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Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid418c8f99
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XIX.

Inzwischen bewachten die verbündeten Hellenen die Thermopylen. Sie zählten kaum fünftausend Mann.

Es war ein enger Durchgang, der einzige Weg, auf dem man nach Hellas eindringen konnte. Kaum vermochte bei Anthela ein einziger breiter, mit Büffeln bespannter Wagen durch den Bergspalt zu fahren. Kaum konnte bei Alpenos derselbe Wagen mit dem Gespann Ausgang finden. Die Felswände erheben sich steil an der einen Seite, an der anderen schimmert und glänzt das Meer in tiefen Lagunen über den Abgründen der unter der Meeresoberfläche liegenden Schluchten. Die Steineichen ragen mit ihren schwarzen Stämmen und mit ihren bizarren Zweigen knorrig hervor zwischen den Felsen, und das Meer scheint blauer noch zwischen dem grünlich-schwarzen Laubwerk der alten Bäume. Blauer noch sind die Chytroi, die Frauenbäder, die warmen Tümpel, die so blau sind, wie Wasser sonst niemals ist. Dort erhebt sich ein Altar, der dem Helden dieses Ortes, Herakles, geweiht ist. Alte, schwere Tore aus Holz und Bronze schließen den Durchgang ab. Eine hohe Mauer erhebt sich dort, wo die Felsen zusammenschrumpfen. Ein Schauder ob dieser alten, mythischen Zeiten webt hier meistens seine stille Einsamkeit. Die Bäder werden nicht mehr benutzt, die Pforten sind verfallen. Dennoch wird der Altar stets bedient. Hin und wieder schwebt dort ein Adler mit breitem Fluge über die gleichsam verzauberte Landschaft, gefolgt von einem zweiten Adler. Durch die harmonische Farbe des blauen Meeres und der Tümpel, der grauen Schluchten und Felsen, des beinahe schwarzen Laubwerkes der Steineichen, und durch den Gegensatz, in dem dies alles zueinander steht, ist dieser Fleck von einer heiligen Schönheit. Überall, wo die Götter, aber auch wo die Halbgötter den Fuß hingesetzt, ließen sie Schönheit zurück. Nicht nur des Herakles tragische Trauer ist hier erklungen, sondern auch sein baßtiefes und doch zugleich helles Lachen. Das erklang bei dem Felsen Melampygos, wo er den beiden Söhnen der Theia, der Nereïde, die jeden Vorübergehenden verspotteten, die Füße zusammenband und sie dann über seine Schultern unter seine Löwenhaut schwang. Ihre Mutter hatte sie oft schon ermahnt, die Vorübergehenden nicht zu verspotten, aus Furcht, sie könnten dem Buhmann mit dem dunkel behaarten Hinteren verfallen. Plötzlich lachten die beiden Schelme laut auf, und Herakles fragte sie, warum sie, obwohl gefesselt und mit dem Kopf nach unten über seine Schultern hängend, so laut lachten. Sie sagten es ihm und verrieten, daß auch die Prophezeiung ihrer Mutter sich erfüllt habe. Denn Herakles war sehr behaart. Darauf lachte der Held noch lauter als die Schelme und ließ sie laufen.

Wenn der Wind den Felsen umwehte, schien es, als wecke er noch jenes Echo des einstigen uralten Humors. Doch weiter hinauf wurde die Landschaft ernster, die Felsen heiliger, das Meer göttlicher, gleich als sei dieser Platz zur Größe vorausbestimmt, als werde er deshalb von wenigen tausend Hellenen bewacht, die sich um Leonidas geschart hatten.

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