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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Grober Narr.

Ob Adam / nachdem er auß dem Paradeiß verjagt worden / und einen armen / und arbeitsamen Baurn muste abgeben / ob er damahls schon einen Schlegel habe gebraucht als thäte er Holtz klieben / ist mir / und vilen andern nicht bewust; aber wie sein ungerathner Sohn der Cain seinen Leiblichen Bruder Abel ermordt / und von dem Allmächtigen GOTT befragt worden / wo sein Bruder seie? Da gabe er dise Antwort: Nunquid custos Fratris mei sum ego? Bin ich dann meines Bruders Hüter? Diser war meines Erachtens der erste Schlegel / und zwar ein Grober / indem er dem Allerhöchsten GOtt ein so unhöffliche Antwort geben: Der Cain hat seines gleichen die Menge der Brüder / welche alle mit dem Titul als grobe Narren gezeichnet sein; under solchen hat fast den Vorzug der Nabal. 1. Reg. c. 25. Als denselben der David durch seine Bediente so höfflich ersuchen lassen umb einige Victualien, gestalten er sich in grosser Noth befunden / da hat diser Grobe und ungeschlachte Gesell gegen ihn ein Gesicht gemacht / als hätt er ein dutzet Holtzäpffel gefressen / auch endlich in dise grobe Wort ausgebrochen. Quis est David? Wer ist dann der David? Ei du grober Knospus! sollst du nicht den jenigen kennen / welchen gantz Israël so hoch und werth haltet? Der da ein so Herrliche / und nie erhörte Victori wider die Philistheer erhalten hat? Gar recht hat sich nachmahls die stattliche Dama Abigail dises Grobiani Gemahlin bei dem David entschuldiget / er wolle es doch nicht so hart zu Gemüth führen / was ihr Mann ihme und seiner hochen Persohn hat zugefügt / stultitia in eo est, etc. Dann er / sagte sie / ist von Natur ein grober Narr.

Der gelehrte Didacus Nissenus schreibt: Fer. 4. post Dom. 2. Quadrages. Daß GOTT nicht allein die Heiligkeit sondern auch die Höfflichkeit in seiner Schuel lehre non Sanctitatem modo, verum er Urbanitatem in sua Schola Deus docet. Sehe jemand nur wie höfflich der gebenedeite Heiland mit dem Petro umbgangen / als einest das Volck auff Ihn trang / GOttes Wort zu hören / da Er stunde am See Genesareth, auch dazumahl zwei Schiff am See stunden / die Fischer aber waren außgetreten / und wuschen die Netz / der HErr aber tratt in ein Schiffel / das dem Simoni zugehörig / und bitt ihn / daß ers ein wenig vom Land führete / rogabat eum, etc. Ei / GOttes Sohn selbst; der Welt Heiland selbst; der HERR und Herrscher aller Ding selbst / batt GOTT den Petrum, etc. Mercke doch / daß die Höfflichkeit bei allen ein sehr schöne / und wol anständige Tugend seie. Luc. c. 5.

Wie hätte dann können höfflicher sein Magdalena bei dem Grab deß HErrn / als ihr der Herr in Gestalt eines Gartners erschinen / den sie damahlen auff kein Weiß erkennt / gleichwohl denselben einen Herrn tituliert / Domine, etc. Sonst pflegt man die jenige / so ein Schauffel über die Achsel tragen / gar selten Herrn zu schelten / aber Magdalena, als ein adeliche Persohn / wuste gar wol / daß die Höfflichkeit bei einem solchem Stand sehr wohl stehe.

Der alte Plutarchus in Pol. ad Traja. hat dazumahl schon die unhöffliche Leuth für grobe Narren außgefiltzt / da er sagte: Stulti sane, qui intelligere nequeunt, honorare, quam honorari, quid praestet.Gänzlich närrisch sind die, so nicht einsehen können, was höher: Ehre erweisen oder Ehre empfangen. Daß die Bauren meistens sich in die Höfflichkeit nicht können schicken / ist es ihnen so gar für ungut nicht auffzunemmen: zumahlen ihr meiste Auffenthalt ist bei groben / und unartigen Leuthen / ob doch schon einer gewest / der vor hat geben / als sein die Baurn vil höfflicher als die Edl-Leuth / dann wann sie sich schneutzen / so werffen sie solchen Unflat auff die Erden; die Edl-Leuth aber solchen gemeiniglich sambt dem Tüchl in Sack schieben.

