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Wild Welt und Du

Fritz Bley: Wild Welt und Du - Kapitel 8
Quellenangabe
authorFritz Bley
titleWild Welt und Du
publisherVerlag Deutsche Volksbücher
year1952
editorWulf Bley
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180406
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Bär

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Frühling

Weicher Klang des Windesrauschens, sattes Abendrot an leichten Wölkchen; der Altschnee unter den Karpathen-Schroffen ist zusammengesunken vor der mittags wärmer strahlenden Sonne: der Rückzug des Winters ist zur Gewißheit geworden. Still und frostig sind die hellen und kurzen Morgen. Keine Lerche grüßt sie noch, kein Wasserpieper wippt zittrigen Fluges in flachen Bögen himmelan. Nur der Flügevogel unter der rosa glühend aus trümmerhaftem Gemengegestein sich aufreckenden Hohenspitze ruft mit einförmigem Gesang, von Stein zu Stein flatternd, in den blauen Morgen hinein: Der Lenz erwacht! Uber Alpenrosen und Zwergwacholdern, über die Türme und Nadeln des wilden Gebirgsstockes schwimmt der Schatten des Königs der Lüfte, des Bartgeiers dahin, der Atzung für seine drüben unter der überhängenden Klippe der leuchtenden Felsbastei gierig schreienden Jungen sucht. Ruhig gleitet er zur Tiefe der Schlucht nieder, wo die Knochen eines vom Bären zur Herbstzeit gerissenen Hirsches aus dem Altschnee aufragen.

Der tosende Ursoia-Bach verschwindet dort unten urplötzlich mit Poltern und glucksendem Gurgeln in einem Felsentor, das die Fülle seines Schmelzwassers jetzt nicht zu fassen vermag und sie brandend zurückwirft. Eine gute Wegestrecke tiefer kommt der Wildbach wieder zum Vorschein. Eiskalt und hellgrün braust er inzwischen mit vollem Schwalle unter einer Höhle hindurch, in deren unentweihter Stätte sein wie aus endloser Tiefe herauf zitterndes Grollen und Donnern nach langer Wintershaft die Botschaft ahnen läßt: Der Lenz kommt, nein, er ist schon da!

Unterhalb des vom Schnee verschütteten Höhlentores, wo in dicht geschlossenen Horsten die alten Edeltannen langwallende grauweiße Flechtenbärte tragen und der befreite Wildbach in verrücktem Tosen um moosige Blöcke und altes Treibholz stürmt, steht auf einer zerzausten Wetterfichte ein alter Pechhahn mit griesgrauem Kragen und schillerndgrünem Schilde, worgt und knappt trotz der vorgerückten Stunde noch ein paarmal und dann – kilipp, kelöpp, kilipp! – dann döckelt er noch ein paar Gesätzel, weil der sonnige kalte Morgen doch gar zu schön ist. Unter einem Standbaum dehnt sich bergan ein Windwurf hin, den der Sturm vor zwei Jahren hübsch hergerichtet hat, damit die alten Auerhähne noch eine Freude haben in der immer geradliniger werdenden Welt, in der die Grünröcke jetzt schon die Bäume in Schule nehmen. Hübsch ist's hier! Zwischen den abgestürzten Felsblöcken und moosigen Baumleichen sind die Himbeerstauden werweißwiehoch aufgeschossen, und die Heidelbeere trägt doppeltgroße Früchte. Hier hat der Herrgott selbst den Waldgärtner gespielt! Unter den hohen Wurzelspiegeln der »zufälligen Ereignisse«, wie der Forstwart in wichtigtuendem k. und k. Amtsdeutsch das Fallholz nennt, sprießen goldgelbe Morcheln. Köstliches Frühstück für die Hennen. Der alte Urhahn verschmäht zur Balzzeit so weichliches Zeug und nadelt lieber seinen Standbaum ab. Zum Zeitvertreib laust er sich ein bißchen. Dann reitet er mit rauschendem Gepolter zu den äsenden Hennen hinunter mitten in die bodenduftige Wildnis hinein. Hier und da finden die Hennen noch eine mürbe Preiselbeere, die der Schnee über Winter für sie aufgehoben hat, dort die ersten Knospen des Leberblümchens oder der Alpendotterblume. Der Hahn schreitet behäbig neben ihnen her oder strafft noch einmal, daß es raucht, die Fittiche. Doch plötzlich reckt er den Hals, starrt wie vernarrt auf einen grauen Fleck und donnert dann kröchend ab, um sich nach einem hohen Bogen auf die Spitze der höchsten Tanne einzuschwingen.

Na, so was! Ordentlich lachen muß der alte Hahn. Wie man sich so erschrecken kann! Jetzt hätte er bald den groben Tollpatsch dort unten für einen Luchs gehalten, so griesgrau schaut der Vetter Braun aus mit dem Rauhreif im Pelz. Also dort hat er geschlafen alle die kalte Zeit lang! Schau, schau: dort im Schnee ist noch der Gang erkennbar, der durch wüstes Dickicht von Himbeeren, die der hohe Schnee plattgedrückt hat, zu seiner Höhle führte. Sie selbst ist gar nicht sichtbar. Erst wenn der Schnee fortschmilzt, wird ruchbar werden, daß dort drinnen der König des Karpathenwaldes seine Winterpfalz bezogen hatte. Kein übles Plätzchen! Von oben wird die Pforte durch das Gewirr toter Stämme gedeckt, und wenn wirklich die giftigen Bracken des Oberförsters den Himbeerengang gefunden und sich durch den tiefen Schnee gescharrt hätten, so hätte keiner von ihnen sich durch das enge Felsenloch in Brauns Lagerhöhle hinabgewagt. Daß es nicht recht geheuer war in der Ursoia, dem Bärental, hatte der Oberförster nur zu gut gewußt; denn das Rotwild hatte seinen sonst an dem Hange hinführenden Wechsel den ganzen Winter nicht betreten. Auch die Jagdpächter machten sich darüber ihre Gedanken, und sie hatten nach der großen Herbstjagd, bei der die Bracken und zottigen weißen Hirtenhunde eine starke Bärin vor die Schützen brachten, im Winter noch einmal auf Schneeschuhen den wilden Hang oberhalb des vom Bären gerissenen Hirsches bejagt. Dem Auerhahn selbst wäre es damals beinahe schlecht ergangen, denn als die Hunde ihn aufstöberten, hatte ein rumänischer Bauernjäger schon die alte Donnerbüchse auf ihn gerichtet. Aber der Jagdleiter hatte dem Kerl begreiflich gemacht, daß er den Hahn in Frieden zu lassen habe. So kam der Hahn davon und Braun auch, denn die Hunde hatten den Zugang zum Lager überschossen. Wenn der Bär nicht ein so gemeiner Kerl wäre, müßte er sich also bei dem Hahn bedanken. Aber leider ist Vetter Braun, der so gern den Biedermeier spielt, um kein Haar besser wie der verfluchte Luchs! Trau, schau, wem!

Der alte Bär bekümmert sich gar nicht um den neugierigen Hahn, den er jetzt doch nicht erwischen kann. Oh, er ist gewiß kein Verächter von Flugwild! Gar manche brütende Auerhenne ist ihm mitsamt ihrem Gelege zum Opfer gefallen, und die köstlichen Eier munden ihm ebenso gut wie das eben ausgeschlüpfte Gesperr. Auch manches Haselhuhn und manche Waldschnepfe hat er geraubt, wenn er hinter dichtem Tannengezweig auf größere Beute lauerte. Aber alte Hähne hat er selten erwischt. Vor drei Jahren schoß ein Bauernjäger aus dem Schirm einen Hahn, der noch eine Strecke weit hinstrich und dann steintot ins Gebüsch plumpste. Ehe der Rumäne wußte, wie ihm geschah, hatte Braun den Hahn aufgehoben und trollte damit ab. Im vorigen Jahr sah er, wie ein Luchs zwischen zwei am Boden balzende Hähne sprang und einen schlug. Als Meister Pinselohr an Braun vorbeikam, sprang der Bär brüllend zu und schlug dem gefleckten Räuber die frische Beute aus dem Fang. Aber zu solchen Streichen muß man geschmeidig und bei frischen Kräften sein, nicht abgemagert und heruntergekommen von der langen Winterruhe!

Der vorletzte Winter war milde und gestattete Braun, die meiste Zeit vor seinem Lager zu verweilen und wochenlang herumzubummeln. Damals hat er auch die Sohlen nicht gehäutet. Diesmal aber hat die Haft lange gewährt. Der Bär hatte schon einigemal die Nase zum Loch herausgesteckt, da er witterte, daß der Schnee alt und brüchig roch. Aber der klamme Nebel, der den Wald bedeckte, hatte ihn immer wieder zurückgescheucht und zurückfallen lassen in seinen dösigen Schlaf. Erst als der Sturm mit Dröhnen und Splittern in jauchzender Talfahrt die Tannenwipfel beiseiteschob, ging ein Prickeln durch seinen Leib. Da merkte Braun, daß es Ernst würde. Und als das tolle Lenzfieber verwichen war, als im Licht des vollen Mondes die Uhus in wilder Liebesglut die Nacht durchheulten und hoch droben über den Schroffen der schrille Ruf nordwärts ziehender Kraniche klirrte, hatte sich Braun vom warmem Moospolster erhoben und war aus der engen Pforte seines Verlieses herausgekrochen. Mit krummem Rücken stand er ächzend und stöhnend da. Verwünschte Hartleibigkeit! Sein erstes war, ein paar Büschel grünen Mooses hinunterzuwürgen. Dann schleppte er sich zu seinem Lieblingsplatz an den drei Quellen. In der ersten, der ein schwefliggasiger Geruch entströmte, liebt er zur Mückenzeit sich zu suhlen, um die beißenden Plagegeister loszuwerden. Heute umging er ihren Dunstkreis in weitem Bogen. Auch die zweite, deren eisenhaltiger Säuerling sein liebstes Trinkwasser bildet, verschmähte er. Aber in der dritten, die Kochsalz führt, schlappte er sich satt. Moos und Salzwasser: das schafft Luft! »Öch!« Nach dem langen Winterlager tat solche Reinigung der verschleimten Gedärme not. Die Losung rings um die Quelle herum beweist den Erfolg dieser Abführkur. Aber matt macht die, pfui! Gierig weitet Braun die Nüstern und wittert in die kühle, helle Nacht hinein. Unten im Tal schreckt ein Rehbock, am Hange poltert Rotwild fort. Der Luchs ist auf der Birsch. Was schiert Braun jetzt flinkes Schalenwild!

Die Sohlen schmerzen ihn noch immer, und niedergeschlagen lutscht er daran, um die letzten Reste der abblätternden Haut durch Lecken zu entfernen. Das kommt von dem langen Stilliegen, bei dem alle Säfte stocken! Matt, hungrig, ohne Strümpfe und Schuhe – ein rechtes Jammerleben! Wie ein Wildschwein muß der König der Wälder nun am Boden seine Nahrung suchen. Alte überjährige Schwämme, wenn's hoch kommt, eine frische Morchel, das junge Grün des Hundezahnes und Goldmilzkrautes und junge Brennesseln bilden seine magere Kost, oder er muß gar wie ein Stück Rindvieh die kleinen Waldwiesen abweiden. Zu schlapp zum Stehen sitzt er wie ein Hund auf den Keulen, und wenn er mühsam weiterrückt, schüttelt er ärgerlich und bekümmert sein graues, dickes Haupt.

Durch die stille Nacht schallt aus tiefer Ferne herauf ein langgedehntes Brüllen. Braun kennt es wohl: es ist die Frühlingssehnsucht das Buntviehs drunten im fernen Rumänendorf. Bald wird die Ochsenherde mit der bimmelnden, bommelnden Glocke des Leitstückes, mit ihren zottigen Hirten und noch zottigeren Hunden die saftige Weide auf den Matten beziehen. Aber bis dahin kann Braun verhungert sein, wenn er nicht nimmt, was die kärgliche Gegenwart beschert. Käfer und Kerfe gibt es auch erst wenige im kalten Boden, den an allen schattigen Stellen der Schnee noch deckt!

