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Gutenberg > George Gordon Noël Byron >

Werner oder Das Erbe

George Gordon Noël Byron: Werner oder Das Erbe - Kapitel 4
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typedrama
authorGeorge Byron
titleWerner oder Das Erbe
publisherVerlag von Phillip Reclam jun.
seriesLord Byrons sämtliche Werke
volumeDritter Band
translatorAdolf Seubert
correctorreuters@abc.de
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Erster Act

Erster Auftritt.

Saal eines verfallenen Schlosses in der Nähe einer kleinen Stadt an der Nordgrenze Schlesiens.

Stürmische Nacht.

Werner und dessen Frau Josephine.

Josephine. Sei ruhiger, mein Herz!

Werner. Ich bin ja ruhig!

Josephine. Ja, gegen mich; doch nicht so gegen dich,
Dein Schritt ist fieberhaft, und Niemand geht
In solchem Zimmer so gewalt'gen Schritts,
Wenn Ruh' in seiner Brust. Wär' es im Garten,
Ich hielte dich für glücklich wie die Biene,
Die munter dort von Blum' zu Blume eilt.
Doch hier!

Werner. 'S ist kalt! und die Tapeten lassen
Den Wind hindurch; mein Blut ist wie gefroren.

Josephine. Ach nein!

Werner. (lächelnd). Nun, wolltest du, es wäre so?

Josephine. Ich wollt', es flösse recht gesund.

Werner. O laß
Es fließen, bis es ausfließt oder stockt –
Wie bald, ist ja schon längst mir gleich!

Josephine. Und bin
Ich deinem Herzen nichts?

Werner. Du? Alles – Alles!

Josephine. Kannst du dann wünschen, was mein's brechen müßte?

Werner. (nähert sich ihr langsam).
Wenn du nicht warst, so ward ich – gleichviel was,
Doch viel in guten Dingen und in bösen.
Du weißt wol, was ich bin, doch nicht, was ich
Hätt' werden können – dennoch lieb' ich dich,
Und nichts soll je uns von einander reißen. –
(Werner geht unruhig auf und ab und bleibt dann vor Josephine stehen.)
Der Sturm der heut'gen Nacht reizt meine Nerven,
Ich bin erregbar, war erst kürzlich krank.
Du weißt es ja, mein Herz! denn du hast mehr
Als ich, bei dem du stets gewacht, gelitten.

Josephine. Es ist schon viel, daß ich gesund dich sehe.
Wenn ich dich glücklich säh' –

Werner. Wen sahst du so?
Laß mich nur elend wie die Andern sein.

Josephine. Doch denk' der Vielen nur, die bei dem Sturm,
Im scharfen Wind, im schweren Regen zittern,
Deß Tropfen sie zur Erde niederbeugen,
Die keine Wohnung für sie hat als nur
In ihrem Schooß.

Werner. Das ist die schlechtste nicht.
Was macht die Wohnung? Ruhe ist doch Alles.
Die Elenden, die du genannt – jawol,
Der Wind umheult sie, und der kalte Regen
Durchwühlt das Mark, das durch die Knochen schleicht.
Ich war Soldat, war Wandersmann und Jäger
Und bin ein Bettler nun; ich sollte wol
Die Dinge kennen, die du angeführt.

Josephine. Und bist du nicht vor all dem jetzt behütet?

Werner. Ja, doch vor diesem nur.

Josephine. Das ist schon was.

Werner. Für einen Bauern – ja!

Josephine. Und sollte denn,
Wer edleren Geblüts, für ein Asyl
Nicht dankbar sein, das die Verweichlichung
Von Jugend auf ihm nöth'ger macht als dem
Gemeinen Mann, wenn ihn des Glückes Ebbe
An dieses Lebens Klippen wirft?

Werner. Das ist
Es nicht, du weißt es wohl! Wir trugen das,
Ich sag' nicht, mit Geduld – das thatst nur du –
Jedoch wir trugen es.

Josephine. Nun denn?

Werner. Es war
Noch Etwas neben dieser äußern Pein,
– Obschon auch diese hart an uns genagt –
Was mich oft stach und mehr als je mich sticht.
Wenn jene widerwärt'ge Krankheit nicht
An dieser öden Grenze hin mich warf
Und nicht nur meine Kraft mir nahm, nein! auch
Die Mittel all', so daß wir – ach! es ist
Zu viel! – denn ohne das wär' glücklich ich
Geworden, du warst glücklich, und mein Rang,
Mein Namen mir, des Vaters Namen mir
Zurückgestellt, und mehr als das –

Josephine. (unterbricht ihn). Nein Sohn,
Dein Sohn, ja unser Ulrich, läge wieder
In diesen Armen, die ihn lang' entbehrt,
Und einer Mutter Sehnsucht wär' gestillt!
Zwölf Jahr'! er war erst acht, und schön war er,
Schön muß er jetzt erst sein, mein Ulrich, mein
Geliebtes Kind!

Werner. Das Schicksal hat oft Jagd
Auf mich gemacht. Jetzt hat es meinen Geist
Da eingeholt, wo er nicht trotzen kann,
Krank, arm, allein –

Josephine. Allein, mein theurer Gatte?

Werner. Nein! schlimmer! Alles was ich liebe, mit
In dieses schlimm're Ding als Einsamkeit
Verwickelnd, – denn allem wär' ich gestorben
Und Alles deckte namenloses Grab.

Josephine. Ich hätte dich nicht überlebt! Doch bitte,
Fass' Muth! Wir haben lang gekämpft und wer
So mit dem Schicksal kämpft, gewinnt am End',
Wo nicht, so macht er's mürbe doch, er kommt
Zum Ziele oder fühlt zuletzt nichts mehr.
Komm, tröste dich! Wir finden unsern Sohn.

Werner. Wir hatten ihn und Alles schon in Sicht,
Was für den Kummer uns entschäd'gen konnte,
Den wir schon durchgemacht – und Alles nun
Dahin!

Josephine. Es ist noch nicht dahin.

Werner. Sind wir
Nicht ohne Geld?

Josephine. Wir waren niemals reich.

Werner. Doch kam zu Reichthum, Rang und Macht ich auf
Die Welt, und ich genoß sie, liebte sie
Und ach! mißbrauchte auch, verwirkte sie
Durch Vaters Zorn, in meiner Jugend Rausch.
Doch hat den Mißbrauch manches Leidensjahr
Gesühnt. Der Tod des Vaters schloß uns wieder
Die Straße auf, die nicht gefahrlos war;
Und jener kalte, intrigante Vetter,
Der schon so lang' sein Auge auf mich hielt
Wie eine Schlange auf ein Vögelchen,
Hat sicher jetzt mich längst schon überholt,
Zum Meister meiner Rechte sich gemacht,
Zum Herrn von Dem, was in die Reih' der Fürsten
An Nacht und Gütern ihn erhebt.

Josephine. Wer weiß!
Vielleicht ist unser Sohn zu seinem Ahn
Zurückgekehrt und hat dein Recht für dich
Gewahrt.

