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Xenofons Gastmahl

Xenophon: Xenofons Gastmahl - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
booktitleXenophon, Sokratische Denkwrdigkeiten
authorXenophon
translatorChristoph Martin Wieland
year1998
publisherEichborn Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-8218-4163-X
titleXenofons Gastmahl
pages139-224
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bey dieser Bewandtniß, sagte Kallias, betest du ohne Zweifel täglich, ja nicht wieder reich zu werden, und wenn dir etwa von einem unverhofften Glücksfall träumt, opferst du sogleich den Nothhelfern,In dem Katholischen Deutschland sind 14 Heilige unter dem Namen der Vierzehn Nothhelfer bekannt. Die Griechen hatten auch ihre Nothhelfer, die man unter dem Namen Αποτροπαιοι, Abwender (des Bösen nämlich) anzurufen pflegte. um die böse Vorbedeutung abzuwenden? Das thue ich nun wohl eben nicht, versetzte Charmides, im Gegentheil ich laß es auf die Gefahr ankommen, wenn ich irgendwo etwas zu erhaschen Hoffnung sehe.

Nun wurde auch Antisthenes vom Sokrates aufgefodert, der Gesellschaft zu entdecken, wie er, in so knappen Umständen als er bekanntermaßen war, auf seinen Reichthum stolz sey. – Das kommt daher, ihr Männer, sagte er, weil ich der Meinung bin, Reichthum und Armuth liege nicht in unsern Häusern, sondern in unsern Seelen. Denn ich sehe eine Menge ungebildeter Leute, die bey vielem Geld und Gut sich dennoch so arm dünken, daß keine Arbeit noch Gefahr ist, der sie sich nicht unterziehen um mehr zu erlangen. Ich kenne Brüder, von denen, wiewohl ihre Erbtheile gleich waren, der eine genug und mehr hat als er braucht, der andere hingegen nie ausreichen kann und an allem Mangel hat. Ich sehe auch Tyrannen, deren Heißhunger nach Gold so heftig ist, daß sie seinetwegen größere Abscheulichkeiten begehen, als die Unglücklichen, die der Mangel zur Verzweiflung treibt. Denn daß es Menschen giebt, welche Diebstahl, gewaltsame Einbrüche oder Menschenraub begehen, geschieht doch nur aus Dürftigkeit: hingegen giebt es Tyrannen, die, bloß um Geld auf Geld zu häufen, ganze Familien zu Grunde richten, Menschen schaarenweise morden, ja oft die Einwohner ganzer Städte zu Sklaven verkaufen lassen. Ich gestehe daß mich diese Leute nicht wenig jammern, da ich sie mit einer Krankheit behaftet sehe, die von einerley Art mit derjenigen ist, wo der Kranke immer essen muß und doch nie satt wird. Ich für meinen Theil würde in der That Mühe haben zu finden was ich habe; gleichwohl bleibt mir, wenn ich esse bis mich nicht mehr hungert, und trinke bis mich nicht mehr dürstet, immer noch was übrig; und gekleidet bin ich so gut, daß ich außer dem Hause gewiß nicht mehr friere als dieser unser Freund Kallias, der einer der reichsten Männer in Athen ist. Bin ich aber zu Hause, so dünken mich meine vier Wände eine sehr warme Kleidung und das Sparrwerk meines Daches ein sehr dicker Ueberrock; und mit meinem Lager bin ich so wohl zufrieden, daß es mir nicht wenig Mühe kostet wenn ich einmal liege wieder aufzustehn.Etwa darum, weil er auf dem ebnen Boden schlief. Kommt mich zu Zeiten etwa noch ein anderes natürliches Bedürfniß an, so bin ich auch in diesem Punkt so genügsam, daß diejenigen, an die ich mich wende, mir ganz erstaunlich schön thun, weil kein Andrer in der Welt etwas mit ihnen zu schaffen haben möchte. Alle diese Dinge dünken mich im Genuß so angenehm, daß ich, weit entfernt zu wünschen sie möchten es noch mehr seyn, vielmehr einige von ihnen bereits reizender finde als dienlich ist.Auch hier folge ich der Vermuthung des Hn. Pr. Mosche, daß statt der gewöhnlichen Lesart, ηττον δε, ουτω μοι δοκει ενια κ.