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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 42
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Kleinigkeiten.

 

Frohsinn.

(Böhmisch.)

Ei wie die Lerch', so klein sie ist,
Nie lebt im Müßiggange;
Sie ruhet nicht bei Tag und Nacht,
Lobt Gott mit frohem Sange!
Ei daß wir alle insgesammt
Der Lerche folgen möchten:
Drum in der Linken schwenkt das Glas,
Das Mädchen in der Rechten!

 

Die Liebe.

(Mährisch.)

Wie kommst Du doch, o Liebe,
Wie kommst Du auf die Welt?
Du wächsest nicht im Garten,
Man sä't Dich nicht im Feld.

»Ich werde von selbst geboren,
Das hat gar keine Beschwer,
Und schleiche zwischen den Mädchen
Und jungen Burschen umher.«

 

Die Liebe.

(Slowakisch.)

Woher nur nimmt ein Jeder
Die Liebe auf dieser Welt?
Sie wächst auf keinem Berge,
Man sä't sie nicht im Feld.

Und wohnte gleich die Liebe
Auf Felsen himmelhoch,
Es bräche sich ihretwegen
Den Hals gar Mancher doch!

 

Freigebigkeit.

(Böhmisch. Melodie 1.)

Fließt das Wasser gegen's Wasser,
Und es bläst der Wind hinein –
Liebchen mit den blauen Augen
Schaut heraus zum Fensterlein.

Schau' nicht so heraus zum Fenster,
Komm Du lieber vor die Thür:
Giebst Du mir zwei holde Küßchen,
Sieben geb' ich Dir dafür!

 

Der Schreiber.

(Böhmisch.)

O Mütterchen, o sieh doch nur
Den Schreiber im Wagen drin:
Hat einen Busch auf seinem Hut,
Fährt wie ein Kaiser dahin!

Er hält in der Linken das Papier,
In der Rechten die Feder fein;
Er schreibt mich wohl, er schreibt mich wohl
Noch in sein Herzchen ein.

 

Die schwarzen Augen.

(Slowakisch.)

Es wässerte das Madchen Hanf
Im weißen Sommerkleid,
Da kam ein schmucker Bursch und pries
Die schwarzen Augen der Maid:

»Ei wahrlich verkauften sie auf dem Markt
So schwarze Aeugelein,
Ich ging' und kaufte sie mir gleich
In meine Wirthschaft ein!«

 

Schnelles Besinnen.

(Böhmisch.)

Sage mir, mein Sternlein lieb,
Bist Du helle, bist Du trüb'?

Bist Du trüb', so werde hell –
Mädchen, o besinn' Dich schnell!

»Ja doch, schon besann ich mich –
Ewig lieben will ich Dich.«

 

Das wohlmeinende Gänslein.

(Böhmisch.)

Flog eine junge Gans
Ueber den Bach voll Muth,
Konnte nicht drüber weg
Fiel in des Baches Fluth.

Trank alles Wasser aus
Bis auf den Boden rein,
Daß es der Schenker nicht
Schütte ins Bier hinein.

 

Störung in der Andacht.

(Böhmisch. Melodie 2.)

Seh' ich Dich, mein holdes Mädchen,
In der Kirche betend knie'n,
Kann ich selbst zu Gott nicht beten,
Seh' auf Dich nur immer hin.
Wenn ich Gott im Himmel liebte,
Holdes Mädchen, so wie Dich:
Wär' ich lange schon ein Heil'ger Oder Engel sicherlich!

 

Verbot.

(Mährisch.)

Besuch' mich nicht, hörst Du?
Und laß mich in Ruh,
Sonst bind' ich mit Bändern
Die Thür vor Dir zu.

»Ei bind' sie nur, bind' sie
Mit Bändern sofort:
Ich löse die Fesseln
Mit freundlichem Wort.«

 

Der nahende Morgen.

(Mährisch.)

Wie lange schlich ich im Dunkel,
Zu finden das Fensterlein,
Hinter dem in stiller Kammer
Hold schläft die Liebste mein!

Hätt' ich doch die Schlüssel zum Tage,
Der dort schon sichtbar ist:
Fürwahr, ich ließ' ihn nicht leuchten
Vor eines Jahres Frist!

 

Kuku.

(Böhmisch.)

Als ich von der Liebsten ging,
Läutete man zum Gebete,
Und der Kuckuck rief dazu
Von der Eiche:
»Kuku, kuku!«
Mein goldenes Täubchen!
»Kuku, kuku!«
Werde mein Weibchen!

 

Der Rübe Hochzeit.

(Böhmisch. Melodie 3.)

Als die Rübe Hochzeit machte,
Jauchzte Sellerie: Juchhu!
Möhre tanzte hopsa, heisa,
Und Meerettig pfiff dazu.

 

Das Lied der Schwalben.

(Böhmisch.)

Ach, wie über unsrer Scheune
Doch die kleinen Schwalben singen!
Ach sie singen, ach sie singen:
Wird mein Liebchen nicht die Meine,
Nicht die Meine, nicht die Meine,
Sie mein Schwarzaug', sie mein Täubchen
Mit dem gold'nen Miederleibchen!

 

Abschiedswunsch.

(Böhmisch.)

Es kugelte, es kugelte
Ein rothes Aepfelein –
Ach, wer erhält, ach, wer erhält,
Dich, gold'nes Mädchen, mein?

Und wer Dich auch erhalten mag,
Stets sei das Glück mit Dir!
Ich aber, ach! muß von hier fort,
Muß morgen schon von hier.

 

Der Abschied.

(Mährisch.)

Horcht, was für ein Dröhnen!
Ei, was soll das sein?
Läuten etwa Glocken,
Braust der Ahornhain?

