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Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 31
Quellenangabe
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typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid418c8f99
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XXXI.

Xerxes schickte einen Boten der königlichen Post von Athen mit einem Brief an Atossa und einem Brief an Amestris, daß er gesiegt habe.

Die königlich persische Post war bereits von Kyros erfunden und eingesetzt worden. Sie stellte ein Wunder persischer Verwaltung dar. Die Poststellen waren militärisch gegliedert und lagen in sehr kurzen Abständen voneinander. Frische Pferde waren stets gesattelt, und ausgeruhte Eilboten warteten stets an allen Stellen, indem sie Ausguck hielten.

Da kam ein Eilbote mit umgeschnalltem Postsack angetrabt. Er saß ab. Er schnürte den Postsack los. Der Eilbote, der ihn ablöste, schnürte sich den Postsack um, bestieg blitzschnell sein fertiggesatteltes Pferd. Er verschwand in einer Staubwolke, und fort ging es bis zur nächsten Poststelle.

So hatte innerhalb vierzehn Tagen die königliche Post aus Athen Susa erreicht.

Atossa und Amestris lasen ihre beinah gleichlautenden Briefe vor, die Xerxes an seine Mutter und an seine Gemahlin geschrieben hatte:

»Wir haben mit Hilfe des Gottes der Perser einen glänzenden Sieg errungen. Athen ist in unserer Macht. Der Feind flieht vor uns nach allen Seiten. Seine Verluste sind nicht zu zählen. Große Schätze fielen in unsere Hände. Unsere Verluste sind sehr gering. Der Gott der Perser wird weiter helfen. Gezeichnet: Xerxes, König der Könige.«

Die Königin und die Prinzessinnen kannten derartige Briefe bereits auswendig. Nur diesmal war der gemeldete Sieg – Athen – wohl gewichtiger als der Bericht, daß mit Hilfe des Persergottes der Athosdurchstich durchfahren oder die eine oder andere kaum bekannte Stadt in Thrakien oder Thessalien genommen war. Athen! War das nicht eigentlich schon Hellas?

»Der Krieg ist beinah zu Ende«, entschied Parmys, und Phaidyme entschied ebenso.

Artozostra sagte freudig:

»Ich habe einen Brief von Mardonios. Allerhöchste Mütterlichkeit, Atossa! Wünschet Ihr, daß ich des Mardonios Brief vorlese?«

Die Königin und die Prinzessinnen, die in weitem Kreise auf den Ruhebetten kauerten – Atossa stets mit ihrer Peitsche und den böse zugekniffenen Augen, Amestris am Webstuhl, an dem sie dem Xerxes einen goldenen Mantel wob – , lasen einander ihre Briefe vor. Es war ein Zeitvertreib.

Daß Leonidas ihm sein Diadem abgerissen, schrieb Xerxes nicht.

Der Herbst näherte sich. Aus den Außenportiken strömte ein süßer Duft von eingemachten Pfirsichen und Birnen.

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