Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Wilhelm Langewiesche >

Wolfs Geschichten um ein Bürgerhaus - Zweites Buch: Vor Bismarcks Aufgang

Wilhelm Langewiesche: Wolfs Geschichten um ein Bürgerhaus - Zweites Buch: Vor Bismarcks Aufgang - Kapitel 1
Quellenangabe
pfad/langewie/buegerh2/buegerh2.xml
typefiction
authorWilhelm Langewiesche
titleWolfs Geschichten um ein Bürgerhaus ? Zweites Buch: Vor Bismarcks Aufgang
publisherWilhelm Langewiesche
year1921
firstpub1919
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081223
projectidd154e2d0
Schließen

Navigation:

Man schrieb das Jahr 1844. Während – ein Wallfahrtsziel für Millionen frommer Katholiken – in Trier einer der wundertätigen ungenützten Röcke Jesu Christi ausgestellt und in der Stadt der reinen Vernunft das dreihundertjährige Jubiläum der protestantischen Albertina durch die Grundsteinlegung zu einem neuen Universitätsgebäude gefeiert ward, fand in Berlin eine große Kunst- und Industrieausstellung statt, auf der Heinrich ten Bompels Cassinet die Silberne Medaille davontrug. Aber seine Freude darüber ward gedämpft, wenn er der unendlichen bürokratischen Vorschriften, Bedingungen und Beanstandungen sich erinnerte, an denen diese ganze Gewerbeausstellung beinahe gescheitert wäre, die zum erstenmal das gesamte Gebiet des Deutschen Zollvereins umfassen sollte. Und dann hatte es ihn auch verdrossen, daß in der Nachbarschaft seines Cassinets, bei einem ganz wundervollen Leinengewebe eine Büchse aufgestellt war, um Almosen für die Schulen aufzunehmen, worin Kinder das Handspinnen erlernten.

Inzwischen forderte der Siegeslauf der Dampfkraft andere Opfer, als die Regierung zu Düsseldorf sie von dem Schwungrad der Firma J. P. Wolf und Sohn befürchtet hatte. Aus den dichtbevölkerten Gebirgstälern Schlesiens schrie das Elend der Hausweber zum Himmel, die, durch Generationen leiblich und seelisch verkümmert und in Abhängigkeit geraten, von den wenigen großen Häusern ihrer Arbeitgeber ausgesogen wurden. Diese wiederum klagten, ihres stetig wachsenden Wohlstandes ungeachtet, beweglich über die Konkurrenz, die die neue englische Dampfmaschine dem alten deutschen Webstuhl mache, und über die Ungunst der handelswirtschaftlichen Zeitverhältnisse im allgemeinen. Der Himmel blieb stumm, und wie man in Breslau und Berlin sich auch die zuständigen Stirnen rieb, am Ende machte man's doch wie jener Arzt, der seinen Patienten verprügelte, weil er ihm zu helfen nicht vermochte. Und die Weisheit einer hohen Staatsregierung wußte keine bessere Antwort auf jenen Schrei, als eine Salve aus Soldatengewehren, die unter der erregten Menge in Oberlangenbielau vor der demolierten Dierigschen Fabrik ein billiges und grauenhaftes Blutbad anrichtete. Ach, es war nicht, weil der Geist des vierten Friedrich Wilhelm zu jener Zeit schon umnachtet gewesen wäre, oder weil es seinem landesväterlichen Herzen an Liebe gefehlt hätte – es war nur, weil eine fern aufdämmernde Wahrheit Märtyrer brauchte. Beides, der Schrei des Elends und die königlich preußischen Flintenschüsse widerhallten in sechsunddreißig deutschen Vaterländern, und aus Paris warf Heinrich Heine das Echo zurück:

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
wir weben hinein den dreifachen Fluch,
wir weben und weben ...