Als der Tag über dem Tannenschatten heraufzieht, schleppt Braun sich mühselig weiter. Seine Kraft reicht jetzt kaum dazu hin, Steine, die er sonst wie Kiesel wegschleuderte, umzuwälzen, um darunter nach Käferlarven oder Wespennestern zu suchen. An einem verrotteten Stubben buddelte er einen Ameisenhaufen auf, aber es sind noch keine Muttereier darin. Dann schnüffelt und schnobert er in dem morschen Laub herum, das den Boden einer kleinen Blöße bedeckt. Ein goldgrün leuchtender Laufkäfer hängt dort an der Borke. Ein paar Tausendfüßler findet er im Wurmmehl von altem Fallholz. Aber hier, aha! Die Vorratsscheune eines Siebenschläfers. Leider sind die paar Nüsse und Eicheln wenig für Brauns nagenden Hunger. Aber warte nur: richtig, da ist im hohlen Stamm das Nest, und der kleine Winterschläfer, der sich, verlockt von der weichen Abendluft, nachts bereits herausgewagt hatte, sitzt wieder darin. Tief hat er sich in die Höhlung seines mit Moos und Tierwolle ausgepolsterten Loches geduckt und selbst zur Kugel zusammengerollt, die blassen Vorderpfötchen gegen das Gesicht gepreßt und den langen, buschigen Schwanz über Kopf und Nacken gelegt. Plötzlich spürt er einen heißen Anhauch und fährt auf. In seinen sonst so sanft blickenden, großen schwarzen Kulleraugen spiegelt sich starres Entsetzen, und die Schnurrbarthaare an seinem kleinen Schnäuzchen sträuben sich. Da tapst Brauns schwere Brante zu und schlägt ihn zu Brei. »Es ist doch was«, meint der Alte, und dann sucht er weiter. Wo einer ist, pflegen auch mehrere zu sein. Richtig: dort an dem Stubben ist wieder ein Vorratskeller und dicht dabei, in dem Astloch eine ganze Gesellschaft von vier Bilchen! Tapsend schlägt die schwere Brante einen nach dem anderen zusammen.

Der alte Auerhahn ist zu seinem Standbaum zurückgekehrt und schaut vom hohen Ort herab Vetter Brauns Naturforscherarbeit zu. Jetzt hat der Bär wieder den ganzen Fang voll Nüsse, und behaglich schmatzend kneift er beim Knacken die Seher zu. Und wieder teilt er Brantenhiebe aus, wieder piepst es zwei-, dreimal.

Da reckt der Auerhahn den grauen Kragen und kröcht: »Kch–hk, khk, khk!« Und lachend meint der Jäger, der vom Hochstand aus diesem Schauspiel zugeblickt hat: »Der Hahn hat recht, Meister Braun. Du gemeiner, nichtsnutziger Schurke! Erst stiehlst du den armen Bilchen ihren Vorrat, und dann frißt du sie selber auf! Du Biedermeier mit deinem ehrbaren Getue, du bist ja noch viel falscher und niederträchtiger als der tückische Luchs!«

Ursu! Urs!

Die letzten morschen Schneefelder unter dem Dossu longu sind, von Sickerbächlein unterwaschen, dahingeschwunden. Schwefelgelbe Karpathenprimeln und purpurne Glöckchen der Drüsigen Zahnwurz läuten das Pfingstfest ein. Die Sterne des Hahnenfußes, die Korallen des Roten Lungenkrautes spenden süßen Duft dazu. Auf allen Matten, die sich neu begrünen, schaukeln sich Schlüsselblumen, und die ersten Genzianen blühen am schattigen Rande. Nur auf der Mitternachtseite liegen noch ein paar Plaggen trübweißen Schnees. Vor Wohlbehagen brummend, wälzt sich dort nach leidlich gutem Frühstück – ein Berghäschen, zwei Wühlmäuse, drei Schnepfeneier, ein Dutzend Käfer und etwas Erdmast – Vetter Braun im Restschnee und Laube. Dann trollt er zu der Ursoiaschlucht zurück, um sich in der Nähe seines Lagers unter einer Schirmfichte niederzutun. Dort grübelt er und sinnt auf bessere Unternehmung. Da, horch! Leise bewegen sich die breiten Muscheln des Geöhrs: so fein der Ton war, den eben ein Windhauch herübertrug, der Bär hat ihn vernommen. Mit einem Ruck ist er vorne hoch, und regungslos lauscht er nach dem jenseitigen Hang hinüber. Richtig, sie kommen, bimm, bomm! Drüben auf der Magura vacii hält Blonca Bucur, der alte Hirt, mit Stefus Ochsenherde Einzug. So gefährlich hier oben die geile Weide noch ist, immer ist sie doch noch besser als das halbfaule Stroh drunten im Dorf. Bamm, bimmel, bomm! Mmhuh! Aha, die ganze Sippschaft; und zwei meckernde Milchziegen sind auch dabei!

Leise wie ein Fuchs hat der Bär sich vorgeschlichen bis zur Stirn eines Felsens. Von da aus kann er das ganze Tal und die jenseitige Lehne mit der Alpenhütte der Stina Stefu aus buschiger Deckung heraus einsehen. Zwei Kerle sind bei der Herde, Bucur und Vasili. Lang herabwallendes Haar, Schnauzbärte, fettig glänzende Lammfellmützen, bunte Lammwesten, weite Linnenhosen und Bundschuhe. Ein Packpferd, von einem Jungen getrieben, trägt ihre dicken Pelze, in denen nun auch das kribbelnde Leben erwacht. Dazu ein paar Säckchen mit Maismehl und Salz. Im breiten Ledergurt stecken den Männern scharfe Messer und der Beutel mit dem beizenden Rauchkraut. Braun mag die Kerle nicht riechen und noch weniger ihre weißen struppigen Hunde. Zwar die beiden, die dort das Vieh begleiten, der Zoltan und der Brincãu, sind Dummköpfe, die ihn anblaffen und dann zur Herde zurückkehren werden. Aber mit der Zeit wird hier oben der dümmste Köter giftig auf Bärwild. Und droben bei den Schafen auf der Batrina mica ist Burcus, ein zottiger Fixköter mit dickem Kopf und tiefer Stimme, den der Bär nicht wieder los wird, sobald er ihn einmal auf der Fährte hat. Von diesem Lehrmeister lernen alle anderen.

Nachdenklich zieht Braun sich in die Dickung zurück, und dort tut er sich wieder nieder, um zu dösen; denn ehe der Abend kommt, hat alles Nachdenken ja doch keinen Zweck.

Inzwischen haben die Hirten ihr Ziel erreicht. Grell dringt der Schlag der Axt durch die feierliche Stille des Waldgebirges, und bald hängt am auflodernden Feuer der brodelnde Kessel. Das Vieh weidet, und die Hunde schnüffeln im Walde herum, um sich Nahrung zu suchen. Saure Arbeit; denn der letzte Berghase ist längst vertilgt oder von dieser Stätte entwichen. Keine Ricke wird so einfältig sein, in der Nähe dieser zottigen Fixköter zu setzen, die schlimmer sind als die heulende dürre Wölfin. Zwar hat unten im Dickicht von Tannen und Grabenerlen eine Bache gefrischt. Aber bei den Frischlingen Gevatter zu spielen, wagen die Köter doch nicht, obgleich sie wissen, daß Burcus droben von der Batrina sich jetzt jeden Tag einen Frischling stiehlt, da keine Bache es mit ihm an Gewandtheit aufnehmen kann. Ja der!

Am Bachufer finden die Köter eine verfaulte Forelle, um die sie sich wütend beißen. Dann erwischen sie an einem Tümpel einige Braunfrösche und kehren hungrig, wie sie waren, zu ihrem Herrn zurück. Der schaut, auf seinen Bergstock gestützt, unverwandt dem Brodeln des Maisbreies zu, in dem Vasili schweigsam mit feierlichem Ernst rührt, als sei diese »Mamaliga« die erste seines Lebens. Im übrigen ist der alte Bucur Blonca ebensowenig wehleidig wie seine Köter. Mögen die Racker sehen, wie und wo sie was zu fressen kriegen! So köstliche Leckerspeise wie des Hirten täglicher Maispams ist nicht für elende Hunde bestimmt! Auch nach der Mahlzeit läßt der Alte sich nicht von seinen vierbeinigen Gehilfen an Urwüchsigkeit übertreffen. Kein Geschöpf auf dieser Erde fühlt sich unabhängiger von aller Kultur als ein in seinem Dreck schmorender walachischer Hirt, ein zottiger »Cioban«.

Wie die dummen Köter sich nur immer noch gegen die Einquartierung in ihrem struppigen Fell wehren mögen! Der alte Bucur hat sich das Schuppen und Kratzen längst abgewöhnt. Nur mittags, wenn in seinem auf dem Grase ausgebreiteten Schafpelz die Sonnenstrahlen das muntere Krabbelzeug hervorlocken, liegt er schmunzelnd dem freien Tierfang ob und freut sich ebenso über die Grauen, die schwer zu Fuß und leicht zu kriegen, als über die Braunen, die leicht zu Fuß und schwer zu kriegen sind. Dann läßt er sich, das Gesicht in den rechten Arm gedrückt, das liebe bißchen Sonnenschein auf den Buckel brennen und schläft, indessen seine Ochsen wiederkäuen, heute so wie gestern und morgen.

Es wäre ein Herrenleben, wenn der arme Bucur nicht so schrecklich viel zu denken hätte. Ei, ob es heute noch regnen wird? Dann müßte er aufstehen, das wäre nicht gut! Und ob der Bär kommen wird? Das wäre schön! Aber er kommt wohl nicht mehr, der Frate Marcu, der liebe Bär! Oben auf der Batrina mica sind die Schafe. Dort wird er sich wohl eins holen. Der alte Joan dort oben hat es gut! Alle Schafe, die er verschwinden läßt, kommen auf Rechnung des Bären!

Und den schönen Auftrieb, den der Schafhirt hat! Als ob er die Hauptperson in der ganzen Gemeinde wäre! Der Geistliche gibt mit herrlichen Gesängen und Wasserweihe der blökenden Herde seinen Segen, und die reichen Schafzüchter hören andächtig zu. Dann wird die Herde in Abteilungen geteilt, und die glockentragenden Leitschafe werden geliebkost. Die Hirtenbuben dudeln beim Abzug ihren Pfeifensack, und Stefus Joana bläst das lange Alphorn aus Tannenholz, das man so weit hören kann, und das so weich klingt, als käme der schöne Ton von den Engeln aus dem Himmel zurück. Das alles hast du auch gehabt, Bucur! Und jetzt bist du Ochsenhirt; kein Weihwasser und kein Gesang mehr, kein Alphorn und kein Ansehen als Oberhirt!

Nicht mal zu der Kuhherde hat man dich genommen, wo du doch beim Auftrieb für jedes liebe Kuhchen einen Laib Milchbrot und von der ärmsten Frau im Dorfe wenigstens ein Schwarzbrot gekriegt hättest! Und sobald du hättest melden können, daß der Stier, der liebe Jamba, die rotbunte Martaja oder die graue Murge gedeckt habe, hätte es zwanzig Heller gegeben! Ei, ei; was hast du jetzt? Zu den Ochsen hat man dich gesteckt. Merkst du was, Bucur? Ausgerechnet zu den Ochsen!

Ja, ja, der alte ehrliche Bucur hat viel zu denken den lieben langen Tag über. Den schönen Posten bei den Schafen hat er verloren, seit der alte Stefu Pavel im vorigen Jahr dahintergekommen ist, daß der Haupt-Bär, der die vielen Schafe gerissen hat, Bundschuhe trägt und ein ungetreuer Hirte ist. He, Bucur? Nicht zu leugnen: der pfiffige Stefu fand die Schafknochen auf einer Eiche, wo der Bär sie gewiß nicht versteckt hatte.