Werner. Dazu ist keine Hoffnung da!
Seit er so seltsam aus des Vaters Haus
Verschwand und gleichsam meine Sünden auf
Sich übertrug, kam keine Nachricht mehr
Von seinem Lebensgang. Ich hatte ihn
Einst meinem Vater – ungern – überlassen,
Weil der versprach, sein Ingrimm werde sich
Nicht grausam auf den Enkel weiter pflanzen.
Jedoch der Himmel scheint sein Recht zu fordern
Und heimzusuchen jetzt des Vaters Wahn
Und Sünden an dem Sohn.

Josephine. Ich hoffe noch
Ein besser Loos. Wir haben wenigstens
Die lange Hetze Strahlenheims bis jetzt
Getäuscht.

Werner. Wir hätten's, ja! wenn diese Krankheit
Nicht so fatal dazwischen kam, die schlimmer
Als eine tödtliche, da sie zwar nicht
Das Leben nahm, jedoch des Lebens Lust.
Auch jetzt noch fühl' ich meinen Geist umgarnt
Von dieses habbegier'gen Feindes Schlingen.
Wer weiß, ob nicht er hier uns aufgespürt!

Josephine. Er kennt dich ja nicht selbst, und seine Späher,
Die lang' uns überwacht, sind noch in Hamburg.
Der Namenswechsel und die Plötzlichkeit,
Womit wir abgereist, ließ jene weit
Zurück. Hier hält uns Jedermann für das
Nur, was wir scheinen.

Werner. Was wir scheinen? Was
Wir sind – für krankes Bettelvolk! krank selbst
In unsern Hoffnungen. Ha ha!

Josephine. O Gott,
Dies bitt're Lachen!

Werner. Ha! wer suchte wol
In dieser Form die hohe Seele noch
Des Sohnes eines altergrau'n Geschlechts?
In diesem Rock den Erben reichster Güter?
Wer in dem eingesunk'nen kranken Blick
Den Stolz, den Rang und Ahnen mir verliehn?
In diesen fahlen Wangen, in der Stirne,
Die Hunger tief gefurcht, den Herrn von Hallen,
Wo täglich Tausend' von Vasallen schmausen?

Josephine. Du hast an diese ird'schen Dinge nicht
Gedacht, mein Werner, als zur Braut du einst
Des Fremdlings Tochter, des Verbannten, wähltest.

Werner. Die Tochter des Verbannten war gerade
Die rechte Wahl für den Geächteten.
Doch hatt' ich damals ein'ge Hoffnung noch,
Dich wieder in den Stand empor zu heben,
Für den wir beide einst geboren waren.
Auch deines Vaters Haus war edel, wenn
Verfallen gleich und seiner Herkunft nach
Wol würdig, sich mit unsrem zu verbinden.

Josephine. So dachte einst dein stolzer Vater nicht!
Doch wenn es meine Herkunft nur gewesen,
Was mich dir gleich gestellt, so hätt' ich sie
Für das gehalten, was sie wirklich ist.

Werner. Und was ist sie in deinen Augen denn?

Josephine. Das, was sie uns genützt hat – nichts!

Werner. Wie? Nichts?

Josephine. Wo nicht was Schlimm'res noch, denn von
Beginn war sie ein Krebs in deinem Herzen.
War der nicht, hätten unsre Armuth wir
Wie tausend And're heitern Geist's getragen.
War dies Phantom nicht deiner hohen Ahnen,
Hätt'st du dein Brod verdient, wie's Tausend' thun,
Und wenn dir dies zu niedrig schien, den Handel
Und and'res bürgerliches Werk versucht,
Dein Loos zu bessern.

Werner (ironisch). Und ein Hansaspieß
Zu werden! Wundervoll!!

Josephine. Was du auch je
Geworden wärst, mir bist du, was der Stand,
Ob hoch ob nieder, niemals ändern kann,
Des Herzens erste Wahl! Es wählte dich,
Als deinen Stand, dein Hoffen es nicht kannte –
Nur deinen Gram! So lange dieser währt,
Laß mich ihn theilen, laß mich Trost dir bringen;
Wenn er zu Ende, endet meiner auch.

Werner. Mein guter Engel! stets als solchen fand
Ich dich. Mein hitzig oder schwach Gemüth
Trug niemals doch 'nen einzigen Gedanken,
Der dich, die Deinigen verletzen könnt'.
Du warst es nicht, die mir das Glück verderbt;
Mein eigen Wesen war in meiner Jugend
Der Art, daß es ein Reich, das ich ererbt,
Vernichten hätte können; doch gezüchtigt,
Gezähmt, erschöpft, zur Selbsterkenntiß nun
Gebracht – soll ich's verlieren nun, dem Sohn
Und dir! – Glaub mir: daß zweiundzwanzig alt
Mein Vater mich aus seinem Hause stieß,
Den letzten Sprossen von viel hundert Ahnen
– Denn damals war ich es – hat weniger
Mir weh gethan, als daß ich jetzt den Sohn
Und meines Sohnes Mutter ausgeschlossen,
Trotz ihrer Unschuld sehen soll von dem,
Wovon mich meine Fehler ausgeschlossen;
Ob meine Leidenschaften damals gleich
Lebend'ge Schlangen waren und um mich
Sich wickelten wie die der Gorgona. (Man hört ein lautes Pochen.)

Josephine. Horch nur!

Werner. Man pocht.

Josephine. So spät? Wer mag das sein?
Es gibt nur Wen'ge, die uns hier besuchen.

Werner. Zur Armuth kommt man nicht, wofern man nicht
Sie ärmer machen will. – Nun gut! ich bin
Bereit.

(Werner fährt mit der Hand in den Busen, als ob er nach einer Waffe suchte.)

Josephine. O blicke nicht so wild! Ich will
Zur Thüre gehn; es kann nichts Wicht'ges sein.
Zu traurig ist es hier, zu winterlich.
Die Oede selbst schützt Menschen hier vor Menschen.

(Sie geht nach der Thür.) Idenstein tritt ein.

Idenstein. Schön guten Abend meiner schönern Wirthin
Und meinem würdigen – Wie heißt Ihr doch,
Mein Freund?

Werner. Und fürchtet Ihr Euch nicht, mich dies
Zu fragen?

Idenstein. Fürchten? Freilich fürcht' ich mich.
Ihr seht ja aus, als ob ich um was Bess'res
Als Euern Namen Euch gebeten hätte.

Werner. Um Bess'res, Herr?

Idenstein. Nun, besser oder schlechter
Wie eine Eh'. Was soll ich weiter sagen?
Ihr seid seit einem Monat hier ein Gast,
Im Schloß des Fürsten – seit zwölf Jahren freilich
Hat Seine Erlaucht den Gespenstern es
Und Ratten eingeräumt, doch ist's noch stets
Ein Schloß – ich sag', Ihr wäret unser Miethsmann
Und immer kennen Euern Namen wir
Noch nicht.

Werner. Ich heiße Werner.

Idenstein. Schöner Name!
Und ein so würd'ger Name, als man je
Auf eines Krämers Schild in Golde sah.
Ich habe einen Vetter im Spital
Zu Hamburg, der ein Weib genommen hat,
Das ganz den gleichen Namen trug. Er ist
Beamter dort, der viel Vertraun genießt,
Gehilfe eines Arzts – hofft's selbst zu werden –
Und hat schon Wunderding' in seinem Amt
Gethan. Vielleicht mit meinem Vetter seid
Ihr auch verwandt?

