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Nicolas Edmonde Rétif de la Bretonne: Zeitgenössinnen - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorRetif de la Bretonne
titleZeitgenössinnen
subtitleAbenteuer hübscher Frauen
publisherGeorg Müller
volumeBand 1 + 2
yearvor 1916
translatorHeinrich Conrad
correctorhille@abc.de
senderreuters@abc.de
created20060228
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Der Griesgram.

Es gibt ein Reich, in dem die Frau herrschen soll zu Nutz und Frommen beider Geschlechter: Ihr jugendlichen Schönen! erobert es euch, übt eure Herrschaft darin aus, und ihr werdet zu Wohltäterinnen des Menschengeschlechtes werden.

Ein Landedelmann der Puisaie, eines kleinen, ziemlich armen Landstrichs zwischen den Grenzen des Nivernois, des Berry und Burgunds, besaß eine zahlreiche Familie, acht Töchter und sechs Söhne. Sein ganzes Vermögen bestand aus seinem ziemlich beschränkten Lehensgut, das ihm gerade das zum Leben Notwendige abwarf. In vierzehn Teile geteilt mußte es eines Tages für den einzelnen Erben fast nichts wert sein. Wenn aber fast kein Vermögen vorhanden war, so hatte der brave Edelmann dafür acht schöne Töchter, die schönsten Mädchen der Gegend, vielleicht des ganzen Reiches, und sechs hochragende, herrlich gewachsene Söhne. Fünf von diesen Söhnen waren nach Paris gegangen, um dort ihr Glück zu machen. Da sie für die militärische Laufbahn zu arm waren, hatte der Vater ihnen geraten, sich irgendeinem vornehmen Herrn anzuschließen, der sie beschützen würde. Dies konnte ihnen nicht schwer werden, da sie sämtlich sehr wohlerzogen und von edler Denkart waren. Der jüngste Sohn blieb zu Hause. Die Söhne hatten in Paris das Glück, einem Prinzen vorgestellt zu werden und ihm zu gefallen, der sie anstellte und auf den Weg zum Glück brachte. Die Eltern hatten ihnen ans Herz gelegt, ihrer Schwestern nicht zu vergessen, die ihnen nur Ehre machen würden und ihnen Stellungen bei vornehmen Damen oder gute Partien zu verschaffen. Und die Mädchen hatten ihren Brüdern in Beziehung auf eine Verheiratung unumschränkte Vollmacht gegeben. Alter und Gesicht wären ihnen gleich, wenn nur Reichtum vorhanden wäre, im übrigen würden sie die ihnen Vorgeschlagenen unbesehen nehmen. Von Zeit zu Zeit schrieben sie den Brüdern Briefe, aus denen hervorging, daß sie ihre Ansicht nicht geändert hatten.

Da geschah es, daß der älteste der fünf Brüder sich mit einem Edelmann aus Poitiers namens de Malrepos befreundete, der sehr reich, aber so häßlich, schroff, brutal und griesgrämisch war, daß niemand, außer dem jungen de Saint-Amand, es bei ihm aushallen konnte. seine Brutalität war in seiner Gegend so bekannt, daß es ihm bisher noch nicht gelungen war, eine Frau zu finden. Deshalb war er auch nach Paris gegangen, wo er hoffte, da er dort unbekannt war, sich verheiraten zu können. Er dachte nicht, daß die Ehe seinen angeborenen Charakterfehler noch verschlimmern könnte, so wie zu starke Speisen das Fieber erhöhen.

Er hatte kurz nach seiner Ankunft in Paris in einem befreundeten Hause die Bekanntschaft des ältesten Saint-Amand gemacht. Der Griesgram wurde von der Anmut und dem schönen Gesicht des jungen Mannes zu ihm hingezogen, und bald waren die beiden unzertrennliche Freunde geworden, »Warum sind Sie keine Frau!« sagte eines Tages de Malrepos zu ihm.

»Dem kann abgeholfen werden,« erwiderte de Saint-Amand, »ich habe eine Schwester, die achtzehn oder neunzehn Jahre alt ist und mir Zug um Zug gleicht, nur daß ihre Züge natürlich mädchenhaft verfeinert sind.«

»Hat sie auch Ihren guten Charakter?«

»Sie hat den sanften Charakter ihres Geschlechts, sie ist wirklich in jeder Weise vollkommen, nur einen Fehler hat sie, sie ist arm.«

»Bah, mein Bester,« rief da de Malrepos, »glücklicherweise bin ich in der angenehmen Lage, deiner trefflichen Schwester ein Vermögen anbieten zu können! ... Ich habe einen widerwärtigen Charakter, alle Weiber in meiner Gegend haben mich im Magen, weil man ihnen vorgeredet hat, mit mir könne man nur unglücklich werden. Wenn aber deine Schwester so ist, wie du sie schilderst, dann stehe ich für ihr Glück ein. Wann reisen wir hin?«

»Du hast doch noch Geschäfte hier zu erledigen?«

»Ich lasse alles im Stich.«

»Das darfst du nicht. Wir wollen mit unserer Reise noch einen Monat warten. Bis dahin können wir unsere Angelegenheiten ordnen, dann reisen wir.«

Der ungeduldige Malrepos fügte sich nur schwer dieser vernünftigen Anordnung.

Saint-Amand schrieb noch am gleichen Tage an seine Eltern, er habe eine gute Partie für eine der Schwestern und sie möchten ihm, da man den Geschmack eines Mannes nicht vorher beurteilen könne, lieber die beiden ältesten, anstatt nur einer, nach Paris schicken, er werde sie nicht bloßstellen, vielmehr so vorsichtig zu Werke gehen, daß er sicherlich Erfolg haben werde. Sobald er eine Antwort im bejahenden Sinn erhalten hätte, würden zwei von den Brüdern sie sofort abholen, damit ihnen auf der Reise nichts zustieße.

Die Eltern waren hocherfreut über die gute Nachricht, und zehn Tage später waren die Mädchen in Paris.

Zwei Tage nach ihrer Ankunft hatte Saint-Amand seinen Freund, den Griesgram, zum Abendessen eingeladen. Die Mädchen hatten sich in Paris schon eingelebt, nur etwas gebräunt waren ihre Gesichter noch, was ihnen aber ein Aussehen von Gesundheit verlieh. Am selben Tage hatte Malrepos mit seinem Hauswirt einen heftigen Streit gehabt, er würde ihn zum Fenster hinausbefördert haben, wenn nicht zum Glück für den Wirt die Saint-Amands gerade dazugekommen wären und den Wirt aus den Händen des Wüterichs befreit hätten. Der Wirt war allerdings im Unrecht, aber man brauchte ihn deswegen doch nicht gleich totzuschlagen. Nachher weinte Malrepos darüber, daß er sich so weit hätte hinreißen lassen. Sein Freund tröstete ihn und lud ihn zum Abendessen ein. Inzwischen blieben die Brüder bei ihm, und dann gingen alle zusammen ins Théâtre Français, wo der Roi de Cocagne gegeben wurde. Sie saßen in einer Loge des zweiten Ranges, und in der Loge ihnen gegenüber saßen zwei allerliebste junge Mädchen, die einer der Saint-Amands grüßte. Der Griesgram sah mit großem Interesse zu ihnen hinüber und fragte dann, wer sie seien.