τ.λ. zu lesen sey. Hn. Pr. Zeunes Vorschlag, statt ηττον, ηττονι zu lesen, weil ηττον τουτων hier füglich heißen könne, HIS REBUS FRUENS, oder UBI ILLIS INDULGERE COEPI, scheint mir nur dann vorzuziehen, wenn Antisthenes hätte sagen wollen, wenn ich mich von ihnen zum Uebermaß hinreißen lasse; welches aber, seinen Grundmaximen zu Folge, bey ihm nie der Fall war. Wofern er es aber hätte sagen wollen, so ließe sich diese Bedeutung aus andern Stellen, in Xenofon und Platon rechtfertigen; da mir hingegen kein Beyspiel bekannt worden ist, wo ηττον τουτων HIS REBUS FRUENS hieße. Eher möchte ηττονι angehen, wenn man annähme, es sey soviel als, HIS REBUS (den APHRODISIIS) NATURAE STIMULO COACTUS SUCCUMBENS, – was denn auch wohl die Meinung des Antisthenes gewesen seyn mag. Das Schätzbarste an meinem Reichthum ist indessen, daß wofern mir Jemand alles was ich izt besitze nähme, ich keine Arbeit kenne, die mir nicht, wie schlecht sie auch bezahlt würde, soviel eintragen sollte als ich brauche. Will ich mir zuweilen recht gütlich thun, so – kaufe ich mir freylich nicht das Beste was auf dem Markte zu haben ist, denn das ist für mich zu theuer, sondern ich mache meine Laune zu meiner Schaffnerin und das Gemeinste verwandelt sich in meiner Einbildung in das Köstlichste. Auch ist jeder Genuß, für den ich den Augenblick des Bedürfnisses erwarte, ungleich angenehmer als das Köstlichste ohne Bedürfniß – wie z. B., der Fall mit diesem Wein von Thasos ist, den ich, weil ich zufälliger Weise an ihn gerathen bin, ohne Durst trinke. Uebrigens ist ganz natürlich, daß diejenigen immer die rechtschaffnern seyn werden, die sich mit einer geringem und wohlfeilern Lebensweise behelfen, als die für ihre vielen Bedürfnisse viel Geld nöthig haben. Wem das erste, was er vorfindet, genügt, der wird sich nicht leicht fremdes Eigenthum gelüsten lassen. Aber auch das verdient bemerkt zu werden, wie edel und freygebig diese Art von Reichthum seine Besitzer macht. Dieser Sokrates hier, von welchem ich ihn bekam, hat ihn mir weder zugezählt noch zugewogen, sondern soviel ich davon tragen konnte, soviel gab er mir. Auch halte ich nun mit dem Meinigen eben so wenig zurück; vielmehr mach' ich mir ein Vergnügen daraus, meinen Freunden zu zeigen wie reich ich bin, und theile die Schätze in meiner Seele mit Jedem der Lust dazu hat. Endlich verläßt mich auch das köstlichste aller Güter, die Muße, nie, wie Ihr sehet; ich habe ihrer immer soviel, als ich brauche um alles Sehenswürdige zu sehen, alles Hörenswürdige zu hören, und was mir über alles geht, ganze Tage mit Sokrates zuzubringen. Auch er schätzt die Menschen nicht nach dem Golde das sie zu zählen haben, sondern giebt sich bloß mit denen, die ihm gefallen, ab.

Als Antisthenes zu reden aufgehört hatte, sagte Kallias: Bey der großen Götterkönigin, ich finde deinen Reichthum zwar auch in allem übrigen beneidenswürdig, aber besonders zweyer Stücke wegen: Erstens, daß die Republik dir keine Befehle zuschickt, denen du wie ein Sklave gern oder ungern gehorchen mußt; und dann, daß die Leute nicht böse auf dich werden, wenn du ihnen kein Geld borgst. Des letztern wegen brauchst du ihn eben nicht länger zu beneiden, sagte Niceratus, denn ich gedenke ihm nächstens vors Haus zu rücken und ihm seine Kunst nichts zu bedürfen, abzuborgen. Denn seitdem mich Homer rechnen gelehrt hat,Ilias IX. 122f.

