, um sie ganz unterzuzwingen. Sein niedriger und erbärmlicher Charakter rühmte sich noch dieses elenden Vorgehens, wenn er mit seinen Freunden beisammen war, oft sagte er zu ihnen:

»Sie ist eine alte Närrin. Solche Weiber muß man kirre machen, indem man ihren Ruf und hauptsächlich ihre Börse angreift, dann werden sie endlich sehen, was sie wert sind. Ich verfolge dabei noch einen sehr philosophischen und nützlichen Zweck! Ich will dadurch unsere jungen Damen weniger spröde und mehr zugänglich machen: sie halten sich alle für göttliche Wesen, und da muß man ihnen zeigen, daß die schönste Rose eine ... (ein häßliches Wort) werden kann, bisweilen sehr schnell! Indem ich Frau de F** erniedrige, die noch schön, voller Anmut und begehrenswert ist, die es noch mit manchem Mädchen von zwanzig Jahren aufnehmen kann, erschrecke ich die Prüden und mache sie bescheiden. Der Staat müßte mich, meine Freunde, für meine Haltung belohnen, die ihr für verbrecherisch haltet.«

So also war der Mann, dem die arme Cydippe sich hingab, von einer heftigen, unbekannten und willenlosen Leidenschaft fortgerissen.

Nachdem Caulette Cydippe davon überzeugt hatte, daß ihnen eine Vertraute nötig sei, zog er sich sehr befriedigt von diesem Schritt zurück, der sie unter die Abhängigkeit ihrer Zofe brachte, von der er, da sie jung und schön war, noch vieles erhoffte. Die nächsten Tage suchte er sich seine Stellung noch mehr zu sichern, indem er Frau de F** im Beisein Toinettes mit der größten Ungeniertheit behandelte. Er erwiderte auf ihre Einwände, man müsse sich abstumpfen und zeigen, daß man vor nichts Furcht habe. Nur dadurch könne man das Mädchen in Schranken halten und ihrer Verschwiegenheit sich versichern, wenn sie aber annehmen könnte, daß man sie fürchte und vor ihr die Liebesszenen zu verbergen suche, so würde sie sich berechtigt glauben, über alles, was sie durch Überraschung erfahren würde, sprechen zu dürfen. Cydippe fügte sich nur schwer solchen Vernunftgründen, die nur darauf ausgingen, sie alle Scham beiseite setzen zu lassen, aber sie konnte nicht mehr in sich selbst die nötige Widerstandskraft finden. De Caulette begriff, welche Macht er über sie gewonnen hatte und zögerte nun nicht länger, sie auszuüben. Seine Absicht war, Frau de F** Toinettes Jungfernschaft mit klingender Münze bezahlen zu lassen. Er wollte der Zofe eine so behagliche Lage schaffen, wie ihre Herrin sie genoß, und sie dann den Dienst aufgeben lassen, sobald er Cydippe nicht mehr nötig hatte.

Demgemäß fing er an, von Cydippe unter verschiedenen Vorwänden Geld zu entlehnen. Nur ihrer Liebe lebend, setzte die freigebige Frau ihrer Aufopferung für den Geliebten keine Schranken. Sie gab ihm alle ihre sehr beträchtlichen Ersparnisse. Als diese verbraucht waren, wandte sie sich unter allen möglichen Vorwänden um Geld an ihren Gatten, der ihr zuerst auch bereitwilligst alles gewährte. Als es sich aber um immer größere Summen handelte, öffnete er die Augen und wurde vorsichtiger. Er wollte näheres über die Verwendung der Gelder wissen und verweigerte schließlich jede weitere Zahlung, da ihm die angeführten Gründe nicht stichhaltig erschienen. Da bestahl sie ihn.

Wo blieben die Gelder, die der galante Schurke seiner Geliebten erpreßte?