»Es sind die Töchter eines Landedelmannes aus unserer Gegend, der sie hierher zu Verwandten geschickt hat.«

»Sie sind wirklich reizend!«

»Findest du?« fragte der älteste Saint-Amand.

»Ich habe niemals schönere Mädchen gesehen.«

Nach dem Theater führten die Saint-Amands den Griesgram in ihr Haus, das sie gemeinschaftlich bewohnten. Als Malrepos eine große gedeckte Tafel vorfand, die auf ein großes Souper schließen ließ, bemerkte er:

»Jetzt bin ich wirklich froh über den Auftritt mit meinem Wirt, da er zu einem so angenehmen Abend geführt hat.« Man ging zu Tisch, der für acht gedeckt war.

»Sie erwarten noch Gäste?« fragte Malrepos.

»Ja, die beiden jungen Damen, die dir im Theater so gut gefallen haben.«

»Wie? Was? Wie ist das möglich?«

»Es sind unsere Schwestern.«

»Oh, lieber Freund!« rief da der Griesgram, den ältesten der fünf Brüder in seine Arme schließend, »sie sind reizend!« In diesem Augenblick führte der jüngste der Brüder die Schwestern herein. Anna, die ältere, war eine stattliche Brünette, groß, von herrlichem Wuchse, mit sanften blauen Augen, Céline, die jüngere, hatte ein mehr ovales Gesicht, ein kleines Stupsnäschen, aschblonde Haare, ihr Gesicht war weniger schön als das ihrer Schwester, aber so hübsch und anmutig, daß man nicht wußte, welcher von beiden man den Vorrang geben sollte. Malrepos entschied sich jedoch für die ältere, weil sie ihm sanftmütiger vorkam, während Céline ihm lebhafter, mutwilliger und mehr zu lustigen Streichen aufgelegt erschien, er sah aber ein, daß zu seinem Charakter eine geduldübende Frau besser paßte. Bei Tisch betrugen sie sich jede ihrem Charakter entsprechend: Céline entzückte durch ihr heiteres Wesen, Anna oder Annette, wie man sie nannte, war ernster, legte aber in ihr Lächeln so viel Anmut, daß der Griesgram nur für sie Augen hatte. Sie antwortete auf die Fragen ihres ältesten Bruders, den sie vor allen anderen liebte und der ihr Ebenbild war, mit soviel Bescheidenheit und Klugheit und mit einer so zu Herzen gehenden Stimme, daß Malrepos seinem Charakter entsprechend ganz aus dem Häuschen geriet und ihr am liebsten zu Füßen gefallen wäre. Man sah, daß er sich ihr von der besten Seite zeigen wollte, wenn er ihr aber etwas Angenehmes sagen wollte, so kam das stets ungeschickt und brutal heraus. Die Brüder sagten nichts dazu, sie waren überzeugt, daß Anna für Malrepos paßte, und, wenn sie ihm gefiele, es ihr schon gelingen würde, den rauhen Stein zu schleifen und aus dem Grobian einen liebenswürdigen Mann zu machen. Nach Tisch konnte Malrepos sich kaum von ihr trennen, und man bemerkte deutlich, daß er, obwohl er ihr gegenüber eine zurückhaltende Miene annahm, bis über die Ohren in sie verliebt war.

Als er fort war, sagte de Saint-Amand zu seiner Schwester: »Das ist also die Eroberung, die du gemacht hast, Schwesterchen, was meinst du dazu?«

»Sie scheint nicht sehr angenehm, aber jedenfalls gut zu sein.«

»Das ist auch meine Meinung. Aber stößt er dich ab?«

»Das nicht, denn der Freund meines Bruders kann nur ein Ehrenmann sein, und das ist mir genügend.«

»Ich bürge für ihn, aber kannst du mir die Versicherung geben, daß du mit ihm nicht unglücklich werden wirst?«

»Die Versicherung gebe ich dir, ein Gatte, den du mir ausgesucht hast, wird auf alle Fälle doch einige gute Seiten haben, die mir gefallen werden, und ein Geschenk, das du mir machst, wird mir stets teuer sein und erscheint mir dadurch an sich schon schön.«

»Ich kann also vorgehen?«

»Ja, aber wende im Interesse einer geliebten Schwester alle Umsicht an, die deine Liebe zu mir dir eingeben wird.«

»Das werde ich, Annette. Ich kenne deinen Charakter, Schwesterchen, und dein gutes Herz. Du bist die rechte Frau für meinen Freund. Ich will damit nicht sagen, daß er auch der rechte Mann für dich ist, aber du hast das Zeug dazu, mit jedem Mann glücklich zu werden, oder was beinahe dasselbe ist, jeden Mann glücklich zu machen. Indem wir, liebe Schwester, so handeln, wie wir beabsichtigen, werden wir in uns selbst eine große Befriedigung finden, eine größere, als wenn alle Vorteile dieser Heirat nur uns zugute kämen, denn man muß auch etwas für seine Freunde zu tun wissen, wenn man das Herz auf dem rechten Fleck hat, sonst wäre man ja nur ein elender Egoist.«

»Ich verspreche dir volle Hingabe. Und nun handle, Du vertrittst hier an mir Vaterstelle, ich werde deinen Anordnungen blinden Gehorsam leisten.«

Alle Geschwister lobten einmütig die vernünftigen Ansichten Annettes, und Céline versicherte, daß sie in einem ähnlichen Falle ebenso handeln würde, da die Brüder sicherlich nur das Beste wollen würden.

Am nächsten Morgen empfing der Griesgram seinen Freund sehr freundlich, aber etwas zugeknöpft. Sie sprachen zuerst über gleichgültige Dinge, bis Malrepos plötzlich ohne jeden Übergang bemerkte:

»Weißt du, daß deine Schwester alles übertrifft, was du mir über sie gesagt hast?«

»Ich freue mich, daß du von Annette eine so gute Meinung bekommen hast.«

»Sie ist die Vollendung selbst.«

»Desto besser!«

»Desto schlimmer, willst du sagen. Denn eine Frau wie sie würde mich am Gängelbande führen, und das liebe ich nicht!«

»Darin irrst du, lieber Freund. Du kennst meine Schwester nicht. Sie ist das sanftmütigste, gefügigste Geschöpf auf der Welt.«

»Das glaube ich wohl, aber ich würde sie anbeten und ihr das zeigen. Sie würde mich dann in der Tasche haben, und alle meine Bekannten, die ganze Provinz würde mich auslachen. Höre mich an, lieber Freund. Ich möchte dein Schwager werden, daran liegt mir viel, und ich will eine von deinen Schwestern heiraten, aber gerade nicht die, die mir am meisten gefällt.«

»Welch eine tolle Idee!«

»Ich weiß es, aber das ist für meine Ruhe notwendig. Annette ist meinem Herzen teuer. Wenn sie meine Schwägerin wird, dann werde ich für sie jede Aufmerksamkeit haben und ihr jede Gefälligkeit erweisen, wie mein Herz es mir vorschreibt. Würde sie aber meine Frau werden, dann müßte ich sie brutal behandeln, um nicht als Sklave vor ihr zu kriechen, wie der törichteste aller Pariser Ehemänner.«

