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Weitere Fabeln

: Weitere Fabeln - Kapitel 69
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Meister Fuchs

Nachdem Meister Fuchs bei der Versammlung der Tiere wegen seiner Freveltaten zum Tode verurteilt worden war, stellte sich der Schalk, als bereue er von Herzen seinen Lebenswandel, und bat, daß er von jedem Tiere insbesondere Abschied nehmen und dasselbe um Verzeihung bitten dürfe. Das wurde ihm von dem Oberrichter, dem Löwen, gestattet.

Nun stand nahe bei ihm der Hase, an diesen wendete er sich zuerst und küßte ihn so sehr, daß das Blut von ihm troff. Er hätte ihn wohl gar erwürgt und gefressen, wenn nicht noch zu rechter Zeit der Löwe dazwischengetreten wäre. – »Es ist aus purer Liebe geschehen«, entschuldigte sich der Meister Fuchs; aber die Rede half ihm nichts, sondern er wurde sogleich gefesselt und zum Galgen geführt.

Unterwegs bat er, man möchte ihn einen kleinen Umweg führen, jenes Bauernhaus vorbei. – Er hoffte vielleicht, daß er im Vorbeigehen noch eine Henne beim Flügel erwischen könne. Doch als man mit dem Hühnerdiebe des Weges kam, flohen die Hennen weit davon, und der Hahn krähte vom Dache herab ein Triumphlied, was den Meister Fuchs schier verdroß. Indes tröstete und freute der sich, daß er doch mindestens Hennen noch gesehen habe vor seinem Ende.

Als sie endlich am Galgen angekommen waren, da, wo jeden anderen die Besinnung verlassen hätte, dachte er ernstlich darauf, wie er zu guter Letzt noch dem Tode entkommen könne, und er verlangte das Wort und sprach: »Ich will euch drei Wahrheiten sagen, die niemand von euch bestreiten kann. Wahrheit aber, wie ihr wißt, ist eine seltene und teure Ware, und darum fordere ich nicht weniger dafür als mein Leben.«

Der Löwe war gutmütig genug, dem Schalk das verlangte Versprechen zu geben.

»Ja«, sagte Meister Fuchs, »erstens bin ich mein Lebtag ein Schelm gewesen; zweitens: es gefällt mir nicht, daß ich an den Galgen kommen soll; drittens: wenn ihr mich losgebt, so werde ich freiwillig nicht wiederkommen.«

Diese drei Wahrheiten konnte denn niemand bestreiten, und also erhielt Meister Fuchs dem Vertrage gemäß Freiheit und Leben.

Und so ist denn das Geschlecht der Füchse unter uns noch nicht ausgestorben.

 


 

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