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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 8
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Verlogner Narr.

Die Zahl diser Narren ist über alle massen groß / ihr Zechmeister und Ober-Haupt ist der Teuffel selbst / welcher ein Vatter der Lugen genannt wird: der Lugen aber seind sehr unterschidlich / etliche die in Duodez eingebunden / etliche in Octav, in Quarto, welche aber in Folio, solche seind gar abscheulich. Folianten seind jene Männer gewest / welche Moyses in das Land Canaan geschickt hat / dasselbe zu besichtigen / und außzuspähen / nachdem solche wider zuruck kommen / da haben sie alle ausser Caleb, und Josue erbärmlich auffgeschnitten / ja / sagten sie / das Land ist wol edel / und fruchtbar / aber grausame / und ungeheurige Leuth gibts darinn / Leuth und Männer seind daselbst einer solchen Grösse / daß wir gegen ihnen wie die Heuschrecken außsehen. Num. c. 13. Das heist Auffgeschnitten.

Die Lug hat ihren Ursprung von Paradeiß / dort hat der böse Feind auß der Schlangen zwei batzige Lugen geschmidet: die Erste bestunde in dem Nequaquam, etc. mit nichten werdet ihr deß Todts sterben; die Andere / eritis sicut Dii, ihr werdet sein wie die Götter / etc. Hier ist ein Lug so gesichtig / und so gewichtig wie die andere. Die Eva thätte dazumahl nicht weniger auffschneiden / dann erstlich sagte sie / GOTT hat uns gebotten / wir sollen von disem Baum nicht essen / das ist S. V. eine / dann GOTT nur dem Adam das Gebott geben; ne tangeremus, etc. wir sollen den Baum gar nicht anrühren / das ist schon mehr eine / dann GOtt von Anrühren kein Meldung gethan; ne forte moriamur, etc. daß wir villeicht nicht sterben: Holla! das ist die Dritte / dann GOTT hat das Wörtl villeicht / gar nicht geredt: Von diser Zeit an / da unser erste Mutter also auffgeschnitten / schlagen die Menschen meistentheils nach der Mutter; wenig wenig werden gefunden / die also beschaffen seind / wie der H. Thomas von Aquin; als solcher einstens mit seinem Gespan spatzieren gangen / da kam der Gspan gähe mit diser Lug herauß / ecce Pater, schaut Pater da fliegt ein Ochs: worauff der H. Mann in die Höhe geschaut / sprechend / wo? wo? Der Gespann lachte ihm die Haut voll an / und sagt / ich hab euch für einen so grossen Doctor gehalten / und jetzt glaubt ihr / daß ein Ochs fliegen kan: O mein Frater, gab der H. Thomas, die Antwort / mein Frater, ich hab ehender glaubt / das ein Ochs könne fliegen / als ein Religios liegen. Wenig wenig findt man in der Welt / die also beschaffen seind wie der fromme Loth, bei deme 2. Engel in Gestalt der Frembdlingen die Herberg genommen; als aber bei nächtlicher Weil das Gottlose Volck dise zwei Jüngling mit allem Gewalt gesucht / da hat er es alsobald bestanden / daß sie bei ihme sein / hat es gantz und gar nicht geleugnet / er hette freilich wol können vorgeben / daß sie ihren Weeg haben weiter genommen / ja ein anderer thätte derentwegen dem Teuffel ein Ohr abschwören / daß dergleichen Leuth sein Hauß nie betretten / aber Loth auch in der grösten Gefahr seines Lebens wolte die mindeste Lug nit thun.

Jene Soldaten bei dem Grab deß HErrn / umb weilen ihnen die Juden wacker gespendiert / haben ein unverschambte Lug auff die Bahn gebracht daß nemblich die Jünger hätten den Leichnamb gestohlen / da sie unterdessen erfahren / daß er warhafftig von Todten aufferstanden: dise Gesellen haben umbs Geld gelogen; es seind aber einige so leichtsinnig / daß sie umbsonst / und umb nichts / als wäre es gar kein Sünd / die grösten Lugen aneinander knöpffen / ja sie halten es für ein Kunst / und wol anständige Manier / wann sie zur Vertreibung der Zeit / und zu Erweckung eines ungezähmten Gelächters wacker / und fast ohne Zahl / und ohne Zihl können auffschneiden / dencken aber nicht / was die Göttliche Schrifft sagt: Proverb. c. 12. Abominatio est Domino labia mendacia. Lugenhaffte Mäuler seind GOtt dem HErrn ein Greul.

Ein solcher unverschambter Auffschneider war jener der bei öffentlicher Taffel sich in Gegenwarth ehrlicher Leuth hat verlauten lassen / daß es ihme selbst widerfahren / als er einsmahls mit seinem Herrn neben einem Fluß geritten / und ein groß Fisch-Garn voller Fisch darin gesehen habe / und weil ihn so sehr nach den Fischen gelüstet / habe er das Pferd ins Wasser gesprengt / seie aber von einem grossen Fisch mit Pferd / und Sattel verschlucket worden; disen Fisch haben etliche Fischer lange Zeit hernach gefangen / und wie sie ihn auffgehauen und den Kopff zerspalten / seie er dem Fisch im Kopff noch in voller Rüstung zu Pferd gesessen / und habe dem Pferd die Sporen gegeben / daß er frisch und gesund zu seinem Herrn geritten / und demselben erzehlt habe / wie es ihm bißher ergangen seie. Unter andern war auch einer gewest / der vorgebracht / daß er vor zwei Jahren zu Constantinopel sich befunden / allwo dazumahl der Groß-Sultan das herrliche Zeug-Hauß visitiert / und weil einige Fähler darinn beobacht worden / und der dazumal gegenwärtige Groß-Vezier solche Nachlässigkeit nicht genugsamb kunte entschuldigen / also habe ihm der Sultan ein solche Ohrfeigen versetzt / daß ihme das Feuer auß den Augen gesprungen / darvon auch ein Funcken in das nechste Pulver-Faß gefallen / worvon das gantze Zeug-Hauß im Rauch auffgangen / und seie der Groß-Sultan kümmerlich mit dem Leben darvon kommen. Ei so lieg / daß dir das Maul erkrumpe! Dergleichen verlogene Narren werden schon erfahren wie theur sie solche Lugen werden müssen bezahlen.

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