Das ist nun die große Sorge des Alten. Heiliger Josifu von Jalomitza, wieso soll denn das Diebstahl sein, daß der Bucur die lieben Schäfchen schlachtet, die sonst doch der Bär holt? Aber wenn Bruder Marcu nun nicht raubt und überhaupt nicht kommt, was dann? Je nun, dann hat man eben seine Mamaliga. Und schließlich hat das viele Denken ja gar keinen Zweck! Ä-oah! Auf den Rücken wälzt sich der Alte, und gähnend läßt er sich die Nachmittagssonne durchs offene Maul bis in den Magen scheinen. Äh huppla! Ja, ja, die Zwiebel, die liebe grüne Zwiebel; von der hat man lange was!

Auch der Bär weiß nichts mit dem langweiligen Nachmittag anzufangen, der wie eine Schnecke um den Kranz der Wälder schleicht. Wie die Erde drehen auch seine Gedanken sich um die Sonne. Und davon ist er hundemüde. Also rekelt er sich, und dann gähnt er wie drüben der alte Bucur. Was tun, wenn der Abend kommt? Die alte Kraft spürt er wieder in den Knochen. Aber die Entscheidung ist schwer. Droben auf der Batrina die Schafe, dort auf Stina Stefu das Jungvieh! Schaffleisch schmeckt besser, und eine Zibbe ist auch leichter fortzutragen als ein Rind. Aber – – Vetter Braun ist sehr nachdenklich geworden. Es ist nicht wegen des bissigen Burcus oben bei der Herde. Mit dem giftigen Köter würde er schließlich schon fertig. Aber – – –

Der Bär schüttelt sich vor Entsetzen bei dem Gedanken an das letztemal. Brummend richtet er sich auf. Scheußlich! – – –

Im letzten Spätsommer war's. Ein Teil der Schafe weidete damals unter dem Schwarzkopf. Abends lagen sie zusammengetrieben bei der Hütte auf einer Blöße. Der Bär hatte sich auf weichen Sohlen angeschlichen, unter Wind natürlich. Kein Hund gab Laut, kein Schaf hatte eine Ahnung. Vetter Braun suchte sich das dickste Mutterschaf aus. Es lag zusammengerollt wie eine Kugel. Mit mächtigem Satz sprang er ein. Aber Grauen und Entsetzen packte ihn. Denn aus dem Schaffell schälte sich mit Zeter-mordio-Geschrei ein stinkender Hirt heraus. Oaoah, öch! Drei Täler weit ist der Bär damals gelaufen, und an jedem Quell hat er sich den Fang gewaschen und die Nase im feuchten Moos gerieben. Half alles nichts: den Gestank von Zwiebel, Tabakjauche und ranzigem Cioban-Schweiß wurde er drei Tage lang nicht aus der Nase los! Nein, nein, das tut er nicht wieder, niemals, nie!

Ärgerlich leckt sich Braun die Innenseite seiner Schenkel. Dann sieht er der scheidenden Sonne nach. Heute kann sie wieder gar kein Ende finden mit ihrem Abendrot und ihrem purpurnen Strahlengefunkel – Schaffleisch schmeckt gut. Aber – – nein! – –

Als die Schatten der Täler auf die Berge steigen, erhebt sich der Bär und zieht durch den Tann. Kein Tritt ist zu vernehmen. Nur das Schackern der Drossel verrät seinen Weg. Allmählich verstummt auch das. Nur das Murmeln der Quellen ist noch hörbar, aus dem Tale herauf dringt das Rauschen des Wildbaches. Drüben im Lagerfeuer der Hirten knistert und knackt das Holz. Aus den Bergwiesen steigt der feine Abendduft der müden Mutter Erde auf. Die schmale Sichel des bleichen Neumondes taucht hinter dem dunklen Waldsaum unter. Wie süßer Traum fällt der kühle Tau auf den dürstenden Wald herab. Den Kopf auf den Vorderpfoten schlafen die Hunde bei ihren schnarchenden Hirten. Da schreckt sie das Schnaufen und Aufspringen einiger Ochsen auf. Wütendes Gekläff, fürchterliches Brüllen, dumpfes Röcheln. »Ursu! Urs!« schreien die Hirten. Im feuchten Grase eine lange blutige Schleifbahn.

Frate Marcu war da! Er hat einen zweijährigen Ochsen niedergeschlagen und unterm Arm wie ein Kalb davongetragen.

»Soll ich mit allen Flöhen und Läusen zugrunde gehen!« jammerte der alte Blonca Bucur. »Ursu, Urs!«

Aber am Morgen sucht er mit Zoltan und Brincãu nach, und unter einem Hügel von Tannenreisig, Steinen und Erde findet er die Reste des lieben Öchsleins. Das liebe Gottchen und Frate Marcu sorgen immer noch für den armen, ehrlichen Cioban!

Bärzeit

Auf der alten Straße wandert eine bunte Gesellschaft landaus, landein täglich hier vorüber: Walachen und Czangos, Sachsen und Madjaren, Juden und Zigeuner. Fast eines jeden Geschichte kennt der Alte. Aber die liebsten erzählt ihm doch seine Straße selbst: dicht an der Felswand und an der Kante, wo der Berg steil abfällt bis zur nächsttieferen Straßenwindung. Da hat sich alles eingeschrieben, was herauf oder herunter gewechselt ist: der Rehbock und der Keiler, der Fuchs und das Bärwild. Das ist dem Alten ans Herz gewachsen, hat sozusagen Kindesstelle an ihm vertreten. Geschlecht um Geschlecht ist an ihm vorbeigezogen, und alle hat er wachsen und altern sehen und gern gehabt wie sein eigen Leben.

Jetzt hat das liebe Gesindel gute Zeit! An den Jungeichen stehen nun alle Tage die vorjährigen Jungbären mit ihrem dreijährigen Bruder und schütteln sich Maikäfer herunter, die sie gierig auflesen. Manchmal burrt einer der munter gemachten Käfer davon; dann springen ihm die kleinen Tolpatsche nach und suchen mit Lufthieben ihn zu erwischen. Aber bald kehren sie wieder zum Auflesen der Erstarrten ins kühle Gras zurück. Der Alte kriegt auch was ab von dieser Schüttellese: in der Losung, die sie ihm beim Rückwechsel mitten auf der Straße hinterlassen, die lieben Luderchen. Später werden sie es besser haben, wenn sie der Mutter wieder folgen dürfen, die sie dann in die Blaubeeren führt, die feste Losung geben, und dann in die Schwämme und schließlich in die köstliche Eichelmast, die sie speckfett und kugelrund wie die Schweinchen macht, damit sie den Winter gut überstehen können.

Dies Jahr dürfen sie nicht im Lager der Mutter schlafen, und auch jetzt müssen sie in geziemender Entfernung von der Alten bleiben.

Na ja, was die jetzt treibt, das schickt sich doch auch nicht zum Anblick für die unschuldigen Kinderchen. Eine rechte Herumtreibersche ist sie in diesem Jahre, und das geht nun schon seit Wochen so hin und nimmt kein Ende. Zwei Kerle hat sie sich angeschafft, und da kann man wieder mal sehen, wie das Weibervolk ist. Na ja! Der eine ist ein richtiger Zigeuner, dem die vorjährige Wolle aus dem Pelz wie Zundern herunterhängt. Nicht mal einen halbwegs anständigen Hochzeitsrock hat er, der dürre Lump. Aber der andere, oha, das ist ein Bojar mit einem seidenglatten feinen Pelz. Aber sollte man es glauben: den sieht sie über die Achsel an. Der Zigeuner ist der Begünstigte und schnürt ihr unaufhörlich wimmernd mit der Nase am Pürzel nach. Und der Bojar immer gutmütig gelassen als genarrter Gatte hinter der Sippschaft her! So haue doch mal dazwischen, du Trottel, du Hahnrei! Brauche deine Branten, daß dem hergelaufenen Lumpen die Knochen knacken! Aber fällt ihm nicht ein; er ist und bleibt der aufmerksame Diener seiner Gnädigen. Na ja, bei den vornehmen Herrschaften in Bukureschtschi geht es ja ebenso zu: der Herr Bojar kneift gelassen beide Augen zu, wenn der Zigeunerprimas bei der schönen Frau sich das Tollste herausnimmt. Komische Welt!

Freilich, alles kriegt der Wegeinräumer im Apfelmus der Landstraße ja auch nicht zu lesen. Und wer weiß, was des Nachts, wenn's duster ist, im Dickicht des Waldes sich zuträgt. Neulich hat der Alte aus dem Dunkel der dicht bewachsenen Schlucht ein furchtbares Gebrumme und Gebrülle gehört: da hatte sie sich mit einem eingelassen. War das nun der Zigeuner oder doch vielleicht der Herr Bojar? Wer kann's sagen? Denn so eine Bärin ist ein wetterwendisches Weibsbild; hol' sie der Kuckuck!

Sie mag sich nur in acht nehmen, die elende Herumtreibersche, daß es ihr nicht geht wie der lüderlichen Altbärin, die der Wegeinräumer vor drei Jahren drunten im Buchenbestand am Bach fand. Im Weinmonde war's. Da traf der Alte einen Hauptbären dabei, wie er die zerrissene Bärin verscharrte. O Gott, wie sah der Kampfplatz aus! Ringsum an der Borke der Fichten hingen Schweiß, Haar und Hautfetzen, und ganze rote Lachen bedeckten den aufgewühlten Boden. Die Bärin war im erbitterten Kampf gräßlich zugerichtet. Als die Haut abgeschärft wurde, zeigten sich Hunderte von Biß- und Hiebwunden. Aber sie selbst hatte dem Gegner auch heimgezahlt, denn beide linke Fänge waren am Kampf abgebrochen. Dafür hatte der Bär sie dann auch halb aufgefressen, und er war eben dabei, den Rest zu verscharren, als der alte Wegeinräumer ihn überraschte. Ärgerlich brummend und zuweilen mißtrauisch sich umblickend, trollte der mordgierige Kerl ab, und der Alte war froh, als er ihn los war. Aber wer weiß, worüber die beiden in Zank und Streit geraten waren! Ein Riß war nirgends zu erblicken, und der Mageninhalt der Bärin zeigte, daß sie ausschließlich von Bucheckern gelebt hatte. Sie mußte den Bär doch höllisch geärgert haben; und wer weiß, ob er nicht Rache dafür nahm, daß sie ihn in der Bärzeit so schlecht behandelt hatte.

Solange Vetter Braun verliebt ist, bleibt er ja gutmütig und läßt duldsam ergeben mit sich Schindluder treiben. Aber schließlich wurmt ihn die Zurücksetzung doch, und der Groll macht ihn bitterblütig, bis ihn endlich die Wut packt und er alles zusammenschmeißt.

Nimm dich nur in acht, du Zigeunerliebchen, daß dein Bojar nicht auch eines Tages, wenn das Maß deiner Schande voll ist, dich niederschlägt und verscharrt! Verdient hättest du's mitsamt deinem Zigeuner, du Tochter einer Hündin, elende Herumtreibersche du!