Werner. Mit Eurem –?

Josephine. Ja, wir sind's,
Jedoch entfernt. (Bei Seite zu Werner). Könnt Ihr dem schalen Schwätzer
Nicht den Gefallen thun, bis wir ersehen,
Was er hier will?

Idenstein. Schön, schön, das freut mich sehr.
Ich hab' es gleich gedacht; es regte sich
In meinem Herzen gleich so was. Blut ist
Nicht Wasser, Vetter! Drum thut Wein jetzt her,
Wir wollen auf's Bekannterwerden trinken,
Verwandte sollen immer Freunde sein.

Werner. Ihr scheint bereits genug gethan zu haben;
Doch hättet Ihr's auch nicht, so hab' ich keinen
Wein Euch zu bieten, so's nicht Eurer wäre.
Ihr wißt das oder solltet es doch wissen.
Ihr seht doch, ich bin arm und krank, und wollt
Nicht sehn, daß ich allein sein möcht'. Doch nun
Zu Eurem Zweck. Was führt Euch her?

Idenstein. Je nun,
Was führt mich denn wol her?

Werner. Ich weiß es nicht.
Doch gaub' ich, daß ich Den errathen kann,
Der wieder fort Euch schickt.

Josephine (bei Seite). Ruh', lieber Werner!

Idenstein. So wisset Ihr denn nicht, was hier geschehn?

Josephine. Wie sollten wir?

Idenstein. Der Fluß ist ausgetreten.

Josephine. Ach ja, das wissen wir zu unsrem Schmerz
Fünf Tage schon weil's hier uns hält.

Idenstein. Doch was
Ihr nicht wißt, daß heut' ein großer Herr,
Der gern, den Strom und dreien Postillons
Zum Trotz, hinüber wär', abwärts der Furth
Ertrunken ist, fünf Pferde auch mit ihm,
Ein Aff', ein Bulle und ein Kammerdiener.

Josephine. Die armen Wesen! seid Ihr deß gewiß?

Idenstein. Des Affen ja, des Dieners und des Viehs,
Doch wissen wir bis jetzt noch nicht, ob todt
Auch Seine Excellenz ist oder nicht.
Ihr Adlige seid schwierig zu ersäufen,
Wie sich's für Herrn von Rang und Amt gebührt.
Doch sicher ist, daß so viel Oberwasser
Geschluckt er hat, daß den zwei Bauern bärsten.
Jedoch zwei Reisende, ein Ungar und
Ein Sachs, entrissen ihn mit eigener
Gefahr dem Strudelbach. Sie schickten her,
Und bitten um ein Zimmer oder Grab,
Ganz je nachdem er lebend oder todt.

Josephine. Und wo wollt Ihr ihn unterbringen? Hier
Vielleicht? Wenn wir was dienen können – sprecht!

Idenstein. Hier? Nein! Doch in des Fürsten eigenem
Gemach, wie sich's für einen edeln Gast
Geziemt. Zwar ist es feucht, weil Seit zwölf Jahren
Von Niemand mehr bewohnt; doch kommt der Herr
Zunächst von einem noch viel feuchtern Ort.
Er wird sich somit schwerlich drin erkälten,
Das heißt, wenn er sich noch erkälten kann;
Wo nicht, so wird er morgen schlechter noch
Gebettet sein. Doch hab' ich heizen lassen
Und Alles für das Schlimmste vorbereitet,
Ich meine für den Fall, daß mit dem Leben
Davon er kommt.

Josephine. Der arme Herr! ich hoff'
Von ganzem Herzen, daß er's thut.

Werner. Habt Ihr
Den Namen nicht des Herrn gehört, Castlan?
(Bei Seite zu seiner Frau). Geh, Josephine 'mal hinaus, ich will
Aushorchen diesen Narren.

(Josephine ab.)

Idenstein. Seinen Namen?
O Gott! wer weiß, ob einen Namen er
Noch hat, ob nicht! 'S ist Zeit genug zu fragen,
Wenn Antwort wieder er erst geben kann.
Wo nicht, so setzt man den des Erben auf
Den Leichenstein. Habt Ihr nicht eben mich
Gezankt, daß ich nach Namen fragen wollt'?

Werner. Ja, ja! ich that's. Ihr sprecht ganz gut und weise.

Gabor tritt auf.

Gabor. Wenn ich hier störe, bitt' ich sehr –

Idenstein. O Ihr
Stört nicht! Dies hier ist der Palast und dies
Ein Fremder grad' wie Ihr. Ich bitte, macht
Es Euch bequem. Doch Seine Excellenz,
Wie steht's mit ihm? wie fühlt er sich?

Gabor. Recht naß
Und angegriffen, doch gefährlich nicht.
Er hielt, um andre Kleider anzuziehn,
In einer Hütte an – wo ich die meinen ach
Mit diesen hier vertauscht. Er hat sich fast
Von seinem Bad erholt. Gleich ist er hier.

Idenstein. He! tummelt euch da draußen! Hermann! Weilburg!
He Peter! Kunz!

(Er ertheilt seine Weisungen an verschiedene auf einen Ruf eintretende Diener.)

Hier übernachtet heut'
Ein hoher Herr. Seht zu, daß Alles im
Damast'nen Zimmer hergerichtet wird;
Heizt tüchtig ein, ich selbst will in den Keller.
Frau Idenstein – das ist mein Ehweib, Herr! –
Soll selbst das Bettzeug liefern für den Gast.
Denn damit ist man, offen sei's gesagt,
Höchst knapp in dem Palast daran, seitdem
Ihn Seine Erlaucht vor zwölf Jahren ließ.
Dann wird auch Seine Excellenz vermuthlich
Zu Abend speisen wollen?

Gabor. Meiner Treu!
Das weiß ich nicht. Doch mein' ich fast, das Kissen
Werd' ihm jetzt lieber als die Tafel sein.
Nachdem er sich in Eurem Strom geweicht.
Damit jedoch nicht umkommt Euer Fleisch,
Will selber ich zu Abend bei Euch speisen.
Auch hab' ich einen Freund noch draußen, der
Mit eines Wandrers Hunger alle Ehre
Wird anthun Eurem guten Mahl.

Idenstein. Doch wißt
Ihr auch gewiß, daß Seine Excellenz –
Wie ist sein Name doch?

Gabor. Ich weiß es nicht.

Idenstein. Und doch habt Ihr das Leben ihm gerettet?

Gabor. Ich half nur meinem Freund hiebei.

Idenstein. Ei das
Ist sonderbar! Jemand das Leben retten,
Den man nicht kennt!

Gabor. Doch nicht! Denn Manche gibt's,
Die so genau ich kenn', daß ich mir kaum
Um sie die Mühe nehmen würd'.

Idenstein. Ich bitte,
Mein guter Freund, wer seid denn Ihr?

Gabor. Ungar
Der Herkunft her.

Idenstein. Und heißt?

Gabor. Daran liegt nichts.

Idenstein (bei Seite). (Das sieht ja aus, als sei die ganze Welt
Jetzt namenlos, da Keiner sagen will,
Wie er sich nennt!) – Hat Seine Excellenz
Ein groß Gefolge?

Gabor. Groß genug.

