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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 43
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Heitere und scherzhafte Lieder, Balladen und Romanzen.

 

Der Ziege Testament.

(Böhmisch.)

Eine Ziege war genäschig.
Ging nach Gras in's Herrnrevier;
Doch der gnäd'ge Herr, der traf sie,
Und zerschlug den Schädel ihr.

»Gnäd'ger Herr, jetzt ist's vorüber,
Hört mich denn, eh' ich verbleich'!
Hört, mein haarig Fell vermach' ich
Scheidend zu Perrücken Euch!

Aber tragt Ihr nicht Perrücken,
Hebt es auf in Eurem Schrein,
Und wenn's Ziperlein Euch quälet,
Wickelt Eure Glieder d'rein!«

 

Mein Wirst Du, o Liebchen!

(Mährisch.)

Fürwahr, mein Liebchen, ich will nun frei'n,
Ich führ' als Weibchen Dich bei mir ein.
Mein wirst Du, o Liebchen, fürwahr Du wirst mein,
Und wolltest Du's auch nicht sein.

»So werd' ich ein Täubchen von weißer Gestalt,
Ich will schon entfliehen, ich flieg' in den Wald.
Mag doch nicht die Deine, mag dennoch nicht Dein,
Nicht eine Stunde sein.«

Ich hab' wohl ein Flintchen, das trifft gar bald,
Ich schieß' mir das Täubchen herunter im Wald.
Mein wirst Du, o Liebchen, fürwahr Du wirst mein,
Und wolltest Du's auch nicht sein.

»So werd' ich ein Fischchen, ein goldener Fisch,
Ich will schon entspringen in's Wasser frisch.
Mag doch nicht die Deine, mag dennoch nicht Dein,
Nicht eine Stunde sein.«

Ich hab' wohl ein Netzchen, das fischt gar gut,
Ich fang' mir den goldenen Fisch in der Fluth.
Mein wirst Du, o Liebchen, fürwahr Du wirst mein,
Und wolltest Du's auch nicht sein.

»So werd' ich ein Häschen voll Schnelligkeit
Und lauf' in die Felder, die Felder breit.
Mag doch nicht die Deine, mag dennoch nicht Dein,
Nicht eine Stunde sein.«

Ich hab' wohl ein Hündchen, gar pfiffig und fein,
Das fängt mir das Häschen im Felde schon ein.
Mein wirst Du, o Liebchen, fürwahr Du wirst mein,
Und wolltest Du's auch nicht sein.

 

Neckereien.

(Slowakisch.)

Wärest Du ein Schneider doch
Auf der weiten Erde,
Nähetest Du Kleider mir
Aus des Mohnes Blüthe.

»Ja, ich nähe Kleider Dir
Aus des Mohnes Blüthe,
Doch Du spinnest Seide mir
Aus dem Maienregen.«

Ja, ich spinne Seide Dir
Aus dem Maienregen,
Doch Du nähest Schuhe mir
Aus dem Hirschgeweihe.

»Ja, ich nähe Schuhe Dir
Aus dem Hirschgeweihe,
Doch Du spinnst mir Zwirn dafür
Aus der Haferähre.«

Ja, ich spinn' Dir Zwirn dafür
Aus der Haferähre.
Doch Du machst ein Lager mir
Mitten auf der Donau.

»Ja, ich mach' ein Lager Dir
Mitten auf der Donau,
Doch Du gehest dann auf ihr,
Ohne nasse Füße.«

Ja. ich gehe dann auf ihr
Ohne nasse Füße,
Doch Du wiegest ohne Scherz
Mich auf gold'nen Armen.

»Ja, ich wiege ohne Scherz
Dich auf gold'nen Armen,
Doch Du schwörst, Du schwörest mir,
Treue ohn' Erbarmen!«

 

Ewig – Bier.

(Böhmisch. Melodie 7.)

Sage, sage, wer Dich trinkt, o Bier?
Sage, wer Dich trinkt, o Bier,
Nehm' ich einst im Grab Quartier:
Sage, sage, wer Dich trinkt, o Bier?

Brüder, Brüder, Ihr trinkt dann das Bier.
Aber sagt, wer trinkt das Bier,
Nehmt auch Ihr im Grab Quartier?
Brüder, Brüder, wer trinkt dann das Bier?

Unsre Buben trinken dann das Bier,
Haben Buben für und für,
Und die trinken auch wie wir:
Ewig trinket Dich die Welt, o Bier!

 

Das Pärchen.

(Böhmisch.)

Kugelte ein Apfel roth.
Rollte auf der Erden –
Wem wirst Du, o Liebste mein,
Wem zu Theile werden?

Kugelten zwei Aepfel roth,
Rollten sich entgegen –
Wem würd' ich zu Theil, als Dir?
Kannst Du Zweifel hegen?

Wem würd' ich zu Theil, als Dir?
Frag nicht weiter, Amen!
Du bist hübsch und ich bin hübsch,
Passen just zusammen.

 

Sonderbare Liebschaft.

(Böhmisch.)

Sie wollt' nicht den Jungen,
Sie nahm sich den Greis;
Es hat ihr gefallen
Der Scheitel so weiß.

