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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 45
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Geistliche Lieder, Legenden, Sprüchwörter.

 

Morgens.

(Böhmisch.)

Wie sich wunderschön die Sonn' erhebet.
Und die finstre Nacht von hinnen schwebet!
Daß auch wir uns frisch erhoben.
Laßt dafür den Herrn uns dankbar loben!

Engel in den Höh'n mit lautem Schalle,
Die Erzengel und die Seraph' alle
»Heilig, heilig, heilig!« singen:
Laßt auch uns Gott Preis und Ehre bringen!

Sonn' und Mond, der Sterne Silberherde,
Was im Himmel ist und auf der Erde,
Läßt sein Lied des Morgens klingen,
Ihm, der Leben schenkte allen Dingen.

Nachts schon singt der Hahn zu Gottes Preise,
Mit den Flügeln schlägt nach seiner Weise,
Schlägt die Brust, und läßt aus allen
Seinen Kräften Gottes Ruhm erschallen.

Wie die kleinen Vöglein auch Gott loben,
Wenn die Morgensonne sich erhoben!
Jedes singt auf seine Weise,
Daß der ganze Wald ertönt im Kreise.

Alles, alles meldet Gottes Ehre,
Was im Himmel, auf der Erd', im Meere,
Vögel und die Fisch' in Schaaren,
Wo was ist Belebtes zu gewahren.

Und weil Gott die Thiere selbst erheben,
Denen nicht Verstand von ihm gegeben,
Sollst du, dem Verstand verliehen,
Nicht verstockten Herzens dich entziehen.

Jeden Morgen denk', daß Gott voll Milde
Dich erschaffen hat nach seinem Bilde;
Preis' ihn, daß er dich voll Gnaden
In der Nacht behütet hat vor Schaden!

 

Vor dem Essen.

(Böhmisch.)

Herrscher in des Himmels Höhen,
Weil zu dir die Vöglein flehen,
Daß du ihnen Huld erweisest,
Und sie tränkest und sie speisest:

Hör' in deinen ew'gen Höhen
Uns um unser Brot auch flehen,
Und mit gnäd'gem Wohlgefallen,
Herr im Himmel, schenk' es allen!

Oeffne deiner Allmacht Hände,
Und uns allen Nahrung spende;
Mög'st aus Wen'gem Viel bereiten,
Hochgelobt in Ewigkeiten!

 

Nach dem Essen.

(Böhmisch.)

Lauten Dank und Preis gebracht
Gottes, des Dreiein'gen, Macht,
Der uns Matte stets erquickt,
Uns mit seiner Huld beglückt,
Mit der Kost der Zeitlichkeit
Und dem Thau der Ewigkeit,
Seiner Erdgeschöpfe Schaar
Segnet reich und wunderbar!

Unerforschte Weisheit du,
Preis kommt Deiner Liebe zu,
Die sich gnädig hat bewährt
Erdensätt'gung uns beschert!
Gieb, daß wir auch wohlgedeih'n,
Redlich uns dem Guten weih'n,
Sättigung in Himmelslust
Finden einst an deiner Brust.

 

Vor dem Schlafengehen.

(Böhmisch.)

Wie der kleinen Küchlein Brut
In der Mutterhenne Huth,
So des Abends flüchten wir,
Herr im Himmel, uns zu dir!

Daß du uns voll Gütigkeit,
Durch des ganzen Tages Zeit,
Frisch erhalten und gesund,
Dank dafür ruft unser Mund.

Wenn in unsrem Blute war,
Was die Sünde drin gebar,
Sei durch Jesu Tod die Schuld,
Uns, o Herr, verzieh'n in Huld!

Gieb uns eine ruh'ge Nacht,
Schütz' uns vor des Bösen Macht,
Nimm uns gnadenvoll in Acht
Du, o unsre stärkste Wacht!
Ausruh'n, Herr, laß unsren Leib.
Jeden bösen Traum vertreib',
Nur Gedanken, gut und rein,
Wolle uns im Schlaf verleih'n!
Ruh', von argen Träumen frei,
Uns, o Herr, beschieden sei,
Daß, unangefochten so,
Wir erwachen frisch und froh!