Mischka

Michael Iwanowitsch, der braune Gebieter des russischen Waldes, ist ein großer Herr, und groß sind seine Besitzungen in allen Gebieten des weiten Rußlands. Hier an den Ufern der Kama und Wjatka, die dem gleichen Quellgebiet entspringen, um nach langer Trennung und vielen Krümmungen wieder vereinigt dem Mütterchen Wolga zuzuströmen, schlagen die dichten Zweige niedriger, aber krausgrüner Tannen und Fichten wie Flügeltüren hinter ihm zusammen, wenn er vom Beutezug heimkehrt. Über diesem Nadelwald erheben sich hell im Winde schwankende Birken mit langwallendem Zweiggefieder. Und wo eine Lichtung ist auf dem dunklen Grunde, stehen neben strauchartigen grünen Linden blühende Heiderosenbüsche. Nur in der Umgebung der Höhlenbauten, in denen die zweibeinigen Raubtiere hausen, die sich einen langen Rüssel ins Gesicht setzen und brennendes stinkendes Feuer daraus blasen, ist dieser schöne Wald gelichtet. Dort sind die Haferfelder, deren Ernte Michael Iwanowitsch als sein natürliches Recht beansprucht. Dort stehen die Bäume mit den Bienen, deren süßen Honig er über alles liebt, dort weidet das Vieh, das viel leichter zu schlagen ist als die flüchtigen Hirsche, die als letzte Versprengte ihrer Art hier im Gebiet der Kama leben. Aber Michael Iwanowitsch liebt trotzdem die Zweibeinigen nicht, die immer aufrecht schreiten. Von Jahr zu Jahr sind sie frecher und dummdreister gegen Seine Exzellenz geworden. Sie nennen ihn nicht mehr, wie ihre Väter, General Taptygin, nicht einmal mehr Michael Iwanowitsch, sondern mit geringschätziger Vertraulichkeit »Mischka«, als sei er, der Herr dieser Wälder, selbst eines ihres verächtlichen Gelichters!

Wenn der Alte wüßte, daß er eines schönen Wintertages bei lebendigem Leibe wie ein Stück Rindvieh von ihnen um schnödes Geld an einen Fremden zum Totschießen verraten und verhökert werden wird, und daß sie um sein Wildbret sich balgen und zanken werden wie bissige Köter um die Rinderkaldaunen!

Auch ohne das: er mag sie nicht! Ein für allemal nicht! Sie fangen ihm die Sterlets aus der Tschepsa und erheben ein Mordsgeschrei, wenn er sich das nicht gefallen lassen will und sich seinen Anteil aus den Gitterzäunen holt, mit denen sie einzelne Buchten des Flusses abgesperrt haben.

Den süßen Honig verwehren sie ihm, indem sie in den astfrei gehauenen Stamm unterhalb des Bienenstockes Traghölzer einzapfen, die sie dann mit Brettern belegen, die mit spitzen, langen Bolzen zu einem Schirmdach verbunden sind, das weit vom Umfang des Stammes absteht und deshalb von Mischka nicht erstiegen werden kann.

Nichtsnutzige zweibeinige Bande! Früher war sie viel ehrerbietiger und ging Seiner Exzellenz achtungsvoll aus dem Wege. Aber seit einigen Jahren speit sie aus den Feuerrüsseln viel frecher als sonst. Es knallt nicht mehr so laut, aber stinkt noch viel gemeiner als früher. Und wo die Donnerkeile hintreffen, da wächst kein Gras mehr. Ja, ja, das ist es, was sie so frech macht!

Es kommen ihrer jetzt auch immer mehr in den Wald. Sie legen Feuer an die alten Zirbeln und Tannen – der Kolkrabe mag wissen, wie sie das anfangen! Sie jucken sich an der Keule, und dann brennt es. Manchmal kratzen sie dann die Erde auf, und dann wächst der liebe grüne Hafer. Wenn sie ihn abrupfen, wird er goldgelb, und dann holen sie ihn weg, die Spitzbuben! Manchmal aber frißt das Feuer den Wald, und dann bleiben weit und breit, viele, viele Nachtmärsche weit, nur verkohlte Reste übrig, in denen kein grüner Halm gedeiht und kein Lebewesen haust. Widerwärtiges, zweibeiniges Gelichter!

Auf einem großen Hornblendestein, wie sie zu Hunderten am Ufer des kleinen Waldsees liegen, hat Mischka sich zur Ruhe gelagert und schaut behaglich auf das stille Wasser, in dem die großen schweren Karauschen stehen, die am Einfluß des Baches hochsteigen, wo sie in die Reusengitter der Fischer geraten. Manchmal jagt sie dort ein mächtiger Hecht mit einem Kopf so groß wie der eines Wolfes. Dann springt die Karausche vor Angst aus dem Wasser und schnellt wohl gar an das Ufer, wo sie dann Mischka zur Beute fällt, wenn ihm nicht der Jerf zuvorkommt, der Fuchs oder der Rabe. Aber Mischka hat auch schon bessere Beute hier gemacht. Vor acht Tagen zum Beispiel lag er, als schon die kühlen Schatten des Herbstabends sich niedersenkten, auf einem dieser von der Sonne tagsüber schön angewärmten Steine, blinzelte auf das Abendrot, das sich auf dem dunkeln See spiegelte, und dachte an gar nichts. Da Kreise im Wasser! Planschen und Strudel, kopfüber schoß ein brauner Leib in schlangenglatter Windung. Plattkopf der Fischotter tauchte auf, mit einem Barsch im Fang, stieg aus und begann seine Mahlzeit. Na, was soll man dazu sagen: Mischka hat ihm eine aufs Kreuz gegeben und ihn aufgefressen. Köstlich hat er geschmeckt!

Auch Krebse gibt es in dem See, so lang wie Mischkas Brante breit ist; am seichten Ufer unter den Birken sitzen sie unter den Steinen. Hauptspaß, sie im Hochsommer zu fangen! Wenn nur die nichtsnutzigen Stechmücken dann nicht wären. Oh! Haufenweise setzen sie sich Mischka an die nackten Seherlider, an die Lippen und die Nase, manche kriechen sogar hinein, und dann hilft alles Niesen und Prusten nichts, um dies lästige Geschmeiß loszuwerden. Tag und Nacht hat man vor diesen biesenden Blutsaugern keine Ruhe, und alles Baden, Schwimmen, Tauchen und Suhlen im Morast hilft nicht gegen sie! Oh! Das beste ist noch, im Gebüsch den dicken Kopf am Birkenlaub oder Porst hin und her zu streichen. Aber kaum hebt man ihn wieder – bsssst, sind die frechen Luder wieder da. Das kann Mischka alle Lust an den dicksten Krebsen verleiden!

Na ja, auf dem Moor gibt es freilich dann Beeren: Blaubeeren, süße gelbe Schellbeeren und dann saure Moosbeeren und würzige Preiselbeeren. An Mischkas Losung kann man dann sehen, wovon er lebt. Denn so gut er Fleisch verdaut und Knochen, die als kalkiger Brei in der Losung erscheinen, so schlecht verdaut er das Beerenzeug. Die Zweibeinigen meinen, Beeren und Schwämme seien seine natürliche Nahrung. Da kennen sie den General Tappfuß schlecht! Seine natürliche Nahrung ist Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch, von dem sein Urahn, der Höhlenbär, gelebt hat.

Man ist heruntergekommen. Schandbar zu sagen, wie! Mischka leckt sich die rechte Brante und zieht die lahme Schulter. Die schmerzt noch immer, und mit dem Honiglecken ist es ein für allemal wohl nun vorbei. Mit der steifen Brante kann Mischka keinen Stamm mehr ersteigen. Diese verwünschten Zweibeinigen! Von Glück kann er noch sagen, daß sie ihn nicht im vorigen Herbst bei dem elendigen Sturz erwischt und erschlagen haben. In hellen Haufen kamen sie ja gelaufen, mit Äxten bewaffnet, und scharfe Hunde hetzten sie hinter dem schweißenden Bären her. Aber so lahm Mischka ging, erreichte er doch noch eine Moorinsel, wo er sich der frechen Köter erwehren konnte.

Verfluchter Spaß! Es war doch sonst immer so hübsch glatt gegangen mit den Honigstöcken. Das Erklimmen des Schirmdaches hatte Mischka schon als Lontschak Die Russen nennen den Jungbären Lontschak, den zwei- bis dreijährigen Pestun, d. h. Kinderwärter. von seiner Mutter gelernt, die Honig über alles liebte. Es ist ein ekliges Geschäft. Man kann dabei leicht abstürzen. Die langen Bolzen machen das Aufheben der Bretter von unten unmöglich. Man muß sich also am Rande des Daches hinaufschwingen: schwubb! Ist man oben, wirft man den Bienenklotz hinunter, klettert dann selbst hinab oder läßt sich herunterplumpsen und trägt den Bienenstock dann unter dem Arm fort, um in aller Gemütsruhe den Honig zu lecken. Mit den Bienen ist es nicht so schlimm: wenn sie zu dick kommen, wälzt man sich im Sand oder Moor, oder man springt ins Wasser. Dann werden sie auf einmal zahm.

Also, was soll man sagen: voriges Jahr hatte Mischka einen Stock ausgemacht, in dem es, wenn er den dicken Kopf an den Stamm des Baumes legte, ganz mächtig summte. Mischka nicht faul und hinauf. Endlich konnte er den Schirmrand erreichen, krallte sich fest, baumelte, griff mit der linken Brante über und zog sich hinauf. Schon glaubte er die Beute sein. Aber diese Schufte von Zweibeinigen! Ist es wohl zu glauben? Hatten die Kerle den Bienenstock mit naß geflochtenen Weidenruten an den Stamm gebunden. Ärgerlich brummend riß Mischka an dem in der Kronengabel eingeklemmten Klotz. Nicht los zu kriegen. Nichts zu machen! Mit beiden Vorderbranten den Stock packend, rüttelte er und riß ihn nach hinten. Plötzlich brach das Weidenband, und mitsamt den Bienen sauste Mischka rücklings über das Schirmdach hinunter. Und ehe er wußte, wie ihm geschehen sei, kamen die Langbrantigen schon heran mit Hunden und Feuerpüstern. Kaum daß Mischka sich von dem Klotz befreit hatte, waren die Kläffer ihm schon auf dem Pelz, und – o weh! – mit der zerschmetterten Schulter konnte er sie nicht abwehren. Dabei blitzte, knallte und stank es, und in der rechten Keule hat Mischka noch immer eine dicke schmerzende Erinnerung an den letzten Bienenstock.

Was soll er nun machen? Die Brante ist ja wieder halbwegs in Ordnung. Aber steif ist sie geblieben. Auf die alten Tage hat er Linkstatsch werden müssen. Und spüren tut er sich mit dem schrägen Eingriff der rechten Brante ganz merkwürdig im Schnee und Morast.

Was hilft's? Man gewöhnt sich schließlich an alles. Und hat man keinen Honig, so fängt man Fische. Oder noch besser: man geht in den reifen Hafer. Und das will Mischka heute abend tun. Ja gewiß, das wird er tun! Die Zweibeinigen werden dann sagen, er sei ein Owßjätnik, ein Haferfresser und lieber, harmloser Kerl! Ach ja, man kommt leicht in ihrer Meinung herunter. Wenn Mischka nur könnte, wie er möchte, würde er schon ein Sterwjätnik, ein Aasfresser, sein. Aber woher duftendes Fleisch nehmen, wenn man schulterlahm ist und nichts reißen kann? Also bleibt es dabei: gehn wir in den Hafer!

