Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 27
Quellenangabe
pfad/couperus/xerxes/xerxes.xml
typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090125
projectid418c8f99
Schließen

Navigation:

XXVII.

Als Xerxes in sein Lager zurückgekehrt war, entbot er Demaretos zu sich in sein Zelt. Xerxes saß auf seinem Zeltthron. Sein Bruder Achaimenes, den er zum Oberbefehlshaber über seine gesamte Flotte ernannt hatte, saß rechts von ihm. Xerxes forderte Demaretos durch eine Handbewegung auf, sich links von ihm auf einen freien Schemel niederzulassen. Sonnenschein drang durch die rotseidenen Segel des weiten Zeltes. Dort stand des Xerxes vergoldetes Lager aus Löwenfellen, dort stand sein vergoldeter Toilettentisch mit den goldenen Toilettensachen. Dort stand sein vergoldeter Waschtisch mit goldenem Geschirr. Dort hingen des Xerxes goldene Waffen, und der König und der Prinz saßen an einem vergoldeten Tisch, auf dem die Landkarte von Hellas lag. All dieses Gold und diese Vergoldung blinkten in dem rotleuchtenden Sonnenschein rings um Xerxes mit jenem reichen Glanz, den er liebte.

»Demaretos!« sprach Xerxes wohlwollend. »Du bist ein ehrlicher Mann. Die Wahrheit deines Wortes ist mir erwiesen. Was du mir vorausgesagt hast, hat sich erfüllt. Sage mir jetzt nur noch, wieviel Lazedämonier noch in Sparta übrig sind! Sind sie alle so tapfer wie die, welche gegen uns gekämpft haben?«

Xerxes nannte nicht gern des Leonidas Namen. An seiner Schläfe hatte er noch eine Narbe von dem ihm ins Gesicht geschleuderten Diadem, und das Diadem selber war völlig zertreten.

Der König der Könige lächelte Demaretos wohlwollend zu.

»König!« antwortete Demaretos. »Die Lazedämonier sind ihrer viele, und zahlreich sind ihre Städte, ich aber werde Euch wissen lassen, was Ihr zu wissen wünscht. Sparta, der Lazedämonier Hauptstadt, birgt achtzehntausend Mann, die den dreihundert gleichen, die Ihr besiegt habt.«

Auch Demaretos, einst König von Sparta, vermied es, des Leonidas Namen zu nennen, wiewohl ihm die Worte »um Leonidas« auf den Lippen schwebten.

»Die übrigen Lazedämonier« – Demaretos glaubte dies unbestimmt hinzufügen zu sollen – »sind tapfer, aber nicht so beispiellos wie jene.«

Von neuem unterdrückte Demaretos des Leonidas Namen. »Die Ihr erschlagen habt«, wiederholte Demaretos, der einst König von Sparta gewesen war.

»Sage mir,« beharrte der König, »wie ich ihrer auf die einfachste Weise Herr werden kann! Denn wahrlich, es dauert mir zu lange.«

»Großer König!« sprach Demaretos. »Ich werde Euch meinen Rat erteilen, so gut ich es vermag. Sendet dreihundert Eurer Schiffe nach Lazedämons Küste auf die Insel Kythera! Bedroht von dort aus Lazedämon, das stets ein Seeheer fürchtete! Besiegt von dort aus Lazedämon, und das übrige Hellas wird Euch zufallen! Denn Euer Landheer kann es leicht besiegen, wenn Sparta die Hände bereits übervoll hat und ihm nicht beistehen kann. So Ihr meinem Rate nicht folgt, werdet Ihr bei der Landenge von Korinth den schwersten Kampf zu kämpfen haben.«

Allein Achaimenes erhob sich leidenschaftlich. Er haßte Demaretos, den Verbannten, den sein Bruder Xerxes immer um Rat fragte.

Heftig rief er aus:

»Bruder und König! Willst du dein Ohr leihen einem, der dir dein Glück neidet und der deinem, Vorteil nicht dient? Sind die Griechen nicht alle so: neidisch auf das Glück anderer und voll Haß gegen die, welche ihnen überlegen sind? Vierhundert Schiffe hast du bereits im Sturm verloren. So du dreihundert andere Schiffe an der peloponnesischen Küste entlang kreuzen läßt, ist der Feind nicht stärker als wir. Bleibt unsere Flotte beisammen, so sind wir unbesiegbar. Wenn Landheer und Flotte zusammenbleiben, so helfen sie sich gegenseitig. Trennst du sie, so sind sie füreinander wertlos.«

Xerxes war in einer sanften, leutseligen Laune.

»Achaimenes!« sprach er, während ein großmütiges Lächeln seinen blauschwarzen Bart umspielte. »Dein Rat scheint mir gut, und ich werde ihn vermutlich befolgen. Allein Demaretos ist ein ehrlicher Mann und mein Gast. Sein Wort war stets wert, gehört zu werden, und ich wünsche nicht, daß man ihm Böses nachsage.«

Nachdem Achaimenes und Demaretos das Zelt verlassen hatten, begann Xerxes alles wohl zu überlegen und zu erwägen.

»Dreihundert Schiffe an die peloponnesische Küste oder nicht?«

Er überlegte bis spät in die Nacht hinein und konnte nicht schlafen.

 << Kapitel 26  Kapitel 28 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.