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Zehn Jahre später

Alexandre Dumas (der Ältere): Zehn Jahre später - Kapitel 55
Quellenangabe
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typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä
titleZehn Jahre später
publisherVerlag von A. Weichert
translatorH. Eiler
correctorreuters@abc.de
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5. Kapitel. Aus der Bastille auf den Thron

Die Weine des Herrn Oberintendanten hatten bei dem Festessen eine sehr ehrenwerte Rolle gespielt, allein d'Artagnan war völlig nüchtern, und als er den Befehl erhielt, Herrn Fouquet zu verhaften, griff er an seinen Degen. Es war seine Art, bei wichtigen Anlässen die Kälte dieses Stahls sein Inneres durchdringen zu lassen. – »Hm!« brummte er, »meine Nachkommen – wenn ich je welche habe – können sich damit brüsten, von dem Manne abzustammen, der seine Hand an den Rockkragen des allmächtigen Herrn Fouquet gelegt hat. Ei, mich dünkt, wenn ich kein Schuft sein will, muß ich es Herrn Fouquet sagen, wie der König ihm gesinnt ist. Wenn ich aber kein Verräter sein will, darf ich das Geheimnis meines Herrn nicht preisgeben. Nun, gib doch noch einmal etwas her, alter Schädel, der du mir so manchmal einen guten Gedanken beschertest! Zunächst, weshalb fällt Fouquet in Ungnade? Erstens, weil er Herrn Colbert verhaßt ist, zweitens, weil er Fräulein von Lavallière lieben wollte, und drittens, weil der König Herrn Colbert und die Lavallière liebt. Er ist verloren; aber soll ich ihn ergreifen, weil er den Ränken eines Schreibers und eines Weibes unterliegt? Pfui! Ist er wirklich ein gefährlicher Mensch, dann nieder mit ihm! Wird er zu Unrecht verfolgt, dann will ich sehen, was sich machen läßt. Und da bin ich auf den Punkt gekommen, wo kein Mensch, auch nicht der König, Einfluß auf meine Meinung hat. Anstatt also Herrn Fouquet zu packen und festzunageln, werde ich bemüht sein, mich als Mann von guter Art zu betragen. Man wird darüber sprechen, aber man wird gut davon sprechen.«

D'Artagnan gürtete den Degen um und ging geradeswegs zu Herrn Fouquet, der nach den Triumphen dieses Tages ruhig zu schlafen gedachte. Die Luft roch noch nach dem Qualm des Feuerwerks. Die Kerzen verbreiteten ihren ersterbenden Schein, die Blumen hauchten ihre letzten Düfte aus. Fouquet war allein mit seinem Kammerdiener, als d'Artagnan auf der Schwelle erschien. Es war für einen Mann wie d'Artagnan unmöglich, je bei Hofe populär zu werden; obwohl man ihn stets und überall sah, rief sein Erscheinen doch immer wieder eine fatale Wirkung hervor. – So war es auch jetzt bei Herrn Fouquet.

»Sie hier, Herr d'Artagnan?« rief er aus. – »Zu dienen,« antwortete der Musketier. – »Treten Sie nur ein.« – »Ich danke.« – »Haben Sie mir noch etwas mitzuteilen?« – »Das nicht, mein Herr,« antwortete der Gaskogner. »Sie schlafen also hier?« – »Wie Sie sehen,« sagte Fouquet, mehr und mehr betroffen. – »Sie haben da dem König ein sehr schönes Fest angerichtet,« sprach d'Artagnan. – »Finden Sie? War der König zufrieden?« fragte der Oberintendant. – »Einfach bezaubert!« sagte der Musketier. »Ist das Ihr Bett dort?« – »Jawohl. Warum fragen Sie danach? Gefällt Ihnen das Ihrige nicht? Sagt Ihnen Ihr Zimmer nicht zu?« »Offen gesagt, nein!« – »So trete ich Ihnen meins ab.« – »O, ich werde Sie nicht berauben. Aber vielleicht gestatten Sie mir, dieses Zimmer mit Ihnen zu teilen?« – Fouquet sah den Musketier scharf an. – »Sie kommen im Auftrag des Königs?« fragte er kurz. »Nun ja, Monseigneur. Doch ich versichere Ihnen, ich denke nicht daran, meine Order zu mißbrauchen...« Fouquet hieß den Kammerdiener hinausgehen und fragte dann: »Was haben Sie mir zu sagen, mein Herr?«