Im Hafer

Am hohen Ufer des machtvoll hinflutenden Stromes, auf dem die buntbewimpelten Holzstrusen dahintreiben, liegt eine Birkenteersiederei am Rande einer alten Brandfläche, die durch Anflug sich bereits wieder mit achtjähriger Linden- und Birkenjugend bestockt hat. Schöne Bestände von Kiefern und Edeltannen umgeben sie, letztere bereits der sibirischen Art angehörend. In dem Laubholz, das sich hier dank des Mangels an »geordneter Forstwirtschaft« in den Nadelwald einmischt, herrscht die Linde vor, die Bast zu Matten, Tauen, Stricken und Bundschuhen liefert, in den Niederungen die Schwarzerle, an den Ufern die Schwarz- und Silberpappel. Dazwischen Weidenarten, Faulbaum, Traubenkirsche und der dem Elchwild als Äsung so hochwillkommene warzige Spindelbaum. Auf hohen Espen rupft Auerwild das herbstlich gefärbte Laub. Über alle diese aber erhebt sich als Wahrzeichen des russischen Waldes in schlanken Stämmen die bis in den Zopf hinauf schlohweiß leuchtende Birke. Daher solcher Birkenteersiedereien viele zu finden sind in der Nähe des Stromes. Diese hier steht unter der Aufsicht eines struwwelbärtigen Alten, der als Führer eines »Artels«, d. i. einer Genossenschaft, die Teer und Degutt herstellt, in einer Erdhütte haust, die vorn neben der Eingangstür einen Herd nebst Schornstein und hinten ein Lager von würzig duftenden sprungfederartig lockeren Tannenzweigen hat, in denen weder Wanze noch Laus noch Floh gedeiht. Dennoch fühlt Iwan Afanassi sich mollig wohl in seinem Loch. Das machen die fußlangen Sterlette und die großen Barsche und Hechte, die er fängt, und die Elche, die er in der arbeitslosen Zeit schießt um ihrer Häute und Schaufeln willen, nach denen seine Hütte duftet wie eine Gerberei. Er selbst stinkt nach dieser Umgebung auf eine halbe Werst weit. Aber er macht sich nichts daraus, solange er Kautabak hat. Wie er mit dieser Witterung an Wild herankommt, würde unfaßbar sein, wenn nicht der steife Wind es halbwegs erklärte, der den ganzen Herbst über hier im Walde am großen Strom steht.

Mit dem Bären freilich, dem Iwan heute auflauern will, muß er es feiner anfangen. Gestern nacht ist Mischka wieder in dem kleinen Haferstück gewesen und hat breite Gassen hinterlassen. Ja, ja, Alterchen, hättest du deinen Hafer rechtzeitig geschnitten und ausgedroschen, dann wäre er nun in Sicherheit vor Bärenbesuch! Aber du Faulpelz bist wieder der letzte gewesen, stromauf, stromab. Nun hast du's! Am Rande des kleinen Haferstückes steht eine alte Sibiriertanne. Auf der hat sich Iwan einen Sitz zurechtgenagelt, und da er weiß, daß die Fährte seiner ausgetretenen Bastschuhe und schmierigen Fußlappen mindestens drei Stunden lang steht, hat er schon am frühen Nachmittag seinen luftigen Thron bestiegen. In dem breiten Mantel des alten frostharten Wipfels sitzt er wohlgeborgen und weich auf einem Säckchen mit Heu, das ihm zum Polster dient. Zehn Ellen hoch ist der Sitz, damit Mischka nicht in Iwans Dunstkreis gerät. Oh, sie nehmen es gar genau miteinander, diese beiden alten Schlauköpfe! Iwan hat auch nicht vergessen, sich dreimal zu bekreuzigen, als er seine Hütte verließ. Und er hat im Gürtel drei Ersatzpatronen. So wartet er, das Berdangewehr auf den Knien, daß es Abend werden und der Bär kommen möge.

Langsam nur neigt der trübrote Sonnenball sich dem Saume des Waldes am Stromufer zu. Lärmend umkreisen Scharen wanderlustiger Krähen seinen Sitz. Endlich sammeln sie sich im hohen Tannenhorst, und aus dem Bruchwald steigen verschleierte Nebelfrauen auf. Puj, puj, puj! Enten klingeln darüber hin und melden die Ankunft der Nacht. Aus der Ferne über dem Strom hallt das »Klong, klong!« ziehender Schwäne. Eulen huschen über das Haferfeld. Kraah, kraah – was will der schon jetzt, Kolkrabe, der alte Schwarze? Aber horch, ein Ziemer schackert unten im Walde. Und jetzt – war das nicht Mischkas Leisetritt? Knisterte nicht das Dürrholz im Walde? Nichts regt sich als eine Nebelfrau, die verstohlen ihr fahles Antlitz entschleiert. Iwan fürchtet die glotzende, dunkle nicht. Er weiß: der Mond wird die Nebelweiber fressen, sobald er höher über dem Walde herauf sein wird.

Jetzt, dort drüben am Rande der Lindenbüsche: der dunkle und doch glänzende Fleck! Sollte das nicht – –

Gewiß, das ist er! Vorsichtig hebt der Alte die Büchse. Aber er senkt sie wieder. Unmöglich, Kimme, Korn und Wild zusammenzubringen!

Gelassen, als ob er auf einen heranhoppelnden Weißen passe, wartet der Alte. Nur hübsch ruhig! Der liebe gute Mond lacht immer lustiger. Und wenn er dort über der hohen Birke stehn und dem Gast im Haferfelde ins alte Spitzbubengesicht leuchten wird, dann mag es gelingen.

Mischka hat sich's bequem gemacht und weidet schmatzend die Haferhalme ab, die er mit den Vorderbranten heranbiegt. Wenn er weiterrutscht, schiebt er sich auf dem Hinterteil vorwärts. Zuweilen grunzt er leise vor Wohlbehagen. Doch plötzlich sichert er, stellt die Muscheln des Gehörs auf und hebt witternd die Nase. Und erhöht sich, äugt, auf den Hinterbranten stehend, ringsumher! Nach allen Seiten schnuppert er: woher kam der verdächtige Ruch? Von der Hütte herüber, wo die fauligen Häute stinken? Vom Licht des Mondes umflossen, steht der vom Abendtau quatschnasse Bär wie versilbert da, aber eben darum zerfließen seine Umrisse für das zielende Auge.

Iwan droht seine Ruhe zu verlassen. Immer wieder hat er abgesetzt. Aber jetzt, jetzt muß es gehn! Vorsichtig hat er auf seinem Sitz sich halbrechts gewendet. Durch das Gefieder des Tannenmantels bohrt sich das Rohr mit dem blinkblanken Korn. Rot blitzt es auf, dumpf rollt der Widerhall über den Wald bis zum Strom hinüber. Der Pulverrauch verdeckt das Haferfeld. Dort unten hat einer »ftsch« gesagt. Aber kein Brüllen und Fauchen hat die Kugel quittiert. Als der Rauch sich endlich verzogen hat, scheint der Mond schmunzelnd auf die breite Gasse, die Mischka im Hafer hinterlassen hat.

Langsam klettert der »Scharfschütze« herab von seinem hohen Sitz. Langsam besieht er sich den Schaden und die Stelle, wo der Anschuß sein müßte, noch langsamer geht er in seine Hütte, um in schlafloser Nacht über die Schlechtigkeit vom alten Semjon zu grübeln, der ihm falsches Pulver verkauft hat und an allem Unheil und Elend des armen, alten, ehrlichen Iwan Afanassi die Schuld trägt.

Schneller hat sich Mischka davongemacht. Schnaufend und blasend mit Krach und Poltern durch Wald und Bruch. Alle Donnerwetter aus blauem Himmel, Alterchen, die Dummheit machst du nicht wieder! Mag der Hafer noch so verlockend duften, dem Mondschein soll keiner vertrauen. Peng! Das war dicht am Dickschädel vorbei. Oah, wie hat der qualmige Blitz gestunken! Öch!

Wie ein Ren ist Mischka durch dick und dünn getrabt, und er verschnauft erst, als er an eine Grube kommt, in der ein Elchkalb sich gefangen hat.

Na, dem kann geholfen werden! Und als er Knochen knackt und breite Wildbretfetzen reißt, fühlt er sich wieder als das, was er ist, er, der General Tappfuß, der braune Herr des weiten Waldes. Aber gegen den Zweibeinigen da drüben bleiben Mißtrauen und Haß in ihm lebendig.

Im Eisen

Wieder ist ein Jährlein herum. Jetzt spürt sich Mischka rechtsseitig noch auffallender als früher. Das kam so.

Da Iwan ihm auf dem Ansitz nicht beikommen konnte, hatte er es mit einem großen Tellereisen versucht, das Pawel Semjon ihm hatte besorgen müssen. Ende Oktober, als bereits tüchtiger Schnee lag, hatte er Mischka eingekreist, der sich noch als »Schatun« herumtrieb, weil die Ebereschen in dem Jahre so reichlich gediehen waren und Mischka nächst Aas nichts so sehr wie gefrorene Ebereschen liebt. Ein Luder hatte er aber auch, da ein Elchtier, das Iwan mit einem Bolzengeschoß angeflickt hatte, eingegangen war. Also dachte Mischka noch lange nicht an Dösen und Hungern, zumal er sich nicht mehr durch Moos reinigen konnte. Also, wie gesagt, bummelte Mischka herum, machte Widergänge im Zickzack und wunderlich krause Schleifen, lief rückwärts, um seine Fährte zu verhehlen und machte schließlich vom Wipfel eines Fallbaumes aus einen mächtigen Absprung in sein vorläufiges Lager: »Plumps! So, da sucht mich mal!«

Iwan suchte ihn Tag für Tag, fand sich aber aus dem Fährtenzickzack nicht zurecht, da dies fast tagtäglich verschneite. Also versuchte er es mit dem Warten am Luder. Einziger Erfolg: das leichte wohlbekannte Geräusch von fallendem Schneebehang und heimlichem Bärentritt. »Ftsch!« Hast du gehört, Iwan? Da war er! Futsch ist er! »Verwünschter Spitzbube«, dachte Mischka, als er das stinkende Zweibein witterte. »Verdammter Spitzbube!« knurrte der verärgerte Alte. »Na warte nur! Soll nur das Eisen kommen!« Als Semjon das Eisen schickte mit Kette und Anker daran, legte Iwan es am Risse aus, von dem nur noch ein kleiner Rest zum Knacken und Lutschen für Mischka übrig war. Zum Unglück für General Taptygin schickte der Himmel wieder eine neue. Am nächsten Morgen saß seine Exzellenz drin und noch dazu mit der kranken Brante. Aber bald ging er mitsamt Eisen und Kette los. Wenn der Anker anhakte, riß er mit der gesunden Brante das Ding los, und dann schleuderte er es mit wütendem Brüllen herum, bis er vor Schmerz ermattete. Schließlich hatte er sich die Kette um den kranken Vorderlauf gewickelt und zog damit ab, weit weg, um nach Widergang, Schleife und Absprung sich wieder einzuschlagen.

Der Alte fand ihn wieder nicht und fluchte auf Pawel Semjon, der ihm ein viel zu kleines Eisen geschickt habe und an allem Unglück des armen, ehrlichen Iwan Afanassi die Schuld trage.

Andere aber fanden Mischka. Dürre Hungerleider, die der Schweißspur gefolgt waren, so sparsam und selten auch die dünnen Tropfen im tiefen Schnee eingebettet lagen. »Waau-huh-huhh!« heulte die alte Grauhündin zum nächtlichen Himmel empor. Und »wuuh-hu-hoah!« antwortete mit sinkenden Tonfall der Altwolf. Zwei andere heulten sich noch aus weiter Ferne heran, starke Waldwölfe. Frech sprangen sie ein und wichen Mischkas Ohrfeigen gewandt aus. Frech griff im selben Augenblick das andere Paar von hinten an. Mischka schlug fauchend und brummend um sich. Bautz! flog dem einen der Anker an den Kopf und hakte im Nacken fest. Und Mischka riß, vor Schmerz und Wut laut aufbrüllend. Da lag der Altwolf erschlagen. Da lag auch der Anker gebrochen. Nun mit der leeren Kette schlug es sich schon besser. Als die zerschundenen Hungerleider einsahen, daß sie mit dem starken Bären nicht fertig wurden, fraßen sie ihren Großvater auf und schnürten weiter. Mischka rückte auch aus und schlug sich an einer anderen Stelle ein. Eines Tages drückte er mit der gesunden Brante auf die Feder des Eisens. Da zog sich die kranke Brante frei heraus, und Mischka leckte sie ab, bis sie heil war. Nur noch schiefer tritt er nun auf. Oh, wie schief!

