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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 36
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Der Teufel geprellt.

 

1. Die Wetten.

Es war ein armer Schuster, der vor Roth nicht mehr wußte, was zu thun. Das Leben war ihm bereits zuwider. Er hatte viele Kinder und Niemand wollte ihm helfen, er fand weder Auskommen, noch Unterstützung. In seiner Verzweiflung gedachte er sich zu erhängen. Er nahm einen Strick, und ging in den Wald, um sich dort aufzuknüpfen. Es begegnete ihm der Teufel, und fragte ihn: »Was suchst Du da?« Der Schuster entgegnete: »Ich will Bast abschinden, und Deine Kinder binden.« Der Teufel sprach: »Was verlangst Du, damit wir Ruh' vor Dir haben?« Der Schuster erwiederte: »So viel Geld, als Du auf ein Mal tragen kannst.« Der Teufel brachte ihm das Geld, und ging dann in die Hölle zurück. Als er in die Hölle kam, fragten ihn die bösen Geister, was er Neues auf der Welt gesehen. Er erzählte ihnen, es sei ein Schuster im Walde umhergegangen, und habe ihm vertraut, er wolle Bast abschinden und ihre Kinder binden. Ich will Bast abschinden und deine Kinder binden! Die mährischen Walåchen meinen, daß sich der Teufel mit Bastschlingen am besten fangen lasse. Da sagten die bösen Geister zu ihm, er hätte den Schuster bezahlen sollen, damit er sie in Ruhe lasse. Der Teufel versetzte, er habe dem Schuster Geld gebracht, so viel er habe tragen können. Das schien ihnen zu viel, und sie befahlen ihm, hinzugehen und mit dem Schuster zu ringen; wer der Stärkere wäre, dem solle das Geld gehören. Der Teufel kam zu dem Schuster und sprach zu ihm: »Du, ich hab' Dir zu viel Geld gegeben. Wir wollen mit einander ringen, und wer der Stärkere ist, dem soll das Geld gehören!« Der Schuster überlegte, wie er mit ihm fertig werden könnte. Er wußte, daß an einer gewissen Stelle ein Bär zu schlafen und sich's bequem zu machen pflegte; daher sagte er zu dem Teufel: »Ich hab' einen Großvater, der neunundneunzig Jahre zählt. Wirfst Du den Alten zu Boden, bringst Du auch mich zum Falle.« Da ging der Teufel mit dem Schuster, und der Schuster zeigte ihm den Bären und sprach: »Das ist er! Ring' mit ihm!« Der Teufel weckte den Bären, und sagte zu ihm: »Komm, laß uns ringen und sehen, wer den Andern zu Boden wirft!« Der Bär packte den Teufel und schmiß ihn auf die Erde, daß ihm grün und gelb vor den Augen ward. Da rannte der Teufel zur Hölle, und schrie dort: »Ich will nichts mit dem Menschen zu thun haben! Das ist eine Bestie von einem Menschen! Er hat einen Großvater, der neunundneunzig Jahre zählt, und der hat mich so darangekriegt, daß ich bald blind geworden wäre, als er mich auf die Erde schmiß. Wie stark muß erst er selbst sein!«

Die bösen Geister aber meinten, der Schuster habe doch zu viel Geld erhalten, und schickten einen andern Teufel, daß er gehe und mit dem Schuster um die Wette laufe: wer der Schnellere sei, dem solle das Geld gehören. Es kam denn der zweite Teufel zu dem Schuster, und forderte ihn auf, er solle mit ihm um die Wette laufen. Der Schuster antwortete: »Ich hab' ein Söhnlein, das drei Jahre alt ist. Kleckst Du dem im Laufen, kleckst Du mir gleichfalls.« Der Teufel fragte ihn, wie der Junge heiße. Der Schuster entgegnete, er heiße Hans, und führte den Teufel unter einen Baum, wo ein Hase sein Lager hatte. Der Teufel rief: »Hans, steh' auf, wir wollen um die Wette laufen!« Der Hase sprang in die Höhe, und wartete nicht erst, bis ihm der Teufel nachkäme, sondern lief durch Dick und Dünn, über Stock und Stein, bis er in einen tiefen Graben gerieth. Der Hase purzelte und der Teufel purzelte hinter ihm, daß er sich zerschlug am ganzen Leibe. Als der Teufel wieder aufschaute, war der Hase schon oben, und obwohl er ihm nachsetzte, konnte er ihn nicht einholen. Da kehrte der Teufel in die Hölle zurück und schrie dort: »Das ist eine Bestie von einem Menschen! Ich will nichts mehr mit ihm zu thun haben! Er hat ein dreijähriges Söhnlein, und ich hab's nicht einholen können! Nie vermocht' ich ihn erst einzuholen!«

Einer von den Höllengeistern verlachte ihn, und sprach: »Du bist dumm! Jetzt will ich zu dem Schuster gehen, und seine Kraft erproben!«