»Du wackelndes Männlein
Mit schneeweißem Bart,
Verlaß ja nicht untreu
Dein Ehweibchen zart!«

»Ich steig' auf den Baum dort,
Hold winkt er mir zu,
Ich schüttl' ihn, und kehre
Dann wieder im Nu.«

»Der Baum, der hat Aepfel,
Ich hole uns zwei;
Sie glänzen so herrlich,
Froh lach' ich dabei.«

 

Beim Gänserupfen.

(Böhmisch.)

Laß Dich rupfen, liebes Gänschen,
Denn so muß es einmal sein;
Jeder sieht, daß ihm das Rupfen
Nutzen schaffe und Gedeih'n.

Ei, wie herrlich ist's, zu rupfen,
Wenn wo Federn sichtbar sind!
Niemand schämt sich zuzugreifen,
Merkt er nur, daß er gewinnt.

Viele rupfen gar gewaltig,
Haben nicht an wenig g'nug,
Und sie fragen auch nicht weiter,
Ob's geschieht mit Recht und Fug.

Der Jurist will früher wissen,
Welcher Part viel Federn hat;
Schert sich nicht um nackte Wahrheit,
D'ran er nichts zu rupfen hat.

Doctor auch curirt die Kranken
Nur so lang' er rupfen kann;
Sind sie kahl, so überläßt er
Sie dem Todtengräber dann.

Der Herr Lehrer horcht am Fenster,
Wem wohl gelte das Geläut';
Konnt' er beim Begräbniß rupfen,
Schmaust er drauf voll Seligkeit.

Lange Rosenkränze betet
Ganz zerknirscht der Wuch'rer her;
Borgt von ihm nur Geld auf Zinsen,
Rupft er Euch ganz mitleidsleer.

Hat ein Vater keine Federn,
D'ran ein Freier rupfen kann,
Hoff' er ja nicht, er bekomme
Für die Tochter einen Mann.

Ist ein Bursch besetzt mit Federn,
Bang' ihm nicht vor Hieb und Stich;
Aber hat er kahle Flügel,
Wird Recrut er sicherlich.

Auch der Fleischer, Schneider, Schuster,
Schenker, Bäcker ganze Schaar
Ist nicht faul, und weiß zu rupfen,
Wird sie Federn wo gewahr.

Bis herab auf die Garküchler,
Käsehändler ist's so Brauch;
Zwiebelkrämer, Knoblauchkrämer,
Gleich den Andern, rupfen auch.

Selbst die Mütterchen, die grauen,
Kauernd bei des Ofens Gluth,
Zittert ihnen auch das Kinn schon,
Rupfen an der Ehre Gut. Will wer in der Welt was richten,
Laß er tüchtig Federn seh'n;
Kann er's nicht, der arme Teufel,
Mag er seines Weges geh'n.

Nun, so laß Dich rupfen, Gänschen,
Und verstreu' die Federn nicht;
Weißt nicht, wer auf Dir wird schlafen –
Mann von Ehre oder Wicht!

 

Selbstbewußtsein.

(Böhmisch. Melodie 8.)

Bin ein Bursch mit leerem Beutel
Noch war all' mein Placken eitel,
Und es schämt sich meine Holde,
Daß ich nicht stolzir' in Golde.

Bin ich gleich ein armer Teufel.
Bin doch brav, das ist kein Zweifel.
Sind die Kleider keine neue,
Ist doch's Herz voll frischer Treue.

Ei was ist an schönen Röcken,
D'rinnen lump'ge Kerle stecken;
Aber willst Du fort Dich schämen,
Brauchst Du mich ja nicht zu nehmen.

 

Nichts.

(Slowakisch.)

Was wohl sagen meine Leute,
Daß so schön ist, die ich freite?
Nichts.

Was wohl sagen meine Leute,
Daß wir schön sind alle Beide?
Nichts.
Was wohl schenken uns die Meinen
Bis vor ihnen wir erscheinen?
Nichts.

Sind bei Vielen eingekehret;
Haben sie uns was bescheret?
Nichts.

Und was finden wir zu Hause,
In der kleinen, engen Klause?
Nichts.

In dem Keller, in der Stube,
In der Kammer, in der Truhe?
Nichts.

Doch was fehlt zu unsrer Freude,
Da wir schön sind alle Beide?
Nichts.

Mäuse werden uns nicht plagen,
Finden ja bei uns zum Nagen
Nichts.

Diebe werden uns nicht quälen,
Finden ja bei uns zum Stehlen
Nichts.

Woll'n ein fröhlich Leben führen,
Denn was können wir verlieren?
Nichts.

 

Treuliebchens Bitte.

(Böhmisch.)

Es sei, mein Liebster, wo immerhin,
Ich folge Dir nach als Kriegerin.
»Was willst Du dort, mein Lebenslicht?
Siehst mich vor lauter Kriegsvolk nicht.«

So werd' ich ein Täubchen und suche Dich,
Und setz' auf Deinen Scheitel mich;
So werd' ich ein Vöglein, das singet hell,
Und stieg' auf Deinen Helm gar schnell.