Auch in dem werdenden Industriestädtchen zwischen Niederrhein und Maas steckte man die Köpfe zusammen, und in der »Gesellschaft« gewannen die Namen der schlesischen Fabrikanten rasch einen vertrauten Klang. Den Pastor Kranevoß aber kam ein Gruseln an, als es hieß, man hätte seinen Amtsbruder Seiffert zu Oberlangenbielau ins Wasser geworfen. Der sollte seinem reichen Schwiegervater Dierig geraten haben, eine den Hungerleidenden zugedachte Geldspende einzusparen, weil ja das Militär schon da sei ... Aber ernstlich war man nicht allzu besorgt. Hier lagen die Verhältnisse doch ganz anders, hier hätte nur Unvernunft oder Gehässigkeit von »aussaugen« sprechen können. Darum ward auch der Vorschlag des Herrn Latschert verworfen, man solle nach dem Beispiel anderer Industriestädte alsbald einen »Lokalverein für das Wohl der arbeitenden Klassen« gründen. Gab es hier denn andere als »arbeitende« Klassen? Freilich – in der Verwendung kleiner Kinder ging man in den Fabriken etwas weiter als das Gesetz es erlaubte, aber schließlich kam deren Arbeit doch in erster Linie den Eltern zugute. Außerdem waren hier die Weber, wenigstens ihr alter Stamm und Kern, durchweg Pietisten, verständige Männer, die wußten, daß Gott der Herr es gewesen war, der beide gemacht hatte: Reiche und Arme! – Und Herr Latschert selber mußte schließlich zugeben, daß hier die Gegensätze nicht annähernd so schroff waren, wie etwa in Elberfeld, wo es seiner, wie gewöhnlich stark übertreibenden Behauptung nach nur noch einerseits »kaufmännische Großhänse mit Schmeerbäuchen und ausgearbeiteten Freßwerkzeugen«, andererseits »elendes Lumpengesindel« gab. Auch Fritz Harkort, der bergisch-märkische Industrielle, der neben allen seinen Unternehmungen noch Zeit zum Bücherschreiben fand und soeben »Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der untern Klassen« veröffentlicht hatte, erblickte ja die Gefahr hauptsächlich darin, daß die großen Industriestädte so viele Arbeiter anzögen, die heute vergeudeten und morgen darbten. Hier aber vergeudete keiner und darbte keiner. –

Immerhin, schaden konnte es nicht, wenn der Kommerzienrat Wolf seine Beziehungen zum Stundenhalter Schlüpjes benutzte, um durch ihn auf die Weber vorbeugend einzuwirken. Denn Schlüpjes besaß Einfluß. Seine Reputation hatte durch das Ausbleiben des Tausendjährigen Reiches nicht ernstlich Schaden genommen. Gott werde schon wissen, hatte man sich gesagt, warum er der sündigen Menschheit noch einigen Aufschub gewähre. Und dann: daß diese orientalische Frage ein Vorbote der letzten Dinge war, stand doch fest. Denn die konnten nicht beginnen, bevor die Türken aus Europa vertrieben waren.

