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Wiener Elegien

Ferdinand von Saar: Wiener Elegien - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleWiener Elegien
authorFerdinand von Saar
year1997
publisherFranz Deuticke Verlag
addressWien-München
isbn3-216-30271-8
titleWiener Elegien
pages3
created20000508
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1893
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I.

      Also seh' ich dich wieder, du schimmernde Stadt an der Donau,
    Die ich seit Jahren bereits nur mehr im Fluge gestreift!
Traut umfing mich ein ländliches Heim, es heischte die Muse
    Ernsteste Sammlung – und so hielt ich mich selber verbannt.
Jetzt, am Abend des Lebens, nach fast vollendetem Tagwerk,
    Treibt Erinnrung mich, treibt mich die Sehnsucht zurück.
Freilich bist du nicht mehr, die du warst! Es gingen die Zeiten
    Mit veränderndem Lauf über dein Weichbild dahin.
Altes, Gewohntes versank, daran mir die Seele gehangen,
    Und ein Fremdling längst bin ich dem neuen Geschlecht.
Aber es weht noch die Luft herüber vom Kahlengebirge,
    Die ich geatmet als Kind, die mich zum Manne gereift;
Noch zu gewahren dem Aug' sind Reste entschwundener Tage,
    Still wehmütig erfreun sie des Elegikers Herz.
Und so sei mir gegrüßt! Für immer nun bleib' ich der Deine,
    Ob du auch nie mich vermißt, hältst du mich liebend doch fest.
Singen will ich ein Lied dir noch als treuster der Söhne –
    Und wo die Wiege mir stand, find' ich zuletzt auch ein Grab!
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