Willst Du mich freien, gefall' ich Dir,
So schmoll' und hadre nicht mit mir;
Denn haderst Du und schmollest Du,
So wein' ich, mein Liebster, betrübt dazu.

 

So laß uns wandern!

(Böhmisch.)

Ach Mädchen, liebes Mädchen,
Wie schwarz Dein Auge ist!
Fast fürcht' ich, es verzaubert
Mich einst voll arger List.

»Und wär' mein Auge schwärzer,
Um vieles schwärzer noch,
Dich, Liebster mein, verzaubern –
Ich thät' es niemals doch.«

Die Kräh' auf jener Eiche,
Sieh, wie sie Eicheln pickt!
Wer weiß, wen einst der Himmel
Zum Bräutigam Dir schickt!

»Und sprich, wen sollt' er schicken?
Ich gab ja Dir mein Wort,
Weißt, unterm grünen Baume,
Bei unsrer Hütte dort.«

Wohlan, so laß uns wandern,
Du wanderst frisch mit mir;
Ein Kleid von grüner Farbe,
Mein Mädchen, kauf' ich Dir.

Ein Kleid von grüner Farbe,
Das auch nicht gar zu lang:
So kannst Du mit mir wandern,
Nichts hindert Dich im Gang.

Wir wollen lustig wandern
Bergüber und thalein;
Die großen, freien Wälder
Sind unser Kämmerlein!

 

Das herzhafte Mädchen.

(Mährisch.)

Sie schickten in des Bauers Haus,
Sollt' in den blut'gen Krieg hinaus.

Dem Bauer vor dem Kriege graut.
Er setzt sich hin und schluchzet laut:

»Hab' keinen Sohn zu stellen für mich.
Auch keinen Bruder! 's ist fürchterlich!«

»Du älteste, älteste Tochter mein,
O stell' Dich, statt meiner, in die Reih'n!«

»»Ei Vater, mein Herz das ist zu weich,
Erschrickt vor dem Geringsten gleich.««

»Du zweite, Du zweite Tochter mein,
So stell' Dich Du für mich in die Reih'n!«

»»Ei Vater, mein Herz ist gar zu weich.
Fürchtet sich vor dem Geringsten gleich.««

Da schickt er nach der Jüngsten fort,
Die dienen muß bei Fremden dort:

»Du, meine Jüngste, o komm nach Haus',
Und zieh für mich in den Krieg hinaus!«

»»Ja, liebster Vater, ich komm' sogleich,
Und zieh' hinaus in den Krieg für Euch.««

»»Mein Herz, o Vater, ist stark und fest.
Von keiner Gefahr sich schrecken läßt.««

Und als sie ihr anlegten das Kleid,
Da weinten beide Schwestern vor Leid.

Und als sie ihr flochten das lange Haar,
Da weinte der Mädchen ganze Schaar.

Und als sie empor auf's Roß sich schwang,
Da weinten Vater und Mutter bang:

»Ade, o Tochter, ade, ade!
Schütz' Gott Dich, daß es Dir wohlergeh'!«

Und als es kam zur entscheidenden Schlacht,
Umritt sie dreimal des Feindes Macht.

Sie that den ersten Schuß voll Muth,
Dreihundert Türken stürzten in's Blut.

Sie that den zweiten Schuß, schoß gut,
Das ganze Lager schwamm in Blut.

Sie schoß zum dritten Male keck,
Und alle Türken rannten hinweg.

Das schien dem Kaiser wunderbar:
»Was ist das wohl für ein Husar?«

»Hab' eine einzige Tochter fürwahr.
So nehm' sie zu seiner Frau der Husar!«

»Herr Kaiser, fürwahr,
Bin kein Husar:
Bin – ich besiegel's mit meinem Schwur –
Ein armes Bauermädchen nur.«

»So hab' ich einen einzigen Sohn,
Den geb' ich dem Bauermädchen zum Lohn!«

Und der Krieg war zu Ende, der Kampf war aus,
Und gerüstet ward der Hochzeitschmaus.

 

Täuschungen.

(Böhmisch. Melodie 9.)

Sagten, es käm' vom Berg
Dunkelnder Wolken Schaar;
Doch es war meiner Maid
Kohlschwarzes Augenpaar!

Sagten, es käm' vom Berg
Purpurnes Morgenlicht;
Doch es war meiner Maid
Rosiges Angesicht!

Sagten, es strahle schon
Voller Tag sonnenklar;
Doch es war meiner Maid
Strahlende Stirn fürwahr!

 

Sehnsucht.

(Slowakisch.)

Könnt' ich nur, mein Liebster,
Deinen Hut erspähen,
O dann wär' ich ledig
Aller Liebeswehen!

Meinte, durch das Feld hin
Blitzten helle Streife;
Doch es blies der Liebste
Lieblich auf der Pfeife.

Meinte, daß in Feuer
Rings das Feld entsprühte;
Doch es war die Wange,
Die dem Liebsten glühte.

Komm, o komm, mein Liebster,
Daß ich Dich umfange;
Möchte gern schon küssen
Deine rothe Wange!
Komm, o komm, mein Liebster,
Hurtig ohne Weile,
Bringe meinem Herzen
Trost und Luft in Eile!