Idenstein. Wie viel?

Gabor. Ich hab' sie nicht gezählt. Wir kamen nur
Zufällig her, und grad' zur rechten Zeit,
Um ihn durchs Wagenfenster 'raus zu ziehn.

Idenstein. Was gäb' ich, wenn ich einen großen Mann
Erretten dürft'! Ihr werdet ohne Zweifel
Ein hübsches Sümmchen Euch als Lohn gewinnen.

Gabor. Vielleicht.

Idenstein. Auf wie viel rechnet Ihr etwa?

Gabor. Ich habe mich bis jetzt noch nie verkauft.
Indessen wäre mir der liebste Lohn ein Glas
Hochheimer, wenn Ihr habt, ein grünes Glas,
Bekränzt mit Trauben und mit Bacchus-Sprüchen,
Und voll vom ältesten aus Eurem Keller.
Dafür versprech' ich Euch, im Fall Ihr je
Ersaufen solltet – ob es gleich mir scheint,
Als sei von allen Todesarten diese
Am wenigsten für Euch bestimmt – daß ich
Euch unentgeldlich aus dem Wasser ziehe.
Rasch, rasch, mein Freund! Mit jedem Glase, das
Ich leer', soll eine Welle weniger
Ob Eurem Haupte gehn.

Idenstein (bei Seite). (Der Mann gefällt
Mir gar nicht sehr; er scheint verschlossen, derb,
Zwei Dinge, die mir nicht bequem. Doch Wein
Soll er erhalten; schließt ihn der nicht auf,
So werde ich vor Neugier heute Nacht
Kein Aug' zuthun.) (Idenstein ab.)

Gabor (zu Werner). Der Ceremonienmeister
Ist ohne Zweifel Kastellan des Schlosses?
Ein schöner Bau, jedoch etwas verfallen.

Werner. Das Zimmer, das für Den, den Ihr gerettet,
Bestimmt ist, wird für einen kranken Gast
In passenderem Zustand sein als dieses.

Gabor. Dann wundr' ich mich, daß Ihr es nicht bewohnt,
Denn von Gesundheit scheint Ihr nicht sehr stark.

Werner (schnell). Herr! ich –

Gabor. Ich bitt', entschuldigt mich. Hab' ich
Etwas gesagt, was Euch beleid'gen konnt'?

Werner. Das nicht, allein wir sind einander fremd.

Gabor. Und deshalb wünscht' ich, daß wir's weng'er würden.
Ich glaube, der geschäft'ge Gastwirth sagte,
Ihr seid, wie ich's bin und mein Reis'gefährte,
Zufällig nur, vorübergehend Gast.

Werner. So ist's.

Gabor. Nun, da wir niemals uns getroffen
Und nie vielleicht uns wieder treffen werden,
So wollt' ich, um dies alte Kerkerloch
– Mir wenigstens ist's eins – uns zu erheitern,
Euch bitten, unser Mahl mit dem Kam'raden
Und mir zu theilen.

Werner. Dank! Entschuldigt mich,
Wenn mein Gesundheitszustand –

Gabor. Wie Ihr wollt.
Ich war Soldat und bin vielleicht zu plump
In meiner Art.

Werner. Auch ich hab' einst gedient
Und kann erwidern den Soldatengruß.

Gabor. In welchem Dienst? im kaiserlichen Heer?

Werner (schnell, dann sich unterbrechend).
Ich commandirte – nein! – ich diente, wollt'
Ich sagen, doch ist's viele Jahre her,
Als Böhmen erstmals gegen Oesterreich
Die Fahne hob.

Gabor. Das ist vorüber nun,
Und ein'ge tausend tapfre Herzen hat
Der Frieden auf den Sand gesetzt. Sie mögen
Jetzt sehn, von was sie leben, und in Wahrheit,
'S gibt Ein'ge, die das Kürzeste ergreifen.

Werner. Wie das?

Gabor. Nun Alles, was sie grad' erwischen.
Die Wälder Schlesiens und der Lausitz sind
Von Banden voll aus den entlass'nen Heeren,
Die ihren Unterhalt im Land erheben.
Die Herren müssen jetzt die Schlösser hüten,
Denn außerhalb ist es für reiche Grafen
Und üppige Barone schlimm zu reisen.
Mein Trost ist, daß, wo immer ich mag wandern,
Ich wenig zu verlieren hab'.

Werner. Ich – nichts.

Gabor. Das ist noch trauriger. Ihr sagt, Ihr wart
Soldat?

Werner. So ist's.

Gabor. Ihr seht noch jetzt so aus.
Soldaten sind Kam'raden, oder sollten
So sein, und wären's Feinde auch. Wenn wir
Das Schwert gezogen, mag es auch sich kreuzen
Und das Gewehr ziel' nach des Gegners Herz;
Doch wenn der Friede, wenn die Waffenruh'
Den Stahl in seine Scheide wieder steckt,
Den Funken ausbläst, der die Lunt' entflammte,
So sind wir Brüder. Ihr seid arm und krank,
Ich bin nicht reich zwar, doch gesund, und misse
Nichts, was ich leicht nicht missen könnt'. Ihr scheint
Von dem entblößt, Kam'rad. (Gabor zieht die Börse.)
Wollt' Ihr es theilen?

Werner. Wer sagte Euch, daß ich ein Bettler sei?

Gabor. Ihr selbst, da Ihr gesagt, Ihr wär't Soldat
In Friedenszeit.

Werner (sieht ihn argwöhnisch an). Ihr kennt mich also nicht?

Gabor. Ich kenne Niemand, nicht einmal mich selbst.
Wie sollt' ich also Einen kennen, den
Ich erst seit einer halben Stunde seh'?

Werner. Ich dank' Euch! Euer Anerbieten wär'
Großmüthig, wenn Ihr's einem Freund gemacht,
Und ist noch mehr, da's einem Fremden gilt,
Doch schwerlich klug. Gleichwol habt meinen Dank!
In jeder Richtung bin ich Bettler zwar,
Nur noch vom eigentlichen Handwerk nicht.
Doch wenn ich je bei Einem betteln müßt',
So sollt' bei Dem es sein, der mir zuerst,
Was Wenige durch Bitten selbst erflehn,
Aus freien Stücken bot. Verzeiht! (Werner ab.)

Gabor (allein). Er sieht
Aus wie ein braver Mann; nur mitgenommen
Wie diese meist, durch Leiden oder Lust,
Die vor der Zeit uns aus das Leben pressen,
Ich weiß nicht, wer am schnellsten von den zwei.
Er hat wol bess're Tage schon gesehn.
Wer nicht, der schon ein Gestern sah? Doch hier
Kommt unser weiser Castellan mit Wein,
Des Bechers halb will ich den Mundschenk dulden.

Idenstein tritt auf.

Idenstein. Hier ist der Magentrost! Wol zwanzig Jahr'
Alt wie ein Tag.

Gabor. Ein herrlich Alter
Für junge Frau'n und alten Wein; und Schade
Ist's nur, daß von zwei so beliebten Dingen
Das Eine besser mit dem Alter wird,
Das Andere verdirbt. – Füllt bis zum Rand!
Auf unsre Wirtin! Euer schönes Weib! (Ergreift das Glas.)

