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Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
booktitleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
authorAbraham a Sancta Clara
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006399-X
titleWunderlicher Traum von einem großen Narrennest
pages3-6
created19990805
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1703
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Ein Hoffärtiger Narr.

Stultus, und Stoltz wachsen auff einem Holtz: Hart seind grössere Narren zu finden als die Stoltze / und Hoffärtige; der H. Paulus selbst / diser Tarsensische Prediger ist der Außsag / daß die jenige / so ihnen vil einbilden / lautter Narren seind / dicentes se Sapientes stulti facti sunt; ad Rom. c. 1. v. 22. Dergleichen Gesellen gibt es in der Welt ohnzahlbar vil. Zu Rom ist ein eignes Spital Alli Pazarelli genannt / wo lauter verruckte Köpff / umbkehrte Hirn / seltzambe Phantasten / wurmstichige Schädel / und einbilderische Narren zu finden seind: Dort wird einer sein / der ihm einbild / er habe ein gantzes Nest voller Spatzen im Kopff / die ihm Tag und Nacht ein stäthe Unruhe machen / und wolte sie gern auslassen / er förchte aber die Baurn möchten ihn dessentwegen zu todt schlagen / umb weil er ihnen solche Treid-Dieb außgebrüttet. Ein anderer sagt / er seie der H. Christophorus / und habe er nit nur einmahl unsern HErrn durch das Adriatische Meer getragen / es sei ihme aber der Eichbaum / den er an statt deß Stabs gebraucht / mitten entzwei gebrochen / dahero bitt er umb ein andern Baum / damit er in dergleichen Gelegenheit wider könne durchwatten. Der dritte wird vorgeben / er seie König in Calecut, und nächster Tagen wird er ein Flotta außschicken wider die Holländer / umb weilen selbe die Stockfisch unschuldiger Weiß köpffen / und also Kopffloß in andere Länder verbannisiren: Mehr wird sich einer finden / der ihm einbildet / sein Nasen seie von Wachs / und so er nur ein Feuer von weiten sieht / so zittert er am gantzen Leib; wann man ihme solte ein gantze Landtschafft schencken / so hielt er kein Nasenstüber auß: Ein anderer ist gewest / welcher kräfftig hat glaubt / daß er deß Teuffels sein Barbierer seie / dahero sich beklagt / daß sein Scherr-Messer nie mehrer Scharten bekomme / als wann er den Teuffel muß barbieren / so er in einer Sau-Gestalt ihm erscheine / etc. Tausendt dergleichen einbildische Gesellen seind allda zu finden / worzu die Forastierer / und reisende Leuth mehrmahls ein sonders Wollgefallen haben. Alle dise arme Tropffen haben hierdurch kein Sünd / sondern es ist vil mehrer mit ihnen ein Mittleiden zu haben / GOTT behütte einen jeden / daß er in dergleichen Phantasei nicht gerathe: Aber die jenige / so auß Antrib der Hoffart ihnen mehrer einbilden / als sie seind / dise seind die gröste Narren / und zwar ein Abscheuen in den Augen GOttes. Abominatio Domini est omnis arrogans. Proverb. c. 16.

Gantz schön hat der gecrönte Prophet gesprochen Homo cum in honore esset, non intellexit. Psal. 48. Der Mensch / da er in Ehren war / hat es nicht verstanden / etc. Das ist / sagt der H. Bernardus Epist. 237. Honor absorbuit intellectum, die Ehr hat ihme den Verstand genommen; das geschicht offt und aber offt. Sihest du Bruder Fidel denselben / der dorten im Wagen fahrt? Ja / ich sihe ihn / diser wird wol nicht / glaub du mir / den Hut rucken / dann die Ehr / zu dero er gelangt / hat ihm die Vernunfft verruckt / er kennt mich nicht mehr / oder besser geredt / er will mich nicht kennen ich weiß wol wer sein Vatter gewest.

Der Vatter machte bumble bum /
Gieng mit dem Schlegl umbs Faß herumb:

Sein Vatter war ein Küffler oder Binder / er hat geheissen Joseph Schneitzer / jetzt heist sein Sohn der Herr von Rotzberg / etc.

Schau Bruder Fidel, dort kniet eine in dem ersten Stuhl / sie hat einen rothsammeten Bücher-Sack vor ihr / sie bettet gewiß die Psalmos graduales, dann sie zimblich gestigen ist / der Tausende glaubt nicht / daß sie einer Kösten-Braterin Tochter seie; sie hat einen reichen Vettern geerbt / und folgsamb zu einer so vornehmen Heurath kommen / daß sie anjetzo Ihr Gnaden tituliert wird; dises alles gieng hin / dann GOtt wol öffter denen Leuthen die Gnad gibt / daß sie von der Nadel zum Adel kommen / auch ein jeder vergönt ihrs gar gern / wann sie nur zuruck dencket / wer sie gewesen ist / und andere nicht also verachtet / sie würdiget sich nicht einmahl mit einem gemeinen Menschen zu reden: Homo cum in honore esset non intellexit.