's läuten keine Glocken,
's braust kein Ahornhain:
Abschied nimmt ein Jüngling
Von der Liebsten sein.

 

Seufzer.

(Slowakisch. Melodie 4.)

Wenn zu mir heut Abends
Doch der Liebste käme:
Käme mit der Sonne
Ja der Mond zusammen!

Doch es kommt der Liebste
Nicht zu mir heut Abends,
Mit der goldnen Sonne
Nicht der Mond zusammen!

 

Seufzer.

(Böhmisch.)

Hinter jenen dichten Wäldern
Weilst Du, meine Süßgeliebte,
Weit, ach weit! weit, ach weit!
Berstet, ihr Felsen,
Ebnet euch, Thäler,
Daß ich ersehe,
Daß ich erspähe,
Meine ferne, süße Maid!

 

Das Täubchen.

(Böhmisch.)

Wo bist Du umhergeschweift,
Goldenes Täubchen,
Daß Deine Schwinge
So von Wasser träuft?

»Schweifte übers Meer dahin,
Den Täuber mein zu schauen,
Den Täuber mein zu schauen,
Auf dem Berge grün.«

Ausgebrannte Liebe.

(Mährisch.)

Du vermagst zu lieben,
Doch nur auf kurze Zeit;
Hätt's nicht mein Herz geahnet,
Wie wär' es jetzt voll Leid!

Doch ahnt' es mein Herz wohl:
Es brannt' in hellem Flammenschein.
Und als es ausgebrannt war,
Ward es zu Stein.

 

Glück im Unglück.

(Böhmisch.)

Im grünen Haine koste
Ein Paar in Lieb' und Treu';
Da fiel ein Ast herunter,
Erschlug sie alle zwei.

Gut, daß er hat erschlagen
Eins an dem Andern dicht,
So härmt sich und so jammert
Eins um das Andre nicht.

 

Glänzende Treue.

(Böhmisch. Melodie 5.)

Seh' ich's dort nicht glänzen?
Eilig hin von hier!
Glänzt dort eine Blume,
Pflücke ich sie mir.

Nein, 's war keine Blume,
Ging mein Schatz vorbei,
Und er glänzt so helle,
Denn er liebt so treu.

 

Der Ruf.

(Mährisch.)

Was aus schwarzem Berge
Hallet fort und fort?
Summen etwa Bienen,
Oder was hallt dort?

Summen keine Bienen,
Ruft der Liebste dort:
Wünscht mit mir zu tauschen
Nur ein traulich Wort.

 

Merkmal der Liebe.

(Slowakisch.)

Es brennt nicht, es brennt nicht
Die helle Kerze so,
Wie für den Burschen brennet
Das Mädchen lichterloh.

Leicht merkt man, wer den Andern
Fein lieb hat und fein gern:
Sie ist noch in der Ferne,
Und lacht schon von fern.

 

Lauter Wunder.

(Böhmisch.)

Ohnefuß will Krebse fangen,
Steigt auf einen Birnbaum munter.

Ohnehand wirft ihn mit Steinen,
Trifft er ihn, fällt er herunter.

Stummer schnurrt was auf dem Wege,
Tauber horcht im Dorngehege.

Kommt des Wegs ein Todter eben,
Blinder guckt, was sich begeben.

 

Frage und Bescheid.

(Böhmisch.)

Wenn ich im Brautgewande
Einst aus der Kirche zieh',
Du meine goldne Mutter,
So sag' doch: was und wie?

»Laß Dir nicht bangen, Tochter,
Und freu' Dich nicht zu viel;
Dein Mann wird's Dir schon sagen,
Mich laß hier aus dem Spiel!«

 

Der Getäuschte.

(Böhmisch.)

Ich suchte zum Weib 'ne Alte mir aus,
Ich glaubte, sie habe viel Geld zu Haus.
Aber o! – 'nen Hahn nur hatte sie,
Der schreit nun beständig: Kikeriki!

 

Stoßseufzer.

(Mährisch. Melodie 6.)

Gott, bescher' mir, was Dir recht ist,
Gern für Alles preis' ich Dich;
Nur beschütze und bewahre,
Herr, vor einer Alten mich!

Junges Weib, gleichwie ein Eichhorn
Hüpft's umher mit frohem Sinn;
Doch ein altes, ach ein altes,
Wackelt, wie ein Faß, dahin!

 

Besser ist besser.

(Böhmisch.)

Niemals hab' ich noch auf Buchen Eicheln wachsen sehen,
Soll der Bursch sein Mädchen lassen und nach Witwen gehen?
Sieht man doch des Mädchens Wange roth und röther blüh'n,
Ganz verhöckert schleppt die Witwe elend sich dahin.

Niemals hab' ich noch Wachholder grünen seh'n auf Wiesen,
Soll die Maid, statt ihres Burschen, Witwer sich erkiesen?
Sieht man doch des Burschen Wange roth und röther blüh'n,
Ganz verhöckert schleppt der Witwer elend sich dahin.

 

Loos der Verheiratheten.

(Slowakisch.)

Olive Du, Olive,
Ihr gold'nen Blätter ihr!
Ei Bursch, so laß das Freien,
Bist noch zu jung dafür.
Was haben die gewonnen,
Die da vor Dir gefreit?
Sie hängen, wie die Gänse,
Die Flügel nun vor Leid.

 

Schlechtverträgliche Gesellschaft.

(Böhmisch.)

Ei in einem Haus zwei Hähne,
Katz' und Hund dazu,
Hartes Brot, ein stumpfes Messer,
Schlimmes Weib, ein guter Mann:
Sagt, wie das beisammen
Weilen kann!

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