Saint-Amand erwiderte lachend:

»Du bist wirklich ein Original! Aber du gefällst mir so. Sprich mit meinen Schwestern und suche dir eine aus. Allerdings will ich nicht behaupten, daß Céline ja sagen wird, und ich möchte auch nicht, daß du Annette vernachlässigst, bevor du ihren Charakter zu würdigen gelernt hast. Laß dir Zeit und komm jeden Tag zu uns. Ich hoffe dann, daß meine liebe Schwester dir andere Gedanken beibringen wird, denn sie ist so gut und Sanftmütig ...«

»Die liebe, gute Annette!« unterbrach ihn Malrepos unwillkürlich, »aber heiraten will ich sie nicht, nein! Ich würde sie vergöttern, und dann wäre ich ein verlorener Mann! Aber Céline, mein Bester, das wäre ein ander Ding.«

»Also, besuche uns, willst du?«

»Von Herzen gern, alle Tage!«

Beim Essen kam Malrepos wieder mit den Schwestern zusammen und konnte sich nicht enthalten, Annette auszuzeichnen. Seine Gefühle für sie waren in seinen Augen und in seinen Bewegungen zu lesen, aber seine Worte richtete er ausschließlich an Céline. Nach Tisch nahm er seinen Freund beiseite und äußerte zu ihm:

»Ich habe mich entschieden.«

»Ich freue mich dessen, denn ich wünsche unsere Verschwägerung.«

»Ich heirate Céline, sobald du es wünschest.«

»Gut, ich werde an meine Eltern schreiben und sie bitten, herzukommen, oder mir Vollmachten zur Verheiratung ihrer Ältesten zu schicken.«

»Wie? ihrer Ältesten?«

»Natürlich mußt du Annette heiraten, weil du sie liebst.«

»Bei Gott, ich liebe sie und werde sie aus eben diesem Grunde nicht heiraten.«

»Nun, dann werde ich um Vollmacht wegen der beiden Schwestern schreiben, du kannst dich dann immer noch entschließen.«

Die folgenden Tage besuchte Malrepos die Schwestern seines Freundes lieber zweimal als einmal am Tage, und nach jedem Besuch war er mehr in Annette verliebt und desto mehr entschlossen, Céline zu heiraten. Die letztere war in der Tat auch reizend, machte aber dabei einen weniger herrischen Eindruck und schien ihm daher weniger gefährlich für seine Ruhe zu sein.

Inzwischen floß die Zeit dahin, und die Eltern kamen nicht. Sie hatten auf die Nachricht des Sohnes von der sonderbaren Wahl des Freiers beschlossen, ihr Kommen noch hinauszuschieben, um ihm noch weitere Gelegenheit zu geben, sein Herz zu prüfen, bis die Stunde der Eheschließung gekommen sein würde. Ihr Sohn war übrigens davon, daß Malrepos Annette heiraten würde, so fest überzeugt, daß er für sie das Kleid anfertigen und auf ihren Namen das Aufgebot machen ließ. Endlich sollte die Hochzeit am nächsten Tage stattfinden.

Da sagte sein Freund zu ihm:

»Lieber Malrepos, nun wären wir so weit. Befrage noch einmal dein Herz, ehe es zu spät ist.«

»Ich bin fest entschlossen, Céline zu meiner Frau zu machen.«

»Aber dabei liebst du Anna?«

»Das gesteh' ich ein, doch fürchte ich eben, sie nicht glücklich machen zu können.«

»Das ist alles schön und gut, aber wenn du sie wahrhaft liebst, kannst du dessen gewiß sein, daß du auch ihr Glück machen wirst.«

»Nein, das wird mir nicht möglich sein.«

»Nun, in diesem Falle werde ich sie veranlassen, sich für einen anderen zu entscheiden, der auch um ihre Hand angehalten hat.«

»Ja ... gewiß ... das kannst du tun.«

»Es ist ein sehr liebenswürdiger, verdienstvoller Mann, der sie anbetet.«

»Kennt sie ihn?«

»Nicht nötig! Darin verläßt sie sich ganz auf mich.«

»Es ist eine gute Partie?«

»Eine ausgezeichnete!«

»Ist's ein Mann von guten Sitten? Darauf muß man hauptsächlich achten.«

»Ich stehe für ihn ein.«

»Ach, dieser Mann wird ihren Wert nie so erkennen wie ich!«

»Doch, doch, ich versichere dir, er ist entzückt von ihr.«

»Wo hat er sie gesehen?«

»Hier bei uns. Er kommt täglich her.«

»Habe ich ihn schon hier gesehen?«

»Das kann sein, ich weiß es aber nicht bestimmt. Jedenfalls würde er nicht dein Freund sein wollen.«

»Warum nicht?«

»Weil er in dir den Feind seines Glückes sehen würde.«

»Wie? Das verstehe ich nicht.«

»Ich glaub's. Du kennst dich selber nicht und weißt nicht, was du willst. Annette werde ich jedenfalls mit diesem Herrn verheiraten. Danach kannst du in deinem Herzen lesen, aber was wird dann die Folge sein?«

Malrepos schüttelte mit einer Art Ungeduld den Kopf. Einige Augenblicke vor dem Unterzeichnen des Ehevertrages fragte er Saint-Amand:

»Aber könnte ich denn nicht einmal den Mann sehen, der Annettes Hand wünscht?«

»Gewiß, du hast nur zu befehlen. Es ist ein stattlicher Mann, der ihre Gegenliebe erwecken wird, sobald er es will, dessen bin ich gewiß. Doch wir werden erwartet, um den Vertrag zu unterzeichnen. Gehen wir?«

»Noch einen Augenblick: Annette ist wirklich bezaubernd!«

»Ja, aber jetzt ist's für dich etwas spät, daran zu denken. Das Aufgebot Annettes mit ihrem Geliebten ist bereits veröffentlicht, und der Ehevertrag liegt bereit.«

»Bereit zur Unterschrift?«

»Ja, die Hochzeit soll morgen stattfinden.«

»Morgen schon? ... Oh, lieber Freund, das ist Verrat!«

»Inwiefern? Denkst du denn daran, meine beiden Schwestern zu heiraten?«

»Nein, aber das mit Annette ist doch etwas zu schnell gegangen! Und ich glaube wahrhaftig, ich bin eifersüchtig.«

»Du bist mein bester Freund, sprich, was willst du?«

»Sage, würdest du mit dem anderen Bewerber brechen?«

»Das kann ich nicht versprechen, aber vielleicht könnte man tauschen?«

»Ah! Du gibst mir das Leben wieder!«

»Aber da muß ich vorher erst mit denen, die es angeht, sprechen.«

»Bester, liebster Freund, tu' das und hoffentlich mit Erfolg! Denn meine Ruhe, mein Glück, mein Leben hängt davon ab!«