Idenstein. Schön? – Nun, ich hoffe, Euer Feingeschmack
In Wein gleicht dem, den Ihr für Schönheit zeigt.
Gleichwol will ich Bescheid Euch thun.

Gabor. Ist denn
Die Liebliche, die ich im Vorsaal traf,
Und die mit einer Miene, Haltung, Auge
– Wie diesem Schloß in seinen schönsten Tagen
Sie angestanden, während doch ihr Kleid
Zu seinem jetzigen Verfalle stimmte –
Zurück mir die Begrüßung gab, ist sie
Nicht Eure Frau?

Idenstein. Ich wollt', sie wäre es,
Doch irrt Ihr Euch, es ist des Fremden Frau.

Gabor. Dem Aussehn nach könnt' eines Fürsten Frau
Sie sein. Hat Zeit sie auch berührt, so blieb
Ihr doch viel Schönheit noch, und Majestät
Noch mehr.

Idenstein. Und Solches ist weit mehr als von
Frau Idenstein ich sagen kann, zumal
Was Schönheit anbelangt; von Majestät
Hat ein'ge Züge sie, die besser Nicht
Da wären. Doch was thut's?

Gabor. Mir nichts. Doch wer
Mag dieser Fremde sein? Auch sein Benehmen
Erhebt ihn über seine Außenseite.

Idenstein. Da bin ich andrer Ansicht; der ist arm
Wie Hiob, nur nicht so geduldig. Wer
Er ist, das weiß ich nicht; noch sonst etwas
Von ihm, den Namen ausgenommen – und
Auch den erfuhr ich erst heut' Nacht.

Gabor. Und wie
Kam er hierher?

Idenstein. In einer scheußlichen
Zerfallnen Chaise vor etwa vier Wochen;
Dann wurde gleich er krank, und todtkrank zwar;
Er hätte sterben sollen.

Gabor. Zart und wahr!
Jedoch warum?

Idenstein. Was ist denn Leben, wenn
Man nichts zu leben hat? Ihm fehlt der Heller.

Gabor. In diesem Fall muß ich mich billig wundern,
Daß Einer, der so klug aussieht wie Ihr,
So gottverlass'ne Leute aufgenommen
In dieses edle Haus.

Idenstein. Das ist wol wahr.
Doch Mitleid läßt das Herz, Ihr wißt es ja,
Thorheiten solcher Art begehn. Zudem
Besaßen damals sie noch Kostbarkeiten,
Die mich bezahlt bis diese Stunde machten.
So dacht' ich, könnten hier sie ganz so gut
Wie in dem kleinen Wirthshaus drüben wohnen,
Und räumte einige der ältsten Zimmer
Des Schlosses ihnen ein. Ich nützte sie
Die Zimmer auszuwohnen, in so lang
Als sie die Feuerung bezahlen konnten.

Gabor. Die armen Leute!

Idenstein. Ja entsetzlich arm,

Gabor. Und doch an Armuth nicht gewöhnt, wenn ich
Nicht irr'. – Wo wollen sie denn hin?

Idenstein. Das weiß
Der Himmel! wenn nicht in den Himmel selbst.
Vor ein'gen Tagen sah es aus, als ob
Dahin am eh'sten Werner's Reise geh'.

Gabor. Werner's? Den Namen hab' ich schon gehört,
Doch kann es auch ein angenomm'ner sein.

Idenstein. Das mag wol sein. – Doch horch! ein Lärm von Rädern
Und Stimmen, und ein Fackelschein von Außen.
Gewiß sind Seine Excellenz gekommen!
Ich muß auf meinem Posten sein. Wollt Ihr
Nicht mit mir gehn, um aus dem Wagen ihm
Zu helfen und am Thor ihm aufzuwarten?

Gabor. Ich habe aus dem Wagen ihm geholfen,
Wo seine Grafschaft er gegeben hätte,
Um von dem Schlund das Wasser fern zu halten.
Jetzt hat er Diener ja genug; sie standen
Damals hübsch fern und schüttelten am Ufer
Ihr triefend Ohr. Sie schrieen all: »zu Hilfe!«
Doch keiner bot sie selbst. Was das Aufwarten
Drum anbelangt, so hab' ich's schon besorgt.
Jetzt ist's an Euch. Geht also nur, bückt Euch
Und kriecht vor ihm.

Idenstein. Ich kriechen? Ich? Doch ich
Verschwatze mich mit Euch. Der Henker hol's!
Gleich ist er hier und ich bin dann nicht dort. (Idenstein rasch ab.)

Werner tritt wieder ein.

Werner (für sich). Ich hörte ein Geräusch von Rädern, Stimmen.
Wie jeder Ton mich jetzt erregt! Doch still! (Bemerkt Gabor.)
Ob ein Spion er nicht des Mannes ist,
Der mich verfolgt? Sein plötzlich Anerbieten,
Und einem Fremden gegenüber trug
Ganz den Charakter stiller Feindlichkeit.
Denn Freunde sind niemals so rasch hierin.

Gabor. Ihr scheint nachdenklich, Herr! doch ist die Zeit
Gedanken nicht sehr hold. Bald werden wol
Die alten Mauern hier geräuschvoll sein.
Der Freiherr oder Reichsgraf oder was
Der halbertrunk'ne Edelmann mag sein,
Vor dem dies wüste Dorf und seine Bürger
Mehr Achtung zeigen als die Elemente,
Ist angelangt.

Idenstein (außen). Hierher, hier, Excellenz!
Nehmt Euch in Acht, 's ist etwas finster hier
Und auch die Treppe etwas morsch. Wenn wir
So hohen Gast erwartet hätten – bitte!
Nehmt meinen Arm!

Strahlenheim, Idenstein und Diener vom Schloß sowol als von Strahlenheim treten auf.

Strahlenheim. Laßt einen Augenblick
Mich ruhn.

Idenstein ( zu den Dienern). He! einen Stuhl! rasch, rasch, ihr Bursche!
( Strahlenheim setzt sich.)

Werner ( bei Seite). Er ist's!

Strahlenheim. Jetzt ist mir's besser schon. Wer sind
Die Fremden hier?

Idenstein. Der Eine, gnäd'ger Herr,
Will Euch kein Fremder sein.

Werner ( laut und hastig). Wer sagte das?
( Sie sehen ihn erstaunt an.)

Idenstein. Ei Niemand sprach von Euch, noch auch mit Euch,
Doch hier steht Einer, dessen Excellenz
Sich mit Vergnügen wol erinnern wird. ( Deutet auf Gabor)

Gabor. Ich möchte nicht sein hoh' Gedächtniß stören.

Strahlenheim. Ich höre, dies sei Einer von den Fremden,
Die mich gerettet, denen Dank ich schulde.
Ist nicht der And're dies? ( Deutet auf Werner.)
Mein Zustand als
Man bei mir sprang, muß mich entschuldigen,
Wenn ich nicht sicher bin, wem ich so viel
Verdanke.

Idenstein. Der? Nein,, gnäd'ger Herr, der hat
Selbst eher Unterstützung nöthig als
Er bieten kann. Es ist ein armer Mann,
Recht reisemüd', der eben erst vom Bett
Erstand, wovon er wieder aufzustehn
Sich kaum geträumt.