Die abendlichen Gebetsversammlungen des frommen Webers blühten nun schon seit fast zwanzig Jahren, und Pastor Kranevoß hatte sich damit abgefunden, daß sie weit zahlreicher besucht wurden als das von ihm vor einem halben Jahrzehnt begonnene Konkurrenzunternehmen. – Aber der alte Schlüpjes wußte auch viele von den Stillen im Lande ringsum zu erreichen, die wegen zu weiter Entfernung an diesen Gebetsversammlungen nicht teilnehmen konnten. Er hatte sich gesagt, können sie nicht zu mir kommen, so kann ich doch zu ihnen kommen. Darum gab er seit Jahren eine Art Zeitschrift heraus: »Einfältige Briefe über die Wahrheit, von einem Freunde derselben«, um deren Vervielfältigung alle schreibkundigen Hände seines häuslichen Kreises sich bemühen mußten und die seine Frau weit im Lande umher bis ins Holländische hinein verbreitete ... Und zwar mußte, wem sie einen neuen Brief brachte, den alten zurückgeben, der alsdann von ihr wieder einem neuen Leser zugestellt ward. Es war unglaublich, welche Entfernungen die mehr als fünfzigjährige kleine Frau hierbei zurücklegte, aber sie hatte dafür die einfache Erklärung, daß ihr das Laufen ja im Blut läge. – In der Tat hatte ihr Vater Jakob Vits, den alle Welt Vits Köpke nannte, um die Jahrhundertwende in seinem Lehmhäuschen an der Hauptstraße, aller Thurn- und Taxisschen Privilegien ungeachtet, eine »Privatkourierpost« eingerichtet, deren alleiniger Inhaber und einziges Verkehrsmittel seine eigene kleine Person war. Er machte sich nichts daraus, daß später, zur preußischen Zeit, der Königliche Reitende Postillon in farbenfroher Montur mit Schleppsäbel und geladenem Karabiner, wenn er gegen Mittag von Crefeld eintraf, sich nicht ohne Bosheit angewöhnte, gerade vor seinem, Vits Köpkes, Haus mit Blasen zu beginnen. Nein, Vits Köpke wußte, daß er schweigend und laufend doch weiter kam als jener, und daß er dabei obendrein noch sein eigener Herr blieb. Er nahm auf Schusters Rappen an manchen Tagen hundert und mehr Kilometer und trabte, trabte, wie's »dat Jeschäff« mit sich brachte, bald nach Köln und zurück, bald nach Aachen oder Düsseldorf und zurück, ja es kam vor, daß er über Köln oder Düsseldorf hinaus noch nach Bonn oder Elberfeld lief – wobei er freilich streckenweise sich bietende Fahrgelegenheit nicht verschmähen mochte – und doch am späten Abend die müden Beinchen in seinem eignen Bett ausstrecken konnte. Denen hatte nun sein Schwiegersohn Schlüpjes längst die endgültige Ruhestatt bereitet, aber Vits Köpkes einzige Leidenschaft lebte in seiner einzigen Tochter weiter, und Schlüpjes war glücklich, sie in den Dienst der Wahrheit stellen zu können. Für ihn und seine Sache lief die kleine Frau gerne, aber daß sie in ehelichen Krisen » vor ihm nich loopen jing«, das hätte sie nicht so oft ausdrücklich zu versichern brauchen, weil es jeder wußte, am besten ihr Mann und ihre hübschen Töchter, die daraufhin, und besonders in Liebessachen, dem Vater gelegentlich ein wenig Opposition zu machen pflegten. Als nun der Kommerzienrat mit Schlüpjes sprach, fand er bei ihm alsbald ein überraschendes Verständnis, sintemal dem frommen Mann jetzt plötzlich der Sinn der dunklen Worte aufging, die der Versucher diese Nacht ihm zugeraunt. Warum hatte er aber auch bis lange nach Zwölf in dem »Evangelium eines armen Sünders« gelesen, das einer von den Freunden mit oder ohne Absicht bei ihm hatte liegen lassen?! Nun war's ihm ergangen, wie geschrieben steht in der Offenbarung Sankt Johannis am Zehnten: »Und ich nahm das Büchlein und verschlang's, und da ich's gegessen hatte, grimmete mich's im Bauche.« Ja, seine Frau hatte wohl recht gehabt, als sie ihm, über die Verschwendung ärgerlich, endlich das Licht ausgepustet. Gut, daß sie nichts von seinem Bauchgrimmen wußte! Denn es war ein gotteslästerliches Buch, und dieser Schneider Weitling in der Schweiz, der's geschrieben, hätte sich besser einen argen Sünder genannt als einen armen Sünder, sintemal der Kerl sich anmaßte, in Gottes Menschenwelt alle und jede Ordnung einfach auf den Kopf zu stellen. Nein, solche schändliche, boshafte Narretei sollte hier nie und nimmer um sich greifen und die Herzen verwirren. Dagegen wollte auch er nach seiner schwachen Kraft gerne helfen. So schwang dann in seinen Ansprachen hinfort oft ein etwas weltlicher Unterton von den Pflichten gegen die hohe Obrigkeit mit, und die »Einfältigen Briefe über die Wahrheit, von einem Freunde derselben« enthielten jetzt zuweilen tiefsinnige Warnungen vor Untertanen-Überheblichkeit mit Belegen sowohl aus dem Alten wie aus dem Neuen Testament.

Und wirklich blieb alles ruhig, nicht nur 1844, sondern auch die folgenden Jahre hindurch, während derer die Nation, in zwei Heerlager ohne jede Verständigungsmöglichkeit gespalten, einer »deutschen Einheit« genoß, die lediglich aus Einbildung und Schwäche, Unzufriedenheit und Mißtrauen bestand: Auf der einen Seite die »Wohlgesinnten«: die Fürsten, der Adel, die Offiziere, die großen und kleinen Grundbesitzer, dazu die Mehrzahl der Geistlichen und Beamten, auch die Vielen und die Vielzuvielen aus den eigentlich bürgerlichen und kleinbürgerlichen Kreisen. Auf der andern Seite die »Demagogen und Demokraten«: viele Professoren – denn der Einbruch der Göttinger Sieben in die Politik hatte Schule gemacht – Studenten, Dichter und Schriftsteller, Ärzte und Advokaten, dazu besonders in den großen Städten viele Kaufleute und Handwerker und die Intelligenz der halben Million deutscher Fabrikarbeiter, von denen übrigens die meisten nicht in, sondern für Fabriken arbeiteten. – Nur als im Juli 1846 Christian VIII. seinen »Offenen Brief« in die Welt hinausgehen ließ, dänische Ansprüche auf die deutschen Elbherzogtümer zu verfechten, da war, wie 1840 gegen Frankreich, ganz Deutschland einmütig entrüstet und auch die kleine Fabrikstadt zwischen Niederrhein und Maas widerhallte von dem Lied »Schleswig-Holstein, meerumschlungen«. Im übrigen: die Demokraten ballten die Faust im Sack, und das mochten sie immerhin tun, als aber einer von ihnen, Elias van der Straaten junior, wagte, im erkerartig vorspringenden Schaufenster seines Kurzwarenlädchens ein schwarz-rot-goldenes Fähnlein aufzuhängen, also daß die gefährlichen Farben die ganze Gasse hinauf und hinab beunruhigen mußten, da ward er weidlich verprügelt.