Weil der erste Baur in der Welt grob ist gewest / diser war der Cain, Cain autem erat Agricola. Also glauben die andern / sie müssen gleichsamb in dessen Fußstapffen tretten; dergleichen Exempel / weil sie allzuvil und fast täglich / seind unnöthig allhier beizurucken: Ich weiß mich selbst zu erinneren / daß ein Geistlicher bei einer vornehmen Wahlfahrt / umb weil der Zulauff allzugroß / derentwegen genöthiget worden / under dem freien Himmel Beicht zu hören; als aber der Stuel / worauff er gesessen / zimblich nider / und folgsam der Habit unterhalb vil auff der Erden gelegen / und nun ein Baur mit neuen Lederen Hosen hinzugetretten / und nider knien wolte / da hat er vorher den Habit deß Beicht-Vatters besser hinauß gezogen / ihme selben / als einen Teppich underbreittet / damit er solcher Gestalten seine gelbe Hosen nit möge besudlen. Wol ein grober Narr!

Ein anderer hat seinem Herrn Verwalter ein Kandl Wein zu dem Nachtmahl überbracht / mit Bitt / er wolle darmit vor lieb nehmen / dann er wisse doch nicht / wann ein Schelm den anderen vonnöthen habe; thut zugleich ihme eines zubringen; da er aber vermerckt / daß ein Mucken oder Fliegen im Wein schwimme / wolte er doch solche nicht herauß fischen / sondern namme den Lichtbutzer von dem nächsten Leuchter / und hebt sie darmit herauß. Auch ein grober Narr!

Andere unzählbar mehrer dergleichen Grobheiten seind für sich selbst auch in allweg bei den Bauren zu tadlen; vil mehrer aber bei anderen Leuthen / die gleichwol in Stätten / und Märckten seind aufferzogen worden / oder wenigist einige Jahr und Zeit unter denselben gewandlet; dannoch findt man solche Porcellänische Gäst / ungeschlachte Limmel / knopperte Wald Scepter / umbkehrte Berchtolds-Gadner-Waar / über und über gedräte Knöpff / die noch der eigenen Meinung seind / als stehe ihnen die Grobheit sehr wol an.

Einer sitzt bei der Tafel so ungebertig / als wolt er mit beeden Armben ein Gewölb unterstützen; ein anderer ist so unverschambt / daß er in die Schüssel mit solchem Gewalt hinein sticht / als wolt er einem Wildschwein den Fang geben; ein anderer ist so grob / daß er ein brattne Ganß auff sein Täller logiert / derselben Hosen / und Wammes abziecht / das übrige dem Nächsten vorlegt; ein anderer ist so wild / daß er mit schmutziger Goschen saufft / und folgsamb das Gläß nicht anderst außsicht / als wie ein Flecksieder Erml; ein anderer, grappelt in den Zähnen mit ginnendem Maul / als stehe schon das Thor offen zum Mist außführen: ein anderer hat noch halbendes Fuetter im Maul / fangt anbei zu lachen / daß die Trebern wie ein Schaur oder Risel über den Tisch fallen / als wäre sein Maul zu einer Spritz-Kandel worden; ein anderer ist so vichisch / daß er einen Hanockischen Seufftzer auß dem Magen treibt / als thäte an einer Gleger-Butten ein Reiff abspringen; ein anderer überladet das Täller mit Speisen / daß es einem unabgestrichenen Metzen nicht ungleich; ein anderer bringt solche Zotten auff die Bahn / daß solche dem Teuffel für ein Confect könten auffgesetzt werden / etc. An disen und dergleichen groben Narren hat Himmel und Erden ein Abscheuen.

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