Strahlenheim. Ich dachte doch, es seien
Zwei Herrn gewesen?

Gabor. Ja! zwei waren da,
Doch bei dem Dienst, der Euer Gnaden ward
Gethan, war Einer nur betheiligt, und
Der eben ist nicht hier. Er war es, der
Den größten Theil der Sache that: er war
So glücklich dort zuerst zu sein. Mein Wille
War nicht geringer zwar, doch blieb er hinter
Des Andern Schick und Jugendkraft zurück.
Verschwendet keinen Dank deshalb an mich.
Ich war nur Adjutant des edleren
Gen'rals.

Strahlenheim. Und wer ist der?

Ein Diener. Er blieb noch in
Der Hütte, gnäd'ger Herr, wo Excellenz
Geruht, und will erst morgen hier erscheinen,
Wie er gesagt.

Strahlenheim. Bis dahin dank' ich nur,
Doch dann –

Gabor. Ich will nicht mehr, und kaum verdien'
Ich mehr. Mein Freund mag sprechen für sich selbst.

Strahlenheim ( heftet den Blick auf Werner, bei Seite).
Es kann nicht sein, doch will ich ihn im Aug'
Behalten. Zwanzig Jahr' ist's her, daß ich '
Ihn nicht mit eig'nem Aug' gesehn. Zwar haben
Stets meine Leute Acht auf ihn gehabt,
Doch Politik verbot mir's selbst zu thun,
Um nicht Verdacht in jenem zu erwecken,
Ob meines Plans. Was ließ ich Jene auch,
Die mir Gewißheit geben konnten, ob
Er's ist, ob nicht, in Hamburg? Vorher wollt'
Ich machen mich zum Herrn von Siegendorf
Und reiste eilig ab. Doch scheinen selbst
Die Elemente gegen mich verschworen,
Und dieses schnelle Wachsen der Gewässer
Kann als Gefang'nen hier mich halten, bis –

( Er hält inne und blickt auf Werner; dann fährt er fort:)

Man muß den Mann im Aug' behalten. Ist
Er es, so hat er so verändert sich,
Daß selbst sein Vater, wenn dem Grabe er
Entstieg, an ihm vorüberging, und ihn
Nicht mehr erkennte. Wachsam muß ich sein:
Ein Fehler könnte Alles noch verderben.

Idenstein. Der gnäd'ge Herr scheint in Gedanken. – Wollt
Ihr nicht so gnädig sein und weiter gehn?

Strahlenheim. Das Schwere, was ich durchgemacht, verleiht
Wol dem gedrückten Geist den äußern Schein,
Als denke tief er nach. Ich will zur Ruhe.

Idenstein. Des Fürsten Zimmer sind für Euch gerichtet
Und ausgerüstet mit den gleichen Möbeln,
Die unsrem Fürsten, als in vollem Glanz
Er hier gelebt, gedient. ( Bei Seite.) (Etwas zerlumpt
Und höllisch feucht, doch stets noch schön genug
Bei Kerzenlicht!) Für Euer edel Blut
Mit zwanzig Feldern auf dem Wappenschild
Paßt das recht gut, und mö'g' sein Träger heut'
So fest darunter schlafen, wie er einst
Für immer ruhen wird.

Strahlenheim ( erhebt sich, gegen Gabor gewendet). Gut' Nacht, ihr Leute!
Ich hoffe, Herr! der Morgen findet mich
In bess'rem Zustand Euern Dienst zu lohnen.
Inzwischen bitt' ich Euch, auf meinem Zimmer
Gesellschaft mir 'nen Augenblick zu leisten.

Gabor. Ich folge Euch.

Strahlenheim ( hält nach einigen Schritten inne und ruft Werner).
He, guter Freund!

Werner. Herr!

Idenstein. Herr?
Gott – Gott! Warum nicht sagt Ihr »gnäd'ger Herr?«
Nicht »Excellenz?« – Ich bitte, Euer Gnaden'!
Entschuldigt dieses armen Mannes Mangel
An Lebensart. Er ist es nicht gewöhnt,
Mit solchen Herren umzugehn.

Strahlenheim ( zu Idenstein). Still da,
Cast'lan!

Idenstein. O ich bin stumm!

Strahlenheim. Sagt doch: seid Ihr
Schon lange hier?

Werner. Lang' hier?

Strahlenheim. Ich bat um Antwort,
Nicht um ein Echo Euch.

Werner. Die Wände mögen
Euch beides geben. Ich bin's nicht gewohnt,
Jemanden: Red' zu stehn, den ich nicht kenne.

Strahlenheim. So, so! – Doch könntet jedenfalls Ihr artig
Auf das, was man Euch freundlich fragt, erwidern.

Werner. Wenn eine Frag' als solche ich erkenne,
Werd' ich in gleichem Klange sie erwidern.

Strahlenheim. Mir sagte der Cast'lan, daß Ihr durch Krankheit
Hier aufgehalten wurdet; wenn – da ich
Den gleichen Weg mach', ich Euch dienen kann –

Werner ( schnell). Ich mache nicht den gleichen Weg wie Ihr.

Strahlenheim. Wie wißt Ihr das, da meinen Weg Ihr noch
Nicht kennt?

Werner. Weil's Einen Weg nur gibt, den Reich
Und Arm jemals zusammen gehn. – Ihr habt
Vor Stunden Euch von jenem Schreckenspfad
Gewandt, und ich vor Tagen; künftig werden
Weit aus einander unsre Wege gehn,
Wenn sie auch stets nach Einer Heimat zielen.

Strahlenheim. Weit über Euern Stand ist Eure Sprache.

Werner ( bitter). Meint Ihr?

Strahlenheim. Sie ist es über Euern Rock
Zum wenigsten.

Werner. Es ist nur gut, daß sie
Nicht drunter ist, wie manchmal es dem Fein-
Gekleideten geschieht. – Doch kurz und gut:
Was wollt Ihr eigentlich von mir?

Strahlenheim ( bestürzt). Ich?

Werner. Ja!
Ihr kennt mich nicht und fragt mich gleichwol aus
Und wundert Euch, daß ich nicht Antwort gebe,
Da ich doch meinen Inquisitor gar
Nicht kenn'. Erklärt Euch, was Ihr wollt; dann werd'
Ich Euch Genüge leisten, oder mir.

Strahlenheim. Ich wußte nicht, daß Eure Gründ' Ihr habt,
Damit zurückzuhalten.

Werner. Manche haben's.
Habt Ihr's nicht auch?

Strahlenheim. Doch keinen, der von Werth
Für einen Fremden könnte sein.

Werner. Nun, dann
Verzeiht dem unbekannten, niedern Fremden,
Wenn fremd er einem Mann zu bleiben wünscht,
Der nichts mit ihm gemein doch haben kann.

Strahlenheim. Herr! ich will Eure Laune nicht durchkreuzen,
So unerwartet sie mir kommt; ich wollt'
Euch einen Dienst erweisen nur – gut Nacht! –
Cast'lan, zeigt mir den Weg. (Zu Gabor). Ihr geht doch mit?

(Strahlenheim mit Gabor, Idenstein und den Dienern ab.)