Saint-Amand benachrichtigte sofort seine Schwester von dem Umschwung in den Absichten ihres Verehrers. Céline war nicht böse darüber, und Annette... war sehr zufrieden, denn der Griesgram mißfiel ihr durchaus nicht. Saint-Amand kehrte also zu seinem Freunde zurück und sagte zu ihm:

»Es gibt nur ein Mittel, dir dienlich zu sein: wir unterzeichnen sofort deinen Vertrag, in den ich Annettes Namen setzen lasse, und heute abend schon ist die Hochzeit. Dein Rivale kann dann morgen tun, was er will. Céline ist mit allem einverstanden, und die arme Annette ist ein zu gutmütiges Lamm, das keinen Willen hat.«

Malrepos schloß seinen Freund wohl zehnmal in seine Arme und bezeigte eine Freude, die letzteren in Erstaunen setzte. Man unterzeichnete, und dann ging der Griesgram fort, um sich für die Feierlichkeit vorzubereiten. Er kam um zehn Uhr wieder, dann wurde bis um Mitternacht gespeist, und nun fand die Feier statt. Alles geschah in großer Hast, und Malrepos war von einer solchen Unruhe erfaßt, daß er kein Wort hervorbringen konnte. Von der Kirche fuhr er mit seiner jungen Frau nach Hause. Er ging sofort mit ihr zu Bett, aber anstatt sich den Freuden des ehelichen Glücks hinzugeben, ging er seinen Gedanken nach.

»Nun bin ich verheiratet«, dachte er, »und habe alle meine Pläne über den Haufen geworfen ... Ich wäre allerdings in Verzweiflung, wenn Annette einen anderen geheiratet hätte. Aber nun muß ich aufpassen. Sonst kriegt sie mich unter! Ich muß einen energischen Entschluß fassen, und das beste wird sein, wenn ich sie gleich von nun an mit der größten Gleichgültigkeit behandle! Ja, das ist das einzig Richtige! Von frühester Jugend an habe ich mir stets vorgenommen, meine Frau, wenn ich mich mal verheiraten würde, barsch abzuweisen. Dann stellte ich mir vor, wie sie darüber Tränen vergießen würde und wie ich dann noch härter gegen sie würde, sie würde vor mir zittern, ich freute mich dann über ihre Angst, ohne ihr aber Schlimmes zuzufügen. Ja, das ist der rechte Weg zu meinem Glück, denn in unserer Zeit darf man den Frauen nichts durchgehen lassen, sonst sind sie rasch bei der Hand, sich die Autorität anzumaßen und den Mann am Gängelbande zu führen! ... Also anstatt Liebkosungen Kälte! Kein freundliches Wort! Schmollen wir, zeigen wir schlechte Laune, am besten ist es, gleich einzuschlafen oder wenigstens so zu tun! Morgen wird sie mir dann desto eifriger den Hof machen und meine Wünsche zu erraten suchen. Welcher Genuß!... Und die anderen werden fragen: Aber was hat er? sollte er enttäuscht sein? ... Ein so schönes, sanftes Mädchen! ... Und ich werde gewichtig und ernst bleiben, wie ein Sultan. Ich werde auch ernst und stolz dreinschauen, wenn sie mich anlächelt. Wenn sie mich küssen will, werde ich sagen: ›Laß mich!‹ ›Aber was hast du, lieber Freund?‹ ›Nichts!‹ ›Doch, doch du hast etwas?‹ ›Unterbrechen Sie mich nicht, Madame!‹ Und sie wird sich ganz zerknirscht zurückziehen, während ich innerlich lachen muß. Vielleicht wird sie weinen, ich werde dann so tun, als ob ich es nicht bemerke ... Wenn sie sich mir dann zu Füßen wirft und fleht: ›Teurer Mann, Sie bringen mich zur Verzweiflung!‹ werde ich antworten: ›Keine Ursache, Madame, bleiben Sie ruhig, seien Sie vernünftig und Sie werden glücklich sein: ich liebe solche Pariser Manieren nicht, denn ich bin ein Mann, kein schwaches Weib ... Lassen Sie mich also in Ruh'!‹ Und dann wird sie mich in Ruhe lassen, wird überzeugt sein, daß ich ein brutaler Griesgram sei, ohne zu ahnen, wie heiß ich sie liebe. Wie reizend sie doch ist, meine liebliche Annette!« Damit machte er Schluß mit seinem Sinnen und ließ seine Hand über ihren Busen gleiten, denn er sah, daß sie endlich eingeschlafen war.

Nach so verrückten Ideen nahm Malrepos sich vor, seine Haltung einzurichten. Er bestätigte somit die Befürchtungen, die sein Charakter bei allen hatte aufkommen lassen.

Am anderen Morgen stand er auf, ohne seiner Frau auch nur ein freundliches Wort zu sagen. Beim Ankleiden behielt er seine schlechte Laune bei. Die schöne Annette war doch etwas erstaunt über seine Aufführung, obwohl sie sich ja auf Außergewöhnliches gefaßt gemacht hatte. Sein erstes Wort zu ihr lautete:

»Madame, ich habe Sie aus Freundschaft für Ihren Bruder geheiratet und ich hoffe, daß Ihr Betragen mir gegenüber mich diesen Schritt nicht wird bereuen lassen.«

»Ich verspreche es Ihnen«, erwiderte Annette.

Das war ihre ganze Unterhaltung. Dann ging Herr de Malrepos aus, und es kam ihm zum ersten Male der Gedanke, wie Saint-Amand es eigentlich mit den Aufgeboten gemacht habe? Er suchte ihn auf und fragte ihn. Saint-Amand hatte nur darauf gewartet, ihm die schuldige Erklärung abzugeben, und sagte ihm die Wahrheit: daß er stets überzeugt gewesen sei, er würde Annette heiraten, daß er daher das Aufgebot schon auf ihre beiden Namen erlassen habe, daß er keinen anderen Rivalen als sich selber gehabt habe usw. Malrepos war außer sich vor Freude darüber, denn schon hatte ihn Eifersucht gepeinigt. Aber er ließ sich nichts anmerken und antwortete kühl:

»Ich will deiner Freundschaft diesen Streich verzeihen. sollte aber deine Schwester darin verwickelt sein, so werde ich ihr das niemals vergessen.«

»Sie weiß von nichts, mein Lieber. Ich habe allein gehandelt. Meine Schwester ist zu schüchtern und bescheiden, als daß ich mit ihr darüber hätte verhandeln können.«

»Das muß sie auch sein, wenn sie mit mir auskommen will. Ich bin ein guter Mensch und liebe keine Intrigantinnen.«

»Du hast recht, ich denke darüber wie du.«

Nach dieser in kühlem Tone geführten Unterredung wurden die Schwäger von ihren Gästen in Anspruch genommen, und es war nur noch die Rede davon, sich gehörig zu amüsieren. Aber inmitten der Lustbarkeiten behielt Malrepos seine lächerliche, gravitätische Haltung. Saint-Amand beobachtete ihn aufmerksam und suchte seine Schwester zu beruhigen. Annette wußte nicht mehr, was sie von dem Charakter ihres Mannes halten sollte. Sie war bisweilen darüber entsetzt, tröstete sich aber mit dem Gedanken, daß ja ihr vorsichtiger und sie zärtlich liebender Bruder diesen Gatten für sie ausgesucht habe.