Sogar der Märzwind, der 1848 in Berlin so bös durch die Straßen gestürmt war und unterwegs in Iserlohn und Elberfeld allerlei Unfug und tragikomische Verwirrung der Geister angerichtet hatte, wandelte sich überm Rhein in ein Frühlingslüftchen, das zwar in Herrn Latscherts Demokratenbusen die Blütenträume lind umspielte, im übrigen aber nur den »langen Laban« berauschte, so zwar, daß D. G. Huyskens ihn aufreizender Reden halber durch den Polizeidiener Effertz aus der Fabrik entfernen lassen mußte. Das Räuschchen, das den Langen dann am nächsten Sonntagvormittag, gerade als die Kirche sich entleerte, auf den »Blumenpott« hatte klettern machen, mochte freilich substantiellere Gründe haben. Augenscheinlich wollte er von dieser Kanzel aus ein Flugblatt verlesen. Aber er sollte nicht über den Anfang hinauskommen: »Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Ko-Kommunismus« stotterte er noch, als Effertz mit gewichtiger Miene ihm das Blatt abverlangte und dem Ärgernis ein Ende bereitete. Es war das Manifest, das Friedrich Engels und Karl Marx von London hatten ausgehen lassen und das nun, seinem Zweck entgegen, vom Bürgermeister abends in der »Gesellschaft« verlesen ward, nicht ohne daß den einen oder andern der wohlgesinnten Fabrikanten ein leichtes Gruseln ankam.

Aber der Amtsrichter, der zu seinem Leidwesen noch immer in dem »Baumwollnest saß«, meinte, indem er das corpus delicti an sich nahm, diesmal habe den Marx, der doch an Hegel geschult sei, die große Kunst rasend gemacht, so daß er aller Logik vergessen habe. Sonst hätte er's wohl nicht fertiggebracht, in diesem Manifest die Bourgeoisie so dithyrambisch zu feiern wie ein Oberbürgermeister, der eine Festrede hält, um sie alsbald ganz unvermittelt der Trägheit zu zeihen und ihr die Existenzberechtigung abzusprechen: »Die Bourgeoisie erst hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züge ausgeführt als Völkerwanderung und Kreuzzüge ... Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen, als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze, aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen – welches frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten ...«

Was aber den Schluß des Manifestes betreffe, der bedrohlich genug klinge: »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« so sei das nicht tragisch zu nehmen. Wenn es schon schwierig, ja vielleicht unmöglich sei, auch nur in einem Lande die Angehörigen eines Standes oder einer Klasse unter Einen Hut zu bringen (erst recht, wenn es sich etwa um Deutsche handle), so sei ein internationaler Zusammenschluß des Proletariats schlechterdings undenkbar, sintemal die Zustände und damit die Wünsche überall verschieden wären und bleiben würden, solcher Zusammenschluß aber niemals auf Grund theoretischer Einsicht, sondern nur unter dem Druck praktischer Notstände erfolgen könne. Dazu komme, wenigstens was den englischen und französischen Proletarier betreffe, daß er doch, wenn's drauf ankomme, immer zuerst Engländer und Franzose bleiben werde. Die Verfasser dieses Manifestes nun wirkten für und stützten sich auf die deutschen Arbeiter im Ausland, die im »Bund der Gerechten« mit dem Sitz in London sich organisiert hätten. Preußen aber sei wesentlich Agrarstaat und werde auch kaum je ein eigentlicher Industriestaat werden. Auch vollziehe sich in Preußen dank der allgemeinen Wehrpflicht, der Gleichheit aller vor dem Gesetz und nicht zuletzt dank der jeden einzelnen Untertan von der Wiege bis zum Sarge betreuenden Fürsorge einer zahlreichen und unbestechlichen Beamtenschaft immerfort ein sozialer Ausgleich. Und gemäß dem preußischen Wahlspruch Suum cuique würden die Königlichen Behörden schon zur rechten Zeit dafür zu sorgen wissen, daß weder den Industriellen noch den Proletariern die Bäume in den Himmel wüchsen, wozu nichts erforderlich sei, als eine allmählich durchzuführende, restlose Paragraphierung aller Beziehungen zwischen Fabrikherren und Fabrikarbeitern. – Bei welcher Aussicht manchen der Herren ein neues Gruseln ankam.

 Kapitel 2 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.