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Xenofons Gastmahl

Xenophon: Xenofons Gastmahl - Kapitel 13
Quellenangabe
typetractate
booktitleXenophon, Sokratische Denkwrdigkeiten
authorXenophon
translatorChristoph Martin Wieland
year1998
publisherEichborn Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-8218-4163-X
titleXenofons Gastmahl
pages139-224
sendergerd.bouillon@t-online.de
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IX.

Autolykus, dessen Stunde indessen gekommen war,Die Pankratiasten waren an die Beobachtung einer sehr genauen und strengen Vorschrift in Essen, Trinken, Schlafen und Bewegung machen, gebunden; und so war ihnen auch vorgeschrieben, wie bald und wie lange sie nach Tische zu Beförderung der Verdauung sich Bewegung machen mußten. stand nun auf um sich durch Gehen Bewegung zu machen, und Lykon, sein Vater, der ihm folgte, wandte sich im Hinausgehen gegen Sokrates und sagte: beym großen Gott! nun bin ich gewiß daß du ein edeldenkender und rechtschaffener Mann bist!

Bald darauf wurde ein Armsessel hereingebracht und aufgestellt, und nun trat auch der Syrakuser wieder herein und sagte: Ihr Herren, Ariadne ist im Begriff sich in ihr und Dionysens Brautgemach zu begeben; gleich darauf wird Dionysus, mit einem kleinen Räuschgen von der Göttertafel kommend, zu ihr eingehen, und dann werden sie mit einander scherzen.

Diesem nach erschien dann Ariadne zuerst in völligem Brautschmuck, und setzte sich in den Sessel; nicht lange so kündigte die Flöte im Bacchischen Ton und Zeitmaß den kommenden Weingott an. Jtzt bekamen die Zuschauer alle Ursache, sich von der Geschicklichkeit des Lehrmeisters der in diesem Tanzspiel auftretenden Kinder einen großen Begriff zu machen. Denn kaum hörte Ariadne das Getön, so lauschte sie ihm mit einer Miene entgegen, woraus jedermann merken konnte sie höre es mit Vergnügen; zwar gieng sie nicht auf den Kommenden zu, stand auch nicht auf, aber dennoch sah man, daß sie sich Gewalt anthun mußte um ruhig zu bleiben. Dionysus hingegen sobald er sie erblickte, tanzte mit dem lebhaftesten Ausdruck des verliebten Entzückens auf sie zu, setzte sich auf ihre Kniee, wand seine Arme um ihren Leib und küßte die verschämte Braut, die sich seinen Küssen einen Augenblick entziehen zu wollen schien, aber dem ungeachtet seine Umarmung mit traulicher Freundlichkeit erwiederte; während die Zuschauer ihr Wohlgefallen durch die lebhaftesten Zeichen zu erkennen gaben. Wie aber Dionysus wieder aufstand und zugleich Ariadnen mit sich aufhub, und nun beyde das Schauspiel eines sich küssenden Brautpaars mit vielerley Veränderungen und Gruppierungen darstellten; und die Zuschauer, selbst von der ausnehmenden Schönheit Dionysens und Ariadnens entzückt, immer deutlicher sahen, daß die beyden Liebenden sich nicht nur so stellten, sondern sich wirklich in ganzem Ernst Küsse gaben, geriethen sie dermaßen außer sich, daß sie sich kaum länger halten konnten; zumal wie sie den Bräutigam seine Braut fragen hörten, ob sie ihn liebe, und diese es ihm mit solcher Innigkeit zuschwor, daß nicht nur er, sondern alle Anwesenden mitgeschworen hätten, der Knabe und das Mädchen seyen wirklich in einander verliebt, so ganz und gar sah es nicht aus, als ob sie alle diese Stellungen und Geberden bloß gelehrt worden wären, sondern als ob sie in vollem Ernst etwas, wornach sie sich schon lange gesehnt, zu thun im Sinn hätten. Wie es dann endlich so weit kam, daß sie Arm in Arm, als ob sie nun zu Bette gehen wollten, hinwegtanzten: da schworen die Unverheiratheten daß sie unverzüglich heirathen würden; die bereits Vermählten aber schwangen sich auf ihre Pferde und ritten in vollem Galopp zu ihren Frauen nach Haus. Sokrates aber und die Zurückgebliebenen machten sich mit Kallias auf, den alten Lykon und seinen Sohn aufzusuchen und einen Spatziergang mit ihnen zu machen; und so endigte sich dieses Symposion.

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