Die zweite Nacht war gleich der ersten. Erst nach einem Monat ihrer Ehe ereignete sich eine Szene, die ganz zum Vorteil des ehelichen Bundes ausschlug.

Treu seinem Grobheitssystem, hatte der Griesgram in der Zwischenzeit zu seiner Frau nur von oben herab und in verächtlichem Tone gesprochen. Obwohl ihr Bruder sie zu beruhigen suchte, fing Annette schließlich doch an, davon genug zu haben, besonders, wenn sie ihr Schicksal mit dem anderer Pariser Damen verglich, die sie durch ihn kennen gelernt hatte. Eine von diesen besonders, eine Frau V-t, eine zänkische Brünette, in deren Adern kein Blut, sondern Essig zu rinnen schien, hatte zweimal gesehen, wie Malrepos sich gegen seine Frau betrug, und war darob aufs höchste aufgebracht. Sie stellte ihn sogar darüber zur Rede. Der Griesgram, der kein sanftmütiger Jüngling war, wurde grob gegen die Dame, die darüber in rasende Wut verfiel.

Sicherlich hätte der Streit eine unangenehme Ausdehnung gewonnen, wenn Malrepos sich nicht zur rechten Zeit darauf besonnen hätte, daß Frau V-t ja nicht seine Frau sei. Augenblicklich ließ er den groben Ton fahren und schlug einen spöttischen an. Bis dahin waren beide sich nur in Beleidigungen ergangen, nun nahm der Streit mehr den Anstrich einer Unterhaltung an.

»Solche Gefühle sind empörend, mein Herr!«

»Das will ich Ihnen gern zugeben, meine Verehrteste, aber ich habe das Buch der Weisheit auf meiner Seite, die alten Philosophen und das Buch der Bücher, das Sie jedenfalls verehren, wenn Sie eine gute Christin sind, sagen: ›Die Frauen sollen ihren Männern gehorsam sein, wie das Geschöpf dem Schöpfer.‹ Was haben Sie dagegen einzuwenden?«

»Wer hat solche Regeln und Gesetze aufgestellt? Natürlich die Männer!«

»Diese Antwort beweist, Madame, daß Sie Gesetz und Religion verkennen. Von zwei Dingen ist nur eins möglich: entweder müssen Sie zugeben, daß Sie weder Zucht noch Religion besitzen, oder Sie müssen sich auf meine Seite schlagen. ›Männer, behandelt eure Frauen mit Langmut‹, heißt es an einer anderen Stelle der Bibel. Dies Gebot befolge ich. ›Frauen sollen sich nicht erdreisten, in euren Versammlungen das Wort zu ergreifen‹, heißt es an einer anderen Stelle. Nun stellen Sie sich vor, Madame, wie es Ihnen ergehen würde, die nicht nur darin sprechen, sondern herrschen will!«

»Sie müssen falsch zitieren, denn so etwas ist unmöglich.«

»Ich zitiere richtig, Verehrteste, und diese Ansicht teilen alle vernünftigen Männer, abgesehen davon, daß sie in unserem Glauben eine von Gott selbst eingesetzte Lehre ist. Sie sollten über das Maßlose Ihrer Verirrung erröten, Madame!«

»Mein Gott, welch ein unhöflicher Mensch, und wie grob er ist!«

»Ich gebe zu, daß Wahrheit meistens unhöflich ist und nicht gern von Leuten, die in einem Irrtum befangen sind, gehört werden will. Der Ihrige ist Ihnen ans Herz gewachsen, aber, da Sie trotzdem doch fühlen, daß es ein Irrtum ist, so wollen Sie den getreuen Spiegel zerschlagen, der Ihnen die Mißgestalt zurückwirft. Die Frauen haben nur eine Bestimmung: Gehorsam, sie haben nur eine Pflicht zu erfüllen: dem Manne zu gefallen, alles übrige ist Schimäre. Eine unlenksame Frau ist eine Ungeheuerlichkeit, die die Gesellschaft noch weniger dulden darf, als ein Kind, das seinem Vater den Gehorsam verweigert und seiner Mutter ins Gesicht spuckt.«

Das war der Schluß der Unterhaltung. Die Dame war dem Ersticken nahe, und man mußte sie aufschnüren. Malrepos sah sie mit großer Befriedigung an und hätte um alles in der Welt gern seine Frau in dieser Lage gesehen. Es sollte nicht lange dauern und er hatte diese barbarische Genugtuung.

Er kehrte in der übelsten Laune nach Hause zurück. seine Frau trat ihm zitternd entgegen. Alles, was sie getan und angeordnet hatte, alles, was sie ihm sagte, paßte ihm nicht. Ohne eine Wort zu erwidern, zog Annette sich in ihre Gemächer zurück. Der Griesgram rief sie zurück, um sich das Vergnügen zu machen, sie abzukanzeln. Und doch hatte er sie vielleicht niemals heißer geliebt, als gerade in diesem Augenblick.

»Wie können Sie es über sich gewinnen,« rief endlich die junge Frau aus, »so hart zu mir zu sein?«

»Madame, Ihr Bruder hatte mir mehr versprochen, als die Wirklichkeit gehalten hat.«

»Was muß ich tun? Sprechen Sie. Ich will in allem gefügig sein, aber ich muß wenigstens wissen, was Sie wollen.«

»Das sind alles nur Redensarten.«

»Versuchen Sie es und Sie werden sehen, daß mir vom Herzen kommt, was ich sage.«

»Ich verlange, daß man mich errät, daß man meinen Wünschen zuvorkommt.« Und innerlich dachte er: Du reizendes Wesen! Du errätst sie ja, meine Wünsche, und tust mir alles zu Gefallen!

»Ich werde mir Mühe geben ... und glücklich sein, Ihre Liebe und Achtung zu gewinnen.« Dabei brach sie in Tränen aus.

Der Griesgram, der sich immer gewünscht hatte, Annettes Tränen fließen und sie vor Schmerz in Ohnmacht sinken zu sehen, konnte diesen Anblick nun doch nicht aushallen. Er eilte davon. Seine ergebene Gattin glaubte, er sei vor Wut davongerannt und überließ sich ganz ihrem Schmerze.

Doch auch Malrepos konnte nicht mehr, er war in den Garten hinuntergegangen und lief dort aufgeregt hin und her, während ihm tausend Gedanken durch den Kopf fuhren.

»So habe ich endlich ihre Tränen gesehen?« sagte er sich, »endlich diesen langersehnten Augenblick erlebt! Aber als richtiger Hasenfuß habe ich nicht einmal einen Genuß davon gehabt! ... Aber sie ist auch zu schön! ... Um so weniger darf ich ihr nachgeben, denn dann wäre es um mein Glück geschehen. Also festbleiben, nicht weichen! ... Doch muß ich auch ein wenig an mein Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit denken, denn ich würde ja mich selbst zu grausam bestrafen, wenn ich mir alles versagte. Heute abend werde ich ihr ein Geschenk machen, etwas Schönes, Schickes! ... Ich verstehe mich zu wenig auf solche Dinge und werde ihren Bruder bitten, etwas auszusuchen. Aber er muß den Mund halten, sonst verfeinde ich mich auf ewig mit ihm.«

Er ging sofort aus und suchte Saint-Amand auf.

