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Louis Couperus: Xerxes - Kapitel 16
Quellenangabe
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typefiction
authorLouis Couperus
titleXerxes
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
year1926
illustratorMartin Stekker
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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XVI.

Xerxes hatte weder nach Athen noch nach Sparta Herolde entsandt, um Wasser und Erde zu fordern. Denn die Herolde, die Dareios einst entsandt hatte, waren sowohl von den Athenern wie auch von den Lazedämoniern in die für die zum Tode Verurteilten bestimmten Gruben geworfen worden mit dem schimpflichen Bescheide, sie sollten dort Wasser und Erde für ihren König holen. Seither waren die Eingeweide der Opfer insbesondere Sparta nicht günstig gewesen, und die Lazedämonier entsandten Sperthias und Bulis, zwei ihrer Edelsten, nach Susa zu Xerxes, um den Tod der persischen Herolde zu sühnen. Xerxes aber sandte in einer wunderbar großmütigen Laune die beiden Sühneopfer unversehrt nach Sparta zurück.

Er schickte nicht, wie es Dareios getan hatte, Herolde nach Athen und Sparta, und in Hellas und Lazedämon warteten die Griechen auf die drohende Gefahr, die aus dem Osten daherkam.

Die Athener entsandten die Theoroi, geweihte Gesandte, nach Delphi, um das Orakel zu befragen.

Aristonike, die Pythia, saß in dem Heiligtum auf dem heiligen Dreifuß. Die Dünste umwallten sie. Rings um sie her saßen die Abgesandten.

Sie stammelte:

»Unglückliche! Was bleibt ihr sitzen? Verlaßt eure Häuser und den Felsen der Akropolis! Fliehet bis ans Ende der Welt! Athen wird vernichtet werden.«

Alle Abgesandten hatten sich erhoben. Die Pythia aber fuhr in heiligem Wahnsinn fort:

»Ein Raub der Flammen wird eure Stadt werden, und der fürchterliche Ares auf einem orientalischen Streitwagen wird nicht nur eure eigenen Burgen und Türme vernichten, sondern auch die anderer Städte. Die Flamme wird die Tempel vernichten, die bereits von Schweiß triefen und vor Schrecken erzittern, und das schwarze Blut tropft bereits von den Dächern. Wehe euch, ihr Athener! Verlaßt mein Heiligtum und wappnet euch mit Mut gegen soviel Unheil!«

Die Abgesandten stürzten aus dem Tempel und schauten zu dem Giebeldreieck empor, allein es tropfte kein schwarzes Blut herunter. Daher wagten sie es, am folgenden Tage zurückzukommen, doch jetzt als Bittende mit Ölzweigen in der Hand, um Apolls Orakel zu befragen.

Sie knieten nieder rings um die Pythia und flehten:

»Phöbus Apollo! Gib uns günstigere Antwort über unsere Vaterstadt nun, da wir demütig mit diesen Ölzweigen vor dir knien! Sonst werden wir bis zu unserem letzten Lebenstage auf den Knien bleiben.«

Da erklang aus dem Qualm des Weihrauchs stammelnd die Stimme der Aristonike:

»Vergeblich steht Pallas Athene bei ihrem olympischen Vater Zeus und bittet flehentlich für ihre Stadt. Nichts vermag ihn zu erweichen. Hört, ihr Athener, den letzten, unwiderruflichen Bescheid! Wenn der Feind sich alles dessen bemächtigt hat, was Kekrops Land und der heilige Kithairon umfaßt, gewährt Zeus seiner Tochter und ihrer Stadt einen Wall aus Holz. Verlaßt, Athener, eure Stadt und schützt euch mit einem Wall aus Holz!« »Einem Wall aus Holz?« Die knienden Abgesandten sannen nach.

»Und du, göttliches Salamis, wirst die Söhne der Weiber umkommen lassen«, fuhr das Orakel fort. »Umkommen lassen, sage ich, entweder wenn Demeter sich zerstreut oder wenn sie sich sammelt.«

Die Abgesandten kehrten nach Athen zurück.

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