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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Fauler Narr.

Pfui Teufel wie stinckts! Lazarus nach Aussag Marthae, hat gestuncken / aber nicht so sehr: der Misthauffen / wo der gedultige Job gesessen / hat gestuncken / aber nicht so sehr / als da stinckt ein stinckfauler Mensch / und solcher wird ebenfahls / vermög Heil. Schrifft / unter die Narren gezehlt: per agrum pigri hominis transivi, et per Vineam Viri Stulti. Proverb. c. 24. v. 30. Pfui Teuffel! pfui Faulentzer / alle beede verdienen das Pfui / seind auch meistens beieinander. Dahero in dem Gerasener Land der Heiland auß einem besessenen Menschen 6666. Teufel außgetriben; bevor aber dise verdambte Larven die Herberg quittiert / haben sie umb die Erlaubnuß gebetten / daß sie doch kunten in die nechste Heerd Schwein fahren / welches auch erlaubt worden; aber / warumb in die Schwein? Warumb nicht in die Esel? Dise seind gleichwol Astrologi, und kan man auß der Bewegung ihrer Ohren wahrnehmen / was für ein Wetter sein wird: Warumb nicht in die Pferdt? Ein Pferdt wird so gar unter die Himmels-Thier oder Gestirn gezahlt / und heist Pegasus: Warumb nicht in die Ochsen? Ein Ochs hat dannoch die Ehr gehabt / daß GOttes Sohn und er eine Wohnung gehabt: Die Teuffel haben kurtzumb in die Schwein begehrt; dann kein Thier ist dem Faullentzen also ergeben / wie die Schwein / dann ihr gantzes Leben bestehet nur in Fressen / Naschen / Ligen / Schnarchen / Gronen / etc. Andere lasterhaffte Leuth haben nur einen und anderen Teufel / der Faullentzer aber ein gantze Legion. Die Beeren zur Zeit Elisaei haben zu Bethel sehr grossen Schaden gemacht / indeme sie dero Innwohner kleine Knaben also erbärmlich zerrissen! aber ein Beeren-Haut / verstehe die Faulkeit / und Müssiggang fügt dem Menschen weit grösseren Schaden zu. Einer sagte einmahl zu einem Kahl-Kopff / pfui Kerl / dein Kopff ist nicht ein Haar werth / schau wie ich so lange Haar hab: das ist leicht / antwortet der Kahl-Kopff / dann wo ein fauler Grund ist / da wachst mehr Graß: Entgegen sag ich / wo ein fauler Mensch ist / dort wachst mehrer Unkraut; neben allem dem / daß die Faulkeit ein fruchtbare Mutter ist aller Laster / so hat sie auch diß zum besten / daß sie ein gute Holtzhackerin abgibt / machet aber nichts anderes / als lauter Stab / will sagen Bettelstab / dann der Müssiggang ist meistens der Mitteln Abgang / qui sectatur otium, replebitur egestate. Proverb. c. 28. Dahero jener Vatter seinen Sohn auff ein Zeit mit einem Brügl sehr abgeböglet / wessenthalben der Sohn sich wehemütig beklagt / warumb er mit ihme so hart verfahre? indem er doch nichts gethan: Eben dessentwegen sagt der Vatter / thue ich dich also wacker abknifflen / weil du nichts gethan / dann du hättest sollen etwas thun / und nicht also faullentzen: diser ware ein lobwürdiger Vatter / dann kein bessere Music ist / als wo der Vatter ein solchen Tact gibt.

Daß die Mäuß von Ratzen kommen / hab ich mein Lebtag nie gehört / du hast es auch nicht gehört / ein anderer hat es auch nicht gehört / und ist gleichwol die Warheit: der immerzu schlafft wie ein Ratz / und der stäts dem Müssiggang ergeben / ein solcher wird unfählbar ein Mauß werden / ein Mauser gar gewiß / welches so vil will sagen / als ein Dieb / dann er kan sich sonst nicht anderst erhalten.

Jener im Evangelio, wie er in die Noth gerathen / sagte selbst fodere non valeo, graben und arbeiten kan ich nicht / du köntest freilich / wann du nur wolltest / mendicare erubesco, zum Bettlen schamme ich michs / etc. was ist endlich darauß erfolgt? Partiten hat er gemacht / und ist ein Dieb worden / die gantze Ursach dessen ware / weil er nicht wolte arbeiten / sondern faullentzen: die faule Phantasten wollen gar keine Adams-Kinder sein / indeme doch dem ersten Vatter Adam nach seiner Ubertrettung gesagt ist worden / in laboribus comedes, etc. mit viler Arbeit solst du dein Speiß von der Erden haben. Genes. c. 3. Wer folgsamb nicht arbeitet / soll nichts zu essen haben. In disem Fall hat sehr weißlich gehandlet der Cardinal Angellotus, dann er einest hat lassen das gewöhnliche Zeichen mit dem Glöckl zum Auffwartten geben / darbei aber wenig Bediente erschinen / also hat er nachgehende lassen zum Mittag-Essen das Glöckl mit einem Fuchs-Schweiff schlagen / welches dann die wenigste gehört / wordurch dann geschehen / daß nur einer und der ander zum Essen kommen / die mehriste alle ungespeister gebliben. Volat. L. 23. Antroph. Arbeiten bringt Brod / Faulentzen bringt Noth.

Mancher lamentiert / diser und diser / sagt er / stehet so wol / bei ihme ist der Mondschein allezeit im Auffnemmen / bei mir aber immerzu im Abnemmen; er saufft ein guten Nußdorffer / ich aber ein frischen Brunner; er frist offt Indianer / ich aber kümmerlich Knödlianer; ihme thut man auffsetzen Artischocken / mir aber schwartze Nocken; er hat ein eignes Hauß / ich zwar auch / aber wie ein Schneck trag es allzeit auff dem Buckel; er schreibt sich von Weingarten / ich mich von Wasserburg. Lenzophile wilst du wissen die Ursach / er war in seiner Jugend sehr embsig / fleissig / und arbeitsamb / darumb stehet er anjetzo so gut; du aber bist allzeit ein fauler Narr gewest / hast vermeint / du seiest ein Holtzbirren Arth / so erst im Ligen zeitig werden. Ein solcher ist gewest einer mit Namen Hieronymus Nothleider / sonst von reichen Eltern gebürtig / diser hat das Seinige durch den stätten Müssiggang / und stinckfaulen Wandel völlig ahn worden; als ihme bei nächtlicher Weil die Dieb eingestigen / und er solches vermerckt / da sagte er unerschrockener zu ihnen / ihr Phantasten / was sucht ihr hier in meinem Hauß bei der Nacht / indem ich beim hell-liechten Tag nichts darinnen finde? Ist dahero noch war / und bleibet war / qui sectatur otiurn, replebitur egestate. Proverb. cap. 28.

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