»Lieber Freund, du kannst mir einen großen Gefallen tun,« sagte er zu ihm, »ich möchte meiner Frau etwas sehr Hübsches schenken, etwas, woran sie Gefallen hätte. Aber sie darf nicht wissen, daß ich der Geber bin. Sie soll denken, daß das Geschenk schon vor meiner Verheiratung bei mir im Hause gewesen sei.«

»Ah!« erwiderte Saint-Amand, »ein für mich sehr schmeichelhafter Auftrag!«

»Scheue keine Kosten, lieber Freund, das Schönste ist für deine Schwester noch nicht schön genug!«

»Also steht ihr gut miteinander?«

»Ich will dir im Vertrauen sagen, daß ich sie heute zum Weinen gebracht habe. Ach! Wenn du das gesehen hättest! Sie sah reizend aus, es war eine wahre Lust!«

»Sie weinen zu sehen?«

»Ja, mein lieber Saint-Amand, mir verging dabei fast der Atem.«

»Wie? Ihre Tränen machten dir Spaß?«

»Ach, sie sah aber auch zu nett aus!«

»Höre, wenn du nicht eben von dem Geschenk gesprochen hättest, würdest du mir eine sehr schlechte Meinung von dir beibringen!«

»Sieh' nicht aufs Geld und bewahre dein Geheimnis, denn sonst bekommt sie es nicht.«

»Sei ruhig, ich lasse jeden nach seiner Art glücklich sein, werde also deinen Plan nicht durchkreuzen.«

»Dann bist du mein Mann.«

Saint-Amand ging sofort zu Céline, um sie über den Geschmack ihrer Schwester zu befragen. Darauf gingen sie die vorgeschlagenen Einkäufe machen, und man muß gestehen, daß Malrepos sich wahrhaft freigebig zeigte. Die schönsten Stoffe, die elegantesten Kleider und die kostbarsten Spitzen wurden ausgewählt, dazu Diamanten, deren Annette nur wenige besaß. Saint-Amand konnte sein Erstaunen über diese Fülle nicht unterdrücken. Bei jeder Bemerkung, die er machte, rief Malrepos:

»Oh! Wie wird sie freudig erstaunt sein! Nicht wahr, Saint-Amand, welche Überraschung! Sie wird alles das morgen in einem Zimmer finden, wozu ich allein den Schlüssel habe, und das ich offen lassen werde. Darin werden die schönen Sachen ausgebreitet liegen, ich werde sie heimlich beobachten, und wenn ich genug gesehen habe, werde ich hervortreten und ihr sagen, sie möchte das alles mitnehmen und gut verschließen. Sie wird aus meinen Worten erkennen, daß alles ihr gehört, aber zugleich zu der Ansicht kommen, daß die Sachen schon da waren und nicht erst eigens für sie gekauft worden sind. Denn man darf die Frauen nicht verwöhnen, lieber Freund!«

»Du hast recht, wenn du nur meine Schwester liebst, dann bin ich schon zufrieden.«

»Wie? Und ob ich sie liebe! Sie, die Schwester meines Freundes!«

»Sie hat noch einen anderen heiligeren Anspruch auf deine Liebe: sie ist deine Frau!«

»Das sagt hundertmal weniger, als daß sie die Schwester meines Freundes ist. Darüber geht nichts! mein teurer Saint-Amand!«

So plaudernd, kamen sie zu Hause an. Die kostbaren Geschenke wurden ausgelegt, und Annettes Bruder meinte beiden am besten zu dienen, wenn er seiner Schwester gegenüber das Geheimnis seines Schwagers treulich bewahrte.

Malrepos war durch das Geschenk, das er seiner Frau gemacht hatte, in eine so gehobene Stimmung versetzt worden, daß er sie tausendmal mehr zu lieben vermeinte und ihr auch seine Liebe nachts im traulichen Beisammensein in reichstem Maße bewies. Die Liebesekstase, die für einen Augenblick den Menschen den Göttern gleichzumachen scheint, rührt gewöhnlich die Menschenherzen bis in die tiefsten Tiefen auf und macht sie empfänglicher. Auf den Griesgram aber brachte sie eine grade entgegengesetzte Wirkung hervor. Schon aus dem Altertum wird etwas ähnliches berichtet; Der schuldbedrückte Sohn des Königs David, Amon, hatte kaum an seiner leiblichen Schwester Thamar seine Lust gestillt, als er Ekel vor ihr empfand und sie mit Schimpf und Schande davonjagte. Allerdings trieb Malrepos es nicht so weit wie der barbarische Königssohn, er liebte seine Frau um nichts weniger, nachdem er sie besessen hatte, aber er wurde noch herrischer gegen sie. Es schien, als ob er sich wappnen wollte gegen das Gefühl der Dankbarkeit und Verehrung, das der Mann empfinden muß gegenüber der Frau, die ihm ein solches Glück spendet, der Frau, der göttlichen Himmelstochter, eigens geschaffen zu diesem Zweck und zur Verschönerung unseres Daseins, was auch immer die Hagestolze dagegen anführen mögen.

So konnte es denn nicht ausbleiben, daß seine Frau eine wenig hohe Meinung von ihm bekam. Als er ihr am anderen Morgen die Geschenke in wegwerfender Weise anbot, nahm sie an, daß er sich nur von wertlosem Plunder befreien wollte, mit dem er nichts anzufangen wüßte, und schenkte ihnen keine Beachtung. Am Nachmittag kam Céline zu ihr, um wie gewöhnlich der Schwester in Abwesenheit ihres Mannes Gesellschaft zu leisten. Da erst besahen sie sich zusammen die Geschenke genauer. Céline war überrascht von so viel Reichtum und gutem Geschmack und konnte sich nicht enthalten, jeden Augenblick ihre Schwester zu beglückwünschen. Annette erwiderte: »Gewiß, alles das würde für mich Wert haben, wenn ich es einem liebenswürdigen Gefühle meines Mannes zu verdanken hätte, so aber ... verdanke ich die Sachen leider nur dem Zufall, daher sind sie für mich wertlos!«

»Und ich«, erwiderte Céline lachend, »würde dem Zufall dankbar sein, wenn er mir ein gleiches Glück erweisen würde! Du siehst mehr auf die Absicht des Gebers, als auf die Wertobjekte, ich mache es umgekehrt. Alles das ist reizend, und dein Griesgram wäre mir lieber als ein süßlicher Liebhaber, wenn er nur recht oft solche Einfalle hätte!«

Céline hatte recht bei ihrem Charakter, aber Annette konnte keine Befriedigung darin finden. Indessen steht es außer Frage, daß der Griesgram, wenn er Céline geheiratet hätte, sich auch nicht gebessert haben würde. Im Gegenteil, es hätte alle Tage Zank und Streit gegeben, und die Ehegatten würden sich bald getrennt haben.