Es kam der dritte Teufel zu dem Schuster und sagte zu ihm: »Du hast des Geldes zu viel erhalten. Wir wollen ein Pferd im Walde herumtragen. Wer das Pferd dreimal herumträgt, dessen soll das Geld sein!« Der Schuster suchte aus einem Pferdestall das schnellste Pferd heraus, und führte es zum Walde. »Nun, so trag's!« sagte der Teufel. »Trag Du's zuerst!« sagte der Schuster. Der Teufel nahm das Pferd, und trug es dreimal herum; doch ward es ihm zu schwer, er mußte ausruhen. Da sprach der Schuster zu ihm: »Du hast ausgeruht, ich aber werde nicht ausruhen. Du hast das Pferd auf dem Rücken getragen, ich aber werd' es zwischen den Beinen tragen.« Dann schwang er sich auf das Pferd, hieb es tüchtig mit einer Gerte, und ritt auf ihm dreimal im Wald herum. »Nun,« sagte der Schuster zu dem Teufel, »bin ich nicht stärker als Du?« Der Teufel kehrte in die Hölle zurück, und rief dort: »Das ist in der That eine Bestie von einem Menschen! ich will nichts mehr mit ihm zu thun haben! Ich hab' ein Pferd auf dem Rücken getragen; doch kaum daß ich's ertrug. Er hat es zwischen die Beine genommen, es noch dazu mit einer Gerte gehauen, und dreimal trug er's im Wald herum!«

Allein die bösen Geister hatten noch immer keine Ruhe. Sie schickten den vierten Teufel ab, er solle zu dem Schuster gehen, und wer von ihnen stärker pfeifen würde, dem solle das Geld gehören. Der Teufel kam und sagte zu dem Schuster: »Pfeife!« Der Schuster aber wollte nicht zuerst pfeifen, und entgegnete: »Pfeif Du!« Der Teufel pfiff zum ersten Mal, es flogen die Blätter von den Bäumen; er pfiff zum zweiten Mal, es fielen die Zweige nieder; er pfiff zum dritten Mal, es fielen die Aeste zu Boden. Du hast dreimal gepfiffen, und Blätter, Zweige und Aeste fielen herab. Jetzt aber will ich pfeifen, und zwar so, daß die Bäume entwurzelt herumfliegen sollen. Willst Du nicht um Deine Augen kommen, so bind' sie Dir zu!« – »O Freundchen,« bat der Teufel, »bind mir Du sie zu!« Der Schuster band ihm die Augen zu; dann sah er sich nach allen Seiten um, wo er einen tüchtigen Prügel fände. Als er den Prügel' gefunden, nahm er ihn fest in die Hand, holte weit aus, pfiff und hieb den Teufel über den Kopf mit den Worten: »Hab' ich Dir nicht gesagt, daß die Bäume herumfliegen würden?« »O,« schrie der Teufel, »o, o, o! Pfeif' nicht mehr, mein Schädel schmerzt mich fürchterlich!« Doch der Schuster achtete nicht darauf und sagte: »Hast Du dreimal gepfiffen, so muß ich gleichfalls dreimal pfeifen,« und pfiff, und hieb ihn wieder mit dem Prügel über den Kopf, und so dreimal hintereinander. Da verging dem Teufel hören und Sehen, er riß das Tuch von den Augen, schaute nicht erst, ob irgend ein Baum entwurzelt sei oder nicht, und rannte in die Hölle zurück, und weder er, noch einer seiner Cameraden kehrte jemals wieder, um den Schuster zu plagen.

 

2. Käthe und der Teufel.

In einem Dorfe war eine Bäuerin, Namens Käthe, Sie besaß eine Hütte, einen Garten und dazu noch einiges Geld; aber hätte sie ganz in Gold gesteckt, würde sie doch kein Bursche gemocht haben, selbst der ärmste nicht, weil sie schlimm war wie der Teufel, und ein böses Maul hatte. Sie lebte mit einer alten Mutter, und brauchte manchmal Hilfe; aber hätte wen ein Kreuzer retten können, und sie Ducaten gezahlt, wär' ihr dennoch Niemand beigesprungen, weil sie jeder Kleinigkeit wegen gleich zankte und kiff, daß es zehn Meilen weit zu hören war. Zu allem dem war sie garstig, und so blieb sie sitzen, bis sie allmählich Vierzig zählte, Wie's meistentheils in Dörfern zu sein pflegt, daß jeden Sonntag Nachmittags Musik aufspielt, so war's auch hier; wenn sich beim Richter oder in der Schenke der Dudelsack hören ließ, war die Stube gleich von Burschen voll, in der Hausflur und vor dem Hause standen Mädchen, an den Fenstern Kinder. Aber die erste von allen war Käthe. Die Bursche winkten den Mädchen, und die traten dann ins Rad: Käthen war solch Glück ihr Lebtag' nie widerfahren, obwohl sie den Dudelsackpfeifer vielleicht selbst bezahlt hätte, aber trotz dem ließ sie keinen einzigen Sonntag aus. Eines Tages geht sie wieder, und denkt unterwegs bei sich: »Bin schon so alt, und hab' noch nie mit einem Burschen getanzt; ist das nickt zum Aergern? Fürwahr, heut' möcht' ich meinethalben mit dem Teufel tanzen.«