»Ich habe Ihnen gar nichts zu sagen,« versetzte der Gaskogner. »Mich verlangt nur nach Ihrer Gesellschaft.« »Sie verhaften mich also?« – »Bewahre!« – »Oder Sie bleiben als Wache bei mir?« – »Das ja.« – »So bin ich in Ungnade. Ich war todmüde und wollte schlafen. Das hat mich wieder munter gemacht. Herr, ich bestelle meine Pferde und reise nach Paris. Werden Sie mich zurückhalten?« – »Nein, aber mitreisen.« – »Genug!« rief Fouquet. »Warum verhaften Sie mich? Was habe ich getan?« – »Das weiß ich nicht – auch verhafte ich Sie bis jetzt noch nicht.«

»Bis jetzt noch nicht?« wiederholte Fouquet erbleichend. »Aber morgen vielleicht.« – »Wir haben noch nicht morgen,« sagte d'Artagnan. »Wer kann für das einstehen, was morgen geschehen mag?« – »Lassen Sie mich hinaus, ich muß mit Herrn d'Herblay sprechen.« – »Monseigneur, es ist unmöglich.« – »Mit d'Herblay, Ihrem Freunde!« – »Ich habe darüber zu wachen, daß Sie dieses Zimmer nicht verlassen, Herr Oberintendant. Aber wenn Sie mir Ihr Ehrenwort geben wollen hierzubleiben, dann will ich gehen und Herrn d'Herblay zu Ihnen bringen.«

»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!« rief Fouquet erfreut. Der Kapitän ging hinaus. – Der Oberintendant stürzte auf seinen Schreibtisch zu und öffnete einige geheime Fächer. Er riß einen Ballen Papiere und Rechnungen heraus und warf sie in den Ofen. Dann sank er in den Lehnstuhl und wartete mit Ungeduld. Nach einer Viertelstunde kehrte d'Artagnan zurück. Er hatte d'Herblay nicht gefunden. Der Kapitän war von vornherein überzeugt gewesen, Fouquet wolle nicht fliehen sondern nur gewisse Papiere beiseiteschaffen, die ihn in einem Prozeß kompromittieren könnten. Als er nun den Rauch sah, der noch nicht ganz verzogen war, nickte er zum Zeichen der Zufriedenheit. Sie wechselten beide einen Blick und fühlten, daß sie sich verstanden hatten.

»Und wo ist d'Herblay?« fragte Fouquet. – »Er muß ein Freund nächtlicher Spaziergänge sein, denn er ist nicht auf seinem Zimmer,« antwortete d'Artagnan. – »Er ist nicht auf seinem Zimmer?« rief Fouquet, und seine letzte Hoffnung sank, denn er glaubte, daß ihm nur noch von seiten des Bischofs Hilfe kommen könne. – »Herr Fouquet, ich habe in meinem Leben viele Male bei Verhaftungen zugesehen,« sprach d'Artagnan, »zum Beispiel bei der des Prinzen Condé, des Herrn von Retz, des Herrn Broussel. Sie gleichen in diesem Moment dem letzteren, der – verzeihen Sie mir das Wort – ein recht gutmütiges Schaf war. Es fehlt nur noch, daß Sie Ihre Serviette in die Brieftasche stecken und sich mit Ihren Papieren den Mund abwischen. Wetter nochmal, Herr Fouquet! ein Mann wie Sie soll nicht so niedergeschlagen sein. Wenn Ihre Freunde Sie sähen –«

»Herr d'Artagnan,« antwortete Fouquet mit traurigem Lächeln, »eben weil mich meine Freunde nicht sehen, bin ich so. Ich bin's nicht gewohnt, allein zu sein. Ich habe mir Freunde gemacht, um einmal in ihnen eine Stütze zu haben. Und gerade in solchem Augenblick soll ich nun verlassen sein?« – »Sie übertreiben, Herr Oberintendant. Der König will Ihnen wohl, nur Colbert haßt Sie und möchte Sie zugrunde richten.«