Schlafen möcht' ich, schlafen,
Bin so gar beklommen –
Doch schon ist mein Liebster
Unversehns gekommen!

 

Die Salbe.

(Slowakisch.)

Auf dem Feld ein weißer Felsen,
Auf dem Fels 'ne weiße Rose,
Auf der Rose liegt ein Jüngling,
Und sein Mädchen hält das Haupt ihm.
»Liebster, Liebster, ach was schmerzt Dich?«
»»Wahrlich, schwer bin ich verwundet!««
»Wer es that, der soll Dich heilen,
Dich dahin zum Arzte führen.«
»»Nein, der Arzt hat keine Salbe
Für die Wunde, die mich brennet;
Nur mein Liebchen hat die Salbe,
Welche meine Schmerzen heilet!««

 

Das Vöglein Lügner.

(Böhmisch.)

Was plaudert dort das Vögelein
Auf jenem Eichenast?
»Daß jedes Mädchen, welches liebt,
Vor lauter Lieb' erblaßt.«

Ei Vögelein, Du sprichst nicht wahr,
Du bist gar lügenreich,
Ich Mädchen liebe ja doch auch,
Und niemals bin ich bleich.

Wart' Vögelein, und weil Du lügst,
So geh' ich hörbar kaum,
Und lade mir die Flinte schnell,
Und schieße Dich vom Baum.

 

Die Verliebte.

(Böhmisch.)

Die Sonne hinter dem hohen Berg
Stieg auf am gestrigen Tage –
Und seh' ich den Liebsten, da pocht mein Herz
Sogleich mit froherem Schlage.

Und wo mein Liebster ist, bin auch ich,
Ich ruf ihm schon von ferne,
Von fern schon hüpf ich an seine Brust
Und putze für ihn mich gerne.

Mein Liebster weidete dort im Thal
Die Rosse, seine Rappen;
Ich mähte hurtig Gras im Feld,
Für seine Rosse, die Rappen.

Und als ich Abends Aehren las
Beim Birnbaum dort, o Wonne!
Da band mein Liebster die Weizensaat:
Wie strahlt' er im Glanz der Sonne!

 

Der zerbrochene Krug.

(Böhmisch. Melodie 10.)

Wollt' 'ne Maid um Wasser geh'n,
Trug 'nen Krug, der war so schön.
Stieg ein Herr vorbei,
Brach den Krug entzwei.

Und es weinte laut die Maid
Um den Krug in bittrem Leib:
»Seid ihr stolz genug,
Zahlt mir nun den Krug!«

»Weine nicht so bitterlich,
Gern ersetz' den Schaden ich!
Nimm für das Geschirr
Dieses Tuch von mir!«

Doch die Maid, sie wollt' es nicht.
Weinet fort und fort und spricht:
»Seid ihr stolz genug.
Zahlt mir nun den Krug!«

»Weine nicht so bitterlich.
Gern ersetz' den Schaden ich!
Nimm für das Geschirr
Diesen Ring von mir!«

Doch die Maid, sie wollt' ihn nicht.
Weinet fort und fort und spricht:
»Seid Ihr stolz genug.
Zahlt mir nun den Krug!«

»Weine nicht so bitterlich.
Gern ersetz' den Schaden ich!
Nimm für das Geschirr.
Nimm mich selbst dafür!«

Ei, wie war sogleich die Maid
Voller Lust und Fröhlichkeit:
»Für den schönen Krug
Hab' ich nun genug!«

 

Der Einsiedler.

(Böhmisch.)

Ich bin ein armer Einsiedler,
Bei dem kein Gut zu finden;
Hab' nur dies Paar Pantoffeln da.
Gemacht aus Holz von Linden.

Den Rosenkranz trag' ich am Gurt,
Das Brevier still unterm Arme,
Und fleh' zu Gott, daß er gnädig sich
Der falschen Mägdlein erbarme.

»Bist Du ein armer Einsiedler,
Dein Pater noster bete;
Die Mädchen aber laß in Ruh'.
Und denk' an Fast und Mette!«

 

Des Liebsten Schwur.

(Böhmisch.)

Ei, schmollte mein Vater nicht wach und im Schlaf,
So sagt' ich ihm, wen ich im Gärtelein traf.
Und schmolle nur, Vater, und schmolle nur fort.
Ich traf den Geliebten im Gärtelein dort.

Ei, zankte mein Vater nicht wieder sich ab,
So sagt' ich ihm, was der Geliebte mir gab.
Und zanke nur, Vater, mein Väterchen Du,
Er gab mir ein Küßchen und eines dazu.

Ei, klänge dem Vater nicht staunend das Ohr,
So sagt' ich ihm, was der Geliebte mir schwor.
Und staune nur, Vater, und staune noch mehr,
Du giebst mich doch einmal mit Freuden noch her.

Mir schwör der Geliebte so fest und gewiß.
Bevor er aus meiner Umarmung sich riß.
Ich hätte am längsten zu Hause gesäumt.
Bis lustig im Felde die Weizensaat keimt.