Zehen Talente Goldes, dazu dreyfüßiger Kessel
Sieben, vom Feuer noch rein, und zwanzig schimmernde Becken,
Auch zwölf mächtige Rosse –

Seitdem hab' ich nie aufgehört, mir recht viel Reichthum, von dem nämlich der sich wägen und zählen läßt, zu wünschen; und daher kann es leicht seyn, daß ich manchen etwas zu habsüchtig vorkomme. Hier lachten alle laut auf, daß er die Wahrheit, wie sie glaubten, so offenherzig gesagt habe.

Nun ist es an dir, Hermogenes, sagte einer, uns die Freunde zu nennen, deren du dich rühmtest, damit man sehen kann, ob sie wirklich so vielvermögend, als du vorgabst, sind, und soviel Antheil an dir nehmen, daß du Ursache hast, stolz auf sie zu seyn. Er ließ sich also folgender Maßen vernehmen.

Bekanntlich kommen Griechen und Barbaren in dem Glauben überein, daß die Götter alles Gegenwärtige und Zukünftige wissen. Daher pflegen denn auch alle Staaten und Völkerschaften die Götter durch die Wahrsagerkunst zu befragen, was sie (in zweifelhaften Fällen) thun oder lassen sollen. Ueberdies halten wir uns hoffentlich alle überzeugt, daß es in ihrer Macht stehe, uns sowohl Gutes als Böses zu thun; und so beten wir denn auch alle zu den Göttern, das Böse von uns zu entfernen, und Gutes uns zuzuwenden. Diese alles wissende und alles vermögende Götter sind mir so sehr gewogen, daß sie Tag und Nacht, überall wo ich gehe und stehe, und bey allem, was ich beginne, für mich sorgen und Acht auf mich haben. Da sie nun von allem was geschieht die Folgen voraussehen, so geben sie mir auch immer durch ihre Boten, Orakel, Träume und andere Zeichen, zu erkennen, was ich thun oder lassen soll. Auch hab' ich, wenn ich ihnen gehorchte, nie Ursache gefunden es mich reuen zu lassen, wohl aber bin ich, so oft ich ihnen nicht glaubte, allemal dafür gezüchtigt worden.

An allem diesem, sagte Sokrates, ist nichts unglaubliches; aber wohl möcht' ich gerne von dir hören, durch welche Dienste du Sie so sehr zu deinen Freunden machst. Die Wahrheit zu sagen, erwiederte Hermogenes, ich komme sehr wohlfeil dazu. Ich lobe und preise sie, was mich nichts kostet, und von allem, was Sie mir geben, geb' ich Ihnen etwas wieder; auch laß' ich, soviel mir möglich ist, kein Wort von böser Bedeutung über meine Zunge gehen, und wo ich Sie zu Zeugen anrufe, rede ich wissentlich nie eine Unwahrheit. – Beym Jupiter, sagte Sokrates, wenn du dir die Götter dadurch zu Freunden machen kannst, so müssen auch Sie, scheint es, an der Kalokagathie Gefallen tragen.

Der ernsthafte Ton, worein man durch die Rede des Hermogenes gerathen war, machte bald wieder einem aufgewecktern Platz, da die Reihe an Filippus kam, und er gefragt wurde, was er denn an seinem Lustigmacher-Handwerk so großes sehe, um sich viel darauf einzubilden? – Wie? rief er, will es etwa nichts sagen, daß, da ich allgemein für einen Spaßvogel bekannt bin, die Leute bey allen fröhlichen Gelegenheiten mich von freyen Stücken rufen lassen; wenn ihnen hingegen was Böses zustößt, so eilig vor mir laufen, daß sie sich nicht getrauen umzuschauen, so groß ist ihre Furcht sie möchten wider ihren Willen lachen müssen? – Beym Jupiter, sagte Niceratus, darauf hast du alle Ursache dir was einzubilden. Mir begegnet gerade das Gegentheil. Diejenigen unter meinen Verwandten, denen es glücklich geht, weichen mir schon von Ferne aus; die hingegen mit denen es schlecht steht, beweisen mir mit dem Stammbaum in der Hand daß sie meine Vettern sind, und ich kann sie gar nicht wieder los werden.