Werner (allein). Er ist's! – Ich bin im Netze nun gefangen!
Eh' Hamburg ich verließ, hat Giulio mir,
Sein letzter Intendant, noch mitgetheilt:
Er hab' vom Kurfürst selbst von Brandenburg
Sich eine Ordre ausgewirkt, um Kreutzner
– So hieß ich damals – sofort zu verhaften,
Wenn ich die Grenze überschreiten sollt'.
Die freie Stadt nur schützte meine Freiheit,
So lang' ich ihre Wälle nicht verließ,
Ich Thor! Allein ich glaubt', dies schlechte Kleid,
Die dunkle Straße hab' die schlauen Hunde
Von meiner Fährte abgebracht. – Was hab'
Ich jetzt zu thun? Persönlich kennt er zwar
Mich nicht; und ihn erkennen konnte nur
Das Aug' der Furcht nach diesen zwanzig Jahren,
Da in der Jugend wir so selten uns,
So kalt begegnet nur. – Jedoch die Leute,
Die um ihn sind? Jetzt kann ich mir erklären,
Warum so generös der Ungar that,
Der, ohne Zweifel Strahlenheims Spion,
Ausholen mich und sicher machen soll.
Krank, mittellos, von dem geschwoll'nen Fluß
Gehemmt, der für den Reichen selbst nicht zu
Passiren ist, dem alle Mittel zu
Gebot doch stehn, um große Hindernisse
Auf Kosten selbst von Menschenleben zu
Beseitigen, was kann ich da noch hoffen!
Vor einer Stunde noch schien meine Lage
Mehr als verzweiflungsvoll; jetzt ist sie so,
Daß das Vergang'ne noch als Paradies
Erscheint. – Ein Tag noch und ich bin entdeckt,
Im Augenblick gerade, wo mein, Erbe
Mit allen seinen Ehren, seinen Rechten
Mir nahe liegt und wen'ge Tropfen Golds
Mein Fliehn begünst'gen, mich erretten könnten.

Idenstein und Fritz treten im Gespräch mit einander ein.

Fritz. Sogleich!

Idenstein. Ich sage Euch: unmöglich ist's!

Fritz. Versuchen muß man's jedenfalls, und wenn
Ein Eilbot' fehl schlägt, müßt Ihr and're schicken,
Bis eine Antwort uns vom Commandanten
Aus Frankfurt wird.

Idenstein. Thun will ich, was ich kann.

Fritz. Spart keine Müh', bemerket wohl: Man wird
Zehnfach dafür belohnen Euch.

Idenstein. Hat der
Baron zur Ruhe sich verfügt?

Fritz. Er hat
In einen Lehnstuhl am Kamine sich
Gelegt und schlummert nun. Er hat befohlen,
Daß man vor elf ihn nicht mit irgend was
Mehr stören soll. Dann will zu Bett er gehn.

Idenstein. Eh' eine Stund' vergeht, Hab' ich so gut
Als möglich ihn bedient.

Fritz. Vergeßt es nicht! ( Fritz ab.)

Idenstein. Der Henker hole diese große Herrn!
Sie meinen, Alles sei für sie nur da.
Jetzt soll ich ein halb Dutzend Hörige,
Die vor Erstarren mit den Zähnen klappern,
Aufrütteln von der niederträcht'gen Streu
Und übers Wasser auf Gefahr des Lebens
Nach Frankfurt schicken. Hätt' ich doch gedacht,
Was der Baron soeben selbst erfahren,
Lehrt' ihn Gefühl für seine Nebenmenschen.
Doch nein! »Es muß sein!« heißt's und damit gut.
– Wie ist es. Meister Werner? Ihr noch hier?

Werner. Sehr bald verließt Ihr Euern edeln Gast.

Idenstein. Ja, ja! er schläft und scheint den Wunsch, zu haben,
Daß sonst kein Mensch hier schlafe. – Da ist ein
Packet an Frankfurts Commandanten, das
Trotz Noth und Tod um jeden Preis soll hin.
Da darf ich keine Zeit verlieren. Drum
Gut Nacht. ( Idenstein ab.)

Werner ( allein). Nach Frankfurt? So? 's zieht sich zusammen.
Aha, der Commandant! Das Paßt zu all
Den frühern Schritten dieses kalten Feinds,
Der zwischen mir und meines Vaters Haus
Gar schlau berechnend schleicht. Er schreibt gewiß
Um eine Truppenschaar, um mich hinweg
In irgend eine Festung zu verbringen.
Doch eher soll –

(Werner sieht sich um und ergreift ein Messer, das auf einem Tisch in der Nische liegt.)

Jetzt bin ich wenigstens
Herr meiner selbst! Horch! Tritte! – Weiß ich denn,
Ob Strahlenheim selbst auf den Schein von Recht
Noch harrt, der die Gewalt verdecken soll?
Gewiß ist, daß er im Verdacht mich hat.
Ich bin allein. Er hat zahlreiche Diener.
Ich bin geschwächt. Er ist durch Gold, durch Zahl,
Durch Rang und Ansehn stark; ich namenlos,
Ja durch den Namen selbst noch in Gefahr,
So lang' ich mein Besitzthum nicht erreicht;
Er aufgeblasen durch der Titel Prunk,
Der diesen dunkeln Bürgerspießen mehr
Noch imponirt, als er wo anders könnte. –
Horch! näher kommt's! So flucht' ich mich in den
Geheimen Gang, der in die Zimmer mündet
– Nein! Alles still! – Ich hab' mir's eingebildet.
Noch stets der athemlose Augenblick,
Der zwischen Blitz und Donner schwebt. Ich muß
Mein Herz beruhigen in seinen Nöthen.
Doch will ich hier hinein und sehn, ob noch
Nicht ausgespürt der Gang ist, den ich weiß.
Im schlimmsten Fall kann dies Versteck mir dann
Als Zufluchtsort für ein'ge Stunden dienen.

(Werner drückt an einer Blende, tritt hinein und schließt hinter sich.) Gabor und Josephine treten auf.

Gabor. Wo ist denn Euer Mann?

Josephine. Ich glaubte hier,
'S ist noch nicht lang', daß ich ihn da verließ;
Doch diese Zimmer haben viele Thüren.
Vielleicht hat er den Castellan begleitet.

Gabor. Baron von Strahlenheim befragte den
Cast'lan gar eifrig über Euern Mann;
Und daß ich's offen Euch gesteh', ich fürchte.
Er meint's nicht gut mit ihm.

Josephine. Ach! was
Kann dieser stolze, reiche Herr Baron
Von meinem unbekannten Werner wollen!

Gabor. Das werdet Ihr wol selbst am besten wissen.

Josephine. Und wär' es so, wie kommt denn Ihr dazu,
Euch eher umzuthun für ihn, als für
Den Mann, deß Leben Ihr gerettet habt?

Gabor. Ich half ihn retten, als er in Gefahr,
Doch hab' ich mich ihm, nicht verdingt, um ihm
Bei einem Werke der Gewalt zu helfen.
Ich kenne diese edeln Herren wohl
Und ihre tausend Arten, um den Armen
Zu unterdrücken. Ich auch hab's empfunden,
Die Galle schwillt mir drum, wenn ich bemerke,
Daß sie dem schwachen Mann zu Leibe gehn.
Dies ist mein einz'ger Grund.