 

Die Boten der Liebe.

(Böhmisch.)

Wie viel schon der Boten
Flogen die Pfade
Vom Walde herunter,
Boten der Treu';
Trugen mir Briefchen
Dort aus der Ferne,
Trugen mir Briefchen
Vom Liebsten herbei!

Wie viel schon der Lüfte
Wehten vom Morgen,
Wehten bis Abends
So schnell ohne Ruh';
Trugen mir Küßchen
Vom kühligen Wasser,
Trugen mir Küßchen
Vom Liebsten herzu!

Wie wiegten die Halme
Auf grünenden Bergen,
Wie wiegten die Aehren
Auf Feldern sich leis;
»Mein goldenes Liebchen,«
Lispelten alle,
»Mein goldenes Liebchen,
Ich lieb' Dich so heiß!«

 

Leichtsinn.

(Böhmisch. Melodie 11.)

Aehren, Aehren, Aehrelein,
Ei, wer wird euch mähen?
Mein Geliebter weilet fern,
Mag nicht zu mir gehen.

Aehren, Aehren, Aehrelein,
Ei, wer wird euch binden?
Mein Geliebter weilet fern.
Will ihn schon noch finden.

Mutter, Mutter, Mütterchen,
Bin von losem Blute;
Nimm den Besen, feg' mich rein
Von dem Uebermuthe.

Meine Goldpantöffelein,
Bin schon schwer zum Hüpfen;
Mutter, Mutter, Mütterchen,
Möcht' in's Häubchen schlüpfen.

Grüne, junger Eichenbaum,
Frisch auf deinem Plätzchen –
Grolle Du, nur Du mir nicht,
O mein süßes Schätzchen!

»Wahrlich nein, ich groll' Dir nicht,
Doch, ich muß beklagen,
Daß Du mit 'nem Andern gehst,
Wie die Leute sagen.«

 

Grimmiger Fluch.

(Böhmisch.)

Ha! wüßt' ich, wer mit dem Liebsten
Mich boshaft will entzwei'n,
Fürwahr, fürwahr, ich streut' ihm,
Salz in die Augen hinein!

Ich streut' ihm Salz in die Augen,
Und Sand ihm zwischen die Zähn'; Dann würd' ihm wohl am Ende
Die Lust zum Lügen vergeh'n.

Jetzt weiß ich's, o jetzt weiß ich's!
Es ist ein altes Weib,
Das möchte unsre Herzen
Entzwei'n zum Zeitvertreib.

O Herrgott Du, so schicke
Auf das Weib Dein Wetter daher,
Und beregne es neun Tage
Mit Steinen, zentnerschwer!

Neun Tage mit schweren Steinen,
Am zehnten mit Dornen fein,
Daß es nie wieder versuche,
Zwei Liebende zu entzwei'n!

 

Keinen Alten!

(Mährisch.)

Hab' ich auch nur bleiche Wangen,
Nur ein blasses Angesicht,
Gibt mich meine liebe Mutter
Doch dem ersten Besten nicht.

Gibt mich keinem alten Manne,
Keinem Graubart sicherlich:
Säß' ich neben ihm am Tische,
Welcher Kummer wär's für mich!

Alter Ehmann ist nicht besser
Als ein Kittel, welcher alt:
Wickle Dich hinein, wie immer,
Ist Dir doch erbärmlich kalt.

 

Altes und junges Weib.

(Böhmisch.)

Sagten, daß ich schon gestorben,
Und bin frisch am ganzen Leib –
Ach, sie boten zum Erwärmen
Mir ein altes, altes Weib!

Einem Frosche gleicht die Alte,
Ist bei Tag und Nacht eiskalt;
Bei der Jungen, da erwärmt man,
Wie in Federn, sich gar bald.

Gebt der Alten einen Rechen,
Daß sie grabe krummgebückt!
Gebt der Jungen einen Burschen,
Den sie grad' zum Herzen drückt!

 

Das lebendige Bild.

(Böhmisch. Melodie l2.)

Wie der Herr Pfarrer brav
Predigen kann!
Bilder verschenket er
An Jedermann.

Will auf die Predigt auch
Hin zu ihm geh'n,
Und um ein solches Bild
Bitten ihn schön.

Ei, der Herr Pfarrer ist
Gütig fürwahr,
Gab mir ein Bild, das hat
Leben sogar.

Aber was mit dem Bild
Anfangen nun? Weiß in der That nun nicht,
Wo's hinzuthun.

Steck's in den Rahmen ich,
Hat es nicht Raum;
Sperr' ich es in die Truh',
Athmet's wohl kaum.

Setz' es dort auf den Stuhl,
Mich ihm zur Seit';
Gibt es ein Mäulchen mir,
Thu' ich Bescheid!

 

Der Mücke Hochzeit.

(Slowakisch.)

Die Mücke setzt sich zur Fliege hin,
Und möcht' sie gerne frei'n.
Die Bremse zieht die Stiefel an,
Möcht' gern Brautführer sein.

Die Fliege ruft den Spatzen schnell
Als Brautübergeber herbei,
Und fraget ihn um seinen Rath,
Ob der Schritt zu wagen sei.

