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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 46
Quellenangabe
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Sprüchwörter.

(Böhmisch.)

Geld
Der Herr der Welt,
So war's vom Anfang her bestellt.

Jedem, was sein,
Dem Hund ein Bein.

Alte Sünde
Hat neue Schmach zum Kinde.

Der Weise ohne Gefahr und Schrecken
Kann selbst an gift'ger Wolfsmilch lecken.

Die beste Schanz'
Der Freunde Kranz.

Macht Geräusch dich zagen.
Darfst nicht in den Wald dich wagen.

Soll nicht dein Schuß verloren sein,
Ziel' in den Himmel nicht hinein.

Es kommt kein Krebs des Wegs daher,
Wo nicht das Wasser nahe wär'.

Brauchst du Kohlen,
Mußt sie aus der Asche holen.

Sieh' nach im Rücken fein,
Wirst vorn geborgen sein.

Bist satt du, wirf nicht das Brot bei Seit';
Ist warm dir, wirf nicht hinweg das Kleid.

Wer seine Hände legt zu Ruh',
Schnürt sich die Hände selber zu.

Krumm
Ist um:
Grad'
Der kürz're Pfad.

Es ist nicht eins – das wohl begreif' –
Ob gestutzt oder ohne Schweif.

Ist schlimm der Hund,
Mißgönnt er fremdem Mund,
Und selbst dem eignen Schlund.

Gewand, das fremd,
Wie Panzerhemd.

Lobst's immer, wie schön's in der Fremde sei,
Und bleibst doch immer zu Haus dabei.

Lädt einer auf, zwei ab dafür,
Füllt sich der Wagen schwerlich dir.

Drum greift zur Zange des Schmiedes Hand,
Daß sie vom Feuer nicht 'sei verbrannt.

Lehr' deine Kinder Kohlen nagen,
Mir schaffen die Kuchen mehr Behagen.

Den Esel führ' bis nach Paris.
Es wird aus ihm kein Gaul gewiß.

Laß deine Hunde sich beißen und raufen,
Mischt nur kein fremder sich in den Haufen.

Wer bald als Herr sich brüsten möcht',
Bleibt lange Zeit ein bloßer Knecht.

Neue zu der alten Noth,
Ein schlimmes Weib zum trocknen Brot –
Und wer es sich einmal angefreit,
Seine Noth währt alle Lebenszeit.

Noth kennt nicht Scherz,
Hat weder Schwester- noch Bruderherz.

Von fremdem Roß sitz' ab sogleich,
Wär's mitten in des Meeres Reich.

Lern' jung aus freiem Willen ertragen,
Leidst wider Willen nicht in alten Tagen.

Auch der Haushahn ist
Kampffertig auf seinem Mist.

Ziehst du den Dorn aus fremder Wunde,
Schau', daß er dich nicht selbst verwunde.

Die Mäuler zu stopfen allen Leuten,
Gäb's viele Leinwand zu bereiten.

Und sei die Kuh auch noch so groß,
War doch zuerst ein Kuhkalb bloß.

Thu' dazu, und sei nicht faul,
Krippe kommt nicht hin zum Gaul.

Altes Gut hinter rostigem Schloß
Macht neuen Adel mit blankem Troß.

Die Vögel brät sich Der zum Schmaus,
Der zuerst sie holt aus dem Nest heraus.

Das merk' fein gut:
Trinkst du, vertrink' nicht den frohen Muth!

Das Aug', wo die Gunst;
Die Hand, wo der Schmerz,
Und wo s' Schätzchen, das Herz.

In der Kirche gebetet vom Herzensgrund,
Im Bade gesorgt, daß der Leib gesund.

Legst du ins grüne Gras dich nieder,
Nimm dort vor Schlangen in Acht die Glieder.

Kauf' den Gaul, soll er was taugen,
Nicht mit den Ohren, sondern mit den Augen.

Wen aus dem Hause sie weisen ins Weite,
Die Krähen mit Krächzen ihm geben s' Geleite.

In klappender Mühl'
Erspar' dir s' Geigenspiel.

Verspricht dir wer zum Dank ein Schwein,
Hol' gleich den Sack, und thu's hinein.

Bei dem, der satt.
Der Hungrige nicht Glauben hat.

Dem Gaule taugt ein Haferfeld,
Den Helden macht der Hopfen, den Herrn das Geld.

Fäll' deinen Spruch stets so in der Parteien Kriege,
Daß satt der Wolf, und unversehrt die Ziege.

Ein schlechter Balg, wie oft gedreht,
Giebt keinen Pelz, der für was steht.

Wer sich um Fremdes verzehrt,
Mißkennt des Eignen Werth.

Liebt ein Hund Gekeif, Gekneif,
Bellt er auf den eignen Schweif.

Treibst du in Sümpfen dich umher.
Bekommst den Kopf du fieberschwer.

Wer selbst sich aufzuspielen vermag.
Kann selbst sich vergnügen jeglichen Tag.

Mit einem Leibe von Kupfer,
Einem Herzen von Eisen,
Einer Seele von Hanfe,
Sollst Gott du preisen.

Wer zum Himmel spuckt empor,
Sein eigen Gesicht bespuckt der Thor.

Ohne Widerpart
Welkt Tugend jeder Art.

Magst Wölfe den Rosenkranz beten lehren.
Werden doch stets nach Schafen begehren.

