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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 13
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Lobwürdiger Narr.

Unter dise Zahl hat sich der Heil. Paulus selbst sambt den Seinigen gezehlt / als er gesagt hat / nos stulti propter Christum, wir seind Narren umb Christi willen. 1. Corinth. c. 4. Dann die Welt dazumahl hat es für ein Narrenstuck gehalten / daß dise so vil Schmach und Unbild umb Christi willen gelitten: aber dergleichen Narrheit ist bei GOtt ein Weißheit; solche lobwürdigste Narren hat man schon zimblich vil in der Welt gefunden und ist deren noch kein Mangel.

Wer ist diser / der so vil gilt bei dem Päbstl. Stuhl? Bei so grossen gecrönten Häuptern? Er hätt gar können Ertz-Bischoff zu Mailand werden / wann er solche Dignitet nit hätte geweigert; Es ist der Clarevallensische Abbt Bernardus; zu disem ist auff ein Zeit ein Priester kommen / und in sein Heil. Religion angehalten / daß er nemblich wolte ein Mönch werden; Bernardus gibt ihm ein Antwort / daß er auch anderwerts / wann er will / könne einen vollkommenen Wandel führen; diser namme Welches für einen Korb auff / und schlagt ihne dergestalten ins Gesicht / daß er fast über und über gefallen; als andere dise Ohnbild in allweg wolten rächen / hat der Heil. Mann sie mit allem Gewalt abgehalten / sprechend / mir hat GOtt so offt verzihen / warumb solte ich ihme nit verzeihen? Marulus l. 5.

Ein solcher Narr bin ich nicht / sagt ein mancher Welt-Mensch / der Teuffel hol mich / wann mir diß wäre geschehen / ich wolt dem Pfaffen die Blatten geschoren haben / daß er sein Lebtag hätte auff mich gedenckt / ich wolt ihn mit dem Spanischen Rohr auff gut Teutsch dergestalten gemessen haben / daß er die Streich Nottenweiß hätte müssen zehlen / was gilts / er wäre mir mit dem praesta quaesumus kommen / und umb Gnad gebetten. Ecce! der sich nicht rächet an seine Feind / und den zeitlichen Respect nicht achtet / wird von der Welt für einen Narrn gehalten / aber dise Narrheit ist bei GOtt ein Weißheit. Ego dico vobis, diligite inimicos vestros. Matth. c. 5.

Wer ist diser / der sich in einer so schlechten Hütten auffhaltet / daß er sich kaum kan umbkehren? Sein Kleid ist nichts anders / als ein rauchen Sack; sein Beth ist nichts anders / als eine von groben Binsen geflochtene Decken; sein Kuchel ist nichts / als ein blosse Erd / allwo ein schlechter Kraut-Topff beim Feuer stehet; sein Keller ist nichts anders / als ein vorbeirinnender Bach; sein Gesellschafft die wilde Ther: Wer ist diser? Es ist Arsenius, derselbige / der da hat können bei deß Kaisers Arcadii Hoff alles in allen gelten; er hätte können alle Renten auß dem Königreich Egypten geniessen; er hätt können die rechte Hand dises grossen Monarchen sein / und folgsamb ein halber Welt-Regent; hat aber alles dises veracht / und verlacht / etc. und ist ein Eremit worden. Ein solcher Narr / sagt ein mancher Welt-Mensch bin ich nicht / man muß gleichwohl auff Ehr und Reputation gehen / auch ein gemeiner Erd-Dampff sucht in die Höche zu steigen: das Wörtl Honor fangt von einer Aspiration an / als solle ein jeder rechtgeschaffener Kerl nach einer Ehr trachten. Meine Eltern haben mir darumb so vill Geld hinderlassen / damit ich heunt oder Morgen soll weiter kommen; hat Saul können auß einem Esel-Treiber ein König werden / warumb soll ich nicht auch alles suchen / und versuchen / damit was mehrere auß mir werde; ein Storch macht sein Nöst in die Höche / solt ich dann schlechter sein / als diser Schnaderer; ein Baum tracht von Natur in die Höche / ich müste wohl ein Stock und Block sein / wann ich nicht deßgleichen thätte: es ist doch besser bedient werden / als dienen; so halt man doch mehrer auff einen Thurn / als auff ein nidere Halter-Hüten; einen hochen Berg scheint die Morgenröth ehender an / als einen schlechten Scher-Hauffen. Ecce! der Ehren / und Digniteten verachtet / wird von der Welt für einen Narrn gehalten; aber dise Narrheit ist bei GOtt ein Weißheit / in deine er gesprochen hat: Discite a me, quia mitis sum et humilis corde. Matth. cap. 11. Non venit Filius hominis ministrari, sed ministrare. Matth. c. 20.