Grimmig kommt sie in die Schenke, setzt sich zum Ofen und schaut, wie die Bursche die Mädchen zum Tanze wählen. Auf einmal tritt ein Herr im Jägergewand in die Stube, setzt sich unweit von Käthen zum Tisch und läßt sich einschenken. Die Aufwärterin bringt Bier, und der Herr nimmts und trägt Käthen zu trinken hin. Käthe wunderte sich ein Weilchen, daß ihr der Herr solche Ehre erweise; ein Weilchen sträubte sie sich, doch endlich trank sie und zwar gern. Der Herr stellt den Krug hin, zieht aus der Tasche einen Ducaten, wirft ihn dem Dudelsackpfeifer zu, und ruft: »Ein Solo!« Die Bursche treten auseinander, und der Herr nimmt sich Käthen zum Tanze.

»Ei, zum Kuckuk. wer ist das doch?« fragen die Alten und stecken die Köpfe zusammen; die Bursche verziehen den Mund, und die Mädchen verkriechen sich, eins hinter dem andern, und nehmen die Schürze vor's Gesicht, daß Käthe nicht sehe, wie sie sie auslachen. Aber Käthe sah Niemanden, sie war froh, daß sie tanzte, und hätte sie die ganze Welt ausgelacht, so würde sie sich nichts daraus gemacht haben. Den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend tanzte der Herr nur mit Käthen, kaufte ihr Pfefferkuchen und Rosoglio, und als die Zeit zum Nachhausegehen kam, begleitete er sie durch's Dorf.

»Könnt' ich doch mit Euch bis zu meinem Ende tanzen, wie heut!« sagte Käthe, als sie sich trennen sollte.

»Das kann sein, komm' mit mir!«

»Wo wohnt Ihr denn?«

»Häng' Dich mir um den Hals, ich will Dir's sagen.«

Käthe that's, allein in dem Augenblicke verwandelte sich der Herr in den Teufel, und flog mit ihr gerad' zur Hölle. Beim Thor hielt er an und pochte, die Cameraden kamen, öffneten, und als sie sahen, daß er ganz in Schweiß sei, wollten sie ihm Erleichterung schaffen und Käthen herunterheben. Die aber hielt fest wie eine Zange, und ließ sich auf keine Weise losreißen: der Teufel mochte wollen oder nicht, er mußte sich mit Käthen um den Hals zu Lucifer verfügen.

»Wen bringst Du da?« fragte dieser.

Und da erzählte der Teufel, wie er auf Erden gewandelt, und von Käthens Wehklage gehört, daß sie keinen Tänzer bekommen könne, und wie er, um sie zu trösten, mit ihr ein Tänzchen versucht, und ihr auf ein Weilchen auch die Hölle habe zeigen wollen. »Ich hab' nicht gewußt,« schloß er, »daß sie mich nicht wird loslassen wollen.«

»Weil Du ein Dummkopf bist, und Dir nicht merkst, was ich sage.« bellte der alte Lucifer ihn an. »Bevor Du mit Jemandem Etwas anfängst, sollst Du seine Gesinnung prüfen. Hättest Du dran gedacht, als Du Käthen begleitetest, würdest Du sie nicht mit Dir genommen haben. Jetzt pack' Dich und sieh, wie Du sie loswirst.«

Voll Verdruß trabte der Teufel mit Frau Käthen auf die Erde zurück. Er versprach ihr goldne Berge, wenn sie ihn freiließe; er verfluchte sie, Alles umsonst. Abgemüdet, in Wuth gebracht, kam er mit seiner Last auf einer Wiese an, wo ein junger Schäfer in einem ungeheuren Pelz die Schafe hütete. Der Teufel verwandelte sich in einen gewöhnlichen Menschen, und drum erkannte ihn der Schäfer nicht. »Freund, wen tragt Ihr denn da?« fragte ihn gutmüthig der Schäfer.

»Ach, Freund, ich athme kaum. Stellt Euch vor, ich gehe ganz ruhig meines Wegs, ohne an Etwas zu denken, da hockt sich das Weib mir auf den Hals, und will mich um keinen Preis loslassen. Ich hab' sie bis in's nächste Dorf tragen wollen, um mich dort frei zu machen; aber ich bin's nicht im Stande, die Knie schlottern mir.«

»Nu, wartet, ich will Euch helfen, aber nicht auf lang', weil ich wieder weiden muß; die Hälfte Wegs etwa will ich sie tragen.«

»Ei, da werd' ich froh sein.«

»Hörst Du, häng Dich um mich!« schrie der Schäfer Käthen zu.