Vor vielen hat zu fürchten sich,
Wer selber vielen fürchterlich.

Wirft wer mit einem Stein nach dir,
Mit Brot wirf du nach ihm dafür.

Wer dem Teufel Gutes thut.
Dem lohnt er mit der Hölle Gluth.

Zu Gott das Herz, zum Schwert die Hand,
Und nicht nach fremdem Gut gewandt.

Der Baum, je höher.
Der Blitz, je näher.

Wer scheut der Arbeit Ungemach,
Beregnet wird unter dem eignen Dach.

Trifft jemand nicht den Schmied zu machen.
So helf' er die Gluth mit dem Blasbalg fachen.

Es ist der Mund ein Loch gar klein,
Geh'n dennoch Häuser und Höfe hinein.

Die Schlange hinterm Hemde,
In der Tasche die Maus,
Der Funk' im Unterfutter,
Bringen kein Heil ins Haus.

Füße hat verborgtes Geld.
Augen hat das weite Feld.
Seine Ohren hat der Wald:
Die drei Dinge fein behalt!

Der Stein das Gold erkennen lehrt,
Das Gold erprobt der Menschen Werth.

Ein goldner Schlüssel öffnet aller Orten,
Die Hölle selbst, nur nicht des Himmels Pforten.

Schmackhafter das Brot im freien Stand,
Als im Joche Kuchen allerhand.

Lach' im Leide.
Zittre in der Freude.

Das Unglück schweift auf Bergen nicht.
Es schreitet hinter dem Menschen dicht.

Wer sich auf eigne Erfahrung beschränkt,
Mit goldner Angel Fische fängt.

Willst du des Wegs nach dem Knäuel nicht fehlen,
Mußt dir den Faden zum Führer wählen.

Besser, es führt der Hirsche Hauf ein Leu.
Als daß ein Hirsch der Leuen Feldherr sei.

Wer von einer Katze geboren ward,
Fängt Mäuse nur nach Katzenart.

Harte Nuß und schlechter Zahn,
Junges Weib und alter Mann,
Keines paßt dem andren an;
Besser ist ein gleich Gespann.

Das Wort, das schwalbenleicht entflogen.
Mit vier Rossen nicht wirds zurückgezogen.

Vor Pferden hüte von hinten dich gut.
Von vorn sei vor Weibern auf der Hut.

Wohl hat die Zunge Knochen nicht,
Doch entzwei sie die stärksten Knochen bricht.

Den Kalender machen die Menschen fein,
Gott den Regen und Sonnenschein.

In des Vergnügens Fürstenstadt
Kein Bürgerrecht die Tugend hat.

Wer liegend betet, von Faulheit bethört,
Schlummernd der liebe Gott ihn hört.

Stürzt die Eiche bei des Waldes Zittern,
Sammeln sie Holz von ihren Splittern.

Geweinte Thräne glänzt wohl hell,
Doch trübet sie das Auge schnell.

Wer wandelt in der Sonne Licht,
Achtet des Monds und der Sterne nicht.

Es ist kein Kirchlein rings umher,
Drin nicht ein Mal im Jahre Kirchweih' wär.

Eier von heute,
Brot von gestern,
Vorjähriger Wein,
Am besten gedeih'n.

Magst du dich nicht nach dem Winde dreh'n,
Er wird dir Sand in die Augen weh'n.

Den böhmischen Kopf, leicht kennt mau ihn:
Bei jedem Schlag ihm Funken entsprüh'n.

Wo zwei, guter Rath;
Wo drei, oft Verrath.

Ein großer Vogel im Forst
Braucht einen großen Horst.

Um ein Wolf zu sein mit Wolfsbegier.
Braucht der Mensch nicht eben der Füße vier.

Auch die Sonne manchmal doppelt ist,
Und zeigt sich dort, wo sie nicht ist.

Stets genug hat der Mensch mit einem Gott,
Mit einem Freund wird er oft zum Spott.

Auf einem Fuß die Lüge geht,
Auf zweien die Wahrheit fortbesteht.

Geht Gott voran, und folgst du nach,
Dräng' hinten der Teufel, so viel er mag,

Fromme Gabe
Mehrt die Habe.

Reichthums Besitz so hoch nicht entzückt.
Als Reichthums Verlust danieder drückt.

Koch' dein Gericht
An fremder Hoffnung Flamme nicht.

Wer sein Vaterland nicht liebt mit Gluth,
Der kämpfet gegen das eigne Blut.

Gottes Rad
Mahlt spat.

Das Wasser ertrinkt nicht,
Das Feuer verbrennt nicht,
Die Wahrheit vergeht nicht.

 

Mein Vaterhaus?

(Melodie 26.)

Mein Vaterhaus?
Wo durch Auen Bäche rauschen,
Bergeswälder Grüße tauschen,
Gärten blühen wonnereich –
Ach ein Bild, das Eden gleich –
In dem Land voll eigner Schöne,
Dort ist, dort mein Vaterhaus,
Dort, ja dort mein Vaterhaus!

Mein Vaterhaus?
Kennst das Volk du, fromm und bieder,
Wo zur Arbeit flinke Glieder,
Hell der Geist, das Herz so zart,
Muth zum Kampf die Brust bewahrt –
Das sind Böhmens wackre Söhne,
Dort ist, dort mein Vaterhaus,
Dort, ja dort mein Vaterhaus!

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