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Sextus Aurelius Propertius: Werke - Kapitel 90
Quellenangabe
typepoem
booktitleWerke
authorSextus Aurelius Propertius
translatorJohann Heinrich Voss
year1830
publisherFriedrich Vieweg
addressBraunschweig
titleWerke
pages315
created20090204
sendergerd.bouillon@t-online.de
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299 IX.
Herkules und Cacus.

        Als Amphitiyons Sohn weiland des Geryones Rinder
    Weg aus deinem Geheg', o Erythea, geführt;
Kam er zum unzwingbaren Gebirg der Palatienwaldung,
    Und den Ermüdeten gab, selbst auch ermüdet, er Rast:
5   Wo mit sumpfendem Strom Velabrum flutete, und wo
    Durch die Gewässer der Stadt segelten Schiffer umher.
Nicht unbeschädiget aber vom ungastfreundlichen Cacus
    Blieben sie: schnöd' als Dieb frevelte jener an Zeus.
Cacus hausete dort im furchtbaren Felsen, ein Räuber,
10       Der drei Schlünden zugleich lodernde Gluten entblies.
Dieser, damit nicht deutlich die Spur anzeigte den Diebstahl,
    Rückwärts, fassend am Schweif, zog er die Stier' in die Kluft. 300
Nicht ohn' ahndenden Gott! Wo der Dieb sei, hallten die Rinder;
    Und zu dem leidigen Dieb sprengte die Pforten der Zorn.
15   Da nun lag, drei Schläfen von Mänalus Aste geschmettert,
    Cacus; und so der Alcid': Auf, o ihr Rinder, enteilt!
Herkules Rinder, enteilt, ihr späteste Beute der Kolb' hier!
    Rinder, mir zweimal gesucht, zweimal errungen von mir!
Weiht dies Rindergefilde mit lang' aushallendem Brüllen:
20       Ruchtbar werden in Rom euere Triften als Markt.
Herkules sprachs; und es dörret den trockenen Gaumen der Durst ihm,
    Und kein fruchtbares Land bietet ihm Wasser zum Trunk.
Doch fern hört er Gelächter von eingeschlossenen Mägdlein:
    Wo ein Hain ringsum bildete Schattengehölz,
25   Jener Fraunschuzgöttin Verschloss, und Quellen der Sühnung,
    Feierlichkeit, ungestraft keinem der Männer enthüllt. 301
Purpurbinden umschwebten die waldeinsiedelnde Schwelle;
    Morsch die Hütt', und von wohlduftendem Feuer erhellt.
Auch die Pappel mit hohen Belaubungen schmückte das Häuslein;
30       Und viel Schatten verbarg munteren Vogelgesang.
Hieher rennt er mit Staub' auf trockenem Barte belastet,
    Und ruft außer der Thür Worte, zu niedrig dem Gott:
»Ihr in der heiligen Grotte des Hains reihntanzende Mägdlein,
    Öfnet doch gastlich das Haus einem ermatteten Mann.
35   Darbend des Quells hier irr' ich umher, wo es rausche von Wassern.
    Was die gehöhlete Hand fasset des Baches, genügt.
Habt ihr von einem gehört, der den Weltkreis trug auf der Schulter?
    Jener bin Ich: frei rings dankt dem Alciden das Land.
Wer nicht hat Großthaten der Herkuleskeule gehö'ret,
40       Und wie des Waldscheusals nimmer gefehlt ein Geschoss? 302
Ja, wie dem Einen der Männer die stygische Nacht sich erhellet?
    Diesen empfangt! Kaum noch öfnet dem Müden sich Land.
Wenn der erbitterten Juno das Fest ihr feiertet, niemals,
    Als Stiefmutter sogar, hätte sie Wasser verwehrt.
45   Doch wenn eine vor diesem Gesicht und der borstigen Leunhaut
    Zagt, und weil mir das Haar libysche Sonne gesengt;
Ich der selbige wirkt' am Sidoniermantel wie Hausmagd,
    Ich in Lydia spann täglich mein Wockengewicht.
Auch umspannte mir weich den zottigen Busen die Binde,
50       Und mit gehärteter Hand war ich als Mädchen geschickt.«
Also sprach der Alcid'; und also drauf die erhabne
    Priesterin, rothes Geflecht um das ergrauete Haar:
»Schone der Augen, o Fremdling, und weich' aus dem Haine mit Ehrfurcht;
    Weiche sofort, und verlass sicher die Schwelle durch Flucht! 303
55   Männlichem Blick ist verboten und heischt furchtbare Versöhnung
    Jener Altar, der im fern liegenden Häuschen sich schüzt.
Groß war der Preis, um welchen Tiresias schaute die Pallas,
    Als sie, der Gorgo enthüllt, tapfere Glieder sich wusch.
Gebe dir andere Quellen ein Gott; hier einzig den Mägdlein
60       Rinnt in gesondertem Lauf ferne dem Wege die Flut.«
Also die Frau. Da regt' er das schattige Thor mit den Schultern,
    Und auf sprengte das Schloss zorniges Durstes Gewalt.
Jezt, nachdem er die Glut im erschöpfeten Borne gebändigt,
    Mit kaum trockenem Mund gab er das strenge Gesez:
65   »Dies ist der Winkel der Welt, der mich, da ich schleppe mein Schicksal,
    Jezo empfängt; hier kaum öfnet dem Müden sich Land.
Der als größter Altar nach gefundener Heerde geweiht ward,
    Den ich mit eigener Hand baute zum größten Altar, 304
Niemals werd' er geöfnet den Anbetungen der Mägdlein;
70       Dass herkulischer Kraft nicht ungebüßt sei der Durst.«
Gruß dir, heiliger Vater, geliebt nun der feindlichen Juno!
    Heiliger, wolle geneigt wohnen in meinem Gesang!
Weil er den Erdkreis nun mit säubernden Händen geheiligt,
    Stellt' als Heiligen ihn Cures, des Tatius Stadt.
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