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Xenofons Gastmahl

Xenophon: Xenofons Gastmahl - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
booktitleXenophon, Sokratische Denkwürdigkeiten
authorXenophon
translatorChristoph Martin Wieland
year1998
publisherEichborn Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-8218-4163-X
titleXenofons Gastmahl
pages139-224
sendergerd.bouillon@t-online.de
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VII.

Indessen veranlaßte doch der Einfall des Antisthenes, den Spaßmacher zu einer Vergleichung aufzufodern, einen kleinen Aufruhr, indem Einige verlangten, daß Filippus (der sich viel auf sein Talent in dieser Art von Witzspielen einzubilden schien) Vergleichungen machen sollte, Andre hingegen was anders wollten. Sokrates trat hier abermals ins Mittel. Da uns doch, sagte er, die Lust angekommen ist alle zugleich zu reden, wär' es nicht eben so gut, wenn wir alle zusammen sängen? Und damit stimmte er sogleich ein bekanntes Trinklied an. Als sie ausgesungen hatten, wurde eine Töpferscheibe für die Tänzerin hereingebracht, auf welcher sie allerley Wunderdinge bewerkstelligen sollte. Da wandte sich Sokrates zu dem Syrakuser und sagte: mein Freund, ich besorge bald selbst, daß ich wirklich noch ein Vernünftler, wie du mich vorhin nanntest, werden könnte. Denn ich zerbreche mir in diesem Augenblick den Kopf darüber, wie dieser dein Knabe und das Mädchen auf eine Art beschäftigt werden könnten, die ihnen selbst nicht so mühsam wäre, und uns Zuschauern doch das größte Vergnügen machen würde. Mir scheint das Ueberwälzen zwischen Degenspitzen eine Art von Belustigung zu seyn, die wegen des gefährlichen Ansehens, das dieses Kunststück hat, nicht sonderlich zu einem fröhlichen Gastmahl paßt. Auch das Andere, während man auf einer Töpferscheibe herumgedreht wird, zu lesen und zu schreiben, ist zwar eine Art von Wunder, was es aber für einen Genuß geben könne, seh' ich nicht. Denn es ist keineswegs angenehmer, schöne wohlgebildete Körper auf eine seltsame Weise verrenkt oder in Gestalt eines Rades zusammengebogen, als in natürlichen ruhigen Stellungen zu sehen. Zudem sind wunderbare Dinge, sofern hier Jemand gelüstig darnach seyn sollte, keine große Seltenheit, und man braucht nicht weit zu gehen, um sich z. B. zu verwundern, wie es zugehe, daß die glänzende Flamme, die in dieser Lampe brennt, den ganzen Saal erleuchtet, der (an ihr befestigte) metallene Spiegel hingegen, wiewohl er auch glänzt, kein Licht von sich wirft und doch andre Körper auf seiner Fläche erscheinen läßt: oder warum das Oel, wiewohl es naß ist, die Flamme nährt, das Wasser hingegen, weil es naß ist, sie auslöscht. Doch, auch solche Fragen taugen nicht zum Wein. Ich denke also, wenn du deine Kinder hier in einem Kostum und in Stellungen, wie die Grazien, Horen und Nymfen gemahlt werden, tanzen ließest, so würde es sie viel leichter ankommen, und diese Trinkgesellschaft würde nicht wenig an Vergnügen gewinnen.

Da sprichst du, bey Gott! ein gescheides Wort, Sokrates, versetzte der Syrakuser, ich hoffe Euch ein Schauspiel zu geben, woran Ihr euere Freude sehen sollt.

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