Caulette hatte seine Augen auf Toinette geworfen. Doch hatte dieses Mädchen, obwohl sie sehr auf ihren Vorteil bedacht war, wie alle Mädchen vom Lande, auch ihre guten Seiten. Sie stand nicht mehr auf seiten Caulettes, seitdem sie die Gemeinheit seines Vorgehens bemerkt hatte, und litt darunter, ihre Herrin in den Händen eines Mannes zu wissen, der mit dem Übergewicht, das er über sie gewonnen hatte, Mißbrauch trieb. In dieser Stimmung befand sie sich, als Caulette ihr Anträge machte. Das junge Mädchen beschloß, sich ihrer Herrin nützlich zu erweisen, sollte auch ihr eigener Ruf dabei geschädigt werden. Sie wies den Mann, den sie zu verachten begann, nicht ab, schien ihn sogar mit Teilnahme anzuhören. Sie zeigte sich sehr gierig nach Geschenken und ließ ihn für die Zukunft alles hoffen, wenn er ihre Wünsche befriedigen würde. An dem Vorgehen Caulettes gegen ihre Herrin nahm sie sich ein Beispiel, sie verlangte von ihm Geld für alles mögliche und betonte, daß sie ihre Zukunft erst sicher gestellt wissen wolle, bevor sie ihm ihre Ehre zum Opfer brächte und sich dadurch jeder Gelegenheit beraube, eines Tages heiraten zu können. Caulette brannte vor Begier, sie zu besitzen, einmal weil sie begehrenswert war, und dann in dem Gedanken, eines Tages die Verachtung, die er Cydippe bezeigen wollte, sobald sie sich weigerte, seine Launen zu befriedigen, dadurch noch schmerzlicher zu gestalten. Er erfüllte daher Toinettes Wünsche, und obgleich er die niedrige Gesinnung besaß, einen Teil des erpreßten Geldes für seinen eigenen Gebrauch zu verwenden, so sackte sie doch wenigstens drei Viertel davon ein. Bisweilen drängte sie ihn sogar, ganz unverschämte Forderungen zu stellen, worauf er mit wahrhaft boshaftem Vergnügen einging, denn der Gedanke, daß er seine alte Geliebte quäle, um ihre jugendliche Zofe zu befriedigen, war seinem scheußlichen Charakter eine Wonne. Toinettes Zweck bei ihren wiederholten übermäßigen Ansprüchen war, Cydippe endlich die Augen zu öffnen, aber dies gelang ihr nicht.

Um diese Zeit erhielt Herr de F** einen bedeutenden Posten, der seinen ständigen Aufenthalt in der Hauptstadt erforderte. De Caulette kaufte sich auf Drängen Cydippes ebenfalls ein Amt, so daß also alle nach Paris übersiedelten. Dort wollte Caulette Cydippe erst recht auf Abwege führen. In Paris, wo ein gewisser Grad von Gleichheit herrscht, der den Untergebenen von gewissen Rücksichten gegen seine Vorgesetzten zu entbinden scheint, auf die man in der Provinz noch etwas hält, hing de Caulette nicht mehr so sehr von Herrn de F** ab.

Als man sich in dem neuen Heim in der Hauptstadt eingerichtet hatte, in der für Cydippe Gefahren drohten, weil sie sie zu spät kennen lernte, und wo Toinette im Gegenteil an Eleganz und Frische gewann, da verdoppelte Caulette seine Angriffe auf letztere, demgemäß auch auf Cydippes Börse. Es dauerte denn auch nicht lange, so merkte Herr de F**, daß sein Geldschrank bestohlen wurde. Er machte sich nun einige Zeichen, nach denen er die Höhe der verschwundenen Summen feststellen konnte, er paßte auf und erwischte endlich – seine Frau. Er machte ihr ernstliche Vorwürfe, begnügte sich aber damit, überall Sicherheitsschlösser anzulegen, so daß jeder weitere Diebstahl unmöglich wurde. Toinette aber gab nicht nach, ja sie verlangte gerade in diesem Augenblicke eine bedeutende Summe, die sie durchaus haben müßte. De Caulette, der zu diesem Zweck eine Frau martern mußte, die er mit Vergnügen peinigte, um sie dafür zu züchtigen, daß sie ein solches Scheusal wie ihn liebte, wandte die stärksten Mittel an, um sich das Geld zu verschaffen. Er warf gemeinerweise Cydippe vor, sie sei daran schuld, daß er einen Teil seines Vermögens geopfert habe, um nach Paris überzusiedeln und ihre Liebeswut zu befriedigen, und dergleichen mehr. Cydippe hätte ihm erwidern können, daß es in Paris noch andere Männer außer ihm gäbe, aber sie liebte ihn noch immer, sie versprach, tat, was in ihren Kräften stand, konnte aber ihr Versprechen nicht halten.