Kaum hört' es Käthe, ließ sie den Teufel, und hing sich um den bepelzten Schäfer. Der hatte nun was zu tragen, Käthen und den ungeheuer großen Pelz, den er des Morgens vom Schaffer geliehen. Auch bekam er's bald genug, und sann, wie er sich Käthens entledigen könnte. Er kommt zu einem Teich, und da fällt ihm ein, ob er sie nicht hinein werfen könnte. Aber wie? Könnt' er den Pelz nicht mit ihr ausziehen? Er war ihm ziemlich weit, und so versuchte er allmählich, ob's ginge. Und sieh, er zieht eine Hand heraus. Käthe merkt nichts; er zieht die andere heraus, Käthe merkt noch nichts; er macht die erste Schnur vom Knopfloch los, dann die zweite, dann die dritte, und plumps! liegt Käthe im Teiche sammt dem Pelz. Der Teufel war dem Schäfer nicht nachgegangen, er saß auf der Erde, hütete die Schafe, und guckte, wie bald der Schäfer mit Käthen kommen würde. Er durfte nicht lange warten. Den nassen Pelz auf der Schulter, eilte der Schäfer zur Wiese, da er dachte, der Fremde werde vielleicht schon beim Dorfe sein, und die Schafe würden allein werden. Als sie sich erblickten, sah Einer den Andern an; der Teufel, daß der Schäfer ohne Käthen komme, und der Schäfer, daß der Herr noch immer da sitze. Nachdem sie sich verständigt, sprach der Teufel zum Schäfer: »Hab' Dank, Du hast mir einen großen Dienst erwiesen, denn ich hätte mich vielleicht mit Käthen bis zum jüngsten Tage schleppen müssen. Nie will ich Dir's vergessen, und Dir's einst reichlich lohnen. Damit Du aber wissest, wem Du aus der Klemme geholfen, so sag' ich Dir, daß ich der Teufel bin.« Er sprach's und verschwand. Der Schäfer blieb eine Weile wie vom Schlag gerührt stehen, dann sagt' er zu sich selbst: »Sind alle so dumm als der, so ist's gut!«

Das Land, wo unser Schäfer sich aufhielt, beherrschte ein junger Fürst. Reichthum besaß er in Fülle; da er Herr über Alles war, genoß er Alles im vollen Maß. Tag für Tag vergnügte er sich nach Herzenslust auf jede mögliche Art, und wenn die Nacht kam, schallte aus den fürstlichen Gemächern der Gesang ausgelassener Zechbrüder. Das Land verwalteten zwei Stellvertreter, die um kein Haar besser waren als ihr Herr. Was nicht der Fürst verthat, behielten die Zwei, und so ergings den armen Unterthanen übel. Einst als der Fürst nicht mehr wußte, was er aussinnen solle, rief er seinen Sterngucker, und befahl ihm, er solle ihm und seinen zwei Stellvertretern die Zukunft vorhersagen. Der Sterngucker gehorchte und forschte in den Sternen, welch ein Ende die Drei nehmen würden.

»Verzeih' o Fürst,« sprach er, als er fertig geworden, »Deinem und Deiner Stellvertreter Leben droht solche Gefahr, daß ich mir's nicht zu sagen getraue.«

»Sag's nur heraus, sei's, was es sei! Du aber bleibst, und erfüllt sich Dein Wort nicht, so kostet es Dich den Kopf.«

»Gern unterwerf ich mich Deinem Befehl. So hör' denn: Bevor der Mond voll wird, kommt zu beiden Stellvertretern der Teufel, und im Vollmond holt er auch Dich, o Fürst, und trägt Euch alle Drei lebendig in die Hölle.«

»Ins Gefängniß mit dem lügnerischen Wicht!« gebot der Fürst, und die Diener thaten nach seinem Befehl. Im Herzen jedoch war dem Fürsten nicht so zu Muth, wie ei sich stellte; die Worte des Sternguckers hatten Eindruck auf ihn gemacht. Zum ersten Mal rührte sich das Gewissen in ihm. Die zwei Stellvertreter fuhr man halbtodt nach Hause: Keiner von ihnen nahm einen Bissen in den Mund, endlich rafften sie all ihre Habe zusammen, setzten sich auf, machten sich auf ihre Schlösser davon, und ließen diese von allen Seiten verrammeln, daß ihnen der Teufel nicht beikommen könnte. Der Fürst kehrte auf den rechten Pfad zurück, lebte still und eingezogen, und begann das Land selbst zu verwalten, in der Hoffnung, sein Schicksal vielleicht doch von sich abzuwenden.

Von diesen Dingen hatte der Schäfer keine Ahnung; er weidete täglich seine Heerde und kümmerte sich nicht um Das, was in der Welt vorging. Da stand eines Tags plötzlich der Teufel vor ihm und sprach: »Ich bin gekommen, Schäfer, um Dir den Dienst zu vergelten, den Du mir erwiesen. Ich soll die gewesenen Stellvertreter Eures Fürsten in die Hölle schaffen, weil sie ihm schlimm gerathen und die Armen bestohlen haben. Bis der und der Tag erscheint, geh' in das erste Schloß, wo viel Volk versammelt sein wird. Sobald im Schlosse Geschrei entsteht, die Diener die Thore öffnen, und ich den Herrn fortschleppe, tritt zu mir und sag': »Entweiche, sonst wird's Dir schlimm ergeh'n!« Ich will Dir gehorchen und wandern. Du aber laß Dir von dem Herrn zwei Säcke Goldes geben, und will er nicht, so droh' ihm, daß Du mich rufen werdest. Hierauf geh' in das zweite Schloß, und thu' wieder so, und begeh' die gleiche Zahlung. Mit dem Gelde aber wirthschafte, und verwend' es nur zum Guten. Bis Vollmond ist, muß ich den Fürsten selbst holen; doch Den befreien zu wollen, rath' ich Dir nicht, sonst müßtest Du mit Deiner eignen Haut büßen.« So sprach er und entfernte sich.