 

Die heilige Dorothea.

(Mährisch.)

Dorothea, die holde Maid,
War voll Frömmigkeit.
Dorothea, die Maid so hold.
Trug einen Kranz von Gold,

Trug von Lilien einen Kranz,
Die strahlten im Himmelsglanz.

Der König fühlte Lieb',
Einen Brief an sie schrieb:

»Reichst du mir deine Hand,
So huldigt dir mein ganzes Land.«

»Kann nicht die Deine sein,
Gehör' dem Herrn allein.«

Der König, aufgebracht,
Sperrt sie in Kerkernacht,
Zieht fort mit Heeresmacht.

Sieben Jahre blieb er aus,
Im achten kehrt' er aus dem Strauß.

Fragt in des Herzens Noth:
»Ist sie am Leben oder todt?«

»»Wohl lebt sie wunderbar,
Ohn' Trank und Speise gar.««

Da ward sie geführt ans Licht
Vor sein Angesicht.

»Reichst du mir deine Hand,
So huldigt dir mein ganzes Land.«

»»Kann nicht die Deine sein,
Gehör' dem Herrn allein.««

Der König ließ vor Wuth
Sie werfen in Ofens Gluth.

Doch je heißer der Ofen glüht,
Je schöner die Maid erblüht.
Da ward sie geführt aus den Loh'n
Vor des Königs Thron.

»Reichst du mir deine Hand,
So huldigt dir mein ganzes Land.«

»»Kann nicht die Deine sein,
Gehör' dem Herrn allein.««

Schnell war ein Rad bereit,
Zu rädern die holde Maid.

Da flehte sie zu Gott
Um Rettung aus der Noth.

Und Gott Erbarmen trug,
Ins Rad der Donner schlug;

Schlug so gewaltig und schwer,
Daß die Erde bebt' umher.

»Kommst doch nicht heil davon.
Das Schwert giebt dir den Lohn!«

Und hieß mit hartem Sinn
Sie führen zur Richtstatt hin.

Als der Henker das Schwert
Zum ersten Mal gegen sie kehrt.
Zerbricht das Schwert.

Da wird er von Zorn erregt,
Das Haupt vom Rumpfe schlägt.

Das Haupt zur Erde sinkt,
Die Seel' in den Himmel sich schwingt.

Dort unter den Engeln des Herrn
Strahlt sie nun, wie ein Stern.

 

Lazarus und der Reiche

.(Mährisch.)

Der arme Lazarus leidet schwer,
Geplagt von schmerzlicher Wunden Heer.

Er kriecht zu einem reichen Mann,
Fleht um ein Stückchen Brot ihn an.

»Was drängst du dich herzu so keck?
Auf, Hunde, beißt den Bettler weg!«

Doch die schlimmen Hunde vergessen den Groll,
Und lecken die Wunden ihm mitleidsvoll.

Es währte nicht lange, da kam ein Gruß
An den armen, leidenden Lazarus:

»O Lazarus, s' ist an der Zeit,
Mach' dich zur Wanderschaft bereit!«

»Nach unverschuldeter Erdenqual
Gelangst du in des Himmels Saal!«

Und Engel kamen zu ihm hin,
Und trugen ihn zum Himmel hin.

»Macht auf, macht auf das Thor sogleich,
Wir bringen einen Bruder euch!«

»Hart war auf Erden, hart sein Loos,
Legt ihn nun sanft in Gottes Schooß!«

»In Gottes Schooß legt ihn hinein,
Und bringt ihm einen Becher Wein,«

»Daß er genese vom Erdenleid,
Und schlürfe Himmelsseligkeit!«

Und es währte nicht lange, da kam ein Gruß
An den Mann, der schwelgt' im Ueberfluß:

»Du reicher Mann, s' ist an der Zeit,
Mach' dich zur Wanderschaft bereit.«

»Nach sündiger Lust im prunkenden Saal
Erwartet dich der Hölle Qual.«

Der Reiche achtet nicht auf das Wort,
Und praßt und schwelgt, wie früher fort:

»Mir Abbruch thun, das wär' nicht klug!
Zur Buße ists noch Zeit genug.«

Und der Hölle Brut kam zu ihm hin,
Und faßte mit ihren Krallen ihn.