Der Spatz, der spricht ihr wacker zu,
Daß sie mit dem Freier zieh',
Sonst könnten die Leute sagen vielleicht,
Es blähe Hoffart sie.

Die Wespe Kranzeljungfer war,
Die Laus Brautmütterlein,
Und die Wanze war die Köchin beim Fest,
Der Floh, der hüpft' im Reih'n.

Biene sang, die Horniß dudelte,
Die Grille geigte genug.
Der Käfer die Trompete blies,
Die Spinne die Trommel schlug.

So zogen sie zur Hochzeit aus,
Eine reichgeschmückte Schaar;
Es tanzten dreißig Paare dort,
Wenn nicht vierzig Paare gar.

Die Bremse als Brautführer war
Stets überall voran,
Und pfiff und sprang und jubelte,
So viel als Einer kann.

Und endlich zogen nach Hause sie,
Und setzten sich zum Schmaus,
Und theilten, wie es Sitt' und Brauch,
Geschenke in Menge aus.

 

Der Mücke Tod.

(Slowakisch.)

Als die Mücke Hochzeit hielt.
Trank man einen Eimer Wein;
Flog die Nachtigall herzu,
Schenkte noch den Gästen ein.

Und die Gäste, toll und voll,
Uebten an der Mücke Mord.
In der Kammer liegt sie dort,
Fliege weinet fort und fort.

»Fliege, hemm' der Thränen Lauf,
Mücke wacht wohl wieder auf!«
»»Damit hat's wohl seine Noth,
Ach, sie ist ja wirklich todt!««

Und das Fett verkauften sie
Für einhundert Gulden dann,
Ihr Geripp' als Ellenmaß!
So geschah es, glaubt mir das!

 

Des Wiedehopfs Hochzeit.

(Böhmisch.)

Ich weiß von einem Vogel,
Wiedhopf wird er genannt;
Wollt' knüpfen mit der schönen
Nußkräh' der Ehe Band.

Da wurden zur Hochzeit Gäste
Geladen in reichster Zahl,
Sowohl die großen Vögel,
Als die kleinen allzumal.

Die frohe, muntre Lerche,
Die lud der Gäste Schaar;
Brautführer bei der Hochzeit
Der Goldkopf Aemmerling war.

Die Wachtel war Kranzeljungfer,
Und wand den grünen Kranz;
So zog dann zur Vermählung
Die Braut in vollem Glanz.

Die Saatkräh' sprach den Segen,
Der Habicht Zeuge war;
Daß sie Feindschaft im Herzen trügen,
Das läugnet' er ganz und gar.

Der Rabe war Koch, und schmorte
Und buk und sott und briet,
Daß er voll Rußes wurde,
Dies bezeuget' sein Habit.

Und als die Tafel zu Ende,
Musicirte die Nachtigall.
Und alle Gäste tanzten
Unter lautem Jubelschall.

Tanzten, bis Bräutchen meinte,
Daß es sanft ruhen möcht',
Worauf die gesprächige Elster
Die Betten machte zurecht.

So geschah's, und geschieht noch immer,
Das ist nicht etwa erdacht:
Kommt Wiedhopf zu der Nußkräh',
Wird alsbald Hochzeit gemacht.

 

Scenen aus des Wolfes Hochzeit.

(Böhmisch.)

Wollte sich der Wolf vermählen,
Hatte zur Gemahlin jüngst
Jungfrau Ziege sich erbeten,
Die verwaist war; denn ihr Vater
Und auch ihre liebe Mutter
Waren beide schon gestorben.
Und so viel's Vierfüßler gab
Auf der Erde weiten Fluren,
Lud er alle zu dem Fest.

Der Brautführer war der Kater,
Zeigte sich der Maus gefällig
Mit dem Hasen, holdem Jüngling.
Esel war beim Fest der Bäcker,
Und der Iltis war der Koch
Mit dem hochgebornen Eber.
Kranzeljungfern waren da
Zwei der allerholdsten Wesen,
Fräulein Fuchs und Fräulein Hirschkuh;
Diese leisteten der Braut,
Der so reizend schönen Ziege,
Alle Dienste, wie sich's ziemt.

Als die Tafel nun geendet,
Schritt zum Tanze jeder Gast,
Der daran Gefallen fand.
Junker Hase producirte
Alsbald seine muntern Sprünge,
Und ihm warf die Tänzerin,
Eine der zwei Kranzeljungfern,
Fräulein Fuchs, die's auf den Junker
Abgeseh'n, ihr Schnupftuch zu;
Ja, als er sich hurtig drehte,
Und dabei zart auf sie eindrang,
Reichte sie ihm einen Kranz.
Neiderfüllt ward da der Windhund,
Daß ihm solche Gunst geworden,
Und er forderte voll Grimm
Ihn zum Zweikampf mit dem Degen
Oder auf Pistolen auch.
Hase blieb nicht Antwort schuldig,
Nannt' ihn einen Schuft, und schwor,
Daß er sich ihm stellen werde,
Daß er, als ein Mann von Ehre,
Gegen ihn sich wehren wolle,
Mit all seiner Heldenkraft.
Doch der Löwe, friedenliebend,
Abhold solchen Balgereien,
Ließ sogleich sein Wort erschallen,
Und gebot mit Ernst, sie sollten,
Sich bezähmend, ruhig sein,
Bei fünfhundert Gulden Strafe.