Der Schäfer merkte sich jedes Wort. Als das Viertel um war, kündigte er seinen Dienst, und ging zu dem Schlosse, wo der eine der zwei Stellvertreter wohnte. Er kam gerade recht. Haufen von Leuten standen da und schauten, bis der Teufel den Herrn fortschleppen würde. Da erhebt sich im Schloß ein verzweifeltes Geschrei, die Thore öffnen sich, und der Teufel schleppt den Herrn, der schon todtenbleich, und eine halbe Leiche ist. Der Schäfer tritt hervor, faßt den Herrn bei der Hand und stößt den Teufel mit den Worten weg: »Pack' Dich, sonst wird's Dir schlimm ergeh'n!« Und auf der Stelle verschwindet der Teufel, und der hocherfreute Herr küßt dem Schäfer beide Hände, und fragt ihn, was er zum Lohne begehre. Als der Schäfer sagte: Zwei Säcke Goldes! befahl der Herr, sie ihm sogleich zu geben.

Zufrieden ging der Schäfer zu dem zweiten Schlosse, und war dort so glücklich als im ersten. Es ist begreiflich, daß der Fürst von dem Schäfer bald erfuhr; denn er fragte in Einem fort, wie's mit den Stellvertretern stehe. Als er Alles vernommen, schickte er nach dem Schäfer einen Wagen mit Pferden, und als er gefahren kam, bat er ihn dringend, er möchte sich auch über ihn erbarmen, und ihn aus des Teufels Klauen retten.

»Mein Herr und Gebieter,« antwortete der Schäfer, »Euch kann ich's nicht versprechen, es geht um meine eigne Haut. Ihr seid ein großer Sünder; aber wenn Ihr Euch bessern wolltet, rechtschaffen, mild und weise regieren, wie's einem Fürsten geziemt, so versucht' ich's und sollt' ich statt Euer in die Hölle müssen.«

Der Fürst versprach ernstliche Besserung, und der Schäfer ging mit der Zusage, sich am bestimmten Tage einzufinden.

Mit Furcht und Angst erwartete Alles den Vollmond. Wie's die Leute dem Fürsten Anfangs gegönnt hatten, so bemitleideten sie ihn jetzt; denn von dem Augenblicke an, wo er anders ward, konnten sie sich keinen bessern Fürsten wünschen. Die Tage verstreichen, ob sie der Mensch in Freuden oder in Leiden zählt! Eh' der Fürst sich dessen versah, war der Tag vor der Thüre, wo er sich von Allem trennen sollte, was ihm lieb war. Schwarz angekleidet, wie zum Grabesgange, saß der Fürst, und erwartete den Schäfer oder den Teufel. Auf einmal öffnet sich die Pforte, und der Teufel steht vor ihm.

»Mach' Dich bereit, die Stunde ist abgelaufen, ich komm' um Dich!«

Ohne ein Wort zu sprechen, erhob sich der Fürst, und schritt hinter dem Teufel auf den Hof, wo es von Leuten wimmelte. Da drängt sich der Schäfer ganz erhitzt durch die Haufen, und gerad' auf den Teufel zu und schreit: »Lauf schnell, lauf schnell, sonst wird's Dir schlimm ergeh'n!«

»Wie kannst Du Dich erdreisten, mich aufzuhalten? Weißt Du nicht, was ich Dir gesagt?« raunte der Teufel dem Schäfer zu.

»Du Narr, mir handelt sich's nicht um den Fürsten, sondern um Dich! Käthe lebt, und fragt nach Dir.«

Sobald der Teufel von Käthen hörte, war er gleich fort, wie weggeblasen, und ließ den Fürsten in Ruh'. Der Schäfer lachte ihn im Stillen aus und war froh, daß er den Fürsten durch diese List befreit hatte. Dafür machte ihn der Fürst zu seinem ersten Hofcavalier und liebte ihn, wie seinen eignen Bruder. Und er that wohl daran; denn der Schäfer war sein treuer Rathgeber und redlicher Diener. Von den vier Säcken Goldes behielt er keinen Pfennig für sich; er half damit jenen, von denen es die Stellvertreter erpreßt hatten.