Nun hatte sie von seiner Seite den blutigsten Schimpf zu erdulden. Er kam zu ihr, zog die Fenstergardinen zu und schrie sie zornig an, obgleich er bis auf die andere Seite der Straße gehört werden konnte. Cydippe weinte. Anstatt sich durch ihre Tränen rühren zu lassen, nannte er sie eine alte Närrin, packte sie in schamlosester Weise bei offenen Fenstern an und sagte, er wolle sie vor aller Welt als das zeigen, was sie sei. Cydippe flehte verzweifelt das Ungeheuer an, sie zu schonen, er ließ aber erst von ihr ab, als sie ihm genügend Diamanten und Schmuck ausgeliefert hatte, um die Summe zu decken, die ihr Henker verlangte. Diese Gegenstände brachte er sofort zu Toinette, die über sein Vorgehen innerlich so empört war, daß sie kaum ihre Selbstbeherrschung bewahren konnte. Aber das sollte sein letzter Streich sein, denn sie hatte sich vorgenommen, sobald sie die verlangte Summe in Händen hatte, ihrer Herrin alles zu entdecken und sie dadurch zu heilen. Die Schmuckgegenstände sollten ihr noch besser dazu helfen als Geld, da sie noch stärkere Beweisgründe waren.

Sie erwartete mit Ungeduld den Augenblick, wo sie ihre Herrin sprechen, aufklären und sie zum notwendigen Bruche mit Caulette geneigt machen könnte, als man einen Besuch ankündigte, der ihr viel Freude machte, den des Herrn R**, des jungen Mannes, der Cydippe so innig geliebt hatte, gegen dessen Liebe diese aber unempfindlich geblieben war. Frau de F**, die sie fragte, ob sie ihn empfangen wolle, schwamm in Tränen und erwiderte, daß sie in diesem Zustande niemand sehen wolle.

»Und warum, gnädige Frau?« fragte darauf die Zofe, »gerade wenn Sie Kummer haben, sollten Sie einen alten Freund empfangen und ihm den Grund Ihrer Leiden anvertrauen!«

»Ach, meine arme Toinette! Davor werde ich mich hüten, mein Kummer ist derartig, daß ich ihn in den tiefsten Tiefen meines Innern verbergen muß!«

»Wer weiß, gnädige Frau! Übrigens werde ich Herrn R** sagen, er möge warten. Versprechen Sie mir nur, ihn später zu empfangen. Ich werde sagen, Sie seien gerade mit Ihrem Gatten beschäftigt.«

Frau de F** war damit einverstanden. Vielleicht hoffte sie noch, bei ihrem ehemaligen Verehrer einige seiner ersten Gefühle für sie wiederzufinden, die ihrem erniedrigten Gemüt zu schmeicheln und ihr einige Selbstachtung wiederzugeben vermocht hätten.

