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Wunder um Verdun

Hans Chlumberg: Wunder um Verdun - Kapitel 8
Quellenangabe
typedrama
booktitleWunder um Verdun
authorHans Chlumberg
year1932
firstpub1931
publisherS. Fischer
addressBerlin
titleWunder um Verdun
pages120
created20131009
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Siebentes Bild

Personen

  Lord Grathford, der englische Ministerpräsident
Leeds, sein Kammerlakai

London

Bei Grathford. – Um die gleiche Stunde

Das Schlafgemach. Ein weiter, hoher Raum, mit strenger Erlesenheit eingerichtet. Prunkbett. Rechts und links davon Tische mit Büchern und Schriften. Zwei altsilberne Leuchter, für elektrisches Licht eingerichtet. Telephon.

An den Wänden Gobelins und Gemälde. Eine Photographie Eduards VII.

Es ist dunkel. Lord Grathford liegt zu Bett. Doch schläft er nicht, er raucht – was man am Rotglühen seines Pfeifenkopfes merkt. – Das Telephon schnarrt leise. Im Augenblick darauf schaltet Grathford das Licht in den beiden Leuchtern ein und drückt auf den Knopf der Klingel.

Leeds (sein Kammerlakai, erscheint; Licht im Kronleuchter): Mylord?

Grathford: Das Telephon, Leeds.

Leeds: Mylord wurden in dieser . . . respektlosen Weise geweckt?

Grathford: Ich habe noch nicht geschlafen. Wieviel Uhr ist es, Leeds?

Leeds (ohne auf die Uhr zu blicken): Zwei Uhr weniger elf Minuten, Mylord. Ich habe mir schon wiederholt erlaubt, Mylord ehrfurchtsvoll nahezulegen, dieses . . . (verächtlich) Instrument im Vorsaal unterbringen zu lassen.

Grathford: Wozu wäre das gut, Leeds?

Leeds: Mylord kämen dann nicht in die ungewöhnliche und peinliche Lage, zu anderen beliebiger Stunde – Audienz gewähren zu müssen.

Grathford: Das Telephon ist eine demokratische Einrichtung. Du denkst nicht demokratisch, Leeds.

Leeds: Wenn Mylord mir die ehrerbietige Bemerkung gestatten: ich verabscheue die Demokratie.

Grathford (nach einer Pause): Ich auch, Leeds. Aber ich darf es leider nicht so offen sagen wie du. (Das Telephon schnarrt lebhafter.)

Leeds (verzieht das Gesicht).

Grathford (raucht, hört hin): Hm . . . einigermaßen lebhaft und laut. Findest du nicht?

Leeds (verächtlich): Demokratisch, Mylord.

Grathford: Bitte, sieh nach, Leeds.

Leeds: Mylord befehlen. (Er geht gemessen zum Apparat, hebt ab.) Hier – Josua James Leeds, erster Kammerlakai Seiner Lordschaft, des Herrn Premierministers Lord Grathford, Herzogs von Malmsburry . . . Dort –? (Zu Grathford:) Mister Stapleton aus der Downingstreet, Mylord.

Grathford: Bitte, frag ihn, was er will, Leeds.

Leeds: Trotz der ungewöhnlichen Stunde Ihres Anrufes, Sir – es ist . . . zwei Uhr weniger sieben Minuten, Sir! – sind Seine Lordschaft nicht gänzlich abgeneigt, zu erfahren, was das Foreign Office wünscht . . . (zu Grathford:) Mister Stapleton meint, Mylord eine Meldung von größter Wichtigkeit selbst erstatten zu müssen.

Grathford: Er soll dir sagen, was er will, Leeds, oder er soll es bleiben lassen.

Leeds: Seine Lordschaft stellen es Ihnen anheim, Sir, sich entweder meiner zur Weitergabe Ihrer Meldung zu bedienen oder darauf zu verzichten, sie Seiner Lordschaft zur Kenntnis zu bringen, Sir . . . (Er lauscht. Zu Grathford:) Mister Stapleton rät mir, mich festzuhalten, Mylord. (Ins Telephon:) Nein, Sir, ich halte mich nicht fest, aber ich glaube nicht, daß ich umfallen werde. Ich halte vieles aus. Seitdem Mitglieder der Labour Party regieren konnten, ohne daß etwas Besonderes geschah, kann mich nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen, Sir. (Horcht, dann unbewegt:) Das Foreign Office hat die Nachricht erhalten, daß Tote auferstehen, Mylord. (Es hat nicht den geringsten Eindruck auf ihn gemacht.)

Grathford (raucht unerschüttert): Wo, Leeds?

Leeds: Wo, Sir? (lauscht) In Frankreich, Mylord.

Grathford (raucht, verzieht keine Miene): Sag ihm, bitte, Leeds, daß das . . . eine Angelegenheit des Kontinentes ist und uns vorderhand weiter nicht interessiert. (Raucht weiter.)

Leeds (mit Genugtuung): Das ist eine Angelegenheit des Kontinents, Sir, und interessiert uns . . . selbstverständlich weiter nicht. Gute Nacht, Sir. (Legt auf.)

Grathford (nach einer Weile): Leeds, du hast um ein »vorderhand« zu wenig und um ein »selbstverständlich« zu viel gesagt. Warum, Leeds?

Leeds (nach einem Augenblick, sehr gehalten): Weil ich glaubte, daß Mylord um ein »vorderhand« zu viel und um ein »selbstverständlich« zu wenig gesagt hätten, Mylord.

Grathford (rauchend): Hm – ? (Pause.) Das hat manches für sich, Leeds. Gute Nacht. (Er schaltet die Leuchter aus.)

Leeds: Gute Nacht, Mylord. Geruhen Mylord gut zu ruhen. (Er entfernt sich auf den Fußspitzen und schaltet im Abgehen den Kronleuchter aus.)

Die Bühne verdunkelt sich.

 


 

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