 

3. Wie der Schuster in den Himmel kam.

Es war ein sehr armer Schuster, der von seinem Handwerk nicht leben und seine Kinder nicht ernähren konnte. Er verschrieb sich sammt Weib und Kindern dem Teufel. Nachdem dies geschehen, fragte ihn der Teufel: »Was willst Du dafür?« Der Schuster sagte: »So viel Geld, daß ich leben und meine Kinder großziehen kann.« Der Teufel brachte ihm täglich fünf Gulden in Silber. Dies war zu der Zeit, wo der liebe Gott mit dem heiligen Petrus auf Erden wandelte. Sie kamen einst spät Abends auch zu dem Schuster. Der Schuster wußte nicht, wer sie seien; er sah nur, daß sie ordentliche Leute wären. Sie baten um ein Nachtlager. Der Schuster nahm sie bereitwillig auf; sein Weib bewirthete sie so gut als möglich, machte ihnen das Lager und gab ihnen ein Nachtessen, früh ein Frühstück. Der Sohn Gottes fragte beim Abschied den Schuster: »Was bekommst Du dafür?« Der Schuster antwortete: »Ei nichts!« Der Sohn Gottes sagte: »Vielleicht doch Etwas?« Der Schuster entgegnete: »Nu, wenn es durchaus sein muß, so bitt' ich um drei Dinge: Wer sich auf meinen Dreifuß setzt, auf dem ich zu schustern pflege, der soll von ihm nicht aufstehen können; wer von außen nach mir durch's Fenster guckt, der soll von dem Fenster nicht fortgehen können; und wer von meinem Pflaumenbaum im Garten Pflaumen schüttelt, der soll an der Stelle haften bleiben.« Der Sohn Gottes sprach: »So sei's!« und ging mit dem heiligen Petrus weiter. Als die Zeit um war, kam der Teufel zu dem Schuster in die Stube, und mahnte ihn: »Schuster, die Zeit ist um!« Der Schuster sagte: »Wart' ein Bischen, setz' Dich hier auf meinen Dreifuß, und ruh' aus, bis ich genachtmahlt habe!« Der Teufel setzte sich auf den Dreifuß. Als der Schuster fertig war, rief er: »Nun, Teufel, komm!« Der Teufel wollte von dem Dreifuß aufstehen, allein er konnte nicht, und schrie, daß sein Gesäß ihm brenne, und bat den Schuster: »Ich bitte Dich, Freundchen, laß mich los! Ich will die Frist Dir gern verlängern.« Er mußte dem Schuster sieben Jahre zugeben.

Als die sieben Jahre um waren, kam der Teufel wieder, ging aber nicht mehr in die Stube, sondern guckte durchs Fenster. Er klopfte an's Fenster und mahnte: »Schuster komm, die Zeit ist um!« Der Schuster entgegnete: »Mein Weib kocht eben das Nachtessen. Wart' ein wenig, bis ich gegessen habe!« Als er fertig war, rief er: »Nun Teufel, komm! Wir sind Alle bereit!« Der Teufel wollte gehen, allein wie sehr er sich auch anstrengte, er konnte von dem Fenster nicht fort, und bat wieder: »Freundchen, laß mich los! Ich will die Frist Dir nochmals gern verlängern!« Da sagte der Schuster: »Wenn Du mir neue sieben Jahre zugiebst, gut! Kommst Du aber zum dritten Mal, so bitte nicht mehr! Ich Hab' keine Lust, Dein Narr zu sein.« Der Teufel gab ihm abermals sieben Jahre zu, und ging.

Als die neuen sieben Jahre um waren, kam der Teufel um den Schuster, und ging wieder in die Stube. Der Schuster sagte: »Gut, daß Du kommst! Bin gleich fertig. Geh' indeß in meinen Garten, und schüttle dort den Pflaumenbaum. Mein Weib wird von den Pflaumen in ihr Bündel nehmen. Die wollen wir unterwegs essen, und auch Dir werden sie behagen.« Der Teufel ging in den Garten, und schüttelte vor Lüsternheit nach dem Obste den Pflaumenbaum, bis alle Zweige herabfielen, und nur noch der nackte Stamm blieb. Des Schusters Weib klaubte die Pflaumen auf. Jetzt kam der Schuster herbei und rief: »Nun Teufel, bist Du bereit? Doch was seh' ich! Ich sagte Dir, Du sollest blos die Pflaumen abschütteln, und du scheinst den ganzen Baum mit Dir nehmen zu wollen. Laß und komm!« Allein der Teufel konnte nicht von der Stelle, wie sehr er auch riß und zerrte, und begann wieder zu bitten und zu stehen: »Schuster, Freundchen, hilf mir, laß mich los!« Da sprach der Schuster: »Sagt' ich Dir nicht, wenn Du zum dritten Male kämst, solltest Du nicht bitten? Immer will ich geh'n, und immer machst Du Umstände. Wart', Du sollst mich nicht mehr zum Narren haben!« Und er ging in die Stube, seinen Knieriemen zu holen, und fing an den Teufel zu gerben, daß es Schläge regnete. Der Teufel schrie und brüllte, daß die Leute auf der Gasse zusammenliefen, um zu sehen, wer bei dem Schuster solchen Lärm schlage, und sie sahen, daß der Schuster den Teufel bearbeite. Als er ihn gehörig durchgebläut, sagte er: »Lauf zu!« und ließ ihn frei. Der Teufel lief in die Hölle, und kam nie mehr zurück.