Toinette kam zurück und sagte zu Herrn R**:

»Madame ist mit dem gnädigen Herrn beschäftigt. Sie ersucht Sie, sich einen Augenblick zu gedulden und wird Sie dann mit Freude empfangen.«

»Auch ich wünsche lebhaft, sie wiederzusehen.«

»Sie sind traurig, Herr R**?«

»Ich habe große Teilnahme für Frau de F**.«

»Und das stimmt Sie traurig?«

»Ich kann darüber nur mit ihr selbst sprechen, liebe Toinette.«

»Vielleicht auch mit mir, Herr R**... Wenn ich nur ungefähr wüßte, was Sie auf dem Herzen haben, dann könnte ich Ihnen auch etwas mitteilen.«

»Nun, Sie wissen doch zweifellos, wie sie mit Herrn de Caulette steht?«

»Leider ja.«

»Der ist ein gemeiner Verbrecher. Er rühmt sich ... leider vielleicht mit Recht ...«

»Warten Sie, Herr R**, Sie werden Madame gleich sehen, ich zweifle nicht daran, daß Sie hergekommen sind, um ihr zu helfen?«

»Ganz gewiß will ich das.«

»Nun, dann müssen Sie ihr offen erklären: de Caulette ist ein Scheusal, der die gnädige Frau hintergeht, entehrt und sie auf alle Weise ruiniert ... Er zieht ihr heraus, was er kann, er hat ihr alles genommen, er hat sie dahin gebracht, ihren Mann zu bestehlen ... gerade erst hat sie ihm ihren Schmuck und ihre Diamanten gegeben, und diese sind in dem Augenblick, wo ich mit Ihnen spreche, mit all dem übrigen Gelde in der Hand eines Mädchens, das dieser Unmensch mit dem Gelde der Gnädigen bezahlt.«

»Sind Sie dessen, was Sie da sagen, vollkommen sicher?«

»So wahr ich lebe, ich habe selbst gesehen, wie er ihr die Sachen gab.«

»Dann habe ich keinen Einwand mehr. Ich denke, Toinette, Sie lieben Ihre Herrin, und ich schätze Sie darum um so mehr, je seltener man heutzutage diese Eigenschaft bei Ihresgleichen antrifft.«

»Ja, besonders wenn sie Verehrer haben, die sie ihrer Geliebten vorziehen!«

»Ah! beste Toinette, ich glaube, ich ahne die Wahrheit! Wenn es so ist, wie ich vermute, dann sind Sie ... das ehrenwerteste Geschöpf Ihres Geschlechts.«

»Ich bitte Sie nur um eines, Herr R**, setzen Sie alles daran, um das Verhältnis meiner guten Herrin mit diesem Scheusal zu lösen. Sollten Sie meiner dazu bedürfen, so brauchen Sie mich nur zu rufen. Aber überstürzen Sie nichts, denn im Besitz meines Geheimnisses kann ich ihr jederzeit dienlich sein, kommt aber alles zur Unzeit heraus, so verliere ich für die Folge meine Beweismittel.«

»Ich interessiere mich für Ihre Herrin, Toinette, denn eine Frau, für die man einmal im Leben Liebe gefühlt hat, wird einem niemals ganz gleichgültig, wofern sie nicht in die niedrigsten Laster verfällt. Dann allerdings löschen Empörung und Verachtung den letzten Funken des göttlichen Feuers aus, das sie in uns entzündet hatte. Ich bin gekommen, ihr zu dienen und ihr über die Niedertracht eines Mannes die Augen zu öffnen, den sie mit ihrer Freundschaft beehrt. Er verschreit sie überall und rühmt sich zu großer und empörender Scheußlichkeiten, als daß sie glaubhaft seien.«

In diesem Augenblick hörte Toinette ihre Herrin im Zimmer auf und ab gehen und ging daher zu ihr, um sie an die Anwesenheit des Herrn R** zu erinnern. Cydippe ließ ihn zu sich bitten. Sie schlossen sich ein.