Aber das macht nichts. Er ist trotzdem der Schrecken der Zweibeinigen. Neulich fand er im Schlamm des Altwassers die Kuh des Fährhauswärters. Vermutlich hatten Wölfe sie gejagt, und sie war steckengeblieben und hielt sich nur noch mit den Vorderbeinen an der Uferwand, kläglich um Hilfe brüllend.

Als der Fährmann kam, war alles still. Im Graben fand er die Bescherung: Blut und Schlamm im zertrampelten Grase. Mischka hatte die noch lebende Kuh mit den Vorderbeinen gepackt und fortgeschleppt. Eine halbe Werst weiter fand man den mit Steinen und Moos verscharrten Riß.

Flüche und Racheschwur: »O du Spitzbube, du Sohn einer Hündin, was hat dir die teure Bunte getan? Volle zehn Stoof Milch gab sie mit süßem fettem Schmand! Du Räuber, hast du nicht genug daran, uns Heidekorn und Hafer zu zerwühlen? Jetzt warte nur, wir werden es dir eintränken, Iwan Afanassi und ich!«

Diesmal wird der Riß mit schweren Steinen bepackt, damit ihn nicht die Wölfe fortschleppen können, die nachts hier ihre Jungen in schauerlichem Zwiegesang anheulen. Und dann werden zwei Löcher gegraben vor einem breiten Wassergraben, den der Bär nicht überschreiten wird. Schon am Nachmittag sitzt der Fährmann mit einem furchtbaren Muskedonner in dem einen Loch, Iwan in dem anderen mit dem Berdangewehr.

Der Abend kommt mit Kühle und Nebel, mit Uhuruf und grausigem Erwachen der Stimmen der Wildnis. Dem Fährmann steht Schweiß auf der Stirn, schon zum dritten Male bekreuzigt er sich dreimal und murmelt ein leises Gebet.

Als der Mond von eilenden Wolken verdunkelt wird, kommen dürre Gestalten geschlichen, zerren am Fleisch, knacken und nagen an den Knochen und versuchen vergebens die Steine vom Riß herabzuwerfen. Plötzlich spitzt einer das Gehör, bohrt den Blick in das Waldesdunkel und springt ab, ihm nach die beiden andern im hurtigen Reißaus. In demselben Augenblick steht auf dem Riß der gewaltige Bär. Ärgerlich brummend, wirft er die Steine, die die Wölfe mit vereinten Kräften nicht zu rücken vermochten, hinab. Dann knackt es, knirscht und schmatzt. Der Fährmann zittert. Iwan hämmert das Blut in den Schläfen. Zweimal hat der den Starken gefehlt. Gespensterhaft schwankt ihm das Riesenwild im bleichen Nachtlicht vor der Büchse.

Da: Rotfeuer und Donner im Widerhall. Dumpf dröhnt der Erdboden. Gebrüll und Brantenschlag. Entsetzt ist der Fährmann davongelaufen. Was er sah, war grausiger, als er stammelnd beschreiben kann. Auf dem Jäger der Bär mit wütendem Trampeln. »Herr, erbarm' dich, er ist verloren!«

Als der Morgen graut, fahren sie ihn, im Schlittenstroh lang ausgestreckt, fort. Aber Iwan Afanassi ist nicht tot. »Zehn Bären kriegen den nicht tot«, meint der Doktor Iwanoff lachend, als er ihm die Kopfhaut wieder zurechtschiebt, die Mischka dem »Scharfschützen« über die Augen gestreift hatte.

Er kommt wieder durch. Nur der rechte Fuß bleibt lahm, auf dem Mischka herumgetrampelt hat.

Sie leben beide noch: Iwan und Mischka. Beide spüren sich schräg. Und jeder haßt den anderen als den größten Spitzbuben von der Welt!

Im Lager

Als die Bärin fühlte, daß der Schneefall nicht mehr lange auf sich warten lassen werde, schlug sie sich ins Lager. Da sie einen feuchten und warmen Winter voraussah, hatte sie einen trockenen Platz am Abhang eines kleinen sandigen Hügels gewählt, hinter dem Wurzelspiegel einer dort abgeschwemmten alten Randkiefer. Unter den Wurzeln der noch aufstehenden Bäume grub sie sich dort ein, um gut vor dem Tropfenfall auftauenden Schnees geschützt zu sein. Im vorigen Herbst hatte sie in Voraussicht eines kalten Winters sich in einem Bruchdickicht auf einem Mooshügel in der Nähe warmer Quellen gelagert. Damals hatte sie ihre vorjährigen Jungen bei sich. Da sie dies Jahr Zuwachs erwartet, kann sie die »Lontschaki« nicht gebrauchen, und die lagern zusammen mit einem älteren Bruder als »Pestun« etwas abseits von der Mutter in einem besonderen Loch unter einem Windwurf.

Hübsch eingerichtet hat sich die Alte das Lager – alles, was wahr ist! Alle Wände sind glattgeklopft und mit zerrissener Fichtenrinde austapeziert. Rings an den Bäumen sind die Rißspuren als Folgen dieser Raumkunst zu sehn, namentlich an jungen Fichten auf der Südseite, wo die feinste Borke mit der längsten Faser ist. Der Boden ist hoch mit Moos gepolstert, im Hintergrunde, wo Mutterchen niederzukommen gedenkt, am höchsten.

Als die ganze Gesellschaft ihr Lager bezog, machten sie alle verzwickte Schlingen, die sich über mehrere Werst hindehnten. Am Scheitel jeder Schlinge führten beide Schenkel zum Mast hinaus, in dem die Lager waren, in Wirklichkeit waren die Bären jedesmal ein gutes Stück Weges auf der scheinbaren Ausfährte rückwärts gelaufen. Der Pestun hatte die Lontschaki darin unterwiesen und sie veranlaßt, gleich ihm einen mehrere Ellen hohen Windwurf zu ersteigen, um von da aus in das Lager zu springen. Ähnlich hatte es die alte Bärin gemacht, und zwar lagerten alle ihrer Hinfährte gegenüber, die wie bei allen Bärenlagern Regel zu sein scheint, mit unfehlbarer Sicherheit nach Norden gerichtet, zum Lager führt. Die Bären lagerten also alle mit dem Blick gegen Mittag.

Als mit Eintritt des Julmondes die Fröste härter wurden, wurde der Schlaf der Jungen tiefer und tiefer. Die Alte aber schlief nur unter Mittag ein paar Stunden und wälzte sich in der übrigen Zeit ächzend und stöhnend hin und her. Manchmal richtete sie sich auch vorn auf und saß dann stundenlang mit gesenktem Haupt und vorgestrecktem Lecker trübselig müde und mit mattem Blick und gesträubtem Haar als ein Bild der Hilflosigkeit da. Bis dann in den letzten Tagen der Wintersonnenwende ihre schwere Stunde kam und schließlich zwei Junge im Nest lagen, niedliche, spickfette braune Dinger mit weißem Halsbande und Schulterflecken. Erst nach drei Wochen öffnen sie ihre Seher, um in die Dunkelheit hineinzublinzeln. In den Branten der geringelt liegenden Mutter ruhen sie nun an deren Gesäuge warm und weich, bis der Frühling mit Vogelsang und Sonnenschein sie hinauslockt – oder die bösen zweibeinigen Raubtiere kommen, um den Frieden ihrer ersten Kindheit zu stören.

Die Bärin nährt ihre Jungen in dieser langen stillen Zeit, ohne selbst die geringste Nahrung zu sich zu nehmen. Ruhig gehen nun ihre Atemzüge, immer langsamer und immer leiser. Sie hört den Frost nicht, der das Eis des Stromes erdonnern und die alten Föhren knacken läßt, nicht den Wirbelsturm, der mit der Wildheit Sibiriens im Nacken vom Ural herunter über die ächzenden Wälder dahinfegt. Zwischen Traum und Erfüllung ihrer Mutterliebe ruht sie sanft, im Neuschnee tief geborgen.

Nur zuweilen steigt eine feine dünne Säule warmen Lebensduftes aus ihrem Lager auf, die der leichte Wind verweht in der Kirchenstille des träumenden Winterwaldes.

Mischkas Ende

Lange hätte er noch leben können, wenn »Kasimirka«, des Jagdherrn kluger und mutiger Verbeller, nicht gewesen wäre, der schon ein halbes Hundert Bären auf dem Gewissen hat. Zur Stöberjagd ist der alte Hund nicht mehr zu gebrauchen, da er den flüchtigen Bären nicht mehr halten kann. Aber am Lager kommt ihm an Gewandtheit und Schärfe noch immer keiner gleich.

Als dem Jagdherrn das Lager des starken Bären mit der schiefen Brante gemeldet wurde, nahm er nur eine Handvoll tüchtiger Treiber mit, da er wußte, daß in diesem Falle Kasimirka die Arbeit zu leisten haben würde. So kam es auch. Der zweijährige »Laska« sollte nur zum Lernen mitkommen und hat sich gleich eine Lehre für die Ewigkeit geholt.

Es waren harte Tage. Gegen vierzig Werst weit konnte man mit Pferden vorwärts kommen. Doch mußten zwölf Mann auf Schneeschuhen Bahn treten und den Weg von Fallholz und Bäumen säubern. In enger, kaum zwei Faden langer und anderthalb Faden breiter Hütte ward übernachtet, dann ging es auf Schneeschuhen und mit Hundeschlitten in der Morgenfrühe zehn Werst weiter zum Lager.

Mischka schläft. Da stürmen zwei freche »Laiki« in sein Gemach. Einer kneift ihn ohne weiteres hinten, der andere verbellt ihn vorn. Dem gibt er eine Ohrfeige, daß er stumm für immer bleibt. Dann aber fährt er sofort aus dem Lager, um den Jäger anzunehmen. Aber dort draußen steht ein erprobter Meister. Und ein Hund wie Kasimirka macht überdies die Jagd auf den schwierigen Bären nahezu gefahrlos. Als er Mischka zum Lager hinausstürmen sieht, hält er sich knapp an seiner Seite, draußen aber greift er mit den scharfen Fängen, die so manchem Gegner die Drossel durchbissen haben, dem Bären wieder hinten ein, daß er wütend herumfährt. In tollem Wirbel dreht sich der Kampf herum. Der Bär versteht trotzdem den Kopf so zu decken, daß sich kein Schuß anbringen läßt. Zwei-, dreimal bricht der Bär ins Lager zurück, immer zwickt und zwackt ihn der Hund heraus, ohne daß der Jäger einen tödlichen Schuß anbringen kann. Und ein Blattschuß auf diese Entfernung von wenigen Schritten würde zu übler Erfahrung führen. Das Herz aber gibt dieser Hauptbär nicht her. Der erhöht sich nicht, sondern trachtet, von unten den Gegner mit wischendem Seitenhieb der Brante niederzustrecken. Dabei hält er den Kopf in die Brust geduckt, als sicheres Zeichen fester Entschlossenheit, die nur auf den günstigen Augenblick zu tödlichem Schlage wartet.

Da hilft nichts, als ihn zu reizen. Angepackt, Feuer auf das Blatt und in meterweitem Satz außer Bereich des Bären! Büchse hoch, jetzt hat der brüllend Zusammengebrochene sich erhoben und gibt die volle Stirn frei. Korn zwischen die Lichter und Feuer! »Öch – möff!« Nieder bricht der Bär, und trotzdem vergehen noch Minuten, bis der vom Hunde gefaßte Riese verendet. Mit dröhnendem Gebrüll wälzt er sich unter seinem Peiniger am Boden, beißt nach der zuerst getroffenen Stelle, wird abermals hoch und schlägt, obschon besinnungslos, noch immer nach dem Hunde, bis die gewaltigen Glieder sich im letzten Zucken und Zittern dehnen und strecken. Noch ein letzter Luftgriff der Branten – das Leben ist dahin.

