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James Fenimore Cooper: Wildtöter - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleWildtöter
publisherSchatzkästlein, Göttingen
printrun1.-5. Tausend
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060202
modified20160412
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XII.
Der Kampf in der Biberburg

Der alte Hutter und Hurry waren nach einigen Stunden Schlafes aufgewacht und hatten von dem mit Wah-ta-Wah auf die Arche glücklich zurückgekehrten Chingachgook von dem inzwischen Geschehenen Kunde erhalten. »Wildtöter hat sich wie ein Schuljunge aufgeführt«, meinte Hutter zu Hurry, als sie von seiner Gefangennahme sprachen, »wenn er nun seine Dummheit mit seiner Haut bezahlen muß; hat er sich das selbst zuzuschreiben.«

»Hätte ihm auch weiß Gott mehr zugetraut«, antwortete Hurry, »aber wo sind denn die beiden Mädchen, ich finde auf der Arche keine Spur von ihnen.«

Hutter erklärte ihm kurz, was die Mädchen unternommen hatten, und machte die Arche klar, um näher an die Landspitze heranzukommen. Der alte Tom steuerte so dicht am Ufer hin, als es der Tiefgang eben noch erlaubte, aber es war unmöglich, etwas zu erkennen. Der Posten am Ufer indessen sah plötzlich den dunklen Schatten des Segels vor sich und ließ einen Ruf der Überraschung hören. Hurry hob augenblicklich das Gewehr und knallte los; und seine Kugel traf anstatt des jungen Wilden dessen Schwester, die neben ihm gestanden hatte. Als Hurry den Aufschrei des zu Tode getroffenen Mädchens hörte, der auch Judith und Hetty so erschreckte, als sie in ihrem Boot vergeblich die Arche suchten, lachte er zunächst schadenfroh auf. Die anderen Insassen der Arche dämpften seine Freude erheblich, denn Hutter machte ihm Vorwürfe, weil dieser Schuß die Rachsucht der Feinde noch mehr entflammen mußte, und Chingachgook und besonders Wah-ta-Wah sparten nicht mit Worten der Entrüstung über die unsinnige Tat.

Der so gescholtene Riese stand wie begossen da, und wußte auf die Vorhaltungen des Indianermädchens nichts zu erwidern. Hutter hatte die Arche wieder auf das offene Wasser zu gedreht, nur langsam schlich die Nacht im düsteren Schweigen dahin. Als der Tag graute, hielt Hutter auf die Wasserburg zu, wo er die Mädchen am ehesten zu treffen hoffte. Mitten auf dem See erblickte man bald auch Judiths Kanu. Auch Chingachgook hatte mit dem Glas den See und besonders die Burg aufmerksam abgesucht, und schien etwas auf dem Herzen zu haben.

»Nicht gut in Burg gehen!« meinte er zu den beiden, »nicht gut, Huronen da!«

Hutter ließ sich das Glas geben und sah scharf hinüber, konnte aber nichts entdecken.

»Ihr habt am falschen Ende in das Glas geguckt«, spottete Hurry, »weder der alte Mann noch ich können eine Spur finden.«

Schließlich waren sie auf zweihundert Fuß an die Burg herangekommen, und sie bemerkten einen auf dem Wasser schwimmenden Mokassin. Nach vielem Hin und Her erbot sich Chingachgook, den Mokassin mit seinem Kanu zu holen, um aus der Art der Arbeit Schlüsse auf etwaigen unerwünschten Besuch in der Burg zu ziehen. Er wurde untersucht, und schien wirklich einem Huronen zu gehören. Die warnenden Worte Chingachgooks, der die in der Burg herrschende Stille für verdächtig hielt, schlug man lachend in den Wind und ohne große Vorsicht fuhren sie an die Plattform heran.

Der übermütige Hurry sprang gleich hinüber und stampfte dort prahlerisch umher, als wolle er einen ganzen Huronenstamm zum Kampfe auffordern. Dann begab er sich zu Hutter in das Kanu, um ihm das Palisadentor öffnen zu helfen, worauf sie das Boot unter die Falltür brachten. Hutter fand alles in Ordnung, kein Schloß, kein Riegel war versehrt. Der Schlüssel ward hervorgeholt, die Falltür aufgestoßen, Hurry zwängte sich durch die Öffnung und im nächsten Augenblick hörte man ihn auf dem Gang oben herumtrampeln.

»Immer herauf, alter Tom!« schrie er, »alles in bester Ordnung! Ich will mal vorn die Tür öffnen!«

Eine kurze Weile war es still, dann hörte man das Fallen eines schweren Körpers. Hurry brüllte einen gewaltigen Fluch, und im Augenblick schien das ganze Haus lebendig zu sein. Ein paar mal hörte man Indianer ihren Kriegsruf ausstoßen, immer wieder war es, als würden schwere Körper mit aller Gewalt auf den Boden gestoßen und begännen, wiederaufstehend, den Kampf von neuem.

