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Wunder um Verdun

Hans Chlumberg: Wunder um Verdun - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
booktitleWunder um Verdun
authorHans Chlumberg
year1932
firstpub1931
publisherS. Fischer
addressBerlin
titleWunder um Verdun
pages120
created20131009
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Drittes Bild

Personen

  Dr. Overtüsch, der Reichskanzler
Der Sprecher des Rundfunks
Zwischenrufer

In stummen Rollen

  Generalsuperintendent Palm
Minister
Geistliche
Reichstagsabgeordnete
Frau Overtüsch
Diplomaten
Generäle
Publikum

Berlin
Platz mit dem Heldendenkmal

*

Die Szenerie des zweiten Bildes, doch nimmt die Stelle des Triumphbogens ein mächtiges, lorbeerumkränztes steinernes Heldendenkmal ein.

Rednerpult und Tribüne mit den Mitgliedern der Regierung, des diplomatischen Korps, der Generalität, des Reichstages und ihren Damen, sowie mit den Vertretern des hohen Klerus, befinden sich jetzt links, die Tribüne für das Publikum rechts.

Die deutsche Reichsflagge ist umflort. – Nahe dem Rednerpult das Mikrophon des Rundfunks mit dem Sprecher.

Sprecher des Rundfunks: Hallo'. Hallo! Hier Rundfunk Berlin! Wir setzen unsere Übertragung der Heldengedenkfeier fort. Es spricht der Herr Reichskanzler Doktor Overtüsch . . . Der Herr Reichskanzler verläßt eben seinen Platz auf der Tribüne, den er inmitten der Regierungsmitglieder innehatte . . . (Es geschieht.) Unter lautlosem, ehrfürchtigem Schweigen steigt der Herr Reichskanzler die Stufen zum Rednerpult empor . . . (Es geschieht.) Der Herr Reichskanzler trägt schwarzen Gehrock und hält in der Rechten den Zylinder mit dem Trauerflor . . . Der Herr Reichskanzler ist angelangt. Meine Damen und Herren! Der Herr Reichskanzler ergreift das Wort. (Er tritt zurück.)

Overtüsch (wuchtig): Deutsche! (Pause.) Wir haben uns heute vor diesem steinernen Abbild unvergänglichen Heldentums eingefunden, um unserer gefallenen Väter, Brüder und Söhne zu gedenken, die sein Urbild mit ihrem Blut errichtet haben. (Stille.)

Deutsche Männer und deutsche Frauen! Ich weiß es: In dieser Stunde stehen andere, heute glücklichere Völker am Grabmal ihrer Toten, die Siegesfreude und ein billiger Triumph bläht auch heute noch, nach einundzwanzig unserer schwersten Jahre, ihren Stolz, und sie rechnen frohlockend ihren Gefallenen vor, was sie für ihren Tod eingehandelt: unsere Niederlage und tiefste Demütigung; unsere militärische Ohnmacht und wirtschaftliche Schwäche; ihren Reichtum und ihre Machtstellung . . .

Ihr toten deutschen Helden! Ja. Es ist wahr. Euer Opfertod – war vergebens . . . Wohl nicht die Waffen der Feinde, aber wirtschaftliche Not hat uns ins Knie gezwungen . . .

Eine Stimme: Und der innere Feind! (Viele fallen ein:) Der innere Feind!

Overtüsch: Wir wurden nicht besiegt – aber wir haben den Krieg verloren. (Pause.) Ihr toten Helden! Euch zu bekämpfen haben sich Hundertmillionenreiche verbunden! Euch zu besiegen – vermochten sie nicht! Ihr, ihr wart die Sieger fast aller Schlachten! Ihr, die Entbehrer, wart die wahren Helden des Krieges! (Pause.) Man hat uns entwaffnet. Uns Länder genommen. Man hat uns entvölkert und arm gemacht . . . Eure Taten konnte man uns nicht nehmen! Nicht euer Andenken, nicht euren Geist!

Er hat sich von euren Gräbern erhoben. Er kam zu uns, er ging auf uns über. Er wars, der uns erdulden und ausharren ließ. Er ists, der die Zukunft verheißungsvoll macht!

Ein Ruf: Heil Deutschland!

Overtüsch (gesteigert): Allianzen vergehen. Bündnisse fallen. Wir werden nicht immer umringt sein von Feinden! Und nicht immer wird Übermacht gegen uns sein!

Rufe: Deutschland! Heil Deutschland!

Overtüsch: Noch müssen wir schweigen, alles Unrecht ertragen. (Mächtig.) Es wird nicht für ewige Zeiten sein!!

Stürmische Rufe: Heil! Heil! Heil! Heil Deutschland!

Overtüsch: Für Deutschlands Größe seid ihr gefallen! (Ausbruch.) Ihr sollt nur dafür gefallen sein!!

Stürmische Rufe (wiederholen sich).

Overtüsch: Euer Opfer wird uns nicht ruhen lassen! Wir gelobens von neuem an diesem Tag: Euer Opfer darf nicht vergebens bleiben!! (Heilrufe.) Wir wollen nicht Krieg. Wir wollen den Frieden. Doch einen Frieden der – Gerechtigkeit!!

Alle: Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!!

Overtüsch: Wir haben kein Heer und keine Flotte. Wir haben nicht mehr die Macht der Faust. Doch haben wir noch die Macht des – Denkens! Wir haben die Macht der Wissenschaft!

Ein Ruf: Es lebe die deutsche Wissenschaft! Die deutsche Wissenschaft – dreimal hurra!

Alle: Hurra! Hurra! Hurra!

Overtüsch (gesteigert, markig): Der nächste Krieg wird kein Krieg sein der Truppen. Kein Krieg der Geschütze, der Tanks, bloßer Technik . . . Er wird ein Krieg sein – der Kriegschemie! Er wird ein Krieg sein – der Bakteriologie!! (Pause, dann mit mächtigem Ausdruck:) Man kann ein Volk der Kanonen berauben! Des – – Geistes berauben kann man es nicht!!

Brausende Rufe: Hoch! Heil! Deutschland!! Es lebe Deutschland!! Hoch Overtüsch!! Deutschland!!!

Die Klänge des »Deutschland, Deutschland über alles« sehr nahe und stark. Tosende Rufe, Tücherschwenken.

Die Bühne verdunkelt sich.

 


 

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