Siehe, und der Junker Igel,
Glattgekämmt, von schlankem Wuchse,
Gar entzückend anzuschauen,
Warb dort heiß um Fräulein Marder,
Bat, indem er es umarmte,
Um des edlen Fräuleins Huld.
Und es trank der Kuh Herr Hirsch
Aus gefülltem Humpen zu,
Und indem mit allem Anstand
Er den Hut abnahm vor ihr,
Fleht' er sie mit seinen Worten:
»Kommt, erhebet Euch zum Tanz!«
Höchsterfreut war da die Kuh,
Schritt sogleich mit ihm zum Tanze,
Und zur Stute sprach sie also:
»O, wie bin ich innigst froh,
's juckt vor Wonne mich der Rücken,
Daß Herr Hirsch nach mir begehrt!«
»Wahrlich«, sprach zu ihr die Stute,
»Du hast ein verteufelt Glück
Mit Verehrern und Galanen.
Sitze schon vom frühen Morgen
Mit verdrießlichem Gesichte,
Niemand nimmt zum Tanze mich.
Hattest erst zuvor den Büffel,
Hattest ihn vom frühen Morgen,
Und jetzt kommt der Hirsch schon wieder.
Ach, wie froh, wie selig wär' ich,
Käm' auch Jemand her um mich!«
Das Kameel vernahm die Rede,
Hörte, was die Stute sagte,
Dachte: »'s ist ja eine Frau,
Die recht ehrbar, will's versuchen!«
Und es nahm die Stut' und drehte
Zierlich sich mit ihr im Kreis.

Doch es zog der Hamster jetzo
Seine Stiefel in die Höhe,
Zog auch um drei ganze Ellen
Seine Hosen mehr empor,
Und stand auf, und trat zu Fräulein
Eichhorn, zu der Holden, hin,
Sprach: »Ich fühle Ueberdruß,
Länger müßig dazusitzen,
Schönste, komm mit mir zum Tanz!«
Doch die Spitzmaus, die glaubwürd'ge,
Rief aus ihrem Loch hervor:
»Tanze ja mit Hamster nicht!«
Sprach der Hamster zu der Spitzmaus:
»Ueberlaß mir Deine Holde
Nur auf eine kurze Weile,
Will ihr keinen Schaden thun,
Das versprech' ich und verbürg' ich!
Weigerst Du's, soll meine Faust
Eines Bessern Dich belehren!«
Ohne Zögern stand die Spitzmaus
Kampfentschlossen auf dem Platz:
Hab' er Muth, so mög' er's wagen!
Und der Hamster, der behend war,
Säumte nicht und faßte sie,
Packte sie bei ihren Haaren,
Zauste sie mit einer Hand,
Mit der andern schlug er sie
Ganz entsetzlich über's Maul,
Schlug sie, der leichtsinn'ge Hamster,
Bis der Spitzmaus zartes Antlitz
Bläulich von den Schlägen schwoll.
Es beklagte sie die Otter,
Jeder, der die Spitzmaus sah,
Fühlte Mitleid und Erbarmen.
Da verzog der Dachs nicht länger,
Schickte das achtbare Frettchen,
Daß es zum Gerichtsherrn eile,
Ihn in seinem Namen grüße,
Einen guten Tag ihm wünsche,
Und, weil ihm in solchen Dingen
Alle Macht gegeben sei,
Ihn ersuche, ohne Aufschub
Zu erscheinen bei dem Feste,
Wo man ungebührlich raufe.
Das achtbare Frettchen lief
Und traf grade unterweges
Den Gerichtsherrn, ihn, den Widder,
Der bedächtig schritt einher.
Schon als es von fern ihn schaute,
Zog es gleich die Kappe, machte
Seine schuldige Verbeugung,
Und erstattete Bericht.
Als der Widder bei dem Feste
Nun erschien, erhoben sich
Der Maulesel, der glorreiche,
Und der Rehbock schnell, begrüßten
Ihn nach Pflicht, und reichten ihm
Einen vollen Krug mit Warmbier.
Und er ließ am Tisch sich nieder,
Und in einer Weile wurden
Hamster dann und Spitzmaus, Beide,
Vorgeführet und verhört.
Da entschied zuletzt der Widder,
Daß der Hamster, als der Schuld'ge,
Zahlen solle fünf Faß Bier.

Und so war der Streit geschlichtet;
Alle wurden wieder fröhlich,
Und die Instrumente klangen.
Bär spielt' auf der Violine,
Elephant, der schlug die Zither,
Die Baßgeige strich der Zobel,
Und das gab so süße Töne,
Daß sich Alle hoch erfreuten
An der herrlichen Musik.
Wiesel sprang mit dem Kaninchen,
Affe hüpfte mit dem Esel
Lustig, daß der Staub nur flog.
Doch indessen wurde langsam
Ihre Speisekammer leer;
Dichtes Wasser blieb im Fasse,
Hefe wurde weggegossen,
Und das Fest, es ging zu Ende.
Mahnend zog der Stier die Glocke,
Da verloren Alle sich.