Sie faßte mit ihren Krallen ihn,
Und schleppte ihn zur Hölle hin.

»Macht auf, macht auf das Thor sogleich.
Wir bringen Leib und Seele euch!«

»Setzt ihn auf den verdienten Stuhl,
Und reicht ihm zu trinken aus dem Pfuhl!«

Doch wie aus dem Becher er trinkt jetzund,
Flammts blau heraus aus seinem Mund.

Da schreit er: »Weh mir, weh mir, weh!
O welch ein Trank, daß ich vergeh'!«

Blickt auf im Schmerz, der riesengroß,
Sieht Lazarus ruh'n in Gottes Schooß.

Und er rufet: »Lazarus, steh' mir bei,
Aus meinen Qualen mich befrei'!«

»Die Flamme brennet fürchterlich,
O Bruder Lazarus, rette mich!«

Doch umsonst, daß er jetzt erst ihn Bruder nennt –
Sein Ruf verhallt, und die Flamme brennt.

 

Die zwölf Zahlen

.(Mährisch.)

Herrlein, so hochstudiert.
Das alle Weisheit ziert.
Kannst du uns sagen wohl,
Was einer ist?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was einer ist:
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was zweie sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was zweie sind:
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert.
Kannst du uns sagen wohl,
Was dreie sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was dreie sind:
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was viere sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was viere sind:
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was fünfe sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich.
Was fünfe sind:
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was sechse sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was sechse sind:
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesus Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was sieben sind:
»Weiß es wohl, sag' euch gleich.
Was sieben sind?
Sieben sind des Geistes Gaben.
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was achte sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was achte sind:
Acht sind die Seligkeiten,
Sieben sind des Geistes Gaben,
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden.
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was neune sind?
»Weiß es wohl, sag euch gleich,
Was neune sind:
Neun sind die Engelchöre,
Acht sind die Seligkeiten,
Sieben sind des Geistes Gaben,
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was zehne sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich.
Was zehne sind:
Zehn sind die Gebote Gottes,
Neun sind die Engelchöre,
Acht sind die Seligkeiten,
Sieben sind des Geistes Gaben,
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was eilfe sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was eilfe sind.
Eilf sind die getödteten Jungfrau'n,
Zehn sind die Gebote Gottes,
Neun sind die Engelchöre,
Acht sind die Seligkeiten,
Sieben sind des Geistes Gaben,
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten,
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.«

Herrlein, so hochstudiert,
Das alle Weisheit ziert,
Kannst du uns sagen wohl,
Was zwölfe sind?
»Weiß es wohl, sag' euch gleich,
Was zwölfe sind:
Zwölf sind die heil'gen Apostel,
Eilf sind die getödteten Jungfrau'n,
Zehn sind die Gebote Gottes,
Neun sind die Engelchöre,
Acht sind die Seligkeiten,
Sieben sind des Geistes Gaben,
Sechs sind die steinernen Krüge,
Fünf sind des Heilands Wunden,
Vier sind die Evangelisten.
Drei sind die Patriarchen,
Zwei sind die Tafeln Mosis,
Einer ist Jesu Christ,
Der unser König ist.

 

Die Sünderin und Maria

.(Mährisch.)

Es war 'ne weite, grüne Au,
Auf der grünen Au lag blutiger Thau.

Zwei fromme Seelen wallten dahin.
Hinterdrein 'ne große Sünderin.

Und als sie kamen zum Himmelreich,
Da klopften sie an die Pforte gleich.

»Sanct Petre, nimm die Schlüssel dein,
Und sieh, wer will in den Himmel herein!«

»»Zwei fromme Seelen wollen herein,
'Ne große Sünderin hinterdrein.««

»Die Seelen laß herein zur Pfort',
Die große Sünderin weise fort!«

»Weis' ihr den Weg, der führt hinab,
Dort in der Hölle finstres Grab!«

So mußte sie fort, da half nichts mehr,
Und bereute ihre Sünden schwer.