Wer ist diser? Der in einer so schmutzigen Kutten / die Schüssel in der Kuchel abspüllt? Denen ankommenden armen Pilgramen die kottige Füß waschet? Den Leib täglich mit harten eisenen Ketten abbufft? Einen härtenen Strick an dem blossen Leib tragt / und nicht einmahl sich sättiget mit einem geschimmelten Brod: Wer ist diser? Es ist Gallicanns ein nächster Befreundter deß Grossen Kaisers Constantini, der ein Ober-Haupt deß gantzen Römischen Kriegs-Heer: diser hat alles umb Jesu Christi Willen verlassen / ein Mönch worden / und einen solchen strengen und harten Lebens-Wandel angetretten. Ein soler Narr / sagt mancher Welt-Mensch / bin ich nicht / ich will gleichwohl in Himmel kommen / es heist ja / du sollst deinen Nechsten lieben; wer ist mir nähender als mein Leib? Diser kan das Cilicium, und Roß-Haar gar nicht leiden / ausser under dem Sattel; Das Geißlen / und Peitschen hat er gar nicht gewohnt; hat sich doch ein Engel über die Eselin erbarmt / wie solche der Balaam geschlagen; Fasten ist mir gär nicht möglich / mein Magen erschreckt vor Fischen / wie der jüngere Tobias beim Fluß Tygris: Daß Joannes in der Wüsten Heu-Schrecken für ein Speiß habe genossen / will ich der Weil glauben / underdessen wird mir ein Cappauner nicht so schädlich sein / wie dem Petro ein Hahn / etc. Ecce! einen strengen / harten Lebens-Wandel führen / den Leib gebührend Casteien / ist bei der Welt ein Narrenstuck / aber bei GOtt dem Allmächtigen ist es ein Weißheit / qui autem sunt Christi, Carnem suam crucifixerunt cum vitiis et concupiscentiisDie aber, welche zu Christus stehen, haben ihr Fleisch gekreuzigt mitsamt den Lastern und Lüsten. , etc. ad Galat. 5. Regnum Caelorum vim patitur. Matth. cap. 11.

Wer ist diser? Er tragt ein Zettel in der Hand / er leut bei der Closter-Pörten an / und begehrt zu dem P. Prediger / erzehlt demselbigen umstandig / wie er verwichenen Erchtag einen Beuttel mit 100. Ducaten habe gefunden / darbei auch ein Ring mit einem sehr kostbahren Diamant / bittet denselben / er wolle doch die Mühe über sich nemmen / und dise Zettel nach der Predig ablesen / folgsamb verkünden / wer etwann dises Geldt verlohren / soll sich da und da anmelden. Ein solcher Narr / sagt ein anderer / wär ich nicht / der Kerl hat das Glück nicht wissen zu gebrauchen / da hätt ich wol mein Maul gehalten / warumb gibt nicht ein jeder acht auff sein Sach; zu dem Geldt hett ich gesagt / Herr mein Fisch: Es muß einer lang wartten / biß ihm ein solche Kuhe kälbert: Ecce! Der auff sein Gewissen gehet / und mit ungerechtem Geldt sich nicht will beschweren / einen solchen halt die Welt für einen Narrn / aber dise Narrheit ist bei GOtt ein Weißheit: Quid proderit homini, si lucretur universum Mundum, Animae vero suae detrimentum patiatur.Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte?

Wer ist diser? Er ist halb nackend ausgezogen / kriecht auff allen Vieren daher / tragt einen Sattel auff dem Rucken wie ein Esel / einen Zaum in dem Maul / marchiert solcher Gestalten auff öffentlichen Platz / wo ein Menge der Leuth versamblet / deren mehriste ihn für einen unsinnigen Narren gehalten; Wer ist diser? Es ist der Seelige Jacoponus auß dem Orden deß Heil. Francisci, welcher nichts anders gesucht / als von der Welt veracht / und verlacht zu werden: aber ein solche Narrheit ist bei GOtt ein Weißheit.

Wer ist diser? Er tantzt in Gegenwarth viler Tausendt Persohnen vor der Kirchen / hat einen umbgekehrten Beltz an / und das Rauche auswendig / macht allerlei seltzambe Caprioli / schnaltzt mit den Fingern / und macht Männiglich ein so unverhofftes Narren-Spill? Diser ist der H. Philippus Nereus, der bei dem Pabst / und allen Cardinällen im höchsten Ansehen; damit ihn also die Leuth nicht für heilig solten halten / hat er sich gantz närrisch gestellt. Solche Narrheit aber war bei GOtt ein Weißheit.

Wer ist diser? Er ziecht auff wie ein Capuciner / tragt aber einen schwartzen Hut auff dem Kopff / den ihme besagter Philippus Nereus aufgesetzt / hat ein Blumen-Büscherl hinder den Ohren / drinckt vor allen Leuthen Mitten auff dem Platz zu Rom auß einem Fläschel / ihme lauffen die Buben nach in einer grossen Menge / und schreien / Capucino col Cappello, Capucino col Capello, etc. diser ist der Seelige und heilige Mann / und Bruder Felix ein Capuciner / der wegen seiner grossen Heiligkeit allenhalben berühmbt; damit er nur von der Welt möchte veracht und verspottet werden / hat er derentwegen / solche / dem Ansehen nach / ungereimbte Sachen begangen: aber ein solche Narrheit ware bei GOtt ein Weißheit.

O wol ein schöne / ein löbliche / ein heilige Anzahl solcher Narren! die alle mit Paulo umb Christi willen Narren abgeben / nos stulti propter Christum. Lasset euch nur nicht abschröcken ihr eiffrige Christen / wann euch schon die schwindsüchtige Welt / wegen euren frommen Wandels / und Christlichen Lebens außlachet / und für Narren haltet; ist doch der Welt-Heiland Christus der HErr selbst bei dem Hoff Herodis nicht anderst gehalten und tractiert worden: ist doch der Nahmen und das Evangelium nicht anderst tractiert worden / als Judaeis Scandalum, Gentibus Stultitia, 1. ad Corinth. 1. c. Den Juden ein Ergernuß / den Heiden ein Thorrheit. 1. zu den Corinth. 1. Cap. Folgen wir lieber nach dem Heil. Gregorio, welcher also ernsthaft uns sammentlich ermahnet / Si veraciter Sapientes esse appetimus, relinquamus noxiam Sapientiam, discamus laudabilem fatuitatem. Wann wir recht weiß und verständig zu sein begehren / so lasset uns die schädliche Weißheit verlassen / und lasset uns lehrnen ein löbliche Thorrheit. S. Gregor. Papa. lib. 27. Moral. c. 27.

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