»Sie glauben nicht, wie es mich freut, Sie wiederzusehen«, hub Cydippe an. »Sie sind für mich jetzt ein alter, erprobter Freund.«

»Das bin ich, gnädige Frau, und ich bin hergekommen, um Ihnen das zu beweisen.«

»Ich vermutete es.«

»Ihr Glaube schmeichelt mir und läßt mich hoffen, daß es mir gelingen werde, Sie ... Nur in Ihrem Interesse komme ich zu Ihnen, gnädige Frau. Man sagt, Sie stehen in einem engen Verhältnis zu Herrn de Caulette.«

»Ja, und ich rühme mich dessen.«

»Ihre Antwort überrascht mich, gnädige Frau! Ich hatte mich stets geweigert, den Gerüchten Glauben zu schenken.«

»Und warum, Herr R**?«

»Weil er selbst in der gemeinsten Weise darüber Bemerkungen machte, die ...«

»Halten Sie ein, Herr R**, ich dulde nicht, daß man einen Freund verleumdet!«

»Ich verleumde nicht, gnädige Frau, und bin bereit, Ihnen hundert Zeugen dafür beizubringen, daß er täglich im Kreise seiner Freunde die schimpflichsten Bemerkungen über Sie macht.«

»Wie weit doch die Eifersucht jemanden treiben kann! Wie, Herr R**, solche Umwege braucht Ihre Liebe zu mir, um einen Gegner unschädlich zu machen? Ich hielt diese Liebe nach meiner Haltung gegen Sie für erloschen, jedenfalls aber habe ich gedacht, Sie hatten einen edleren Charakter!«

»Madame, gestatten Sie mir, Ihnen darauf zu antworten. Nicht aus Eifersucht handle ich, sondern aus lebhafter Teilnahme für alles, was Sie angeht. Ich empfinde keine Liebe mehr für Sie, da ich eine andere liebe. Ich kann daher in Caulette keinen Nebenbuhler erblicken. Ich bin höchst überrascht, gnädige Frau, über die Sprache, die Sie fuhren, und die Sie nicht führen würden, wenn Sie den Menschen kennten, der sich schmählich an Ihnen versündigt. Ich kann Ihnen Zeugen dafür anführen, daß er Sie in gemeinster Weise beschimpft, erst vor wenigen Minuten – und das ist der Grund, warum ich nicht länger zögerte, Sie aufzusuchen – hat er sich gerühmt, Sie hier, in Ihrer Wohnung mit der äußersten Verächtlichkeit behandelt zu haben bis zur ... ich wage die infamen Ausdrücke nicht zu wiederholen. Ebenso hat er Ihnen eben erst Ihre Schmucksachen abgeschwindelt. Der Ausdruck ist stark, aber noch nicht einmal stark genug!«

»Oh! Wie man doch in alles Gift träufelt!« rief Frau de F** gezwungen lachend aus, »das war nur ein Spaß: diese vermeintlichen Schmucksachen sind nur Tand, den er sich von mir für einen Ball entlehnt hat. Aber denken Sie nur, was daraus entstanden wäre, wenn Sie das einem anderen erzählt hätten, was würde man von mir glauben!«

R** war sprachlos über diese Antwort und schloß daraus, daß Cydippe, wie alle Frauen, die von einer späten Leidenschaft befallen werden, ganz und gar verhext sei, oder daß sie für ihre Haltung Gründe habe, die Toinette unbekannt seien. Er hätte sich gern erst noch weiter mit letzterer auseinandersetzen wollen, aber konnte er die Antworten voraussehen, die er erhalten würde? Er bemerkte schließlich:

»Gnädige Frau, ich will wünschen, daß es so ist, wie Sie sagen, fürchte aber, daß Sie sich einer Selbsttäuschung hingeben! Jedenfalls bitte ich Sie, davon überzeugt zu sein, daß nichts anderes als die reinste Teilnahme für Sie mir die Zunge gelöst hat. Herr de Caulette verlästert Sie überall und erzählt, daß er Ihnen Gelder abnehme, um damit eine jüngere Geliebte zu unterhalten ...«