Josephine. Es dürfte nicht
So leicht sein, meinen Mann zu überzeugen,
Daß Eure Absicht gut.

Gabor. Mißtraut er so?

Josephine. Einst that er's nicht; doch Zeit und manche Noth
Hat ihn zu dem, wie Ihr ihn seht, gemacht.

Gabor. Das thut mir leid. Ein schwerer Harnisch ist
Das Mißtraun und behindert mehr durch sein
Gewicht, als er beschützt. Gut' Nacht. Ich hoffe,
Bei Tagesanbruch noch ihn hier zu sehn. ( Gabor ab.)

Idenstein und einige Bauern treten ein. Josephine zieht sich in den Hintergrund zurück.

Erster Bauer. Und wenn ich dann ersauf'?

Idenstein. Ihr werdet gut
Dafür bezahlt, und habt mehr als Ertrinken
Gewiß schon oft für gleichen Preis gewagt.

Zweiter Bauer. Doch Weib und Kinder?

Idenstein. Denen kann es dann
Nicht schlechter wol ergehn, vielmehr nur besser.

Dritter Bauer. Ich hab' nicht Weib noch Kind und will es
wagen.

Idenstein. Gut so! Ihr seid ein flotter Bursch', und scheint
Zum Kriegsmann wie gemacht. Ich will, wenn Euch
Das Ding gelingt, 'nen Platz im Gardecorps
Des Fürsten Euch, verschaffen, überdies
Sollt Ihr zwei Thaler blanker Münz' erhalten.

Dritter Bauer. Nicht mehr?

Idenstein. Pfui welche Habsucht! Kann ein Laster
Von solchem Schmutz mit soviel Ehrgeiz noch
Verbunden sein? Ich sage dir, zwei Thaler
In kleiner Münze sind ein wahrer Schatz;
Und wagen fünfmalhunderttausend Helden
Nicht täglich Leib und Seel' für einen Thaler?
Wann habt ihr je nur halb so viel gesehn?

Dritter Bauer. Noch nie! Doch gleichwol muß ich drei bekommen.

Idenstein. Habt Ihr vergessen, wessen Unterthan
Ihr seid. Ihr Sklav'?

Dritter Bauer. O nein – des Fürsten, nicht
Des fremden Herrn!

Idenstein. Bursch! wenn der Fürst nicht da,
Bin ich hier Herr, und der Baron ist mein
Vertrauter Freund. [ »Mon cousin, Idenstein«],
Sprach er, »schick' doch ein Dutzend Schlingel fort!« –
Nun denn, ihr Schlingel! Packt euch! Marsch! sag' ich,
Und wenn ein einzig Ohr an dem Packet
Naß wird vom Oderwasser, dann seht zu!
Für jedes Blatt Papier laß ich 'ne Haut
Von euch als Kalbfell auf die Trommel spannen,
Wie Zizka's Haut, um Sturm darauf zu schlagen
Auf jeden widerspenstigen Vasallen,
Der nicht Unmöglichkeiten leisten kann.
Fort, Erdgewürm'!

(Idenstein ab, indem er sie hinausjagt.)

Josephine (kommt vorwärts). Gern mied' ich diese Scenen,
Die hier die Tyrannei mit armen Opfern
Nur zu oft spielt. Ich kann nicht helfen ja!
Und möchte drum nicht Zeuge davon sein.
Auch hier an diesem fernen, dunkeln Ort,
Dem dunkelsten in des Bezirkes Karte,
Reibt sich des Bettelstolzes Uebermuth
An solchen, die noch ärmer sind, der Stolz
Vornehmer Knechte an noch schlecht'rem Knecht,
Und spreizt sich noch zerlumpte Herrlichkeit.
Was ist dies für ein Leben! In Toscana,
In meinem theuern, sonn'gen Vaterland,
War doch der Edelmann auch Bürger, Kaufmann
Wie Cosmus selbst. Wir hatten unsre Uebel,
Doch solche nicht wie hier. In unsern Thälern
Voll üpp'ger Fruchtbarkeit war Armuth selbst
Weit fröhlicher. Jed' Kraut war auch ein Schmaus,
Von jeder Rebe floß gleichsam der Trank,
Der da erfreut des Menschen Herz. Die Sonne,
Die stets man fühlt, die selten sich umwölkt,
Und wenn's geschieht, doch ihre Wärme läßt,
Damit man ihres Strahls gedenk', macht dort
Den blöden Mantel und den dünnen Rock
Viel wen'ger drückend als des Kaisers Purpur.
Hier aber ahmt der nordische Tyrann
Den Eiseswind des rauhen Klimas nach
Und greift dem Kälte schauernden Vasallen
Durch seine Lumpen, ihm die Seel' zu martern,
Wie's mit dem Leib die Elemente thun.
Und einer dieser kleinen Herrn zu sein,
Sehnt sich mein Gatte selbst! Und so groß ist
Sein Adelstolz, daß zwanzig Jahre Härte,
Wie ein im Staub geborner Vater sie
Nie gegen seine Kinder üben könnte,
Nicht eine Spur von seinem Wesen tilgten;
Mich aber, die ich gleichfalls edeln Bluts,
Hat meines Vaters Güte Andres doch
Gelehrt. O Vater! mög' dein langgeprüfter
Und nun belohnter Geist herniederschaun
Auf uns und unsern heißersehnten Ulrich.
Ich liebe meinen Sohn wie du einst mich.
– Was ist das? – Werner? Du? – Ist's möglich? – so –

(Werner tritt rasch mit dem Messer in der Hand durch die geheime Thür, die er eilig wieder hinter sich schließt.)

Werner (erkennt sie anfangs nicht). Entdeckt!! Dann fall' – (erkennt sie)
Ah du bist's, Josephine!
Was bist du nicht zur Ruh'?

Josephine. Zur Ruh'? Kein Gott!
Was heißt denn das?

Werner (zeigt eine Rolle). Hier – Gold! – Gold, Josephme l
Um uns aus diesem schnöden Kerker zu
Befrein.

Josephine. Und wie kamst du dazu? Dies Messer –

Werner. Es ist kein Blut daran – noch nicht! Jetzt fort,
Auf unsre Stube fort!

Josephine. Wo aber kommst
Du her?

Werner. Frag' nicht! Laß uns nur denken jetzt,
Wohin wir fliehn. Dies – (zeigt das Gold.) Dies bahnt uns den Weg.
Jetzt will ich's ihnen sagen, wo sie her!

Josephine. Zu denken wag' ich nicht, daß einer Schande
Du fähig –

Werner. Schande?!

Josephine. So hab' ich gesagt.

Werner. Laß uns von hinnen, dies ist hoffentlich
Die letzte Nacht, die wir hier weilen müssen.

Josephine. Ich hoff', es ist die schlimmste nicht.

Werner. Du hoffst's,
Ich mach's gewiß. Doch laß nach unsrer Stub'
Uns gehn.

Josephine. Noch eine Frag'! – Was thatest du?

Werner (wild). Ich ließ ein Ding noch ungeschehn, das Alles
Hätt' gut gemacht. Ich darf nicht daran denken!

Josephine. Ach daß ich an dir irre werden muß! (Beide ab.)

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