»Gotowo!« Langsam ist der Jäger, der so manchen Hauptbären erlegt hat, an diesen Hünen herangetreten. Aus der Tasche nimmt er ein Bandmaß und mißt von der Nase bis zum Bürzel: vier Arschin weniger ein Werschock: also 2,50 Meter! Alter: 17 Jahre. O ja, es gibt noch Hauptbären in der »Taiga«, dem weiten russischen Wildniswald!

Inzwischen sind auch die Treiber herbeigeeilt, und während Mischka auf dem Hundeschlitten verstaut wird, hält sein Freund Iwan Afanassi ihm die Leichenrede:

»Da liegst du nun, du Sohn einer Hündin, der mir das Fell über die Ohren ziehen wollte! Weiß ich doch, wie stark du warst! Jetzt ist ein Stärkerer über dich gekommen, du Hundesohn! Da hast du's!«

Auch der Fährmann tritt herzu, um den nun Wehrlosen zu höhnen:

»Du Hundesohn, konntest du nicht von Beeren im wilden Walde leben? Mußtest du uns Armen das Vieh stehlen? Jetzt bist du still und zahm, du Frecher! Da hast du's!«

So schlagen alle den König des Waldes auf den Kopf, die ihm bei Lebzeiten in weitem Bogen ausgewichen waren, und sie ergehen sich in dummdreister Vertraulichkeit nach dem Bedürfnis ihrer Eselseelen.

Abseits von ihnen steht der Jäger und liebkost schweigend seinen tapferen Hund.

Der Herr der Wildnis

»Schaudervoll!«

Der andere schweigt. Nochmals untersucht er die Einbettung der schweren Falle. Kein Zweifel: der Jäger hatte am Risse das Eisen gelegt, um den Bären zu fangen, der den starken Hirsch geschlagen hatte. Und ist durch Unvorsichtigkeit beim Entsichern dem Abzug zu nahe gekommen und mit beiden Händen in dies selbstgestellte Eisen geraten! Dessen schwerer Anker dann festgehalten hat bis zum bitteren Ende!

»Ob es der Bär war, der ihn gerissen hat?«

Der alte Dan schüttelt ungläubig den Graukopf.

»Kalkuliere: Wölfe! Mokassin Joe hat sich an den Hirsch gehalten. Wölfe hätten die Steine dort nicht fortwälzen können, mit denen er den Riß bepackt gehabt hat!«

»Ob der arme Kerl noch gelebt haben mag?«

»Sicherlich! Aber kurzer Endkampf war's!«

»Schaudervoll!«

Dan McCleod hat inzwischen Dürrholz über das Gerippe des Verunglückten geworfen und stemmt nun mit dem Schaft einer Jungtanne zwei dürre Fallstämme heran. Dann wirft er eine Kohle hinein und schürt das aufprasselnde Feuer.

»Wollen wir nicht Steine über die Asche wälzen?«

»Gewiß!« antwortet der Alte. Prüfend mustert er die nächsten Stämme. Hinter dem Schirmmantel einer Douglasfichte gewahrt er einen Jungstamm. Mit drei schwungvollen Axthieben schlägt er den ab und putzt ihn dann zu einer zweiten Brechstange. Inzwischen hat der Jüngere neues Holz herbeigetragen und aufs Feuer geworfen.

»Komm an! Hilf!«

Sie setzen die Stangen unter den größten der Steine und bringen ihn mit arger Not ins Rollen.

»Mokassin Joe kann das besser!« lacht der Schotte.

Schließlich haben sie sechs Blöcke dicht an das Feuer heran.

Dan untersucht die Asche und nickt befriedigt. Auf den Hebebaum gestützt, schaut er ernst und schweigend dem verprasselnden Feuer zu. Ab und an drückt er die verkohlenden Kloben fest aneinander, damit sie Glut halten.

Dann wälzen sie die Steine auf die verglimmende Asche und werfen kleinere dazwischen und darauf, bis es ein Hügel wird, in den ein aus den Hebebäumen hergerichtetes und mit Fichtenwurzeln verbundenes Kreuz gesetzt wird. Dann bergen sie das Bäreneisen. Soll morgen mit einem Packpferd geholt werden.

Ehe sie weitergehen, nehmen sie die Kappen ab und beten ein stilles Vaterunser. John Dan McCleod bekreuzigt sich.

Schweigend kehren sie zu dem Lager zurück, das sie im lauschigen Felsenwinkel hinter den Silbertannen am Hellen Quell aufgeschlagen haben. Aber der Deutsche schaut sich nochmals um nach der Stätte, wo im Herbst das grauenvolle Trauerspiel der Wildnis sich abgespielt hat, das die Aprilsonne nun im Schnee bloßlegen mußte. Doch aus seinem Sinnen fährt er auf; vom Lager her schallt wütendes Gebell der Hunde. Rovers Stimme klingt wie Standlaut, obgleich der alte Bursche an der Kette liegt.

Der Alte schreitet frisch aus.

Als sie zu den Pferden kommen, wiehert die alte Schimmelstute auf, und die anderen Gäule, selbst »Charley«, der während der ganzen Reise durch Auskneifen und Gepäckabwerfen sich unnütz gemacht hat, stimmen freudevoll in den Gruß der alten Koppel ein.

Verständnisvoll schauen die Jäger einander an, und der Alte läßt prüfend den Blick über den Unterwuchs der Umgebung des Lager gleiten.

Hinter den Bergen sinkt die Sonne des kurzen Apriltages, und die Schneehäupter des Wolfsberges und Sturmhornes leuchten in rosigem Abendglühen. Drüben rauscht der Wasserfall in den Wildbach hinab, dem auch der Abfluß des Hellen Quelles zuströmt.

Aber dem Schotten ist das alles gleichgültig in diesem Augenblick. Wie ein Terrier auf ein Mauseloch starrt er auf den Tannenbusch, der sich ein wenig bewegt hat.

»Will verdammt sein: er war's!«

Sein Gefährte hat die Büchse erhoben, läßt sie aber wieder sinken, und beide blicken unverwandt zu der Stelle im Schatten der Silbertanne hinüber. Aber nichts rührt sich dort mehr, kein Laut wird hörbar. Nicht umsonst heißt Alt-Ephraim in diesen Bergen Mokassin Joe. Lautlos wie eine Rothaut hat er sich davongemacht.

Sie säubern die Büchsen und legen sie in die Holzkeile an der Blockwand des halboffenen Schuppens, der ihnen zur Herberge dient. Dann holt der Alte die Pferde an den Lagerplatz heran. Und der Deutsche wirft frisches Holz auf das niedergebrannte Feuer, zwischen den Steinen. Bald brodelt im Kessel eine Forelle, und die Zinkblechkiste spendet Buchweizenmehl und Speck zu Pfannkuchen und selbstgezapften und in der Pfanne gerösteten Ahornzucker dazu.

Im Salzfaß steckt Wildbret von einem Hirsch. Dazu die Schinken von einer Bärin. An der Sonnenseite des »Jagdschlosses«, wie der Lagerschuppen heißt, schwitzt ihre zum Trocknen aufgespannte Decke. Der Kopf war abgekocht und zum Trocknen auf das Dach gelegt. Aber Rover ist hinaufgeklettert und hat ihn angeknabbert, obwohl die Hunde Wildbret genug gekriegt haben.

»Verfluchter Kerl! Daß kein Schädel vor dem Halunken sicher ist!«

»Sei's zufrieden. Ist auch kein Bär vor ihm sicher!«

»Weißt du, was ich glaube?«

»Ja!«

»Hallo, wie kannst du?« Der Deutsche lacht.

Dan kaut und schlürft über sein Stückchen Ahornzucker.

»Du denkst, daß er ihr Witwer ist!«

»Stimmt! – Meinst du nicht, daß er nach ihrem Wildbret im Salzfaß kam?«

»Nein, das lockt ihn nur in natürlichem Zustande!«

»Wenn es stinkt?«

»Sicher! Verdammte Schande, daß wir das halbe Wildbret den Hunden gegeben haben!«

»Meinst du, daß er wiederkommt diese Nacht?«

»Wer kennt seinen Sinn? Er ist frech und vorsichtig!«

»Und du meinst, daß er's war, der den dort drüben auf dem Gewissen hat?«

»Sind Wölfe gewesen! Aber sicher hat der alte Bursche den Hirsch gerissen, wenn's nicht seine Bärin getan hat!«

»Unsere Bärin meinst du?«

Die Nacht zieht kalt herein. Sie wickeln sich beide in die Decken und schlafen. Ab und an legt einer frisches Holz ans Feuer.

Gegen Mitternacht schlägt Rover an. Erst mißtrauisch knurrend, dann heftiger.

Dan lauscht in die Nacht hinaus und legt dem Gefährten die Hand aufs Knie.

Dann verschweigen die Hunde. Und Stille ist ringsum in der von Sternen übersäten Nacht. Aber der Alte mag nicht schlafen. Schneidet sich einen Priem von der Tabakrolle, kaut und schaut und spuckt ins Feuer.

»Well, dem Alten da drüben wird nicht zu helfen sein! Kalkuliere, werde morgen seine Decke neben der seiner Bärin aufspannen, wo sie guten Platz hat!«

»Weißt du, was ich glaube?«

»Ja!«

»Nun, was denn?«

»Daß du mich für abergläubisch hältst!«

»Bist du es nicht?«

»Vielleicht! Aber wahr ist doch, was ich eben gedacht habe! Diese beiden sind Menschenbären, und ich mag das Salzfleisch von der Alten nicht essen!«

»Wie kann man nur an Menschenbären glauben!«

»Lebe nur mit der Rothaut! Wirst es schon lernen! Hast du nie einen Totempole gesehen?«

»Das schon!«

»Nun also! Was bedeuten die Ahnenköpfe an der Säule und das Totemtier darüber? Daß der Bär oder Adler, Wolf oder Falke der Ahnherr der ganzen Familie ist! Denn jede hat ihr Wappen genau so wie unsere Clans im lieben alten Inverneß und bonnie, Forfar. Ay, Sir, auch unsre Wappen haben mal mehr bedeutet. Sicher!«

»Das glaubst du im Ernst?«

»Ich glaube es, weil ich will! Und ich will, weil ich Jäger bin! Alle großen Jäger dieses Landes wissen, warum sie am Lagerfeuer die Geschichte von Büffelkindern und Wolfsmenschen erzählen. Aber der Bär ist der weiseste von allen. Haha! Und morgen werden wir ihn doch zusammenschießen, den alten Schlauberger! Aber essen mag ich ihn nicht! Pfui Teufel auch!«

Das Feuer zischt auf von Dans Priemspritzern. Und der Alte lacht grimmig. Dann erzählt er:

»Da war ein Pawnee lange Zeit mein Jagdkamerad. Der wußte Bescheid! Auf der Jagd nach Schneeziegen kamen wir einst in eine Talenge, wo zwei Gerippe lagen: ein Bär und ein Weißer. Ein Irländer muß es gewesen sein und ein Grünhorn, denn er hatte noch die gestreiften Hosen von hausgesponnenem Limmerik an den Knochen. Und mit Alt-Ephraim hat er schlecht Bescheid gewußt. Einen hatte er allerdings geschossen. Vielleicht war es sein erster, jedenfalls sein letzter. Am ausgelegten Luder muß er sich angesetzt haben. Die Reste der Knochen des Hauptbären lagen noch herum, als wir die Bescherung fanden. Als die Bärin zum Luder gekommen ist, hat er wohl auf sie geschossen. Denn sie lag verludert auf seinem Gerippe. In der knöchernen Hand hielt er noch das Bowiemesser, mit dem er sich gewehrt hatte. Neben ihm lag sein Winchester zerbrochen. Bär und Jäger hielten sich wie ein Liebespaar umschlungen. Haha! Armer Kerl! War vielleicht herausgekommen mit so was wie einem Traum im Schädel!«

»Dem Lebenstraum von einem starken Grisly? Wäre das so lächerlich?«

»Verdammt nein! Aber dieser Paddy war nicht der Kerl dazu.«

»Nun, und der Pawnee?«

»Ja der! Der machte große Medizin und klagte Tirawa, dem großen Geist, den Tod der weisen und starken Bärin. Und blieb todtraurig lange Zeit, weil er zu spät gekommen sei, um die tote Bärin zu erwecken! So bei und bei habe ich dann von ihm allerhand Bärengeschichten erfahren, wie die Pawnees sie glauben und wie am Abend vor der Bärenjagd die Squaws sie erzählen.«

»Also Zaubergeschichten?«

»So was dergleichen! Sehr geheime und sehr große Medizin!«

»Bitte erzähle!«

»Du hörst ja: ich will! Also:

Ein Pawnee fand auf der Jagd einen Jungbären. Sein Vater war seines Totems ein Wolf; er selbst aber hatte ein Weib vom Totem des Bären genommen und ehrte also den Bären als sein Totemtier. So hatte er Scheu vor dem Bärlein, blickte es lange freundlich an und bat es, dem Söhnchen, das seine Squaw erwartete, ein Freund zu sein. Nach drei Wochen wurde dies Söhnchen geboren. Es wuchs groß, bestand bei seiner Mannbarkeitsweihe dreifache Martern und ward ein großer Krieger. Zwanzig Skalps von Sioux schmückten ihm Gürtel und Ärmel. Aber noch immer liebte er es, wie als Kind, auf allen vieren zu gehen und wie ein Bär zu brummen. Wassertaucherin, die heilige Frau seines Stammes weissagte ihm große Zukunft als größte Medizin. Und die wurde er.