»Eine jüngere ...«

»Er sagt so, gnädige Frau!«

»Oder Sie sagen so ...«

»Wie es Ihnen beliebt, Madame. Oh! gnädige Frau! Ich finde Sie so verändert, daß ich Sie nicht wiedererkenne!«

»Sie werden ungezogen Herr R**, ich muß sagen, ich bin überrascht, daß Sie es wagen, hierherzukommen, um mich zu beschimpfen und mich mit meinen Freunden zu entzweien.«

Herr R** sah ein, daß bei solcher Verbohrtheit für ihn nichts zu erreichen war. Er erhob sich daher, machte eine stumme Verbeugung und ging.

Zu Toinette, die ihn hinausgeleitete, sagte er:

»Ihre Herrin ist verloren! Es wird niemals gelingen, ihr die Augen zu öffnen, Caulette allein kann diese Heilung durchführen.«

»Ich habe es gleich gedacht, Herr R**, und habe mein möglichstes dazu beigetragen. Doch bin ich nun am Ende. Dieses Geschenk ist das letzte. Wenn ich nun dem Scheusal jede Hoffnung nehme, dann ist er imstande, mir einen bösen Streich zu spielen, mich zu vernichten, vielleicht des Diebstahls anzuklagen, denn ich bin im Besitz des Schmuckes! Bei der Verblendung, worin, wie Sie sagen, sich meine Herrin befindet, habe ich alles zu befürchten.«

»Ihre Lage ist allerdings schwierig, und ich sehe nicht recht, wie Sie sich aus der Schlinge ziehen können ... Doch warten Sie ab, stellen Sie sich krank, – kurz, wenden Sie Ihren ganzen Scharfsinn an, um Zeit zu gewinnen und, wenn Sie nicht mehr aus noch ein können, eröffnen Sie sich Ihrer Herrin und lassen Sie sich mit ihm erwischen, indem Sie mit ihm ein Gespräch führen, das ihr die Augen öffnet.«

»Sie haben recht, Herr R**, aber helfen Sie mir dabei! Sie kennen den Tölpel Tourangeot, den Diener unseres Herrn, versuchen Sie es, ihn mir auf den Hals zu schicken, wenn Caulette kommt. Ich werde es dann so einrichten, daß er mich mit ihm abfaßt. Sagen Sie ihm, er solle alles meiner Herrin mitteilen, was er hören und sehen werde.«

R** ging darauf ein und traf alle entsprechenden Anordnungen. Er traf Tourangeot an der Haustür, nahm ihn beiseite und beauftragte ihn geheimnisvoll – Dummköpfe fängt man am besten mit Geheimniskrämerei –, alle Gespräche Toinettes mit einem Manne auszuspionieren, den er ihm nur andeutungsweise bezeichnete, was bei Tourangeot viel stärker wirkte, als wenn er ihm einfach den Namen genannt hätte.

Am anderen Morgen gab Tourangeot seinem Herrn zu verstehen, daß er imstande sein würde, ihm sehr wichtige Mitteilungen zu machen, wenn er ihn zu Hause lasse.

Herr de F**, der die Treue und den Eifer seines Dieners kannte, gab ihm unbeschränkte Vollmacht. Caulette stellte sich um elf Uhr ein. Toinette erwartete ihn und bemerkte zu ihrer Genugtuung, daß Tourangeot auf der Lauer lag, danach richtete sie ihre Taktik ein.

»Guten Tag, meine Königin«, begrüßte Caulette sie.