Das mag gut seyn, sagte Charmides. Aber du, Syrakusier, worauf thust du dir wohl am Meisten zu Gut? Vermuthlich auf deinen schönen Knaben hier? – Nein, bey Gott nicht! war seine Antwort; ich bin vielmehr seinetwegen immer in großen Aengsten; denn ich habe bereits ihrer Mehrere ausgespürt, die ihm nachstellen und ihn zu Grunde richten möchten.

Großer Gott! sagte Sokrates, der dies gehört hatte, was für eine schwere Beleidigung können sie von dem Knaben erlitten haben, daß sie ihn umbringen wollen?

Sie wollen ihn auch nicht umbringen, sie wollen ihn nur verführen bey ihnen zu schlafen.

Und du glaubst, wenn dies geschähe, würd' es ihn zu Grunde richten?

Beym Jupiter ganz und gar!

Du selbst schläfst also nicht bey ihm?

Ja wohl, zum Jupiter! alle Nächte, ohne daß er je von meiner Seite kommt.

Da hast du wahrlich dich eines besondern Vorzugs zu rühmen, wenn deine Haut die Eigenschaft hat, daß du allein deinem Schlafgesellen keinen Schaden zufügst! Wenn auch auf nichts anders, kannst du wenigstens auf ein solches Fell stolz seyn.

Das ist es aber ganz und gar nicht, worauf ich stolz bin.

Nun worauf denn?

Zum Jupiter, auf die Narren, die mir Geld dafür geben, daß ich ihnen meine Gauckeleyen zeige. – Das war es also, sagte Filippus, warum ich dich neulich die Götter bitten hörte, sie möchten geben, daß überall, wo du hinkämest großer Ueberfluß an Lebensmitteln und großer Mangel an Menschenverstand herrschen möge?

Auch gut, sagte Kallias. Nun wäre also nichts übrig, als wie uns Sokrates beweisen will, daß es seiner würdig sey, auf eine so unrühmliche Kunst, als er uns vorhin nannte, stolz zu seyn.

Vor allen Dingen, versetzte Sokrates, muß zwischen uns ausgemacht werden, worin die Verrichtungen eines Kupplers bestehen. Ihr werdet Euch also gefallen lassen, die Fragen, die ich an Euch thun werde, zu beantworten, damit wir sehen, wiefern wir hierin zusammentreffen. Ist Euch das recht?

Allerdings, sagten sie; und eben so lauteten alle ihre folgenden Antworten.

Dünkt Euch nicht auch, es liege einem tüchtigen Kuppler ob, daß er den oder die, so er an den Mann bringen möchte, in den Stand setze, den Personen, mit welchen sie Umgang pflegen sollen, zu gefallen? – Allerdings, sagten sie. Gehört unter die Dinge, wodurch man gefällt, nicht auch ein wohlgehaltnes oder zierlich geflochtenes Haar und eine nette Kleidung? – Allerdings.

Auch wissen wir, daß man einen mit eben denselben Augen freundlich oder feindselig ansehen kann. – Allerdings.

Und daß der nämlichen Stimme ein sanfter und sittsamer, oder ein greller trotziger Ton gegeben werden kann. – Allerdings.

Ingleichen daß es gewisse Redensarten und Ausdrücke giebt, welche Widerwillen, und wieder andere, welche Zuneigung einflößen? – Allerdings.

Wird also ein guter Kuppler seine Zöglinge nicht in allen diesen Stücken so abrichten und zustutzen, daß sie gefallen müssen? – Allerdings.

Welcher aber würde der Bessere seyn, wer sie nur einem Einzigen, oder wer sie Vielen angenehm zu machen wüßte? – Hier theilten sich die Stimmen: einige sagten, offenbar der letztere; andere platzten mechanisch mit ihrem gewohnten Allerdings heraus.