Allein dem Schuster war doch bange, er werde nicht in den Himmel kommen, da er sich einmal dem Teufel verschrieben hatte. Als er starb, befahl er, man solle ihm sein Schurzfell in den Sarg mitgeben. Nach dem Tode ging er zum Himmel, und klopfte an das Himmelsthor. Der heilige Petrus öffnete, sah ihn an und sprach: »Schuster, hier ist nicht Dein Platz! Geh' von hinnen! Was Du Dir gewählt, daß soll Dir werden. Hättest Du Dir das Reich Gottes gewählt, war' es Dir zu Theil geworden.« Hiermit schloß er das Himmelsthor. Der Schuster dachte bei sich: »Was soll ich Aermster anfangen? Will doch seh'n, wie's in der Hölle ist.« Er ging zur Hölle. Sobald ihn aber die Teufel von weitem erblickten, schrieen sie fürchterlich: »Schließt das Thor, laßt den Schuster nicht herein, er wird uns sonst noch aus der Hölle jagen!« Und der Schuster mochte an das Höllenthor pochen wie er wollte, sie ließen ihn nicht ein. Da ging er wieder zum Himmel. Der heilige Petrus öffnete, sah ihn an, und sprach: »Hier ist nicht Dein Platz! Du kommst vergebens!« Doch der Schuster schlüpfte ihm unter der Hand durch, breitete sein Schurzfell aus, und setzte sich darauf. Der heilige Petrus wollte ihn forttreiben; allein der Schuster saß fest und sagte zu ihm: »Ich sitze hier nicht auf dem Eurigen, sondern auf dem Meinen.« Der heilige Petrus trat vor den Herrn Christ, und klagte: »Herr, der Schuster will nicht fort, und hier ist seine Stätte nicht!« Da erbarmte sich der Sohn Gottes und gebot: »So laß ihn! Mag er dort beim Thore sitzen.«

 

4. Die Teufelsfelsen.

Reist man von Klobouk nach Wsetin, so kommt man in das Dorf Lideèko, das in einem angenehmen Thale liegt. Zu beiden Seiten steigen hohe Hügel empor, und neben dem Thalweg eilt murmelnd ein Bach nach Wsetin. Hinter Lideèko erblickt man links auf der Anhöhe große Steine, die in einer Reihe aufgehäuft, und von denen viele zwei Klafter hoch sind. Diese Steine ziehen sich in gleicher Richtung mit dem Wege dahin; ähnliche finden sich auf der andern Seite, aus der Anhöhe rechts, gleichfalls in einer Reihe, obwohl Zahl und Größe der Steine hier geringer ist. Es fällt Jedem auf, daß es in der ganzen Umgegend, wenigstens so weit das Auge reicht, keine solche Steine giebt. Sind auch die Hügel hoch und mit Bäumen bewachsen, eigentliche Felsen sieht man nirgend. Weiter jedoch giebt es deren, und zwar Felsen, die verdienen, daß man sie betrachtet. Geht man nämlich über die Brücke, die über den Thalbach gebaut ist, so führt ein Weg rechts nach waldigen Bergen zu Hirtenhütten. Auf diesem Wege kommt man an eine Stelle im Wald, wo die merkwürdigen Felsen stehen. Mitten aus dem Wald erheben sie sich, wildschön, so sonderbar gestaltet, daß es scheint, als wüchsen aus den Felsen Menschenköpfe hervor, manchmal so nah' an einander, daß das Kinn des einen Kopfes die Stirn und Nase des andern bildet. Auch unter den Felsen links vom Wege ist gleich Anfangs einer mit einem Menschenkopf, aus dem ein Paar Hörner in die Höhe ragen. Woher die Felsen rühren, das will ich Euch erzählen.

Einst war im Wirthshause zu Lideèko Musik. Damals musicirten sie noch mit Sackpfeife und Hackbret, und fehlte auch gebranntes Wasser, so waren die Leute doch fröhlich. Als es auf Zwölf ging, trat ein unbekannter Gast in die Stube, und nachdem er den schwarzen Mantel abgelegt, in den er gehüllt gewesen, sah er eine Weile in der Stube umher. Seine schwarzen Brauen über zwei funkelnden Augen und sein schwarzer Schnurbart verliehen ihm ein stattliches Aussehen; die grüne Jacke und der Spitzhut mit der Feder ließen vermuthen, daß er ein Waidmann sei. Nebst andern Mädchen war auch Käthchen

Lideèko da, eine vaterlose Waise, die blos eine alte Mutter hatte. Da sie ein hübsches kleines Haus, Acker und Wiese besaß, dabei fromm, eingezogen lebte und hübsch war, so hätte sie mancher Bursche gern geheirathet. Auf Käthchen richtete jetzt der Unbekannte seine Blicke. Er machte sich an sie, schwatzte ihr beim Tanze wer weiß was alles vor, und da er sich stattlich ausnahm, vergaffte sie sich in ihn. Er versprach ihr auch, sie bald zu besuchen; doch sagte er, sein Geschäft, das eines Jägers, erlaubte ihm nur, um Mitternacht oder dann und wann um Mittag zu kommen. Dann nahm er seinen Mantel, warf den Musikanten einige Zwanziger hin, und entfernte sich kurz nach Mitternacht.