Sie traf die Mutter Gottes an:
»Woher doch? Wer hat dir ein Leid gethan!«

»»Ach von dem Himmel muß ich fort!
Hab' Niemand, der für mich bäte dort.««

»So geh' mit mir, ich bitte für dich:
Der Herr Jesus erhört mich sicherlich!«

Und als sie kamen zum Himmelreich,
Da klopften sie an die Pforte gleich.

»Sanct Petre, nimm die Schlüssel dein,
Und sieh, wer will in den Himmel herein!«

»»Deine Mutter will in den Himmel herein,
Die große Sünderin hinterdrein.««

»Meine Mutter laß herein zur Pfort'.
Die große Sünderin weise fort!«

»»Nicht doch, mein Sohn, o hab' Geduld,
Verzeih' der Sünderin ihre Schuld!««

»So frag' sie, liebe Mutter, frag'.
Ob sie geheiligt die Feiertag',«

»Ob sie die Fasten gehalten nach Pflicht,
Und auch die Armen vergessen nicht.«

»»Hab' die Feiertage geheiligt nicht,
Auch nicht die Fasten gehalten nach Pflicht,««

»»Und –weh mir, weh mir, wie's mich kränkt!–
Hab' den Armen nur einen Dreier geschenkt.«

»Wohlan, so hilft dir zur Seligkeit,
Der Dreier, den du den Armen geweiht!«

 

Adventlied

(Böhmisch)

Am Himmel kommt der Morgenstern
Durch Wolken mit Gefunkel,
Die goldne Sonne folgt ihm nach,
Schon flieht das nächt'ge Dunkel.
Thau von dem Himmel fließet,
Der freundlich sich erschließet.

Der ganze Himmel hellt sich auf,
Rings – um mit Glanz sich schmückend.
Es legt sich Gottes mächt'ger Zorn,
Der Friede naht beglückend.
Froh Erd' und Himmel schallen,
Des Satans Knechte fallen.

Neu hebt sich Davids Haus empor,
Das trauernd lag danieder,
Jerusalem mit Lust sich füllt,
Sein Ruhm, er kehrt ihm wieder.
Des Herren Bau verklärt sich,
Des Himmels Gnade mehrt sich.

Der Todesfrost, so kalt und starr,
Beginnet zu zergehen.
Es nahet warmer Seelenmai,
Verjüngung ist zu sehen.
Des Jesse Stamm treibt Sprossen,
Vom Himmelsthau begossen.

Er schenkte eine Rose uns,
Ihr weicht der Schnee an Reine;
Er gab uns eine theure Maid,
Süß, wie der Lilien keine.
Der Aaronszweig nun sprießet:
O Jungfrau, sei gegrüßet!

Ihr Wohlgeruch erfüllte ganz
Der Engel lichte Chöre.
Hin trat sie bis vor Gottes Thron,
Da ward ihr Huld und Ehre.
Die Demuthsvolle, Stille
Erwarb uns Gnadenfülle!

 

Weihnachtslied.

(Böhmisch.)

Engel, nicht geweilet:
Boten Gottes, eilet.
Flieget in der Runde,
Bringt die frohe Kunde:
»Christus, uns zum Frommen,
Ist zur Welt gekommen!«

Wunderbares Werden
Für das Heil der Erden!
O voll Freude singet,
Lob dem Heiland bringet!
Laßt den Gast uns preisen,
Ehr' dem Kind erweisen!

Stroh und Heu sein Bette –
Welche Lagerstätte!
O der holde Knabe,
Himmels beste Gabe,
Wie muß er sich schmiegen,
In der Krippe liegen!

Wie vor Frost er bebet,
Der zum Weltheil lebet!
O gieb dein Gefieder,
Täubchen, daß die Glieder
Ihm mit weichem Pfühle
Seine Mutter hülle!

Sonne, o geschwinde,
Wärm' sein Bettchen linde!
Deine Strahlen sende,
Süße Wärme spende!
Daß der Frost ihn schone,
Dien' der Jungfrau Sohne!

Und, mein Herz, nicht weile.
Hin zum Kindlein eile:
Wärm's mit heißem Triebe,
Hüll's mit reicher Liebe,
Trockne seine Zähren,
Und wein' ihm zu Ehren!

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