»Ihre Dienerin, Herr de Caulette.«

»Warum so kalt?«

»Wie es sich schickt, mein Herr.«

»Haha! Was bedeutet diese Sprache?«

»Das will ich Ihnen sagen. Empört über die Gemeinheit, mit der Sie sich gegen meine Herrin aufführen, deren Endziel ich begriffen habe, tat ich so, als ob ich Ihre Anträge erhörte, um Ihnen alles wieder abzunehmen, was Sie aus ihr herausgepreßt hatten, und es ihr dann wiederzugeben. Ich habe noch mehr getan: ich habe mir einen einwandfreien Zeugen für meine Aufführung gesichert, einen ehrenwerten, geachteten Mann, Ihresgleichen an Stand, Ihnen aber überlegen an Ehre und Würde. Nun können Sie bei der gnädigen Frau eintreten, aber wagen Sie es nicht, wiederzukommen, denn im Laufe des Tages werden ihr die Augen geöffnet und wird ihr Gemahl von allem unterrichtet werden, und dann, fürchte ich, werden Sie durchs Fenster hinausbefördert werden! Treten Sie also ein, wenn Sie den Mut dazu haben.«

»Das sind ja sonderbare Reden, meine Beste!«

»Es ist die Wahrheit, und ich spreche in Ihrem Interesse. Haben Sie wirklich geglaubt, daß ich einen ebenso schmutzigen Charakter habe wie Sie? Ich hätte ein solches Scheusal erhören sollen, das mich anekelt? Sie, in dem ich nur den Peiniger meiner Herrin erblicke? Glücklicherweise hat sie sich nichts vorzuwerfen, Sie haben nichts bei ihr erreicht, und ihre Ehre ist unangetastet, das weiß ich; aber nun hüten Sie sich! Sie werden dieses Haus nicht ungestraft verlassen, wenn Sie nicht den letzten Augenblick zu Ihrem Heil benutzen. Ich meine, Ihnen diese kleine Warnung für die kleinen Geschenke schuldig zu sein, die Sie Tourangeot und mir gemacht haben, als wir noch in Unkenntnis der Sachlage waren, aber nun sind wir quitt! Alles übrige werde ich meiner Herrin zurückerstatten. Es ist eine anständige runde Summe, natürlich nicht alles, da Sie einen Teil des Geldes für sich verbraucht haben, ich weiß nämlich, wieviel sie Ihnen gegeben hat.«

»Toinette, es kann Sie schwer gereuen, so mit mir gesprochen zu haben! Nehmen Sie sich in acht, mein Kind! Ich sehe jetzt, daß Sie eine Schurkin sind, die mich angeführt hat!«

»Ich fürchte niemanden, Sie am allerwenigsten. Ich bin stets ehrlich gewesen, und was ich getan habe, wird mir zur Ehre gereichen!«

»Ein Wurm wie Sie, kann es mit einem Manne wie ich nicht aufnehmen!«

»Mein bester Herr, verlieren Sie Ihre Zeit nicht! Das Gewitter grollt über Ihrem Haupte!«

»Seien Sie nicht so unverschämt, elendes Geschöpf!«

In diesem Augenblick hörte man Tourangeot husten und in Gelächter ausbrechen. De Caulette hörte es mit sprachlosem Erstaunen. Er wollte gerade antworten, als er flüstern hörte. Um zu sehen, was da vorginge, stieß er die Tür auf und erblickte Tourangeot, der ihn angrinste. Er wollte auf ihn zugehen, als er plötzlich von zwei Männern gepackt wurde, die sich auf ihn warfen. Er erkannte Herrn de F** und Herrn R**. Sie hielten ihn fest und befahlen Tourangeot, ihn zu binden. Dann schleppten sie ihn in das Zimmer Toinettes. Dort sagte Herr de F** zu ihm:

»Elender, jetzt sind wir Herren deines Geschicks. Gestehe oder du bist ein Kind des Todes!«

Toinette befahl er darauf, ihre Herrin zu holen, damit sie, ohne sich zu zeigen, alles hören könnte, und bei ihr zu bleiben.

Herr de F** und Herr R** bedrohten Caulette mit ihren Degen, um ihn zum sprechen zu bringen. R**, der nunmehr von allem unterrichtet war, verhörte ihn bis in alle Einzelheiten. Caulette gestand aus Furcht für sein Leben alles ein. Als er aber Toinette belasten wollte, setzte R** ihm die Spitze seines Degens auf die Brust und legte ihm dadurch Schweigen auf.

