Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Abraham a Sancta Clara >

Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
Schließen

Navigation:

Ein Geitziger Narr.

Daß die Geitzigen als Narren sollen gescholten werden / scheinet auß dem / weil GOtt ihnen selbst solchen Titul hat geben / wie Luc. c. 12. zu sehen / und zu lesen; alldort geschicht Meldung von einem reichen Gesellen / der vor Menge der Früchten nicht hat gewust / was er solle anfangen / dann die Scheuren oder Stadel waren ihme allzu eng / hat ihme derentwegen solcher Phantast bei der Nacht selbst den Schlaff gebrochen / da unterdessen ein Armer hätte ohne Sorg fortgeschlaffen: wie erst-gedachter Reiche in mitten der Grillen / und Mucken gewesen / da kombt ein Stimm von GOtt / und heist ihn ein Narren / Stulte, etc. du Narr / und thorechter Mensch / noch dise Nacht wird die Seel von dir gefordert werden / et quae parasti, cujus erunt? Das Geld und Gut / so du zusammen geraspelt / wer wird es bekommen?

O Narr über alle Narren! Der reiche Prasser hat ihme selbst gute Tag angethan / hat die gantze Zeit stattliche Panquet gehalten / die vier Elementen seind ihme stäts zu Diensten gewest / der Lufft spendierte das Feder-Wildprät / die Erd gabe ihm von allerlei Thier / und Früchten / das Wasser versehe ihn mit Fischen / das Feuer muste immerzu sieden und braten / Essen und Trincken / und anders guts Leben / hat ihme sein Vatter zum Heurath-Gut geben / recepisti bona in vita tua, etc. bei ihme war alle Tag ein Fest-Tag / und Freß-Tag / endlich und endlich ist er freilich wol zum Teufel gefahren / und in der Höll begraben worden / requiescat in pice: Aber du bethörter Geitz-Halß thust dir gar keine gute Täg an / du frissest mehrer Kummernuß / als Hasel-Nuß; du küfflest mehrer Mangel-Kern / als Mandel-Kern; du sauffest mehrer Trübs als Liebs / und fahrest dennoch zum Teuffel; du hast ein zeitliche und ein ewige Höll! O Narr! Es seie Sommer oder Winter / so fahrest du in Schellen-Schlitten zum Teuffel.

Magdalena die H. Büsserin hat mit ihrer Allabaster-Büchsen GOtt wolgefallen / und darmit den Himmel erworben / du aber mit deiner Sparr-Büchsen verdienst nichts anders / als die Höll. Die H. Ascla mit ihrem Fasten / und Leiden / der H. Asidius mit seinem Fasten / und Leiden / der H. Assentius mit seinem Fasten / und Leiden haben die Seeligkeit erhalten; aber ein solcher Asinus wie du bist / mit seinem Fasten / und Leiden procurieret ihme selbst die Höll. O Narr!

Quae parasti, cujus erunt? Ei so sparr / du Narr? du bist in dem Fall nicht ungleich den Ameisen / welche den gantzen Sommer hindurch mit gröster Arbeit / und Sorgen zusammen samblen / nachdem sie endlich fast mit einem Uberfluß versehen / da kommet ein großkopffeter Beer / und verzehrst alles dises auff einmahl: du geitziger Gesell in der Höll / was du mit vilen Sorgen und Borgen / was du mit vilen Lauffen und Schnauffen / was du mit vilen Fleiß und Schweiß zusammen gesparrt / da kombt ein Beer / ich darff wol sagen gar ein Bernheuter / dein Sohn / oder Erb / der verzehrt alles / zerstörst alles. O Narr / ziehe die Schellen-Kappen herunter / damit du besser hören kanst / was der H. Valerianus redet Hom. 20. Stultitiae genus est, aliis fecisse lucrum, et sibi parasse supplicium.Narrheit bedeutet es, andren Gewinn zu verschaffen und Not für sich selbst zu behalten.

Lucae am 13. Cap. ist zu lesen / wie daß der HErr ein Weib hat gesund gemacht / welche einen gar elenden Zustand gehabt / und zwar selben hat sie bekommen vom bösen Feind / non poterat sursum respicere: 18. gantzer Jahr ware sie dergestalten mit dem Leib zusammen gebogen / daß sie niemahl kunte in die Höhe schauen / sondern nur allzeit auff die Erden. Dergleichen Zustand haben wol mehrer Leuth / die ein gantze Zeit nie den Himmel anschauen / noch weniger denselben betrachten / sondern alle ihre Gedancken seind auff der Erden / und das Irrdische: Ein gelbe und weisse Erden; was ist Gold und Silber anders? Ist der einige Zweck / und Absehen ihres Hertzens; ja einige seind dergestalten bethört / daß sie umb ein schlechtes Geld sich gar dem bösen Feind verschreiben / der Seelen Seeligkeit in die Schantz schlagen: vil seind / die wegen eines kleinen Verlust sich gar hencken oder ertrencken; sollen dann dise nit Narren sein? die geitzige Narren werden nicht allein ewig gestrafft / sondern offt auch zeitlich / wie folgendes zu sehen.

Ein vornehmer Cavallier ware neben andern adelichen Tugenden absonderlich freigebig / forderist aber gegen den Armen / und Bedürfftigen / deren er keine ohne sondere Beihülff von sich gelassen; entgegen aber ware sein Cammer-Diener über alle massen dem Geitz ergeben / auch so gar musten die jenige / so was von dem Gnädigen Herrn empfangen / ihme spendiren / und meisten Theil die Helffte; das hat ein arglistiger Gesell in Erfahrnuß gebracht / und weil er zu dem Gnädigen Herrn nicht kunte gelangen / ausser / er verspreche dem interessierten Cammer-Diener den halben Theil von dem / was er wurde bekommen / also hat er gar gern solches verheissen und zugesagt; nachdem er nun ein reichliche Beisteur von dem Cavallier erhalten / da hat er anbei umb ein andere Gnad gebetten / und zwar umb ein Maultaschen / die er zur Gedächtnuß gar gern von einer so freigebigen Hand ertragen wolle; solches hat Anfangs der Cavallier auff alle Weiß geweigert / endlich nach so villen und inständigen Bitten ihme ein kleine und fast nicht empfindliche geben / so mehrer einem Schertz gleich gesehen: als diser nach villen Dancksagen abgewichen / da ist alsobald der Geldgierige Cammer-Diener über ihn / und verlangt die Helffte was er empfangen: alsobald war die Antwort / alsobald / und gibt zugleich dem Geitzhalß ein solche Maultaschen / daß er die gantze Stiegen hinunter gefallen / welches Getöß verursacht daß auch der Cavallier auß seinem Zimmer geloffen / die Ursach dessen alles befragt / deme aber diser die Sach nach allen Umbständen erzehlt / wie daß er nicht habe können vorkommen / er habe dann dem Cammer-Diener den halben Theil versprochen / was er von dero freigebigen Hand werde bekommen / weil er nun Geld / und ein Maul-Taschen empfangen / also habe er mit ihme getheilt / das Geld für sich behalten / und die Maul-Taschen ihme eingehändiget: welches der Cavallier diesem Geitzhalß gar wol vergonnt / und noch hierüber denselben seines Diensts entlassen.

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.