Der Unbekannte besuchte Käthchen wirklich. Er nannte sich Ladimil. Allein seine späten Besuche gefielen Käthchens Mutter nicht, die ihnen immer beiwohnte. Sie schöpfte Verdacht, weil sein Auge so unruhig umherrollte, weil er sich weder beim Kommen noch Gehen mit Weihwasser besprengte, und wenn sie mit Käthchen zum Abschied ihm Gottes Segen wünschte, immer wild davon schoß. Es war einst wieder nach eilf in der Nacht, als Ladimil erschien, und die Mutter um Käthchens Hand bat. Gegen eine halbe Stunde weigerte sich die Alte unter verschiedenen Ausflüchten; endlich, da er nicht aufhörte zu bitten, sprach sie zu ihm: »Nun gut, ich will Euch meine Tochter geben, aber blos unter einer Bedingung. Erfüllt Ihr die nicht, und nicht in der Frist, die ich Euch bestimme, wird aus der Hochzeit nichts.« Da erhob sich der Bräutigam vom Stuhle, als wollt' er sagen: »Hier bin ich, rede! Ich erfülle, was Du begehrst.« Die Alte sprach also in der Absicht, die Hochzeit zu vereiteln: »Wenn Ihr noch heut' Nacht eint Brücke über unser Thal wölbt von einer Anhöhe zur andern, bekommt Ihr meine Tochter; wenn nicht, bekommt Ihr meine Tochter niemals!« »Es gilt die Wette!« versetzte der Bräutigam mit wildem Lachen, und eilte zur Thüre hinaus. Als er draußen war, stampfte er auf die Erde, daß das ganze Thal erzitterte und sieh! auf sein Stampfen erschien eine ungeheure Menge verkappter Gesellen, und alle stellten sich im Kreise um ihn her. Er befahl ihnen, sie sollten sich hurtig rings zerstreuen, und sämmtliche Hähne in der Umgegend erwürgen, und wenn sie dies gethan hätten, ihm zu Hilfe eilen und aus der nächsten Nahe Steine zum Bau einer Brücke zutragen. Sie flogen auseinander und erwürgten alle Hähne. Dies hatte der Höllenbräutigam – denn es war der Teufel selbst – zu dem Zwecke befohlen, damit kein Hahn krähe, bevor die Brücke nicht fertig wäre; denn die Hähne haben, wie bekannt, große Macht über den Teufel, und machen allen Streichen ein Ende, die er um Mitternacht auszuführen pflegt. Als die Hähne erwürgt waren, eilten die höllischen Gesellen ihrem Bruder zu Hilfe. Weil sich aber keine Steine in der Nähe befanden, mußten sie erst zu jener Stelle im Walde; dort brachen sie Steine von riesiger Größe, und trugen sie pfeilgeschwind ihrem Cameraden zu, der mit unglaublicher Schnelligkeit Stein zu Stein fügte, auf den Hügeln zu beiden Seiten des Thals den Grund legte, und schon die Bogen zu wölben begann. Allein in Lideèko lebte damals ein uraltes Mütterchen, das auch einen Hahn besaß. Weil es jedoch wußte, daß der schwarze Versucher gegen die Hähne gewaltig ergrimmt sei, seitdem ihm die Versuchung am heiligen Petrus mißlungen, fürchtete es sich, der Hahn könnte in des Teufels Krallen gerathen, und es selbst könnte dessen Macht unterliegen; darum steckte es den Hahn immer unter einen Trog, an dem bewußten geheimen Ort, wo ihn kein Teufel suchen mochte. So geschah's, daß jener Hahn einzig und allein am Leben blieb, als die höllische Rotte auszog, um sämmtliche Hähne in der Umgegend zu erwürgen. Inzwischen rückte die zwölfte Stunde heran. Der Teufel hatte schon viele Bogen fertig, und sicher hätte er bis Eins die ganze Brücke zu Stande gebracht, und sich des armen, unschuldigen Käthchens bemeistert; doch da krähte auf einmal jener Hahn unter dem Trog an dem bewußten geheimen Ort, und sieh! augenblicklich stürzten die ungeheuren Felsen krachend nieder. Die Bogen, die sich bereits hoch in der Luft über das Thal wölbten, die Pfeiler, Alles, Alles brach donnernd zusammen.

Daher rühren die Felsen im Walde, die Steine auf den Höhen bei Lideèko – das sind die Ueberbleibsel jenes Brückenbaues! Der Teufel, der sich damals um Käthchen bewarb, ward Stein, zur Mahnung für alle Verführer, und sein Kopf mit Hörnern ist noch heutigen Tags zu schauen. Von seinen Gehilfen entkamen nur jene, die eben in der Luft schwebten; die übrigen, die in dem Walde Steine brachen, wurden gleichfalls Stein, und ihre Köpfe sind dort noch immer zu gewahren.

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