 

Gescheidter Liebesgrund.

(Böhmisch. Melodie 13)

Ach, weiß nicht in der That,
Was Dich so an mich zieht,
Ach, weiß nicht in der That,
Was Du mich liebst!
Hab' ja kein Heirathsgut,
Bin auch nicht gar so schön;
Ach, weiß nicht in der That
Was Du mich liebst!

»Dein blaues Augenpaar,
Das ist's, was mir gefällt,
Dein blaues Augenpaar,
Was mich beglückt,
Dein blaues Augenpaar,
Und Deine Hand fürwahr,
Weil sie zur Arbeit so
Flink und geschickt.«

 

Auftrag.

(Mährisch.)

Weiße, weiße Gänse,
Die ihr hochhin stieget,
Die ihr weithin sehet!

Drehet euch, ihr Gänse,
Ob dem Hof des Treuen,
Kündet meinem Treuen,
Daß er kommen möge,
Will schon, will schon freien!

Mögen um mich kommen
Schnell mit vierzig Rossen
Und mit fünfzig Wagen!

Die Räder von Pfefferkuchen,
Die Wagenkörbe von Zucker,
Die Rosse in blankem Golde,
Im Scharlachkleide der Holde,
Die Peitsche mit Gold durchflochten –
Es hat sie mein Liebster geflochten!

 

Die Heimkehr.

(Mährisch.)

Der Jüngling in den Krieg muß fort,
Zur Liebsten spricht dies Abschiedswort:

»Nach sieben Jahren bin wieder ich hier.
Bring' Deinen Ring zurücke Dir.«

Schon rann das siebente Jahr dahin,
Sie harrte noch immer treu auf ihn.

Und als es sollte zu Ende geh'n,
Schritt sie hinaus, um Gras zu mäh'n.

Es begegnete ihr im weiten Feld
Ein junger Soldat, ein schmucker Held.

»Hast Du nicht Lust, o Holde mein,
Gleichwie die übrigen Mädchen zu frei'n?«

»»Ich will nicht frei'n, will ledig sein,
Will harren treu des Liebsten mein.««

»Dein Liebster längst ein Weibchen hat,
Ich war bei der Hochzeit in der That.«

»Nun, meine holde Rose, sprich,
Was Du ihm wünschest inniglich?«

»»Wünsch' so viel Glück ihm in der Welt,
Als Halme wachsen auf dem Feld.««

»»Wünsch' so viel Heil ihm und Gedeih'n,
Als Blätter rauschen in dem Hain.««

»Ei, meine holde Taube, sprich,
Was Du weiter ihm wünschest inniglich?«

»»Wünsch' Küsse ihm so viel an der Zahl,
Als Sterne glänzen am Himmelssaal.««

»»Wünsch' so viel Tag' ihm voll Seligkeit,
Als Kirchen stehen weit und breit.««

»»Und so viel Kinder frisch und gesund,
Als Blüthen keimen im Frühling bunt.««

Da lacht der Soldat, den Ring ihr weis't,
Der wie die goldene Sonne gleißt.

»Das ist ja der Ring, derselbe Ring,
Den einst der Liebste von mir empfing!«

Und es war der Liebste, sie froh umfing,
Und schnell mit ihr zum Priester ging.

Und dort in der Kirche im grünen Wald,
Dort wurden ein glücklich Paar sie bald.

 

Die Mutter und ihr Sohn.

(Böhmisch.)

Es ging, es ging die Mutter
Dahin auf grüner Wies';
Sie trug in ihren Armen
Ein Söhnlein, hold und süß.

»O Söhnlein, liebes Söhnlein,
Was ist Dein künftig Loos?
Ertränk' ich Dich im Wasser,
Zieh' ich Dich lieber groß?«

»»O Mutter, liebe Mutter,
Ertränk' mich nimmermehr;
Erziehe mich geduldig,
Und gieb mich in das Heer!««

»»Ja, unser guter Kaiser,
Gewiß, er lobt Dich dann,
Daß Du ihm hast erzogen
Solch einen Kriegesmann.««

Die Mutter, sie erbarmte
Ob ihrem Söhnlein sich,
Sie warf es nicht in's Wasser,
Erzog es mütterlich.

 

Wiegenlied.

(Böhmisch. Melodie 14.)

Schlaf', mein Kind, in Ruh',
Schließ' die Aeuglein zu!
Gott wird Dir zur Seite liegen,
Engel werden sanft Dich wiegen:
Schlaf', mein Sohn, in Ruh'!

Schlaf', mein Kind, in Ruh',
Schließ' die Aeuglein zu!
Wachst Du auf in einer Weile,
Wird Dir süßer Brei zu Theile:
Schlaf', mein Herz in Ruh'!

Schlaf, mein Kind, in Ruh'!
Schließ' die Aeuglein zu!
Will Dir Trommel, Geige geben,
Aber Keinem Dich, mein Leben:
Schlaft, schlaf' in Ruh'!

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