Wir sind also, wie ich sehe, hierin Eines Sinnes, fuhr Sokrates fort: wer seine Zöglinge so zu bilden wüßte, daß sie der ganzen Stadt gefielen, würde der nicht unstreitig ein vortrefflicher Kuppler seyn? – Unstreitig, beym Jupiter! riefen sie alle.

Wenn also Einer seine Untergebnen zu solchen allgemein gefallenden Menschen machen könnte, hätte der nicht Ursache auf seine Kunst stolz zu seyn, und könnt' er nicht mit Recht einen ansehnlichen Lohn dafür nehmen? Wie sich nun Alle auch hierin beyfällig erklärten, fuhr er fort: So einer dünkt mich – dieser Antisthenes hier zu seyn. – Mir, Sokrates! rief dieser aus, mir legst du diese Kunst bey? –

O gewiß! Seh' ich doch, daß du dich auch mit ihrer Kammerzofe sehr stark abgiebst! – Und wer wäre diese? – Die Gelegenheitsmacherey.Ich konnte kein besseres Wort für προαγωγεια finden, wiewohl es die Bedeutung desselben nicht ganz ausdruckt. Das griechische Wort heißt eigentlich das Vorführen, und bedarf übrigens keiner Erklärung. Wie? was? schrie Antisthenes, äußerst über diese (vermeinte) Beschuldigung aufgebracht; wo hast du mich jemals so etwas verüben sehen? – Ich weiß z. B. (versetzte Sokrates ganz gelassen) daß du diesen Kallias hier dem weisen Prodikus zugeführt hast, weil du sahest, daß jener ein leidenschaftlicher Liebhaber der Filosofie war, und dieser Geld brauchte. Auch weiß ich daß du ihn dem Hippias von Elea zugeführt hast, von welchem er unter andern die Gedächtnißkunst gelernt hat, durch die er noch verliebter als zuvor geworden ist, weil er seitdem keinen Schönen, der ihm vor die Augen kommt, wieder aus dem Kopfe kriegen kann. Ja es ist noch nicht lange, daß du mich mit dem Fremden von HerakleaMan vermuthet daß der Mahler Zeuxippus gemeint sey, dessen auch Plato im Protagoras rühmliche Erwähnung thut, wiewohl er sich unter den berühmten Mahlern keinen Platz erworben hat. zusammengekuppelt hast, nachdem du mir soviel Gutes von ihm gesagt hattest, daß ich begierig wurde mit ihm selbst Bekanntschaft zu machen. Auch weiß ich dir Dank dafür; denn er scheint mir ein durchaus liebenswürdiger, biederer Mann zu seyn. Und ist es nicht zwischen mir und Aeschylus, dem Fliasier, dadurch daß du nicht aufhörtest ihn bey mir und mich bey ihm herauszustreichen, so weit gekommen, daß wir auf deine bloßen Reden hin verliebt in einander wurden, und einander durch alle Straßen von Athen ausschnuppern und nachlaufen?Die Vergleichung ist nicht die edelste, aber keinem sehr auffallend, der sich in die Zeit, das Vaterland und die mit unter etwas Silenenhafte Laune des Sokrates hineindenken kann. Wahrlich, da ich solche Proben von dir habe, kann ich nicht anders als dich für einen trefflichen Gelegenheitsmacher halten. Denn wer im Stand ist diejenigen, die ihm nützlich seyn können, zu unterscheiden, und dann machen kann, daß sie Lust zu einander bekommen, der scheint mir auch der Mann dazu, ganze Städte einander zu Freunden zu machen, glückliche Ehen zu stiften, und überhaupt seinen Freunden, sowohl als seiner Vaterstadt und ihren Verbündeten sehr viel werth zu seyn. Und du hast dich gar über mich erzürnt, als ob ich dir wer weiß was Arges nachredete, da ich dich für einen guten Gelegenheitsmacher ausgab. – Nun, da ich weiß wie es gemeint ist, nicht länger, sagte Antisthenes. Denn wenn ich das vermöchte, würde für meinen Reichthum kaum Raum genug – in meiner Seele seyn.

Und hiemit hatte diese improvisierte Redeübung ihre Endschaft erreicht.

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