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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Versoffener Narr.

Der weise Salomon liesse einest dise Wort hören Eccles. c. 2. v. 3. Cogitavi in Corde meo abstrahere a Vino Carnem meam, ut animum transferrem ad Sapientiam, devitaremque Stultitiam. Ich gedachte in meinem Hertzen / mein Fleisch vom Wein zuenthalten / und mein Gemüth auff die Weißheit zu wenden / und die Thorrheit zuvermeiden. Auß welchen Worten klar und sattsamb erhellet / daß die Leuth durch das unmässige Sauffen zu Narren werden. Faber in Auctario schreibt / daß ein vornehmer Herr einen einfältigen Narren zu seiner Unterhaltung habe gehabt; diser Herr hat sich einmahl bei einer Mahlzeit dergestalten überweint / daß er frühe Morgens seinem Jodl sehr den Kopff geklagt / worauff der Lapp geantwortet / Herrl thue Hunds-Haar aufflegen / das ist / thue heut wider einen Rausch trincken: der Herr folgt; deß andern Tags aber klagte er sein Capital noch hefftiger; deß Jodels Rath-Schlag ware widerumb / er solle mehrmahlen steiff sauffen: was / sagt der Herr / was wird aber endlich darauß werden? Endlich spricht der Jodl / wirst du ein Narr werden / wie ich: wol getroffen. Weil Holofernes der Kriegs-Fürst sich rauschig / und vollgesoffen / dessentwegen hat er durch die Judith den Kopff verlohren; die mehriste Leuth aber / ob sie schon durch das Sauffen nicht umb den Kopff kommen / so verliehren sie doch wenigist das jenige / was im Kopff ist / nemblich den Verstand; nicht übel sagt der Poët:

Der Trunckenheit drei S. S. S.
Merckts wol / und nicht vergeß /
Sünd / Schand / Schad sie bedeuten.
Flieh sie zu allen Zeiten.

Die Trunckenheit ist ein Sünd / zumahlen der H. Paulus in der 1 Epistel zu den Corinth. c. 6. schreibt / neque Ebriosi Regnum Dei possidebunt: noch die Truncken-Boltzen werden das Reich GOttes besitzen: die Trunckenheit ist ein Schand: dann beschau du mir einen vollen Zapffen: Erstlich hat er ein Gesicht wie ein Preussisch Leder / dort ist Bacchus natürlich in Kopfferstich getroffen: die Nasen tröpflet wie ein zerlexter Schleiff-Kübel / die Augen verkehrt er wie ein abgestochener Bock; das Maul seiffert / wie ein schmutziger Feimb-Leffel: die Zung ist erstarret / wie ein Nudel-Walcker; die Stimm bommert / wie ein alte Regiments-Trommel; die Füß gehen / wie ein Garn-Haspel; die Geberden seind also beschaffen / daß er von jedermann für einen Narren auß gelachet wird. Die Trunckenheit ist ein Schad / dann sie frist und verzehrt die Mittel. Herodes weil er sich voll gesoffen / hat umb einen Tantz eines hupffenden Gründschüpels ein halbes Königreich dargebotten / ware das nit ein Narrenstuck? Ein anderer hat all sein Haab und Gut versoffen / gleichwol noch bei der Nacht an statt der Inslet / Wachs-Kertzen gebrennet / als solches ein anderer gesehen / sagt er / mein Bruder / weil du Wachs-Kertzen auff deiner Tafel brennest / so glaub ich / du hattest Exequien oder Besingnuß deiner verstorbenen Gütter. Die Trunckenheit ist auch ein Schad dem Leib / dann die Gesundheit öffter Schiffbruch leidet im Wein als im Wasser / darumb ein Grabschrifft allhier zu Wienn einem Heer-Baucker gemacht worden / welcher durch 30. gantzer Jahr alle Tag rauschig gewest / anbei sehr starck am Podagra gelitten.

Heic est compostus Fridericus tympana bombus.
Moribus et tota Vita mirabilis hospes,
Annis triginta Solem non viderat unquam
Sobrius: Uxoris Podagrae crudelis amator.
Hier ein Heerpauker liegt gestreckt,
Der dreißig Jahr in seinem Leben
Dem Saufen also war ergeben,
Daß er zu früh niemals erweckt
Die Sonne nüchtern hat erblicket,
Bis ihn das Zipperlein geschicket
In dieses finstre Totenhaus,
Den langen Rausch zu schlafen aus.

(Nach der Ausgabe von 1707.)

Ein solcher Truncken-Bolt ware auch der Kaiser Tiberius, welcher derentwegen zum Schimpff Biberius genennt worden / wie dann von ihme der gelehrte Jacobus Balde also singt:

Tiberius Biberius.
Ein guter nasser Bruder /
Ohn Unterlaß beim Zapffen saß /
Pfui Teuffel! stets im Luder.

Auff gleichen Leist war geschlagen auch jener Weinschlauch / welcher keinen Tag unterlassen / da er nicht bei seinen Bekannten gesoffen / und zwar meistens umbsonst: als er einmahl zu einem kame / deme er allzu überlästig / so befahle derselbe Hauß-Wirth / man solle mit dem Essen warten; als es disem zu lang wehren wolte und sein Weingurgel fast vor lauter Durst gestaubt / da fragt er / ist es dann nicht Essens-Zeit? Noch nicht / sagt der Hauß-Herr / wann du aber wirst hinweck sein / da wohl: diser Weinschlauch wegen deß stäten Sauffens bekame einen solchen gesaltzenen Fluß an dem rechten Aug / daß ihme der Artzt gesagt / wofern er sich hinfüran nicht werde deß Sauffens mässigen / so komme er unfehlbar umb das Aug: worauff der Kandel-Bruder versetzt / es ist besser / daß ich ein Fenster verliehre / als das gantze Gebäu: das war ein versoffener Narr.

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