Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Abraham a Sancta Clara >

Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 5
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
Schließen

Navigation:

Ein Zorniger Narr.

Der jüngere Tobias auß Befelch deß Engels Raphaël fangt einen Fisch in dem Fluß Tigris, nimbt auß demselben das Hertz / die Leber / und die Gall / als lautter Sachen / die gut zur Artznei seind / wie er dann bald hernach mit der Gall die Augen seines Blinden Vatters bestrichen / worvon er widerumb das gewünschte Gesicht überkommen. Tob. c. 11. Dise Fisch-Gall ist gut und nutzlich gewest / entgegen aber die Gall deß Menschen ist über alle massen schädlich / zumahlen selbige nicht das Liecht bringt wie dem Tobiae, sondern nimbt das Liecht deß Verstands / und macht den Menschen gar zu einem Narren / wie es dann der Weise Seneca bezeugt: ubi multa iracundia, ibi multa insania.

Ein Zorniger und alle Narrn
Zusammen g'hörn auff einen Karn.

Der Prophet Jonas, nachdeme er auß seiner schwimmenden Herberg entrunnen / hat sich eilendts nacher Ninive begeben / alldorten den Untergang der gantzen Statt angekündt / und geprediget / nach solchem hat er die Statt verlassen / und sich gegen hinüber retirirt / alldort ist alsobald ein Kürbes auffgewachsen / dessen breitte Blätter ihme gar einen annemblichen Schatten gemacht / worüber er sich nicht ein wenig erfreuet / nicht lang hernach ist der Kürbes durch ein Würmel angebissen worden / und folgsamb verdorrt: welches dann den Jonas in ein solche Cholera und Zorn gebracht / daß er ihme dererthalben den Todt gewuntschen: das ware dazumalen ein grosses Narren-Stuck / wegen eines Kürbes den Todt wüntschen / als seie mehrer gelegen an einem Kürbes / als am Leben / dahero ihm GOtt einen Verweiß geben / und gesagt / meinst du dann / daß du wegen deß Kürbes mit Fueg zörnest? Jon. c. 4.

Wenceslaus König in Böhmen hat sich über seinen Mund-Koch dergestalten erzörnt / umb weil er ihme einen Cappauner nicht recht gebratten / daß er denselbigen hat lassen lebendig an Bratt-Spiß stecken / umbtreiben / und mit eignen Blut begiessen.

Otto Antonius Graff von Monferat, da ihne sein Knab bei unrechter Zeit auffgeweckt / hat lassen denselben in ein gepichtes / und mit Schweffel übergossenes Tuch lebendig einnähen / und anzünden / daß er also wie ein Fackel verbrunnen.

Bajazeth der Türckische Kaiser hatte in seinem Garten ein liebes Bäumlein / daran 3. Äpffel gehangen / welche einer auß dreien seiner Edel-Knaben abgerissen / worüber er sich dermassen erzörnt / daß er befohlen allen dreien den Leib auffzuschneiden / und solchen Raub zu suchen / so auch wär geschehen / woferrn man sie nicht bei dem Ersten in seinem Magen hette gefunden.

Ein grösserers Narrenstuck ist aber / wann man sich über ein Sach erzörnt / so da kein Leben noch weniger ein Vernunfft hat. Cyrus der Persianische König hat über den Welt-berühmten Fluß Ginden / weil in demselben sein lieber Schimmel ertruncken / sich dergestalten erzörnt / daß er denselben in 380. Armb hat lassen zertheilen. Der König Xerxes hat ein solchen Zorn gefast über den engen Meer-Schlund deß Aegeischen Meers / daß er demselben hat lassen 300. Streich geben / in so gar Fußeisen in denselben geworffen. Caligula hat wegen deß trüben Wetters sich gar über seinen vermeinten Gott Jupiter erzörnt / denselben gar außgefordert / und zugeschrien / aut tolle me, aut ego te, entweders must du mir / oder ich dir den Halß brechen. O Narr über alle Narren!

In einer Statt in Teutschland / welche wegen der Kauffmannschafft sehr berühmbt / war ein Barbierer / sonst eines ehrlichen Wandels / und in seiner Kunst wohlerfahren / allein hat er einen Mangel an der Red / und thätte mit der Zungen Kacketzen; zu disem kamme auff ein Zeit einer / der ebenfalls mit der Zungen angestossen / ohnwissend / daß der Barbierer einen dergleichen natürlichen Fehler hette / sagte also: Bon, Bon, Bona dies, ich wolt mich gern lassen bu / bu / butzen: der Barbier sahe ihn an / wuste vor Zorn nicht zu antworten / sagt endlich / du spo / spo / spottest mich / er sagt / ich spo / spo spott dich nicht / I / I wolt mi / mich gern la / lassen bu / bu / butzen: dises gienge ein gute Weil also fort / biß endlich der Barbierer in solchen Harnisch gerathen / und sich dergestalten erzörnt / daß er ihme das Barbier-Beck an Kopff geworffen / und darauff mit einem dicken Stulfuß dergestalten abgebrüglet / daß / wofern die Leuth nicht hätten abgewehret / er denselben gar zu todt hätte geschlagen; dem Barbierer aber hat solcher Zorn dergestalten geschadet / daß er hierüber etliche Wochen hat müssen das Beth hüten / und ist kümmerlich mit dem Leben darvon kommen. Dahero sagt Job: Virum stultum interficit iracundia.

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.