Einer ist theils durch Favor grosser Herren / theils auch wegen guter Qualiteten zu grosser Würde erhebt worden / und als ihme unter andern auch sein vorhin bekanntester Camerad hierzu Glück gewunschen / ich gratuliere Euer Gnaden / sagt er / von Hertzen zu diser hohen Würde / wünsche nichts anderst / als daß sie vil und lange Jahr mögen in bester Gesundheit ihrem Ambt vorstehen / mich anbei auch unter dero geringste Diener zu zehlen / ich / sagte der neugeborne Blasiuss, ich kenne ihn nicht; worauff der andere / ich heiß so und so / wir beede seind etliche Jahr miteinander gestanden / auch jederzeit die beste Brüder gewest; er widerumb / ich kenne ihn nicht; das hat dem andern dergestalten verdrossen / daß er alsobald sein Gratulation in ein Condolenz verkehrt / sagend / mir ist von Hertzen leid / daß Euer Gnaden in ein solches Unglück so unverhofft gerathen / ihren Verstand auff einmahl verlohren und umb die völlige Vernunfft kommen / dergestalten daß sie mich gar nicht mehr kennen / wolt wünschen / daß ich so potent wäre / und vermögte / daß ich ihnen kunte ein solche schädliche Geschwulst auß dem Hirn vertreiben / Adio.

Wann ich reich wäre / so thät ich einem solchen hoffärtigen Narrn einen Maintzerischen Ducaten schencken / worauff ein Rad zu sehen; dann Willegisus ein Ertz-Bischoff zu Maintz in seinem Pallast allenthalben hat lassen ein Rad mahlen / welches nachmahls auch auff die Müntz geprägt worden / sich dardurch zuerinneren / daß er von geringen Herkommen seye / und zwar eines Wagners Sohn.

Ein hoffärtiger Narr ist gewest Achitophel. 2. Reg. c. 17. Welcher bei denen Königlichen Printzen fast alles golten / und in grossem Ansehen gewest / nachdem aber auff ein Zeit sein Rath und Einschlag verworffen worden / den er dem Absalon geben / da hat sich der Narr dergestalten geschämbt / deß Glaubens / sein Reputation habe hierdurch die Schwindsucht bekommen / daß er alsobald nacher Hauß geeilet / ein Testament / und Richtigkeit gemachet / und nachgehende sich selbst erhencket. O Narr! disen hat die Ehr mehrer kitzlet / als der Strick.

Man sagt sonst / die Narren muß man mit Kolben lausen / aber GOtt selbst last die hoffärtige Narrn meistens zu Schanden werden. Das hat Anfangs gleich der Lucifer erfahren / weil er auß lauter Hochmuth wolte dem Allerhöchsten gleich sein; also ist auff dises Gloria in Excelsis, gleich das de profundis gefolgt / und ist er auß einem Engel ein Pengel worden; auß einem Himmel ein Limmel worden: auß einem Rösel ein Esel worden; auß einem Lambel ein Trampel worden; auß einem Führer ein Schmirer worden; auß einer Fackel ein Mackel worden; auß einem Wunder ein Blunder worden; auß einem Hui ein Pfui worden / darumb heist es pfui Teuffel. GOTT hat endlich nichts mehrere im Brauch / als daß er den Dampff der Hoffart thue gemeiniglich dämpffen / und zu Schanden machen; auß unzahlbaren vilen / ist auch folgende Geschicht.

Zu Genua trug ein Baur ein zimbliche Bürde Holtz auff dem Rucken / selbe in der Stadt zuverkauffen / diser auff der Gassen / wie pflegt zu geschehen / schrie immerzu / Auff die Seiten / Auff die Seiten. Ein junger Stoltzhofer / der mit seinem Allemodi-Kleid daher prangte / als hätte ihn ein Pfau außgebrüttet / wolt dißfahls nicht weichen / der Meinung / es wäre wider seinen groß-gewichtigen Respect; der Baur aber geht immerzu den graden Weeg fort / und stost disen auffgebutzten Gassen-Engel in ein tieffes Kott hinein / daß er selbst zu disem Haasen im Pfeffer müste lachen. Mein hochadeliche Domination, wie er ihm eingebildet / hielte solches für einen höchststräfflichen Schimpff / dahero es unverzüglich dem Gericht angedeut / worbei der Baur alsobald muste erscheinen / als er nun befragt worden / warumb er dise freventliche That habe begangen? Hierzu sagt der Baur kein Wort / sondern stelte sich / als wär er stumm / und redloß / ja sein Antwort bestund in lauter Deuten; die Obrigkeit / in Bedenckung solcher Umbständen / wendet vor / daß sie hierinfahls dem Kläger kein Außrichtung können thun / umb weil der arme Mann stumm seie / und sich nicht könne verantworten; ja wol stumm / sagt diser Feder Hanß / hat sich wol stumm / der Baur ist ein Ertz-Schelm / hat er doch dazumahl / wie dises geschehen / können reden / ja gar laut schreien: was hat er dann / fragt der Richter / dazumahl geredt / Er / sagt diser Pompulus, hat geschrien / Auff die Seiten / Auff die Seiten. Wolan dann / sagt der Richter / so ist der arme Mann hiermit entschuldiget / auch frei und loß / warumb ist der Herr dem armen beladenen Tropffen nicht gewichen? Muste also diser sein Hoffart mit einer Scham-Röthe bezahlen / und nicht ohne Gelächter den Abtritt nehmen; auch sagten die mehreste / daß dem hoffärtigen Narren seie recht geschehen. Masenius in Speculo Imaginum.

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