Eines Tages ritt er mit dreißig Kriegern gegen die Sioux aus. Als sie in ein schluchtenreiches Tal kamen, wo viele Graubären leben, wurden sie von den Sioux überfallen und niedergemacht. Da kam ein Bärenpaar, und der Bär war jener, in dessen Schutz der Pawnee sein erwartetes Söhnchen gestellt hatte. Er erkannte seinen Schützling. Und die Bärin sprach: ›Das ist der Jüngling, der uns so oft Opfer geraucht und unseren Tanz getanzt hat.‹ ›Schön‹, sagte der Bär, ›den müssen wir lebendig machen. Aber ich kann das nur, wenn die Sonne scheint.‹ Der Tag war nämlich neblig. Aber die Bärin schleppte alle Stücke zusammen. Denn die Sioux hatten ihn als den Tapfersten kurz und klein gehauen und natürlich ihm wie allen den Skalp geraubt. Die Bärin legte sich auf den zerstückelten Toten, und allmählich rief ihre Wärme in ihm Leben hervor. Der Bär aber tanzte, gegen die Sonne gewendet, die hinter Wolken steckte. Bis sie hervortrat und alle dreißig Pawnees lebendig wurden. Aber sie gingen nicht aufrecht wie Menschen und brummten mit den Bären. ›Ihr müßt jetzt erst mit uns leben‹, sagte die Bärin, ›bis alle eure Wunden heil und eure Skalpe wieder gewachsen sind.‹ So lebten sie im Walde von Beeren und Hirschen und wurden schlimme Feinde aller Sioux. Der Grausamste aber war der Anführer vom Bärentotem. Er wurde der Schrecken aller seiner Feinde vom Sioux-Stock. Die Assiniboines behandelten ihn gleich ehrfurchtsvoll wie die Krähen und die vom Arkansas und Osage. Zur Nachtzeit überfiel er ihre Lager und schleppte ihre Häuptlinge aus dem Wigwam fort. Im Gebüsch lauerte er den Jägern auf, oder er arbeitete ihre Fährte aus, um in wildem Sprunge anzugreifen. Aus reiner Kampflust tat er das alles, nicht aus Not; denn er hatte Wildbret genug von Hirsch und Elch, um davon zu leben. Keine größere Lust kannte er, als einen seiner mit Speer und Kriegsbeil bewaffneten Feinde auf den Baum zu jagen. Nach stundenlanger Wache zog er dann mürrisch ab. Aber nur, um den Feind, sobald er heruntergeklettert war, aus dem Hinterhalt zu überfallen. Freundchen, das war köstliche Zeit: damals, als sie den Grisly noch ringsum hier in den Felsenbergen den ›Herrn der Wildnis‹ nannten!«

»Ich verstehe: auch die Bärin, die du mit dem Pawnee gefunden hast, war eine solche Herrin der Wildnis. Aber die Büchse des Weißen ist über ihre Kraft gegangen, und da sie verludert war, konnte keine noch so große Medizin sie wieder lebendig machen!«

»Das war's! Richtig!«

»Nun, und der Pawnee-Bär? Was ward aus dem?«

»Ein Pawnee wurde er wieder, natürlich! Die beiden Bären, die ihn vom Tode erlöst hatten, lehrten ihn alle ihre Weisheit, und nachdem ihm und seinen Gefährten aus Bärenfell neue Skalpe gemacht waren, zogen sie zu dem Lager ihres Volkes und warteten, bis es Nacht war. Dann ging der Anführer in den Wigwam seines uralt gewordenen Vaters und bat ihn um Pfeife, Tabak und Biberweiß. Und als er vier Züge in alle vier Himmelsrichtungen geblasen hatte, stand er vor dem Vater als stattlicher Krieger, mit allen Skalps geschmückt, die er als Bär den Sioux geraubt hatte. Und abermals vier Pfeifenzüge brachten alle seine dreißig Gefährten in lustigen Sprüngen zum Lager herein. Sie alle sind uralt geworden. Und ihr Führer ward der Erfinder des Bärentanzes der Pawnees. Und das ist ein verdammt feiner Tanz, sage ich dir, Junge! Den kenne ich gut, sage ich dir!«

»Und deine Geschichte?«

»Wir werden ja sehen! Jetzt leg dich 'rum und schlaf! Um drei Uhr Hunde füttern. Mais für die Pferde. Kalkuliere: wird ein harter Ritt werden hinter dem dort drüben!«

*

Nun hängt seine Decke neben der der Bärin an der Außenwand des »Jagdschlosses«, mit derben Nägeln festgehalten, hübsch lang und breit gezogen, so viel sie nur hergeben wollte. Und sein kluger Schädel ist abgekocht und, diesmal vor Rovers Schlichen sicher, aufgehängt. An einem langen, biegsamen Draht, den auch keine Ratte beklettern kann. Herrgott, was für ein mächtiger Klotz dieser Schädel mit den daumdicken Fangzähnen!

Aber freilich: hart ist der Ritt gewesen, der ihn zur Strecke gebracht hat! In der Morgenfrühe waren beide Jäger ausgeritten, die angepflöckten Packpferde auf gut Glück ihrem Schicksal und der Wache von drei jungen Hunden überlassend. Gegen Morgen hatte es tüchtig gefroren, und der Bär war auf Krustenschnee mit schlecht witternder Spur fortgewechselt. Die Hunde hatten Not und Mühe, die Spur zu halten, und die Pferde traten durch. An einer Steillehne war der alte Bursche hochgestiegen und über den Kamm hinüber in das Nachbartal gewechselt. Aber die pfiffige Lissy hatte seinen Schlich durchschaut und gab bald auf seiner Fährte hellen Hals, die ganze Meute mit sich reißend. Das gab für Roß und Reiter böse Kletterei über spiegelglattes Gestein und einen wackligen Abstieg drüben! Aber die Pferde schafften es und rutschten, hübsch Gleichgewicht haltend, die eisige Lehne hinunter bis in die von Krüppelholz bestandene Mulde. Von dort aus ging die Jagd lauthals weiter über Schluchten und verstrüppte Hänge. Aber die Gäule hielten durch, und gegen Mittag wurde der Boden weicher und das Geläute stärker: die Hunde hielten den Bären mit Standlaut in einem Eichengestrüpp, wo er einen Felsblock erklettert hatte, um sich vor Lissys listigen Achterbissen zu schützen. Rover lag mit grobem »Dauff, Dauff, Dauff!« auf der Brust vor dem Block. Zwei-, dreimal bereits war der Bär herabgesprungen, und jedesmal hatte er einen Hund erledigt. Aber jedesmal saß ihm auch Lissys Biß zwischen den Keulen und jagte ihn auf seinen Stein zurück.

Für die Jäger gab das zum Schluß mühselige Kletterei zu Fuß. Aber als der Deutsche auf hundert Gänge heran war, ließ er die Büchse sprechen, und mit dumpfem Stöhnen brach der Bär auf seinem Stein zusammen, um dann im Verenden langsam herabzurutschen und in schwerem Falle mitten zwischen den auseinander spritzenden Hunden aufzuschlagen.

John Dan McCleod blieb nichts weiter zu tun, als die vom Bären geschlagenen, elend zugerichteten Hunde mit ein paar Gnadenschüssen von ihren Qualen zu erlösen. Nur der lahm herbeihumpelnde Scheck wurde verbunden und aufs Pferd genommen. Vom Bären wurden nur Decke und Keulen aufgepackt, über den Rest machten sich die Hunde her, bis sie nudeldick wie Säcke waren.

»Soll mich wundern, wie lange wir auf die Bande warten müssen!«

»Da ist ja schon einer! Vor Nacht werden sie schon alle da sein! Keine Sorge darum!«

»Deine Geschichte vom Pawnee-Bären war gut, John Dan McCleod, und sie hat geholfen! Magst mehr solche erzählen! Jetzt komm an, alter Junge, laß uns den Herrn der Wildnis tottrinken. Meine, dieser Teepunsch ist seiner würdig!«

»Dein Punsch ist gut, aber deine Rede übel.«

»Weshalb?«

»Spotte nicht! Du weißt nicht, was du verspottest! In dem Seelenwanderungsglauben der Rothaut steckt mehr Naturgeschichte, als du ahnst! Kannst du bestreiten, daß der Mensch alle Stufen der Tierwelt durchgemacht hat? Daß jedes Kind im Mutterleib sie noch heute durchmachen muß? Nun also! Dann lache nicht über den Indianer, der Sonne und Mond für ein Elternpaar hält, das sich in Tiere verwandelt hat, um die Menschen schaffen zu können.«

»Donnerwetter, Dan, du bist ja ein Philosoph!«

»Stopp deinen Schnack, Junge! Bin ein Jäger. Und habe Zeit genug gehabt, über Weiß und Rot nachzudenken. Das ist alles!«

»Meine, John Dan McCleod, das sei gerade genug!«

»Vergiß nicht, Junge, daß das alles doch bloß Anschauung, Vorstellung ist! Dämlich sind nur, die das alles wortwörtlich nehmen und den armen Indianer deshalb verachten! Meiner Treu: er hat niemand seines Glaubens wegen verbrannt oder verachtet!«

»Ich verachte ihn nicht, Dan.«

»Du bist ein Hauptkerl, John Dan McCleod! Stoß an! Daß ich dich gefunden habe, das ist mir mehr als alle Bären und Dickhörner der Felsenberge. Gib die Hand, lieber, lieber, alter Freund!«

»Wirst sie nicht mehr lange schütteln können, Junge! Ich gehe den Weg der Rothaut!«

»Den Weg aller Jäger!«

»Ja, bei St. Bridget und der schottischen Mary, den Weg aller Jäger! Wünsche mir nichts Besseres als ehrlichen Jägertod! Weißt du, der Kerl, der Paddy, kommt mir nicht aus dem Sinn. War ein dummes Grünhorn. Aber kein schlechter Geschmack: solch ein Tod in der Umarmung des tödlich getroffenen Bären! Was ist, wenn's zum Sterben kommt, alles Gold von Bonanzahill gegen den roten Rausch in der Erdrückung des röchelnd verendenden Herrn der Wildnis! ... Ay, Junge, stoß an: bis dahin laß uns zusammen als freie Jäger leben! – –

Übrigens, dein Teepunsch ist wirklich gut!«

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