»O, was das betrifft,« sagte der Minister ruhig, »zugrunde gerichtet bin ich schon.« – D'Artagnan hob den Kopf und warf einen Blick um sich her. – »Ich weiß, was Sie bei sich denken,« fuhr Fouquet fort. »Sie fragen sich, weshalb ich dieses Schloß nicht verkaufe, man würde 40 Millionen daraus lösen. Lieber Kapitän, und wollte ich es für zwei Millionen losschlagen, es gäbe in Frankreich niemand, der es unterhalten könnte, so wie es jetzt aussieht. Nein, dieses Vaux kann und will ich nicht verkaufen. Mag es mit mir zugrunde gehen!«

»Das sieht Ihnen schon ähnlicher,« sagte d'Artagnan, »und vernichtet die unangenehme Aehnlichkeit mit Broussel, dem alten weinerlichen Frondeur. Wenn Sie auch zugrunde gerichtet sind, alle Wetter! Sie sind eine Person, die der Nachwelt angehört, und haben kein Recht, sich zu verkleinern. Mir hat das Schicksal eine weit weniger schöne Rolle zuerteilt als Ihnen, denn ich muß denjenigen machen, der Sie zu verhaften hat. Aber ich muß gehorchen, so sehr ich auch darunter leide. Neben Ihnen bin ich nichts wert, Monseigneur. Doch, den Teufel auch! die Rollen, die uns zufallen in diesem Mummenschanz des Lebens, müssen so gut wie möglich gespielt werden. Das Ende krönt das Werk.«

Fouquet stand auf, umarmte d'Artagnan und zog ihn an die Brust. »Gut gesprochen!« rief er. »Wer so redet, kann nur ein Freund von mir sein. Doch, wo mag Herr d'Herblay stecken? Gut, wir wollen den Tag abwarten. Was auch geschehen mag, dank Ihrer Liebenswürdigkeit trifft es mich nun nicht unerwartet. Wären Sie mitten beim Diner vor mich hingetreten, mich zu verhaften, ich wäre vor Scham und Zorn gestorben.« – »Freut mich, daß Sie mit mir zufrieden sind,« sprach d'Artagnan, »und nun, Monseigneur, lassen Sie den Dingen ihren Lauf. Sie sind abgespannt, Sie haben auch Ihre Lage durchzudenken. Ich beschwöre Sie, gehen Sie zu Bett. Ich mache mir's hier in diesem Lehnstuhl bequem. Und ich werde so fest schlafen, daß eine Kanonenkugel mich nicht aufwecken soll. Das heißt, das Knarren von geheimen Türen, von verborgenen Ein- und Ausgängen, höre ich sehr genau, lassen Sie sich das gesagt sein. Das beruht auf einer angeborenen Antipathie. Sie mögen hin und her gehen, schreiben, zerreißen, verbrennen – nur berühren Sie keinen Schlüssel an einer Tür, keine Klinke, Sie würden mich dadurch aus dem schönsten Schlafe jäh aufwecken.«

»Herr d'Artagnan,« sagte der Minister, »Sie sind entschieden der geistvollste und artigste Mann, den ich kenne. Ich bedaure nur, Ihre Bekanntschaft so spät gemacht zu haben.« – »Und nun vielleicht doch noch zu früh,« murmelte d'Artagnan und ließ sich in den Lehnstuhl nieder. Beide ließen die Kerzen brennen und erwarteten den Tag – Fouquet seufzte, d'Artagnan schnarchte.

*

Das Bett, das in den unterirdischen Raum hinabgelassen war, hatte sich mit dem beweglichen Fußboden wieder erhoben, und blaß, mit pochendem Herzen stand Philipp vor dem Lager, das noch zerwühlt war von dem Leibe seines Zwillingsbruders. Die durcheinandergestoßenen Kissen und Laken redeten eine deutliche Sprache, schilderten allein eindringlich genug den Kampf, der in der Stille des Kellers stattgefunden hatte.

»Nun trete ich meinem Schicksal gegenüber,« sprach er vor sich hin. »Wird es schrecklicher sein als die Gefangenschaft? Der König hat auf diesem Bett geruht – nun soll ich mich darauf ausstrecken. Doch was zaudere ich? Es ist ja ein Platz, der mir gebührt, um den mich die Mutter und der Bruder betrogen haben! Philipp, alleiniger König von Frankreich, das Wappen, das diese Tücher ziert, gebührt dir! Habe kein Mitleid mit dem Usurpator, der selbst in diesem Augenblicke keine Gewissensbisse wegen der Leiden fühlt, zu denen er dich verurteilte!«

Mit diesen Worten legte er sich in das Bett, und als er den Kopf zurücklehnte, erblickte er über sich die Königskrone, die von einem Engel mit goldenen Flügeln gehalten wurde. Aber Philipp konnte nicht schlafen. Gespannt horchte er auf jedes Geräusch, und immer wieder fragte er sich, ob seine Kraft, seine Geschicklichkeit, seine Geistesgegenwart ausreichen würden, das Werk zum glücklichen Ausgang zu führen.

