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Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 29
Quellenangabe
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typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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XXIX.

Da waren einige mißmutige Arkader, die den Kampf nicht liebten und die nur zu pflügen, zu säen und zu ernten wünschten, nach Phokis gekommen und erschienen vor Xerxes und seinem Stabe.

»Was tun die Griechen jetzt in Elis, in Achaja, in Argolis und Arkadien?« fragte Xerxes stirnrunzelnd. »Bereiten sie sich darauf vor, uns Widerstand zu leisten?«

»Nein, Herr«, antwortete der Wortführer der Arkader.

»Was tun sie denn?« fragte Xerxes.

Zu Olympia werden die olympischen Spiele abgehalten«, sagte der Arkader. »Es gibt dort Pferde- und Wagenrennen und athletische Wettkämpfe, König.«

»Welchen Preis erhält der Sieger?«

»Manchmal einen Dreifuß, häufig aber auch einen Olivenkranz«, antwortete der Arkader. »Der Olivenkranz ist wohl der begehrteste Preis. Um den Olivenkranz entbrennt der heftigste Streit.«

»Aber was ist das für ein Volk, zu dem Ihr uns führt, Mardonios?« rief Tritantaichmes, des Artabanos Sohn, aus. »Im Begriff, von uns Persern besiegt zu werden, halten sie zu Olympia athletische Übungen und Wettkämpfe ab um eines Olivenkranzes willen. Kämpfen sie denn alle um des Ruhmes willen wie jener Leonidas in den Thermopylen?«

Xerxes runzelte unzufrieden die Brauen.

»Neffe Tritantaichmes!« sagte er. »Dies ist eine Frage der Kultur. Ich verstehe nicht, daß du das nicht einsiehst. Unsere Kultur steht höher als die griechische. Alles, was bei uns Staatsordnung und Verwaltung heißt, würde sich aufbäumen gegen einen solchen Leichtsinn, am Abend, bevor sich das Verhängnis vollzieht, athletische Spiele zu feiern. Wir Perser sind von Natur nüchterner. Wir würden – ich setze einen Augenblick die Möglichkeit einer Niederlage voraus, die nicht möglich ist, weil der Gott der Perser uns hilft und weiterhelfen wird – am Vorabend einer solchen Entscheidung doch nicht versuchen ...«

»Ich finde es doch glänzend«, sagte Tritantaichmes.

Xerxes war sehr böse, daß sein Neffe ihn unterbrach. Aber nicht nur sein Neffe, sondern auch der einfache Arkader unterbrach nach Tritantaichmes den König der Könige und sagte gutmütig:

»Herr! Sie glauben dort noch nicht an eine Niederlage, und wir Arkader auch nicht. Wir kommen nicht deshalb hierher, weil wir an Euren Sieg glauben, Herr, sondern weil wir den Wunsch haben, zu arbeiten. Uns fehlt es am Allernotwendigsten, und wir sind mehr Bauern als Krieger. Wir möchten gern arbeiten, Herr, und pflügen und mähen und ernten, wenn wir unseren Lebensunterhalt damit verdienen können.«

Wenn Xerxes – was wohl hin und wieder vorkam bei so vielen Brüdern und Schwägern und Neffen – sich in seiner Königswürde gekränkt fühlte wie jetzt – erst durch seinen Neffen und dann durch jenen arkadischen Bauer – , hatte er den guten Geschmack, seinen Ärger zu bezwingen. Daher sprach er diesmal nur zu seinem Stabe glänzender Feldherren, die hinter ihm aufgestellt waren:

»Ich hatte immer gemeint, die Arkader seien dichterischer, wenigstens dichterischer als dieser Bauer hier. Einen besonderen Eindruck macht dieser Arkader nicht, Tritantaichmes, aber wir können ihm in diesem besiegten Phokis ein wenig Ackerland verpachten.«

Um die Lippen und Barte der glänzenden Brüder und Schwäger und Neffen spielte ein anerkennendes, vornehmes Lächeln. Xerxes ließ die Arkader in Frieden ziehen. Sie bebauten das besiegte Land von Phokis und dachten an die Zukunft.

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