Herr de F** war leider schon von dem Treiben seiner Frau unterrichtet und hatte beschlossen, sie durch ihren Mitschuldigen und diesen durch sie selbst zu bestrafen. Er ließ sie eintreten und sagte zornentbrannt zu ihr: »Da ist der Mensch, den Sie so schamlos waren, mir vorzuziehen, der Sie verachtete und Sie verächtlich machte, während Sie sich erniedrigten, indem Sie ihn vergötterten. Er soll durch Ihre Hand den wohlverdienten Lohn erhalten!«

Zugleich erteilte er Tourangeot bestimmte Befehle. Dieser kehrte nach einigen Minuten zurück und hatte ein Eisen in der Hand, wie es die Buchbinder benutzen, um den Einbänden die Titel aufzudrucken. Herr de F** händigte es rotglühend seiner Frau ein und befahl ihr, es dem nackten Oberschenkel de Caulettes aufzudrücken. Als sie dies getan hatte, hielt Tourangeot ihre Hand fest, bis der Verführer vor Schmerz laut aufschrie. Erst dann erlaubte Herr de F**, daß sie das Eisen zurückzog, und nun konnte man das Wort Verführer auf dem Schenkel lesen. Nachdem die Operation beendet war, wurde das Eisen mit anderen Buchstaben versehen, wieder glühend gemacht, und Caulette dann gezwungen, es auf den Oberarm Cydippes zu drücken. Man befahl ihm nicht, es darauf zu lassen, aber der Bösewicht zog es nicht wieder fort. Die empörte Frau rief darauf schmerzlich aus:

»Ah! Elender! Endlich zeigst du dein wahres Gesicht!«

Toinette warf sich beim Schmerzensschrei ihrer Herrin auf ihn und entriß ihm das Eisen. Auf der gebrandmarkten Stelle las man in großen Buchstaben das Wort: Ehebrecherin. Als nun die beiden Schuldigen auf diese Weise bestraft waren, ließ Herr de F** de Caulette durch Tourangeot losbinden, ihn sich ankleiden und von allen seinen Leuten hinausjagen. Cydippe wurde noch am selben Abend in ein Kloster für Büßerinnen gebracht.

Am Tage nach diesen Vorgängen gab Toinette alles heraus, was sie von Caulette erhalten hatte und sagte weinend zu Herrn de F**:

»Ich hatte vor, die Sachen meiner Herrin einzuhändigen, damit sie eines Tages wieder Frieden mit Ihnen schließen könnte.«

»Alles soll dir gehören,« erwiderte Herr de F**.

»Ich will es annehmen,« entgegnete Toinette, »unter der Bedingung, daß ich das Geld meiner Herrin überbringen und ihr auch in Zukunft weiter dienen darf.«

»Nein, es soll deine Mitgift sein.«

»Aber ich nehme es nur unter der gestellten Bedingung an.«

»Gutes Mädchen,« sagte darauf Herr de F**, »was du zu tun entschlossen bist, ändert meinen Willen. Ich liebe dich und wollte dir einen Antrag machen, aber ich fühle, daß ein Mädchen mit deinen Gesinnungen Achtung verdient, und ich lasse dich freie Herrin deiner Entschließungen bleiben.«

Toinette beeilte sich hocherfreut, ihre Herrin aufzusuchen und ihr alles Geld und den Schmuck einzuhändigen. Sie blieb allerdings nur noch kurze Zeit bei ihr, denn Cydippe starb, Verzweiflung im Herzen, schon zwei Monate später. Herr de F**, der große Achtung vor Toinettes Tugend empfand, hielt um ihre Hand an, aber Toinette bat sich Bedenkzeit aus, und die Ehe ist noch nicht geschlossen worden.

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