Malrepos setzte nach dieser Liebesnacht sein sonderbares Benehmen fort. Je mehr er nachts für die Zärtlichkeiten seiner Frau empfänglich war, desto mehr gab er sich am Tage Mühe, widerhaarig zu erscheinen. Annette geriet darüber schließlich in Verzweiflung und schüttete ihrem ältesten Bruder ihr Herz aus. Saint-Amand geriet in Versuchung, ihr das Geheimnis des Geschenks zu enthüllen, doch besann er sich glücklicherweise eines Besseren und beschloß, erst im äußersten Fall einzugreifen.

Annette wurde Mutter, und bei diesem Anlaß zeigte der Griesgram etwas mehr Gemüt. Äußerlich erschien er zwar nicht als ein liebevoller und zärtlicher Gatte, aber desto eifriger sorgte er für alles Notwendige. Seine Frau merkte freilich nicht viel davon, da sie ihn fast nie sah. Als sie wiederhergestellt und mit dem neuen Reiz geschmückt war, den die Mutterschaft einer schönen jungen Frau aufzuprägen pflegt, hielt der Griesgram aus Furcht, sich der angebeteten Frau zu verraten, sich für verpflichtet, sein schroffes Wesen noch mehr hervorzukehren. Annette war unglücklicher denn je und verfiel in eine Art von Stumpfheit, da sie sich ihrem Bruder nicht mehr anzuvertrauen wagte. Nun beunruhigte der Griesgram sich und drang in seinen Schwager und in Céline, um herauszubekommen, von welcher Krankheit seine Frau befallen sei. Letztere fand bald die Ursache heraus und eröffnete ihm, daß Kummer sie verzehre. Dieses Wort ergriff ihn bis ins Innere und er eilte zu seinem Freund:

»Deine Schwester hat Kummer. Sie stirbt daran. Was ist die Ursache?«

»Ich vermute,« erwiderte Annettes Bruder, »sie kennt dein Herz nicht und beurteilt dich nur nach deinen Handlungen.«

»Ich bin auch wirklich zu grausam zu ihr!«

»Gewiß! Ändere dich und sei bisweilen freundlich zu ihr!«

»Du hast recht!«

Darauf nahm er sich fest vor, sein Betragen zu ändern. Als er aber seine Frau sah, die sich auf Anraten ihrer Schwester zur Freundlichkeit zwang und, herrlich angetan, in lebhafteren Farben strahlte, da waren seine guten Vorsätze wieder verflogen, und es packte ihn eine wahre Gewitterstimmung, Es schien, als ob dieser Mann, der ein wirklich gefühlvolles Herz besaß, über seine Empfindsamkeit wütend wäre und dafür seine Frau bestrafen wollte. Er warf ihr wilde Blicke zu. Sie erschrak und erbleichte. Der Griesgram bemerkte den Eindruck, den er auf sie hervorbrachte, und wurde dadurch noch gereizter, wie die Barbaren durch das Geschrei ihrer Opfer nur noch mehr angestachelt wurden, sie zu peinigen. Seine Frau näherte sich ihm schüchtern und wollte ihn küssen, er stieß sie roh von sich und bemerkte:

»Sie sind ja recht aufgeräumt, wie es scheint, macht mein Fernbleiben Ihnen Freude?«

»Das ist wahrlich ein Gefühl, das ich bis jetzt noch nicht empfunden habe, mein Herr Gemahl!«

»Doch, doch. Sie verabscheuen mich ... aber ich gebe es Ihnen reichlich zurück! ... Und doch hatte Ihr Bruder mir so sehr Ihr Lob gesungen! Er hat mich getäuscht, oder Sie haben sich seit Ihrer Verheiratung sehr geändert... . Aber so sind die Frauen! ...«

»Ich wüßte wahrhaftig nicht, mein Freund, wodurch ich eine solche Beurteilung verdient hätte ...«

»Schweigen Sie, Madame, ich habe es satt!«

»Aber bedenken Sie doch ...«

»Ich wünsche keine Vorstellungen, die mir von seiten einer Frau unpassend erscheinen! ...«

Annette wollte nicht ihre Tränen dem Tiger zeigen, er aber bemerkte, daß sie weinte, und schrie:

»So sind diese listigen Tiere! Wenn es mit ihren Ränken nicht geht, dann müssen Tränen her! ... Aber ich habe genug von Ihrem Benehmen mir gegenüber, übergenug, treiben Sie mich nicht zum Äußersten ... Stets diese heuchlerische Miene, diese kriechende Unterwürfigkeit oder ein schmollendes Sichzurückziehen!«

»Haben Sie die Güte, mir zu sagen, was ich eigentlich tun soll?«

»Das wissen Sie noch nicht? Sie hätten nicht heiraten sollen, wenn Sie nicht Ihre Pflicht erfüllen wollten.«

»Befehlen Sie, ich werde gehorchen.«

»Das paßt mir nicht. Ich will, daß man mich errate.«

»Ich will mich bemühen.«

Sie verhielt sich einen Augenblick ruhig, bat dann aber ihren Gatten, als sie bemerkte, daß er ungeduldig wurde, sich zurückziehen zu dürfen.

»Nein! Bleiben Sie!« Sie blieb.

»Was bleiben Sie da wie angewurzelt stehen? Habe ich Ihnen vielleicht eine Kette angelegt?«

Sie ging im Zimmer umher und machte sich etwas zu schaffen.

»Man kann kein Wort mit Ihnen sprechen, Sie hören nicht einmal zu!«

Sie wollte hören und näherte sich ihm.

»Sie sind wirklich unausstehlich!« platzte er da los und gab ihr einen Backenstreich. Aber dann stürzte er, selber erschrocken über solche Roheit, aus dem Zimmer seiner Frau hinaus.

Annette ließ ihren Tränen freien Lauf und hielt ihr lautes Schluchzen nicht zurück. Der Griesgram war unbemerkt wieder umgekehrt und horchte an der Tür, heftige Gewissensbisse plagten ihn.

In diesem Augenblick trat Céline in das Zimmer ihrer Schwester, die sich sofort faßte und kein Wort von dem Vorgefallenen verlauten ließ.

»Wie, du hast Tränen in den Augen? Was hast du? Wo ist dein Mann? Macht er dir Kummer? fragte Céline.