Gegen Morgen glitt ein Schatten in das Gemach. Philipp erwartete diesen Mann und erschrak nicht über sein Kommen. – »Nun, Herr d'Herblay?« – »Es ist geschehen, Sire.« – »Wie hat er's getragen?« – »Er schrie und sträubte sich, tobte wie ein Rasender und versank dann in todesähnliche Erstarrung.« – »Ahnt der Gouverneur der Bastille etwas?« – »Nichts. Die völlige Aehnlichkeit läßt ihn alles glauben, was ich ihm sagte.«

»Aber der Gefangene wird selbst sprechen, bedenken Sie das wohl.« – »Ist auch bedacht. Nach einigen Tagen werden Sie ihn außer Landes schaffen lassen, werden ihn so weit wegschicken –« – »Sei es noch so weit, d'Herblay, man kann zurückkehren!« – »Wir werden ein Land aussuchen, in welchem es ihm zur Rückkehr an den materiellen und an den leiblichen Kräften fehlen soll.«

»Und Herr du Vallon?« – »Den stelle ich Ihnen heute vor. Er wird Ihnen Glück wünschen zu der Befreiung von dem verwegenen Usurpator.« – »Ich werde ihn zum Herzog machen.« – »Ja, zum Herzog,« sprach Aramis mit seltsamen Lächeln. »Sehr weise, Majestät. Sie sehen voraus, daß dieser Porthos auf die Dauer ein lästiger Zeuge werden könnte, und deshalb töten Sie ihn.« – »Wie? ich töte ihn?« – »Ja, indem Sie ihn zum Herzog machen. Der Schlag wird ihn vor Freude treffen.« – »Mein Gott!« stammelte Philipp. – »Ich werde dabei einen wackern Freund verlieren,« setzte Aramis phlegmatisch hinzu.

In diesem Augenblick hörte d'Herblay ein Geräusch.

»Der Tag bricht an, Sire,« sagte er. »Ehe Sie sich gestern zu Bette legten, hatten Sie sich vorgenommen, über Nacht einen Entschluß zu fassen.« – »Ich habe dem Kapitän meiner Musketiere gesagt, ich erwarte ihn am Morgen,« antwortete Philipp. – »Ich höre Tritte im Vorsaal,« sagte Aramis. »Wenn Sie ihn herbestellt haben, so ist er es, der da kommt.« – »So fangen wir an,« sprach Philipp entschlossen.

»Vorsicht!« rief Aramis. »Es wäre töricht, mit d'Artagnan anzufangen. Er weiß nichts, er ahnt nichts – aber wenn er an diesem Morgen zuerst eintritt, so wird er wittern, daß etwas vorgegangen ist.« – »Wie soll ich ihn aber zurückweisen?« fragte Philipp.« »Er ist bestellt. – »Das nehme ich auf mich,« antwortete der Bischof. »Zunächst will ich einen Streich führen, der ihn ein wenig betäuben soll.« – »So tun Sie das,« sagte der Prinz lebhaft, denn er wollte des Wartens und Bangens ein Ende machen.

