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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 19
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
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Der gute Rath!

Es war ein Vater, der zwei Töchter hatte. Als er beide verheirathete, sagte er zu seinem Weibe: »Mutter, geben wir den Töchtern, was unser ist!« Sein Weib erwiederte: »Alter, thu' das nicht! Thu's nicht früher, als bis wir einmal sterben!« – »Pah,« versetzte er drauf, »geben wir's ihnen!« – Sie gaben den Töchtern Alles. Die Töchter hielten sie etwa zwei Monate lang in Ehren; dann ehrten sie die Eltern immer weniger und weniger, bis sie Vater und Mutter gar nicht mehr besuchten. Das nagte dem Vater am Herzen. Einst machte er einen Spaziergang durch's Feld, und begegnete seinem alten Freunde. Der sprach zu ihm: »Bruder, was gehst Du so betrübt? Du warst ja sonst immer so frohen Muthes.« Er zuckte mit den Achseln, und sagte: »Ich habe nicht gut gethan. Alle haben mich verlassen!« – »Sorg' nicht!« entgegnete sein Freund. »Da hast Du Geld, richt' ein Essen her, und lad' Deine Töchter und Schwiegersöhne, mich gleichfalls dazu ein!« Sie trennten sich und er richtete ein Essen her, und lud seine Töchter und Schwiegersöhne sammt dem Freunde ein. Beim Mahle sagte sein Freund zu ihm: »Bruder, da hast Du diese Truhe mit Geld! Ich bedarf ihrer nicht, und Du hast nichts. Sie kann Dir gute Dienste leisten, eh' Du stirbst.« Er nahm die Truhe und verwahrte sie in seiner Kammer. Beide alte Freunde hatten sich schon verabredet, und wußten, was in der Truhe sei. Da wisperte gleich beim Mahle die eine Tochter ihrem Manne zu: »Ei der Vater hat noch so viel Geld, die ganze Truhe voll! Das ist zu beachten. Wir müssen sehen, daß wir's nach seinem Tod bekommen, daß er's uns vermache!« Und die andere Tochter sprach leise zu ihrem Manne: »Lieber Mann, wir haben volle Ursache, unsren Vater in Ehren zu halten!« – Das Mahl war zu Ende, sie schieden von einander. Von diesem Tage an erging's dem Vater vortrefflich bis zu seinem Tode. Er starb, ohne ein Testament zu machen. Da suchten sie hastig die Truhe, zogen sie hervor, rissen sie auf, und fanden – zerbrochene Töpfe, zerschlagene Gläser, lauter Scherben. Denen ist doch wahrlich recht geschehen!

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