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Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 24
Quellenangabe
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typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid418c8f99
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XXIV.

In jener nämlichen Nacht offenbarte der Wahrsager Megisties, nachdem er die Eingeweide der Opfer befragt hatte, den verwunderten Griechen zum ersten Male, sie würden, so sie blieben, in den Thermopylen von den Persern umzingelt werden und zugrunde gehen.

Es wurde Rat gehalten rings um Leonidas, und Leonidas sagte den Entmutigten, den Unwilligen, den Andersdenkenden, sie dürften weggehen, damit sie nicht zugrunde gingen, er aber werde in den Thermopylen bleiben mit dreihundert Lazedämoniern, mit den Thespiern und den thebanischen Geiseln. Warum sollten die anderen bleiben? Sie verspürten keine Neigung, hier ihren gewissen, durch die Eingeweide der Opfertiere verheißenen Tod abzuwarten. Sie wollten wirksamer und umsichtiger ihrem Vaterlande dienen. Sie sagten es Leonidas, der zwischen seinen dreihundert Lazedämoniern stand wie der Gott Ares zwischen einer Handvoll Helden, und legten die Zelte ihres Lagers zusammen, das sich zwischen den moosigen, feuchten Spalten der Felsen mit Mühe eingenistet hatte. Sie nahmen Abschied mit vielen Worten, mit langen Reden, sogar mit Spott, auch mit Rührung. Dann gingen sie. Leonidas spornte sie ruhig und überlegen sogar zur Eile an, und das ohne Spott und Bitterkeit. Sie verschwanden zwischen den Spalten und den Höhlen, zwischen den knorrigen Eichenstämmen längs der breiten Tümpel der Frauenbäder, wo zwischen den zertretenen Farrenkräutern und dem Riedgras ihre noch flüchtig kupfern aufleuchtenden Beinschienen in der Ferne verschimmerten. Sie warfen links einen verstohlenen Blick auf das Ägäische Meer, das zwischen den Felsen und in den salzigen Lagunenflächen sommerlich blaute. Vielleicht hielten sie Umschau, ob sie die persische Flotte nicht sähen, wiewohl sie wußten, daß sie dort nicht war und niemals dort sein könne. Wer nicht ruhig ist, erwartet in der Gefahr das Unmögliche. Längs des Melampygosfelsens verschwanden sie, Abteilung nach Abteilung, Hunderte nach Hunderten, Tausende nach Tausenden, und schlichen nach Lokris. Die Thermopylen, siebenunddreißig Stadien lang, blieben beinahe verlassen. In ihrer Enge – sie maß nicht mehr als fünfzig Meter Breite zwischen Felsen, die erschienen wie zu Stein gewordene Titanen, die miteinander gekämpft – ward dem Auge, das von der hohen senkrechten Felswand flüchtig herabschaute, ein leichtes Gewimmel von ein paar weißen Flecken sichtbar, kaum hundert Zelte um des Leonidas Zelt.

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