Chingachgook auf der Fähre draußen wußte nicht, wie er seinen Freunden beistehen solle, da er die Waffen nicht nutzen konnte. Nun gewahrte er auch noch Judith und Hetty draußen auf dem See. Er kappte das Tau, an dem die Arche lag, und brachte sie mit Rudern vorsichtig in einige Entfernung von der Burg.

Inzwischen ging der Kampf in dem Käfig weiter. Die Indianer, die durch ihre Späher erfahren hatten, daß die Burg verlassen war, hatten sich mit einem Floß heranfahren lassen, waren mit acht Mann durch das Dach eingestiegen und hatten so die zurückkehrenden Bewohner erwartet, ohne sich frühzeitig zu regen.

Mit Riesenkräften hatte jetzt Hurry, der sich von der ersten Überraschung erholt hatte, einen Huronen hochgehoben und warf ihn über die Plattform ins Wasser, zwei weiteren zeigte er mit Stößen und Tritten denselben Weg, und mit den anderen getraute sich der Riese auch ohne Waffen fertig zu werden, da der Häuptling der Wilden selbst alle Messer und Waffen seiner Leute versteckt hatte, um die Weißen unverwundet in die Hand zu bekommen.

»Hurra, alter Tom!« schrie Hurry voll Zuversicht, »die Schufte sollen schon schwimmen lernen, ich werfe sie alle ins Wasser!«

Schon hatte er zwei weitere Gegner gelähmt, ein dritter, der zitternd an der Tür stand, war nicht mehr mitzurechnen, so galt es nur noch mit dem Letzten und Stärksten anzubinden, der seine Kräfte bis dahin gespart hatte. Hurry versuchte den Gegner niederzureißen, aber immer wieder entschlüpfte er ihm mit seiner glatten, geölten Haut. Da machte Hurry aufs neue eine verzweifelte Anstrengung und schleuderte seinen Gegner mit solcher Gewalt gegen die Hauswand, daß er wie betäubt aufstöhnend niedersank.

Er erhob sich wieder, ward abermals gepackt und hochgerissen, beide stürzten und Hurry schlug der Länge nach auf ihn. Schon waren ihm Hurrys Fäuste an der Gurgel, und mit beiden Händen drückte er ihm den Hals zu wie in einem Schraubstock. In diesem Augenblicke schlang sich ein Bastseil um die Arme des Siegers, das seine Ellenbogen mit Gewalt zusammenschnürte. Im Nu fesselte ihm auch eine zweite Schlinge die Füße, und sein Körper wurde wie ein Baumstamm auf die Mitte der Plattform gerollt. Mit dieser Kriegslist hatten ihn zwei der ins Wasser geschleuderten und wieder emporgekommenen Indianer überwältigt, und damit den Kampf für sich entschieden. Auf der Fähre vermochte man dem wütenden Kampf nur unvollständig zu folgen, zwar griff Chingachgook nach der Büchse, als die beiden Huronen hinterrücks ihre Schlingen warfen, aber bevor er noch schießen konnte, war das Unglück schon geschehen.

Während nun die Feinde durch die Schießscharten nach der Arche Ausschau hielten, versuchte Chingachgook die Fähre möglichst nahe an die Plattform heranzubringen, damit sich Hurry von der Plattform herunterrollen konnte. Die Wilden gaben aus den Schießscharten eine Salve auf die Fähre ab, ohne jedoch jemand zu verletzen, und es gelang, die Fähre mit der Spitze an die Plattform zu bringen. Zwar verfehlte der gefesselte Hurry beim Herunterrollen die Fähre und fiel ins Wasser, aber Wah-tah-Wah warf dem Untersinkenden blitzschnell ein Tau zu, das er mit Händen und Zähnen fassen konnte. So gezogen, wurde er von der Arche fortgeschleppt, und die Huronen erhoben ein fürchterliches Geschrei, als sie den Vorgang bemerkten, und schossen wie wild auf die ihnen entgangene Beute. Rechtzeitig gelang es dann Chingachgook und seiner tapferen Helferin, Hurry heraufzuschaffen und von seinen Fesseln zu befreien.

Die Wilden machten noch einen vergeblichen Versuch, die Arche zu verfolgen, mußten sich aber zurückziehen, da sie auf dem Wasser ungedeckt den Schüssen von der Arche ausgesetzt waren. Auch eine Jagd auf das Kanu mit den beiden Mädchen gaben sie bald auf und wandten sich insgesamt dem Ufer zu.

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