»Nein, nein, liebe Schwester, ich habe nichts. Mein Mann ist ein braver Charakter, der mir keinen Kummer absichtlich verursachen würde. Ich höre, du willst dich auch verheiraten, und wünsche dir nur einen solchen Mann, wie der meinige ist.«

So sehr auch Céline in sie drang, so konnte sie doch nichts anderes aus ihr herausbringen. Einen Augenblick danach stellte sich auch Saint-Amand ein:

»Nun, liebe Annette, wieder gerötete Augen? Du hast Kummer?«

»Nein, lieber Bruder.«

»Doch, doch, aber das sind eingebildete Dinge. Wenn du deinen Mann besser kenntest, würdest du die glücklichste aller Frauen sein. Ich habe jetzt keine Zeit, in Einzelheiten einzutreten, aber da hat man mir gerade eine Anekdote gegeben, lest sie zusammen und sagt mir später eure Meinung darüber.«

Die Schwestern lasen die Geschichte. Als sie damit fertig waren, sagte Céline zu Annette:

»Aber man sollte meinen, das wäre deine Lebensgeschichte! Ich glaube, unser Bruder hat da etwas aus dem Leben geschildert und sich nur falscher Namen bedient.«

»Aber es ist doch gedruckt?«

»Was tut's? Ein paar Seiten sind schnell gedruckt. Er wird es dir zu Nutz und Frommen eigens haben anfertigen lassen, betrage dich in Zukunft ebenso wie die Heldin der Geschichte. Wahrscheinlich hat unser Bruder deinem Gatten versprechen müssen, ihn nicht zu verraten und bedient sich nun dieser List, um dich zu beruhigen.«

»Wenn ich wüßte, daß dem so ist!« erwiderte Annette nachdenklich.

»Ich jedenfalls zweifle keinen Augenblick daran, meinte Céline, »beobachte deinen Mann und jede seiner Handlungen, vielleicht machst du eine Entdeckung!«

Annette folgte dem Rate ihrer Schwester. Sie nahm eine ruhig heitere Miene an, und als ihr Mann sie aufsuchte, sprach sie mit ihm ohne Erregung, als ob nichts zwischen ihnen vorgefallen sei. Als er wieder fortging, folgte sie ihm unbemerkt und sah ihn in ihr Schlafzimmer eintreten. Dort ließ er sich vor einem Bild seiner reizenden Frau nieder und zwei Tränen, die langsam seine Wangen herunterflossen, gaben Zeugnis davon, daß der Tiger doch anderer Gefühle fähig sei. Auf der Kommode standen verschiedene Sachen, mit denen Annette sich zu schmücken pflegte, Malrepos nahm sie in die Hand und küßte sie. Dann wandte er sich wieder ihrem Bilde zu und sagte: »Oh, du Angebetete, die ich so schändlich behandle, verzeih' mir! Mein unglücklicher Charakter und meine schlechte Erziehung sind mir selbst eine Last. Durch sie bin ich der Tyrann aller anderen Menschen, vor allem meiner reizenden Gefährtin! Oh, Angebetete! Wenn du wüßtest, wie ich darunter leide, würdest du Mitleid mit mir haben und mir nicht mehr gram sein!«

Bei den letzten Worten fielen seine Blicke auf ein Paar Schuhe, die ein- oder zweimal ihren niedlichen Fuß umschlossen hatten, und er stand verrückt auf:

»Welche Anmut der Form! Gibt es eine Frau auf der Welt, die einen kleineren, edler geformten Fuß hat? Und liebe ich sie nicht, bete ich sie nicht an? ...«

Und der Griesgram, der sonst ohne Ursache die schönste und reizendste Frau mißhandelte, wurde in diesem Augenblick zartfühlend wie Anakreon, nahm einen Schuh in die Hände und drückte dem unempfindlichen Dinge tausend heiße Küsse auf, worauf er ihn mit einer Art von Verehrung wieder auf seinen Platz stellte.

Alles das hatte Annette beobachtet. Entzückt, beseligt wollte sie sofort zu ihrer Schwester eilen, um sie an ihrem Glück teilnehmen zu lassen, als sie, sich umwendend, Céline bemerkte, die ebenfalls alles mitangesehen hatte. Die Schwestern zogen sich vorsichtig zurück. Als sie nicht mehr gehört werden konnten, sagte Céline:

»Wie glücklich wäre ich, wenn dein Griesgram mein Mann wäre! Ah! In zwei Tagen müßte er mir zu Füßen liegen oder an seiner Liebe ersticken!«

»Ich bin edelmütiger,« erwiderte Annette, »er liebt mich, das genügt mir. Wünsche mir Glück, teure Schwester, von jetzt ab werde ich glückliche Stunden verleben!«

Abends kam Saint-Amand, um sich nach der Wirkung seiner Geschichte zu erkundigen.

»Großartig!« erwiderte Céline lachend, »heute haben wir eine Wiederholung davon erlebt. Aber ich meine, lieber Bruder, du und der Griesgram, ihr seid im Einverständnis?«

Saint-Amand erwiderte, daß dies nicht der Fall sei.

Und nun erzählte ihm Céline den Vorfall im Schlafzimmer.

»Nun habt ihr selber gesehen,« bemerkte er darauf, »wie heiß Malrepos seine Frau liebt. Ich wußte es, aber er hatte mir verboten, darüber zu sprechen. Welchen Entschluß willst du nun fassen, Annette?«

»Ihn auf seine Weise zu lieben!«

Bei diesen Worten kniete der Bruder ihr zu Füßen, küßte ihr die Hand und sagte:

»Meine reizende Schwester ist die schönste und zugleich die vernünftigste aller Frauen. Mit solchen Ideen sicherst du dir dein Lebensglück, das in Zukunft gegen alle Unfälle gefeit ist!«

Diese Worte ihres Bruders bestärkten sie in ihrem Vorsatz. Ihre Haltung war von nun an ihrem Manne gegenüber mehr die eines Engels als die einer Frau. Malrepos konnte nie mehr die geringste Ungleichheit an ihr entdecken: seine Wutausbrüche und Schroffheiten berührten sie nur scheinbar und nur, damit sie nicht ganz gefühllos erschiene. Zum Schluß war er darüber selbst erstaunt.

Die Liebe nahm allmählich beim Griesgram auch wie bei anderen Männern ab, nur vielleicht etwas langsamer, während seine Schroffheit andauerte, wie bei Raubtieren, die sich gegenseitig zerreißen und im Augenblick des Genusses anbrüllen, sich dann aber ohne Groll, ja sogar liebevoll ansehen. So war es auch mit dem Griesgram. Als nach zehnjähriger Ehe die Leidenschaften sich beruhigt hatten, wurde er ein ganz friedfertiger, sanfter, gefälliger, – kurz, ausgezeichneter Ehemann. Seine Frau hatte ihm bewiesen, daß sie ihn nicht am Gängelbande führen wollte, und er hatte für sie nicht mehr die allzustarken Gefühle, die ihn stets hatten befürchten lassen, daß er sich vor ihr erniedrigte, wenn er sie ihr bezeugte. So wurde er denn ein wahrhafter, würdiger Ehemann.

Man begegnet auf dem Lande vielen Ehemännern, die aus denselben Gründen wie Herr de Malrepos so widerhaarig sind, besonders wenn sie einige Zeit in Paris gelebt haben und die Sitten der Hauptstadt kennen gelernt haben, aber nicht lange genug, um sie ganz ausgekostet zu haben; die Haltung der Pariser den Frauen gegenüber ist ein wahres Schreckgespenst für alle Ehemänner auf dem Lande. Denn, zum Teufel auch, wohin würden sie gelangen, wenn ihre Weiber die Sitten unserer befehlshaberischen, entgegenkommenden, leichtfertigen Frauen, unserer Spielerinnen, unserer ... annehmen würden? ... Dann könnten sie ihre Hütten verlassen und sich in die Wälder zurückziehen!

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