Der Kapitän der Musketiere reckte sich in seinem Lehnstuhl in die Höhe, wusch sich in Fouquets Toilette, bürstete Wams und Hut ab, schnallte den Degen um und war bereit, sich auf den Weg zu machen. – »Sie gehen fort?« – »Ja, Monseigneur, und Sie?« – »Ich bleibe.« – »Auf Ihr Wort?« – »Auf Ehrenwort.« – »Gut. Ich gehe auch nur, um Ihnen die bewußte Antwort zu holen.« – »Die Verurteilung, wollen Sie sagen.« – »Wissen Sie, ich habe etwas von einem alten Römer,« sagte d'Artagnan. »Ich glaube an das, was mir mein Degen prophezeit. Heute morgen blieb er nirgends hängen und rutschte ganz glatt ins Wehrgehänge. Nein, nein, Herr Fouquet, das beruht auf jahrelangen Beobachtungen. Immer, wenn der Degen an meinem Rücken hängen blieb, so wurde mir von Mazarin eine Zahlung verweigert. Wenn er sich im Wehrgehänge verfing, so bekam ich einen unangenehmen Auftrag. Wenn er in der Scheide tanzte, so hatte ich ein glückliches Duell. Wenn er sich in den Fransen verhedderte, so wurde ich leicht verwundet. Und wenn er von selbst aus der Scheide fuhr, so wurde ich stets vom Schlachtfeld getragen und mußte mehrere Tage mit einem Verband herumlaufen. Das traf immer unfehlbar zu. Sehen Sie, mein Degen ist ein Glied meines Leibes. Gewisse Menschen werden durch ihr Bein oder durch ein Klopfen in den Schläfen an kommende Dinge gemahnt. Bei mir besorgt das der Degen. Heute morgen nun ist er ganz allein ins Wehrgehäng geglitten. Das bedeutet einen angenehmen Auftrag.«

»Welcher Art mag er sein?« – »Wetter! Ich werde jemand zu verhaften haben,« rief d'Artagnan. – »Nämlich mich!« sagte Fouquet, »und das nennen Sie einen angenehmen Auftrag?« – »Nein, die Weissagung betrifft nicht Sie. Denn Sie sind schon seit gestern abend verhaftet. Ich werde jemand anders zu verhaften haben, und deshalb wird es für mich ein glücklicher Tag werden.«

Mit diesen Worten ging d'Artagnan, um sich zum König zu begeben. Er hatte Fouquet trösten wollen; er glaubte selber nicht, daß sich die Prophezeiung dieses Morgens erfüllen würde; und doch sollte es geschehen. – Der Musketier klopfte an die Tür des Königs. Sie öffnete sich, doch war es nicht der König, der erschien. D'Artagnan starrte, den Mann, der sich vor ihm zeigte, verblüfft an und stieß einen Schrei der Ueberraschung aus.

»Aramis!« rief er. – »Guten Tag, lieber d'Artagnan,« sagte der Bischof kalt. – »Sie hier?« stammelte der Gaskogner. – »Seine Majestät läßt Ihnen sagen,« sprach Aramis, »daß er noch schlafen will, da er die ganze Nacht kein Auge geschlossen hat.« – »Hm!« brummte d'Artagnan, der nicht begreifen konnte, wie ein Mann, der vor wenigen Stunden noch gar nicht beim König in Gunst gestanden, über Nacht zum größten Glückspilz geworden sein sollte, der je an einem königlichen Bette emporgeschossen. Denn um an der Zimmertür des Monarchen dessen Willen zu verkünden, mußte man mehr sein, als Richelieu bei Ludwig XIII. gewesen war. Das ausdrucksvolle Auge d'Artagnans, sein weit offener Mund, sein Schnurrbart, der sich vor Staunen in die Höhe richtete, verrieten diese Gedanken dem lächelnden Prälaten.

»Herr Bischof,« sagte der Musketier, »Seine Majestät hat mich zu heute früh herbestellt.« – Da erklang aus dem Zimmer die Stimme des Königs. »Ich weiß,« rief er, »aber wir schieben das auf.« – D'Artagnan zuckte zusammen. War es wirklich der König, der da sprach? Verblüfft, fast erschrocken, verneigte er sich und wollte gehen. »Noch eins,« sagte der Bischof. »Hier ist ein Befehl, den Sie sofort vollziehen werden. Er betrifft Herrn Fouquet.« – D'Artagnan nahm das Papier entgegen, las es und murmelte: »In Freiheit zu setzen? Ah! Ah!« – Dann verneigte er sich abermals und ging. – »Ich begleite Sie,« sagte Aramis. »Ich will mich an Herrn Fouquets Freude ergötzen.«

»Potzblitz, Aramis!« brummte d'Artagnan, während sie hinweggingen. »Was haben Sie da gemacht? Sie müssen erstaunlich hoch in der Gunst des Königs gestiegen sein, um für Herrn Fouquet eine Begnadigung zu erwirken.« – »Aber nun begreifen Sie, nicht wahr?« – »Alle Wetter, nein!« stieß der Musketier zwischen den Zähnen hervor. »Ich begreife nichts. Doch das ist Nebensache – hier ist ein Befehl.«

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