Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Josef Wenzig >

Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/wenzig/maerchen/maerchen.xml
typefairy
authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
firstpub1857
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110627
projectidd72e1677
Schließen

Navigation:

Warum die Hunde die Katzen anknurren

 

und warum die Katzen den Mäusen feind sind

Von dem Menschen, dem Herrn aller Erdengeschöpfe, bekamen die Hunde das Privilegium, ihn auf seinen Wegen zu begleiten, sein Haus und Eigenthum zu bewachen, und ihm bei seinen verschiedenen Geschäften behülflich zu sein. Durch solchen Vorzug wurden die Hunde nicht wenig stolz, die Katzen aber beneideten sie. Daher hielten die Katzen einen Landtag und beschlossen, den Hunden ihr Privilegium zu nehmen. So geschah's. Die Katzen stahlen bei der ersten Gelegenheit das besagte, auf Pergament geschriebene Hundeprivilegium und schleppten es in eine Kammer unter altes Rumpelwerk. Dort fand es eine Maus, als sie Nahrung suchte, lief sogleich voll Freude zu ihren Schwestern, und zeigte ihnen an, welch rare Sache sie gefunden. Die Mäuse hielten Rath, was sie thun sollten, damit das kostbare Privilegium in ihrer Gewalt bliebe. Lange konnten sie nicht recht einig werden, bis sich die älteste von ihnen erhob und sprach: »Schwestern, mich bedünkt, es wird das Beste sein, wenn wir das Privilegium aufessen. So bemächtigen wir uns seiner vollkommen, und brauchen nicht zu fürchten, daß es uns jemand wieder entreiße!« Der Vorschlag gefiel allen; sie begaben sich ohne Verzug zu dem Festschmaus, und aßen das Privilegium auf, daß nicht das kleinste Stückchen übrig blieb. Nach einiger Zeit hatten die Hunde eine Versammlung, und befahlen ihrem Archivar, das Privilegium zu holen, damit die erlauchte Versammlung Einsicht nehmen könnte. Der Archivar mußte wider Willen mit der Sprache heraus, die Katzen hätten es gestohlen; denn das hatte er indeß schon in Erfahrung gebracht. Die Hunde fuhren sogleich auf die Katzen los, sie möchten ihnen, wenn sie wollten, im Guten das Privilegium herausgeben. Die Katzen leugneten zuerst; als sie jedoch von den Hunden sehr gedrängt wurden, beschlossen sie, es ihnen auszuliefern. Nun fuhren die Katzen wieder auf die Mäuse los, indem sie sagten, in die Kammer zu dem alten Rumpelwerk, wo sie das Privilegium aufbewahrt hätten, habe Niemanden der Zutritt freigestanden als den Mäusen; sie sollten also Rede stehen. Die Mäuse aber konnten das Privilegium nicht herausgeben, weil sie es nach dem Rathe ihrer ältesten Schwester aufgegessen hatten. Und von dieser Zeit wurden die Katzen von den Hunden entsetzlich gehaßt und furchtbar verfolgt. Die Katzen jedoch schworen des Hasses und der Verfolgung wegen, die sie von den Hunden zu erleiden hatten, unaufhörlichen Krieg gegen die Mäuse zu führen. Darum knurren die Hunde die Katzen an, und darum sind die Katzen den Mäusen feind.

 << Kapitel 11  Kapitel 13 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.